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| Autor: | Xenturriximiras [ Di 10. Mär 2009, 06:37 ] |
| Betreff des Beitrags: | Elamshin |
((OOC-Info: Es ist eine längere Geschichte geplant, welche an verschiedenen Orten in den Vergessenen Reiche spielen wird, einige dieser Orte und Personen sind frei erfunden, doch versuche ich dabei stets nah am Setting des jeweiligen Gebietes und der jeweiligen Rasse zu bleiben. Etwaige Settingabweichungen meinerseits möge man mir bitte entschuldigen.)) |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Di 10. Mär 2009, 08:35 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Kapitel 1: Flucht ins Unterreich Der Stoff vor seiner Nase ließ ihn schwer atmen. Es war unangenehm so vermummt zu sein, aber nötig. Während dem der junge Dunkelelf durch die nächtlichen Straßen der Riviner Slums schlich, erklangen die Geräusche die in jeder Nacht in diesem Viertel zu hören sind. Das Grölen Betrunkener, Gemurmel ausgemergelter Penner die sich um einen Feuerplatz scharen, das Gebell von Streunern, das Gejaule der Katzen die ihre nächtilichen Kämpfe austragen, ab und an Stimmen aus den Katen in denen nie so einer richtig zu schlafen scheint und alles immer wieder durch irgend einen Schrei aus einer dunklen Gasse unterbrochen, welcher auch einziger Zeuge eines Raubes oder Mordes bleibt. Zsaraffein verachtete und hasste diesen widerlichen Ort mit allen seinen Bewohnern. Der Gestank der mit Dreck gepflasterten Gassen, welche aus Dreck zu bestehen schienen und jeden Tag wuchsen je mehr Unrat auf ihnen landete. Der Gestank der Menschen, nach stechendem Schweiß gemischt mit Urin und undefinierbarem Dreck ergab einen abartigen Geruch welcher den Dunkelelf immer wieder trocken würgen ließ, wenn er wieder zu nah an einem dieser ungewaschenen Menschen vorbeiging. Dieses Gesamtbild, das die Slums ergaben, bestätigte die Minderwertigkeit der gesamten Rasse. Aber momentan war das alles nebensächlich. Der Gestank ließ etwas nach und die Straße war nun gepflastert und kein erdiger Dreck behafteter Pfad mehr. Die Lichter der Straßenlaternen und der Häuser, zeichneten bereits von weitem ein wohlahbenderes Viertel ab, er hörte die Menschen es "Abenteurerviertel" nennen. Und es hatte auch etwas Abenteuerliches an sich, zumindest für ihn, da er sterben würde, wenn ihn die nächtlichen Wachpatroullien entdeckten. Problemlos konnte er sich durch die Dunkelheit bewegen, es war im Grunde auch keine richtige Dunkelheit, über all waren Lichter, der Himmel war voller Lichter, an jeder Ecke war ein Licht, einfach über all schien es zu scheinen. Doch glücklicherweise konnten die Menschen totz Hilfe jener Lichter schlecht sehen. Sie mussten verkrüppelte Augen haben. Auf den Straßen waren keine Menschen zu sehen und der Weg, zischen Gebüsch, Häuserwänden und abgestellten Karren gestaltete sich als leicht. Er konnte bereits die Mauer ausmachen, welche kleine helle Punkte an verschiedenen kennzeichneten. Es waren Nachtfeuer. Noch ungefähr 200 Meter bis zur Mauer. Plötzlich vernahm er schwere Schritte die von einem dumpfen Scheppern begleitet wurden. Hastig hüllte der Dunkelelf sich in seinem schwarzen Piwafi ein und ging hinter einem Karren in Deckung während bereits eine Wache nahe am Karren vorbeiging. Der Mensch sprach irgendetwas lachend nach hinten, was wohl der zweiten Wache galt, ein beleibter Mann nach den Schritten zu urteilen. Kurz nach dem die beiden am Karren vorbeikamen, huschte der Drow um die Ecke, hier kam ein kritischer Punkt, da eine Laterne von der Gegenseite die Wand an der Ecke beleuchtete. Kurz schlug sein Herz schneller als er sich mit schnellen Schritten durch das verdammte Licht bewegte und hinter einem Busch wieder Deckung suchte. Hinter dem Busch kauernd, horchte und schaute er die Straße zurück und an die geschlossenen Fensterläden hoch, nichts tat sich, keiner hatte ihn bemerkt und auch die Wachen nicht, die gerade in einer Seitengasse verschwanden lachend irgendetwas riefen, in seine Richtung. Für einen Moment war er verwirrt weshalb sie in seine Richtung riefen und als er sich umdrehte um seinen Weg fortzusetzen, wusste er warum sie in seine Richtung gerufen hatten. Vor ihm stand ein Gardist, der gerade sein kleines Geschäft auf der anderen Seite des Busches verrichtet hatte und sich nun ihm zuwandte. Zsaraffein erstarrte. Der Mann vor ihm hatte rotes Haar und einen roten Vollbart, er sah nicht gerade wie ein Veteran aus, aber es handelte sich eindeutig um einen erfahreneren Kämpfer. Dieser blickte die knabengroße, schwarz vermummte Gestalt perplex an, als er ihr gewahr wurde. Ungefähr einen Meter Abstand trennte die beiden. Zsaraffein musste etwas unternehmen und zwar sofort. Er spürte seinen Herzschlag im Hals, während dem das Adrenalin durch seinen Körper fuhr, aber es war nicht das erste Mal, dass er in eine solche Situation geriet und so fand seine Rechte schnell den Dolch und dieser fand noch schneller die Richtung zur Kehle des Mannes, der gerade noch einen Ausfallschritt zur Seite machen konnte und so seine Kehle aus der Bahn des Dolches ziehen konnte, welcher zwar nicht die zuerst anvisierte Stelle traf, doch wie durch Butter in die Achsel des Mannes stach. Er hatte eine empfindliche Stelle getroffen, was zum Einen durch einen kräftigen Spritzer Blut bestätigt wurde und zum Anderen durch den schrillen Aufschrei des Gardisten, welcher taumelnd Abstand zum Drow suchte. Es vergingen Sekunden, in denen Zsaraffein abwägen musste ob er nun dem Gardisten nachsetzen sollte und ihn töten sollte oder ob er flüchten sollte. Er entscheidete sich für die Flucht. Der Gardist war zwar schwer verletzt und wäre ein leichtes Opfer gewesen, doch sein Aufschrei hatte sicher seine Kameraden alarmiert und gegen drei Gardisten hätte er kaum eine Chance gehabt, geschweige denn, es wäre ihnen noch Verstärkung zur Hilfe geeilt. Der Gardist starrte ihn entsetzt an, während dem er instinktiv seine Hand auf die verletzte Stelle drückte. Das war das Letzte was Zsaraffein sah, bevor er davonrannte. Er hörte den Mann immer wieder nach seinen Kameraden schreien, welche zwar für den Drow nicht hörbar waren, aber welche bestimmt bereits anrückten. Während dem er durch die Straße rannte ohen Rücksicht darauf entdeckt zu werden oder nicht, überlegte er ob er in einer Seitengasse ein Versteck suchen sollte, was er aber wieder verwarf, als er den verletzten Gardisten hinter sich ihm herrennen sah. Zsaraffein hatte zwar ungefähr 30 - 40 Meter Vorsprung, doch machten es die verdammten Laternen an jeder Ecke dem Menschen möglich Zsaraffein zu sehen. Er schaute nach vorne und schätzte die Entfernung zur Mauer ab, und gleichzeitig versuchte er sich nochmals an den Weg zu jener Stelle an der Mauer zu finden, welche am günstigsten für einen Aufstieg war. Es waren noch ungefähr 100 Meter geradeaus, aber er musste einen anderen Weg nehmen um die Gardisten abzuhängen. Der Dunkelelf warf einen Blick nach hinten und registrierte mit Erleichterung, gerade noch rechtzeitig, bevor er um die Ecke bog, dass die schwere Rüstung und die Verletzung es seinem Verfolger unmöglich machte mit ihm Schritt zu halten, was vermutlich auch für die beiden anderen galt. Als er seinen Blick wieder nach vorne riss, konnte er das noch schnell genug machen um zu sehen wie er in eine Gestalt vor hineinrannte. Die Wucht des Aufpralls löste einen betäubenden Schmerz aus. Sein Kopf und seine Schulter schmerzten, doch die Aufregung ließ ihn den Schmerz nicht all zu heftig spüren und musste sich Zsaraffein nur noch anstrengen um wieder zur Besinnung zu kommen. Langsam nahm die Umgebung um ihn wieder Form an und der Schmerz in seinem Kopf verschwand langsam. Vor ihm lag ein Mann in buten Gewändern, seine Kappe war ihm vermutlich beim Aufprall vom Kopf gefallen und lag nun eine Armlänge weit von ihm weg. Aus seiner Nase strömte Blut und seine Augen waren geschlossen, er war bewusstlos; Zsaraffeins geringe Größe brachte ihm den unerwarteten Vorteil, beim Aufprall die Stirn in den Kampf zu bringen, welche genau auf die Nase des Mannes aufschlug als die beiden zusammenprallten. Er schaute sich den Mann an beklommen an. Es handelte sich vermutlich um eine Art Schreiber oder Magier und er war für menschliche Verhältnisse ziemlich klein und schmächtig und da kam Zsaraffein in den Sinn, dass er einem größeren Menschen vermutlich nur gegen die Brust gelaufen wäre, was letztlich schlechter für ihn ausgegangen wäre. Rufe und Laufschritte in der Seitenstraße trieben den Drow wieder auf die Füße. Er brauchte etwas Zeit um wieder in vollen Lauf zu kommen und die Gardisten hatten einen großen Teil des Abstandes verkürzt. Sie waren zu nah um sie noch abhängen zu können und die Mauerstelle war auch nicht mehr weit. Er rannte und rannte und überlegte angestrengt, er musste es riskieren, ansonsten blieb ihm nur noch die Möglichkeit, quer durch das Abenteuerviertel zurück in die Slums zu rennen und selbst dort würden sie ihn vermutilch weiter verfolgen. Wenn er ganz großes Pech hatte, würde er auch noch einer zweiten Patroullie über den Weg laufen, welche möglicherweise auch jetzt schon auf dem Weg ist die schreienden Kameraden zu unterstützen. Da war sie, die Mauerstelle mit herausgebrochenen Stellen, welche den Aufstieg erst ermöglichten. Ohne noch lange zu zögern sprang er im vollen Lauf nach oben, die Arme nach offenen Stellen im Mauerwerk ausgestreckt. Mit der rechten Hand glitt er perfekt in die offene Stelle, doch sofort brach ein weiteres Stück heraus und er sackte mit seiner rechten Körperhälfte nach unten, während seine Beine ergebnislos Halt suchten, doch mit der Linken erwischte er eine Stelle die stabil war, aber die zacken des Gesteins schmerzten ungemein und trieben sich tief in die Innenseite seiner Finger, was durch sein Eigengewicht verstärkt wurde. Er musste die Zähne zusammenbeißen und er tat es. Mit der rechten Hand fand er schnell einen hervorstehenden Stein der sich vorzüglich greifen ließ und seine Kletterbewegungen nahmen einen kontinuierlich Rhythmus an. Er schaute nach oben, um zu erkennen ob unerwartet Mauerwachen über ihm standen, es waren aber keine zu sehen und der nächste Wachturm war ein gutes Stück weit entfernt. Doch unter ihm waren die Gardisten mittlerweile angekommen und befriedigt registrierte er, dass es ihnen in ihrer schweren Rüstung unmöglich war ihm zu folgen, doch schrien sie aus Leibeskräften und als Antwort darauf kamen schwenkende Fackeln vom nächsten Wachturm gefährlich schnell auf die Mauerstelle zu. Er hatte noch um die 5 Meter nach oben. Er würde es vielleicht sogar noch schnell genug schaffen um noch Zeit für den Abstieg auf der anderen Seite zu haben. Mit einem erleichterten Seufzer griff er an die Oberkante des Mauerstücks, er gleich oben und die Mauerwachn brauchten vielleicht etwas weniger als eine Minute bis zu ihm, was ihm gerade noch so ausreichen würde. Der Abstieg geht immer schneller als der Aufstieg. Gerade als er sein Knie über den Rand brachte, hörte er ein vertrautes Klicken. Eine Armbrust wurde abgefeuert und der Bolzen schoss so dicht an seinem Kopf vorbei, dass er den Windzug des Bolzens spüren konnte. Eine grässliche Angst fuhr ihm über den Rücken, es war ein schreckliches Gefühl mit Bolzen beschossen zu werden und noch schrecklicher, wenn man von hinten beschossen wurde. Durch die Panik angetrieben, richtete er sich auf und wollte gerade auf die Zinnenlaufen, als sein linkes Bein unter ihm wegknickte, begleitet von stechenden und pochenden Schmerz zugleich. Zsaraffein keuchte kurzatmig und blickte ungläubig auf das Holz das in seinem Unterschenkel steckte. Es blutete kaum, der Bolzen hielt das Blut zurück und er war auch nicht durch den Knochen gegangen, zumindest schien es nicht so. Am liebsten wäre er einfach liegen geblieben, sich dem Schmerz ergebend, doch die Rufe und die schweren Schritte auf der Mauer die unnachgiebig zu ihm drängten, zwangen ihn weiter. Er versuchte sich aufzurichten und weitere Bolzen schossen von unten auf ihn zu. Der Dunkelelf wich ihnen nach unten aus, doch machte es ihm der Beschuss schwer eine Stelle zum Abstieg zu finden. Mit dem Rücken an die Zinnen gelehnt blickte er schnaufend zu den herbeieilenden Mauerwachen, sie waren noch ungefähr 15 Meter von ihm entfernt. Er hatte keine Zeit mehr herabzusteigen und auf der Innenseite warteten tödliche Bolzen auf ihn. Mit einem müden Lächeln registrierte er, dass sein Kapuze herabgefallen war, vermutlich war es während dem Aufprall mit dem bunt gekleideten Mann geschehen, und seine weissen Haare entblößte. Jetzt war es sowieso egal. Die Männer waren nur noch vier Meter von ihm entfernt. Sie würden ihn töten. Die Schwerter blitzten im Fackelschein auf, er konnte die Männer beinahe schon riechen. Mit einem Ruck versetzte er sich in den Zwischenraum der Zinnen und lächelte die erste Wache an, welche gerade mit dem Schwert ausholte. Mit beiden Beinen und Händen drückte er sich von der Mauer ab und der Hieb des Gardisten traf knirschend auf bloßes Mauerwerk, während dem der Drow durch die Luft in Richtung Außengraben fiel. Zsaraffein konnte den Himmel in seiner vollen Pracht sehen. Es hatte etwas Zeitloses, als er mit dem Rücken nach unten und dem Gesicht nach oben 10 Meter durch die Luft fiel. Er schloss die Augen und nasse Kälte umschloss ihn während dem die Geräusche der Außenwelt plötzlich durch Rauschen ersetzt wurden. Das Wasser war kalt und ihn drängte es an die Oberfläche, doch ließen ihn Bolzen die durch das Wasser gleiteten, ihn diesen Gedanken verwerfen. Er schwamm bis sich seine Hände vor ihm in Erde gruben. Er zwang seine geplagten Gleider nach oben zu steigen. Der Bolzenhagel hatte für einige Zeit ausgesetzt, sie hatten seinen Tauchgang nicht verfolgen könnten, doch sein weisses Haar verriet ihn schnell im umliegenden Schwarz, denn wieder schossen Bolzen um ihn herum ein. Umso mehr beeilte er sich aus dem Graben zu steigen und mit einem abgehakten Lauf, dem Bolzen im linken Unterschenkel verschuldet, eilte die kleine dunkle Gestalt in den Schutz der Wälter, während vereinzelt noch Bolzen hinterflogen ... doch Zsaraffein war Rivin entkommen. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ So 15. Mär 2009, 19:21 ] |
| Betreff des Beitrags: | |
Mit dem Rücken an die kalte Steinwand gelehnt, saß er da. Sein Blick war starr auf den Bolzen in seinem Unterschenkel gerichtet. Das Holz stach direkt durch seine Wade; der stechende Schmerz, der ihn beim Gehen gequält hatte, war einem pochenden Schmerz gewichen, der ertragbarer war, aber mit jedem Pochen das Gefühl verstärkte, seine Wade würde gleich platzen. Er musste ihn rausziehen. Er hatte den Bolzen zuvor schon angefasst und jede Bewegung des Bolzens verursachte höllische Schmerzen in der Wade. Doch er musste raus. Zsaraffein nahm sein Messer und setzte es an dem Saum seiner Hose an, um diese längs aufzuschneiden, hielt aber inne. Nein, es war nicht nötig. Er hatte es auch nur getan um Zeit zu schinden. Er hackte die Spitze des Dolches rhythmisch in den felsigen Boden der Höhle und starrte mit zusammengepressten Lippen auf den Bolzen. Er musste ihn rausziehen. Das dumpfe aufklingen von Metall, bezeugte den Fall des Dolches, während dem Zsaraffein nun mit zwei freien Händen nach dem Stück Holz griff. Als er es anfasste durchfuhr ihn ein schreckliches Brennen im Bein; sein Hände zuckten wieder zurück. Seine Hände waren kalt. Er spürte die Kälte seiner Hände an seiner Stirn, derweil diese seinen Kopf stützten. Er starrte auf den Bolzen. Er musste ihn rauszuziehen. Sein Verstand sagte ihm, dass das Stück Holz da raus musste, da sich sonst die Wunde entzünden würde, wenn sie nicht bereits entzündet war, und er im schlimmsten Fall an der Entzündung sterben würde, wenn er sich nicht vorher den Unterschenkel selbst abhacken würde, damit die Enzündung nicht den restlichen Körper erreicht. Diese Gedanken bewegten ihn dazu seine Hände wieder an den Bolzen zu führen. Als dieser sich durch die Berührung wieder leicht bewegte, durchfuhr sein Bein wieder Schmerz. Zsaraffein behielt seine Hände am Bolzen. Die Bolzenspitze zeigte nach innen; er würde den Bolzen nach innen ziehen müssen. Mit der Rechten Umschloss er die Bolzenspitze und die Handfläche seiner Linken legte er senkrecht auf das Bolzenende; so, dass das Holz gegen seine Handfläche lag und er den Bolzen von der linken zur rechten Seite hin, durchdrücken konnte. Er biss die Zähne zusammen und mit einem schnellen Ruck zog und rückte er gleichzeitig den Bolzen aus seiner Wade hinaus, begleitet von einem unterdrückten Schrei. Er hielt das vom Blut rot gefärbte Stück Holz in der Rechten, während dem er erschöpft auf der Seite lag. Wärme breitete sich um seinen linken Unterschenkel aus. Der Bolzen hatte das Blut zurückgehalten, doch nun sickerte es ohne Unterlass aus der münzgroßen Wunde. Langsam richtete sich Zsaraffein wieder auf, zog das Stück Stoff aus seiner Kapuze heraus, welches er als Mundschutz verwandt hatte und schnürte es sich so fest er konnte über die Wund an seinem Unterschenkel. Der Druck, der durch den straffen Streifen Stoff verursacht wurde, tat zwar weh, doch tat es seine Wirkung, die Blutung schwächte ab, bis aus dem Schwall nur noch ein zartes Rinnsal geworden war. Er lehnte sich erschöpft zurück und schloss die Augen. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Sa 21. Mär 2009, 11:05 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Er hatte bereits drei Tage in der Höhle zugebracht. Aufgrund seiner Verletzung, hatte er die Weiterreise aufgeschoben, doch war es nicht nur wegen der Verletzung, er wusste im Grunde gar nicht wohin er überhaupt wollte. Seine Gedanken überschlugen sich abermals, als er wieder an den Grund seiner Abreise dachte. Es war während ihres Abenteuers im Unterreich, sie waren mit mächtiger Magie in Berührung gekommen: Das Faerszess; unkontrollierte Magie, die das ganze Unterreich durchzieht und von der keiner so recht die Grenzen kennt, räumlich und potentiell. Zsaraffein wusste nur noch, dass er in einen hellen Strahl geraten war und dann kam es ihm vor, als ob er eine Ewigkeit in einem undefinierbaren Halbnichts zugebracht hatte. Doch was ihn völlig aus dem Gleichgewicht gebracht hatte, ja aus dem Glauben an sich selbst und seinen Lebenszweck, war der darauffolgende Schwall an Erinnerungen und Bildern, Erinnerungen und Bilder die sein ganzes Leben nicht nur bildlich vor ihm abgespielt wurden, sondern auch spürbar, er empfand jedes Gefühl, das er in einer Situation empfunden hatte nochmal. So empfand er nochmal den heftigen Schmerz und die Angst, als er sich daran erinnerte wie ihn seine Mutter ausgepeitscht hatte, als er in einem Streit mit seiner Schwester behauptet hatte, er sei jeder Frau ebenbürtig. Oder die Freude, die er empfunden hatte, als er bei einem Wettkampf mit seinen Freunden als erster einen steilen Fels erklommen hatte. Der Schweiß, das Heftige Atmen, die schmerzenden Hände und Füße, die Erleichterung und der Triumph. Er erlebte praktisch sein gesamtes Leben nocheinmal. Alle guten und alle schlechten Momente, alle Freude und alles Leid, alle Momente der Langeweile und alle Momente des Schaffens und alles war so unfassbar schnell und zeitlos zugleich. Doch seit dem hatte sich etwas in seinem Innern geändert. Diese Einsicht in seine Vergangenheit, die keinen Aspekt seines Lebens ausließ, ließ am Ende nur dumpfe Fragen zurück: Warum bin ich hier? Warum tue ich was ich tue? Will ich das überhaupt? Was will ich überhaupt? ... Wozu? Zsaraffein hatte nie viel übrig gehabt für derlei Philosophie, aber diesmal beschäftigte es ihn, nein, er hatte förmlich eine Besessenheit dafür entwickelt, herauszufinden, was seine Existenz berechtigte. Der übernatürliche Rückblick in sein Leben hatte ihn erkennen lassen, dass er sich sein ganzes Leben nur von anderen und äußeren Umständen hatte treiben lassen, nur darauf bedacht zu überleben und seine Grundbedürfnisse zu erfüllen. Mehr nicht. Und das war wenig, zu wenig. Doch wo würde er die begehrten Antworten finden? Gab es sie überhaupt? Er wusste es nicht wirklich, doch mit Sicherheit wusste er, dass seine Antworten nicht am Licht der Oberfläche zu finden waren, er musste sie in der Finsternis die ihn geboren hatte, die ihn geformt hatte, suchen. Und welcher Ort der Finsternis barg mehr Geheimnisse und Antworten als Menzoberranzan? Seine Flucht aus Rivin wurde vom Haus O'Lothi sicherlich nicht mit Freude aufgenommen, es könnte gar als Desertation angesehen werden, aber es kümmerte ihn nicht und dieser schwache Abglanz eines Drowhauses hatte momentan größere Probleme, als einen entlaufenen Shebali. Er musste also zurück nach Menzoberranzan finden. Der Weg den er ursprünglich genommen hatte, konnte er nicht wieder begehen, er war verschüttet. Das Haus O'Lothi wandte Magie an um ins Unterreich zu kommen. Das stand natürlich für ihn völlig außer Frage. Er musste einen Weg zurück finden und da kamen ihm zwei Möglichkeiten: Einmal die nicht weit entfernte Zwergenbinge, die zwar nicht mehr von Zwergen bewohnt war, aber die höchstwahrscheinlich mit Orks, Goblins, Kobolden, Grottenschraten und anderem niederen Gezücht versucht war. Alleine würde er es da wohl kaum durchschaffen, zumal er nicht einmal wusste, ob und wo der Tunnel zum Unterreich war. Die andere Möglichkeit wären die Berge, die von den Menschen "Trollhügel" genannt wurden. Im Grunde nicht weit von der Zwergenbinge. Da gälte es eine Mine oder eine natürliche Höhle zu finden, welche ins Unterreich füht und die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch Monsterversucht sind, ist sehr hoch. Er würde es also bei der Zwergenbinge versuchen. Es war nicht die beste Lösung, aber zumindest müsste er nicht weiter an der Oberfläche herumstreifen und nach gut Glück Eingänge im Unterreich suchen. Zumal diese "Trollhügel" wahrscheinlich auch von Trollen bevölkert sind, welche ihm die Suche zusätzlich erschweren würden. Während dem er sich Gedanken zu seiner Weiterreise machte, blickte er zu seinem verletzten Bein hinunter. Die Wunde hatte sich nicht entzündet, was nur Dank seiner Entscheidung noch einige Tage in der Höhle zu bleiben, nicht passiert war. Er hatte sich immerzu die Verletzung ausgewaschen und mit den letzten Resten einer Wundsalbe bestrichen, welche er vor einiger Zeit, es müssten jetzt fünf oder sechs Monate her sein, auf dem Basar von Menzoberranzan von einem Händler gekauft hatte. Der Händler war einer der ältesten Dunkelelfen die Zsaraffein je gesehen hatte. Er hatte ein etwas runzliges Gesicht und seine weissgrauen Haare waren kurz, rar und von einem Stirnband zurückgehalten, was seine Frisur wie ein Vogelnest wirken ließ. Aber er konnte sich noch erinnern, dass der Alte ausgesprochen vital war, vor allem wenn es ums Feilschen ging. Als er wieder an Menzoberranzan und seinen Weg dorthin dachte, dabei den Blick immer noch auf seine Wunde geheftet, überkam ihn die Sicherheit, dass er es vermutlich nie bis dorthin schaffen würde. Das Unterreich war gefährlich, selbst für Karawanen und erfahrene Kampfgruppen und gleich zehn mal gefährlicher für einzelne, unerfahrene Drow; es grenzte schlicht an Unmöglichkeit es alleine durch das Unterreich zu schaffen. In Zsaraffeins Fall, grenzte es an Unmöglichkeit überhaupt bis ins Unterreich zu gelangen. Diese Risiken bedenkend, entschied Zsaraffein kühl, seinen Weg fortzuführen. Natürlich konnte er nach Rivin umkehren und irgendwie würde er schon eine Lüge finden, die ihm eine all zu harte Bestrafung erspart, aber sofern ihm das Leben im weiteren Verlauf der Tage in Rivin nicht genommen werde, würde er es sich wahrscheinlich selbst nehmen. Der Gedanke einer ziellosen und sinnlosen Existenz machte ihn verrückt, er würde entweder finden was er suchte, oder bei der Suche sterben. Beides war besser als das bloße Dahinvegetieren. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Mi 25. Mär 2009, 19:07 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Die nächtliche Reise über die Wiesen, Pfade und geräuschvollen Wälder gestaltete sich unerwartet ereignislos, bis auf ein kurzes Zusammentreffen mit einem Wolf. Zsaraffein war gerade über eine Lichtung gelaufen, als plötzlich ein einsamer Wolf vor ihm stand. Der Wolf hatte ihn aber nur bewegungslos angeblickt. Der Drow wusste nicht wie lange er und das Tier sich angeschaut hatten, aber die der Vofall hatte etwas erschreckend Bekanntes an sich. Das Tier hatte eine Verletzung an seinem Hinterläufer und hatte einen abgehakten Gang. Der Dunkelelf hatte ein verletztes Bein. Nach unbestimmter Zeit waren sie beide einfach weiter ihrer Wege gegangen. Es war ein lichtes Waldstück. In einiger Entfernung vor sich sah der Drow die Orks am Mineneingang lagern. Es waren Wachposten oder zumindest sollten sie welche darstellen auf ihre grunzende, unaufmerksame Art und Weise. Er war nah genug an ihnen dran, um sie zu hören. Einige Worte konnte er verstehen, Orks waren gängige Sklaven der Drow, und da diese oftmals zu dumm waren um die Sprache der Dunkelelfen zu lernen, musste man als Drow ihre widerwärtige Sprache lernen, wenn man aus ihnen mehr als nur Schlachtvieh machen wollte. Sie sprachen über einen "Boss" der angeblichn tot sei und über einen verlorenen Krieg und über noch etwas, aber er konnte es nicht so richtig verstehen, er konnte nur etwas mit "Brüdern" verstehen. Die Reise aus dem Schutz der Höhle bis zur Mine hatte ihn einige Stunden Zeit gekostet und die Nacht würde auch nicht mehr lange anhalten, er musste also einen Weg an ihnen vorbei finden oder eine Lagerstätte, um den Tag hinter sich zu bringen. In diesem Moment überkam Zsaraffein ein Frust und Ärger über das verdammte Licht; brennendes, blendendes, grelles Licht, welches ihm alle Sinne raubte und wie unsichtbare Nadelstiche seine Augen quälte. Es war der Zorn der Seldarine, welche sie in Form dieser hellen Geißel vom Himmel schickten, um die Dunkelelfen zu peinigen. Dieser letzte Schutzwall, war der einzige Grund, weshalb das auserwählte Volk der Illythiir die Oberwelt noch nicht geknechtet hatte. Es musste ungefähr eine Stunde vergangen sein und er hatte sich immer noch nicht entschieden, ob er nun versuchen sollte irgendwie an den Wachposten vorbeizukommen, oder ob er eine Lagerstätte suchen sollte. Eigentlich wartete der Dunkelelfenjüngling darauf, dass sich ihm eine Gelegenheit bot, dass die Orks vielleicht kurz verschwinden würden, oder einschafen würden, aber nichts erweckte den Anschein, dass sie sich in absehbarer Zeit entfernen oder einschlafen würden. Doch plötzlich wurde ihm die Entscheidung abgeommen, er musste sofort etwas machen, denn hinter ihm hörte er das bekannte Gegrunze mehrerer Orks, die genau auf ihn zukamen. Noch waren sie nicht zu sehen, die Bäume verdeckten die Sicht, aber sie würden schon bald auf ihn stoßen. Zsaraffeins Herz schlug heftig, während dem er angestrengt die wenige Zeit nutzte, die ihm verblieb, sich zu entscheiden, sollte er zu lange brauchen, würden die Orks ihm die Entscheidung abnehmen. Leicht rechts vor ihm war der Mineneingang, mit den Wachposten, die sich immer noch unbeschwert über Äxte unterhielten. Über dem Mineneingang baute sich einer mit Gestein und Felsen gespickter Hügel auf, aber wenn er da hochwollte, würde er unweigerlich in die Sicht der Wachtposten geraten, also überdachte er nochmal seine Fluchtmöglichkeiten zu den Seiten hin. Zu seinem Unglück, befand er sich in einem dünnen Ausläufer des Wälchens, welcher seitlich von freien Feldern umgeben war, welche durch den Halbmond auch noch gut beleuchtet waren. Und wenn er sich nicht täuschte, waren auf den Feldern Orks zu sehen, welche auf die Mine zugingen, es musste sich wohl um eine größere Bande handeln, welche wohl gerade von einem Plünderzug zurückkehrte. Krachendes Gehölz und deutliche Orkworte, animierten Zsaraffein zum spontanen Handeln, mit einem Satz versetzte er seine Position hinter einem nahe gelegenen Busch. Die Biester würden unweigerlich an ihm vorbeikommen, was immer klarer wurde, je näher sie kamen. Es waren mindestens sieben, vermutlich sogar mehr. Die Chancen standen nicht schlecht verborgen zu bleiben, doch verlor er seine Zuversicht als er duch das karge Buschwerk blickte und die ersten beiden Orks vor sich vorbeimarschieren sah. Beide hielten Äxte über ihren Schultern, die fast so groß waren wie Zsaraffein. Die Anspannung stieg ins Unermessliche, als weitere sechs am Busch vorbeikamen. Keiner von ihnen blieb stehen und es schien auch, dass kein Ork mehr folgen würde. Zsaraffein atmete hörbar aus, als er die Gefahr für überstanden hielt. Just in diesem Moment drehte sich einer der Orks um und ließ die anderen ohne ihn weitergehen. Er schnupperte hörbar. Ein kleiner geratenes Exemplar, welches aber nichtsdestotrotz eine riesige Axt führte. Mit langsamen Schritten kam er direkt auf Zsaraffeins Busch zu und blieb vor diesem still stehen. Die Zeit wollte nicht vergehen und Zsraffein hielt angespannt den Atem an, als das grüne Biest vor mit einem erregten Grunzen seine Axt mit beiden Klauen über den Kopf hob und diese mit einem Gollen direkt in die Richtung des zusammengekauerten Dunkelelfen niederschmettern ließ. Zsaraffein wäre tot gewesen, wäre da nicht ein niedriger Ast, in welchen sich die Waffe des Monsters verhakt hat. Der Schrecken trieb Kraft in die Glieder des Dunkelelfen, welcher nicht mehr darauf wartete bis das grüne Ungetüm seine Waffe löste, sondern gleich auf das freie Feld sprintete. Die ersten kraftvollen Schritte, trieben ihn nicht nur nach vorne, sie trieben auch unbeschreibliche Schmerzen in sein verletztes Bein, das bei jedem Schritt danach schrie stehen zu bleiben, was für ihn den Tod bedeutet hätte. Als er über das Feld hinausgerannt war, hinter ihm das wütende Brüllen seines Jägers, erkannte er welchen fatalen Fehler er begangen hatte. Er hätte in den Wald hinauslaufen müssen, statt dessen lief er in Richtung Mine, doch viel schlimmer, er war dicht hinter den Orks, welche zuvor noch an ihm vorbeigegangen waren. Jetzt musste er die Zähne zusammenbeißen und rennen wie er noch nie zuvor gerannt war und den Überraschungsmoment nutzen. Das Gebrüll aus dem Wald hatte die Vorangegangen aufgeschreckt, diese konnten gerade noch rechtzeitig den Kopf nach hinten drehen, um Zsaraffein links an ihnen vorbeirennen zu sehen. Der schwarze Piwafi schien in der Luft zu gleiten, so schnell kam der Drow voran. Aller Schmerzen zum Trotz, trieb ihn die Angst um das eigene Leben unerbittlich voran. Langsamer werden, hieße durch die Axt seiner Jäger sterben, das Tempo halten, hieße genau so den Tod, so rannte er immer schneller und schneller, sein verletztes Bein war bereits taub geworden, als Zsaraffein gerade dabei war den Hügel über dem Mineneingang hochzulaufen. Der Boden des Hügels, welcher aus losen Geröll und Gesteinsteilchen zu bestehen schien, ließ den Dunkelelf gefährlich straucheln und sein taubes Bein tat das Übrige, er fiel bauchlings nach vorne hin. Ein flaues Gefühl breitete sich in seinem Magen aus, so er bereits einen Axthieb in den Rücken erwartete, doch statt dessen hörte er nur Grunzen, Brüllen und Rufen, das zwar nahe war, aber Zsaraffein zu verstehen gab, dass er einen unerwartet großen Vorsprung gewonnen hatte. Er richtete sich wieder auf beiden Beinen auf, doch der fürchterliche Schmerz, der wieder in seiner linken Wade aufflammte und ein warmes, feuchtes Gefühl auf der Wade, gab ihm zu verstehen, dass er blutete und so einen Lauf kein zweites Mal veranstalten konnte und schon gar nicht auf dem instabilen Boden, wo jeder lose Stein ihn ausrutschen lassen konnte. Mehrere große Felsen waren zu sehen, er hatte nur noch die Zeit zu einem der nächst gelegenen zu gelangen, bevor seine Verfolger den Hügel erklimmt hätten und so flüchtete er sich hinter einem der niedrigeren Felsen. Gerade noch rechtzeitig hatte er sich in Deckung gebracht, denn schon waren die schweren, plumpen Schritte eines Orks hinter ihm zu hören, die sich zunehmend verlangsamten. Zsaraffein hatte darauf gehofft, sie würden weiterrennen, aber scheinbar waren die Orks schlauer als er angenommen hatte, oder einfach nur so dumm, dass das plötzliche Verschwinden des Drow sie einfach zu sehr verwirrt hatte. Mit dem Rücken an den Fels gepresst, verfolgte er lauschend das Tun seiner Verfolger, welche nun vollzählig auf dem Hügel waren und grunzend nach ihm suchten, es würde nicht lange dauern und sie würden auch hinter seinem Fels nachsehen. Zsaraffein schaute vor sich, es ging in einem Gefälle hinab zur anderen Seite des Mineneingangs. Lolth sei Dank, waren alle Orks nur über die linke Seite hochgekommen. Er könnte es probieren hinunterzusteigen und in die Mine zu gelangen, da die Wachposten vermutlich den anderen gefolgt waren und nun auch hinter ihm waren. Es war aber unmöglich hinunterzugelangen, ohne dass das lose Gestein unter seinem Füßen verräterische Geräusche von sich gegeben hätte. Und seine Jäger waren noch zu nah. Der Dunkelelf griff nach einem kleinen Stein und blickte nach links. Steiniges Gelände, übersäht mit Felsen. Ein Stein der dort aufkommen würde, könnte sicherlich laut genug sein, um die Aufmerksamkeit der Orks zu erregen, welche bereits gefährlich nahe hinter ihm zu hören waren. Es bestand die Gefahr, dass einer sehen würde woher der Stein flog. Er musste es riskieren. Zsaraffein leckte sich über die trockenen Lippen und holte seitlich aus und mit dem Schwung aus der Hüfte beförderte er den Stein beinahe geradlinig auf einen Fels zu, welcher um die 30 m von ihm entfernt war. Ein lauter Aufprall und danach ein Geräusch, dass dem Auftreten eines Stiefels auf losem Gestein nahe kam, ertönte. Mit lautem Gebrüll stürzten sich die Orks in die Richtung der Geräusche, während dem Zsaraffein hastig die Gelegenheit nutzte und gebückt den Hügel auf der anderen Seite wieder hinabstieg. Er verlor keine Zeit und eilte auf den, glücklicher Weise, verlassenen Mineneingang zu. Ein Blick über die Schulter ließ ihn für einen Moment erstarren. Er sah jene Orkgruppe, welche er zuvor noch von weitem auf dem Feld hatte ausmachen können, keine 50 m von ihm entfernt. Sie waren den anderen nicht gefolgt und starrten in Zsaraffeins Richtung. Er sah sie und sie sahen ihn und Zsaraffein blieb nur noch eine Möglichkeit: Die Flucht nach vorn. Der Dunkelelf betrat die Mine. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Di 31. Mär 2009, 03:31 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Trockene, staubige Luft fand ihren Weg durch seine Nase. Mit vorsichtigen Schritten glitt Zsaraffein über den felsigen, aber ebenen Untergrund der Mine. Die Zwerge hatten den Boden abgeschliffen, um einen problemlosen Transport von Erzen und anderen Waren zu ermöglichen. In diesen Tagen fanden aber keine zwergischen Güter ihren Weg durch die künstlich erschaffenen Gänge, sondern unzählige Orkscharen, die grunzend und schnarchend durch die Mine streiften, welche nun völlig in ihrem Besitz lag. Vorsichtig spähte Zsaraffein in den nächsten Raum. Ein kleines Feuer flackerte in der Mitte; fünf Orks saßen um das Feuer herum und waren gerade dabei ein Wildschwein zu verspeisen, welches an einem Eisenspieß über dem Feuer rotierte. Es hatte etwas Irritierendes an sich, schweinsähnliche Fratzen ein Schwein essen zu sehen. Als ob sie einen Verwandten aßen. Sein Blick führte ihn zum gegenüberliegenden Gang, der nur über den Raum mit den speisenden Orks zu erreichen war, so man nicht einen riesen Umweg machen wollte. Zsaraffein schätzte mit geschultem Auge die Entfernung ab und die Schritte die er benötigte, um im vollen Lauf rüberzukommen. Es waren ungefähr drei weite Schritte. Er ging ein kurzes Stück nach hinten, um den nötigen Anlauf zu bekommen. Entfernte, aufgebrachte Geräusche kündigten das Kommen der Orkbande an, welche bereits von seiner Anwesenheit wusste, aber noch im Eingangsbereich der Mine sein musste. Schmatzgeräusche aus dem Raum vor ihm, zeigten, dass die Fünf nichts von den entfernten Geräuschen wahrnahmen. Sein Körper spannte sich wie eine Bogensehne und auf ein unbestimmtes Zeichen hin, schoss er mit weiten Sprüngen los. Sein leichtes Gewicht und das Geschick, das er an den Tag legte, ließen den Dunkelelf fast geräuschlos über den Boden gleiten. Ein beiläufiger Blick würde reichen und die Fünf würden ihm hinterjagen, doch als er im gegenüberliegenden Gang angelangt war, hörte er die gewohnten Schmatzgeräusche. Sie hatten ihn nicht bemerkt. Er hatte keine Ahnung wo ein Weg ins Unterreich war, er hatte nicht einmal eine Ahnung ob es überhaupt einen gab, er hatte nicht einmal wirklich eine Ahnung wo er sich genau befand, doch zumindest wusste er, dass er sich nach unten bewegte und so folgte er auch stets den Gängen, die ihn tiefer ins Erdreich führten. Sein Wade war mittlerweile taub, was er gar nicht so schlecht fand, da man dadurch keinen Schmerz mehr verspürte, doch stellte er sorgenvoll fest, dass er einen abgehakten Gang hatte. Es würde vermutlich nicht mehr lange dauern bis er nur noch humpelnd vorankam. Je weiter er kam, desto stiller wurde es. Der Boden wurde unebener und die fachmännisch angebrachten Stützbalken wichen allmählich sporadisch angebrachtem Gebälk. Ja, der gesamte vor ihm liegende Tunnel wirkte im Vergleich zur restlichen Mine stümperhaft gebaut, was man an den asymmetrischen Verformungen erkennen konnte. Einmal war der Tunnel sehr breit und hoch, nur um plötzlich wieder eng zu werden. Es passte nicht zu der akuraten Arbeit der Zwerge, solche Tunnel zu bauen. Doch bevor Zsaraffein seine Gedanken weiterfführen konnte, hörte er ein pochendes Geräusch. Je näher er dem Geräusch kam, desto klarer wurde ihm, dass es sich um das Hacken eines Pickels handeln musste. Plötzlich gesellte sich ein weiterer Pickel zum ersten hinzu und dann noch ein dritter zum zweiten, bis schließlich eine ganze Schar von Pickel zu hören war. Es mischten sich auch andere Geräusche darunter, die bekannten Grunzgeräusche der Orks, aber auch Stimmen die nicht von Orks stammten. Wenn er sich nicht völlig verhörte, waren das die bärbeißigen Stimmen von Zwergen die etwas brüllten. Vorsichtig schlich er sich an der Wand entlang, während der Tunnel zu einer Abzweigung hinführte. Noch vor der Abzweigung ließ sich ein Raum auf der rechten Seite an. Ein schwaches Dämmerlicht, kündigte den Raum bereits aus einiger Entfernung an. Als Zsaraffein nah genug dran war, konnte er einen Ork ausmachen, der auf einem Hocker saß und irgendetwas in den Händen hielt. Er hörte ein bekanntes Klatschten. Es war das Klatschen einer Spielkarte, die schwungvoll auf eine andere Spielkarte geschmissen wird. Für einen Moment veraharrte der Dunkelelf verdutzt. Konnte das möglich sein? Diese verdammten Orks spielten Karten! Dann hörte er wie ein Ork zum anderen sagte: "Ich rot! Rot gewinnt! Farbe von Blut und Schwarz verliert!" Der andere protestierte, mit dem Argument, Schwarz sei stärker als Rot. Es beruhigte zu wissen, dass es sich immer noch um absolut verblödete Geschöpfe handelte. Sie spielten nach den Farben der Karten, nicht nach Zahlen- und Figurenkombinationen. Doch auf einmal uferte der Streit in einer Keilerei aus, in der sich die ganzen Orks, die wohl als Wachposten abgestellt waren, anfingen gegenseitig zu prügeln. Die Gelegenheit beim Schopfe packend, eilte der Dunkelelf an den beschäftitgen Wachen vorbei und auf die Abzweigung zu. Vom linken Tunnel aus kamen die lauten Arbeitsgeräusche und schwaches Licht. Der rechte Tunnel war in Dunkelheit gelegt und still. Instinktiv wollte er den rechten Tunnel nehmen, doch als er wieder die Zwergestimme hörte, hielt er inne. Es war nicht die Zwergenstimme, die ihn inne halten ließ, es war 'was' die Zwergenstimme gerufen hatte und vor allem, in welcher Sprache es war. Zwergisch war es nicht, sondern eine andere Sprache, eine ihm all zu bekannte. Es war Duergar. Er beherrschte die Sprache der Grauzwerge nicht, aber fast jeder Drow hatte schon einmal die Sprache der Duergar gehört, Drow führten schließlich regen Handel mit den dunklen Vettern der Zwerge, wenn sie diese nicht gerade bekriegten. Nun wurde ihm klar, weshalb die tiefer gelegenen Gänge sich so von der sauberen Arbeit der vorderen Tunnel unterschieden. Die Duergar waren scheinbar die Herren der Mine und die Orks ihre Sklaven. Vermutlich legten die Grauzwerge selbst nicht Hand an und ließen die physische Arbeit von ihren grünen Arbeitern erledigen, was die schlampig angelegten Tunnel erklärte. Vermutlich waren die Duergar hier, um die Eisenerzvorkommen abzubauen. Doch das war eigentlich unwichtig, wichtiger hingegen war die Tatsache wo Duergar sind, muss es auch einen Weg ins Unterreich geben. Zsaraffein machte kehrt und nahm den Tunnel, der ihn zu den Duergar führen würde. Ein Gemisch aus den verschiedensten Lauten und Sprachen niederer Wesen war immer deutlicher zu hören, bis sich schließlich ein vielsagendes Bild bot, welches alle Geräusche und Sprachen erklärte. Horden von Orks schlugen in einem schweißtreibenden Rhythmus dicke Erzbrocken aus den Wänden, welche von emsigen Goblins, die hinter den Reihen der Orkarbeiter das herabfallende Gestein in holprige Transportwägen luden, welche am anderen Ende der riesigen Kaverne verschwanden. Inmitten des ganzen Treibens, waren drei peitschenschwingende Duergar die unerbittlich ihre Arbeitsklaven antrieben. Glatzköpfige, untersetzte, weissbärtige Gestalten in dunklen Rüstungen. Von seiner Position aus hatte der Dunkelelf eine gute Aussicht über die nach unten hinabfallende Kaverne. Zu seinem Glück, war der Tunneleingang in welchem er sich befand, sehr verlassen und die Erklärung dafür sah er schon bald, als er seinen Blick schweifen ließ und eine Vielzahl von groß angelegten Tunneln überblickte, in denen reger Verkehr herrschte. Vermutlich hatten die Duergar von unten Verbindungen zur Mine gegraben. Der obere Teil der Mine, der fast nur von Orks bevölkert war, diente demnach als eine Pufferzone, um einen ungestörten Abbau der Erze zu sichern. Nach einigem Abwägen, wurde es ihm immer klarer, dass kaum eine Möglichkeit bestand unbemerkt durch die Gänge zu kommen. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Es waren einfach über all zu viele Orks, Goblins und auch die vereinzelten Duergar würden vermutlich immer mehrere werden, je tiefer er hinabkam. Und wenn er unten wäre, würde er sich vermutlich in einem gut gesicherten Duergeraußenposten befinden. Auf einer Erhebung, unweit von ihm, sah er eine Gruppe von schwer gerüsteten Duergar, die einen vollbärtigen Duergar umkreisten, welcher lediglich ein dünnes Gewand anhatte und einen hölzernen Stecken in der Hand hielt. Es musste sich um einen Magier handeln, wahrscheinlich in einer leitenden Position. Zsaraffein kam der Gedanke, sich vielleicht den Duergar einfach zu zeigen und ihnen offen sein Anliegen zu erklären. Kaum hatte er den Gedanken zuende geführt, zog er ein bitteres Lächeln. Er war nicht in der Position mit den Duergar zu verhandeln. Er wäre ihnen schlichtweg ausgeliefert und warum sollten sie mit einem einzelnen, hilflosen Drow verhandeln, wenn sie ihn einfach töten, versklaven oder sonst was mit ihm machen konnten. Plötzlich geschah alles sehr schnell. Ein Bolzen schlug über seinem Kopf im Fels ein. Ein Duergar schlug Alarm und deutete in die Richtung des Dunkelelfen, woraufhin sich zwei Wächter aus der Gruppe lösten und gefolgt von mehreren Orks auf ihn zuliefen. Zsaraffein war absolut überrascht worden. Wertvolle Zeit verstrich bis seine Gedanken anfingen zu arbeiten und im humpelnden Lauf kehrte er zur Abzweigung zurück, nur um entsetzt festzustellen, dass die Orkposten, die sich zuvor noch geprügelt hatten direkt auf ihn zumarschierten. Sie waren von seiner Anwesenheit zunächst so überrascht, dass sie lediglich verdutzt starrten, während dem er mit einem Satz umkehrte und auf den rechten Tunnel zurannte, welchen er ursprünglich hatte begehen wollte. Aus dem linken Gang stürmten mittlerweile die zwei Duergar und ihre Okrsklaven. Von beiden Seiten abgeschnitten, konnte er nur noch in den rechten Gang flüchten. Die Verwundung an seinem Bein, machte ihm mehr und mehr zu schaffen. Es war kein Schmerz zu spüren, doch das Bein wurde immer steifer und kraftloser, weshalb er nur den Abstand zu seinen behäbigern Verfolgern halten konnte, anstatt diesen zu vergrößern. Der Untergrund wurde immer unebener und vor ihm zeichnete sich schon der nächste Kaverneneingang ab. Von vorne waren keinerlei Geräusche zu hören, weder Licht zu sehen. Mit zusammengebissenen Zähnen schaffte es Zsaraffein seinen Lauf zu beschleunigen und so schoss er durch den Durchgang. Mit aufgerissenen Augen registrierte er wie der Boden unter seinen Füßen verschwand. Seine Arme und Beine wedelten rotierend in der Luft, während dem er im hohen Bogen in die Kaverne flog. Im nächsten Moment spürte er wieder den Fels unter seinen Füßen, doch ging die Steinrampe so steil hinab, dass er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte und den letzten Teil hinabrollte. Alles schien zu schmerzen als er endlich aufhörte weiter herabzurollen. Mit einem Stöhnen rappelte er sich wieder auf allen Vieren auf und warf einen Blick nach oben. Jetzt verstand er warum er plötzlich den Boden unter den Füßen verloren hatte, eine steile Steinrampe führte vom Tunneleingang hinab in die Kaverne und er war einfach zu schnell gewesen um das noch rechtzeitig erkennen zu können. Zumindest hatte er sich nichts gebrochen. Keine Minute später waren die zwei Duergar oben auf der Rampe zu sehen. Einer wollte hinablaufen, doch der andere hielt ihn zurück mit einigen Worten die Zsaraffein nicht ganz verstanden hatte. Etwas mit "instabil". Kurz darauf strömten bereits die Orks die Rampe hinab, während die Duergar lediglich von oben alles still beobachteten. Er musste hochkommen, er musste weiterlaufen, sonst würde er sterben. Der Überlebensinstinkt überwog ein weiteres Mal die Schmerzen und Zsaraffein lief weiter in die Kaverne hinein, die Orks dicht hinter sich. Doch die Kaverne verengte sich zusehens, bis er schließlich panisch feststellen musste, dass es eine Sackgasse war. Man hatte nur ein kleines Stück gegraben und dann aufgehört und nun stand Zsaraffein da und blickte von der Wand zu seinen Verfolgern. Ihm wurde klar, dass es kein Entkommen mehr gab. Das Gefühl des sicheren Todes und die Gewissheit nichts mehr verlieren zu können, entfesselte unglaubliche Energien. Mit einem Kampfschrei zog er die erste Klinge aus dem Gurt und versetzte sie einem Ork, der seine Axt hoch erhoben hielt, zu hoch um sie noch rechtzeitig auf den Drow hinunterfahren zu lassen, direkt in die Kehle. Mit einer Drehbewegung zog er die Klinge wieder aus der Kehle und mit der anderen Hand griff er nach seinem zweiten Kurzschwert, während dem er aus der Deckung des Körpers seines ersten Angreifers, dem nächsten Ork einen Stich direkt in die Brust versetzte. Das Fleisch war zäh und schwer zu durchstechen, doch er nutzte allen Schwung den er aus seinen Bewegungen holte und man konnte förmlich das letzte Pulsieren des Herzschlages an der Klinge entlang spüren, bevor er diese hinauszog um den Knüppel eines dritten Angreifers zu parieren. Alle Schmerzen, alle Angst, alle Sorgen waren vergessen. In diesem Moment zählte nur der Kampf und kämpfen würde er bis zu seinem letzten Atemzug. Ein Axthieb ging auf Zsaraffein nieder. Mit einer schnellen Ausweichbewegung zur Seite hin, konnte er dem Hieb ausweichen, der nun das Gestein unter seinen Füßen spaltete. Der Ork brüllte wütend auf als er den Dunkelelf verfehlte und brüllte noch wütender als er die Klinge nicht mehr aus dem Boden bekam. Zu dumm die Axt loszulassen, war er dem nächsten Schwertstreich des Drow schutzlos ausgeliefert. Ungläubig sackte er in die Knie, während dem der kostbare Lebenssaft aus seiner Kehle spritzte. Die Göttin selbst schien seine Schwerter zu führen, denn kein Stich verfehlte und sein Blutrausch wuchs mit jedem weiteren Treffer den er seinen Feinden beibrachte. Es wurde immer enger, und der Dunkelelf wurde trotz seiner Efolge immer weiter an die Wand zurückgedrängt. Die schiere Masse der Orks erdrückte ihn. Zsaraffeins Kräfte verließen ihn zusehens. Die letzten Kraftreserven die er noch aufbringen konnte, verwandte er um weiter zurückzuweichen und den Hieben der Orks zu entgehen. Während dem er sich unter einem Axthieb hinwegduckte, schlug ein Knüppel hart gegen seine Schulter. Der Schmerz war so heftig, dass er seine Klinge fallen ließ. Seine andere konnte er gerade noch rechtzeitig hochheben um einen weiteren Axthieb abzuleiten, doch der Hieb war so stark, dass es seine Klinge wegriss. Kraftlos taumelte Zsaraffein nach hinten gegen die Wand. Das Metall der Axt fuhr geräuschvoll in die Richtung seines Kopfes. Der Dunkelelf wäre wohl enthauptet worden, hätte ihn die Schwäche seines verwundeten Beines nicht nach unten fallen lassen. Ein riesiger Ork stand nun über ihm, seine Waffe wieder aus der Wand ziehend. Die Schweinefratze des Biestes verzog sich zu etwas, dass wie ein Lächeln aussehen sollte, als er mit beiden Händen die Axt über seinen Kopf hob und den Dunkelelfen, der kraftlos an der Wand lehnte, anvisierte. Langsam hob Zsaraffein seine Faust, blickte zum Orken und spreizte den Mittelfinger ab, während dem er einen Batzen Blut in seine Richtung spuckte. Mit einem triumphierenden Schrei setzte das Ungetüm vor ihm die Axt für den letzten Schlag an. Die anderen Orks hielten sich zurück, stimmten aber in den Schrei mit ein. Als die Axt im Begriff war hinabzusausen und mit Zsaraffein ein Ende zu machen, brachte eine Erschütterung alle ins Wanken. Die Orks blickten sich verdutzt um. Just in dem Moment als eine erneute Erschütterung durch das Gestein ging, dämmerte Zsaraffein auf, was der Duergar gesagt hatte. "Der Boden ist instabil." Das war es gewesen. Das war vermutlich auch der Grund weshalb hier die Grabarbeiten eingestellt wurden und nun hatte das Gewicht der Orks den Rest bewirkt. Bevor er seine Gedanken weiter ausführen konnte, ging ein ohrenbetäubendes Krachen durch die Kaverne und Furchen schlugen durch den Boden. Im nächsten Moment wich alles einer merkwürdigen Stille, während dem die Decke sich zu entfernen schien. Zsaraffeins Körper wirkte wie schwerelos und es dauerte einige Zeit, bis auch die Orks begriffen hatten, dass sie sich alle im freien Fall befanden. Alles war als habe er es schon einmal erlebt und als er das kühle Nass um sich herum spürte und die absolute Stille die es begleitete, erinnerte er sich an seine Flucht über die Mauer Rivins. Eine seltsame Geborgenheit umgab Zsaraffein, doch er wusste, wenn er sie zu lange genießen würde, würde er ersticken. Die Welt wurde wieder laut, schmerzend, unbarmherzig als er auftauchte und bemerkte, dass er sich in einem reißenden unterirdischen Strom befand. Um ihn herum waren panisch paddelnde Orks, die grunzend versuchten aus dem Fluss zu kommen. Der Strom war heftig und der beste Schwimmer hätte nicht dagegen ankämpfen können, also ließ sich Zsaraffein treiben. Im nächsten Moment sah er aber einen Orken der gegen etwas aufschlug und dadurch aprupt verstummte. Der Fluss war gespickt mit spitzen Felsen die aus dem Grund aufragten und durch die Geschwindigkeit des Stroms zu tödlichen Hindernissen wurden. Und wieder schaltete sich sein Überlebensinstinkt ein, als er sich nach etwas umschah, was er als Schutz verwenden konnte. Nichts außer Orks waren zu sehen. Also musste eben ein Ork herhalten. Er machte schnell einen aus, der keine drei Armlängen neben ihm grunzend und brüllend durch das Wasser trieb. Es war der große Ork, der ihn kurz zuvor fast mit der Axt erschlagen hatte. Während dem er versuchte näher an ihn heranzukommen, bemerkte der Dunkelelf beim Schwimmen, dass er sein linkes Bein kaum bewegen konnte und seinen rechten Arm gar nicht, ausgenommen seine Hand. Der Knüppelschlag musste ihm die Schulter gebrochen haben. Gleichgültig, er musste eben mit den Gliedmaßen auskommen, die noch bewegungsfähig waren und so schwomm er einarmig immer näher an den Ork heran. Dem Ork war es nicht verborgen geblieben und so schlug er nach dem Dunkelelf, vergeblich. Ein plötzlicher Wasserwirbel ließ Zsaraffein näher an den Ork kommen, doch leider nicht von hinten, wie er es geplant hatte, sondern von vorne und der Ork griff nach Kopf und Nacken des Drow und drückte ihn unter Wasser, ihn seinerseits als Schwimmhilfe nutzend. Zsaraffein strampelte wild unter dem Griff des Orks, doch kam er nicht gegen seine Kraft an. Der Drang nach Luft zu schnappen wurde beinahe unerträglich groß und mit jeder verstreichenden Sekunde in Panik nur noch gesteigert. Er kratzte den Ork, versuchte nach der Hand zu beißen, nichts half und das Verlangen den Mund zu öffnen wurde immer größer. Zsaraffein griff in seinen Gurt. Es war noch da! Mit gehetzten Bewegungen unter Wasser zog er den Dolch heraus und stach nach der Kehle des Orks, doch war es ein Stich in den Schatten, denn er konnte überhaupt nichts sehen. Der Dolch steckte fest, zu fest um in der Kehle zu sein. Wenn er in der Schulter des Orks war, dann würde es ihm nichts helfen, er würde in der Umklammerung ersticken. Er musste ihn nocheinmal hinausziehen und wieder zustechen; der Ork musste sterben, damit er freikam. Panik durchfloss seinen Körper, während dem er erfolglos an dem Dolch zog. Er steckte absolut fest und der Griff des Orks war immer noch fest und hielt den Drow unter Wasser. Die letzten Kräfte verließen ihn. Die Panik, die ihm zuvor noch Kraft gegeben hatte, war nun einem Gefühl der Erschöpfung und Resignation gewichen, das Zsaraffeins Körper erschlaffen ließ. Er lebte noch, noch. Ihm wurde schwindelig und seine Augen fielen zu, während dem seine Lunge immer mehr danach drängte einzuatmen, was auch immer da war. Und dann löste sich auf einmal der Griff des Orks. Mit einem Ruck beförderte er seinen Kopf über die Wasserobefläche und sog die Luft ein, als gäbe es kein kostbareres Gut auf Toril. Die Welt um ihn herum war noch verschwommen, er hielt sich noch am Körper des Orken fest, welcher merkwürdig schlaff wirkte. Ein weiterer Blick zum Kopf des Orken zeigte auch warum, der Dolch war nicht in die Kehle eingedrungen, aber auch nicht in die Schulter, sondern direkt in ein Auge und von dort hatte es sich in den Schädel eingegraben. Zsaraffein zog sich an die Brust des Orken, der trotz des Wassers, bestialisch stank. Der Dunkelelf hatte aber nicht die Kraft sich zu ekeln, viel mehr war es so, dass der Geruch ihm Sicherheit vermittelte, während dem er den Ork vor sich positioniert hatte und nun mit dessen Körper schützend vor sich durch den Strom trieb. Es dauerte nicht lange und schon spürte er einen Aufprall, der dank des leblosen Körpers vor sich kaum mehr als ein Ruckeln war. Immer wieder prallte er gegen Gestein, das aus dem Wasser aufragte und immer wieder kostete es ihn Kraft, den Ork wieder so hinzudrehen, dass er schützend vor ihm durch das Wasser trieb. Nach einiger Zeit wurden auch die gefährlichen Gesteine rar. Um ihn herum hörte er nur noch vereinzelt gequälte Laute. Die meisten Orks waren durch die Hindernisse umgekommen oder zumindst schwer verletzt. Letztlich tauchten gar keine Hindernisse mehr auf und es wurde etwas sicherer, auch wenn der Strom immer noch reißend schnell war. Zsaraffein überkam eine überwältigende Müdigkeit, welcher er sich widerstandslos hingab, seine Hände in die Kleidung des Orken grabend. Erst im Einschlafen bemerkte er, dass das Wasser warm war, doch verhinderte der Schlaf jeden weiteren Gedanken dazu. Er wusste nicht wie lange er geschlafen hatte, als er einmal kurz erwachte und sich umblickte. Es war immer noch kein Ufer in Sicht und er trieb immer noch an seinem Orken durch eine unendlich lang erscheinende Höhle. Es schien immer weiter nach unten zu gehen. Wieder überkam ihn Müdigkeit und er schlief ein weiteres Mal ein. Als er wieder aufwachte, war das reißende Plätschern um ihn verstummt. Er trieb nur noch sehr langsam durch das Wasser und ein Ufer war zu sehen. Alles schmerzte als er die Leiche losließ und auf das Ufer zuschwomm. Die steifen Hände, der Schädel, alle möglichen Stellen an seinem Körper aber vor allem seine rechte Schulter und die linke Wade schmerzten. Mit wackligen Schritten stieg er aus dem Wasser und blickte sich um. Er vernahm eine pilzbewachsene Kaverne in einladende Dunkelheit gehüllt. Die schwüle Luft, der Geruch nach Pilzen, die Geräusche und vor allem die wohl bekannte Dunkelheit. Alles deutete auf eines hin: Er war im Unterreich angekommen. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ So 10. Mai 2009, 18:42 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Kapitel 2: Shil'yr'tar Auf unerklärliche Weise hatte er es fertig gebracht drei Tage im wilden Unterreich umherzuirren, ohne dabei zu sterben, zumindest dachte er es wären drei Tage. Tödliche Begegnungen mit den Geschöpfen des Unterreichs waren ihm erspart geblieben. Nur einmal beobachtete er aus einem Versteck heraus, einen willenlosen Sklaventrupp, angeführt von zwei Illithiden, der an ihm vorbeizog. Er hasste Illithiden. Er hasste sie so abgrundtief, dass er am liebsten ihre gesamte Spezies auslöschen würde, hätte er nur die Macht dazu. Diese Wesen waren Parasiten, die sich vom Hirn anderer Geschöpfe ernährten, vorzugsweise intelligenter Geschöpfe. In Menzoberranzan waren Illithiden keine Seltenheit, aber Zsaraffein verstand nicht wie man mit solch widerwärtigen Kreaturen Handel und Pakte schließen konnte. Allein der Gedanke daran, ein Illithid könnte seinen Tentakel durch die Nase eines humanoiden Wesens quetschen und dann das Hirn förmlich aus dem Schädel saugen, verursachte bei ihm Schüttelanfälle. Er konnte sich keinen hässlicheren Tod vorstellen. Oder gar das Dasein als sabbernder Schatten seiner selbst, nach dem ein Gedankenschinder nur einen kleinen Teil des Hirns verspeist hatte. Im Grunde fürchtete und hasste er zugleich nichts mehr als Parasiten und Gedankenschinder sind das Sinnbild eines Parasiten. Gegen Elfen hegte er keine halb so große Abneigung wie gegen Gedankenschinder. Wo er sich damit begnügen würde alle Elfen zu versklaven, so wünschte er sich nichts weniger als die absolute Auslöschung der Illithiden. Aber wer war er schon um über die Existenz ganzer Rassen zu entscheiden? Im Moment sah es eher so aus, dass er kaum seine eigene Existenz erhalten konnte, geschweige denn, die Existenz anderer auszulöschen. Die gebrochene Schulter machte ihm schwer zu schaffen, aber noch schwerer die Wade, sie hatte sich entzündet. Heilmittel und Salben die er bei seiner Flucht aus Rivin mitgenommen hatte, waren im Strudel des Flusses verschwunden. Allein seine Armbrust und ein paar Bolzen waren übrig gebeliben. Die Armbrust nur deshalb, weil er es sich angewöhnt hatte die Waffe mit einem Lederriemen, der als Sicherheitsseil fungierte, zu verbinden. Während er die Waffe in den Händen hielt und sie begutachtete, stellte er trocken fest, dass sie so gut wie nutzlos auf längere Distanzen war. Die Sehne, die zum Abschuss der Bolzen diente, war durch das Wasser extrem aufgeweicht worden und hat dadurch an Elastizität verloren. Für ein paar Schüsse auf zwei oder drei Meter entfernte Ziele würde es noch reichen, aber nicht mehr. Die Armbrust ließ er locker nach unten wegbaumeln, derweil er kraftlos auf eine mit Pilzen bewachsene Wand zuhinkte. Vielleicht wären einige der Pilze essbar und im Glücksfall gebe es sogar einige Exemplare die er als Medizin nutzen konnte. Zsaraffein war kein Pilzexperte, aber er wusste genug darüber um die verschiedenen Sorten grob einordnen zu können. Er ließ die Armbrust los, welche nun frei am Lederriemen an seiner Seite hin und her baumelte. Er musste sie loslassen, weil sein anderer Arm war wegen der Schulter zu kaum mehr was zu gebrauchen. Enige der gelben kleineren Exemplare waren essbare Pilze. Sie hatten zwar keine besondere Wirkung, aber sie machten satt und das war schon mal was. Während er mit der Pilzauslese beschäftigt war, machte er sich Gedanken über seine derzeitige Situation. Er war alleine, nicht in der Lage sich ernsthaft zur Wehr zu setzen und er hatte keinen Schimmer wo die nächste Drowstadt oder zumindest der nächste Außenposten war. Es konnten noch 100 km zur nächsten Stadt sein, aber auch nur 5 km. Was er sicher wusste, war dass es eine Illithidenenklave in der Nähe geben musste, wenn er sich aber nicht das Leben eines hirnlosen Sklaven wünschte, so brachte ihm das wenig. Ein seltsames Geräusch riss ihn aus seinen Gedanken. Ein Geräusch, das er irgendwoher kannte. Es dauerte etwas bis ihm eindeutig klar wurde, um was für ein Geräusch es sich handelte, doch als er sich sicher war, ließ er sich sofort auf den Boden fallen, gerade noch rechtzeitig um der Hakenklaue eines Hakenschreckens zu entkommen. Es war das röchelnde Rascheln eines Hakenschreckens gewesen. Und in diesem Moment befand sich eines dieser zwei Meter großen Ungetümer genau über ihm auf der niedrigen Decke der Höhle und starrte ihn kreischend an. Im nächsten Moment ließ sich das rote Wesen auf ihn zufallen, die Klauen nach vorne ausgestreckt. Zsaraffein rollte sich instinktiv zur Seite weg, was ihm das Leben rettete, ihm aber einen höllischen Schmerz in der Schultergegend bereitete. Er wollte aufstehen und fliehen, aber als er einen Versuch machte loszuspurten, ging ein so schmerzvolles Stechen durch seine Wade, dass er nicht anders konnte wie sich wieder hinfallen zu lassen. Ein Hakenschrecken war zwar sehr agil was das Klettern anging, doch waren diese Biester sehr langsam wenn es um das Laufen auf zwei Beinen ging und es wäre ein Leichtes gewesen vor ihm wegzulaufen, aber genau das konnte er nicht mehr, laufen. Sein Glück war, dass das Biest seine Klauen in die Erde eingekeilt hatte, beim Versuch den Drow zu erschlagen, und diese zuerst rausreißen musste um Zsaraffein wieder gefährlich werden zu können. Es kreischte wild während dem es sich wand und zerrte und die Erde gab auch schon etwas nach. Es würde ihm nur noch wenig Zeit bleiben etwas zu machen und er konnte nur noch eines versuchen, den Hakenschreken mit einem gezielten Schuss zu töten. Mit zittriger Hand forschte er nach seiner Armbrust. Sie lag unter ihm. So schnell als möglich zog er sie hervor, sie war bereits geladen, und zielte auf das kreischende Biest, welches jeden Moment seine Klauen aus der Erde befreit hätte und diese in den Drow graben würde, um ihn später zu verspeisen. Es war schwer den unproportional kleinen Kopf, der an einen Vogel erinnerte, anzuvisieren. Das Vieh zerrte und wetzte und hatte nun bereits eine Klaue befreit, doch Zsaraffein hatte noch immer nicht den passenden Moment erwischt. Mit einem gewaltigen Ruck, zog es die zweite Klaue raus, wobei ein großer Haufen loser Erde durch die Luft flog. Der Ruck war so kräftig gewesen, dass der Hakenschrecken nach hinten taumelte und genau in jenem Moment als es zum Halten kam, Zsaraffein den Kopf perfekt im Visier hatte, er würde treffen. Er drückte den Abzug ab und die Bogensehne zersprang. Der Bolzen blieb in der Armbrust stecken und der Hakenschrecken kam mit einem fürchterlichen Gekreische und ausgebreiteten Klauen auf ihn zu. Viel ging Zsaraffein nicht mehr durch den Kopf, er wusste dass es jetzt vorbei war und er hatte auch kaum mehr Kraft, noch Willen etwas zu versuchen. Er lag einfach nur da, das Ende erwartend. Der Hakenschrecken bereitete sich in fürchterlicher Gebärde über ihm aus, den Schnabel wild schüttelnd und die rechte Klaue hebend um dem wehrlosen Drow den Rest zu geben. Klicken. Über all Klicken und dann Surren. Der Hakenschrecken wurde von mehreren Bolzen eingedeckt und jedes weitere Gekreische wurde von einem weiteren Bolzen erstickt, bis das Monster gänzlich den Geist aufgab und neben Zsaraffein zu Boden krachte. Ungläubig drehte der am Boden liegende Drow seinen Kopf zur Seite, nur um einen Trupp schwer gerüsteter, weisshaariger Gestalten zu sehen. Es waren Dunkelelfen. Der vermeintliche Anführer der Truppe trat hervor. Ein überdurchschnittlich großer männlicher Drow. Er hielt ein Doppelklingenschwert über seiner Schulter und das in einer bewusst lässigen Manier. Er winkelte den Kopf etwas an, wobei ihm eine Strähne vor das Gesicht viel. Mit einem Puster beförderte er sie wieder auf den Kopf. Zsaraffein bemerkte an den Gesichtszügen des Dunkelelfen, dass jener gewnau wusste, dass Zsaraffein kein reicher, kein mächtiger und weder ein hauszugehöriger Drow sein konnte, die Kleidung war einfach viel zu heruntergekommen und jegliche Hausinsignien fehlten. Der junge Dunkelelf wusste genau was sein gegenüber überdachte. Er stellte sich vermutlich die Frage ob sie ihn töten sollten, einfach liegen lassen oder vielleicht doch mitnehmen sollten. Kein Drow würde einem anderen helfen, wenn er sich nicht irgendetwas davon versprechen würde, das wusste jeder. "Name." Er hatte eine helle, aber selbstbewusste Stimme. "Zsaraffein." "Dein voller Name, Idiot." Er sprach es nicht mit Hass aus, denn eher mit Ungeduld. Zsaraffein hatte seit mindestens 15 Jahren nicht mehr seinen Nachnamen erwähnt. Seit dem er seine Familie in Ched Nassad verloren hatte, war es auch kaum mehr nötig gewesen. Und meistens waren höherrangige Drow zufriedener, wenn sie sich nicht so viel über unwichtige Diener merken mussten. "Zsaraffein Nurl'menyi." Plötzlich erhob sich verwundertes Getuschel, welches gut zum verwunderten Gesicht des Patroullienanführers passte. Mit einem wegschmeißenden Wink, begleitet von einem genervten Laut, brachte er die Soldaten hinter sich zum Schweigen. "Bist du verwandt mit Qu'elestina Nurl'menyi?" Qu'elestina, so hieß seine Schwester. Das konnte sie aber nicht sein. Sie war beim Einsturz Ched Nassads ums Leben gekommen, zumindest hatte er das gedacht. Etwas verspätet und verwirrt antwortete Zsaraffein. "Ja, sie ist meine große Schwester. Aber ich dachte sie wäre.." Das Ende des Satzes sprach er nicht mehr aus, stattdessen fragte er. "Qu'elestina Nurl'menyi, Magierin aus Ched Nassad?" Mit einem undeutbaren Schmunzeln antwortete der Anführer: "Magierin und Händlerin. Ihr gehört das Handelshaus Nurl'menyi und ich bin Bel'el'laf, Anführer der Wache des Handelshauses Nurl'menyi. Willkommen in Shil'yr'tar." |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Di 21. Jul 2009, 12:40 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Der verfrühte Willkommensgruß den Bel'el'laf ihm entgegengebracht hatte, obwohl sie sich noch gar nicht in der eigentlichen Stadt befanden, war nicht ganz unbegründet, denn Shil'yr'tar, oder wie die Männer des Trupps es nannten "Das Nest" war gerade mal einige hundert Meter entfernt. Als die Stadt in Sichtweite kam, verstand Zsaraffein weshalb die Wachen "Das Nest" gesagt hatten. Die Stadt, oder besser gesagt, das Städtchen befand sich auf dem oberen, runden Ende eines riesigen Stalagmiten. Die Stadtmauer, die wie ein löchriger Kokon aussah, bestand aus metallenen Gittern, welche die Stadt völlig umgaben und davor schützten, dass jemand anders in die Stadt kam, als über eine lange, nach oben hin verlaufende, Steinbrücke, welche entweder durch Magie oder durch pure körperliche Arbeit angefertigt wurde und zum einzigen sichtbaren Eingang der Stadt führte. Während die Patroullie ihren Weg in Richtung Stadttor beging, erblickte Zsaraffein weisse, sich bewegende Punkte an der Decke der kolossalen Kaverne. Als er genauer hinsah, erkannte er, dass es sich um Echsenreiter handelte, welche die Decke abritten, ohne dabei von ihren Tieren zu fallen. Im nächsten Moment verstand er auch weshalb die Echsenreiter die Decke abpatroullierten; das Gitter, das als Stadtmauer diente, reichte zwar weit nach oben, in der Mitte war es offen. Monster, oder herausragende Kletterer, könnten so über die Decke in die Stadt gelangen und um das zu verhindern, waren vermutlich die Echsenreiter da. Den Verletzungen zum Trotz, brodelte Zsaraffein innerlich vor Erwarten. Die Eindrücke die sich ihm bisher boten, machten ihn nur noch neugieriger auf das innere Shil'yr'tars, auf das Leben in einer Dunkelelfenstadt. Es wäre nicht das erste Mal, dass er eine Dunkelelfenstadt betritt, doch hatten ihn die lange Zeit an der Oberfläche und die Entbehrungen der Reise vergessen lassen, wie es war. Je näher sie dem Eingang zur Stadt kamen, desto einschüchternder wurde der Abgrund der die Rame links und rechts umsäumte. Hier mussten schon viele aus Versehen oder mit Absicht hinuntergefallen sein. "Was macht man mit den Leichen?" Fragte Zsaraffein einen der Wächter, den die anderen 'Ly'riel' nannten. Ein kleiner, aber massier und breitschultriger Dunkelelf. Er musste auch noch ziemlich jung sein. Indem Zsaraffein mit dem Zeigefinger an den Rand der Rampe deutete, wechselte Ly'riels fragender Ausdruck zu einer verstehenden Miene. Er tippte sich an den Dolch "Räuber. Sie haben ihre Lager in den Höhlen, nahe der Rampe. Sobald einer runterfällt, strömen sie heraus und stechen auf ihn ein, falls er doch noch leben sollte. Danach rauben sie ihnn aus." Mit einer drowüblichen Gelassenheit sprach er über das Sterben. Etwas das Zsaraffein fühlen ließ, dass er wieder zu Hause war, so merkwürdig es ihm auch selbst vorkam, dass ausgerechnet diese Eigenschaft der Dunkelelfen ihm ein Gefühl der Sicherheit vermittelte. Es war das Wissen um eine Ordnung, besser gesagt, eine Unordnung, in der er aufgewachsen war. Der Tod war der ständige Begleiter eines jeden Drow, er war ihr Lehrmeister, der sie dazu antrieb stets die größte Leistung zu bringen und immer wachsam zu sein. "Was sind die Räuber?" Harsch kam die Antwort: "Abschaum." Eigentlich wollte er wissen um welche Rassen es sich bei den Leichenfledderern handelte, aber der abweisende Gesichtsausdruck des Wächters gab ihm zu verstehen, dass er nicht gewillt war sich weiter zu unterhalten. Was auch nicht weiter störte, denn sie waren am Tor angekommen. Das Tor war zwischen den Eisenstreben hochgezogen. Es war so gebaut, dass man es im Notfall in wenigen Sekunden herunterfallen lassen konnte. Vor dem Eingang der Stadt lungerten einige dunkelelfische Wachen sichtlich gelangweilt auf Kisten und großen Steinen, die sie als Sitzgelegenheit nutzten. Einige spielten Karten, einige unterhielten sich und wiederum einige starrten emotionslos in den sporadischen Strom aus Dunkelelfen und deren Sklaven, die die Stadt verließen und betraten. Etwas abseits der Torwachen waren einige Gruppen Orks und Goblins. Die Sklaven der Torwachen, die im Kampffall eingesetzt werden, oder geopfert werden, je nach dem. Eine Gruppe Goblins stritt sich gerade um einen Knochen, es dauerte nicht lange bis die Peitsche des Aufsehers in die kleine Gruppe einschlug; jaulend und kreischend stoben sie auseinander und kauerten sich jammernd auf den Boden, die Krallen schützend über den Kopf gehalten. Der Aufseher hatte sich den kleinsten und schwächlichsten der Goblins, sprich, denjenigen, der sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnte, und bearbeitete diesen mit der dornenbesetzten Peitsche. Immer wieder hörte man das straffe aufknallen von Leder auf Fleisch und den darauffolgenden Kreisch des Goblins. Es erinnerte Zsaraffein irgendwie an das Geschrei eines Babys, eines sehr hässlichen und großen Babys. Immer wieder schwang der drahtige Drow seine Peitsche, bei jedem Ausholen schwang sein weisses Haar kreisen über seine Schulter. Es dauerte nicht lange, bis er den Goblin krüpplig geschlagen hatte. Das Vieh war nur noch ein großer Klumpen Blut und zerfetzte Haut, und was das ekeligste war, es lebte noch und gab andauernd markerschütternde Laute von sich. Die ganze Gruppe war mittlerweile stehengeblieben und schaute dem Geschehen zu. Der Aufseher rollte seine Peitsche zusammen und ließ den halbtoten Goblin in seiner Agonie liegen und kam auf die Gruppe zu. Kaum hatte er sich entfernt, warfen sich die anderen Goblins auf ihren am Boden liegenden Kameraden und begannen damit ihn aufzufressen. Ein letztes panisches Kreischen war zu hören und ab dann nur noch Geschmatze. "Vendui Bel'el'laf." Der drahtige Aufseher hatte ein langgezogenes, aber charismatisches Gesicht und eine einnehmende Stimme. "Vendui Tebryn." Die beiden griffen den Unterarm des jeweils anderen und grüßten sich, für dunkelelfische Verhältnisse, ungewöhnlich freundlich. "Wie war die Jagd? Wie ich sehe ist euch ein Ilythiir ins Netz gegangen." Tebryns Augen richteten sich auf Zsaraffein; sofort durchzog Zsraffein eine frostiges Gefühl als in diese roten Augen so intensiv anblickten. In diesem Moment wusste er, was Tebryn für eine Person war; er gehörte zu jenen Individuen denen es eine ungeheure Lust bereitete andere Wesen zu peinigen. Und Zsaraffein war sein potenzielles nächstes Opfer, doch dieser Wunsch wurde ihm sofort verdorben. "Xas, er ist der Bruder von Jabress Nurl'menyi." "Ihr Bruder?" Die Überraschung und Enttäuschung konnte Tebryn nicht zurückhalten. Wieder richteten sich die roten Augen auf Zsaraffein. "Sicherlich freut sie sich dich zu sehen..." Die Aussage war mehr eine Frage, denn eine Feststellung. Der vielsagende Blick auf seine heruntergekommene Erscheinung tat sein Übriges. Zsaraffein erwiderte lediglich stumm und emotionslos seinen Blick. Er ließ kein Gefühl nach außen dringen, doch er empfand bereits Antipathie für diesen Tebryn. Nicht weil er eine offensichtliche Freude an dem Leid anderer hatte, sondern weil er Freude an Zsaraffeins Leid hätte und ihn dies auch spüren ließ. Tebryn schenkte Zsaraffein ein herausfordernders Lächeln und gab einen Wink nach hinten mit den Worten "meldet dem Kommandanten, dass die Nurl'menyi-Gruppe zurück ist!" Er machte einen Schritt zur Seite und verabschiedete sich von Bel'el'laf. Die Gruppe setzte sich in Marsch und durchschritt das Tor. Sie gingen auf einer langen geraden Straße, die von verschiedenen Behausungen umsäumt war. Direkt hinter dem Tor gab es ein kleines Wachhaus, vor dem zwei Soldaten einige Reitechsen fütterten, Direkt daneben waren die Ställe zu sehen, wo nicht nur die Reitechsen, sondern auch Sklaven gehalten wurden. Zsaraffein war begierig darauf die Stadt zu sehen, doch Sorgen beschwerten seinen Kopf und er blickte nachdenklich zu Boden. Wie hatte Qu'elestina überelbt? Und wie würde sie ihn aufnehmen? Er hasste sie und das wusste sie auch, sie hatte ihn ja während seiner gesamten Jugend bei jeder Gelegenheit gequält. Es konnte gut sein, dass sie ihn in die Sklaverei verkauft. Möglicherweise würde sie ihn zum persönlichen Vergnügen als Diener halten. Oder vielleicht würde sie ihn auch töten? Es war alles so schwer vorherzusehen, er wusste zu wenig darüber wie sie sich entwickelt haben könnte. Wenn es um die Qu'elestin von früher ging, dann wusste er was er zu erwarten hatte. Er würde wie ein Sklave für sie schuften und um jede Mahlzeit froh sein müssen und alles von regelmäßigen, grundlosen Bestrafungen eingesäumt. Und dieser Tebryn; sein Blick ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. "Machst du dir Gedanken wegen Tebryn?", Bel'el'lafs Stimme riss ihn wieder aus den Gedanken. Zsaraffein blickte als Antwort lediglich überrascht drein. Zum einen war er überrascht, dass er seine Gedanken erkannt hatte, zum anderen weil der Soldat sich darum schärte was Zsaraffein dachte. Unbeirrt fuhr er fort, "Er verhält sich mit allen so. Wenn er könnte, würde er auch jeden Ilythiir zu Brei peitschen." Eine Mischung aus Erleichterung und Überraschung bildete sich auf Zsaraffeins Gesicht ab. Er nickte und fragte: "Du scheinst mit ihm befreundet." Bel'el'laf lachte herzhaft auf. "Wir sind nicht befreundet. Er fürchtet sich vor mir." Ein fragender Blick von Zsaraffein und der Soldat fuhr fort, "Als ich ihn das erste Mal traf, war es so ähnlich wie bei dir. Er wollte mich abtasten, einschüchtern. Ich habe ihm die Nase gebrochen, ihm die Peitsche abgenommen und ihn ausgepeitscht bis er wimmernd um Vergebung bat." Mit großen Augen horchte der junge Drow; er musste unweigerlich mit Genugtuung lächeln. Ihr Weg führte sie weiter auf der Hauptstraße entlang; die Gebäude waren schnell einzuordnen. Mit Adamantit und Marmor gebaute -in der Regel große- Gebäude gehörten den reichen Händlern und Adligen. Die Soldaten und einfachen Bürger lebten entweder in den Anwesen der Reichen oder hatten einfachere Behausungen die entweder eine Höhle waren oder aus einfachen Materialien wie Stein und Eisen hergestellt wurden. Die Häuser, die Zsaraffein an der Oberfläche gesehen hatte, waren fast alle aus Holz gebaut. Hier unten war Holz eine teurere Ressource. Es gab einige Holzarten die im Unterreich wuchsen, aber die waren schwer zu finden und noch schwerer zu bearbeiteten. Leichter war es hingegen über den Handel Holz zu importieren. Interessant war, dass in der gesamten Stadt grün-violette Schimmel an Häusern und Böden wuchsen. Diese tauchten alles in ein dämmriges Licht, welches die Augen eines Drow nicht störte und es Oberweltlern einigermaßen mölich machte etwas zu sehen. Kurz bevor in eine Seitenstraße einbogen, fiel Zsaraffein ein imposantes Anwesen am Ende der Straße auf. Es war vermutlich das größte in der gesamten Stadt. Ein Turm des Anwesens ragte gar bis zur Decke der großen Kaverne. "Bel'el'laf." "Xas?" "Wem gehört das große Anwesen am Ende der Straße?" "Der Gouverneurin." "Und wer ist die Gouverneurin?" Der Gruppenführer strich sich eine Strähne, welche ihn schon wieder belästigte. "Im Moment niemand." Zsaraffein blickte verwirrt drein. "Es ist immer eine Zofe Lolths, die von der Hohepriesterin aus Menzoberranzan für eine ungewisse Zeitspanne eingesetzt wird. Die ehemalige Gouverneurin kehrte nach Menzoberranzan zurück als ihre Mutter verstorben war, um die Führung ihres Hauses zu übernehmen. Jetzt wartet ganz Shil'yr'tar auf die neue Gouverneurin." Kurze Zeit später befanden sie sich vor einem wahrlich großen Anwesen. In der Mitte war das Eingangsportal und rechts waren die Unterkünfte der Soldaten. Hinter diesen, so hatte es ihm Bel'el'laf verraten, befanden sich die Sklavenunterkünfte und die Hausställe. Links vom Hauptgebäude war noch ein kleinerer Anbau zu sehen. Vermutlich die Unterkünfte der Diener. Bel'el'laf entließ alle aus der Truppe in ihre Unterkünfte, so das nur noch er und Zsaraffein da übrig waren. Die Wachen am Portal grüßten ihren Anführer respektvoll und öffneten den Eingang. Die Empfangshalle war in einem beruhigenden Schwarz gehalten. Im Raum befanden sich einige Sitzgelegenheiten und auch ein Tisch. Vermutlich für Gäste die warten mussten. Über all waren Skulpturen aus schwarzem Marmor zu sehen und an den Wänden hangen Adamtitwaffen. Für Zsaraffeins Geschmack war alles etwas zu voll, doch unbestreibar war, dass seine Schwester sehr reich sein musste. Das bereitete ihm noch größere Sorgen. Je mehr ein Drow hatte, desto größer war die Furcht es an einen anderen zu verlieren. Und die eigene Familie war hierbei der gefährlichste Konkurrent. Bel'el'laf hatte bereits einen Diener nach Qu'elestina schicken lassen. Sie ließ sich Zeit. Ihr Bruder hatte nichts dagegen, er scheute das Wiedersehen. Nervös biss er seine Zähne zusammen und entspannte seinen Kiefer wieder, nur erneut die Zähne zusammenzubeißen. Ein Tick den er immer bei Streß in Erscheinung trat. Später würde ihn sein Kiefer schmerzen. Schritte näherten sich und eine ansehnliche Drow, mit einer hohen Stirn und einer etwas zu großen Nase trat in den Raum ein. Es war Qu'elestin, sie hatte ich kaum verändert, von den teuren Kleidung und dem Schmuck einmal abgesehen. Sie beachtete ihn keines Blickes und ging direkt auf Bel'el'laf zu. "Wie viele Goln hast du mir beschafft?" "Keinen Jabress." Zsaraffein fragte sich weshalb sie ihn keines Blickes würdigte. Dann kam es ihm und er musste Schmunzeln. Seine Schwester war schon immer sehr auf den Stand bedacht. Sie würde niemals einen niederen Drow beachten, vor allem nicht einen in so einer heruntergekommenen Erscheinung. Zorn keimte in ihren Augen auf und sie wollte bereits zum Sprechen ansetzen, doch der Soldat kam ihr dreist zuvor: "Dafür habe ich aber Euren Bruder gefunden." Ihr Zorn verwandelte sich in Konfusion. Sie blinzelte einige Male; sie brauchte etwas Zeit um das Gesagte auch richtig aufzufassen. Dann wandte sich ihr Blick auf ihren Bruder. "Zsaraffein.." Es lag Unglauben in ihrer Stimme, doch sie hatte ihn längst erkannt. "Zsaraffein." Diesmal war jegliche Überraschung verschwunden. Sie zwickte ihre Augen zusammen und schürzte die Lippen, so wie sie es früher immer getan hatte ... bevor sie ihm etwas antat. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Fr 6. Nov 2009, 01:34 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Gerade als seine Schwester etwas sagen wollte, unterbrach sie eine Männerstimme "Jabress, die Gesandtschaft des Laueral'lil-Hauses ist soeben eingetroffen." Die Quelle dieser Stimme war ein schmächtiger, kleiner Dunkelelf. Seine Kleidung zeigte, dass er kein einfacher Hausdiener war, vermutlich eine Art Sekretär oder Verwalter. Qu'elestina presste die Lippen zusammen und blickte zur Seite - so wie sie es auch früher immer getan hatte, wenn sie über etwas Wichtiges nachdachte - und blickte Zsaraffein ein letztes Mal eindringlich an, während dem sie Bel'el'laf kurz angebunden Anweisung gab, sich um ihn zu kümmern. Im nächsten Moment drehte sie sich zum Portal des Hauses und verschwand durch dieses, gefolgt von dem kleinen Dunkelelfen. Die Gesichtszüge des Wachhauptmanns verrieten wie lästig ihm jetzt schon die Aufgabe war. Ohne etwas zu sagen oder zu deuten, ging er durch den nächsten Durchgang, der direkt hinter den Sitzgelegenheiten lag. Hastig folgte ihm Zsaraffein, einen letzten Blick in den Empfangsraum werfend. Der Raum schien exakt quadratisch, an jeder Seite mit einem Durchgang versehen, dem genau gegenüber der andere lag. Einzig das größere Eingangsportal unterschied sich von den anderen drei Durchgängen. In der nordwestlichen Ecke, vom Portal aus gesehen, befand sich eine Wendeltreppe, welche scheinbar Untergeschoss, Erdgeschoss und den 1. Stock miteinander verband. Beide gingen durch einen langen Gang, der wohl zu den Truppenunterkünften führen musste, da diese von draußen gesehen auf der rechten Seite lagen, und genau in diese Richtung gingen sie. Die Decke des Ganges war relativ niedrig und oval abgerundet, was eine gewisse Enge vermittelte, obwohl genug Platz da war. Sie gingen an einigen geschlossenen Türen vorbei. Schwer abzuschätzen, um was für Räumlichkeiten es sich handelte. Er verspürte den Drang Bel'el'laf zu fragen, doch dieser schien alles andere als in der Stimmung für Antworten. Im Gang selber war es absolut still, doch je weiter sie hineingingen, desto mehr Stimmen waren zu hören. Sie kamen direkt in den Aufenthaltsraum der Soldaten hinein, welche sofort still wurden als Bel'el'laf den Gang betrat. Es war leicht zu erkennen, dass er ungeheuren Respekt unter den Soldaten genoss. Er winkte einen Dunkelelfen herbei, welcher mit verschränkten Armen an der Wand lehnte und einer Gruppe Soldaten beim Würfeln zusah. Die anderen Drow entspannten sich wieder und fuhren mit ihren Unterhaltungen und sonstigen Zerstreuungen fort, als ihr Hauptmann nichts weiter sagte. "Das ist Zsaraffein, der Bruder von Qu'elestina...", der Drow musste lachen und Bel'el'laf lächelte zurückhaltend und verbesserte sich "...ich meine, der Bruder der 'Jabress'. Kümmer' dich um ihn bis die Jabress wieder nach ihm frägt." "Asanque, Jabbre." Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verschwand Bel'el'laf und ließ die beiden alleine zurück. Beide blickten sich abschätzend an. Bei seinem gegenüber handelte es sich um einen außergewöhnlich gut aussehenden Drow, er hatte etwas Einnehmendes, ja fast schon Sympathisches an sich. Das einzige was das Bild seines makellosen Gesichtes störte, war das Fehlen eines Nasenflügels. Zsaraffeins Starren auf diese Stelle schien ihn aber nicht aus der Ruhe zu bringen, er begrüßte ihn ungewöhnlich freundlich: "Vendui Zsaraffein, ich bin Tamiel." Unwillkürlich zogen sich seine Augenbrauen zusammen; es war einfach merkwürdig wie freundlich und sympathisch dieser Drow war. Doch bevor er sich weitere Gedanken machen konnte, ging ein stechender Schmerz durch sein Bein und er wäre hingefallen, hätte ihn Tamiel nicht sofort gestützt. Eine Geste die Zsaraffeins Gedanken abermals vom Schmerz ablenkte, doch dieser kam heftig wieder, so dass er nicht weiter über Tamiels Freundlichkeit nachdenken konnte und einfach nur froh war, dass ihn jemand stützte. Seine verletzte Wade war die ganze Zeit über taub gewesen, der Überlebenskampf und die Aufregung der letzten Stunden hatten das Übrige getan, um die Verletzung zu vergessen, was aber nichts daran änderte, dass sie immer noch existent war. Tamiel schlug vor zum hauseigenen Heiler zu gehen und so humpelte er, von Tamiel gestützt, durch den Aufenthaltsraum. Als einige Soldaten die beiden sahen, machten sie abfällige Bemerkungen und warfen Zsaraffein und Tamiel verachtende Blicke zu. Sofort löste sich Zsaraffein von seinem Helfer und humpelte alleine weiter. Er schämte sich, dass er Hilfe angenommen hatte und er schämte sich, dass ihm ein anderer helfen wollte. Vorwurfsvoll blickte er Tamiel an, welcher als Antwort darauf nur charmant lächelte und weiter ging. Der Heiler, besser gesagt, die Heilerin, war eine Dunkelelfe von beachtlichem Alter. Was man an der bereits stellenweise runzligen Haut erkennen konnte und an den vergilbten Haaren. Sie hatte aber mehr etwas von einer alten Hexe. Ihr Labor war im Untergeschoss des Anwesens, direkt unter dem Aufenthalstraum der Soldaten gelegen. In der Mitte des Raumes stand ein großer dampfender Kessel und der Boden um ihn herum war gespickt mit unidentifizierbaren Inkredinzien. Dunkle Behälter mit einer fremden Schrift, es schien Drakonisch zu sein, beinhalteten streng riechende Zutaten. So viele verschiedene, exotische Gerüche waren zu schmecken, dass man unentschlossen war, ob es stank oder interessant roch. Das Leiden war schnell erklärt und die Alte machte sich daran ein passendes Heilmittel zu suchen. Immer wieder flüsterte sie mit sich selbst, etwas, dass sie die ganze Zeit über machte. "Leg' dich hin." Kam als nächste Anweisung und er tat wie geheißen. Im nächsten Moment schüttete sie den dunklen Inhalt einer Phiole über seine Wunde, welche zunächst nur leicht brannte und dann immer heisser wurde. Waren die Schmerzen zuvor schlimm, waren sie nun als gewaltig zu bezeichnen. Ein Brennen durchfuhr seine Wande als würde sein Fleisch gleich Feuer fangen und Panik überkam ihn als er zur lachenden Hexe blickte. "Was hast du getan?" Fuhr er sie an und wollte sie anspringen, doch Tamiel hielt ihn am Boden. Er schlug mit den Armen und Beinen um sich und wollte ihn von sich abschütteln, so als wolle er gleichzeitig den unerträglichen Schmerz aus seinem Körper schütteln. Die Kraft ging ihm aus und Tamiel hielt ihn im eisernen Griff fest. Der Schmerz schien sich ins Unermessliche zu steigern und das Bild vor seinen Augen verschwamm zusehens. Nur noch das gräßliche Lachen der Hexe war zu hören und das immer kraftloser werdende Scharen seiner Gliedmaßen, welche immer noch verzweifelt versuchen sich aus Tamiels Griff zu befreien. Dunkelheit legte sich über seine Augen. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ So 20. Dez 2009, 01:39 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Spinnweben an einer kahlen Decke war das erste was er sah, als er seine Augen öffnete. Er blinzelte und starrte die Spinnweben an. Sie waren zerzaust, ein Zeichen dafür, dass die Spinne sich längst einen anderen Jagdgrund gesucht hatte. Dann kamen alle Erinnerungen auf einmal. Die Orks in der Mine, das Herumirren im Unterreich, seine Schwester und dann sein Bein. Sein Bein. Er schlug die Decke auf und sah es. Es war heil. Nichts als eine Narbe war zurückgeblieben. Allein die Erinnerung an die Schmerzen, die das Heilmittel verursacht hatte waren schrecklich, aber es hatte geholfen. Es war, als ob er nie verletzt gewesen wäre. Sein nächster Gedanke gehörte seiner momentanen Situation. Er schaute sich um. Es war ein karges Zimmer. Ein Bett, ein Nachtkasten und ein Tisch. Und eine Tür die hinausführte, war der einzige Eingang. Bereitgelegte Kleidungsstücke lagen auf dem Nachtkasten und er machte sich daran diese anzuziehen. Sofort stand er auf und ihm wurde auch schon schwindelig. Er fühlte sich schwach und vor allem war er durstig. Er musste lange geschlafen haben. Die Türe war verschlossen. Seine Schwester hatte wohl schon daran gedacht, er könnte versuchen zu verschwinden. Es war klar, sie hatte was mit ihm vor. Und wie er sie kannte, nichts Gutes. Das Schloss der Tür war nicht sonderlich kompliziert, aber ohne Hilfsmittel war es ein Ding der Unmöglichkeit es zu knacken. Er brauchte Draht und einen dünnen Metallstift. Das Bett war aus Metall und hatte feine Verzierungen am Kopfende, die hauptsächlich aus kleinen Eisenbögen bestanden. Sie waren zu massiv, um einfach abgerissen oder abgebogen zu werden. Als nächstes hob er die Matratze hoch und da war was er brauchte: Metallfedern. Aus einer Spirale machte er sich einen dickeren Stift und die andere zog er lang. Fertig war das Diebeswerkzeug. Gerade hatte er den Schlossbügel verhakt, als er Schritte hörte. Leise Schritte, aber sie waren zu hören. Er musste seiner Schwester zuvor kommen und von hier verschwinden, bevor sie dazu kam ihm irgendetwas anzutun. Schnell versteckte er sich hinter der Türe und wartete mit dem Metallstift in der Hand, bereit zuzuschlagen. Ein Schlüssel wurde in das Loch geschoben und umgedreht. Die Türe ging langsam auf und ein Mann mit einem Tablett trat ein. Zsaraffein zögerte; es war Tamiel. Er hatte zu lange gezögert. Tamiel drehte sich um und schaute Zsaraffein an, wie er mit erhobenem Metallstift hinter ihm stand. Der Diener wendete seinen Blick wieder ruhig nach vorn, stellte das Tablett ab und lächelte Zsaraffein an. "Du musst hungrig sein." Zsaraffein wusste nicht wie er reaigeren sollte. Jeder andere Dunkelelf hätte sofort versucht auszuweichen und den Gegenüber anzugreifen. Tamiel hatte weder das eine, noch das andere versucht. Schließlich legte er den Metallstift auf den Nachtkasten, setzte sich an den Tisch und schaute das Essen an. Ob es vergiftet war? Was hatte es für einen Sinn das Essen zu vergiften, man hätte ihn ohne Weiteres im Schlaf töten können und außerdem war der Hunger und der Durst so groß, dass er keinen weiteren Gedanken daran verschwenden wollte, ob er nun zugreifen sollte oder nicht. Er trank zunächst. Klares Wasser war im Becher. Es war erstaunlich wie gut Wasser schmecken konnte, wenn man durstig war. Die Pilze waren auch wunderbar und so schlang er alles in sich hinein, als ob er kurz vor dem Verhungern gewesen sei. Als sein Durst und Hunger einigermaßen gesättigt waren, schaute er zu Tamiel auf. Seine Schönheit war atemberaubend, umso mehr störte der fehlende Nasenflügel. Es war als ob man ein winziges Stück Scheiße in einen Diamanten einsetzt. Tamiel war die ganze Zeit nur still dagestanden und hatte ihm beim Essen zugesehen. "Du warst wirklich hungrig." "Ja." Was hätte er sonst schon antworten sollen. "Deine Schwester möchte dich sprechen." Zsaraffein dachte fieberhaft nach. Was konnte er in der verbliebenen Zeit alles versuchen um zu verschwinden. Wie viel Zeit hatte er überhaupt? "Wann?" "Jetzt." Und da sah er, wie Qu'elestina in sein Zimmer eintrat. Sie hatte sich verändert. Der Blick war arrogant erhoben und die Bewegungen waren die einer Aristokratin. Aber das gehässige Lächeln, war immer noch das selbe. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ So 20. Dez 2009, 19:37 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Sie bevorzugte es zu stehen. Es war auch eindeutig warum, sie sollte diejenige in der höheren, in der bestimmenden Position sein. Ihr unscheinbarer Assistent flankierte sie. Etwas in seinem Blick missfiel Zsaraffein; er konnte nicht genau erkennen was es war, aber er mochte es nicht. "Lloth scheint dir günstig gesonnen. Ich habe mich dazu entschieden, dich bei mir einzustellen." Er verstand nicht. Es passte nicht; seine boshafte Schwester, die nie mehr als Verachtung für ihn übrig hatte, wollte ihn so selbstlos bei sich aufnehmen? Wozu? Sie bemerkte sein Zögern: "Dir gefällt das nicht?" Irgendetwas drohendes lag in ihrer Stimme. "Doch. Es ist mir eine Ehre dir dienen zu dürfen, Jabress." Sie nickte zufrieden. "Xaczil wird dir erklären was deine Aufgaben sind." Mit diesen Worten ging sie aus dem Zimmer. Ihr Assistent blieb zurück. Er war also Xaczil. Er verlor keine Zeit: "Du wirst keine feste Aufgabe haben. Du wirst alle Aufgaben die du hast, direkt von mir bekommen. Aber da du ein absoluter Neuling hier bist, wirst du mir nicht viel nutzen solange du nicht weißt, wie die Dinge in Shil'yr'tar laufen. Deshalb wirst du Tamiel die nächsten Tage begleiten. Er wird dir alles erklären. Und lerne schnell." Der letzte Satz war eine Drohung. "Xas." "Das heißt 'Asanque, Jabbre'." Er machte Zsaraffein schnell seine Stellung klar. Er war nichts anderes als ein Diener, mit einbisschen mehr Rechten als ein Sklave. "Asanque Jabbre." Xaczil verließ den Raum. Nur noch Tamiel war da und lächelte ihn wieder an. Es war merkwürdig, aber er mochte ihn irgendwie. Ein Gefühl, das er sehr, sehr selten hatte. "Es freut mich, dass wir zusammenarbeiten können, Zsaraffein. Verlieren wir keine Zeit und gehen wir in die Stadt. Shil'yr'tar wartet darauf von dir entdeckt zu werden." Er war froh darüber, dass Tamiel die Aufgabe bekommen hatte ihn einzuweisen. Aber ihn ließ ein Gedanke nicht los: Warum war seine Schwester so gut zu ihm? Was wollte sie? |
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| Autor: | Xenturriximiras [ So 27. Dez 2009, 18:43 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Die gesamte Stadt war im Grunde ein großer Marktplatz. Ihr einziger Existenzgrund war der Handel. Für den Handel war sie so wichtig, weil sie eine äußerst gute Lage hatte. Ungefähr 50 km entfernt waren Minen, die von den Duergar betrieben wurden. Verschiedenste Erze wurden dort abgebaut, darunter war auch eine Silbermine. Weiterhin war ihre Nähe zu einem Eingang zur Oberfläche von Vorteil, da Shil'yr'tar Ausgangsbasis für viele Plünderzüge und Sklavenjagden war. Man konnte auch viele Ressourcen der Oberfläche herbeischaffen, wie Holz, Nahrungsmittel und andere im Unterreich rar vorhandene Güter. Das gesellschaftliche Leben spielte sich aber vor allem auf dem großen Markt ab. Dieser war direkt vor dem Anwesen der Governeurin gelegen und hier wurde wirklich alles angeboten. Tamiel erklärte ihm das Handelshaus seiner Schwester handele vorwiegend mit Gütern der Oberfläche. Zsaraffein zählte eins und eins zusammen und nun verstand er, weshalb sie eine so große Wachmannschaft unterhielt. Ihre größten Ausgaben waren die Löhne der Soldaten, die Sklaven und die Beute waren sozusagen umsonst. Auf dem Markt trieben sich alle möglichen Rassen herum. Duergar, Menschen, Halblinge, Gnome, Orks, Goblins, natürlich auch Dunkelelfen und auch verdammte Gedankenschinder. Tamiel hatte Zsaraffeins Blick bemerkt. "Die Illthiden sind unsere besten Kunden. Sie haben eine Enklave nicht unweit von hier. Man wird nicht umhinkommen mit ihnen zu arbeiten, wenn es um Sklaven geht." Er wollte nichts mit diesen Monstern zu tun haben, außer wenn es darum ginge sie abzuschlachten. "Mit was handeln wir noch?" Tamiel setzte ein undeutbares Lächeln auf und antwortete ihm mit seiner schönen Stimme: "Wir haben früher das meiste Geld mit den Erzen gemacht. Magische Gegenstände, die wir aus Menzoberranzan erhielten, haben uns auch sehr viel eingebracht. Das mit den Sklaven war und ist eine sehr schwankende Einnahmequelle. Mal springt viel dabei raus, mal nicht. Die besten Stücke der Beute teilen die Soldaten insgeheim unter sich auf und was über bleibt, das bekommt das Handelshaus." Er hatte einen undurchsichtigen Ausdruck im Gesicht, den Zsaraffein nur als Gleichgültigkeit deuten konnte. "Und, was ist passiert?" Seine Frage war von einem ungeduldigen Unterton begleitet. Es war logisch, dass er auch die Gründe hören wollte warum man nicht mehr mit diesen lukrativen Gütern Handel trieb. "Qu'elestina ist passiert. Das Handelshaus gehörte ihrem Mann." Diese Information schlug wie der Blitz ein. Viele Puzzlestücke setzten sich zusammen. Seine Schwester war früher gänzlich uninteressiert am Geschäft ihres Vaters. Sie interessierte nur gesellschaftiches Ansehen und das Geld. Woher es kam, war ihr immer egal gewesen. Ihre Magierausbildung an der Akademie war nie besonders gut gelaufen. Mutter hatte den größten Teil des Familienvermögens dafür aufgewendet irgendwelche Ausbilder zu bestechen, damit sie seine Schwester nicht wegen Unfähigkeit von der Akademie schmissen. Natürlich hatten sich immer alle darum bemüht das möglichst geheim zu halten, aber in der eigenen Familie ging das schlecht. In diesem Moment musste Zsaraffein an all die Stunden der Näherei, Flickerei, der Arbeit im Textilgeschäft seines Vaters denken, welche er indirekt für seine unfähige Schwester geleistet hatte. Schlecht sah seine Schwester nicht aus und sie hatte diese arrogante Art, mit deren Hilfe man sich wertvoller geben konnte, als man es eigentlich war. So hatte sie sich vermutlich diesen Händler geangelt. Dass sein Tod kein natürlicher war, würde ihn auch nicht verwundern. Dieser Schlange war alles zuzutrauen, wenn es um ihre Gier nach Ansehen und Geld ging. Tamiel fuhr fort. "Nach dem Zaufein gestorben war -er ist von der großen Rampe gefallen- hat sie dem Handelshaus ihren Namen gegeben, Xaczil zum Verwalter befördert und sich seit dem nur noch symbolisch um die Geschäfte gekümmert. Zaufein war ein ausgesprochen guter Händler. Er hatte aus dem bedeutungslosen Krämerladen seines Vaters das mächtigste Handelshaus Shil'yr'tars gemacht und Jabbress Nurl'menyi hat es geschafft seine gesamten Errungenschaften in zwei Jahren zunichte zu machen. Die Duergar änderten sofort ihre Preiskonditionen, wodurch sich der Handel mit den Erzen nicht mehr lohnte und den Magiehandel mit den Sachen aus Menzoberranzan knöpfte uns das Adelshaus Lu'Gerdel ab. Das einzige was blieb, war der Handel mit den Sklaven. Im Grunde leitet Xaczil alles und hauptsächlich leitet er alles in seine eigene Tasche um." Für Zsaraffein bot sich nun ein völlig neues Bild. Seine Schwester war immer noch die alte und hinter der Fassade sah es finster für ihr Handelshaus aus. Sie war im Begriff unterzugehen. War seine Einstellung ein verzweifelter Versuch irgendetwas zu unternehmen? Sah sie überhaupt wie es war? "Und was sagt meine Schwester dazu?" "Nichts. Sie vertraut Xaczil voll und ganz." War sie wirklich so blind? Und warum erzählte ihm Tamil das alles so frei heraus, hatte er keine Angst vor Qu'elestina oder Xaczil? Er musste ihn anschauen. Sein Gesicht war perfekt, absolut schön und seine Augen hatten diesen tiefen Ausdruck. Vielleicht, ja vielleicht vertraute er ihm, vielleicht verband sie mehr. Zsaraffein wusste nicht genau was es war, er war eigentlich nur ziemlich verwirrt, wenn seine Gedanken um Tamiel kreisten. Dieser schöne Dunkelelf zog ihn an, wie ihn bisher noch niemand angezogen hatte. Er musste wieder klar denken. Seine Position überdenken. Was wollte er? Eigentlich wollte er nach Menzoberranzan, aber ob er das noch wollte, wusste er nicht mehr so genau. Vorerst würde er hier bleiben, etwas Geld verdienen und alles weitere würde sich ergeben. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Mi 6. Jan 2010, 21:44 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Der nächste Anlaufpunkt war die Handelsschenke. Es war das größte Gasthaus der Stadt und lag direkt am großen Markt. Hier konnte man alles mieten; Zimmer, Diener, Sklaven, Söldner, weibliche und männliche Huren, Meuchler, Magier, so ziemlich alles was das Herz begehrte, man brauchte nur eines, Geld. Etwas das Zsaraffein nicht hatte. Tamiel erklärte ihm, dass jede Intrige der Stadt früher oder später etwas mit der Handelsschenke zu tun hatte. Und das war auch nachvollziehbar. Es trieben sich nämlich Vertreter aller Gesellschaftsschichten in diesem Etablisment um. Im Erdgeschoss war sozusagen der Hauptbereich. Neben einer großen Rezeption, gab es zwei Bars. Die kleine Bar war im sogennanten 'schlafenden Schwanz', das war der Bereich, in dem man sich zurückzog wenn man ungestört reden wollte. Die Tische hatten einen großen Abstand zueinander und es gab Nischen und Separes, in denen man sich ungesehen treffen konnte. Tamiel sagte, es gäbe auch einen Nebeneingang, der direkt in diesen Teil führt, damit man nicht erst alle Blicke beim Eintritt auf sich lenkte, wenn man sich ungesehen treffen wollte. Im 'beißenden Kopf' spielte das laute Leben. Dort war die große Bar, aber nicht die dominierte das Treiben, sondern eine Grube inmitten des Raumes. Diese war momentan nicht in Betrieb, aber wenn sie es war, so Tamiel, dann fanden dort verschiedenste Kämpfe statt. Man verwettete hohe Summen in der Grube, hier ließ sich schnell Geld machen, aber auch schnell Geld verlieren. Wenn man nicht in der Lage war seine Schuld zu bezahlen, so wurde man kurzerhand selbst in die Grube geworfen und das meistens ohne jegliche Waffe. Sowas kam angeblich öfter vor. Die Grube war aber nicht die einzgie Möglichkeit sein Geld zu verschleudern. Es gab mehrere Spieltische, die auch jetzt in Betrieb waren. Die meisten Spiele waren Würfelspiele, man spielte aber auch verschiedene Kartenspiele. Wenn man danach immer noch Geld hatte, warteten schon die Kurtisanen. Alles war dabei, jede Rasse. Nur Dunkelelfen waren keine zu sehen. Tamiel bedeutete ihm an die Decke. Wenn man dunkelfische Prostituierte wollte, musste man das mit Rigid besprechen, dem Sohn des Wirts, und der führte sie einem oben vor. Wenn man immer noch Klimper im Beutel hatte, so gab es noch genügend Langfinger, die einen davon erlösten. Aber Rigid hatte seine eigenen Leute, die dafür sorgten die Diebe aufzuspüren und aus dem Laden zu schmeißen. Es kursierte aber das Gerücht, dass er einigen Dieben erlaubte sich zu bedienen solange sie ihm seinen Anteil ablieferten. Zsaraffein konnte nun verstehen, weshalb jede Intrige einmal hier vorbei musste. Der große Markt war das Zentrum der Stadt und die Handelsschenke war das Zentrum des Marktes. Die Handelsschenke war also das Zentrum des Zentrums. Er sah sich um und musste Tamiel zustimmen. Hier spielte sich das Leben ab. An einem Tisch im schlafenden Schwanz besprachen gerade zwei Duergar mit einem Dunkelelfen etwas Geschäftliches, an einer Säule neben den Gruben stand ein zwielichtig aussehender Dunkelelf, der gerade zwei Kunden davon überzeugen wollte welche Droge die beste sei, um sich zu entspannen. Hinter den beiden schlich sich ein noch zwielichtiger aussehender Halbling herum, welcher offenkundig deren Börsen anvisierte. An der Wand interessierte sich ein Dunkelelf für zwei menschliche Prostituierte, welche sich durch verführerische Gesten und schmeichelhafte Worten versuchten einander zu übertrumpfen, um den Freier für sich zu gewinnen. "Ah, Tamiel..." Die Stimme klang von einem Dunkelelfen wider, der gerade durch eine Tür hinter der Bar, an der sie saßen, eingetreten war. Aber irgendetwas stimmte mit diesem Dunkelelfen nicht. Er sah zwar wie einer aus, aber wiederum nicht. Seine Größe übertraf die der meisten Dunkelelfen, selbst die der Frauen. Und seine Haut hatte einen sehr hellen Ton, die Haare hingegen waren sehr wuschig und hatten einen matten Schein, wie die eines alten Dunkelelfen. Selbst seine Gesichtszüge waren härter und unterschieden markant von den weichen, ebenmäßigen Zügen seines Volkes. Dann fiel es Zsaraffein wie Schuppen von den Augen. Er war ein Halbdrow, ein Mischling! "Grüße dich Rigid mein alter Freund." antwortete sein Begleiter mit diesem einnehmenden Lächeln, das Zsaraffein so verwirrte. Rigid stützte sich hinter dem Tresen ab und schaute Zsaraffein unverholen an. "Wer ist denn dein Freund?" sprach er ohne die Augen von ihm zu nehmen. Er hatte einen so festen Blick, dass Zsaraffein letztlich wegschauen musste. Das war eine Demütigung! Ein Bastard konnte doch nicht so selbstsicher sein und ihn, einen vollblütigen des Auserwählten Volkes allein durch einen hochmütigen Blick in Verlegenheit bringen! "Das ist Zsaraffein. Der Bruder Qu'elestinas und arbeitet jetzt für sie. Ich führe ihn sozusagen in Shil'yr'tars Gesellschaft ein." Zsaraffein kam nicht umhin, Tamiel mit einem wütenden Blick zu strafen. Weshalb verriet er so gedankenlos, dass Qu'elestina seine Schwester war? Diese Information konnte ihn vielleicht sogar in Gefahr bringen, wer weiß wen sich seine Schwester bereits alles zum Feind gemacht hat. Tamiel deutete seinen Blick sofort richtig und antwortete: "Rigid hätte es sowieso erfahren. Wenn er es nicht bereits wusste." Mit einem überlegenen Lächeln bestätigte der Halbdrow Tamiels Aussage und sprach: "Eine der Torwachen hatte es mir schon eine Stunde nach deinem Auftauchen in Shil'yr'tar erzählt. Mittlerweile weiß es die ganze Stadt. Nicht dass du eine wichtige Person wärst, aber deine Schwester ist eine und zu wissen wer ihr Bruder ist, mag für viele Leute wichtig sein." Sein letzter Satz klang mehrdeutig, als ob er nicht nur auf seine Identität abzielte, sondern viel mehr auf seinen Charakter und wie er zu seiner Schwester steht. Ja, das war die dunkelfische Gesellschaft. Sofort wurde man ausgelotet, wie man zu einem potentiellen Verrat stünde, bevor man schließlich selbst verraten wurde. Zsaraffein gab keine Antwort darauf. Rigid und Tamiel wendeten sich wieder einander zu und der schöne Dunkelelf ließ seinem Gegenüber einen ledernen Beutel zuwandern. Es war unschwer zu erraten, dass sich Geld darin befand. Ohne dem Beutel große Aufmerksamkeit zu schenken, ließ ihn der der Wirt unter der Theke verschwinden. "Weißt du schon das Neueste?" hob er im Plauderton an. "Nein, ich bin aber sehr gespannt." erwiderte Tamiel theatralisch. "Die neue Governeurin wird in einem Zehntag ihren Palast beziehen. Es soll angeblich die 2.älteste Tochter aus dem Hause der Faers'zarr sein." "Faers'zarr? Ich habe noch nie etwas von diesem Adelshaus gehört. Wie kommt ein so unwichtiges Haus an einen so wichtigen Posten?" fragte Tamiel. "Es heißt, die Frau sei eine der fähigsten Klerikerinnen Lloths, wie seit einem Jahrhundert nicht mehr. Die Leute sprechen davon, dass die Spinnengöttin sie als ihren neuen Champion auserkoren hat, aber das halte ich nur für ein aufgebauschtes Gerücht. Es steht aber außer Frage, dass die Hohepriesterin Angst hat, Elvira Faers'zaar könne ihr den Platz streitig machen und so 'strafte' sie die werte Dame, indem sie sie ins Exil schickte. In Shil'yr'tar ist sie keine Gefahr mehr für sie und in der Zwischenzeit werden vermutlich alle Vorkehrungen getroffen, um das Haus Faers'zarr auszulöschen, bevor unsere Governeurin in Spe nach Menzoberranzan zurückkehrt. Aber das ist meine eigene Spekulation und für uns Niederes Gesinde nicht von Belang." Rigid zog ein breites Lächeln, während dem Tamiel sich nachdenklichen Blickes sein Kinn kratzte. Zsaraffein verstand die politische Brisanz der Informationen, die sie gerade erlangt hatten, aber nicht den Bezug zu ihrem Alltag, zu den Geschäften des Handelshauses. Erst später, nachdem sie die Handelsschenke wieder verlassen hatten und durch die geschäftigen Straßen der Handelsstadt gingen, stellte er seine Frage: "Was hat die Governeurin eigentlich zu sagen, was unseren Handel betrifft?" Tamiel schaute ihn überrascht an und zog seine Mundwinkel keck lächelnd nach oben. "Die Governeurin hat im Grunde absolute Macht über jede Seele in Shil'yr'tar. Dieses kleine Handelsstädtchen ist eigentlich Privatbesitz der Kirche Lloths in Menzoberranzan. Jedes Gebäude, das hier gebaut wird, ist genau genommen auch Eigentum der Kirche und die Besitzer bloße Pächter. Allein der bewegliche Besitz gehört einem wirklich. Also zahlt man für jeden Quadratmeter Wohnfläche Steuer an die Kirche. Diese Steuer wird von den Zöllnern der Governeuerin eingetrieben. Die Zöllner treiben auch die Gebühren für die Marktstände ein, die nicht gerade niedrig sind, weshalb viele auch direkt am Haus ihren Verkauf betreiben und..." Zsaraffein unterbrach seinen Begleiter: "Die Governeurin ist demnach auch Richter über alles?" Tamiel nickte langgezogen und wog den Kopf dabei hin und her, als ob es keine klare Antwort darauf gäbe. "Ja und nein. Theoretisch hat sie alle richterlichen Rechte und muss sich nur gegenüber der Hohepriesterin verantworten, aber praktisch sieht das ganz anders aus. Es gibt den Handelsrat, in welchem auch unsere Herrin, deine Schwester, einen Platz hat. In diesem Rat sind die fünf einflussreichsten Handelshäuser und dieser Rat ist im Grunde das perfekte Werkzeug der Governeurin. Er übernimmt stellvertretend alle richterilchen Entscheidungen, ausgenommen Hochverräter und Ketzer, darum 'muss' sich die Governeurin persönlich kümmern. Bei den meisten Fällen geht es entweder um Diebstahl oder ein Vergehen gegen die Handelsgesetze. Und hier wären wir bei der nächsten Aufgabe des Rates." Bevor er weitererzählen konnte, schob Zsaraffein die nächste Frage ein: "Sie regulieren den Handel?" "Ja, sie legen Mindest- und Höchstpreise fest, entscheiden darüber mit wem der Handel erlaubt ist, mit wem nicht und so weiter. Im Grunde regiert der Rat die Stadt. Die Governeurin, also zumindest die alte, war zufrieden wenn sie regelmäßig ihr Geld bekam, der Rest interessierte sie nicht." erklärte er. "Und wie kommt man in den Rat rein oder raus?" Tamiel blinzelte und zog sein charmantes Lächeln. Ein Zeichen dafür, dass die folgenden Ausführungen sehr interessant sein mussten. "Jedes Jahr, wird am Goldwagentag neu entschieden wer in den Rat kommt und wer nicht. Ungefähr eine Woche vor diesem Stichtag, beginnen alle Handelshäuser Geld in den Palast der Governeurin zu schaffen und die ersten fünf, die bis zum Stichtag das meiste herbeigeschaft haben, bekommen einen Platz im Rat. Derjenige der am meisten ranschaffen kann, bekommt sogar das Edelsteinmonopol. Unweit der Stadt gibt es eine Edelsteinmine, die ehemals von Svirfneblin betrieben wurde. Die Kirche Lloths löschte die Siedlung der Tiefengnome aus und richtete dort ein Lager ein. Den Abbau und Vertrieb der Edelsteine überlässt man aber dem Vorsitzenden des Rates, also demjenigen der am Stichtag das meiste Geld in die Schatzkammern des Palasts bringt. Bis auf einen festgesetzten Tribut an Edelsteinen, kann so viel abgebaut werden wie man schafft. Aber das ist nicht alles, den Posten des Vorsitzenden macht auch noch der Umstand attraktiv, dass der Vorsitzende ein Vetorecht hat, welches er drei mal pro Jahr bei allen Abstimmungen im Rat einsetzen kann. Der Clou an der Sache ist aber, dass nie jemand, außer der Governeurin allein, weiß, wie viel die einzelnen Häuser bereit waren zu 'spenden'. Das heißt, man kann eine riesen Summe auf gut Glück investieren und am Ende hat man nicht einmal einen Platz im Rat." Zsaraffein hob verstehend die Brauen. Ein wirklich interessantes System. Es war typisch für die Priesterinnen ein so chaotisches, aber doch effizientes System zu betreiben, um sich einen steten Nachschub aus Reichtümern zu wahren und die eigentliche Arbeit anderen zu überlassen. Ohne jemanden überwachen zu müssen, bekam man das, was man wollte. Es war genial. Er hörte von anderen Städten in denen je nach Umsatz des Handelshauses Steuern bezahlt wurden, aber das war ein heilloses Durcheinander der Steuerpolitik. Wer konnte jemals genau nachprüfen, wie viel ein Handelshaus eingenommen hat oder nicht? Andere Städte rechneten ihre Steuern ab, indem sie alle Waren die in die Stadt rein, oder rauskamen mit einer spezifischen Steuer belegten. Das führte zur Korruption der Zöllner und langen Staus vor den Stadttoren. Das System in Shil'yr'tar hingegen war nicht nur eine profitable, sondern auch eine unkomplizierte Lösung. Zumindest für die Kirche und der Governeurin, die sie vertrat. Aber irgend eine Lücke musste es haben, irgendwo musste der Fehler liegen, den man gewinnbringend ausnutzen konnte. Er musste sich genauer erkundigen und dafür brauchte er Zeit und Kontakte. "Wann ist der nächste Goldwagentag?" Tamiel blieb stehen und schaute ihn an. "In einem Monat." |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Sa 6. Mär 2010, 20:00 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Shil'yr'tar war ein offener Handelsposten. Das hieß nicht nur, dass man hier alle möglichen Waren kaufen und verkaufen konnte, sondern, dass man auch mit allen möglichen Rassen zu tun hatte. Darunter waren auch viele Oberflächenbewohner, die vor allem Holz und Nahrungsmittel importierten. Um einen geregelten Handel zu gewährleisten, hatte man am in die Mitte des Marktplatzes einen aufrechten Steinbogen aufgebaut. Ein durch Magie erschaffener, blauer Feuerstrahl bewegte sich wie ein langsames Pendel und zeigte dabei immer auf die darüber stehenden Symbole der Säule. Die Symbole waren in verschiedenen Alphabeten und Zahlensystemen, so dass ein jeder Besucher, auch in der eigenen Sprache oder einer ihm bekannten, stets sehen konnte wie spät es war. An der Oberfläche hatte man das Problem nicht; das verfluchte Sonnenlicht ließ einen immer wissen ob es Morgen, Mittag, Abend oder Nacht war. Hier gab es, Lolth sei Dank, kein Augen verbrennendes Ssussun. Um aber dennoch eine zeitliche Orientierung zu haben, welche für das geschäftige Treiben äußerst wichtig war, hatte man 'Blaustein'. So nannten die Einwohner Shil'yr'tars ihre Uhr. Manche der Oberflächenbewohner verwirrte Blaustein trotzdem, weil es nicht nach einem 24-Stunden-Sonnensystem funktionierte, sondern nach einem 12-Stundensystem. Das bedeutete, dass ein Tag hier nur 12 Stunden umriss. Tamiel erzählte, es käme oft vor, dass ein Oberflächenhändler mit einem Dunkelelf eine Lieferung für den nächsten Tag um 11 Uhr ausmacht. Was für den Menschen der nächste Tag ist, ist beim Dunkelelfen Übermorgen. Diese Missverständnisse haben schon oft zu vor den Handelsrat geführt, wo grundsätzlich immer für die Dunkelelfen entschieden wurde. Wenn es mal nicht vor den Handelsrat führte, wurde es meistens blutig und dann behielt der Stärkere die Waren, mit etwas Glück kam man dabei sogar billiger heraus, als beim ursprünglich ausgemachten Geschäft. Nachdem Tamiel ihm die wichtigsten Orte am Marktplatz gezeigt hatte, wie die Handelsschenke und den Ratspalast, ein kuppelartiges Gebäude, das nicht viel größer als die Handelsschenke war, begaben sie sich zurück zum Anwesen. Qu'elestina stand mit Xaczil draußen, nahe dem Eingang zum Innenhof, durch welchen gerade eine Bande Goblins mit Tritten und Stößen hineingetrieben wurden. Xaczil befand sich in einem Streitgespräch mit Bel'el'laf, welcher gelangweilt Xaczil zuhörte. Qu'elestina hingegen wirkte selbstsicher und unbeeindruckt. Zsaraffein wusste sofort, dass sie das ganz und gar nicht war. Das war ein typischer Zug von ihr, erinnerte er sich, wenn sie nicht wusste was sie sagen sollte. Sie hätte sich lieber einen Finger abgeschnitten als sich Unwissen einzugestehen, ganz besonders vor anderen. Andererseits war das natürlich gar nicht so verkehrt. Wer Schwäche in der Gesellschaft der Dunkelelfen offen zeigte, der brauchte sich nicht wundern, wenn ihm genau diese Schwäche zum Verhängnis wurde. "... diese Goln sind halb verhungert! Für die bekommen wir nicht einmal dreiviertel des Standartpreises!" reklamierte Xaczil gestikulierend. "Du wolltest Goln; hier hast du Goln. Es sind sogar mehr als verlangt." erwiderte Bel'el'laf mit seiner hellen Stimme. "Aber die Qualität ist nicht die verlangte!" Je aufgebrachter Xaczil wurde, desto gelangweilter wurde Bel'el'laf, was darin mündete, dass er sich ohne ein weiteres Wort abwandte und in den Hof ging. Xaczils Versuche ihn durch Rufen und Fluchen zuruckzuhalten, halfen nichts. Xaczil, missgelaunt durch den Streit, fuhr die beiden Neuankömmlinge ungeduldig an: "Und was wollt ihr?" Zsaraffein verspürte das Bedürfnis ihm einen Dolch ins Gesicht zu rammen, aber ein Blick zu seinem Gurt offenbarte ihm, dass er jeglicher Waffen entbehrte. Das hatte etwas Entwürdigendes. Die Waffe war nicht nur zum eigenen Schutz da, sondern diente auch als Statussymbol. Ein Statussymbol, das er nicht hatte, und was ihn als einfachen Diener markierte, vielleicht noch niedriger. Tamiel blieb ruhig und antwortete ihm: "Ich habe Zsaraffein alles Wichtige gezeigt." Subtil gab er dem Verwalter zu verstehen, dass Zsaraffein bereit war für die eigentliche Arbeit. Mit ausgestreckter Hand deutete Xaczil auf die angekettete Goblinbande im Innenhof. "Bringt die Goln auf den Markt und verkauft sie mir heute noch! Mindestens den Standartpreis solltet ihr mir einfahren." Dabei sah er direkt in Zsaraffeins Augen. Dieser Bastard wusste ganz genau, dass Sklaven in dieser schlechten Verfassung kaum gekauft würden, noch dazu bei den gängigen Preisen. Was er auch selbst im Streit mit Bel'el'laf erwähnte hatte. Zsaraffein warf seiner Schwester einen hilfesuchenden Blick zu. Diese zuckte nur mit der Schulter und wandte sich ab. "Und wer ist bereit eine Bande halbverhungerter Goln zu einem Preis zu kaufen, den sie nicht wert sind?" fragte er den Verwalter mit unterdrückter Wut. Xaczil hatte immer einen Stecken in der Hand, der ihn als Magier markierte. Eben mit diesem holte er aus und verpasste Zsaraffein einen Schlag ins Gesicht. Der Dunkelelf war völlig überrascht worden und spürte nur noch den harten Aufprall des Holzes auf seiner Wange. "Pass auf wie du mit mir redest! Du bist zwar Qu'elestinas Bruder aber das ändert nichts daran, dass du ein Wanre bist. Ich bin dein Herr. Wenn du dich nocheinmal im Ton vergreifst, reiß ich dir deine Zunge heraus." sprach der Verwalter scharf. Zsaraffein wäre ihm am liebsten an die Gurgel gesprungen, bei dieser öffentichen Demütigung. Alle hatten es mitbekommen. Die Wachen, Tamiel, selbst die lumpigen Sklaven, die sich insgeheim bestimmt freuten, wenn ihre Peiniger das selbe Schicksal erlitten wie sie. Doch hätte er ihn angegriffen, dann wären sofort die Wachen zur Stelle gewesen. Zudem war Xaczil ein Magier und vermutlich kein Anfänger mehr; einen Magier durfte man nie unterschätzen. Also tat der junge Dunkelelf das, was er bisher immer in so einer Situation getan hatte, er verneigte sich demütig und schluckte seinen Hass herunter. "Natürlich Jabbre." |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Sa 13. Mär 2010, 19:00 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
"Er hat das getan, weil er dir klarmachen wollte wo er steht und wo du stehst. Es wäre egal gewesen was du gesagt hättest, er hätte dich dennoch gedemütigt." Er musste es sich eingestehen, Tamiels Stimme besänftigte ihn. Der Zorn war noch da, aber er hatte sich gewandelt. "... und er wollte den anderen auch klarmachen wo ich stehe." Erwiderte Zsaraffein mit einem Blick nach hinten zu den Soldaten, welche die Goblin mit Tritten und Schlägen antrieben. Die Gold waren völlig erschöpft, was man nicht nur am schleifenden Gang erkannte sondern auch daran, dass ihr Kreischen, wenn sie ausgepeitscht oder geschlagen wurden, nicht mehr so kräftig war. Einer hing bereits schlaff in den Ketten und wurde nur noch von den anderen mitgezogen. Zsaraffein ließ sich nach hinten abfallen und verlangte von einem Soldaten den Schlüssel. Mit Überraschung erkannte er diesen als Ly'riel; einer der Soldaten, der ihn vor Shil'yr'tar gefunden hatte. Dennoch war Ly'riel abweisend und fragte schroff: "Warum?" Natürlich hätte er ihn anfahren und darauf hinweisen können, dass er den Auftrag hatte die Goblin zu verkaufen und die Soldaten ihm bei diesem Auftrag unterstellt waren, aber Ly'riel wirkte nicht wie einer, den so eine Rede beeindruckt hätte. "Der Goblin ist tot. Er bringt nichts mehr ein und sein Gewicht erschöpft die anderen unnötig, was vielleicht dazu führt, dass noch einer zusammenbricht und je weniger lebende, gesunde Goln am Markt ankommen, desto weniger nehmen wir ein." Zsaraffein verzichtete auf eine Drohung wie 'und dann muss ich meiner Schwester erklären, wer daran Schuld war, dass weniger eingenommen wurde'. Beide sahen sich lange an; Zsaraffein bemerkte wie die anderen Soldaten ihr kleines Duell verfolgten. Wenn Ly'riel jetzt nicht nachgeben würde, dann verlöre der junge Dunkelelf vollends das Gesicht vor den Soldaten. Schließlich gab der Soldat nach und zog den Schlüssel mit einem widerwilligen Laut aus der Tasche. Zsaraffein schloss die Ketten des Goblins auf und ließ das haarige, stinkende Etwas einfach auf die Straße fallen. Die nachfolgenden Goblin trampelten einfach über den Leichnahm ihres Genossen drüber. Kein Laut ertönte, er war wirklich tot. Blaustein zeigte 11 Uhr an, eine Stunde vor Tageswechsel. Der große Markt war brechend voll. Tamiel erklärte das läge an der Uhrzeit, weil viele Geschäfte bis zu einem bestimmten Tag abgeschlossen werden müssten. Manche ließen sich Zeit bis kurz vor knapp, andere konnten nicht früher die bestellten Waren heranschaffen. Was Zsaraffein bei der ersten Marktrunde noch nicht aufgefallen war, waren die Zöllner. Sie fungierten hier als Marktaufseher, koordinierten die Platzvergabe und trieben die Platzsteuer ein. Man erkannte sie an den roten Umhängen mit dem Spinnensymbol der Llothkirche. Jeder dieser Zöllner hatte mindestens zwei Soldaten zur Seite. Wenn man genau darauf achtete, bemerkte man, dass mindestens einer schwer gerüstet und bewaffnet war, entweder mit einem Doppelklingenschwert oder einem großen Streitkolben mit Schild. Der andere wies immer eine Armbrust auf und eine leichte Nahkampfwaffen wie Dolche und Kurzschwerter. Das war eine kluge Aufteilung, weil sie flexibel war. Der schwerbewaffnete Soldat sollte im Ernstfall den Nahkampf übernehmen, während der leichtbewaffnete mit Schlafbolzen angriff oder mit Gift von den Flanken her. Der Zöllner selbst verfügte bestimmt über magische Schriftrollen und Stäbe. Natürlich waren alle Zöllner und Soldaten der Kirche ausnahmslos Dunkelelfen. Nur die Handler, auch wenn sie selbst Dunkelelfen waren, hatten gemischtrassige Wächter. Was bei Qu'elestinas Leuten aber merkwürdiger Weise nicht der Fall war, die Sklaven ausgenommen. Tamiel handelte mit einem der Zöllner den Platzpreis aus. Das Gefeilsche war ein hin und her. Der Zöllner wollte einviertel mehr als üblich und begründete es damit, dass der Marktplatz überfüllt war. Tamiel regte sich auf, weil die Platzpreise festgelegte Festpreise der Kirche waren. Die Aufschläge flößen lediglich in die Taschen der Zöllner. Weder der schöne Dunkelelf noch sein Gegenüber wollten nachgeben; Zsaraffein schritt schließlich ein. "Wir zahlen den geforderten Preis." Tamiel wollte protestieren, doch Zsaraffein griff ihm bedeutend an den Unterarm und vollführte einige schnelle Gesten in der Zeichensprache: 'Keine - Zeit'. Der Zöllner führte ihren ganzen Zug zwischen die verschiedenen Sklavenstände. Für Zsaraffein war der Anblick der Sklaven nichts Fremdes. In Menzoberranzan wurden sogar Dämonen und Teufel gehandelt, was sich natürlich nur die Oberschicht leisten konnte. Hier waren die Sklaven weniger exotisch. Menschen, Orks, Kobolde, Goblins, Gnome und sogar der ein oder andere Zwerg wurde gehandelt. Das waren so ziemlich die Standartsklavenrassen. Ihr Platz war neben einer Bande menschlicher Sklavenhändler, die ironischer Weise Menschen, ihre eigene Rasse, zum Verkauf anboten. Darunter waren auch Kinder. Eines schmiegte sich ängstlich an seine Mutter, die ihr verzweifeltes Gesicht gegen die Holzstäbe presste. Sie waren alle von oben bis unten verdreckt und in ihren Käfigen lagen ihre eigenen Exkremente herum. Angewidert wandte Zsaraffein seinen Blick ab. "Das sind Zentarim. Schon mal davon gehört?" sprach Tamiel mit einem Kopfnicken in die Richtung der Sklavenhändler. "Nein, sagt mir nichts." "Dafür, dass sie Oberflächenbewohner sind, sind sie sehr gute Sklavenjäger. Sie brinen die meisten menschlichen Sklaven nach Shil'yr'tar." Zsaraffein musterte die Männer. Sie waren alle schwer bewaffnet und gut ausgerüstet. Ihre Gesichter wirkten grimmig und abgehärtet, nicht wie die verweilichten, ängstlichen Gesichtszüge ihrer Sklaven. Auf ihren Umhängen war ein merkwürdiges Symbol zu sehen, ein schwarzer Drache, der eine goldene Scheibe hielt. Zsaraffein deutete darauf. "Was bedeutet das?" Tamil zuckte mit den Schultern und antwortete: "Es ist ihr Symbol. Das weiß ich, aber was es bedeutet, kann ich dir nicht sagen." Einer der Sklavenjäger bemerkte Zsaraffeins Blicke und schaute provozierend zurück. "Erbärmliches Volk. Sie verkaufen ihre eigene Rasse." Der Mann konnte zwar nicht hören was der Dunkelelf gesagt hatte, doch schien es als ob er es dennoch wisse. "Wir sollten uns auf den Verkauf der Goln konzentrieren." appelierte Tamiel leise in sein Ohr. Er nickte und wandte seinen Blick von dem Menschen ab. Viele kamen an ihrem Stand vorbei und ein jeder erkundigte sich nach den Goblins, doch sobald man den Standartpreis verlangte, 40 Goldmünzen pro Goblin, verschwand jeder desinteressiert, nur einmal tauchten zwei Duergar die auch die 40 Münzen pro Kopf gezahlt hätten, doch sie verlangten als Zugabe mindestens zwei Zwerge, welche die Dunkelelfen aber nicht im Angebot hatten. Die Duergar verschwanden wieder ohne auch nur einen Goblin zu kaufen. "Das wird so nichts." sprach Zsaraffein. "Wir müssen den Preis senken." Tamiel nickte nur zustimmend. Das ärgerte den jungen Dunkelelf ungemein, da genau das das Ziel Xaczils war. Er wusste ganz genau, dass der abgemagerte Haufen Goblin nicht das einbringen konnte was er verlangte, es war schlichtweg pure Absicht Zsaraffen als unfähig vor seiner Schwester darzustellen. Drei Ilthiden tauchten auf. Als Zsaraffein die oktopusköpfigen Monster erblickte, gefror ihm das Blut in den Adern. Er hasste und fürchtete sie zugleich. Eine Stimme erklang in seinem Kopf: 'Wie viel?' Er bekam ein flaues Gefühl im Magen, doch er erinnerte sich daran, dass Ilthiden nicht sprechen konnten, sondern sich durch telepathie mitteilten. "40 Münzen pro Kopf." Tamiel zog die Brauen zusammen als er das vernahm. Seine Finger bildeten komplexe Zeichen: 'Preis - nicht - senken - wollen - ?' Zsaraffein ignorierte den Einwand und wiederholte den Preis, als die Ilthiden immer noch nicht darauf reagiert hatten: "40 Münzen pro Kopf, nicht weniger." Wieder hallte die Stimme in seinem Kopf. Sie konnte weder als weiblich, noch als männlich identifiziert werden, man konnte sie gar nicht wirklich einordnen, sie war da, aber irgendwie auch nicht. 'Das ist zu viel. Die Goblins sind in sehr schlechter Verfassung. 30 Münzen.' 30 Münzen war bisher das beste Angebot, das er bekommen hatte. Aber er wollte nicht mit Ilthiden handeln, er hasste sie. "40 Münzen." wiederholte er stoisch. Die Tentakel der Gedankenschinder begannen sich nervös zu kräuseln und zu bewegen, es sah aus, als ob sie sich berieten. Aber einer der drei schien Zsaraffein anzustarren, was ihn überaus nervös machte. 'Du hast Angst vor uns.' Die Stimme erklang diesmal witternd in seinen Gedanken. "Verschwindet! Ich will kein Geschäft mehr mit euch machen!" presste Zsaraffein aufgebracht hervor. Die Gedankenschinder ließen sich davon aber nicht einschüchtern, derjenige, der ihn so angestarrt hatte, näherte sich ihm sogar noch. 'Du wirst uns die Goblin für 10 Münzen pro Kopf verkaufen.' befahl ihm die Stimme. Aber die Stimme änderte sich nun, es war so als ob sie noch tiefer in ihn eindringen wollte. Fauchend presste der Dunkelelf die Augen zusammen und griff sich an den Kopf. Es fühlte sich an wie eine Peitsche die seine Gedanken in eine bestimmte Richtung treiben wollte, dagegen anzukämpfen schmerzte fürchterlich. Als er das Gefühl hatte, dem Zwang nicht mehr widerstehen zu können, erlöste ihn plötzlich ein scharfes Surren. Das war das bekannte Geräusch einer Armbrust. Der Schmerz verschwand urplötzlich und die Welt wurde auch sofort wieder klarer. Ly'riel hatte dem Gedankenschinder einen Bolzen vor die Füße geschossen und die anderen Soldaten hatten auch ihre Armbrüste gehoben. Das hatte die Gedankenschinder wohl eingeschüchtert, denn sie zogen sich sofort zurück. Dann erschallte die Stimme wie ein Ruf aus der Ferne 'Wir werden uns wiedersehen'. Ein Schütteln ging durch seinen Körper; instinktiv wollte er nach seiner Armbrust greifen um dem verdammten Ilthiden einen Bolzen nachzujagen, doch seine Hand fasste ins Leere. Für diesen Moment hatte er wieder vergessen, dass er keine Waffen mehr hatte. "Warum hast du ihnen die Goln nicht für die 30 Münzen verkauft?" erklang Tamiels Stimmte vorwurfsvoll von der Seite. Sie hatten also auch mit ihm 'gesprochen'. Das ursprüngliche Angebot war natürlich sehr gut gewesen und objektiv gesehen wusste Zsaraffein selbst nicht, warum er es nicht einfach angenommen hatte, doch er wollte, er konnte nicht mit diesen verdammten Monstern handeln. Er hasste sie einfach zu sehr. Und weshalb man sie überhaupt in die Stadt ließ, war ihm unergründlich. Diese Missgeburten verspeisten Hirne, diese Vorstellung machte ihm eine Heidenangst. "Wir werden kein besseres Angebot mehr bekommen, dessen kannst du dir sicher sein." Das war das erste mal, dass er Tamiel verärgert sah. Es gefiel Zsaraffein nicht, wenn er ihn so vorwurfsvoll ansah, was ihn wiederum wütend machte. "Das ist mein Auftrag und ich werde ihn so durchführen wie ich es will, nicht wie du es willst!" harrschte er ihn an. Tamiel kräuselte beleidigt seinen Mund und ging zu den Soldaten hinter. Die nächste halbe Stunde gab es nicht einmal ein halbherziges Angebot für die Goblins. Die menschlichen Sklavenjäger hingegen verkauften einen Sklaven nach dem anderen, einmal hätte Zsaraffein am liebsten einem der Kinder einen Bolzen in den Kopf geschossen, als es zu kreischen begann bei der Trennung von seiner Mutter, die an einen anderen Herrn verkauft wurde als ihr Kind. Solche Szenen waren ihm verhasst. Es waren Szenen absoluter Schwäche; Szenen in denen sich die Minderwertigkeit der menschlichen Rasse in seinen Augen bestätigte. Ein dunkelelfisches Kind hätte niemals geweint, genau so wenig hätte eine dunkelelfische Mutter verzweifelt versucht nach ihrem Kind zu greifen, was sowieso absolute Dummheit beweist, da sie sich dadurch nur noch weitere Schläge einfinge, ohne wenigstens den Hauch einer Chance zu haben, das Kind zu befreien. Wäre sie klug, hätte sie versucht eine der Wachen zu entwaffnen und hätte sich den Weg durchgekämpft ohne noch auf ein Kind zurückzublicken, das einen sowieso nur aufhielte. Aber wieso dachte er überhaupt über diese minderwertigen Kreaturen so viel nach? Verärgert über seine eigenen Gedanken trat er einen der Goblins. Er kreischte nicht, er reagierte nicht einmal mit einem Zucken. Das war merkwürdig. Als er ihn genauer untersuchte, bemerkte er, dass der Goblin tot war. Als ob das nicht schon genug wäre, kam auch noch Tamiel auf ihn zu und meldete zwei weitere tote Goblins. "Was ist mit diesen verdammten Goln nur los?" entfuhr es Zsaraffein. Es war ja schon bekannt, dass sie in schlechtem Zustand waren, aber sie starben viel zu schnell, als dass es allein an Erschöpfung und Hunger liegen konnte. Zsaraffein ging die Reihen der Goblins durch und musterte sie eingehend. Sie stanken. Aber das war nicht merkwürdig, merkwürdig war die Art des Gestanks. Es roch nicht nach Kot, Schweiß, Urin und Dreck, sondern nach etwas anderem. Eine dunkle Vorahnung beschlich ihn, als er sich an diesen Geruch erinnerte. Er presste den Kopf eines Goblins zurück und zog seine Zunge heraus. Sie hatte wie befürchtet grüne Flecken. "Sie haben die Grünflecken." merkte Zsaraffein bitter an. Die Soldaten um ihn herum blickten unwissend drein. "Das ist eine Krankheit, die nur Goln befällt. Ich weiß nicht woran das liegt, aber ich habe schon einmal erlebt wie die Grünfleckenpest den kompletten Golnbestand einer Karawane auslöschte. Und das innerhalb von drei Tagen. Und wie die aussehen, ist es ihr dritter Tag." Die Soldaten horchten ihm interessiert zu, aber es war ihnen offensichtlich gleichgültig. Ihnen konnte es egal sein, was mit den Goln passierte, ihre Aufgabe war schließlich nur die Bewachung der Sklaven und der Schutz der Händler, alles andere war Problem der Händler. "Und was willst du jetzt machen?" fragte Tamiel. Er hatte immer noch einen vorwurfsvollen Gesichtsausdruck. Seine Schönheit verstärkte dieses Gefühl nur, was Zsaraffein insgeheim traf. Aber er musste sich zusammenraffen; von solchen Kleinigkeiten durfte er sich nicht ablenken lassen. "Ich werde sie verkaufen." sprach er mit einer solchen Entschlossenheit, dass Tamiel verwirrt zwinkerte. "Aber wer will schon kranke Goln kaufen?" "Niemand." "Und wie willst du sie dann verkaufen?" "Wer sagt, dass sie krank sind?" Tamiel schien zunächst nicht wirklich zu verstehen, doch beim zweiten Denkanlauf wurde sein Gesichtsausdruck finster. "Das wird Ärger geben, wenn der Käufer es bemerkt!" "Halt den Mund." harrschte ihn Zsaraffein an und übertrug ihm die Aufgabe die Leichen der toten Goblins mit Hilfe der Soldaten unauffällig zu entsorgen. Dann legte er seine Hände wie einen Trichter um die Lippen und rief laut: "Goblins für 15 Goldmünzen pro Kopf!" Sofort tauchten interessierte Käufer auf. Selbst Sklavenverkäufer anderer Stände tauchten auf als sie von dem Schnäppchenpreis hörten. Indessen hatte Zsaraffein Tamiel beauftragt, mit Hilfe der Soldaten, die toten Goblins unauffällig zu entsorgen. Mehrere Händler wollten die Goblins kaufen, aber keiner wollte den anderen überbieten, was dazu führte, dass sie unter sich ausmachten wer wie viele bekommen sollte. Eine kluge Taktik, den Preis nicht unnötig hochzutreiben. Während die Händler noch untereinander feilschten, Duergar, Menschen und Dunkelelfen stritten sich dabei gestikulierend, kam eine Dunkelelfe mit hochtupierten Haaren auf Zsaraffein zu. Sie war sehr elegant gekleidet und wurde von mehreren Soldaten flankiert. Nach ihrem Aussehen und ihrer Kleidung zu urteilen, musste sie einem Adelshaus angehören. "Ich kaufe sie alle. 20 Münzen pro Kopf." Das Geplänkel der anderen Händler verstummte sofort, keiner von ihnen wollte mehr bieten und so zerstreuten sie sich wieder. Die Dunkelelfe hatte eine sehr arrogante Art. Sie sprach von oben herab und ihre Stimme hatte einen unangenehmen Klang, was so gar nicht zu ihrem sonst sehr anziehenden Aussehen passte. Tamiel tauchte plötzlich wieder neben ihm auf und flüsterte ihm etwas ins Ohr: "Das ist Luficil'la die zweitälteste Tochter des Hauses Lu'Gerdel. Verkauf sie nicht an sie!" Er umschloss Zsaraffeins Unterarm, um ihm mit Nachdruck seine Worte klarzumachen. Doch dieser riss sich nur unbeeindruckt los und schloss den Handel ab. Das Gold wurde wie folgt ausgezahlt: 20 Münzen prof Kopf, bei 24 Goblins 480 Goldmünzen. Dafür, dass die Goblins vermutlich alle innerhalb der nächsten Stunden sterben würden, war das ein sehr gutes Geschäft für ihn. Sich ein Adelshaus so zum Feind zu machen war vermutlich dumm, aber insgeheim plante Zsaraffein mit dem Geld zu verschwinden. Was für seine Schwester danach für Probleme hätte, war ihm egal. Er war ihr nichts schuldig, sie wollte ihn nicht wie einen Bruder behandeln sondern wie einen Sklaven, aber er war nicht mehr der kleine, werhlose Zsaraffein von früher, er hatte viel erlebt und viel gesehen, diesmal würde er ihr nicht die Möglichkeit geben ihn wieder zur ihrem Prügelknaben zu machen. Nachdem der Handel abgeschlossen war, marschierte die adlige Dunkelelfe samt Sklaven wieder ab. Zsaraffein ließ die Soldaten daraufhin sofort wieder zum Anwesen zurückkehren, er selbst würde nicht mehr dorthin zurückkehren. Tamiel begleitete ihn aber noch. Dieser schöne Dunkelelf hatte zwar immer noch eine anziehende Wirkung auf ihn, dennoch musste er ihn loswerden. "Tamiel, geh schon mal vor, ich möchte mir noch kurz die Erzpreise ansehen." sprach Zsaraffein bemüht leichtfertig. "Ich kann dich ja begleiten." erwiderte Tamiel. "Nein, ich brauch dich dafür nicht." Zsaraffein bemühte sich abweisend zu klingen, doch gerade das ließ seinen Gegenüber misstrauisch werden. Schon befürchtete er, er würde sich abermals weigern, doch Tamiel nickte nur stumm und ging. Jetzt musste er sich nur noch Proviant und Waffen besorgen, das Geld hatte er ja jetzt dafür. Dann könnte er versuchen sich der nächsten Karawane nach Menzoberranzan anzuschließen. Wo bekäme er aber alles am schnellsten her? Da fiel ihm das Schild der Handelsschenke ins Auge. Dort könnte man sicherlich alles bekommen, wie auch die Information welche Karawane als nächste nach Menzoberranzan auszieht. Vermutlich wären die Waffen dort teurer, aber der Markt war immer noch brechend voll und Waffen waren wo ganz anders wie Proviant und Reiseausstattung. Er wusste weder wo das eine noch das andere war. Und die Zeit war knapp, es dürfte sicherlich nicht lange dauern bis die Soldaten seiner Schwester nach ihm suchten. Sie waren alle sicherlich nicht dumm und würden lieber auf Nummer sichergehen wollen. Warum sollten sie einem Fremden wie ihm trauen? Noch dazu wenn er genügend Geld bei sich hatte, um sich in die nächste Stadt abzusetzen. Zsaraffein ging auf das große Gebäude vor sich zu, die Handelsschenke. |
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| Autor: | Xenturriximiras [ Sa 13. Mär 2010, 21:29 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Elamshin |
Waffen und Proviant zu besorgen hatte nicht lange gedauert. Ein vermummter Dunkelelf - seine Augen und seine Haare waren zu sehen - namens "Düster" hatte ihm eine kleine Handarmbrust mit zehn Schlafbolzen und zwei Kurzschwerter verkaufen können. Die Pilze waren verhältnismäßig billig gewesen, aber für die Waffen musste er ganze 200 Goldmünzen zahlen. Ihre Qualität war nicht einmal ausgesprochen gut, aber sie würden ihren Zweck erfüllen. Für weitere 10 Goldmünzen erfuhr er von Düster, dass eine Gruppe dunkelelfischer Händler, die lautstark Wetten bei den Gruben abschlossen, in einer Stunde nach Menzoberranzan aufbrechen wollte. Sie wären nur noch hier, weil sie offensichtlich eine Schwäche für das Wetten hatten. Eine Schwäche die Zsaraffein auch teilte. Der junge Dunkelelf bewegte sich zu der Grube, die im sogenannten "beißenden Kopf" der Taverne lag. Ein bunter Haufen verschiedenster Rassen tummelte sich um die Grube. Dunkelelfen, Duergar, Menschen, selbst ein merkwürdiger Mann mit tierhaften Zügen war unter ihnen. Als Zsaraffein um einen Stützbalken trat, der ihm die Sicht versperrte, schreckte er mit einem Sprung zurück. Ein Goblin prallte gerade kreischend auf den oberen Rand der Grube und verspritzte dabei Blut aus verschiedenen Wunden. Mit seinen Krallen versuchte sich das Biest verzweifelt hochzuziehen und einem wütenden Ork zu entkommen, um den drei weitere Goblinleichen verstreut lagen. Der Ork selbst war auch blutverschmiert und schleifte sein rechtes Bein hinterher, doch das bremste ihn nicht in seiner Raserei als er mit seinen Klauen nach den zappelnden Füßen des Goblins griff. Dieser hätte es beinahe geschafft sich hochzuziehen, wenn ihm einer der Zuschauer nicht auf die Finger getreten hätte. Der Ork zerfleischte sein Opfer. Enttäuschtes Raunen vermischte sich mit Jubelrufen und goldene, silberne und kupferne Münzen wechselten ihren Besitzer. Die Händlergruppe, die ihm Düster gedeutet hatte, ließ sich gerade ihren Gewinn von einer kleinen Gruppe schwer gerüsteter Duergar auszahlen. Nach ihren dunklen, grimmigen Gesichtern zu urteilen, hätten die Duergar ihre Wettschulden am liebsten mit Axthieben statt mit ihrem Gold gezahlt, doch die schwer bewaffneten Wächter hinter den drei dunkelelfischen Händlern hielten sie allein durch ihre Präsenz davon ab. Zsaraffein näherte sich den drein, nachdem sich die Duergar grummelnd verzogen hatten. "Vendui." grüßte er sie. Die drei waren alle ausnahmslos gut gekleidet, doch der mittlere, der gerade ein klimperndes Bündel verstaute, stach durch seine goldfarbenen Augen heraus. Keiner von ihnen schien Zsaraffein zu beachten, dieser fuhr aber unvermittelt fort, er durfte jetzt nicht zögern, die Soldaten seiner Schwestern könnten jeden Moment auftauchen. "Ihr reist nach Menzoberranzan?" Erst jetzt sahen sie auf. Der mittlere Händler mit den goldenen Augen übernahm das Wort: "Wer will das wissen?" "Zsaraffein. Ich suche eine Mitreisemöglichkeit." Im nächsten Moment bereute er, dass er seinen wahren Namen gesagt hatte. Es könnte sich später als nachteilhaft herausstellen, wenn seine Schwester Nachforschungen über seine Flucht aus Shil'yr'tar anstellte. "Bwael, Zsaraffein. Ich bin Gel'mackar. Und ich werde dich nicht mitnehmen." sprach er ohne Rührung und widmete sich wieder der Grube zu. "Ich bezahle auch." "Kein Interesse und jetzt verschwinde." Eine der Wachen näherte sich ihm gefährlich, um den Worten seines Meisters Nachdruck zu verleihen. Zsaraffein spürte wie sein Puls hochging. Er musste raus aus Shil'yr'tar. Allein zu reisen wäre ein Selbstmordkommando und hierbleiben konnte er nicht länger, auch wenn er wollte, er hatte kranke Sklaven einem Adelshaus verkauft, das sich bestimmt dafür rächen wollte und selbst das wenige Geld, das er eingenommen hatte, war zur Hälfte ausgegeben. Qu'elestina konnte ihn mit jeder Berechtigung töten. Er musste es riskieren. "Wetten wir." Der Wächter wollte ihn wegstoßen, doch ein plötzlicher Wink Gel'mackars ließ ihn innehalten. Daraufhin wandte sich ihm der Händler mit interessiertem Blick zu. "Um was?" fragte er schlicht. "Beim nächsten Kampf; ich setze 100 GM auf einen Kämpfer, verliere ich, dann bekommt ihr das Geld, gewinne ich, nehmt ihr mich mit." Gel'mackar sah ihn lange an und wandte sich schließlich seinen Mithändlern zu. Beratendes Gemurmel war zu vernehmen, als sie sich umdrehten. "Ich nehme an, aber nur unter der Bedingung, dass du auch die Wetten gegen meine Companions hältst. Und, dass es uns freisteht auf wen wir setzen." Er wies auf die ihn flankierenden Mithändler. "Der Einsatz?" fragte Zsaraffein auf das Angebot eingehend. "200 Goldmünzen jeweils. Also insgesamt müsstest du 500 Münzen zum Wetten haben." Gel'mackar verzog einen Mundwinkel überlegen nach oben. Er deutete Zsaraffeins Zögern richtig, er ahnte nämlich, dass dieser nicht so viel hatte. "Also wenn du es nicht hast dann vergessen wir ..." Der junge Dunkelelf fiel ihm ins Wort: "Ich habe es." Er zog die Goldbeutel hervor, griff hinein und präsentierte ihnen das Geld. "Darunter sind auch Platinmünzen." log er um sie davon zu überzeugen auf die Wette einzugehen. Wieder sahen sie ihn abschätzend an. Er wusste, dass er sich jetzt nichts anmerken lassen durfte. Ein Zögern, ein unsicheres Blinzeln und sie würden seine Lüge durchschauen. "In Ordnung." Ihm fiel innerlich ein Stein vom Herzen, doch an die Stelle des Steins, trat ein Fels, denn würde er verlieren, hätte er nicht nur das gesamte Geld verloren, er wäre ihnen zusätzlich noch den Rest schuldig. Die Konsequenzen wollte sich Zsaraffein nicht ausmalen, aber er musste es riskieren, Qu'elestinas Soldaten würden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Grube war indessen von den Leichen gesäubert; Zsaraffein sah noch wie zwei Koboldsklaven die letzte Goblinleiche unter einem der Gatter - es gab zwei, sie lagen einander gegenüber - hindurchzog. Nachdenklich blickte er auf das ebene Felsgestein unter ihm. Wie viele verschiedene Kreaturen, Sklaven, Aufseher gerade unter ihm herumliefen. Zsaraffein fragte sich wie groß die Tunnel wohl waren und wie man überhaupt hinkäme, außer durch die Gatter der Grube. Die Tunnel mussten bei weitem größer sein, als die Grube selbst, vermutlich waren dort auch die Quartiere der Sklaven der Handelsschenke. Rigid musste ein sehr reicher Mann sein. Was er aber gekonnt herunterspielte; im Moment lief er zwischen den Reihen der Zuschauer umher und verkaufte mit einer Bauchbar die Getränke persönlich. Ein kluger Zug, vor allem da es vielen Dunkelelfen missfallen würde, dass ein Mischling wie er so einen Erfolg hatte. Also verbarg er ihn so gut es ging. Jetzt war aber keine Zeit um sich Gedanken über Rigid zu machen. Der nächste Kampf sollte gleich beginnen. "Werte Damen, werte Herren! Der nächste Kampf wird der letzte Kampf sein, aber auch gleichzeitig der Höhepunkt des Tages! Die Handelsschenke hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um Ihnen die gefährlichsten Monster in einem Kampf auf Leben und Tod zu präsentieren! Öffnet die Gatter!" Der ungewöhnlich charismatische Svirfneblinansager, der auf einem Podest stand, kündigte mit untermahlenden Gesten den nächsten Kampf an. Ich bemerkte wie sich eine kleine Augenklappe neben einem der Gatter schloss und bald darauf öffnete sich das erste Gatter. Drei muskelbepackte, zähnefletschende Orks traten heraus. Jeder von ihnen schwang eine riesige Axt. Einige der Zuschauer applaudierten, andere warteten mit gespannten Blick auf das zweite Gatter. Doch bevor dieses geöffnet wurde, zog ein kleines, rotes Etwas Zsaraffeins Aufmerksamkeit auf sich. Es hatte kleine Hörner und kleine spitze Zähne waren zu sehen als es aufkrächzte. Sogar Flügel hatte es, doch waren diese auf dem Rücken durch ein im dumpfen blau leuchtendes Seil zusammgengebunden. Zsaraffein erkannte das Wesen als einen Imp! Das sorgte auch bei den anderen Zuschauern für Belustigung. Das Seil, mit dem man ihm die Flügel zusammengebunden hatte, war vermutlich von magischer Natur und war deshalb angebracht, um den Imp am Wegfliegen zu hindern. Der kleine Teufel versuchte auch einige male das Seil anzufassen, aber jedes mal verursachte das Anfassen des Seils einen kleinen Blitzschlag der den Impen schmerzerfüllt aufheulen ließ. Offensichtlich stellte der kleine Teufel einen Geck dar, da er bei einem Kampf mit seinen kleinen Klauen kaum etwas ausrichten konnte. Nun wurde das zweite Gatter geöffnet. Ein gurgelndes, sabberndes Geräusch kündigte etwas Großes an. Zwei rote Augen blickten aus dem Schatten hervor und als das schwarzgefellte Wesen in den Sand der Grube hinaustrat, ging ein erstauntes Raunen durch die Reihen der Zuschauer. Es war ein Tiefentroll! Trolle waren so gut wie unbesiegbar, wenn man kein Feuer oder Säure hatte. Zsaraffein mussterte nochmals die Orks und konnte sehen, dass einer von ihnen eine rötlich leuchtende Phiole am Seil seines Lendenschutzes angebracht hatte. Das war eindeutig Alchemistenfeuer, also könnten sie doch eine Chance haben. Der Troll schnappte hungrig in die Richtung der Orks, welche ihrerseits brüllend die Äxte hochhoben, doch immer noch einen sicheren Abstand zu ihrem Gegner bewahrten. Allein die Ketten, die an Arm- und Fußgelenken angebracht waren, hielten den Troll davor zurück gleich loszustürmen. "Wir wetten auf den Troll." erklang Gel'mackars Stimme. Die Chancen, dass die Orks gewannen waren äußerst gering. Sie mussten den Troll zunächst niederschlagen und ihn dann mit der Phiole den Rest geben, aber das war nur in der Theorie einfach. So ein Tiefentroll regenerierte sich während dem Kampf und war auch ohne Waffen einem Orken bei weitem überlegen. Aber Zsaraffein hatte keine Wahl, er musste akzeptieren, also nickte er nur den drei Händlern zu. Wenn er gewann, dann hatte er nicht nur eine Reisemöglichkeit nach Menzoberranzan, sondern noch zusätzlich 400 Goldmünzen Wettgewinn, eine enorme Summe. So viel Geld hatte Zsaraffein noch nie in seinem Leben sein eigen nennen können. Rundherum wurden auch Wetten abgeschlossen und als das Gefeilsche um die Einsätze endete, wurden die Ketten des Trolls gelöst. Sofort stürmte er auf den ersten Orken zu. Dieser schlug der anstürmenden Bestie die Axt zwischen Schulterblatt und Hals, aber genau das war sein Fehler, denn er bekam sie nicht mehr heraus um den Troll wegdrängen zu können und dieser biss seinem Gegner den Kopf in einem Zug ab. Das berstende Geräusch von zerspringenden Knochen, kombiniert mit einem tiefen Schmatzer war zu hören, als die Leiche des Orken kopflos zu Boden sackte. Sofort stürmten die anderen beiden Orks auf den Troll zu und schlugen ihre Äxte tief in den Körper ihres Gegners. Einer der Hiebe ging in das Knie der Bestie und ließ sie seitlich zusammensacken. Grollendes Brüllen war die Reaktion darauf, die Wunden des Trolls begannen zwar sich sofort zu regenieren, doch waren die Treffer sehr schwer und die natürlich Heilung kam dem nicht hinterher. Fauchend zog der Troll die Axt des toten Orken aus seiner Schulter und warf sie einem der beiden Orks mit so einer Wucht entgegen, dass sie diesem den Waffenarm abhackte und ihn jaulend zu Boden gehen ließ. Zu Zsaraffeins Entsetzen stellte er fest, dass es der Ork mit der Phiole war. Wenigstens war er noch nich tot, aber kämpfen konnte er vermutlich auch nicht mehr. Zwischenzeitlich schlug der andere Ork in stürmischer Raserei auf den Trollen ein. Die Hiebe waren so wuchtig, dass Blut bis über den Rand der Grube spritzte und die Kleider und Rüstungen der Zuschauer beschmutzte. Aber genau das wollten sie alle sehen: Blut. Anfeuerungen, Jubel und begeistertes Geschrei war die Folge. Der Troll sackte geschlagen zusammen und die Hiebe des Orken verlangsamten sich. Völlig erschöpft kniete er auf der Leiche und schlug immer wieder zu, aber zu langsam, um die unglaubliche Regeneration des Trolls zu bremsen. Glieder, Sehnen, Muskel, alles wuchs wie durch Zauberhand zusammen. Zsaraffein hielt es vor Anspannung kaum noch aus und es entrutschte ihm ein Ruf in Richtung des einarmigen Orken der sich taumelnd aufrichtete. "Schmeiß die verdammte Phiole auf den Troll!" Als ob er seine Worte gehört hatte, griff der Ork zur Phiole und ging auf den Troll zu. In Zsaraffein machte sich das Gefühl der Erleichterung breit, als ihm sein Sieg gewiss wurde. Der Ork musste die Phiole nur noch auf den Troll werfen und es wäre vorbei. Er hielt die Phiole in der Hand und streckte sie über den Körper des Trolls aus. Was machte er da? Er müsste sie mit Schwung auf ihn draufschmeißen, sie würde nicht zerplatzen wenn er sie nur fallen ließe. Zsaraffein konnte nicht glauben was als nächstes geschah; der Ork zerdrückte die Phiole in seiner eigenen Hand, welche daraufhin sofort Feuer fing. Ungläubig betrachtete er seine eigene verbrennende Hand und als ihm gewahr wurde, dass nicht der Troll brannte sondern er selbst, rannte er idiotisch im Kreis herum und fuchtelte mit seiner Hand herum. Der Troll indessen begann sich zu bewegen und mit einem Streich schlug er dem Orken, der immer noch auf ihm saß die Waffe aus der Hand. Was darauf folgte, war kein Kampf mehr. Der Troll massakrierte die beiden Orks förmlich. Zsaraffein konnte nicht glauben was geschehen war. Der Sieg war ihm so nah gewesen und jetzt hatte er alles verloren. Verzweifelt legte er sein Gesicht in die Hände. Erst als er bemerkte, dass keiner von ihm den Einsatz verlangte und auch sonst alle noch zur Grube sahen, fiel ihm ein, dass am Anfang des Kampfes ja noch der Imp dagewesen war. Als er seinen Blick wieder auf die Grube richtete, bestätigte es was er sah. Der Imp, immer noch am Fliegen gehindert durch das Seil, fluchte und jaulte, während er versuchte dem behäbigeren Troll zu entkommen. Dennoch munterte den Dunkelelfen das nicht auf; was konnte der Imp schon gegen den Troll ausrichten? Doch plötzlich dreht sich der Imp um und schien sich dem Troll entgegenstellen zu wollen. Aber statt ihn anzugreifen sprach er Worte in einer fremden, fast schon in den Ohren schmerzenden, Sprache. Rote Funken materialisierten sich aus dem Nichts um die kleinen Klauen des Teufels und begannen sich zu einer größeren, leuchtenden Kugel zu formieren. Gerade als der Troll den kleinen Wicht mit einem Klauenschlag zerschmettern wollte, blendete Zsaraffein und alle anderen Zuschauer ein grelles Licht. Spürbare Hitze folgte auf das Licht und dann in kurzen Intervallen die selben Vorgänge mehrere male: Licht, Hitze, Licht, Hitze. Zsaraffein ging in die Hocke und hielt sich den Unterarm vor die lichtempfindlichen Augen. Dann trat absolute Stille ein. Zsaraffein nahm seinen Unterarm herunter und sah blinzelnd herab. Verkohlte Leichen, die immer noch glimmten, kennzeichneten das Bild. Es schien als hätte ein riesiger Feuerball alle Monster in einem mächtigen Aufschlag verbrannt. Dunkle Spuren am oberen Rand der Grube markierten den großen Radius des Feuerzaubers, den der Imp gewirkt hatte. Viel hätte nicht mehr gefehlt, um die erste Reihe der Zuschauer zu braten. In freudiger Vorahnung suchte Zsaraffein den kleinen roten Teufel und entdeckte ihn neben der verbrannten Leiche des Trolls. Er war unversehrt und versuchte immer noch das Seil um seine Flügel zu lösen, was ihm aber nicht gelang. Überraschtes Gerede ging durch die Menge und instinktiv blickte der Dunkelelf zu den drei Händlern, die immer noch ungläubig auf ihren verkohlten Favouriten starrten. "Ich glaube, ich habe gewonnen." sagte Zsaraffein. Die Gesichter der drei Händler drückte unverhohlenen Ärger über die verlorene Wette aus, aber ihre hastigen Gesten in Richtung Geldkatze zeigte ihm, dass sie sich an ihr Versprechen halten würden. Nachdem die beiden jeweils 200 Goldmünzen übergaben -ein ziemliches Gewicht- wandte sich Zsaraffein Gel'marack zu. "Deine Schuld musst du noch einlösen." Sein Gegenüber nickte; nur er schien sich nicht über die verlorene Wette zu ärgern. Viel mehr schien es, als ließe sich Erheiterung in seinem Gesicht ablesen. "Xas, natürlich. Wir gehen jetzt zu den Tieren." Mit diesen Worten gab er seinen zwei Wächtern und den anderen beiden Händlern das Zeichen zum Abmarsch. Die Soldaten unterhielten sich offen beeindruckt über die unerwartete Wendung bei den Kämpfen und Zsaraffein konnte sich ein triumphierendes Lächeln nicht verkneifen. Er hatte hoch gesetzt und viel gewonnen. Deshalb fiel es ihm um so schwerer zu realiseren, dass Xaczil, flankiert von zwei Soldaten vor dem Ausgang auf ihm wartete. "Zsaraffein. Du willst uns doch nicht etwa verlassen?" sprach er süffisant. Sofort stellten sich die Soldaten neben dem ertappten Dunkelelfen auf, als Zeichen dafür, dass er jetzt nirgendwo mehr hingehen konnte. Mit ungläubigen Blick starrte er seiner letzten Möglichkeit zur Flucht hinterher. Gel'marack hob nur gleichgültig eine Schulter und ging mit seinen Leuten weiter, den jungen Dunkelelfen seinem eigenen Schicksal überlassend. Qu'elestina wartete bereits im Empfangsraum auf ihn. Mit einem Tritt wurde er von den unerbittlichen Soldaten in die Knie gezwungen. Mit klirrendem Klang wurden die Waffen, die sich Zsaraffein besorgt hatte, neben ihm auf den Boden geworfen. Wortlos ging seine Schwester vor ihm auf und ab. Nur das Tocken ihrer Stiefel auf dem Marmorboden war zu hören. "Du wolltest dich also mit meinem Geld davonmachen?" Zsaraffein hatte während der Eskorte zum Anwesen Zeit gehabt darüber nachzudenken, wie er sich verhalten sollte und sein Plan war nicht unbedingt gewinnvesprechend, aber alle mal besser als die Alternative, nämlich die Wahrheit zu gestehen, denn von seiner Schwester hatte er keine Gnade zu erwarten. "Nau. Ich wollte meiner Jabbress Geld beschaffen." Die Soldaten hatten ihm nur die Waffen abgenommen und so hatte er noch die vollen Goldbeutel, nach welchen er jetzt griff. Sofort spürte er das Langschwert Ly'riels an seinem Hals. Er war einer der beiden Soldaten, die Xaczil begleitet hatten. Mit einem Wink gab Qu'elestina dem Soldaten zu verstehen, dass er ihren Bruder gewähren lassen sollte. Um die Wirkung zu vergrößern, schnürte Zsaraffein die Beutel auf und streute die Goldstücke vor die Füße Qu'elestinas aus. An ihrem Blick erkannte Zsaraffein, dass er seine Schwester genau richtig eingeschätzt hatte. Wenn sie etwas überzeugen konnte ihn leben zu lassen, dann der Umstand, dass er ihr Geld beschaffen konnte. Selbst Xaczil wirkte verwundert, als er das viele Gold sah. Sie wussten bestimmt wie viel er eingenommen hatte, Tamiel hatte es ihnen bestimmt gesagt; dasss es aber mehr war, konnte man auf den ersten Blick erkennen. Zusätzlich kamen noch die Waffen hinzu, die natürlich auch was gekostet haben mussten, was hieß, dass er das Geld verdoppelt ungefähr verdoppelt hatte. Die Neugierde ging mit Xaczil durch als er scharf fragte: "Woher hast du das Geld? Und die Waffen?" "Jabbre, habt nicht Ihr verlangt, dass ich für die kranken Goln mindestens den Standartpreis rausschlagen soll? Natürilch wollte keiner den Preis zahlen, also musste ich auf anderen Wegen an das Geld kommen. Die Waffen waren Wetteinsätze, die ich gewonnen habe. Das Geld auch." Nun wirkten sie alle überrascht. Absolut überzeugt wirkte keiner, aber die Geschichte hatte zumindest einen logischen Faden. Qu'elestina sah ihn mit einem zufriedenen Lächeln an. Für sie zählte nur der Erfolg, welches Risiko ihr Bruder dabei einging war ihr gleichgültig und genau das gefiel ihr. "Da du ja so begabt in der Geldbeschaffung bist, wirst du weiter für mich arbeiten." sprach sie mit gnädigem Gebärden. "Aber...!" wollte Xaczil einsprechen, aber sie verbot ihm den Mund mit einer harschen Geste. Sie fuhr fort: "Du hast drei Tage Zeit das Problem mit dem Haus Lu'Gerdel zu lösen, ansonsten werde ich dich als Entschädigung für die kranken Goln, die du ihnen verkauft hast, exekutieren lassen." Bei diesen Worten legte sich ein befriedigtes Lächeln um Xaczils Züge. In diesem Moment wurde Zsaraffein klar, dass der Verwalter alles in seiner Macht stehende tun würde, um ihn daran zu hindern. Aber was blieb ihm anderes übrig, als es zu versuchen? Er würde das tun, was er tun müsste, um zu überleben. Dann neigte er demütig sein Haupt und sprach die Worte, die er schon tausende male gesprochen hatte: "Asanque, Jabbress." |
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