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Die beste Maske, ist die, die man nicht sieht...
Seine Faust traf ihre Nase und lies sie nach hinten taumeln. Blut schoss in Bächen ihre Lippen hinunter und tropfte auf den Boden des Übungsraumes.
„Bastard,“ fauchte Aun’rae wutentbrannt und rammte ihm als Antwort ihren Ellenbogen in den Magen. Ra’zzar taumelte zurück und knallte mit dem Kopf gegen die Türe. Viele schon hatten die Kraft und die Ausdauer der Ilharess unterschätzt. Ihrem sehnigen Körper wohnte einiges mehr inne, als es den Anschein machte. Holz splitterte und erneut verteilte sich Blut, diesmal vom Hinterkopf des Kriegers. Sein wutentbranntes Knurren jedoch zeigte, dass er noch lange nicht besiegt war. Zäh war er, dass musste man ihm lassen. Auch Aun’rae war die Schwäche bereits anzusehen, vor diesem Kampf hatte sie bereits einen weiteren Krieger seinen Platz im Staub gezeigt. Dennoch würde sie nicht zaudern, noch nachgeben. Die stolze Drow blutete bereits aus zahlreichen Wunden, die geschwollenen Muskeln ihrer nackten Beine zeigten auf, wo der Sargtlin sie vorzugsweise treffen und zu Boden schicken wollte. Schwäche war keine Option, sie war die Herrin des ersten Hauses von Har’Dokar, Übungskampf hin oder her... und er? Er war nur ein Jaluk.
Ra’zzars Kopf knallte nach vorne und wollte erneut ihre Nase treffen. Er hätte sie wohl auch gebrochen, doch die Yathrin wich seinem Schlag seitlich aus und zeigte ihm wie man es richtig machte. Die obsidianschwarze Haut an seiner Schläfe riss wie Papier und sein Blut verteilte sich in feinen Spritzern in ihrem Gesicht.
Während des Kampfes hatte er nicht viel gesagt, doch ihre Provokationen ließen seine Augen vor Wut tanzen und bewiesen ihr zwischen den Schlägen, dass in diesem Werkzeug der Göttin mehr steckte, als die bloße Ergebenheit eines schwächeren Männchens.
Nur im Kampf... waren die Drow dazu bestimmt, wahre Emotionen zu zeigen. Sie traten klar und deutlich hervor und kümmerten sich nicht um die Masken, die alle zu Lolth Ehren trugen. Wut, Zorn, Wildheit, blanker Hass, der Wille zu Sieg.
Für Aun’rae war es ein wahres Fest, mit jedem Treffer und den Schmerzexplosionen, die ihnen folgten, saugte sie diese unbeherrschten Gefühle in sich ein, wie eine Verdurstende und schlug zurück.
Sonst winden sie sich und schlängeln, schleimen und ducken sich, nur um einen Funken tückischer Sicherheit zu ergattern, oder sie lehnen sich auf, dämlich wie sie sind, nur um so ihre sogenannte Individualität in den Vordergrund zu stellen. Miese kleine Würmer... dabei war das hier... die Reinform der Seele, die einzige Wahrheit, die sie akzeptierte.
Ein Tritt beförderte die Priesterin nach hinten und lies die Luft aus ihren Lungen entweichen. Fast hätte sie sich erbrochen. Der Krieger hatte alle Kraft aufgebracht, um sie abzuschütteln und war erfolgreich gewesen. Dafür zierten nun drei blutige Striemen sein Gesicht und verliehen ihm das Zeichen des Nimrod.
Mit einem grausamen Lächeln leckte sich Aun’rae über die Lippen. Dann duckte sie sich ab und sprang. Eine ganz Serie von Schlägen prasselte auf Ra’zzar ein, der sich gegen ihre Angriffe nur noch müde zur Wehr setzte. Beide hatten sich in der vergangenen halben Stundenkerze nichts geschenkt, sich keine Atempause gegönnt. Schläge und Tritte, aufgeplatzte Haut, alles formte ein neues Muster auf dem Boden. Aun‘raes nackte Haut glänzte vor Schweiß und Blut, sein Atem war genauso schnell und erschöpft wie der ihre. Es würde nicht mehr viel fehlen und ein Sieger feststehen. Wie viel würde er noch einstecken? Immer wieder ließ sie ihre Fäuste auf seinen Körper hinab prasseln und scherte sich nicht mehr, ob sie damit bestimmte Stellen traf oder seinen Körper einfach so in Brei verwandelte. Plötzlich erwischte sie aus seiner Abwehrhaltung eine Faust am Kinn. Sie hatte ihre Deckung vernachlässigt, um ihm den Rest zu geben und bezahlte das nun. Der Schmerz ließ Tausende Sterne vor ihren Augen tanzen und schließlich wie ein nasser Sack zusammenfallen. Sie ging zu Boden und riss Ra’zzar einen weiten Hautfetzen aus dem Körper.
Als sie ihre Lider wieder öffnete, bemerkte sie, wie der Krieger über ihr zusammengebrochen war und spürte sein Gewicht auf ihrem zerschundenen Körper. Er hatte sie zwar außer Gefecht gesetzt aber letztlich nur um den Preis, des eigenen Triumphes, sie vor ihm auf dem Boden zu sehen.
Regungslos genoß sie die Stille, die auf den Kampf folgte. Sie war nur ein winziger, schnell vergehender Moment, in dem man nur noch seinen Herzschlag hörte aber sie löste in ihr ein Kribbeln aus, dem sie sich nicht erwehren konnte, nicht erwehren wollte. Ihr Körper brannte wie Feuer, der Geruch von Blut und Schweiß vermischte sich in ihrer Nase... alles tanzte in explodierenden Synapsen aus Schmerz.
Erschöpft und unsicher sah Ra'zzar auf ihren Körper hinab, den er unter seiner Schwäche begraben hatte. Bösartig lächelte sie ihn an und schob ihr blutüberströmtes Kinn ein wenig nach oben.
„Ich habe dir doch nicht weh getan?“
Seine Augen blitzten wild auf und er schien für einen Augenblick zu überlegen, dann rollte er sich jedoch ab und kam auf die Beine. Spiel deine Spielchen... anscheinend vergisst du, wer die Spielregeln macht. Aun’rae federte sich mit schmerzverzogenen Zügen ab und stand schließlich, wenn auch noch unsicher, auf ihren eigenen Füßen, dann wollte sie sich abwenden.
Seine Hand packte ihr Gelenk und zog sie ein Stück zu sich zurück.
„Nau Herrin... aber...“
Dann spürte sie, wie seine Zunge das Blut von ihrem Kinn leckte und schloß knurrend die Augen. Für nur ein wenig tückische Sicherheit... tun sie so viel... dumm nur, dass wir die Macht, die wir haben, geben können, aber niemals müssen.
_________________ "...All das ist noch nicht einmal eine Generation her, wieso wiederholt sich alles?"
"Weil das Vergessen einfacher ist, als das Ertragen des Erfahrenen, weil falsche Sicherheit wichtiger ist, als stetige Vorsicht, denn siehe Wölfe sind unter die Lämmer gekommen aber sie jagen nicht, deshalb hält man sie für Hunde."
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