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| Autor: | nod [ Do 26. Feb 2009, 12:22 ] |
| Betreff des Beitrags: | Wolfsgeheul |
1 - Jagd Still stand sie dort oben, den Augenblick der inneren Ruhe genießend, als Mensch. Ungeduldig umherwandernd wartete Mila aber schon auf die Jagd. Voller Vorfreude, kaum zu bändigen sprang die Wölfin auffordernd um die Frau herum, die in ihrer grünen einfachen Kutte den Fels hinaufgestiegen war. Hinauf zu Silvanus Eiche, die da allen Gefahren trotzend voller Kraft über den Bärenfels wachte. Ihre Hände lagen auf der alten Rinde um den Herzschlag der Wälder zu spüren, der Atem der Geister durchfuhr ihr langes schwarzes Haar. Die herumhüpfende Wölfin gedachte aber nicht abzuwarten und machte sich daran, den Saum der schon zerschlissenen Kutte noch ein wenig mehr zu schinden und die verzweifelten Versuche der Näherin Iwanka, dieses Kleidungsstück zu bewahren, geradewegs zunichte zu machen. Nach einigen vergeblichen Versuchen, die Wölfin loszuwerden musste die Druidin wieder einmal einsehen, dass sich eine Wölfin um all die Zeremonien und Riten wenig kümmert, also musste es auch ohne gehen. Es gab Zeiten, da hatte Rithleen sich geweigert überhaupt daran zu denken, so nahe in die Welt eines Tieres vorzudringen, aus Angst und auch, weil sie sich nicht würdig gefühlt hatte. Erst spät, als der Plagenbringer Rivin heimsuchte war sie einmal gezwungen diesen Wandel kennen zulernen. Mit den Jahren, aber genoss sie nun die Streifzüge durch die Wälder, sich auf andere Sinne zu verlassen, die Wälder aus anderen Augen zu erleben. Dennoch war es auch heute noch oft anfangs ein befremdliches Gefühl wenn sie plötzlich auf vier Pfoten stand, sich das Gleichgewicht der Sinne verschob. Die Welt wollte sich vor ihr verbergen, Farben wurden grau. Der Baum, das Gras, es blieb, aber ihrem Auge erschien es plötzlich unwirklich und unwichtig. Die Welt schien nun nur aus Schatten und Bewegungen zu bestehen. Was die Augen ihr nahmen schenkte ihr, einmal daran gewöhnt, ihre Stupsnase. Hunderte Gerüche strömten plötzlich auf sie ein, überwältigten ihre Gedanken. Ein völliges Wirrwarr von Spuren die hier überall hinterlassen worden waren oder der Wind in ihre Nase trug. Sie brachten die Farben zurück zu Rithleen. Hier hell leuchtende frische Fußspuren von Bran und gleich daneben fast schon verblichene und dort links vom Baum hatte Jach gesessen. Die Stimmen der Wälder waren plötzlich deutlich zu hören, ein Krabbeln, das Rauschen des Windes und irgendwo weiter unten, schien etwas gerade durchs Laub zu hüpfen. Was war das? Da war doch auch eine einladende, kaum zu übersehende Spur am Boden. Ein Kaninchen… …und schwups waren die zwei Wölfe im Unterholz verschwunden… Manchmal sah sie es fast als etwas grausam an, jagt auf ein unschuldiges Kaninchen zu machen, aber einmal diese verführerische Spur erschnuppert war es ihr kaum möglich den jetzt in ihr brodelnden Instinkten zu trotzen. Ihr Körper hatte sich längst entschieden und war in Aufregung, so wie Milas. Es roch zu gut. Ihr Abendbrot hatte sich am Waldrand in der Nähe der Schlucht in seinem Bau versteckt, aber es wurde unermüdlich ausgebuddelt und letztlich musste es sich seinem Schicksal ergeben. Gut genährt, mit blutiger Schnauze ging es dann an die eher druidischeren Aufgaben, letztlich hatte nun doch das menschliche Bewusstsein wieder die Oberhand in der Wölfin. Tiefer in die Borken drangen die zwei Gefährtinnen ein, zu sehen was dort dieser Tage geschah. Nachdem die Städter die erste Invasion von Kassars Heer abgewehrt hatte wusste niemand wann der Kriegstreiber erneut versuchen würde über den Pass zu kommen. Weit fort von der Zivilisation nahmen dann plötzlich Ohren und Nasen alarmierendes auf. Der Geruch von Feuer, Menschen und Tiere… Hunde. |
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| Autor: | nod [ Sa 28. Feb 2009, 14:07 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Wolfsgeheul |
Sie hatten einen Lagerplatz aufgespürt und noch weit genug entfernt bemerkt um noch unentdeckt geblieben zu sein. Der unverkennbare Geruch einer Hundemeute stieg ihr in die Nase und sorgte die Druidin. Es würde schwerer werden einen Blick auf die Fremden Besucher zu wagen. Dennoch siegte die Neugier und vorsichtig schlich sie mit Mila durchs Geäst näher heran. Sie hatten sich in einer Senke, wo der Baumbewuchs nicht so zahlreich war niedergelassen. Linker Hand lag eine Anhöhe, auf der dichteres Gestrüpp sein Heim gefunden hatte, unter dessen Schutz sich die zwei Wölfe leise heranpirschen konnten. Erhöht und noch gute zweihundert Fuß entfernt blickten sie auf das Lagerfeuer. Drei Zelte zählte Rithleen, von denen zwei ums Feuer standen, ein drittes nur hinter den Bäumen Abseits zu erahnen war. Dort hinten schienen auch die Hunde zu sein, sie schlugen aber nicht an. Am Feuer saßen vier Krieger in Lederwams und schweren Kettenhemd. Ihre Schwerter, Äxte und Helme lagen neben ihnen im Laub, denn man begoss den Abend mit Bier. Unrasiert und mit zotteligen langen Haaren waren sie schon aus der Entfernung beängstigend anzusehen. Ganz unwillkürlich zeigten sich Rithleens Lefzen. Hinter ihnen, als wäre er erst kürzlich aus dem Zelt gekommen stand ein etwas magerer Mann, der so gar nicht ins Bild passen wollte. Er hatte kurzes Haar, zarte Hände und trug ein blaues Leinengewand. Nachdem er mit einem blonden Krieger gesprochen hatte stand dieser auf um in den hinteren Teil des Lagers zu verschwinden. Auch er sonderte sich durch seine Erscheinung etwas von den anderen ab, denn seine Stiefel und Knie waren beschlagen worden und er trug viele goldene und silberne Armringe. Das lockte die Wölfin. Sie wollte ihm folgen und das war ihr auch möglich, wenn sie ihren Beobachtungsposten verlassen würde um einen Bogen um das Feuer zu machen. Das taten die zwei und sie hätten besser daran getan auf das seltsame Verhalten der Fremden zu achten, die alle zwar noch ihre Krüge hielten, aber aufhörten zu trinken, in ihrem Gespräch zögerlich wurden und nach ihren Klingen tasteten. Kaum in die Senke hinab geschlichen aus dem Blickfeld des Lagerfeuers entkommen entdeckten die zwei Wölfinnen auch die Pferde der Krieger an einen Baumstamm gebunden. Man hatte ihnen Hafer ins Laub geschüttet und Eimer mit Wasser hingestellt. Acht zählte Rithleen, die meisten kräftig gebaut und vermutlich Schlachterprobt. Die Pferde wollte die Druidin natürlich nicht aufschrecken und umging sie in nötigen Abstand und als sie wieder den hinteren Bereich des Lagers und den Krieger in ihrem Sichtfeld hatte bemerkte sie ihren Fehler. Er stand an einem Gatter, dessen Tor er gerade geöffnet hatte und mit einem Schnalzen die Hunde aus ihrem Schlaf riss. Eine ganze Meute Jagdhunde wurde wie auf Anhieb wach und schoss hechelnd und voller Blutgier ins Freie. Den Wölfinnen bleib keine Zeit für schlaue Pläne, denn die Meute geifernder Hunde, die nur abgerichtet worden waren um ihre Opfer schnell und gnadenlos zu reißen brauchten nicht lange um sie zu entdecken. Mila zögerte und wartet auf Rithleens Reaktion, die aber in ihrer Gestalt nicht einmal Bhalla um Hilfe rufen konnte und ohne lange zu überlegen die Flucht ergriff. Zurück in Richtung Nadelbäume, dicht vorbei an den Pferden, die die heranrasenden Wölfinnen zum Glück aufgescheucht wurden und sich aufbäumten und austraten, als auch ihre Verfolger dort vorbei mussten. Immerhin gewannen die Wölfinnen so etwas Vorsprung, einige Hunde wurden ausgebremst und einer geriet gar unter einen Huf eines der Schlachtrösser. Jaulend stob er davon. Die drei Krieger am Feuer waren bereits aufgestanden und kamen mit gezogenen Klingen auf die zwei Wölfinnen zu. Überrascht sie plötzlich auf sie zukommen zu sehen waren sie aber nicht in der Lage an die flinken Tiere heranzukommen und schon waren sie vorbei. Dann kam das Feuer. Rithleen bremste. Die Hunde mit ihren langen Beinen waren verflucht schnell und sie musste sie irgendwie ablenken um mehr Vorsprung zu gewinnen. Durch das dichte Gestrüpp mochten die Krieger ihnen nicht folgen können, aber die Meute schon. Die Flammen erreicht schnappte sie sich ein nur halb vom Feuer ergriffenen Stock, den sie in ihrer Schnauze zwar nur schwerlich als Waffe nutzen konnte, aber das Feuer bremste auch die Hunde. So nahe an die Flammen wollten sie dann doch nicht heran, kamen aber gefährlich schnappend näher. Auch die vier Krieger, die da folgten blieben überrascht stehen. Einen Wolf, der eine Fackel nutzt hatten sie vermutlich noch nie gesehen. Vielleicht konnten sie so doch auf die Anhöhe ins Unterholz entkommen, ihre Jäger waren erst einmal erstarrt. Ein Blick gen Anhöhe ließ sie aber zweifeln, es war immerhin noch ein ganzes Stück bis dorthin. Da fuhr plötzlich ein stechender Schmerz durch ihren Hinterlauf und die Wölfin zuckte herum. Sie dachte noch, sie wäre zu nahe an die Flammen geraten, als sie aber schon hinten wegknickte, weil sie die Kraft verließ. Ein Pfeil hatte sich tief in den Muskel gebohrt und der Schmerz raubte ihr die Sinne. Bloß nicht als Wolf….sie werden dich reißen… Alles verschwamm um sie herum und sie wusste nicht genau ob sie sich noch wandeln würde bevor die Ohnmacht kommt. Als Mensch würde man sie vielleicht am Leben lassen. Ein harter Schlag auf ihren Kopf, einer der Krieger war mutig herangekommen, schickte sie letztlich in die Dunkelheit, keine Zeit mehr für weitere Gedanken… |
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| Autor: | nod [ Sa 14. Mär 2009, 12:59 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Wolfsgeheul |
„… Rithleen schlenderte gemütlich durch das trockene Laub im Hain. Es war angenehm warm, die Sonne suchte sich hier und da ihren Weg durch das grüne Blätterdach. Immer wieder blitzte sie in ihren dunklen Augen auf, wenn Rithleen einen ihrer Strahlen durchschritt. Pfote spielte vergnügt vor Torvus Baum, dessen Tür weit offen stand und von drinnen war das Werkeln des Erzdruiden zu hören. Ein panisches Fiepen verriet ihr, dass da eine Maus sein musste. Ganz unwillkürlich trat sie hinzu, vielleicht aus Mitleid, vielleicht nur Zufall, aber das beendete Pfotes Spiel. Die Maus flüchtete sich geradewegs unter Rithleens Kutte. Pfote ließ sich natürlich nicht irritieren und schoss auf die Kutte zu, doch die Maus hatte sich dahinter gut versteckt. „Lass sie doch“ ging die Druidin in die Hocke um nach der Maus unter sich zu schauen. Pfote ließ aber nicht locker und als Rithleen die Hand nach der Maus ausstreckte war auch die Katzenpfote schnell am rechten Ort. „He… hör auf“, kam es vorwurfsvoll heraus und schützend nahm Rithleen die Maus in die Hand, während sie mit der anderen ihre Katze weg schob. Sie zitterte am ganzen Leib. Rithleen betrachtete sie eine Weile, musste aber dann erkennen, dass die Katze nicht aufzugeben gedachte und schon einen neuen Versuch wagen wollte. Schnell stand sie auf um die Maus aus ihrer Reichweite zu bringen. Nun schlingerte die Katze aufgeregt um Rithleen herum, wohl nach einem Weg suchend hinauf zu kommen zu ihrer Beute. „Ach…. Jetzt hör mal auf zu nerven, Pfote“. Die Katze setzte bereits zum Sprung an, da drehte sich Rithleen schnell weg und flüchtete hinfort. „Torvus… hol die Katze mal weg“ rief sie auf dem Weg in die offene Tür des Baumes herein, aber nichts regte sich. Nur die Maus bekam nach der ganzen Aufregung Panik, fühlte sich scheinbar nicht so wirklich sicher und ganz plötzlich kletterte sie fiepend an Rithleens Arm hinauf. Dann ging alles recht schnell. Eigentlich hätte es das, auch wenn es Rithleen ewig lang vorkam. „Torvus…“ rief sie noch einmal und als sie sich halb umdrehte - die Maus auf der Schulter - sprang die Katze auch schon wieder an, auf ihren Rücken, sich dort hineinkrallend. Da sah sie die Maus schon tot und rief selbst in Panik geraten um Hilfe „Hilfe Torvus, die Katze“. Eine Wurzel war es, die dies dann letztlich beendete. Rithleen mit Maus und Katze stolperte darüber, war schon nahe am Wasser und platschte ins kühle Nass. Ihre Kleidung sog sich schnell voll. Das Wasser sollte eigentlich nicht tief sein, hier am Wasserfall, an dem die Druiden immer badeten, aber es zog sie schnell hinab. Kühles Nass drang in ihre Lunge, als sie um Hilfe schreien wollte…“ Die Druidin riss die Augen auf und schoss hoch. In Schweiß gebadet und noch voller Panik war erst einmal alles dunkel um sie und die Druidin musste sich schnell dem stechenden Kopfschmerzen beugen und sank unsanft wieder zurück auf ihr Lager. Es war nur ein Traum. Aber sie bekam immer noch keine Luft, hatte noch das Gefühl zu ertrinken War es wirklich ein Traum, war sie wach. Den Kopfschmerzen nach schon, wer empfand so etwas schlafend. Langsam erst kamen die Erkenntnis, dass ein Knebel ihr das Atmen erschwerte und damit auch die Erinnerung an das, was geschehen war. Nur mühsam beruhigte sich ihr Atem um mit der wenigen Luft aus der Nase zu Recht zu kommen. Der Nebel wich aus Kopf und Blick. Sie lag auf Stroh gebettet in eine alte muffelige Decke gewickelt in einem Zelt. Geknebelt und in seltsamen Handschellen gefesselt hatte man sie hier wohl abgelegt. Die Hände konnte sie kaum bewegen. Die schweren Eisenschellen hielten sie an einer kurzen Kette zusammen und waren zusätzlich mit einem Holz verbunden, in dem alle ihre Zehn Finger steckten, so dass sie völlig der Bewegungsfreiheit geraubt war. Sie war also ein Mensch, hatte sich doch noch zurück gewandelt und war so von den Hunden verschont geblieben. Nur da, wo der Pfeil gesteckt hatte pochte es schmerzhaft unter einem provisorischen Verband, falls man dieses Werk überhaupt so benennen durfte. Erschöpft sank ihr Kopf zurück ins Stroh Verflucht, sie war doch tatsächlich gefangen worden und ihre Häscher waren gar vorsichtig genug gewesen, sie ihrer Magie zu berauben. So lag sie nun im Stroh auf dem Waldboden, die winterliche Kälte kroch in sie hinein, wie auch die Sorgen um Mila und die Frage, was solche grausamen Krieger wohl mit einer Druidin vorhaben mochten… |
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