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| Autor: | ZuMe [ Do 1. Okt 2009, 11:59 ] |
| Betreff des Beitrags: | Ein merkwürdiger Brief |
Inje saß unter dem großen Baum, auf den Kary gewiesen hatte, und lehnte den Kopf Geborgenheit suchend an die rauhe Rinde. Endlich hatte sie gefunden, wonach sie so lange gesucht hatte! Es kam ihr vor, als sei ein ganzer Abschnitt ihres Lebens, Eldath sei dank, erfolgreich zuende gegangen. Doch was nun? Sie sah sich um. Der Platz, die magischen Wälder vor Everlina, schien ihr äusserst einladend. Und die Elfen verbargen sich hier anscheinend nicht, so wie sie es aus ihrer Heimat gewohnt war. Sie lächelte noch einmal, als ihr Cael'naes emotionsloses Gesicht in den Sinn kam. Ganz offensichtlich hatte er versucht, sich zurückhaltend und abweisend zu verhalten. Aber im Vergleich zu den Stacia'Tel'Quessir... wieder huschte ein Lächeln über Injes Gesicht. Noch einmal kuschelte sie sich an den Baum, der ihr Wärme und Schutz bot, und begann dann ihre neue Aufgabe - einen Brief zu schreiben, von dem sie nie erwartet hätte, daß er einmal die richtige Leserin finden würde. Gleichzeitig hatte sie keine Ahnung, wie man eine Königin richtig anredete. Nach mehreren fruchtlosen Versuchen entschloss sie sich dafür, höflich, aber schlicht zu bleiben. Kary schien nicht die Art von Königin, die auf einem fernen Thron saß und nur in trockenen Gedankenspielen ihr Wissen vertiefte; sie hatte auf Inje den Eindruck gemacht, viel in den Wäldern unterwegs zu sein und zu wissen, was die Natur brauchte und forderte. Sie war beeindruckt. Wahrlich eine Wald-Königin, genauso, wie Alinafey es beschrieben hatte! Inje schrieb in gut leserlichem Thorass, wenn auch die Buchstaben seltsame Haken und Schnörkel aufwiesen, als wolle sie manches Mal in eine andere Schrift zurückfallen und erinnere sich im letzten Moment daran, daß noch leserlich sein sollte, was sie hier verfasste. --------------------------------------------------------------------- Ehrenwerte Kary, Freundin von Alina Fey, ich danke Euch für den freundlichen Empfang in Eurem Reiche. Ich weiss, daß mein Auftreten Euch ungewöhnlich und meine Suche Euch merkwürdig vorkommen muss, darum will ich Euch zunächst kurz erläutern, wer ich bin und unter welchen Umständen ich Euch aufsuchte. Ehrenwerte Kary, ich bin Inje Rotmond vom Kreis des Schweigenden Sees. Der Kreis schützt seit jeher den Weißsternsee und die Weiße Heide darum herum, ein Gebiet, das sich in Aglarond, jenseits des großen Sees der gefallenen Sterne befindet. Die meisten meines Ordens sind Halbelfen; und Eldath, die Herrin des Schweigens und der Wasser, hat uns das Gelübde auferlegt, nicht zu sprechen, es sei denn um Ihre Werke und Ihre Macht zu preisen oder Lebewesen aus höchster Gefahr zu erretten. Darum bitte, verwundert Euch nicht, wenn ich schweige. Es geschieht zum Lob und Preis Eldaths und nicht, um Euch oder Andere, die der Worte vieler führen, zu verwirren. Da das Gebiet, das der Obhut meines Ordens obliegt, nahe am See der Gefallenen Sterne gelegen ist, hatte ich dort die große Ehre, jenes Wesen kennen zu lernen, das wir beide unter dem Namen Alinafey kennen. Ich bin, wie ich gestehen muss, noch sehr jung, ehrenwerte Kary, und konnte Alinas ausschweifenden Erzählungen vom fernen Westen kaum Glauben schenken. Dennoch hörte ich ihr gerne zu; sie hat eine unnachahmliche Art, Gesehenes vorzutragen. Einmal erzählte sie mir, sie sei aus einem Haus geschwommen, das sie unter Wasser gesetzt hatte, weil sie zu trocken geworden sei. Viel erzählte sie von Rivin und seinen Bewohnern, und viel sprach sie auch von Euch, ehrenwerte Kary. Ihr scheint einen großen Eindruck auf die Wasserbewohnerin gemacht zu haben, denn sie pries Eure Weisheit und Macht auf das Höchste. Ich weiss nicht, aus welchem Grunde Alina mich zu Euch sandte. Wie ich sie kenne, geschah es entweder aus einem Grunde, der tief in der Weisheit der Wasser begraben liegt und nur von den Klügsten und Gebildetsten verstanden werden kann - oder schlicht aus einer ihrer Launen heraus. Was immer der Fall gewesen sein mag - meine Ausbildung zur Hüterin des Landes verlangte sowieso eine dajemma; eine Reise in die Welt, um zu wissen, was zu beschützen meine Aufgabe dereinst werden wird. Darum habe ich mich aufgemacht, um Euch zu finden, mit wenig mehr als dem Namen 'Rivin' und 'Kary' als Hinweis auf Euren Verbleib. Ich freue mich sehr, daß Ihr solch eine weise und kluge Herrscherin über Stadt und Land seid; ganz so, wie Alinafey es mir einst berichtete. Ich weiß, das meine Bitte vermessen ist und vielleicht zuviel von Eurer Zeit in Anspruch nehmen würde, die Ihr zum Regieren Eurer Untertanen vermutlich reichlich benötigt. Darüber hinaus ist es auch nicht notwendigerweise Bestandteil meiner Ausbildung - aber dennoch, große Wissende, würde ich es als große Ehre und Freude empfinden, wenn Ihr Euch herablassen könntet, mich Unwürdige auszubilden und die Wege des fernen, geheimnisvollen Westens zu zeigen. Noch nie sah ich Elfen, die so offen zu anderen Wesen sprachen - oder sie überhaupt zur Kenntnis nahmen; noch nie durfte ich am Rande eines wahren Elfenwaldes lagern. Schon jetzt habe ich meinem Orden mehr zu erzählen, als ich jemals zu hoffen wagte. Ich sehe mich also bereits über alle Maßen beschenkt von Eurer Großmut, edle Herrscherin über Rivin und Rivinsland; solltet Ihr daher meine demütige Bitte ablehnen müssen, so werde ich keineswegs enttäuscht sein. Euch den Segen des Landes zu wünschen, scheint mir ohne Sinn, da Ihr ihn ohne jeden Zweifel bereits besitzt, Freundin der Elfen; Herrscherin über die Menschen. So wünsche ich Euch, dass Eure Herrschaft lang und Eure Zeiten friedliche sind. Untertänigst, Inje Rotmond P.S.: Gern würde ich wissen, ob Alinafey noch immer in jenem Gebiet hier an der Schwertküste verweilt und sie noch einmal treffen, denn viele lange Jahre schon sahen wir uns nicht. Habt Ihr Kunde von Ihr? |
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