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Wenn ihr mich das fragt, so sage ich Euch: Diese Stadt ist nicht verdorben. Sie ist Leidenschaftlich. Einzigartig. Bereit zu tun was immer notwendig ist, um die Stadt zu sein die sie sein will.
Und verdorben.
- Faeanshalee
Am dunklen Himmelszelt standen die Sterne, spendeten gemeinsam mit dem Mond der Nacht ein wenig Licht. Die Ar-Tel'Quessir stand auf dem Dach des Mantelturmes, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Ihren Blick auf die unter ihr schlafende Stadt gerichtet, auf jene vielen Häuser und Hütten, die aus dieser Höhe wie kleine Puppenhäuser in einer Spielzeugstadt anmuteten. Dies ist der Blick, der aus den güldenen Augen der Sonnenelfe jener Stadt stetig gilt. Ein Projekt, ein Experiment, welches seit einem Jahr läuft, dies ist die Stadt Rivin. Eine Anordnung von Versuchsreihen, ein umfangreiches Laboratorium, das dem Zweck dient, einen Protoypen zu erschaffen. Eine Prototypen für die neue Weltordnung, die Beweisführung für die Richtigkeit ihrer Theorie vor ihrem Hause. Der Versuch, ihrem Hause, dem Hohen Hause Corrua'iat zu präsentieren, dass die N-Tel'Quessir gerettet und befreit werden können. Wenn das Experiment gelingt, so wird es auf den Kontinent ausgeweitet werden.
Ihre Fingerspitzen glitten sanft über die großen Hasenohren ihres Vertrauten, kraulten diese an der Basis. Emotionen, Empfindungen. Die Sehnsucht nach Wärme. Die Verabscheuung der Kälte und der Verachtung, die ihr entgegenschlägt. Manifestiert sich in fließenden Tränen, die sich den Weg über ihre Wangen und ihre Lippen suchten, wenn die in der Öffentlichkeit derartig emotionskühle Sonnenelfe mit sich oder mit ihrer Sha alleine ist. Die lebende Verkörperung der Perfektion des Seins, das Vorbild für die niederen Völker, darf keinen Zweifel und keine Schwäche zeigen. Doch der emotionale Bestandteil von Amengs Geist hatte Zuneigung zu den Versuchsobjekten entwickelt. Zuneigung, Empathie, Mitgefühl. Äußerst hinderlich für eine funktionsfähige Durchführung der Versuchsreihen. Auf der anderen Seite hatte sie den Versuch erst deshalb begonnen, da sie Zuneigung verspürte. Zuneigung ist der Anstoß gewesen, wie er auch der Katalysator ist, der sie zur Eile antreibt.
Unter ihr liegt die Stadt, ihr Experiment. Eine zersplitterte Stadt, die mit sich selbst ringt und sich Fragen stellt, auf die sie keine Antworten finden wird. Weil sie die Antworten nicht finden will. Eine Stadt voller Geheimnisse und Abgründe. Eine lebende Stadt, die über ein pulsierendes Herz verfügt und wie ein stetig waches Kind heranwächst. Sie nimmt Eindrücke auf und verarbeitet sie, formt aus ihnen Erkenntnisse und passt ihre Entwicklung den Eindrücken an. Die Stadt hat auf Ameng gewartet um endlich erwachsen zu werden, die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen. Und heute stellt die Stadt sich in ihrer kindlichen Uneinigkeit viele Fragen, die zum Ende jenes Tages beantwortet werden sollen.
"Nicht nur die Stadt, auch das Exempel stellt sich Fragen. Und die Fragen der Stadt, sie gelten dem Exempel. Gorda. Janus Gorda. Du stellst mir lediglich bedeutungslose Fragen, obgleich du über die Intelligenz verfügt hättest, mir die richtigen zu stellen. Und du werfest mir Dummheit vor und teilest mir mit, dass ich die Angelegenheit nicht durchschauen würde. Doch du bist es, der nicht versteht. Dieses erkenne ich bereits an deinen Fragen. Du bist der Ansicht, ich wäre überzeugt von deiner Schuldigkeit. Das ist nicht korrekt. Ich weiß von deiner Schuldigkeit und von deinem Verstoß gegen die rückständigen Gesetze dieser Stadt. Bereits seit langer Zeit weiß ich davon. Dachtest du denn, ich wäre das Risiko eingegangen, dir Vertrauen zu gewähren und dich zu decken, wenn ich dich nicht genauestens beobachtet hätte?
Ich bedaure es sehr, dass es auf diese Weise enden muss. Ich hatte Hoffnungen in dich gesetzt, Erwartungen. Du konntest ihnen nicht gerecht werden, du bist eben lediglich ein Mensch. Nach wie vor verstehst du nicht, worum es hier tatsächlich geht. Mir ist bekannt, dass du Verbrechen begangen hast und über Geheimnisse verfügst, die ich heute allesamt dem Gericht und der Öffentlichkeit offenlegen werde. In deiner Narrheit denkst du, es ginge mir darum, deine Schuld zu beweisen. Doch darum geht es mir garnicht. Denn mir ist vollkommen gleichgültig, dass du gegen ihre Gesetze verstößt. Zumindest dies müsstest du erkennen können, ich habe dich schließlich seit langer Zeit gedeckt und vor ihren Ermittlungen gewarnt. Bedauerlicherweise zogest du es vor, nicht auf mich zu hören. Jetzt wirst du für deine Unachtsamkeiten und deine Vergehen gegen ihr Gesetz bezahlen müssen.
Avavaen.
Mir ist gleichgültig, dass du gegen ihre Gesetze verstoßen hast. Ich benutze deine Fehler und Vergehen lediglich, damit das Gericht die Strafe vollzieht. Die Strafe, die als Ersatz für dein tatsächliches Vergehen geschehen soll. Sicher würdest du dich fragen, um welches tatsächliche Verbrechen es sich handeln könnnte, wenn du meine Gedanken und mein Vorhaben durchschaut hättest. Bedauerlicherweise würdest du die falschen Schlüsse ziehen, so wie du sie immer gezogen hast, da du nicht verstehst, wer ich bin.
Ich bin eine Ar-Tel'Quessir.
Ich bin perfekt.
Du wolltest meinen Tod, und du hast Handlungen vollzogen, die ihn herbeiführen sollten. Das ist für mich nicht von Bedeutung. Du hast meinem Ruf in jener Stadt und in meinem Hause, dem Hause des Mantels der Sterne, relevanten Schaden zugefügt. Das vermag ich zu tolerieren. Nichts von jenem ist für mich ein Vergehen, ebensowenig wie deine Verbrechen gegen die Gesetze der Stadt von mir bestraft würden. Bedauerlicherweise wäre dein Verstand zu beschränkt, um mir folgen zu können. Als das Individuum, das du darstellst, würdest du mich ohne zu Zögern für die Dinge töten, die du mir antun wolltest und angetan hast. Für mich hingegen sind diese Kleinigkeiten belanglos. Warum also will ich dein Leben zerstören?"
Amengs Fingerspitzen glitten in eine Tasche ihrer Robe, aus welchem sie einen faustgroßen Würfel hervorbrachten, der aus verschiedenfarbigen Kästchen bestand, die man verschieben konnte. Ein Geschenk ihrer Sha. Die Ar-Tel'Quessir benutzte es häufig, wenn sie das Bedürfnis nach innerer Beruhigung verspürte. Gewandt drehten ihre Hände die Reihen in eine willkürliche Position um einen neuen Weg zu suchen, diese wieder soweit zusammenzufügen, dass jede Seite in derselben Farbe erstrahlt.
"Dein Fehler. Er besteht darin, dass du mein Vertrauen missbraucht und meine Pläne aus egoistischen Motiven gefährdest hast. Das ist dein Vergehen. Ich bin eine Ar-Tel'Quessir. Aus dem Hohen Hause Corrua'iat. Aegisses der Kirche Corellons.
Unserem Volke wurde die Welt vom himmlischen Vater zur Verwaltung übertragen, damit wir sie beschützen und auf die richtigen Pfade lenken. Und unsere Kirche überlegt sich die Schritte zur Umsetzung. Ich will diese Stadt verändern um ihnen zu beweisen, dass nur mein Konzept umsetzungsfähig ist. Für meine Sha, für meine Freunde und für meine Verbündeten. Für Fira, für Elona, für Miriamel, für Amelie, für Natalie, für Varda, für Miyako, für Nesmil, für Anriel, für Faeanshalee, für Phaere. Für die Stadt und in letzter Konsequenz für die ganze Welt. Du hast meine Pläne, du hast sie aus egoistischen Motiven gefährdet. Einen Zeitverlust im Ablauf bewirkt. Die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ergebnisses um 2,34% gesenkt.
Deine Unrettbarkeit habe ich bereits vor längerer Zeit festgestellt. Aber ich hätte dich deine Zerstörung selbst herbeiführen lassen. Du jedoch zwangest mir dazu, diesen Vorgang zu beschleunigen. Indem du meine Pläne gefährdetest, sie bewusst störtest, machtest du dich zum Feind meines Feldzuges. Zum Feind meines Krieges gegen das Böse. Ich bin eine Ar-Tel'Quessir, Aegisses des himmlischen Vaters Corellon. Es ist meine heilige Verpflichtung, meiner Verantwortung für die Welt nachzukommen und sie zur Hoffnung zu geleiten. Wer gegen meine Pläne steht, der stellt sich gegen Corellon, den himmlischen Vater, den Schöpfer.
Und die Strafe dafür, sie lautet Tod."
_________________ ~"This ist my battle. This is my battleship."~
"Jene, die sich Abenteurer nennen, sind grausame Individuen aus einer anderen Welt. Sie sind auf der ständigen Suche nach neuen Opfern für ihre dunkle Gottheit Exp, die sie dafür mit immer stärkeren Fähigkeiten und Kräften ausstattet."
~Shadow is a man who never loses his virginity - because he never loses.~
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