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Der beißende Geruch des knisternden Feuers stieg ihr in die Nase von der warmes, frisches Blut tropfte. Manche dieser Tropfen rannen ihren Hals hinunter. All dies schien sie nicht zu stören. Das Einzige was sie bemerkte, war das warme Gefühl von gelöschtem Blutdurst. Ihr rechter Arm schmerzte, ihre Fingerkuppen waren angesengt und übersäht mit kleinen, nässenden Bläschen. Sie sah an sich herunter...
...alles voll Blut...
-und es war nicht das Ihre-
Auf einmal beschlich sie ein Gefühl der Angst. Sie blickte sich um. Alle tot. Auch das Vieh, die Händler, alle tot. Das hatte sie nicht gewollt. Das war nicht ihre Absicht. Atmen fiel ihr zunehmend schwerer, der Qualm des Feuers breitete sich rasch aus. Eine Art panischer Hektik brach tief in ihrem Inneren aus und fraß sich durch ihre Eingeweide, wie eine Made durch altes Fleisch. Sie kroch ihr den Hals hinauf und würgte sie. Die Halbelfe biss die Zähne zusammen, wischte sich mit dem Ärmel ihrer Robe durch das Gesicht und hoffte so wenigstens einen Teil ihrer Schuld abzuwischen. Knietief stand sie in toten Körpern. Ihre Augen huschten darüber hinweg und sie schüttelte sich.
Wie viele Herzschläge mochten vergangen sein, seit sie hier stand... Zehn, hundert, oder gar tausend? Der Himmel wurde immer finstrer, denn die Nacht vermischte sich langsam mit den dunklen Rauchschwaden und verschluckte das grausame Bild fast gänzlich.
Sie wusste nicht, wie spät es war, als sie sich losriss von diesem Anblick. ...alles meine Schuld... stammelte sie vor sich hin, während sie auf den kleinen Fluss zuwankte um dort auf die Knie zu sinken.
Ruckartig beugte sie sich nach vorn und tauchte ihren Kopf in das kühle Nass. Wieder vergingen Herzschläge, während das Wasser unschuldig an ihr vorbei floss. Kurz vor dem Ersticken öffnete sie die Augen und zog den Kopf aus dem Bach. Wie tausend Nadelstiche brannte die Kälte auf ihrer Haut. An ihrer Kleidung klebte immer noch Blut... Sie stand auf und rannte los...ohne einen Blick zurück zu werfen. Einen Fuß vor den Anderen...immer weiter und weiter, bis ihre Lunge schmerzte. Da - am Horizont, ein Bauernhaus. Dort würde sie Schutz suchen. Sie beschleunigte ihre Schritte abermals und hielt erst an, als sie dort angekommen war.
Das Haus war nicht sonderlich groß. Es umfasste vielleicht zwei oder drei Zimmer. Das zumindest konnte man dies an den Fenstern erkennen. Davor stand ein Trog, aber so weit das Auge reichte kein Vieh in sicht... Es brannte kein Licht im Inneren. Stille. Totenstille. Sie wankte im Dunklen um das Haus herum um die Tür zu suchen. Klopfen wollte sie. Um Bleibe betteln..Etwas um ihren Hunger und Durst zu stillen. Vielleicht lebte hier eine Familie. Auf der Leine im Hof hingen ein Kleid, das passende Unterkleid, Kinderkleidung und ein wenig Unterwäsche. Soviel konnte sie in der Dunkelheit erkennen. Sie würden sie bestimmt aufnehmen, wenn sie sich freundlich gab.
Doch ihr Magen rebellierte, als sie den Eingang erblickte. Die Tür gab es wohl schon lange nicht mehr. Im Inneren des ersten Raumes lagen Äste und Laub, sowie ein wenig Heu und Staub. Sie wagte einen Schritt hinein. Spuren von Kampf spiegelten sich in den umgekippten Möbeln wieder. Alles lag umher. Was mochte hier passiert sein? Sie wollte gar nicht weiter darüber nachdenken und verließ fluchtartig das Gebäude. Im Vorbeirennen riss sie das Kleid von der Leine und lief weiter und weiter und weiter.
Irgendwann blieb sie plötzlich stehen. Das alles um sie herum kam ihr so bekannt vor.. So vertraut. Sie versteckte sich hinter einem Felsbrocken und streifte ihre alte Robe ab, um sich das gestohlene Kleid anzuziehen und trat dann hinter dem Fels hervor... "Dafür sollte es noch reichen" murmelte sie und warf ihre alte Robe in die Luft, um dann mit einer drehenden Handbewegung dafür zu sorgen, dass das Blutverschmierte Teil in Feuer aufging.
Sie taumelte und fiel auf die Knie..
"Ich bin schwach geworden" hustete sie hervor und kroch zu dem nahgelegenen Fluss, der ihr so bekannt vorkam. Sie wusch sich von Kopf bis Fuß rein von den immer noch klebenden Blutresten, richtete ihr schwarzes, langes Haar - welches früher einmal leuchtend rot und schulterlang gewesen war - zu einem Zopf und stand auf.
In deiner größten Not, wenn dein Weg verblendet ist, kehrst du dorthin zurück wo dein Herz schlägt. Selbst wenn du den Weg vergessen hast, dein Herz wird dich leiten.
Und so trat sie mitten in der Nacht, frierend, hungrig und durstig durch das Tor, was ihr so viel genommen und so viel gegeben hatte.
Sie erwartete das alte Spiel, die Wache, die sie fragte, wer sie sei.. das Frankys - überfüllt mit Saufbolden und so weiter...
....aber alles war anders.
_________________ ...und es ist, was es ist - sagt die Liebe 
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