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 Betreff des Beitrags: Sieben Leben
BeitragVerfasst: Mi 29. Sep 2010, 12:06 
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Registriert: Do 8. Jan 2009, 16:14
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Durch die Schatten der nächtlichen Stadt bewegt sich eine schwarzgekleidete Gestalt.

Kaum ein besonderer Anblick, eigentlich. Vor allem hier, im Armenviertel, wo alleine der Wind über den Klippen alle Not, alle Sorge, alle Gefahr und Verbrechen durch die Gassen und Ritzen der schiefen Häuser wahrnimmt. Hier ist jede Gestalt schwarzgekleidet, denn jeder will die gefährlichen Schatten zu seinen Freunden, zu seiner tröstlichen Umarmung machen.

Und doch verweile ich ein wenig, beobachten die Gestalt. Auf jeden Fall ist es eine Frau. Nun ja, auch das ist wohl so gut wie jede zweite aller Gestalten. An ihr aber ist etwas...Eigenartiges. Neinnein, nicht die wallenden Gewänder aus nachtdunklem Stoff. Der sanfte, leichte Schritt, die wiegenden Bewegungen? Vielleicht nicht all zu häufig in diesem Viertel hier, aber auch das ist es nicht, was mein Auge fängt. Komm, ein kleines Stück näher, ich will sie besser sehen. Ihr Haupt ist verhüllt, nur einen Schlitz für die Augen lässt das geschlungene Tuch frei. Liebe Güte, jeder zweite hier verbirgt sein Antlitz. Was ist es also, frage ich mich...? Ah. Jetzt fällt es mir auf.

Die seltsame Ruhe und Unbeschwertheit ist es, mit der sie durch das Armenviertel schlendert. Ja, schlendert. Sie flaniert durch Not und Elend, unbeeindruckt von den gedämpften Schreien, die hin und wieder das allgemeine Rumoren durchstechen. Hin und wieder legt sie eine Hand in sanfter, liebevoller Geste auf einen morschen Balken, ein verwittertes Fass und beinahe hat man den Eindruck, sie würde unter dem Kopftuch lächeln. Über eine Schulter trägt sie einen Seesack. Viel scheint nicht darin und sie macht sich auch nicht all zu besondere Mühe, ihn zu verbergen oder zu schützen. Herrlich, eine leichte Beute. Was für eine dumme Ziege. Tänzelt durch unser Viertel, schaut sich um, als wäre es der neue Tempel oder das Marktviertel mit seinem Prunk. Komm, der werden wir es zeigen. Vielleicht steckt unter der Kapuze ja ein hübsches Frätzchen. Und wenn nicht, schlagen wir es einfach ein und wickeln es wieder zu. Dann stehlen wir ihr den Sack. Aber erst, nachdem wir uns mit ihr vergnügt haben. Los, schnell! Sie biegt gerade um die Ecke, die Gasse dahinter ist dunkel, still und vor allem versperrt. Ha, Häschen in der Falle, saß und schrie. An dir werde ich mich köstlich ergötz...

..wie? Wo ist sie denn hin? Ach, komm, jetzt habe ich mich schon so auf ihre Schreie gefreut, verflix...

...aaaaAARRGH!

Ein Lächeln steht in den kholumrandeten Augen, als die verhüllte Frau aus der Gasse kommt. Alleine. Nur mit ihrem Seesack. Sie huscht um eine Ecke, und wie zuvor verschwindet sie wieder vom Weg. Behände an einer Dachrinne hinauf, auf das Dach. Von dort zum Nächsten. Ja, der schmale Balken ist noch immer hier, sehr gut, auf zum nächsten Dach. So geht es weiter und weiter, bis sie sich, diesmal unbehelligt, durch das Armenviertel geklettert hat. Ein kleines, windschiefes Häuschen steht an den Klippen, ganz am Rand. Einen Moment hält sie inne und sieht auf das Meer hinaus. Dann wendet sie sich der Türe zu. Sie starrt auf das Schloss. Ihre Bewegungen werden zögerlich, als sie etwas aus den Falten des weiten Gewandes holt. Ein Schlüssel. Sie hält inne. Atmet durch, sichtbar. Und steckt den Schlüssel in das Loch. Ein Klicken...

...jetzt ein friedvolles Bad. Alles andere soll warten. Ich grüße dich, Rivin.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sieben Leben
BeitragVerfasst: Fr 1. Okt 2010, 13:15 
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Schon eine ziemliche Weile steht sie an der Schwelle. Eng gedrückt an die verschlossene Türe, den Schlüssel noch in der Hand und einen Fuß sacht gehoben, als hätte sie mitten im Schritt etwas innehalten lassen und hindere sie nun daran, ihn zu setzen. Die fast schwarzen, großen Katzenaugen schweifen bedächtig in der Kammer umher. Verengen sich, je mehr Detail sie Halbdunkel der Hütte zu sehen bekommt. Staub, Spinnweben. Leere Regale. Kalter Kamin. Vernageltes Fenster.

Mit einem dumpfen Laut fällt der Seesack zu Boden. Sie beginnt nun zu wandern, streift mit der Hand über ein Regalbrett, zerreibt den Staub zwischen den behandschuhten Fingern. Sie rüttelt sacht an den Brettern vor dem Fenster, ihre Schritte drücken Spuren in die Staubschicht am Holzboden.
Im zweiten Raum angekommen starrt sie eine Weile auf die leere Bodenfläche vor sich.

Du hast es verkauft, sadheem?
Es sollte mir wohl nichts ausmachen. Ich habe damit gerechnet.
Doch jetzt stehe ich hier, sehe die Leere, wo früher meine erste, bunte Freiheit war. Nichts ist mehr hier. Nicht die Statue meiner Herrin. Nicht unser schimmerndes Lager. Nicht deine Bücher, deine vielen, vielen Bücher.
Oh, ich weiß wohl, wusste es die ganze Zeit, dass du nicht auf mich warten würdest. Und so sollte es auch sein, wir haben oft genug darüber gesprochen. Aber das du dies hier weggabst...


Mit fließenden Bewegungen wickelt sie den Schleier vom Kopf, lässt ihn achtlos zu Boden gleiten, in den Staub. Sie schüttelt ihr schweres Haar aus und stemmt die Hände in die Hüften. Die vollen Lippen geschürzt, ein etwas harter Zug darum. Die rechte Fußspitze klopft am Boden, als sie herumschaut. Plötzlich huscht ein Lächeln durch das schöne Gesicht und sie tritt in eine Ecke, hockt sich hin.

Sie zieht die Handschuhe aus, beginnt, die Bodenbretter abzuzählen. An einem bestimmten angelangt, fummelt sie geschickt herum, zieht an einer Seite, drückt an der anderen. Leise klackert es...an einer anderen Stelle im Raum. Dorthin geht sie und holt unter einem anderen losen Brett eine Kiste hervor, schmucklos und klein. Mit einem samtigen Lachen holt sie deren Inhalt hervor, küsst das Amulett der glitzernden Kette und schnuppert an dem kleinen Brocken trockener, zusammengeklebter Blätter. Dann verstaut sie alles wieder an seinem Platz. Mit den Händen in den Hüften schaut sie sich um, nimmt ihre Sachen wieder auf.

Meine erste Freiheit. Warte nur, bald hole ich dich zurück. Bald. Warte auf mich.

Aber jetzt...ein Bad.

Entschlossener als beim Eintreten verlässt sie das windschiefe Häuschen, huscht durch die Abendstunden Richtung Torviertel.

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