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Der frühmorgendliche kalte Nebel hatte den Hafen noch in seinen Klauen und verteidigte zäh Gasse für Gasse, Platz für Platz seine Herrschaft gegen die kraftlose Wintersonne. Träge schwappte das dunkle Wasser des Meeres gegen Stein und Holz, den Knochen aus denen der Hafen geschaffen ward. Die Nebelglocken der Bojen hallten von Seeseite her und brachen sich an den emporragenden Klippen.
Am Kai stand die massige Gestalt eines Mannes, dick verhüllt in seinem wärmenden Mantel, seine Mütze weit nach unten gezogen. Nur das immer wiederkehrende Aufglühen der Spitze seines Rauchstengels zeigten, dass er überhaupt lebte und keine monolithische Statue war.
Hinter ihm öffnete sich knarrend die große Türe eines Lagerhauses und eine kleinere Gestalt tauchte im Nebel neben ihm auf.
Erst sprach keiner der beiden ein Wort. Und hinter ihnen trugen kaum erkennbare Gestalten etwas aus dem Lagerhaus, dass - vielleicht - ein Körper war.
"Nummer drei also". Die Stimme des massigen war tief und rau.
"Drei in einem Zehntag, ja."
"Wieder keine Kampfspuren?"
"Nein, wie bei den anderen, nur dieses vor höllischer Furcht erstarrte Gesicht. Wir könnten ihn untersuchen lassen?"
"Nein, das erregt zuviel aufsehen."
"Aber er ist der dritte. Es fällt auf und es gibt Gerüchte. Ich kann keine mehr heuern. Wir sollten es dem Jungen sagen."
"Nein. Der Alte wollte das nicht. Es ist besser niemand weiß davon."
"Aber..."
"Kein Aber. Wir brauchen neue Leute, keine mehr vom Hafen. Der alte Ashbey darf nicht mitbekommen."
Beide standen stumm im Nebel, von irgendwo her hörte man das Geräusch eines schweren Gegenstandes, der ins Wasser fällt - oder geworfen wurde.
"Geh zum Fuchsloch oder wie es heißt. Sag wir suchen Leute, können aber nur wenig zahlen."
"Wenn es aber ein Spuk ist und ihnen dasselbe geschieht - ."
"Wenn es wirklich ein Spuk ist, sind wir dort genau an der richtigen Adresse. Sollen sie uns doch davon befreien."
Die größere Gestalt schnippte ihren Rauchstengel ins dunkle Wasser, murmelte ein paar Worte und wandte sich dann ab.
Noch ehe der Nebel besiegt und vernichtet war, waren beide verschwunden und nur das dunkle Wasser schwappte gegen Stein und Holz, die Knochen aus denen der Hafen errichtet worden war - manchmal wortwörtlich.
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