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| Commae en'rutha - I: Der Wind frischt auf https://www.rivin.de/forumRO/viewtopic.php?f=25&t=1123 |
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| Autor: | Tarpa Tarkan [ Di 3. Jun 2008, 18:20 ] |
| Betreff des Beitrags: | Commae en'rutha - I: Der Wind frischt auf |
Xargorat Die ganze Welt schien den Atem anzuhalten. Die Muskeln spannten sich an, dann zerteilte die leuchtende Klinge die Luft, blitzte kurz im Licht der aufgehenden Sonne und näherte sich dem Boden, bevor die Spitze rasant die Richtung wechselte und aufstieg, nur um erneut zu fallen. Mühelos und elegant glitt die Schneide durch die dünne Eisenholzstange, bevor die Spitze erneut langsam nach oben wanderte und nach einem schier endlosen Moment zischte die Klinge wieder durch die Luft und schnitt sich durch den gesamten Eisenholzblock. Zufrieden nahm Xargorat die Klinge des Zweihänders in Augenschein. In den Händen des hochgewachsenen, muskulösen Kriegers wirkte das große Schwert weniger beeindruckend, als es tatsächlich war. „Kein Kratzer.“, bemerkte er zufrieden und zeigt dem Zwerg, der mit verschränkten Armen vor ihm stand, ein zufriedenes Grinsen. „Was hast du denn erwartet?“, konterte dieser. „Eine Metallverschwendung wie das Machwerk, das du vorher benutzt hast?“ Xargorat runzelte unwillig die Stirn. „Eltar wäre immer noch in bestem Zustand, wenn Thay nicht gewesen wäre.“, zischte er und erntete ein dröhnendes Lachen. „Ich habe dir von Anfang an gesagt, dass das alte Ding nichts taugt. Es hat zuviele Schlachten gesehen, aber du alter Dickkopf wolltest das einfach nicht einsehen.“ Xargorat entschied, nicht weiter darauf einzugehen. Tero der Schnelle führte die Schmiede des Tarkanischen Bundes und niemand zweifelte an seinem Fachwissen, wenn es um Klingenwaffen ging, was ein Blick auf den prächtigen Zweihänder eindrucksvoll unter Beweis stellte. „Hat es schon einen Namen?“, fragte er stattdessen. Tero schüttelte den Kopf. „Nein, das überlasse ich dir. Und jetzt schwing deine überdimensionierten Beine, Sonnenschild will dich sehen, und er hat auf mich nicht den Eindruck gemacht als könne das warten.“ Der Weg zum Kommandanten der Kerneinheit der Tarkanischen Garde führte über den kleinen Innenhof der Bundesfeste, der für diese Zeit des Tages ungewöhnlich belebt war. Mit Erstaunen nahm Xargorat zur Kenntnis, dass die meisten Soldaten des „Flügels von Wheloon“ bereits auf den Beinen waren und Kisten in allen Formen und Größen in Richtung des Portalplatzes trugen. Angetrieben von einem Gefühl plötzlichen Unbehagens bahnte er sich mit großen Schritten einen Weg durch das Gedränge. „Xargorat, hierher!“, hörte er des heisere Brüllen des Kommandanten aus der Ferne und steuerte auf die Stimme zu. Urias Sonnenschild war von einer Gruppe von Offizieren umringt, die er um einen Kopf überragte. Als er den Krieger sah, drückte er dem nächstgelegenen seine Schriftrolle in die Hand und drückte sich zu ihm durch. „Wo steckst du nur, wenn man dich braucht?“, schimpfte er und versuchte sich an einem Grinsen, das sein offensichtliches Unbehagen kaum übertünchen konnte. Das Gefühl in Xargorats Magen verstärkte sich. Es gab nicht viel, was den altgedienten Veteran nervös machen konnte und als er einen kleinen, zusammengefalteten Zettel aus der Tasche zog und ihm in die Hand drückte, spürte er, wie der Schlag seines Herzens sich beschleunigte. Mit leicht zitternden Fingern öffnete er ihn und seine Augen weiteten sich. „Commae en'rutha“, murmelte er geschockt. Den Schlag, den Urias ihm auf die Schulter gab, nahm er kaum zur Kenntnis. Eine Weile stand er einfach nur da und starrte auf das kleine Schriftstück. „Zwölf Stunden.“, sagte Urias und Xargorat sah ihm in die Augen, den Zettel in der rechten Hand zerknüllend. Dann nickte er knapp und und stürmte mit entschlossener Miene in die Festung. |
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| Autor: | Tarpa Tarkan [ Mi 4. Jun 2008, 13:12 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Commae en'rutha - I: Der Wind frischt auf |
Shing Lange war es her, dass der Tarkanische Rat das letzte Mal zusammengetreten war. Viele seiner Mitglieder hatte er seit Jahren nicht gesehen und doch war es möglich gewesen, sie innerhalb kürzester Zeit um diesen runden Tisch mitten in Faerûn zu versammeln. Rechts neben ihm hatte Altiara Serailla, eine gebürtige Halb-Waldelfe aus Aglarond und längst eine lebende Legende, Platz genommen. Ihre lederne Rüstung zeigten noch die Spuren Cormanthors. Tobalajos Ganthar, der die Informantennetze des Tarkanischen Bundes kontrollierte, saß völlig übernächtigt zusammengesunken auf seinem Stuhl, das Hemd ungewohnt zerknittert und die Miene von Sorge und Gram gezeichnet. Tarpa Tarkan, der ihm gegenübersaß, zwirbelte ungeduldig seinen Bart. Endlich schwang die große Doppeltür des kuppelformigen Ratssaales auf und Miranda von Colin trat als letzte der zwölf Ratsmitglieder ein. Alle Blicke richteten sich auf sie, als ihre Kapuze nach hinten sank und den Blick auf ihre fast weiße Haut, die unnatürlich blauen Augen und das goldene Haar freigab. Ohne eine erkennbare Gefühlsregung nahm sie neben Tarpa Tarkan Platz und richtete den Blick auf den Shing. Auch nach fast zweihundert Jahren verspürte der Shing noch immer eine Gänsehaut, als sich ihre Blicke kreuzten. Längst hatte er es aufgegeben, sich einzureden, es läge an der Aura der Macht, die von der geheimnisvollen Zauberin ausging. Es war ihre legendäre Schönheit, an die sich auch seine Augen, die soviel schon von dieser und anderen Welten gesehen hatten, nicht gewöhnen konnten und wollten. Diesmal jedoch viel es ihm leichter als sonst, den Blickkontakt zu lösen. Zu ernst war die Lage, zu erschütternd die Nachrichten, die er zu überbringen hatte und so erhob er sich. „Teure Freunde, ich danke euch, dass ihr euch so schnell versammelt habt.“, begann er. „Wie ihr gesehen habt, habe ich die sofortige Mobilmachung der Tarkanischen Garde und der Weißen Brigarden angeordnet. Dinge haben sich geeignet, von denen jeder hier unverzüglich Kenntnis erhalten muss und die unser Handeln erfordern, und das noch an diesem Tag. Tobalajos?“ Der Angesprochene nickte und rappelte sich schwerfällig auf, bevor er mit überraschend klarer Stimme fortfuhr: „Es geht wieder einmal um unsere Freunde von der Thultanthar. Das letzte Mal haben wir sie gestochen, aber offensichtlich nicht so tief, wie es nötig gewesen wäre. Mich erreichten mehrere dringende Nachrichten aus den Silbermarken. Offensichtlich haben die Shadovar Truppen ausgehoben und mehrere Ansiedlungen brutal angegriffen. Berichte über die Zerstörung, die sie angerichtet haben, sind bestenfalls vage und die militärische Situation ist nicht eindeutig. Die Situation ergibt kein klares Bild. Weder wissen wir, warum die Stadt der Schatten einen Krieg vom Zaun gebrochen hat, noch warum sie das ausgerechnet jetzt und in den Silbermarken tut.“ Tobalajos atmete schwer und richtete den Blick auf den Shing. „Das andere erzählst du besser.“ Der Krieger erhob sich langsam und suchte den Blickkontakt zu jedem einzelnen Mitglied des Rates, bevor er seine Stimme erhob. „In Silbrigmond gab es einen Mordanschlag. Selbst von Taern Hornblade persönlich habe ich keine präzisen Informationen erhalten, aber das Ziel war Alustriel Silberhand.“ Das Entsetzen, das sich nun im Raum ausbreitete war greifbar. Niemand saß an diesem Tisch, der nicht schon viele Kameraden zu Grabe getragen hatte, aber die Nachricht von diesem Verbrechen lähmte kurzzeitig sogar die Mächtigen, die sich zu dieser Runde zusammengeschlossen hatten. Ternario, seines Zeichens Universal-Gelehrter und Leiter der Oghma-gefälligen Bibliothek, war der erste, der seine Stimme wiederfand. „Ist sie...?“, begann er und ließ den Satz unvollendet, als er sah, dass der Shing seine Augen niederschlug, eine Geste, die für den Krieger gänzlich untypisch war. „Nach allem, was ich weiß, müssen wir davon ausgehen, dass sie nicht überlebt hat.“, bestätigte er mit belegter Stimme. „Schweinehunde!“, brüllte Tero, der Schmied, Trauer und Wut freien Lauf lassend. „Bei meinem Bart, das letzte Mal haben wir ihr Spielzeug nur angekratzt. Jetzt holen wir die ganze verdammte Stadt vom Himmel, Moradin möge mein Zeuge sein.“ Aufgeregtes Stimmengewirr erhob sich, als die Ratsmitglieder nun untereinander begannen, ihrer Entrüstung Luft zu machen, bis Tarpa Tarkan die Hand auf den Tisch fallen ließ, um sich Gehör zu verschaffen. „Ich kann die Aufregung verstehen, werte Freunde, ich teile sie.“, rief er in den Raum und wurde schließlich mit der Aufmerksamkeit der Ratsmitglieder belohnt. „Wir können und werden dieses abscheuliche Verbrechen nicht ungesühnt lassen. Aber jedem in diesem Raum ist bewusst, dass wir es mit einer Macht zu tun haben, die wir kaum einschätzen können und über die wir auch nach Jahren nur unvollständige Informationen haben. Unser erstes Ziel muss es sein, Silbrigmond selbst zu sichern. So wichtig die anderen Städte sind, fällt Silbrigmond der Zerstörung anheim, fällt unweigerlich der ganze Norden, und wir müssen davon ausgehen, dass die Schatten einen Plan haben, wie sie es mit diesem magischen Bollwerk aufnehmen können. Wir müssen daher unbedingt feststellen, welchen Plan sie verfolgen und verhindern, dass sie dazu Gelegenheit erhalten, ihn in der Praxis zu erproben. Ich nehme an, du hast einen Plan hierzu?“ Erwartungsvoll sah er den Shing an. „Ohne präzise Informationen fällt es mir schwer, einen tragfähigen Plan zu entwerfen.“, entgegnete dieser grimmig. „Ich kenne weder die militärische Lage, noch den Standort der Thultanthar und ich fürchte, diesmal werden wir etwas umfangreichere, magische Unterstützung benötigen, um in der Stadt der Schatten selbst siegen zu können. Zuerst müssen wir unsere Verbündeten benachrichtigen, unsere Truppen zu sammeln und nach Silbrigmond ziehen. Vor Ort wird es mir leichter fallen, die nötigen Informationen zu bekommen und unsere nächten Schritte zu planen und daher will ich noch heute aufbrechen.“ Angespannte Stille breitete sich aus, als er wieder Platz nahm. Erwartungsvoll blickte er von einem zum anderen. Der Rat war nie ein Ort ausschweifender Reden gewesen und niemandem schien der Sinn danach zu stehen, das Wort noch einmal zu ergreifen, bevor die Entscheidung fiel. Schließlich war es Tarpa Tarkan, der als erster aufstand, seinen Dolch zog und in die Tischplatte rammte. „Salkan sei mein Zeuge: Die Zeit des Zorns ist angebrochen, und dieser Zorn soll das Imperium des Schattens in seinen Grundfesten erschüttern und ihm den Untergang bringen, dem es einst entkommen ist.“ Nacheinander erhoben sich im Uhrzeigersinn nun die Ratsmitglieder und taten es ihm gleich. „Wenn ich Alustriel zu Grabe tragen muss, dann wird die Stadt der Schatten der Grabstein sein, als Warnung an alle, die die Mächte dieser Welt herausfordern.“, schwor der Shing mit zorniger Miene, den Dolch so fest umklammert, dass seine Knöchel weiß hervortraten, und trieb ihn tief in das robuste Holz, begleitet von den grimmigen Blicken seiner Freunde. Tero, Ternario und Tobalajos erhoben sich nacheinander und stießen ihre Dolche in die Tischplatte, ebenso wie der tapfere, junge Zwerg Botar, der seinem gefallenen Vater Brado dem Starken nachgefolgt war, dann richteten sich alle Augen auf Miranda von Colin. Den Dolch des Bundes hatte man bisher nur ein einziges Mal in ihrer Hand gesehen. Jetzt griff sie in ihre Robe und zog ihn ein zweites Mal und die Räte hielten den Atem an, als sie Zeuge wurden, wie sie ihn mit entschlossener Miene versenkte. „Zwölf Dolche, zwölf Stimmen. Tragt sie hinaus, um unsere Truppen und unsere Verbündeten zu den Waffen zu rufen. In zehn Stunden treten wir wieder zusammen.“, verkündete Tarpa Tarkan und verließ als erster der Zwölf den Saal. |
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