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Saphira Sternenstaub - nur die Sterne sind (stille) Zeugen
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Autor:  Silberfunken [ Do 7. Jan 2010, 18:13 ]
Betreff des Beitrags:  Saphira Sternenstaub - nur die Sterne sind (stille) Zeugen

Abends, in einem etwas größeren Fischerdorf, irgendwo zwischen den Städten Rivin und Baldurs Tor.

Haergar Brennensen, von manchen seiner Freunde und Feinde wegen seines Berufes und seiner Brutalität auch der (Zer)Fleischer genannt (die Vorsilbe wagten aber nur die wenigsten in seiner Gegenwart auszusprechen) wankte leicht angetrunken von seiner Lieblingstaverne zurück in Richtung seines Hauses. Es war bereits dunkel, auch wenn die Gassen durch den am Boden liegenden Schnee und auch durch den frisch fallenden Neuschnee vergleichsweise hell wirkten. Durch das spärliche Licht der Laternen an den Häusern und den Masten konnte nur ein geringer Teil der Gasse ausgeleuchtet werden und die Schatten schienen mit dem neu fallenden Schnee um die Wette zu tanzen.

Haergar störte dies alles nur wenig. Selbst mit wesentlich mehr Met, als er jetzt getrunken hatte, kannte er den Weg zu seinem Hause sicher und seinem Ruf verdankte er es, daß ihn kein Bewohner des Dorfes angreifen würde – auch wenn sicherlich manche es gerne täten.
Vor allen gegenüber Kindern zeigte Haegar gerne seine Brutalität – konnten diese doch noch leichter eingeschüchtert und verletzt werden als andere. Erst vor wenigen Stundenkerzen hatte es so ein Blag gewagt, ihm nicht mehr verkäufliche Fleischreste aus seinem Laden stehlen zu wollen. Doch Haergar ertappte das Kind bei seinem Vorhaben und schlug immer und immer wieder auf dieses ein. Es interessierte ihn nicht, ob das Kind lediglich seinen Hunger stillen wollte, und es interessierte ihn noch weniger, ob das Kind je wieder aufwachen würde und sich von den Schlägen erholen würde.

Sicher wuchs der Unmut bei den Bewohnern, als diese hilflos mit ansehen mußten, wie der Junge mißhandelt wurde. Doch die eindrucksvolle muskulöse Gestalt des Fleischers und sein imposantes Fleischermesser, mit dem er angeblich mal einem Ork gegenüber getreten war, hielten die Bewohner zurück.

Und so ging, nein vielmehr er torkelte nun an diesem Abend durch die Gasse und kümmerte sich um seine nähere Umgebung nur wenig. Dies änderte sich schlagartig, als er ein verräterisches Zupfen an der Stelle, wo er normal seinen Geldbeutel verstaut hatte, spürte. Mit einem raschen Blick mußte er feststellen, daß sich ein junges Mädchen, nur 3-4 Fuß hoch, mit einem schäbigen Küchenmesser an dem Geldbeutel zu schaffen gemacht hatte und nun mehrere Kupfermünzen von ihm sich in ihrer Hand und einige verteilt auf dem verschneiten Boden befanden. Bevor er das Mädchen auch nur ansatzweise schnappen konnte, sprang sie flink von ihm weg und rannte in Richtung einiger entlegener und noch schlechter beleuchteter Gassen.

Atemlos vor Wut nahm Haergar die Verfolgung auf. Unterwegs riß er eine alte Planke aus einem Müllhaufen, um mit dieser als provisorische Keule der Göre zu zeigen, daß man einen Mann wie ihn nicht unbestraft bestehlen könnte. Haergar wußte, daß er anhand der Spuren im Schnee das Mädchen finden und stellen könnte. Selbstsicher lachte er auf, als er merkte, daß das Mädchen schließlich in eine dunkle Gasse rannte, aus der ein Entkommen nicht mehr möglich war. Und tatsächlich, am Ende der Gasse stand Sie da. Klein, schäbig, schmutzig. In der einen Hand die Münzen fest umschlossen, in der anderen Hand hielt Sie abwehrend das rostige Küchenmesser.

Siegessicher und bedrohlich näherte sich Haergar dem Mädchen, die Planke bereits zum Schlage erhoben. Doch der Ausdruck des Sieges wich aus dem Gesicht Haergar´s, als das „Mädchen“ eine einzelne Silbe sprach. Die Statur blieb, doch das Gesicht des „Mädchens“ wirkte nun wesentlich erwachsener, aus den zerlumpten Roben wurde nun eine der Witterung angepaßte Bekleidung und aus dem schäbigen Küchenmesser ein Dolch mit gebogener Klinge, der von der Biegung und Struktur Ähnlichkeit mit einem Sternenschweif aufwies. „Verdammt, eine kleine dreckige Hin“, murmelte Haergar.

Einen Moment war Haergar perplex. Doch dieser Moment reichte der Hin, um leise und für Haergar unverständliches zu murmeln und dabei merkwürdige Zeichen in der Luft zu gestikulieren, um abschließend in seine Richtung zu zeigen. Plötzlich sah sich Haergar einer gewaltigen Farbenexplosion ausgesetzt und bereits in der nächsten Sekunde spürte er ein tiefes Bedürfnis nach Schlaf. Er bekam bereits nicht mehr mit, wie die Hin die von ihm mitgebrachte Planke nahm und ihn mit einem gezielten Schlag auf den Hinterkopf endgültig in das Reich der Träume brachte. Er bekam auch nicht mehr mit, wie die Hin ihren Dolch nahm und ihm kleine, aber tiefe Schnitte an beiden Armen zufügte, so daß er für sehr lange Zeit niemanden mehr schlagen konnte. Und selbstverständlich bekam er auch nicht mehr mit, wie sein gesamter Geldbeutel an den Medicus ging, der sich um den von ihm zusammengeschlagenen Jungen kümmerte.

Und auch die Hin war seitdem in dem Fischerdorf nicht mehr gesehen. Spuren, wie kleine Kinderfüße im Schnee, deuten darauf hin, daß Sie ihre Reise fortgesetzt hat. Mindestens solange, bis Sie eine Taverne finden würde, die mit Wärme, einem heißen Tee und vielleicht auch einem Nachtlager dienen könnte. Und vielleicht auch etwas mehr…

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