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Der Geruch von verbranntem Holz und Fleisch alarmierte mich. Rauch, Schreie und das Geräusch aufeinander treffender Waffen drangen aus dem Lazarett, begleiteten meine immer schneller werdenden Schritte, die Treppen hinunter durch die Haupthalle.
Gedankengänge…Blut an den Wänden, zerstörte Körper, wie Marionetten wieder zusammengefügt und wie Gobeline an den Mauern aufgehangen…
Der quälende Schatten der Vergangenheit, eine Erinnerung, die so schrecklich war, dass sie das Recht einer ständigen Widererweckung leisten durfte. Schneidend wie eine scharfe Waffe. Stimmen drangen aus der geöffneten Türe in Richtung Lazarett und eine beißende Wolke auf verbrannten Stoffen und Holz drang mir entgegen. Befehle wechselten sich ab und wurden weitergegeben.
Soldaten… Erleichterung… dann sah ich das Chaos. Im hinteren Teil des großen Raumes war ein Feuer ausgebrochen und zahlreiche Soldaten schleppten aufgefädelt in einer Reihe, Wassereimer um Wassereimer aus dem Brunnen im Kräutergarten. Das Holz glühte noch und wand sich in einer zischenden Rauchwolke, knurrend und fauchend, als es dem Wasser unterlag.
Verängstigte Patienten drängelten sich in dem schmalen Gang Richtung Ausgang. Ich sah Tikali, Sarina und Amelie, noch ein paar andere bekannte Gesichter. Die meisten kümmerten sich um die Verletzten, jemand rief etwas durch den Rauch und hoffte, dass den Kindern nichts geschehen ist… Kinder?
Dann fiel mir der Elf mit den weißen Haaren auf, der sich gerade über eine Leiche beugte und ihr Teile aus der Kleidung schnitt. Aus der Brust der rot gewandeten, blonden Frau ragte ein Pfeil, ein Pfeil, wie der Elf Dutzende in seinem Köcher trug. Er hatte diese Frau hier getötet und beging Leichenfledderei… Ein Geräusch lenkte mich ab, jemand stolperte über etwas, dass sich im ersten Moment anhörte, als würde jemand über trockenen brüchigen Gips stolpern.
…Nur das es kein Gips war…sondern Knochen… jede Menge Knochen.
„Was ist hier los?“
Zwei, drei Wimpernschläge, dann prasselten Informationen auf mich herein.
Eine Frau, tauchte ohne Vorwarnung mitten im Lazarett auf, beschwor untote Kreaturen und schickte sie gegen alle, die ihr im Weg standen. Vernichtung, absolute Ausrottung lautete ihr Befehl. Es wären die Kinder gewesen, auf die sie es letztlich abgesehen hatte.
Mein Blick galt wieder der Toten. Cael’nae, ja das war der Name des Elfen, richtete das Messer auf den Kopf der Frau. Was bei allen Abgründen tat er da? Wieso hatte er immer noch freie Hand? Wenn sie die Täterin war, wieso hatte er das Recht sie auszunehmen und sie jetzt noch zu verstümmeln?
Ich packte das Handgelenk des Elfen und zog es von der Leiche weg. Diese Tote musste unversehrt bleiben, was immer oder wer immer sie war, sie war jemand, der noch Antworten hatte.
Dann spürte ich einen Blick in meinem Rücken. Es war nicht so, als wäre ich nicht daran gewöhnt gewesen, jemand, der so kontrovers war wie meine Person, war es fast gewöhnt begafft zu werden aber das hier war anders…ein seltsames Kribbeln, dass sich von meinen Schultern, in den Nacken hinauf fraß. Ein Schaudern auslöste… und dann in einen leichten Kopfschmerz überging.
Abgelenkt lies ich von dem Elfen ab und erhaschte den Blick auf ein dunkelhaariges Mädchen, dass ich vorher noch nie gesehen hatte. Sie hatte ihren Blick schon wieder abschweifen lassen, malte jemanden etwas auf.
Versucht, es als reine Neugierde der Kleinen abzutun… wollte ich mich wieder der Leiche zuwenden und erkannte den Fehler der Abgelenktheit augenblicklich.
Cael’nae hatte sein Werk beendet und war unter wüsten Beleidigungen, die für sein Volk eher sehr menschlich waren abgezogen, hatte ihre Haare, Teile ihrer Kleidung und ihre Habseligkeiten mitgenommen. Für den Moment wurde der Wunsch in mir übermächtig meinen Dolch zu ziehen und ihn zwischen seine langlebigen Schulterblätter zu treiben… einfach nur… weil ich es satt hatte.
Wunderbare Zivilisation…jemand redete weiter auf mich ein… nahm mich ein… lenkte mich zum Glück ab. Fünf Kinder wären das Ziel gewesen. Vier von ihnen hatte man sofort in Sicherheit bringen können, als die Skelette angriffen. Den Göttern sei dank waren genügend tapfere Männer und Frauen in der Nähe, die sofort Kranke und Verletzte verteidigten. Letztlich hatte die Angreiferin keine Chance gehabt. Meine Schläfen begannen zu pochen, der Schmerz wanderte zu meiner Stirn vor.
Das sei M17, sie könnte etwas erzählen, man hätte sie gemeinsam mit den vier Kindern aus den Lagerhallen am Hafen befreit, nachdem der Sturm aufgekommen war. In Kisten gefangen gehalten war ihr Schicksal ungewiss gewesen, wenn nicht Notus Yars und einige andere ihnen zu Hilfe geeilt wären.
M 17?
Meine Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf das Mädchen und es war als hätte sie nur darauf gewartet.
Wieder dieser Blick. Intensiv... forschend... mit einer seltsamen Eindringlichkeit.
Wer bist du... ?
Stille, wandernde Hände, gestikulieren... dann heftigerer Schmerz... er breitete sich unter meinen Schläfen aus und zog sich bis in den Nacken. Jemand...etwas drang in meinen Geist... forschend, selbstsicher.
Nein.
Mein Bewusstsein wehrte sich...mein Kopf, meine Gedanken!
„Lass es zu...sie ist es...sie liest deine Gedanken...“
Schreib sie auf...lies die meinen auf dem Papier...
aber sie schien nicht lesen zu können, stattdessen begann sie zu zeichnen. Ein Zeichen, ein Symbol, dass ich nur zu gut kannte. Und die Geschichte, die sich aus Fragen und Gedanken lesen schließlich formte und ihr Leben erzählte ... lies mich schaudern. Der Schmerz, der in meinem Kopf tobte, wurde plötzlich sehr nebensächlich.
…Wie feige muss ein Mensch sein, wehrlose Kinder zu fangen, sie in Käfige zu stecken und ihre Körper und ihre Seelen zu missbrauchen. Wie viel Hybris muss von Nöten sein, jeden schöpferischen Göttern Faêruns die Stirn zu bieten und zu sagen… seht ihr Götter ich erschaffe…ich bin schöpferisch, ich bin wie ihr.
Wie abgebrüht und kalt musste man sein, wenn man durch das Leid anderer Freude empfindet, seelische Grausamkeit ausübt, körperliche Gewalt und Folter. Wenn man sich an der Unversehrtheit eines unschuldigen jungen Menschenlebens vergeht, um sich zu bereichern, egal in welcher Form.
Wie lange wirst du damit überleben, bis ich dich finde...
Hoar sagt, Auge um Auge, Zahn um Zahn... das Leid, dass dir oder den deinen angetan, vergelte mit poetischer Schönheit, tanze... die Rache, bis die Melodie verlöscht... und dann geh nach Hause zu den deinen und vergib dir selbst.
_________________ "Yes... I destroy worlds.. create worlds." (Lelouch, Code Geass)
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