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Tahrag hörte die Wölfe im Wald hinter sich. Der Ork mobilisierte noch einmal alle seine Kräfte. Die Jägerin hatte ihn doch noch gefunden! Und die Stadt der Menschen war schon so nahe.
Die Tage zuvor Tag um Tag war er durch die Borken gewandert. Immer in Gefahr, dass ihn Kassars Schergen entdecken könnten. Er hatte in engen Höhlen übernachtet und im Regen unter den Wipfeln der Bäume. Mehrmals war er den Patroullien der Orkarmee nur knapp entkommen auf seinem Weg vom Schlund der Bestie gen Süden. Und mehrmals halfen ihm Orks anderer Sippen, zu entkommen oder versteckten ihn vor den Häschern.
Angst hatte sein Volk in Ketten gelegt die schwerer waren als alle aus Eisen und Stahl. Dir Angst vor den neuen orkischen Hexenmeistern. Gerüchte über dunkle Rituale verdrängten die Geschichten die einst die Schamanen erzählt hatten. Jäger wurden zu Soldaten. Die Klans verloren ihr Erbe.
Dies war nicht die Zukunft, die sie erkämpft hatten! Menschen und Drachen nutzen sie wieder als Spielpuppen in ihren Machtspielen.
Doch es gab Hoffnung. Die innere Stärke der Orks war noch da .. und ihre Schamanen lebten noch. Eingekerkert im Schlund der Bestie, gefoltert und gequält. Aber noch lebten sie. Aber einen Aufstand würde es nur mit ihnen geben, mit ihnen als Anführer. Doch Taharg konnte es alleine nie schaffen, auch nicht mit den wenigen der Stämme und Klans, die noch frei dachten und ihm geholfen hatten.
Jeden Tag kamen die Trollhügel näher, jeder Schritt führte den Ork näher an sein Ziel.
Er musste die Menschenstadt erreichen und die finden, mit denen er am Pass gekämpft hatte. Die Menschen und Elfen mit denen er sich der Orkarmee entgegen gestellt hatte.
In den Hügeln traf er Kobolde, die ihm halfen. Sie zeigten ihm die versteckten Wege und verbargen ihn mit alter Drachenmagie vor den Wyvern.
Und dann lag der südliche Wald der Borken vor ihm. IN der Ferne sah er den Schlangenfluss sich dahin mäandern. Nur noch einen Tagesmarsch.
Nur noch ein Tagesmarsch ... ... und hier hatte sie ihn aufgespürt. Kassar hatte seine Trumpfkarte bis zuletzt aufgehoben. Welche Chance hatte er, einem Wesen halb Geist halb Real zu entkommen? Der Essenz der Wölfe an sich?
Die Wölfe kamen näher und mit ihnen ihre Anführerin.
Jagdfieber Jasmin hatte gewartet. Sie wusste das es noch immer Orks gab, die ihrer Beute helfen würde. In den Hügeln hätte sie ihn fast schon gehabt, doch dann machten ihr die Kobolde des Drachentempels einen Strich durch die Rechnung. Egal, sie kannte sein Ziel. Geduldig wartete sie. Ihr Rudel hatte seine Fährte schnell gefunden. Nun war es endlich soweit. Das Blut der Weißen Fähe brodelte vor Erregung in ihr. Die Stimme des Meisters treib sie an. Der Verräter würde Rivin nie erreichen! Los! Jagt ihn und stellt ihn! Aber lasst ihn für mich! Diese Macht, dieses Verlangen, selbst Malars Atem war ein Nichts dagegen!
Den Ruf des Löwen vernahm sie schon lange nicht mehr.
Hoch über dem Bergfluss Ein Felsplateau neben einem rasch in die Tiefe stürzenden Wasserfall. Das eisige Wasser aus den Trollhügel kam hier aus deren südlichen Ausläufern und trat seinen Weg an durch den Wald gen Süden.
Tahrag stand mit dem Rücken zum Abgrund, die Axt in den Händen. Wenn es hier enden sollte, dann würde er viele der Wölfe mitnehmen. Die Wölfe bildeten einen Halbkreis am anderen Rand des Felsenvorsprungs. Sie warteten. Nur einer hatte sich vorgewagt und den Ork angesprungen. Sein toter Körper lag zwischen den Ork und Rudel. Aber der Wolf hatte Tahrags Arm erwischt.
Dann bildete sich eine Lücke in der Reihe des Rudels und Jasmin trat vor. Tahrag sah sie zum ersten Mal aus der Nähe. Sie hatte dunklere Haut als die anderen Menschen hier an der Küste. Stammeszeichen zierten ihre Wangen und ihre Kleidungsstücke waren immer noch eine Mischung aus dem Stil des Eiswindtals und ihrer Wüstenheimat. Doch ihre Augen waren nicht mehr die eines Menschen allein.
Sie musterten sich gegenseitig einige Zeit. Zu sagen gab es nichts. Ein Leben der beiden würde hier und heute enden .... und die Wetten standen gegen Tahrag.
Der Ork hob seine Axt und ignorierte den Schmerz des verletzten Arms. Jasmin zog eine gebogene Klinge wie sie die Wüstenstämme der Calim verwendeten. An ihrer anderen Hand blitzten die eisernen Löwenklauen.
Mit einem Brüllen griff der Ork an, versuchte den Kampf mit heftigen Schlägen schnell zu entscheiden. Jasmin setzte die Beweglichkeit des Schwerttanzes dagegen. Stahl traf Stahl, die Wölfe des Rudel scharten erregt in der Erde.
Doch keiner der beiden konnte mit seinen Angriffen die Verteidigung des anderen überwinden. Keuchend traten sie wieder weg voneinander. Der Ork war stärker als Jasmin erwartet hatte. Er kämpfte mit dem Mut der Verzweiflung und der Hoffnung. Natürlich, er kämpfte für sich und die Zukunft seines Stammes. Naivling.
Es wurde Zeit, das zu beenden und sein Blut zu schmecken. Jasmin hob die Klinge in die Höhe. Wenn sie mit der Macht der Weißen Fähe und des Meisters nicht weiterkam, dann musste eben Magie weiterhelfen.
Tharag musterte eine jeder ihrer Bewegungen. Seine Kraft war am Schwinden. Er würde nicht mehr lange kämpfen können. Er dachte an seine kygarta. Sie würde in den Verliesen des Schlunds sterben, wenn er sie nicht retten konnte.
Er brüllte auf, mobilisierte seine letzten Kräfte als Jasmin ihre Klinge in den Himmel hob.
Flammen erschienen um die Klinge und der Wind schien sich um den Stahl zu sammeln.
Jasmin summte das Lied der Wüste und die Macht in der Klinge des Asandi-Stammes hörte ihren Weckruf. Feuer und Luft wurden gerufen, tanzten um die Schneide.
Taharg richtete sich gerade auf, ballte die Faust des verletzten Arms. Dadurch floss noch mehr seines Blutes aus der Wunde. Nun gut. Nicht nur die Jägerin hatte solche Tricks auf Lager. Er sprach alte orkische Worte und vermachte sein Blut Talos und den wilden Naturgöttern seines Volkes. Kein Tropfen des Blutes, dass während seiner Worte aus seinem Arm lief, erreichte je den Felsboden. Es verschwand einfach und Tahrag spürte aus seinem Innersten neue Kraft emporsteigen. Blutmagie gegen die Kraft der Elemente.
Die Wölfe wurden noch unruhiger, einige zogen sich in den Schutz des Unterholzes zurück.
Dann sprangen beide Kämpfer aufeinander zu!
Funken sprühten als ihre Waffen sich trafen und es hörte sich an wie ein lauter Donnerknall, der über den Bergfluss hinweg den Wald um sie herum erfüllte. Mit aller Kraft wurde der Kampf ausgefochten. Keiner der beiden konnte den anderen bezwingen. Doch mit jedem Schlag fühlte Tahrag den Schmerz aus seinem Arm wieder stärker werden. Der Schmerz zehrte seine Kraft auf.
Und dann stolperte er und Jasmin lachte ihre Anspannung herausrufend laut auf.
Der Ork war vor ihr in die Knie gebrochen. Nun war es vorbei! Triumphierend hob sie zum finalen Schlag aus.
Taharg brüllte auf vor Wut. Es war vorbei. Er würde sterben und sein Wort brechen, seine kygarta und all die anderen Schamanen aus der Folter zu befreien.
Er wartete auf den Schlag.
Aber er kam nicht.
Aus den Augenwinkeln sah er Jasmin in die Knie gehen. Sie hielt mit der linken ihren Schwertarm und schrie. Ihre Klinge glühte und Flammenzungen tanzen getragen auf dem Wind um Jasmins Arm und ihre Schulter hinauf.
Tahrag und die Wölfe starrten verwirrt zu Jasmin. Anstatt mit der Klinge den Ork den Todesstoß zu geben, kämpfte Jasmin mit der Macht ihrer eigenen Waffe. Wind und Flamme hatten sie gegen sie gewandt.
Jasmin schrie auf vor Schmerz. Sie verbrannte! Warum? Warum richtete sich die Macht der Klinge jetzt gegen sie?
Vor langer Zeit Samiramis trat an ihren Waffenschrank und zog das in die alte lederne Scheide gehüllte Krummschwert aus seiner Halterung. Dann drehte sie sich zu ihrer Erstgeborenen um.
„Dies, Jasmin, ist mein Hochzeitsgeschenk an dich. Seit den ersten Tagen unseres Stammes obliegt es unserer Familie, das Schwert unseres Volkes zu tragen. Ob Mann oder Frau, das Schwert selber wählt seinen zukünftigen Träger aus. Ich trug es über 20 Jahre und seine Macht rettete mich mehr als einmal. Ich werde dir das Lied sagen, welches die Macht des Wüstenwindes weckt, der in dieser Klinge aus Feuer und Wind liegt. Aber denk daran, dass große Macht auch große Verantwortung mit sich bringt. Alles hat seinen Preis und bist du nicht bereit ihn zu zahlen, so kann es dich und deine Familie nicht mehr schützen. Seine Macht in an dein Erbe unseres Volkes gebunden. Nur ein Asandi kann den Wüstenwind bändigen.“
Mit diesen Worten reichte Samiramis Jasmin die Wüstenklinge.
------------------------------------- Wie konnte es die Klinge wagen ihren Dienst zu verweigern!
Die Flammenzungen hüllten Jasmin immer mehr ein. Gelber Sand sammelte sich um ihre Beine und eine trockene Hitze breitete sich um die herum aus.
Die Wölfe knurrten, jaulten.
Tahrag wusste, er würde an Jasmin vorbei kommen, nicht aber an den Wölfen. Sein Blick traf Jasmins. Für einen Moment blickten Jäger und Gejagte sich an.
Dann riss Tahrag sich hoch, dreht sich und ließ sich in den Fluss unter den Felsen stürzen. Das eiskalte Wasser traf ihn wie ein Hammerschlag und drückte die wenige Luft aus seinen Lungen.
Jasmins Schrei änderte sich von Schmerzen zu Wut. Ihre Beute war entkommen! Aber nun musste den Zauber der Klinge beenden bevor es sie verbrennen würde. Doch ihre Hand ließ den Schwertknauf nicht los. Nein, so leicht gab sie nicht auf.
Sie zog ihre linke Hand von der Rechten weg, biss die Zähne zusammen und rammte die Löwenklauen in ihren Schwertarm. Der Schmerz explodierte in ihrem Bewusstsein .... doch die Klinge fiel endlich aus der nun nutzlosen rechten Hand. Die Flammenzungen verschwanden und die Kühle des Winters kam wieder.
Schwer atmend um darum ringend, nicht das Bewusstsein zu verlieren lag die Jägerin über dem Fluss. Nach einiger Zeit kamen die Wölfe ihres Rudel heran und stupsten ihre Leitwölfin sanft an. Jasmin öffnete die Augen und blickte zu den Wölfen: „Findet die Beute und beendet es!“
Die Wölfe sprangen herum und suchten den Weg hinab und den Fluss entlang. Jasmin blieb mit ihrem Schmerz alleine zurück.
----------------------- Tahrag erlangt das Bewusstein wieder und fand sich halb tot in einem kleinen Seitenarm des Flusses halb ans Ufer gespült. Wie kam er hierher? Egal, er lebte. Aber bald würden die Wölfe ihn finden, egal was mit der Jägerin passiert war.
Plötzlich fiel ein großer Schatten auf den Ork und etwas packte ihn am Kragen und hob warf ihn regelrecht hoch. Nur halb bewusst sah Tahrag sich auf dem Rücken eines großen fast weißen Bären wieder, der ihn vom Fluss forttrug ... gen Süden .. gen Rivin.
---------------------------- Jasmin wusste dass ihr Leben auf Messers Schneide stand. Sie hätte die Wölfe als Hilfe zum Überleben nutzen können, aber sie wollte diese Beute tot sehen. Zorn vermengte sich mit Schmerz und erst nach einiger Zeit merkte sie, dass der Schmerz weg war und wieder Kraft in ihren Körper zurück kehrte.
Sie drehte vorsichtig ihren Kopf nach rechts und blickte zu ihrem Arm.
Die grässliche, selbst zugefügte Wunde war .... weg.
------------------------------- Horay .... die mystische Insel Illmaters Einst schuf Illmater einen Ort, an dem die leben konnten, die um andere zu schützen aufgrund ihrer Taten, ihres Erbes oder der erlittenen Qualen keinen anderen Ort finden mehr konnten. Ein Ort der Verlorenen, eine Zuflucht.
Die Weisen der Welt streiten sich, ob diese Insel auf Toril existiert, oder nicht, oder halb. Keiner findet sie zufällig.
Der Schrei war deutlich zu hören, er kam aus den Gemächern einer der derzeitigen Ratsmitgliedern der Insel. Ein junges Mädchen, trotz der noch wenigen Lebensjahren gezeichnet von den Narben der Sklaverei, ließ alles stehen und liegen und rannte in das große Zimmer ihrer Herrin.
„Mylady, was ist passiert?“ Das Mädchen stockte als sie ihre Herrin an dem großen Fenster stehen sah, über dass man einen Großteil der Insel sehen konnte. Die Frau vor ihr hielt sich die Rechte und blut tropfte auf den hellen Marmorboden.
„Einen Stuhl, bitte Maya.“ Das Mädchen nickte und zog einen Stuhl heran. Dann zerriss sie den langen Saum ihrer Robe zu einem Verband. „Eure Hand, Mylady.“
Samiramis reichte Maya ihre Rechte. Vier üble Stichwunden waren tief in das Fleisch eingedrungen und Maya hatte erst Mühe die Blutung mit dem provisorischen Verband zu stoppen.
„Myaldy, was ist passiert?“ „Mach dir keine Sorgen, Mays. Ich war unvorsichtig. Danke .... gib mir Zeit mich noch einen Moment zu sammeln. Dann kann ich meine Magie anwenden und die Wunde schließen.“
„Ihr solltet euch hinlegen.“ Mayas Stimme hatte einen Hauch an Strenge wie die Stimme einer Mutter zu ihrem ungezogenen Kind und Samiramis musste leicht lächeln. Sie legte die linke Hand auf die Wunden und wirkte ihre Heilmagie.
„Mach dir keine Sorgen. Zudem, ich kann mich nicht hinlegen. Der Abendstern wird jeden Moment erscheinen und - wie du weißt - habe ich jemanden versprochen jeden Abend das Lied zu singen, das ich meinen Töchtern und meinem Sohn immer vorsang des abends.“
Noch etwas blass erhob sich Samiramis. „Und eine Mutter steht zu dem Wort ihren Kindern gegenüber ... egal wo sie sind.“
Als ihre Herrin den Raum verließ um zur Turmspitze zu gehen, suche Maya nach dem seltsamen Messer, mit dem Samiramis sich geschnitten haben musste.
Aber so lange und gründlich sie suchte ... sie fand es nicht.
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