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„....Ich habe sie erst befreit. Ich bin hierfür verantwortlich. ICH trage diese nie endende SCHULD.“
„...und wenn...es ist nun mal geschehen...die Götter wissen, wie wütend ich darüber bin, das ihr es soweit habt kommen lassen...Aber diese SCHWÄCHE...euch nun töten zu lassen...und UNS ANDREN,...die wir LEBEN wollen, in dieser Qual zurück zu lassen...das ist wirklich niederträchtig!“
„...Und was soll ich noch beitragen? Ich kann nicht helfen. Nicht so, wie ich derzeit bin.“
„Ihr habt eine Verantwortung zu tragen für eure Taten, doch sie geht nicht mit eurem Tod durch den Henker einher. Ihr habt ihr die Stirn zu bieten und in Demut für Wiedergutmachung zu kämpfen, mit eurem Geist, mit eurer Waffe, mit eurem Gewissen! ...Ich habe mehr erwartet!“
„...Das habe ich. Ich habe alles in Bewegung gesetzt, was mir möglich war. Aber ihr seht. Ich selbst kann nicht mehr helfen. Ein Wrack, gestrandet und zerschmettert.“
„Ihr seid es nur, wenn ihr euch selbst dazu macht!“
Ihre zierliche kleine Hand, an deren Nägeln noch das getrocknete Blut klebt, umschließt die andere weitaus Größere mit festem Griff und legte ihre Zweite schützend auf sie. Er erwidert die Berührung mit leichtem Druck und so warteten sie, einander anblickend, bis ihre Atemzüge sich beruhigt haben, ihre Blicke klar und wach werden und die Angst, die in ihnen gewütet hatte, verschwindet, ausgemerzt wird, so das sie ihn heute Abend nicht länger mit ihrem Bruder, der Schuld, quälen kann.
„Ihr Name ist Ino...ich bin nicht ihre leibliche Mutter aber ich habe geschworen ihr Leben zu beschützen, egal was da kommt. Ich habe es bei ihrer kleinen Unschuld geschworen. Sie ist Serenas beste Freundin...wir haben die Pflicht...immer.“
Für einen Moment war es ganz still geworden, nur noch das monotone Tropfen der nassen Zellenwände durchbricht die Ruhe. Das Getrippel der Ratten und Mäuse auf dem kahlen Steinboden, das Rascheln von modrigem Stroh, die hasserfüllten Tiraden von Korporal Janus und seiner aufgestachelten Meute, der sich wie ein hungriges Mastschwein auf seinen Vorgesetzten freut, damit dieser ihn mit Ehrungen und Lob überschütten kann, für die Festsetzung des Teufelanbeters Janald Dalendon und der angeblichen Hexe Kahri.
„Sie wird nicht dastehen, dereinst...und sagen können, sie habe ihn besiegt, jenen den man Janald Dalendon nannte.“
Sie mag die Schwäche nicht, das Aufgeben hatte noch nie eine Option in ihrem Handeln und Denken eingenommen, war niemals ein endgültiges Ziel, nie die Lösung einer Aufgabe gewesen.
Janald hatte menschlich gehandelt. In ihrer Wut über seine Hybris hatte sie für einen Moment vergessen, dass sein Handeln nur natürlich gewesen war. Das er Fehler machte, genau wie sie und das diese Fehler, aus dem Wunsch zu behüten und zu schützen heraus, entstanden waren.
„Was seht ihr in mir?“
„Einen Menschen.“
„Was für einen?“
„Einen Menschen wie mich, wie meinen Bruder, wie meine Schwester, einen wie den Fürsten, wie Conan oder Amelie...einen Menschen...dich.“
... ... ...
Panik.
Hände, die nach ihr greifen, ihre Gelenke umschließen, sie zurück drücken, Fesseln, die in ihre Haut schneiden, ein Knebel, der ihre Zunge in die Kehle drückt und den Brechreiz weckt. Die Wände der Zelle sind eng, sie erschweren das Atmen, die Gitterstäbe schmettern ihr entgegen...
GEFANGEN KAHRI. HILFLOS KAHRI...
Ihre Schulter brüllt vor Schmerz. Sie ist angeschwollen, vom stundenlangen Versuch, die Gefängnistüre einzuschlagen.
Panik.
Ich will raus hier... Ich will nicht gefangen sein, wie ein Tier...
Blut spritzt auf den Boden. Es ist ein scheußliches Geräusch, es klingt ein wenig so, als würde ein Wassersack platzen, der von Metall umgeben, dass zur Seite gedrückt wird. Reubens Augen brechen, die Seele entschwindet einfach, als habe sie nur darauf gewartet, dem Gefängnis Körper zu entwischen. Aus seinem Rücken thront das blutüberströmte Klingenblatt von Uruks Axt.
„Er... sagte ja immer, er habe so viel zu tun und könne sich schwerlich in zwei Hälften teilen.“
Ihre höhnische Stimme echoviert in der Wachstube und geht ohne Beachtung vorüber an den bleich gewordenen Gesichtern der Gardisten. Der Teufel holt zum nächsten Schritt aus. Sie spürt es und kann nichts tun. Ihre Hände krallen sich in die Gitterstäbe. Sie hat versucht ihn zu warnen, kann nicht begreifen, wie die Botin des Teufels einfach in der Wachstube wandelt, in ihrer schmutzigen blutverkrusteten Garderüstung, den Insekten, die vor aller Augen aus ihrer Augenhöhle wandern und die sie mit einem überlegenen Grinsen einfach zwischen ihren Zähnen aufknackt.
„DU WIRST DAMIT NICHT DURCHKOMMEN DU VERFLUCHTES SCHEUSSAL, DIE MENSCHEN WERDEN DICH RICHTEN FÜR DEINE DUNKLEN GRAUSAMEN TATEN. HÖRST DU SCHEUSAL...WIR WERDEN IMMER STÄRKER SEIN, ALS DIE DUNKELHEIT. DU WIRST WIEDER SCHEITERN...DU BIST ZUM SCHEITERN VERURTEILT BRUT.“
Niemand hält sie auf. Sie verlässt den Raum und zurückbleibt die Utopie, dass irgendjemand den Wahnsinn durchschaut haben muss, dass nicht alle blind und taub, dem ganzen beiwohnten. Als die Hoffnung darüber gegangen ist, bleibt nur der kahlrasierte Schädel des Helmiten übrig. Scharfe Augen, Augen eines Fanatikers.
„In meiner Heimat näht man Hexenweibern die Lippen zusammen und verbrennt sie, hier bekommen sie ein Zimmer mit Kost und Logis und werden nicht mal geknebelt?!“
Nadel und Faden nähern sich ihren Lippen, doch sie kann Zeit heraus schinden. Kann ihn zum zuhören zwingen. Holt zwei Tage heraus.
„...Lass ankündigen, dass es eine Doppelhinrichtung geben wird und sie in Form einer Steinigung ausgeführt werden soll. Das Volk benötigt solch ein Ereignis....zur Beruhigung.“
Sie wehrt sich nicht, als man sie hochreisst und wegschleift, tiefer in die Gewölbe der Garde, in einen anderen Kerker, wo sie ausharren soll, bis die Menschen, sie mit Steinen zerschmettern sollen, jene Menschen, für die sie da ist und die sie geschworen hat zu behüten. Das wird nicht geschehen, soviel ist sicher.
Sie ist ein Wächter, sie ist, was sie beschützt.
Die Panik über ihren aussichtslosen Zustand bricht nicht über sie hinein. Das ist seltsam, weil allein der Gedanke gefangen zu sein, ihren Instinkten alle Türen öffnet. Ihr einziger Gedanke gilt dem Waldläufer, vielleicht ist das auch nur menschlich, in Anbetracht ihrer Situation. Man hat ihn Stunden zuvor aus der Zelle weggebracht, vermutlich um ihn zu foltern, ihm Geständnisse zu entlocken. Ja, ihre Gedanken sind bei ihm, während sie die Bettlerin festhält und ihr Trost spendet, über den gebrochenen Geist hinwegsieht, den der Teufel in ihr zurückgelassen hat.
„Nicht aufgeben Janald...niemals aufgeben.“
Ihr Flüstern wird von den Wassertropfen der Zellenwände weiter getragen, von den Mäusen und Ratten. Von Zelle zu Zelle, von Schatten zu Schatten. Dann schließt sie die Augen und wartet.
_________________ "...All das ist noch nicht einmal eine Generation her, wieso wiederholt sich alles?"
"Weil das Vergessen einfacher ist, als das Ertragen des Erfahrenen, weil falsche Sicherheit wichtiger ist, als stetige Vorsicht, denn siehe Wölfe sind unter die Lämmer gekommen aber sie jagen nicht, deshalb hält man sie für Hunde."
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