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...aus Engelsreigen - der Vortrupp -
Ersticke die Zweifel, all jene, die ich habe...
Die Fahne der Feder berührte nur kurz ihre Wange, als sie den Pfeil, aus der bis zum Zerreißen gespannten Sehne entließ. Das melodische Surren übertönte für einen Augenblick die Schreie und den Schlachtenlärm, der um sie herum tobte und der so viel Wahnsinn bereithielt, dass jemand anderes als sie, dazu bewegt hätte, sich um zudrehen und einfach wegzulaufen.
Ein schemenhafter Umriss löste sich vor ihr und sprang ihr mit einer Kraft entgegen, die nur Hass und abgrundtiefe Wut mit sich bringen können. Blutverschmierte Hauer blitzten im fahlen Licht der Schlachtfeuer auf. Der Ork drehte eine gewaltige Streitaxt über seinem Schädel.
Ihre Hand, aufgeschlitzt vom vielen Gebrauch der Sehnen und nur notdürftig von den Heilern verbunden, griff zielsicher in ihren Köcher. Eine Bewegung, die sie heute Abend schon fast an die hundertmal getan hatte...kein Wunder also..., dass ihre Hand ins Leere fischte.
Sein Geruch trieb ihr Tränen in die Augen. Sie stellte einen Fuß nach vorne, um dem heran fliegenden Ork ansatzweise die Stirn bieten zu können und hielt den Kurzbogen quer vor sich, um die brachiale Wucht, welche die Axt mit sich bringen würde, zumindest im Ansatz auffangen zu können.
Mach mir ein Ende... ich fürchte mich nicht...
Sie hörte ein Surren, dann tauchte die Klinge eines gewaltigen Schwertes neben ihr auf, schnitt kraftvoll durch die Luft und fing den heran fliegenden Ork mit einer Leichtigkeit ab, welcher der Grünhaut ein überraschtes und dann erstickendes Geräusch entlockte. Sein hässlicher Kopf wurde vom Rumpf getrennt, flog an ihr vorbei und kullerte über den nassen zertrampelten Boden. Der brachiale Körper des Orkkriegers folgte nur Augenblicke später. Blut spritzte in ihr Gesicht.
Der Mann, der den Ork im Sprung gefällt hatte, trug die Uniform der Garde, soweit man das noch erkennen konnte unter dem chaotischen Geflecht zahlreicher Wunden und dem glänzenden Rot auf den sonst silbernen Ketten seiner Rüstung. Er hielt sich nicht lange mit der Bogenschützin auf, sondern drehte sich und stürmte in die Schlachtreihe zurück.
Diese sonderbare Stille, die sich über ihre Schultern legte, wie ein wärmender Mantel – war er Vorbote, ähnlich wie die Raben, die über den Toten kreisten? Nur gedämpft kamen die Geräusche der Schlacht an ihr Ohr. Die Rufe der mutigen Krieger, die Todesschreie der Gefällten auf beiden Seiten, der Regen, der wieder einsetzte.
Der Köcher zeigte gähnende Leere, somit war der Bogen in ihren Händen nutzlos geworden. Sie drehte sich um und lies ihren Blick über die Schlacht gleiten. Hinter ihr intonierten die Kleriker einen Heilungszauber nach dem anderen und kümmerten um den nicht weniger werdenden Strom an Verletzten, die ihnen auf den Lazaretthügel gebracht wurden. Vor und neben sich tobten Nahkämpfer um jeden Zentimeter Platz. Die Armeen Kassars konnten... sie durften nicht gewinnen.
So patriotisch Kahri?
Der Todesschrei eines Trolls hallte durch die Luft, als zahllose Fackeln und Brandpfeile auf ihn niedergingen und ihn seiner regenerativen Kräfte beraubten. Eine Horde Goblins massakrierte einen unvorsichtigen Krieger am äußersten Ende der linken Flanke und hielten triumphierenden und mit schnarrenden Lauten seine Kopfhaut in den Himmel, bis auch sie von einem Hagel verbündeter Pfeile niedergestreckt wurden. Sie ging in die Hocke.
Gleichzeitig schulterte sie die sinnlos gewordene Waffe und fischte mit den Fingern nach dem Knauf einer anderen. Die dünne Klinge sang von unsichtbaren Kräften bewegt durch die nass kalte Luft. Kein Blut war auf dem makellosen Stahl zu sehen.
Miraden von schattenhaften Spinnweben lösten sich aus dem Nichts in ihrem Rücken und spannen sich um ihren bebenden Körper. Nur wenige Augenblicke später implodierte der im blutigen Gras hockende Körper in einem Geflecht aus Staub und grauen Schlieren und war einfach verschwunden. In der Welt, die sie nun betrat, ungesehen von den anderen Kämpfenden und vielleicht nur erahnt von manchem Sterbenden war ein jeder, ob nun Freund oder Feind nur ein parteiloser Schatten, ohne Kontur, ohne Inhalt. Die Kraft ihrer Gedanken teleportierte sie erst nach links, dann nach rechts. Sie machte in nur einem Wimpernschlag genug Boden gut, dass sie im Rücken des nächsten heran preschenden Orkstrupps stand und den Wald hinter sich hatte.
Sie blieb in der unwirklichen Welt, die ihr Schutz brachte. Die Spitze ihrer Klinge hob sich und blieb nur wenige Millimeter vor dem frei liegenden Nacken der Grünhaut vor ihr stehen. Erst die Späher, geräuschlos und schnell, dann die Krieger. Die Spitze der Klinge löste sich aus der Schattenwelt, doch der verräterische Mond offenbarte ihren Glanz nicht und so schnitt sie mit einem einzigen gezielten Kraftakt in das Fleisch der stinkenden Grünhaut und trat an der Kehle wieder aus. Mit einem Gurgeln sackte er zur Seite weg und hinterließ Fontänen roten Blutes. Sie ergötzte sich nicht an seinem Tod und war schon weiter, als seine zerschnittenen Stimmbändern den Todeskampf begannen.
Ws galt noch vier weitere auszuschalten.
...vier von Tausenden...
_________________ "...All das ist noch nicht einmal eine Generation her, wieso wiederholt sich alles?"
"Weil das Vergessen einfacher ist, als das Ertragen des Erfahrenen, weil falsche Sicherheit wichtiger ist, als stetige Vorsicht, denn siehe Wölfe sind unter die Lämmer gekommen aber sie jagen nicht, deshalb hält man sie für Hunde."
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