|
Nahe Wegesruh/ Comyr vor einiger Zeit:
…Keuchend stolperte sie aus dem Haus, hustend torkelte sie über den Hof, zu den Ställen hin. Das Haus das sie gerade verlassen hatte dampfte irgendwie und zischte, durch die geschlossenen Fensterläden konnte man wilde Flammen schlagen sehen.
Sie rieb sich die Augen, die vom Qualm im Haus tränten und kam dabei ein wenig vom Weg zum Stall ab. Das Leder ihrer Rüstung war durch das Feuer aufgeheizt, die eiskalte Nachtluft hüllte sie damit in einen sanften Nebel. Manchmal musste sie stehen bleiben, denn ihr ganzer Leib schüttelte sich beim Husten, das Atmen fiel ihr schwer.
Inzwischen zischte das Haus, als das vereiste Strohdach Opfer der Flammen wurde. Das alte Fachwerk ächzte in der Hitze des Feuers, immer näher krochen die Flammen an die angrenzende Mühle. Noch hielt das vereiste Mühldach dem Funkenflug stand, doch dampfte es bereits wie ein Siedetopf auf dem Herd.
Endlich hatte sie den Stall erreicht und schlüpfte durch das große Holztor hinein. Die Tiere darin rochen das Feuer offenbar, Angstschweiß, Aufregung und Angst füllte den Stall. Nur ein Pferd stand gesattelt vor den Boxen und trat unruhig auf der Stelle. Der makellose Schimmel trug feinstes, schwarzes Lederzeug. Edle Silberbeschläge am Lederzeug unterstrichen die Anmut und Schönheit des prachtvollen Hengstes. Weit waren die Nüstern des Hengstes gebläht, vor Aufregung scharrte er aggressiv mit den Hufen im Lehmboden des Stalles. Die anderen Pferde waren offenbar von seiner Aufregung angesteckt, so brummten, scharrten, wieherten und tänzelten die Tiere in ihren Gattern. Eine unbändige Herde verschreckter Schlachtrösser deren Instinkt sie zur kollektiven Flucht trieb, bereit alles niederzutrampeln was nicht schnell genug aus dem Weg kam. Eilig griff sie nach einer gefüllten Satteltasche, die auf einem der Strohballen lag um sie mit zittrigen Händen am Sattel des tänzelnden Tieres zu befestigen. Beruhigend wiederholte sie immer wieder den Namen des Hengstes: Sleipnier. Indes warf sie sich einen dicken, schwarzen Lodenumhang über den sie mit zittrigen Händen und einer Silberfiebel verschloss.
Schnell führte sie den Hengst dann vor den Stall, so konnte sie sehen wie das Haupthaus kurz davor war einzustürzen, doch auch die Mühle hatte schon Feuer gefangen und es würde nur ein Frage der Zeit sein, ehe der Mehlspeicher von den unersättlichen Flammen erreicht sein würde. Kurz schaute sie zum Stallgebäude, was zwar separat am anderen Ende des Hofes stand, doch vor dem Feuer plötzlich nicht mehr so sicher schien. Sie konnte die Tiere nicht ihrem Schicksal überlassen, wohlmöglich würden all die Jahre in denen ihre Familie schon die großen Schlachtrösser für Lord Filfar Holzband und seine Mannen züchtete und ausbildete umsonst gewesen sein. Sleipnier war zwar die Krone dieser Zucht, doch all die andern Pferde waren noch immer die Besten vor Ort. Viele hatte sie selbst zugeritten, sie konnte und wollte nicht zulassen, das sie wie ihre Familie hilflos verbrannten.
So band sie Sleipnier an den Knotenpunkt vor dem Stall, um wieder darin zu verschwinden. Sorgsam schloss sie die Tür und machte sich daran die Gatter der Pferche zu öffnen. Sie lies alle Gatter angelehnt, bis auf das letzte. Dies Öffnete sie einen guten Spalt um eilig aus dem Stall zu verschwinden, ehe die Schlachtrösser sich ihrer Freiheit bewusst wurden. Auch das große Scheunentor lehnte sie bloß an, damit die Herde nicht frühzeitig ins Freie gelangte.
Als sie aufsaß hörte sie schon Bewegung im Inneren des Stalls, Tritte von Hufen gegen Holz. Der Lockvogel war offenbar in die Stallgasse gelangt und machte so den anderen Mut auch auszubrechen. Vermutlich waren sie auch angespornt durch das Knacken und Karren des verbrennenden Hauses, dem lodern der Flammen und dem Geruch verbrennenden Lebens der vom Wind herbei getragen wurde.
Sie brauchte den aufgeregten Hengst kaum antreiben, da rannte er auch schon in gestrecktem Galopp über die vereisten Wiesen die den Gutshof umgaben. Der Zaun und die Wassergräben schienen ihm keine nennenswerten Hindernisse zu sein, er übersprang sie unbeeindruckt. Am Weg der zum Dorf führte verrieten Fackeln, das Helfer aus dem Dorf gekommen waren um zu sehen ob noch etwas zu retten war. Vielleicht waren es auch nur Schaulustige, die sehen wollten wie alles Hab und Gut ihrer Familie den Flammen zum Opfer fielen. Doch Sleipnier war ohnehin nicht zu zügeln und während er in der Dunkelheit über die weite Ebene der winterlichen Felder galoppierte, brach eine Herde erschreckter Schlachtrösser aus dem Stallgebäude, die Pferde suchten voller Panik das Weite, während das Feuer den Mehlspeicher erreichte. Der kleinste Funke hatte gereicht um den Mehlstaub im Speicher zu entzünden und mit der Kraft mehrerer Sprengfässer explodierte er geräuschvoll und wuchtig.
Die Geräusche der Explosion spornten den Hengst nur an schneller zu laufen, so schien er fast wie ein weißer Blitz durch die schwarze Nacht zu zucken. Inzwischen waren die anderen befreiten Pferde auf die Helfer aus dem Dorf gestoßen und manch einer wurde wohl von den kräftigen Kriegsrössern zertrampelt, als die Explosion die fliehenden Pferde antrieb.
Die Gestalt aber auf dem Pferd drehte sich nicht mehr um, sie bückte sich in die Mähne des Schimmels, die Kälte trieb ihr Tränen in die Augen, das sie fast blind reiten musste. Vielleicht waren es auch die Trauer einer jungen Frau, die gerade ihre ganze Familie in den Flammen verloren hat, die ihr die Sicht nahm. So sah sie nicht die mächtige Aura des Feuers die glauben machte, die Sonne würde bereits aufgehen und den Himmel blutrot färben...
_________________ Beten ist die letzte Hoffnung des Schurken... [Lisa Simpson]
|