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((Gemeinsam von Kay und Icy verfasst.))
Die Hölle...
Sie müssen verrückt sein, wer sonst würde eine solch irrsinnige Idee verfolgen?
Erschöpft führten ihre Füße sie weiter, vorbei an Mauern die sie bereits gesehen hatten, Kisten die bereits erforscht wurden und ein steinernes Tor was zu oft durchschritten ward. Die Schrecken der letzten Stunden hatten sich zu tief in ihren Geist gefressen, ein einziger Wunsch brannte nun noch in ihrer Seele: der Wunsch nach Rückkehr. Rückkehr an einen sicheren Ort, der Wärme und Sicherheit versprach, denn beides würden sie hier nicht finden. Jede Wärme verwandelte sich hier in ein alles verschlingendes Feuer und jede Sicherheit zu einer tödlichen Falle.
Dumpf erklangen ihre Schritte auf dem blanken Fels, verrieten ihnen lediglich, dass sie zurück waren, zurück am Anfang dieser zermaternden Reise.
Jaren folgte Leomar in den Raum der Bücher, grausame Schicksale waren hier verzeichnet und suchten in der kreativen Beschreibung und Ausmalung der Ereignisse ihres Gleichen. Der qualvolle Tod Leomar Corthans direkt neben der Vierteilung Jaren Gyumaos, dem Bilderbuch, standen hier neben tausenden anderen Zukünften die sie an diesem Ort ereilen konnten.
Erst das hochschnellen der steinernen Geheimtür hinter Jaren konnte sie aus ihrer Lethargie befreien. Knirschende Knochen, das Spritzen von Blut und die Erkenntnis, dass ihr dritter Gefährte, dem dieses Schicksal prophezeit ward, hinter ihnen gelaufen war, ließ wieder Leben in ihre Glieder kommen.
"Das Seil Leomar, das Seil! Zieh an dem verdammten Seil!“
Leomar riss die Augen auf und spurtete zu dem Seil, von dem sie sich sicher waren, es würde dieses Tor wieder öffnen, um daran zu ziehen, doch stand schon lange fest, dass es dafür zu spät war. Dies war die Hölle, Platz für Freude des Wiedersehens gab es hier nicht.
Schockiert blickten beide Recken zurück zu der Wand die soeben ihren Verbündeten zerquetscht hatte. Verzweiflung spiegelte sich in ihren Augen, Augen inmitten von Rußgeschwärzten und müden Gesichtern.
"Sarez ... nein… SAREZ!“
Matte Töne von Fäusten die gegen Stein schlugen ließen das Herz des Herren dieser Welt nicht erweichen, ebenso wenig wie die von Leid durchsetzten Schreie. Hier gab es keine Hoffnung – für niemanden.
“Sarez… er ist ... Warum hast du nicht am Seil gezogen? WARUM Leomar?!"
Jarens’ Stimme überschlug sich, all die Qual die ihnen hier widerfahren war hatte längst tiefe Narben auf seine Seele gebrannt. Der Verlust des Freundes würde nun einen Platz neben all den anderen finden.
"Ich habe daran gezogen! Warum bist du nicht gemeinsam mit ihm durchgegangen?!"
Schrecken und Hilflosigkeit ließen Leomar aufbegehren, auch er hatte mehr sehen müssen als er wollte, längst hatte man seinen Lebensfaden aufgesponnen und beständig versucht ihn zu durchtrennen, die Angst es würde ihnen bald gelingen war allgegenwärtig.
"Du hättest am Seil ziehen sollen! Du hast ihn sterben lassen!“
Ein Vorwurf folgte dem nächsten, allein die von Wut und Verlust geprägten Stimmen erfüllten nun das jahrhundertealte Gemäuer.
“Du bist für seinen Tod verantwortlich! … Wie konntest du das nur tun, nach all dem was er für uns tat! Er war unser Freund!"
"Ich ... ich kann nichts dafür. Lies in dem Buch nach! Ich hatte ihn doch gewarnt!"
Jaren trat an Leomar vorbei, längst vernahm er erneut die Einflüsterungen jener Stimme die ihn Stunden zuvor in den Abgrund stürzen wollte. Doch er war nicht stark genug sich ihr zu widersetzen, gefangen in ihrem Bann gehörte er ihr. Energisch schlug er die Seiten des Buches auf, welches auf magische Weise zahlreiche Tagebucheinträge der Gefährten sein Eigentum nannte. Einträge die tiefste Geheimnisse offenbaren mochten und ebenso grausames Geschehen zu ergründen versuchten.
In frischer Tinte fand sich etwas, unverwechselbar las sich die Handschrift in der geschrieben stand, was der Stimme in Jarens Geist Kraft gab und jeden Widerstand verblassen ließ.
'Mein heimtückischer Plan Jarens Tochter zu ermorden ist aufgegangen... und den einzigen Zeugen neben Jaren selbst bin ich auch losgeworden, nun bleibt nur noch eines zu tun... L. C.'
Sie hatte Recht! Jaren sah an Leomar vorbei, dort stand sie. Samara. Ängstlich schlang sie ihre Arme um sich und blickte flehend in die Augen ihres Vaters. Von Furcht und Zwietracht geprägte Worte fanden ihren Weg in des Verzweifelten Ohr. Er gab ihr Recht und betrachtete wieder jenen, dem er die Schuld an all der Qual zu geben mochte, Leomar.
"Du ... elender Mörder ..."
"Sag Leomar ... lässt du dir das gefallen?", erklang eine andere Stimme. Hinter Jaren stand sie, gerade und mit einem überlegenen Lächeln – Rabea.
"Du hast ihn ermordet ... und deinen Plan niedergeschrieben! Wie dreist… kann man sein?! Dachtest du ich sehe es nicht? Du… du versuchst meine Familie zu vernichten! Und alle die mir etwas bedeuten! Erst versuchst du Shara hinrichten zu lassen, dann verhinderst du dass ich meine Tochter rette und nun Sarez!"
Offener Hass und Feindseligkeit schlugen nun Leomar entgegen, tiefe Schatten schmiegten sich unter Jarens Auge, die seine Erscheinung noch finsterer erscheinen ließen als es der trübe Schein des Lichtes nicht ohnehin schon tat.
Wieder erklang die Stimme jener Frau, die Leomars Vertrauen besaß.
"Er hat euch an Devon verraten. Er hat es doch zugegeben!"
"Vater! Bitte, der böse Mann will mir weh tun!“ Gleichzeitig erklangen die unterschiedlichen Frauenstimmen, doch jeder der Männer war nur für eine der süßen Verlockungen des Teufels anfällig.
"Er ist ein Verräter ... töte ihn, dann lebe ich wieder Vater."
"Er ist ein Verräter ... töte ihn und wir kehren gemeinsam nach Rivin zurück."
'Verräter', wisperten die beiden Männer im selben Moment. Die Blicke beider trafen sich, sie verrieten den todbringenden Wunsch den sie in sich trugen. Eingepflanzt von listigen Worten und giftigen Bildern, die sie in den Wahnsinn getrieben hatten.
"Töte ihn!"
"Töte ihn!"
Ihre Hände griffen nach ihren Waffen, Jaren trat zurück um sich in die Schatten der Bibliothek zu schmiegen, er hatte nicht vor einen Ehrentod zu finden. Zornig sah ihm Leomar nach, er vernahm das Klicken des Bolzens der eingespannt wurde und versuchte noch in die Dunkelheit zu spähen, als ein zweites Klicken erklang. Ein Bolzen schnellte aus der Finsternis und streifte ihn an seiner Schulter. Kettenglieder gaben unter dem plötzlichen Druck nach und eine schmale Wunde entstand. Doch ebenso schnell sprang Leomar nun zur Seite, ein anderes Bücherregal würde ihm als Deckung dienen.
"Zieh deine Klinge und komm her! Kämpfe wie ein Mann du Feigling!" Rief er Jaren entgegen, doch nichts erwiderte jener, der längst eine gefährlichere Waffe in seinen Händen hielt.
"Schände ihn!"
"Verstümmle ihn!"
Die Stimmen der Geister ihrer Pein gossen beständig Öl in das Feuer des Hasses, es war nur noch eine Frage der Zeit bis jene Streiter ihre Klingen kreuzen würden um ihrem Gegenüber ein Versprechen des Todes und Schmerzes wahr zu machen.
"Töte ihn!"
"Töte ihn!"
Schließlich durchschnitt ein funkelnder Pfeil das dämmrige Licht und schlug in jenes Regal ein, hinter welchem Leomar Schutz vor dem Fernkampf gesucht hatte. Doch ein dröhnen folgte dem Einschlag und reißende Flammen stoben aus der Spitze des Pfeils, rissen nach ihm und seinem Leben.
Ein Schmerzensschrei durchdrang den Ort der lauernden Finsternis… Doch nun geschah etwas, was die Zwietracht und Hasse säenden Geister nicht beachtet hatten. Besinnung riss beide Feinde aus ihren vernebelten Gedanken. Plötzlich wurden sie sich ihrer Taten bewusst.
Mit Schrecken erkannten sie nun, dass sie ihrem einzigen Freund an diesem Ort dem Tod entgegen treiben gewollt hatten. Jaren ließ seinen Kurzbogen fallen und zog seine Klinge, mit von Furcht erfüllter Stimme rief er nach jenem, der in all den Tagen zuvor zu einem Kameraden und Vertrauten geworden war.
"Leomar! Sprich mit mir! Leomar! Lebst du noch?!"
Ein Ächzen war zu vernehmen, bevor sich Leomar wieder aufrichtete.
“Du hättest mich beinahe umgebracht Jaren!“ Erklang grimmig Leomars Stimme, eine Erleichterung regte sich trotz der Wut die in Leomars Stimme mit schwang in Jarens Seele.
Doch nun sahen sie sie beide, jene, die sie für ihre Liebsten gehalten hatten, welche nun aus ihrer Deckung hervortraten. Da standen sie nun, sichtbar für alle. Samara und Rabea. Geformte Porzellanpuppen mit der Gestalt jener geliebten Menschen, die das Vertrauen beider Recken besaßen. Nachbildungen deren Makel sie in ihrem Wahn nicht zu erkennen vermochten, eine Demütigung ihres Verstandes.
Ihnen gegenüber standen Jaren und Leomar, Wut entflammte auch dieses Mal in beider Herzen, doch entbrannt durch jene die sie aufeinander gehetzt hatten.
Unvermeidlich hoben beide ihre Klingen, es gab nun kein Spiel mehr. Sie würden das Böse an diesem Ort vernichten und mit diesen Geistern die sie plagten würden sie beginnen! Laute, prophezeiende Worte entrissen sich der Kehle der beiden Männer.
„Für Sarez!“ „Für Samara!“ „Für Rabea!“
Sie rannten vor, die Leiber der Puppen zersprangen und entblößten perfekte weibliche Körper deren lüsterne Blicke trotz der spürbaren Gefahr die von ihnen ausging beide trafen. Doch zu sehr hatten sie an ihren Seelen genagt, die Recken wichen nicht zurück und so begann ein blutiger Kampf zwischen Klingen und den Krallen des Bösen.
Doch mochte das Licht beider auch noch so hell scheinen, hier war eine Stätte des Bösen. Ein Ort an dem die Finsternis gewann, nicht die Hoffnung. Die Verderbnis nannte dies ihre Heimat und würde keine von Verzweiflung geführte Klinge, die für das Gute und herzzerreißende Gefühle erhoben ward, gewinnen lassen.
Auf blutbeflecktem, kaltem Boden fielen die Leiber von Leomar und Jaren. Kaum mehr als ein Funke Leben war noch geblieben, als die tödlichen Botinnen der Hölle sich über sie beugten und ihnen ein verführerisches Angebot machten.
Doch beide schüttelten ihren Kopf, so schwach, wie es ihnen noch möglich war, als sie vor die Wahl gestellt wurden ihre Seelen zu geben um weiterzuleben.
"Zu schade."
"Zu schade."
Die Erinnyen hoben ihre Schwerter über die beiden Streiter ... zeitgleich und simultan fuhren sie hernieder ... ein kurzer Augenblick ... zwei Tote ... vorbei ... Dunkelheit.
_________________ ~ Sei dir selber treu. Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen. ~ William Shakespeare20:44 +nax` • Aber ich will Drogen haben und Leuten den Kopf abschlagen. oO Factor VLeomar Corthan
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