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 Betreff des Beitrags: Sonnensturm
BeitragVerfasst: Mi 28. Mär 2012, 00:42 
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"Ordnung ist ein extrem unnatürlicher Zustand. Darum bewaffnet die Schwachen, auf dass sie sich gegen die Starken erheben.

~Buch Malik, 2. Absatz, 9. Vers~


Die beiden Gardisten stemmten sich gegen das Tor der alten, verfallenen Lagerhalle und drückte es ächzend auf. Verrostete, kaputte Scharniere krächzten leise, hallten durch die Dunkelheit der Nacht um vom Lärm der wütend tosenden Wellen verschlungen zu werden. Ihre Kommandantin, Korporal Laura Weilershof, stand hinter ihnen und ließ die Männer die Arbeit machen, sie selbst hielt lediglich die Laterne in der Halt. Ihr Blick war ernst und wachsam. Von der Harfe hatte sie lange nichts mehr gehört, sie hielt sie hier in Rivin schon fast für ausgestorben, doch nun war dieser obskure Geheimbund wieder in Erscheinung getreten. Mehr noch, er hatte sich an sie gewandt, ihr eine Botschaft zukommen lassen.

"Wird das da bald was, ihr Memmen?" rief sie den beiden Gardisten aufmunternd zu. Nur ein schwerfälliges Murren war die Antwort. Sie waren immer noch mit dem Öffnen des schweren Tores beschäftigt. Laura nahm sich daher die Zeit, die Nachricht, die das Siegel der Harfe trug, nochmals aus der Tasche zu nehmen und zu lesen. Eigentlich unnötig, kannte sie doch den Text inzwischen fast auswändig. Er handelte von der immer stärker zunehmenden Unterdrückung, die hier im Hafen von den dunklen Kirchen Tyrannos und Umberlee ausging und davon, dass dieser Zustand nicht mehr länger akzeptiert werden kann. Man wolle ein Zeichen setzen, ein deutliches Zeichen, das gehört würde. Und hier sollte Laura dieses Zeichen finden und verkünden. Sie war mehr als nur gespannt, doch ebenso auf alles gefasst.

Und doch nicht auf alles.

Die Tore waren endlich geöffnet und der Schein der Laterne warf ein Licht auf das Innere der seit Jahren ungenutzten Lagerhalle. Laura räusperte sich und unterdrückte einen Würgereiz. Sie hatte den Blick im ersten Moment instinktiv abgewandt, doch jetzt hob sie ihn langsam und sah sich die dort aufgehängte Leiche an. Ein junges Mädchen, etwa im Alter von 18 oder 19 Wintern, von kräftiger Statur. Aufgehängt an der Decke, doch das war nicht die Todesursache - die Todesursache war wesentlich grausamer, das ahnte Laura aufgrund ihrer Erfahrung schon nach der ersten Musterung. An dem Körper der Leiche waren heilige Symbole der Kirche Selûnes eingebrannt worden. Langsam trat sie in die Lagerhalle, beleuchtete die Wand hinter dem Mädchen. Dort war etwas in rot geschrieben. Vermutlich mit dem Blut des ermordeten Mädchens. Laura seufzte - wie theatralisch. Sie näherte sich der Wand um den Inhalt der blutigen Botschaft zu lesen, als sie hinter sich einen ihrer beiden Begleiter, den Gardisten Urmahr, ein Gebet sprechen hörte. Laura drehte sich um und sah den Gardisten auf dem Boden vor der Leiche knien. Irritiert hob sie eine Braue und blickte zu dem anderen Gardisten, der die Leiche mit geöffnetem Mund anstarrte.

"Sollte ich etwas wissen?" fragte Laura die beiden Männer, um nur eine stammelnde Gegenfrage zu erhalten.
"W-wisst Ihr nicht, wer das ist?"
Laura blickte ein weiteres Mal zu der Leiche, ehe sie wieder zu den beiden Gardisten sah und ihnen auffordernd zunickte.
"Wer?"
"D-das ist Violet.."
"Ja..?"
"...die Tochter von Sehveth. Die.. Tochter von Seveth, der Hohepriesterin Umberlees."
Laura stöhnte leise um anschließend die Situation in einem Wort zusammenzufassen.
"Scheiße."

Nachdem sie einige Momente gebraucht hatte, sich wieder zu sammeln, drehte sie sich wieder dem blutigen Schriftzug zu und las ihn.

"Wir fürchten euch nicht. Doch ihr werdet uns fürchten. Die Vergeltung der Mondmaid."

"Verfluchte Scheiße."

_________________
~"This ist my battle. This is my battleship."~

"Jene, die sich Abenteurer nennen, sind grausame Individuen aus einer anderen Welt. Sie sind auf der ständigen Suche nach neuen Opfern für ihre dunkle Gottheit Exp, die sie dafür mit immer stärkeren Fähigkeiten und Kräften ausstattet."

~Shadow is a man who never loses his virginity - because he never loses.~


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 Betreff des Beitrags: Re: Sonnensturm
BeitragVerfasst: Mi 28. Mär 2012, 00:43 
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Der junge Priester Thomas Vine kniete am Boden und ließ um sich herum das Chaos geschehen, ohne auch nur einen äußeren Muskel zu bewegen. Seine Augen geschlossen, der Blick gesenkt. Falls er Angst hatte, so ließ er es sich nicht anmerken - aber es wäre mehr als verständlich. Immerhin zuckten und zappelten neben ihm die Überreste seines gerade vor wenigen Momenten in zwei Hälften gerissenen Lehrmeisters Zulkar vor sich hin. Zerrissen im noch tobenden Wutausbruch ihrer Herrin, der Hohepriesterin Sehveth, der er die schlechte Botschaft gerade überbracht hatte - Zulkar hatte das kürzeste Streichholz gezogen.

Thomas Vine hatte vielleicht Glück. Nach dem Zerreißen Zulkars ließ Sehveth ihre Wut nun mehr an der Inneneinrichtung anstatt an ihrem nächsten Priester aus. Zumindest, solange er nichts tat, dass auch nur im Entferntesten ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Hohepriesterin Sehveth - eine der reinsten und natürlichsten, menschlichen Verkörperungen des Willens der Furienkönigin. Ihr Zorn war, trotz der lebensbedrohlichen Auswirkungen in ihrer Nähe, nach Thomas Vines Ansicht unbeschreiblich schön. Wie eine Naturgewalt, wie ein Sturm, ein Hurrikan, eine Springflut, die alles Leben hinwegfegen könnte. Und der Schrei ihres Zorns war eine Symphonie des Schreckens, wie ein Schrei aus der unendlichen Herrlichkeit des Abgrunds selbst.

"Nein!"

Ein mannshohes Fenster aus bemaltem Glas, dass in zehntausend bunte Splitter zersprang.

"Nein!!"

Eine Säule, die aus dem Boden gerissen und gegen eine tragende Wand geschleudert wurde.

"NEIN!!"

Ein Dreizack, der den Steinboden spaltete.

"Nein.."

Ein ersticktes, röchelndes Wimmern wie von einem verwundeten Tintenfisch, der an Land gebracht wurde?

Thomas horchte auf. Bis auf das Wimmern war es still geworden, es flogen keine großen Gegenstände oder Gebäudefragmente mehr durch den Raum. Doch dieses Geräusch, dieser Laut, das konnte nicht sein? Nur mit größter Vorsicht wagte er es, seine Augen lautlos zu öffnen und seinen Blick geringfügig zu heben. Das Unvorstellbare, das Undenkbare war tatsächlich geschehen. Seine Herrin, seine Meisterin, seine fleischgewordene Verkörperung der von ihm über alles geliebten Göttin, seine Hohepriesterin Sehveth kniete auf dem Boden und vergoss meeressalzige Tränen über den Verlust ihrer Tochter. Er verachtete sie nicht dafür, obwoh sie in den Augen manchner nun Schwäche zeigte. Denn es war keine Schwäche, es konnte keine sein. Sie ist alles. Sie besitzt keine Schwachstellen. Und er existiert nur zu dem Zweck, ihr zu dienen. Entschlossenheit festigte sich in seinem Blick. Es war klar, was er zu tun hatte. Dennoch brauchte er den Segen seiner Herrin. Sie jetzt anzusprechen, könnte ihn das Leben kosten, das war ihm bewusst. Doch er brauchte ihre Erlaubnis und es musste schnell gehen, damit ihr Leid gestillt werden könnte. So wagte er es. Ihre Antwort erklang wie rasselnder Atem mit meeresgefüllten Lungen.

"Sie haben ihr nicht das Wasser gegeben. Sie haben ihre Haut nicht damit benetzt, ihre Kiemen nicht damit umspült. Sie haben sie flehen lassen, doch sie würdigten ihr Leid nicht. Als sie starb, haben sie sie nicht das Meer sehen lassen. Sie haben sie nicht das Meer sehen lassen."

Er verstand sie nicht. Wie konnte er auch? Er war nur ein unwürdiger Diener ihrer Herrlichkeit, sein Verstand konnte ihre Weisheit nicht auch nur im Ansatz erfassen. Doch sollte er sprechen? Sie fragen? Dann aber antwortete sie bereits.

"Thomas Vine, du wirst berufen in die Position deines verstorbenen Meisters Zulkar. Du sollst mein Inquisitor sein. Finde die Mörder und vergelte ihre Tat nicht siebenfach. Nicht siebzigfach. Vergelte sie siebenhundertfach. Säubere unsere Reihen von allen Zweiflern und dann führe sie in den Krieg. Ich erwarte, dass du kein Erbarmen zeigst."

Das stille Funkeln eines Fanatikers stahl sich in die Augen des neu ernannten Inquisitors Thomas Vine, erhoben in den Rang einer Welle der Wut. Niemals würde er seine Herrin enttäuschen und so verließ er sie schließlich um die Priester und Gläubigen in der großen Halle zu sammeln.

"Bewaffnet euch, Brüder und Schwestern, bewaffnet euch. Mutters Schmerz ist groß. Bewaffnet euch. Wir müssen bald ihren Zorn stillen oder sie wird uns alle verschlingen."

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 Betreff des Beitrags: Re: Sonnensturm
BeitragVerfasst: Mi 28. Mär 2012, 01:13 
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>>In einer dunklen Gasse<<

Die Stimme des Mannes war wie ein Flüstern, wenn er sprach. Doch jeder hörte ihm zu. Seine eigenen Leute, da sie ihn bereits gut genug kannten und die vier Prostituierten, weil sie gerade zugesehen hatten, wie ihrem Zuhälter das Gesicht abgerissen wurde, als er nicht schnell genug auf die in der flüsternden Stimme gestellten Frage des Fremden geanwortet hatte. Ja, jeder hörte ihm zu.

"Ich denke, es ist nicht nötig zu erwähnen, dass Sarlek nach seiner Verhaftung durch den Mantel der Sterne nicht so schnell wieder hier sein wird. Seine Geschäfte und auch die all seiner.. Mitbewerber werden jetzt von mir übernommen. Jeder, der nicht auf meine Seite treten will, hat eine Frist von 30 Tagen, um den Hafen zu verlassen."
Nur eine der Prostituierten wagt es, zu antworten. Allerdings mehr aus Angst vor Sarlek.
"Das.. wird ihm nicht gefallen."
"Oh, das ist in Ordnung. Sagt ihm.. sagt ihm.. ja, sagt ihm, Dunkelseiter ist hier."


>>Die Handelsgesellschaft<<

Victor blickte vom reichhaltig gedeckten Frühstückstisch auf, als sein Diener den Raum bemessenen Schrittes betrat, um ihm bereits zu jener frühen Morgenstunde eine Nachricht zu bringen. Geschrieben auf Pergament, zusammengerollt und mit einem blauen Band verbunden. Wenn man es wagte, Victor bereits so früh zu stören, dann war es normalerweise wirklich sehr dringlich. So griff er nach der Pergamentrolle, löste das Band und las nach dem Aufrollen den Inhalt. Kurz schloss er die Augen, dann rollte er das Pergament wieder zusammen.

"Äußerst unangenehm. All unsere Termine für heute sind hiermit abgesagt, es ist stattdessen eine Versammlung aller Mitglieder heute zur Mittagsstunde notwendig. Die laufende Entwicklung könnte unsere Geschäfte relevant beeinträchtigen. Und ich möchte spätestens bis zum Nachmittag ein Treffen mit der schrulligen Elfe, die den zu mindestens einem fünftel von mir finanzierten Turm leitet."
"Sire, Herr Stroud, der euch diese Nachricht überbringen lässt, erwähnte bei der Übergabe, dass der Mantel der Sterne hierbei zunächst außen vor zu lassen ist und eine neutrale Position einnehmen wird."
"Wie bitte? Wie kommt Stroud auf diesen Gedanken?"


>>Im Fürstenpalast<<

Der Kanzler wartete geduldig ab, bis sein Herr und Gebieter, Fürst Sedrik Silbertal, sein Frühstück beendet und sich für den Tag entsprechend vorbereitet hatte. Wieder einmal warteten eine ganze Reihe von Audienzen, die es abzuhalten galt. Doch zuvor gab es noch etwas dringlicheres. Als Sedrik Silbertal aus seinen Gemächtern kam, trat der Kanzler somit schließlich auf ihn zu.
"Mein Fürst, ich müss Bericht erstatten."
Und dann berichtete der Kanzler seinem Fürsten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sonnensturm
BeitragVerfasst: So 6. Mai 2012, 20:21 
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Der Blick aus den meeresblauen Augen der Furienpriesterin Sehvet richtete sich von einem Turm des Umberleetempels auf den unter ihr liegenden Hafen und die dortigen Zerstörungen. Selten war es in Rivin zu einer solch flächenweiten Katastrophe gekommen. Kriege, Schlachten, Kriminalität, Armut und Unterdrückung, das kannten die Riviner. Doch dies hier war etwas völlig anderes. Dies war absolute Zerstörung, erwirkt durch die gebündelten Kräfte der Natur, die sie sich in ihrem Größenwahn untertan sehen.

"Sie haben sie nicht das Meer sehen lassen. Nun sehen sie alle das Meer. Sie fürchten uns nicht? Sie werden es lernen!"

Bereits seit einigen Zehntagen hatte Thomas Vine sich um die Aufrüstung der Streiter und Kampfpriester der Kirche gekümmert. Viele, mächtige Personen hatten entweder Vine oder Sehvet selbst ihre Unterstützung gegen die Kirche Selûnes zugesagt, einige aus dem Schatten heraus, andere ganz und gar offen. Nun blieben nur noch die Positionen der Miliz und der Kirche der Eisenfaust abzuklären und der Krieg konnte beginnen. Der andauernde Regen hatte inzwischen die Kanäle gefüllt, das Wasser lief kaum noch mehr ab. Die Sahugin und der Kraken waren unterwegs, die Erwählten waren vorbereitet. Bald war jede Hoffnung für die Feinde der Kirche Umberlees verloren.

Und dennoch hielt Sehvet ihre Krieger noch zurück. Sie hatte eine Vereinbarung getroffen. Doch sobald diese abgelaufen war oder falls es noch einen Zwischenfall, einen Angriff gegen die Kirche oder eine Einmischung gab, dann würde der Zorn der See alle Feinde der Kirche verschlingen und...

In diesem Moment wurde Sehvet aus ihren Gedanken gerissen, als Thomas Vine, Welle der Wut, ihr Großinquisitor auf den Balkon trat und sich verneigte. Mit einer knappen Geste des Zorns darüber, dass er sie zu stören wagte, gebot sie ihm zu sprechen. Und er sprach, während seine Augen von einem fanatischen Funkeln erfüllt waren.

"Hohe Herrin der Wellen, meine große Mutter, ich habe die von den Selûniten angeheuerten Meuchler finden können, doch der Mantel der Sterne stellte sich gegen uns und nahm sie mit sich."

Kein Ton erklang mehr. Vine wagte es nicht einmal, zu atmen, nachdem er sein Versagen seiner Herrin gegenüber eingestehen hatte müssen. Selbst die Vögel am Himmel erstummten. Sogar das Meer schien für jene wenigen Sekunden inne zu halten und zu schweigen. Das erste Geräusch, welches die schier zeitlose Stille wieder durchbrach, war ein Tropfen des Wassers aus Sehvets langen, vom Regen durchnässten Haaren - dann war auch der Sturm und die See wieder zu hören. Sehvets Kopf fuhr herum, ihre Augen fixierten den Turm des Mantels der Sterne. Und verengten sich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sonnensturm
BeitragVerfasst: So 6. Mai 2012, 22:08 
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>>Stiftung zur Förderung der Magie<<

Sirius Stroud, der derzeitige Leiter der Stiftung zur Förderung der Magie, saß in seinem stilvoll, aber doch für die Verhältnisse schlicht eingerichtetem Büro hinter seinem Schreibtisch, die Fingerspitzen nachdenklich aneinandergelegt. Obgleich er äußerlich fast ruhig wirkte, war er verärgert, um nicht zu sagen, zornig. Sowohl Sehvet, als auch der Kanzler des Fürsten selbst, hatten deutlich gemacht, dass dieser Konflikt nur und ausschließlich zwischen den beiden beteiligten Kirchen stattfinden sollte. Insbesondere die ausführenden Organe, das heißt, der Mantel der Sterne und die Garde, habe sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Die kürzliche, eindeutige Botschaft von Sehvet zeigte ihm jedoch, was er bereits befürchtet hatte: Diese verfluchte, verdammte, arrogante Sonnenelfe war entweder absolut unfähig oder aber, tanzte ihm erneut auf der Nase herum. Dieses Mal würde er keine Rücksicht mehr nehmen, ungeachtet der Wünsche von Priesterin Feuerschweif. Sein Blick wanderte langsam zur Türe, als er das sachte und gleichmäßige Klopfen vernahm. Sie war also gekommen.

"Herein, Ephora Xilo..."

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 Betreff des Beitrags: Re: Sonnensturm
BeitragVerfasst: So 13. Mai 2012, 16:01 
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Leise öffnete die Türe sich, die Ar-Tel’Quessir betrat mit ruhigen, würdevollen Schritten den Raum. Ihr langes, schwarzes Haar hatte sie wie üblich sorgsam nach hinten zu einem Zopf zusammengebunden. Die blaue Magierrobe des Mantels der Sterne, an dessen Kragen in goldenen Fäden die Symbole des Hauses Corrua’iat eingewebt werden waren, war frisch gereinigt und der Stoff nahezu pedantisch rein und glatt. Ihr Antlitz war nur sehr dezent geschminkt, gerade ein wenig um die bronzene Färbung der Haut hervorzuheben und ein sehr dünner, fast natürlich wirkender Lidstrich, um die Form der Augen zu betonen. Obgleich es nicht nötig gewesen wäre, waren sogar die Fingernägel frisch gesäubert und geschnitten. Wie schon Strouds Vorgänger Daelwin gegenüber legte Ameng sehr viel Wert auf ein möglichst korrektes und adrettes Auftreten, wenn sie zu einer wichtigen Person der Stiftung oder wie in diesem Fall, sogar zum Leiter derselben kam. Und übersah in ihrem Stolz, wie es ihr so eigen war, dass bereits ein freundliches und aufrechtes Lächeln, anstelle des stets reglosen und unbeteiligten Gesichtsausdruckes, wesentlich mehr bringen würden. Ameng schloss die Türe ebenso leise, wie sie sie geöffnet hatte und näherte sich dem Schreibtisch, hinter dem Stroud saß.

"Seid gegrüßt, Herr Stroud."

"Setzt Euch." erklang unwirsch die Erwiderung, der Ameng ohne erkennbare Regung nachkam.

"Ephora Xilo, ich war der Ansicht, doch recht eindeutige Anweisungen gegeben zu haben, was die Krise im Hafen betrifft?"

"Ich teile diese Ansicht, Herr Stroud."

"Und was waren meine Anweisungen?"

Ameng hob nun geringfügig eine Braue, ein flüchtiger und kaum bemerkbarer Sorgenschimmer huschte durch ihren Blick. Die örtliche Rhetorik war ihr bisher immer noch nicht völlig geläufig. So stellte ihre Nachfrage keinen Hohn dar, sondern war tatsächlich sorgenvoll, doch da sie auch den Klang ihrer Stimme stets möglichst neutral zu halten versuchte, war das für Stroud nicht ersichtlich.

"Ihr sie vergessen, Herr Stroud?"

Obgleich sie innerlich zusammenzuckte, war ihr kaum eine Reaktion anzumerken, als Strouds Faust darauf wütend auf den Schreibtisch schlug und er verärgert antwortete.

"Ich hatte befohlen, dass der Mantel der Sterne sich aus diesem Konflikt heraushält. Was hast du selbstgefälliges Spitzohr daran nicht verstanden?"

Ameng schluckte die Beleidigung hinunter und bemühte sich wieder nur darum, sich die Verletztheit darüber nicht anmerken zu lassen, lediglich ihre Augen verengten sich ein wenig. So wirkte sie äußerlich nach wie vor kühl und unbeteiligt, als ihre Antwort im neutralen Ton kam.

"Ich hielt eure Anweisung nicht für sinnvoll. Aus der gegebenen Situation heraus entschied ich daher anders."

Stroud stand, fast möchte man sagen, sprang ruckartig auf und umrundete den Schreibtisch, um auf Ameng zuzugehen, die sich daraufhin ruhig erhob, im Glauben, dass das von ihr zu erwarten sei, wenn ihr Vorgesetzter aufstand. Gelassen und unbewegt blickte sie ihm entgegen.

"Wie bitte? Was habt ihr gerade gesagt? Wiederholt das!"

Erneut spiegelte sich flüchtig ein Hauch von Besorgnis in Amengs güldenen Augen. Ruhig und langsam wiederholte sie ihre Worte für den aus ihrer Sicht offenbar sehr vergesslichen Stroud.

"Ich hielt eure Anweisung nicht für sinnvoll. Aus der ge.."

Weiter kam die stolze Ar-Tel’Quessir nicht, da sie in diesem Moment durch eine Ohrfeige Stroud unterbrochen wurde, die ihren Kopf zur Seite riss und ihr einen erschreckten Laut entlockte.

"Haltet ihr das für ein Spiell!?" fragte Stroud dabei wütend.

Ihre Hand fasste nach ihrer Wange. Die Finger zitterten bei der Berührung leicht, weniger ob des Schmerzes, mehr wegen der Kränkung. Sie bedeckte die sich rötende Wange mit der Hand, ehe sie den Blick verständnislos mit gemischten Gefühlen zu Stroud wandte. Wenige Herzschläge lang fand ein innerlicher Kampf in ihr statt. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Ein Teil von ihr wollte am liebsten losheulen, ein anderer in aufsteigendem Zorn Stroud Haut und Fleisch vom Körper schälen. Siegreich war, wie so oft, der dritte Teil, der stets rational, distanziert und emotionslos agierte. Jener übernahm in diesem Moment die Kontrolle und schaltete die Gefühle der anderen beiden Teile schlichtweg aus. Ameng nahm wieder eine stolze und aufrechte Haltung ein, selbst das Zittern ihrer Finger war fort. Monoton und gleichgültig begann sie den Satz zu vollenden.

"..gebenen Situation heraus entschied ich daher anders. Und nein, ich halte das nicht für ein Spiel, Herr Stroud."

Dieses Mal allerdings ließ die Ruhe in ihrer Stimme Stroud einen Schritt zurückweichen. Ameng trat gleichgültig an ihm vorbei und ging zum Fenster. Dort erst, mit dem Rücken zu Stroud und dem Blick auf ihr Spiegelbild im Fensterglas nahm sie die Hand von der Wange und prüfte, ob diese sich sehr rötete. Als das Ergebnis sie beruhigte, ließ sie die Hand unten. Mit gleichmäßiger Stimme griff sie ihre letzten Worte noch einmal auf.

"Ich nicht."



>>Wenige Tage zuvor, Turm des Mantels der Sterne<<

"Natürlich ist es ein Spiel!"

Das rothaarige, junge Mädchen mit den Sommersproßen wickelte bei diesen Worten passend verspielt eine Strähe ihrer langen Haare um den Finger. Synthia Schmied, jüngstes Mitlied der Stiftung des Mantels. Mit fröhlichem Lächeln blickte sie zu Ameng, die ihr gegenüber saß. Mit sanfter Stimme fuhr sie fort.

"Ein Spiel, bei dem es um Macht und vor allem um Gold geht. Und so wie ich das sehe, stehen wir hier auf derselben Seite."

"Es wird sich erweisen, ob dem so ist. Fassen wir zunächst die Fakten zusammen. Ihr habt versucht, ohne mein Wissen Mitglieder meines Hauses, des Mantels der Sterne für die Nachforschungen eurer Handelsgesellschaft anzuheuern, obgleich euch bekannt war, dass der Stiftungsvorsitzende keine offizielle Beteiligung des Mantels wünscht. Und als ich euch zu mir einlade um euch darauf anzusprechen, entgegnet ihr mir, dass ihr zudem noch unsere Zellen benötigt?"

"Und noch mindestens einen Soldaten."

"Ihr erwartet also, dass ich den Befehl des Stiftungsvorsitzenden ignoriere?"

"Der Befehl ist nicht im Sinne der Stiftung. Die Mitglieder der Handelsgesellschaft, die sich in der Stiftung befinden, haben wesentlich mehr Geld zur Finanzierung des Mantels bereitgestellt, als Herr Stroud."

"Dennoch ist Herr Stroud mehrheitlich zum Vorsitzenden bestimmt worden."

Ein dünnes Lächeln zeigte sich auf Synthias Lippen.

"Die Dinge ändern sich, Ephora Xilo. Ihr müsst selbst entscheiden, ob ihr am Ende auf der Gewinnerseite stehen wollt.. oder ihr überlegt, wieviele Menschen wohl in diesem Konflikt noch sterben werden, wenn der Mantel sich heraushält?"

"Welche Fortschritte konnte die Gesellschaft bisher machen?"

"Wir sind kurz davor, die Mörder ausfindig zu machen. Herr von Hohezinn wird sie anhand der gefundenen Spuren magisch ausspähen und eine Eingreiftruppe direkt zu ihnen teleportieren. Anschließend nehmen wir sie lebendig gefangen."

"Fahrt fort."

"Sie müssen an einem sicheren Ort untergebracht und beschützt werden, bis wir aus ihnen den Drahtzieher herausbekommen können. Deshalb bringen wir sie in die Zellen des Mantels der Sterne, wo Herr von Hohezinn das Verhör durchführen wird."

Ameng legte die Fingerspitzen aneinander wägte ab. Dann antwortete sie schließlich.

"Dann besteht kein Risiko, sofern keiner davon erfährt. Vor allem nicht die Kirche Umberlees."

"Ach, die sind doch viel zu blöd dazu. Die Kirche bekommt das garnicht mit."



>>Stiftung zur Förderung der Magie<<

"Offensichtlich waren sie wohl doch nicht zu blöd dazu?!"

Stroud schnaubte. Sein Blick ruhte mit stiller werdender, doch umso mehr ansteigender Wut auf die Ar-Tel'Quessir.

"Ephora.. ihr gebt also zu, meinen Befehl bewusst missachtet und euch an einer Verschwörung gegen mich beteiligt zu haben, die von Schmied und der Handelsgesellschaft ausging."

"Nein, Herr Stroud. Ich habe mich dazu entschieden, gegen eure Anweisungen zu handeln, weil sich eine Chance ergab, einen blutigen Krieg durch das Aufspüren der Mörder Violets im Vorfeld zu verhindern. Anschließend habe ich zudem Scholarin Rikimaru hinzugezogen und zur Unterstützung von Frau Schmied und Überwachung der Operation entsandt, falls Frau Schmied meine übrigen Scholare im Zuge eines Schachzugs zu opfern gedenkt."

"Und was hätte Scholarin Rikimaru dann getan?"

"Frau Schmied getötet."

Stroud spürte trotz seiner Wut ein leichtes Frösteln, als Ameng auch diese Worte in jener gleichgültigen und distanzierten Tonlage zur Antwort gab. Die Ar-Tel'Quessir schien dies nicht zu registrieren, sie fügte schlicht an.

"Für Verräter und Feinde unseres Hauses gibt es nur diese Strafe."

"Da ihr mich verraten habt, werdet ihr dann ebenso konsequent im Bezug auf euch sein?"

"Bei allem Respekt, Herr Stroud. Ihr seid weder Teil des Hauses, noch habe ich einen Eid euch gegenüber geleistet. Ich bin der Stiftung lediglich durch das Gold verpflichtet. Eine wesentlich wichtigere Verpflichtung gilt dem Schutz des Lebens und der Bewohner dieser Stadt. Und diese werde ich im Zweifelsfalle immer der Stiftung vorziehen."

"Doch auf den Fürsten.. auf seine Hoheit, Sedrik Silbertal, habt ihr einen Eid geleistet."

Ameng überlegte einen kurzen Moment und rief sich Firas Unterweisungen ins Gedächtnis.

"Ein Eid, den ich respektiere und niemals brechen werde."

"Doch der Befehl, dass wir uns heraushalten, kam von seiner Hoheit persönlich."

"Dann bedaure ich, dass ihr mir diese Information vorenthalten habt. Ein Befehl meines Fürsten hätte für mich natürlich oberste Priorität gehabt."

"Ihr hättet von Anfang an meinen Anweisungen Folge leisten müssen, egal ob der Fürst sie mir gab oder ich selbst sie erteile. Oder mich zumindest darüber informieren, wenn ihr aufgrund einer neuen Situation eine andere Ansicht zu meinen Befehlen habt."

"Und ihr hättet meine Ehre verteidigen müssen, als sie die übrigen Mitglieder der Stiftung diese kürzlich missachteten. Und mich respektieren, wenn ihr wünscht, dass ich euch respektiere."

"Ihr scheint völlig zu übersehen, dass ich euch übergeordnet bin und euch jederzeit zur Adeptin degradieren könnte."

"Was meinen Respekt euch gegenüber nicht steigern und mich vielmehr dazu bewegen würde, tatsächlich auf die - um die Bezeichnung von Frau Schmied zu verwenden - Gewinnerseite zu wechseln."

Der Streit der beiden wurde jedoch jäh unterbrochen, als die Türe von Strouds Büro ohne Ankündigung oder Klopfzeichen geöffnet wurde. Ein etwas dickerer, untersetzter Mann und ein wohlbekanntes, junges Mädchen mit auffallenden Sommersproßen. Synthia Schmied und Eckard Ehrenstroem.

Das warme, fröhliche Lächeln Synthias machte es beinahe unmöglich, ihr böse zu sein, als sie zu sprechen begann.

"Das werde ich mir nun noch einmal überlegen. Ihr scheint nicht zu verstehen, Ephora Xilo, dass Diskretion wichtig ist."

"Ich fühle mich lediglich gelangweilt durch diese niederen und sinnlosen Intrigen, denen ich in dieser Stadt bereits seit meiner Ankunft ausgesetzt bin." antwortete Ameng mit neutraler und gleichmässiger Stimme.

Weniger neutral und gelassen kam die Worte Strouds über dessen Lippen.

"Frau Schmied, Eckard.. was geht hier vor?"

Synthia antwortete anstelle von Ehrenstroem, mit einem erschütterten Unterton.

"Oh, ihr habt die Kontrolle verloren und die Ephora geschlagen? Das wird Priesterin Feuerschweif bestimmt missfallen."

"Ihr habt uns beobachtet?"

Strouds Stimme klang überrascht, zornig und mit einer widerwilligen Spur Anerkennung. Synthia ging jedoch nicht weiter darauf ein.

"Und wir sind sehr besorgt. Herr Ehrenstroem und ich waren nicht darüber im Bilde, dass die von euch weitergetragene Weisung von seiner Hoheit kam. Könnt ihr uns das erklären?"

"Ich wollte die Angelegenheit möglichst diskret und ohne unnötiges Aufsehen behandeln. Und mein Wort alleine hätte reichen sollen, dass auch die Stiftungsmitglieder nicht gegen meine Weisung handeln."

"Das hat es aber nicht und jetzt sind wir natürlich erschüttert. Dadurch, dass ihr es unterlassen habt, uns und den Mantel über den Befehl seiner Hoheit in Kenntnis zu setzen.. hat nun die Stiftung unwissentlich ihren Treueeid zu seiner Hoheit gebrochen."

"Die Stiftung? Nein! Ihr habt diesen Eid gebrochen, nur ihr und diese Elfe zusammen!"

"Herr Stroud, bitte.. die Stiftung hat mehrheitlich beschlossen, dass eine Untersuchung eingeleitet wird. Herr Ehrenstroem wird diese leiten, ich assistiere ihm dabei."

"Das ist doch nur eine Farce! Wie kann diejenige, die dieses Dilemma hauptsächlich verschuldet hat, jetzt bei der Suche nach dem Schuldigen assistieren?"

Nun erst schaltete sich Ehrenstroem ein. Der untersetzte, beleibte Geldverleiher baute sich vor Stroud auf.

"Sirius, mäßige dich. Frau Schmied ist trotz ihrer Jugend ein sehr engagiertes Mitglied der Stiftung und eine ehrenwerte Händlerin. Sie kam ganz aufgelöst zu mir, weil sie Angst hatte, dass sie jetzt durch ihre gut gemeinte Handlung das Ansehen der Stiftung geschädigt haben könnte. Ich habe ihr natürlich erklärt, dass sie nichts dafür kann, da die Schuld alleine bei dir liegt. Du hast uns diesen Befehl des Fürsten vorenthalten."

"Ich sehe schon, die Untersuchung wird mit der nötigen Objektivität geführt."

"Wir werden prüfen, ob deine Schuld oder die der Ephora schwerer wiegt, die deinen Befehl missachtet und offenbar noch immer nicht verstanden hat, dass der Mantel und damit auch sie uns gehört."

Sowohl Ameng als auch Stroud enthielten sich eines weiteren Kommentars und fügten sich in ihr beider Schicksal. Für das Erste.

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BeitragVerfasst: Mi 6. Jun 2012, 20:18 
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>>Vor etwas mehr als zwei Monden, Umberleetempel<<

"Nein, lass mich in Ruhe, Mutter! Ich hasse dich, ich will dich nie mehr sehen!"

BLAMM. Der dumpfe Knall einer schweren Türe, die zugeworfen wurde. Schritte, die sich entfernten. Ein Schluchzen, dass unterdrückt wurde.

Sehveth blickte fassungslos mit großen, weiten Augen auf die Türe, die aus diesen Gemächern herausführte. Ihr Herz schlug schnell, ein unwillkürliches Zittern der Hand konnte nicht unter ihre Kontrolle gebracht werden. Sie spürte, wie eine eisige, schmerzhafte Kälte sich in ihrem Brustkorb ausbreitete, während ihr Kopf sich innen taub anfühlte, ein leichtes Schwindelgefühl stieg auf. Geringe Feuchtigkeit in den Augen.

Erst nach einer langen Zeit, die für Sehveth wie angehalten war, kam Bewegung in den Körper der Hohepriesterin und sie ließ sich, immer noch betäubt vom Schock, in einen Stuhl nieder. Kein Zauber hatte sie getroffen, keine Waffe sie verletzt, kein Gift durchfloß ihre Adern. Nur ein Satz, unbedacht ausgesprochen von einem der wenigen Menschen, die Sehveth etwas bedeuteten.

"Sie.. hasst mich?"

Junge, verlorene Violet. Schon immer das Sorgenkind der Familie. Sehveth hatte sie niemals geschont, das ging einfach nicht. Violet musste auch Mitglied der Kirche werden und diesselben Prüfungen bestehen, wie alle anderen. Sie war die Tochter der Hohepriesterin, sie durfte nicht geschont werden. Doch das war auch garnicht notwendig. Violet war stark, agil und widerstandsfähig. Sie erwies sich in allen Prüfungen als eine der Besten, meistens als die Beste. So wie auch die Mutter. Violet war dazu ausersehen, eines Tages den Platz ihrer Mutter einzunehmen. Sie war stark und entschlossen genug und besaß wahre Führungsqualitäten. Doch Violet hatte eine Schwäche. Aufrichtiges Mitgefühl. Sie war nicht dazu in der Lage, etwas zu ertränken, etwas zu opfern. Sie empfand keinen Genuss dabei, anderen beim Ertrinken zuzusehen oder über die Schwächlinge in den eigenen Reihen zu spotten, die bei den Prüfungen kläglich scheiterten. Sehveth registrierte dieses Problem, doch sie befasste sich zunächst nicht damit. Violet war eben noch ein Kind gewesen, die nötige Härte würde mit der Zeit kommen, so hatte Sehveth immer gehofft. Doch diese Änderung blieb aus. Und dann, irgendwann.. kam diese Phase.

Die Trotzphase. Sehveth kannte sie, von den Erzählungen anderer Mütter mit problematischen Kindern. Noch während ihrer ersten Schwangerschaft war die damals noch junge Sehveth einer Elterngruppe beigetreten. Selbstverständlich mit Hilfe einer magischen Verkleidung und unter einem falschen Namen. Im Tempel hatte man nie viel über Kindererziehung gelernt und Sehveth wollte alles richtig machen. Regelmäßig einmal im Mond traf sich die Elterngruppe, immer bei einer anderen und unterhielten sich über ihre Kinder, neue Erziehungsmethoden und auftretende Probleme. Viele Mütter hatten Problemkinder, die eine Trotzphase durchmachten. Meist beginnt das in der Pubertät. Einige Kinder randalieren Nachts in den Straßen oder schließen sich radikalen Gruppen, wie etwa den Füchsen an. Andere Kinder kleiden sich seltsam und provokant oder machen sich exotische, unangemessene Frisuren. Andere nehmen Drogen oder machen gefährliche Mutproben. Und Violet.. Violets Trotzphase war eben die Selûnitenphase. Sehveth hatte anfangs versucht, damit klarzukommen. Es war ja nur eine Phase, es würde bestimmt bald wieder vorbeigehen. Aber Violet schien es tatsächlich ernst zu meinen. Seither hatten Mutter und Tochter regelmäßig lange und manchmal besonders heftige Diskussionen, die in Streitgespräche mündeten.

Heute war es wieder so gewesen. Doch Sehveth war zu weit gegangen, das war ihr nun klar. Sie war eloquenter und erfahrener als ihre Tochter, hatte diesen Vorteil genutzt. Statt auf die Argumente Violets einzugehen, hatte Sehveth sich einfach nur, anfangs zurückhaltend, später zunehmend verletztend, über Violet und ihren dummen Glauben lustig gemacht. Sehveth hatte genau das gemacht, was man nicht machen sollte. Die anderen Mütter hatten ihr es doch erklärt, warum war sie nur so stur gewesen? Sie hätte sich mit ihrer Tochter auseinandersetzen müssen. Die Argumente und Bedenken Violets ernstnehmen, darauf eingehen und dann im Anschluss ebenso die eigenen Bedenken und Sorgen schildern, die Sehveth bei Violets Lebensweg hat. Sehveth hatte sich hinreißen lassen, doch das macht diesen Fehler nicht mehr gut. Und nun hatte sie sich vielleicht die Liebe ihrer Tochter auf ewig verspielt?

"Sie hasst mich?" wiederholte Sehveth leise.

Nein, sie hatte es sicher nicht so gemeint. Violet war wütend, zu Recht wütend und in Rage sagt man manchmal schlimme Dinge. Sehveth hätte einfach mehr Verständnis zeigen müssen, das war ihr jetzt klar. Sie würde es wiedergutmachen. Morgen nimmt sie sich einen Tag frei von ihren kirchlichen Pflichten als Hohepriesterin. Zuerst wird sie für Violet ein gutes Frühstück zubereiten. Mit Fischeiern und den Austern, die Violet so gerne mag. Sevheth würde heute noch hinausschwimmen um die Felsen an der Küste nach den besonders guten Expemplaren abzusuchen. Dann würde sie noch tauchen um die seltenen Grünalgen nahe der Schuppenschlucht zu pflücken. Dies wird einige Stunden in Anspruch nehmen, doch Violet würde die Mühe erkennen. Und morgen, bei diesem Frühstück, da wird sich Sehveth gleich bei ihrer Tochter entschuldigen. Und sich dann Zeit nehmen. Sie bitten, ihr mehr über den läch.. den Selûneglauben und die Mondmaid zu erzählen. Interesse zeigen. Vielleicht mit ihr zusammen mit irgendwelchen Selûnespielsachen spielen oder wie auch immer diese Priester ihre jämmerlichen Ritualversuche bezeichnen. Sie wird dabei möglichst aufgeschlossen sein. Verständnis zeigen. Ihr zeigen, dass sie ihre Tochter und ihren Glauben ernst nimmt. Und ihr sagen, dass sie ihren Glauben akzeptiert, vielleicht sogar respektiert. Dann wird das Band zwischen ihr und Violet wieder fest sein. So wie es zwischen einer Mutter und ihrer Tochter sein sollte.

Sehveth investierte sehr viel Mühe, alles so vorzubereiten, wie sie es geplant hatte. Die Suche nach den rechten Nahrungsmitteln dauerte sogar noch länger als gedacht, da Sehveth dieses Mal besonders wählerisch war. Violet sollte schließlich wissen, wie wertvoll sie ihrer Mutter ist. Anschließend übte Sehvet noch lange Zeit vor dem Spiegel, was sie Violet sagen wollte, besserte ihre Worte immer wieder aus, überprüfte ihre Mimik.

Doch alles war vergebens, denn Violet kam weder in dieser Nacht, noch am nächsten Morgen nach Hause. Es war der letzte Tag, an dem Sehveth ihre Tochter lebend gesehen hatte.

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~"This ist my battle. This is my battleship."~

"Jene, die sich Abenteurer nennen, sind grausame Individuen aus einer anderen Welt. Sie sind auf der ständigen Suche nach neuen Opfern für ihre dunkle Gottheit Exp, die sie dafür mit immer stärkeren Fähigkeiten und Kräften ausstattet."

~Shadow is a man who never loses his virginity - because he never loses.~


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 Betreff des Beitrags: Re: Sonnensturm
BeitragVerfasst: Mi 20. Jun 2012, 02:17 
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>>Umberleetempel<<

Zurückgelehnt und in sich gekehrt saß Sehveth auf ihrem großen Thron, welcher sich unterhalb des Wassers befand. Ihre meeresblauen Augen blickten desinteressiert in die Leere. Selbst der kleine, arglose Fisch, der einen kurzen Moment lang den Fehler beging, nahe ihres Mundes vorbeizuschwimmen, blieb von seinem Tod durch ihre Zähne verschont. Die Schreie der Sterbenden über der Wasseroberfläche klangen derweil nur gedämpft zu ihr herab und begleiteten ihre Melancholie ähnlich einer dazu gespielten Symphonie. Die Herrin der Wellen ließ ihre Gedanken wandern.


>>Dreizehn Tage zuvor, Gardekaserne<<

Sehveth bemühte sich, das Zittern ihrer Unterlippe zu überspielen, als Elona, Flinn, Ralthus und Notus ihr den Leichnahm Violets im Lazarett der Garde präsentierten. Die Heiler hatten ihr möglichstes getan, um die Spuren von Violets grausamen Todeskampf zu retouchieren, doch es war dennoch nicht genüg für das Herz einer Mutter, deren Augen auf den toten Körper des eigenen Kindes gerichtet werden. Die vorbereitete Schriftrolle zerbrach, als Priesterin Wasserglanz den nekromantischen Zauber vollführte, der dem Leichnahm für einen kurzen Zeitpunkt wieder einen Funken Leben einhauchte. Doch es waren lediglich die durch unheilige Kräfte reanimierten Nervenstränge und Gehirnzellen, nicht die Seele oder gar die Person selbst, deren Körper dies einstmals war. Nicht genug, um zu vergeben. Nicht genug, zum zu verstehen. Nicht genug, um zu verabschieden. Doch genug, um Fragen zu stellen, auf die der tote Mund Antwort geben konnte.


>>Vor Jahren<<

Die junge Sehveth war nervös und gespannt. Es war der erste Abend in der Elterngruppe, der sie beigetreten war.. und bisher galt ihre Mitgliedschaft nur auf Probe. Ihre Hände streichten, wie zur Beruhigung, über ihren geschwängerten Bauch. In ihm schlummerte der Grund, für den eine der gefürchtetesten Antwärterinnen auf die Position der Hohepriesterin sich mit viel Mühe eine Verkleidung und eine Geheimidentität als langweilige Hausfrau zugelegt hatte. In der Kirche Umberlees lernte man sehr, sehr viele sehr, sehr nützliche Dinge. Wie man schwimmt, wie man taucht. Wie man so lange wie möglich unter Wasser überleben kann. Wie man atmen muss. Welche Fische und Pflanzen man essen sollte und welche nicht. Wie man Fische unter Wasser fängt. Wie man sie ausweidet. Welche Opfer für die Göttin angemessen sind und welche nicht. Wie Schiffe sinken, wenn ein Sturm aufzieht. Wie Menschen und Tiere sterben, wenn sie von Haien zerrissen werden. Aber nicht, wie man seine Kinder erzieht. Nicht einmal, wie man sein Kind zur Welt bringt, ernährt oder stillt.

Sehveth hatte sich zuvor um solche Dinge niemals Gedanken gemacht. Doch alles hatte sich geändert, seit sie zum ersten Mal dieses Gefühl in sich spürte. Ein Gefühl, das so vollkommen anders war. Eine Empfindung, die sich nicht beschreiben lässt. Das Gefühl, wenn ein neues Leben im eigenem Körper heranwächst. Es war ein Gefühl von unendlicher Wärme und erwachender Zuneigung zu dem Lebewesen, mit dem der Körper nun verbunden ist. Zugleich entfachte es in Sehveth einen Funken von bis zu diesem Zeitpunkt unbekannter Furcht. Die sich aufdrängenden Fragen, ob mit dem Kind alles in Ordnung sei. Ob es gesund zur Welt kommen würde. Was ihm geboten werden kann, was es lernen sollte, wie es aufgezogen werden sollte, damit es irgendwann auch ein vernünftiges Leben führt. Fragen und Sorgen, mit denen sie sich mit keinem Mitglied des Klerus ihrer Kirche austauschen konnte. Sie war Anwärterin auf die Position der Hohepriesterin und der Konkurrenzkampf war hart. Ihre Feinde würden jedes nur minimale Anzeichen an Schwäche nutzen.

Anders war es mit diesen Leuten. Diesen einfachen, langweiligen, normalen Frauen und Männer. Sehveth hatte lange Zeit recherchiert. Diese Elterngruppe soll sehr gut sein, da sie schon seit Generationen besteht und schon Wissen von Urgroßeltern und Großeltern beigesteuert wurde. Und alle in dieser Elterngruppe verfolgen das gemeinsame Ziel, den Nachwuchs bestmöglichst zu erziehen und zu fördern. Für die Aufnahme gab es lediglich zwei Bedingungen. Man musste bereits Mutter oder Vater sein, oder wie in Sehveths Fall, sich auf dem Weg dorthin befinden. Die zweite Bedingung jedoch war schwieriger. Man musste eine berüchtigte Aufnahmeprüfung bestehen, die aus einer Vielzahl von Fragen besteht, die die übrigen Mitgliedern der Elterngruppe stellen. Sehveth hatte sich mehr als gut vorbereitet und alles nur erdenkliche getan, um sich möglichst viel Grundwissen anzueignen. Dennoch erinnerte sie sich nicht, jemals zuvor so nervös gewesen zu sein - außer bei ihrer Aufnahme in den Klerus. Es war wichtig, in diese Elterngruppe zu kommen. Sie durfte bei der Erziehung doch nichts falsch machen. Ihr Kind soll sich gut entwickeln und zu einem Menschen werden, zu dem andere aufblicken.

Jetzt kamen sie herein, setzen sich um sie herum auf. Keiner von ihnen wusste, um wen sie wirklich saßen. Sonst würde es auch nicht funktionieren. Sie lächelten sie aufmunternd an, bevor sie mit den Fragen begannen. Die ersten Fragen überraschten die junge Priesterin jedoch.

"Wer ist denn der Vater und warum ist er nicht dabei?"

"W-wir haben uns getrennt, das heißt, er hat mich verlassen, nachdem.." erwiderte Sehveth mit leichtem Zögern, dabei blickte sie auf ihren Bauch.

"Oh, du armes Mädchen. So einer also. Das tut mir leid." erklang die tatsächlich mitfühlende Antwort.

Sehveth atmete innerlich auf. Sie verschwieg, dass sie ihn ihrem Hai zum Fraß vorgeworfen hatte, als sie verärgert war.

"Weißt du schon, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird?"

"Ein Junge."

"Hast du dir schon einen Namen überlegt, Kind?"

"Ja. Ich nenne ihn nach meinem Vater. Thomas."


>>Dreizehn Tage vor der Gegenwart, Gardekaserne<<

"Thomas.."

Die brüchtigen Lippen Violets bewegten sich langsam, als sie zu antworten begann.

"..mein Bruder.. lud mich.. ins Belarians ein.. an dem Tag.. an dem ich mich mit Mutter stritt.. Mutter.. Mutter?"

Sehveths Kehle schnürrte sich regelrecht zu. Ihre loyale Dienerin, Priesterin Wasserglanz, wendete den Blick zu ihrer Herrin.

"Thomas hat sie also dorthin eingeladen? Dann muss er furchtbar unachtsam gewesen sein, wenn er ihre Entführung nicht bemerkte. Hat er denn davon berichtet.. Hohepriesterin?"


>>Vor Jahren<<

Die junge Sehveth lächelte Mathilda und Walburga fröhlich entgegen. Ihren Sohn Thomas an der einen Hand, die andere Hand auf dem erneut geschwängerten Bauch. Sie nahm die Gratulationen entgegen und erzählte mit großem Stolz von Thomas Fortschritten. Dass er heute sein erstes Säugetier ertränkt hatte, verschwieg sie natürlich. Inzwischen war Sehvet in der Elterngruppe ein angesehenes Mitglied, daher war auch ihre erneute Schwangerschaft eine große Freude für alle. Nur für einen nicht.

Sehveth hatte es damals nicht verstanden. Was in Thomas vorging, als er an ihrem Rockzipfel zog und sie leise fragte, während Mathilda und Walburga vor ihnen gingen.

"Früher hattest du viel mehr Zeit für mich, aber seit Schwesterlein in dir wächst, ignorierst du mich. Wirst du sie mehr lieben als mich, Mutter?"

"Nein, ihr seid doch Bruder und Schwester. Ich werde euch immer beide im gleichen Maße lieben."

Thomas blickte zu dem geschwängerten Bauch auf.

"Egal, was ich auch tue?"

"Egal, was du tust. Ich werde dich immer lieben, Thomas. Egal was du tust."


>>Dreizehn Tage vor der Gegenwart, Gardekaserne<<

Egal, was du tust.

Weitere Fragen waren gefallen. Streit war ausgebrochen zwischen den Anwesenden, nur Sehveth blieb darin ruhig wie das Auge des Sturmes. Doch Ruhe bedeutet bei Sehveth niemals etwas Gutes. Die nächste Frage wurde gestellt und die Antwort ließ Sehveths kaltes Herz zerbrechen.

"Bruder Thomas.. sprach.. von Verrat.. weil ich Harfnerin bin.. Mutter, bist du da..? Er sagte, es wäre schändlich.. Mutter..?"


>>Zwanzig Tage zuvor, Zelle im Mantelturm<<

Ralthus wich von dem Söldner Gregorius zurück, nachdem er sich aus dessen widerlichen Gedanken gelöst hatte, mit denen er kurzzeitig verschmolzen war. Gregorius, der Violet zu Tode gequält hatte. Im Auftrag einer anderen Person, seines Meisters. Die Erfahrung blieb wie in Echo in Ralthus Gedanken zurück.

"Thomas Vine. Mörder der eigenen Schwester Violet."


>>Dreizehn Tage vor der Gegenwart, Hafen<<

Begleitet von ihrer Dienerin, der Priesterin Wasserglanz, schleppte sich Sehveth, lediglich von Schrei- und Weinkrämpfen unterbrochen, zurück zum Tempel Umberlees. Dort wurde sie bereits erwartet. Trotz ihrer offenkundigen Schwäche knieten sich achtzehn der Priester, die auf sie in der Eingangshalle gewartet hatten, vor ihr nieder. Das Wort aber zu erheben, wagte nur Chariel Bendon, die vorsichtig sprach, ohne den Blick dabei zu ihrer Herrin zu heben.

"Thomas Vine sagte sich von deiner Kirche Umberlees los, Herrin der Wellen. Nur er selbst würde, seiner Ansicht nach, noch den wahren Lehren folgen, die du einst verkörpert habest. Ein Viertel der Priester- und Anhängerschaft hat sich ihm angeschlossen. Wir haben alles versucht, bitte töte uns nicht."

Sehveth stützte sich, überwältigt von innerer Verzweiflung, auf die Schulter von Priesterin Wasserglanz, die dies mit ehrfürchtiger Demut weiterhin ertrug.

"Wo ist Thomas?"

"W-wir wissen es nicht, Herrin der Wellen! Unsere Kundschafter suchen nach ihm."

"Was ist mit den Druiden?"

"Die Druiden verehren euch als tiefste Auserwählte der Furienkönigin. Daran hat sich nichts geändert, sie halten euch die alleinige Treue."

"Sie sollen die Stürme enden lassen. Unser Wort wurde gehört. Die restliche Priesterschaft ertränkt sich meinem Willen loyal?"

"E-es gibt Zweifler, Herrin d-der Wellen. Wir alle, die wir hier vor dir knien, distanzieren uns ausdrücklich von ihnen. Einige denken, deine Zuneigung zu deinen beiden Kindern und dein Leiden sei sein Zeichen von Schwäche."

"Wieviele sind es?"

"Zwölf des Klerus, Herrin der Wellen."

"Ich empfange jeden einzelnen von ihnen, in den nächsten Tagen. Jeden Tag soll am Abend, immer dann, wen die Sonne im Meer versunken ist, einer von ihnen zu mir kommen und mir seine Bedenken mitteilen. Morgen ist der Erste dran."


>>Umberleetempel, Jetzt<<

Sehveth blickte nach oben, hinauf zur Wasseroberfläche. Es war vollendet. Zwölf nackte, teilweise noch zuckende Leiber, die sorgsam auf rostigen Stahlpfählen aufgespießt wurden. Auf eine Weise, die dafür Sorge trug, dass sie nicht sofort starben. Die Pfähle neigten sich allesamt zur Seite, so dass die gepfählten Leiber über den rechten und den linken Wassergräben des Beckens hingen, in dem Sehveths Lieblinge, ihre Haie verweilten. Sehveth hatte sie seit Beginn ihrer Audienzen mit den Zweiflern nicht mehr gefüttert. Inzwischen waren sie soweit, dass sie aus dem Wasser heraussprangen und nach den Gliedmaßen der zuckenden Leiber sprangen, deren in die Becken rinnendes Blut die Haie heranlockte.

Sehveth erhob sich von ihrem Thron, schwamm an die Oberfläche. Als ihr Kopf aus dem Wasser hervorbrach, wurden die Schreie deutlicher. Sie berührten Sehveth nicht. Sie blickte zu den Leibern derer, die noch am Leben waren.

"Narren. Ein Zeichen von Schwäche? Ich habe meine beiden Kinder verloren."

Die Trauer, die sich bei jenen Worten durch Sehveths Geist ergießen musste, wurde abgelenkt durch die entsetzten Schreie der jungen Priesterin Varmia, der gerade das linke Bein durch einen Hai herausgerissen wurde.

"Es gibt nichts mehr, das mich noch zur Menschlichkeit drängt."

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