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 Betreff des Beitrags: Requiem für einen Nekromanten
BeitragVerfasst: Mo 3. Jan 2011, 12:43 
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Registriert: Di 8. Dez 2009, 19:00
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Es war früher Abend und es brach die letzte Stunde an, bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwunden sein würde, als der Kelemvorit den Tempel verließ um den kurzen Weg bis zur Gruft zurückzulegen. Seine Mimik war wie so oft emotionslos und kalt; eine Spiegelung des sich dem Ende entgegenneigenden Tages an dem es bis vor Kurzem noch geschneit hatte und dessen wolkenbehangener Himmel den Friedhof trotz der weißen Schneedecke in ein gräuliches Licht tauchte. In seinem Inneren rangen jedoch unterschiedliche Gefühle um die Oberhand. Die Freude über den Tod von einem der Feinde Kelemvors. Das Widerstreben einem eben solchen einen Dienst zu erweisen, wohl wissend dass Gorda wahrscheinlich keinen Wert darauf gelegt hätte. Und das Pflichtbewusstsein, das er als Priester jedem Toten gleichermaßen entgegen zu bringen hatte, unabhängig davon wer er zu Lebzeiten war. Meraloth wusste was davon letztendlich die Oberhand gewinnen würde und so versuchte er ärgerlich die anderen beiseite zu schieben, während der Schnee unter seinen Füßen ein beruhigendes Knrischen bei jedem Schritt von sich gab.

Er würde eine Totenfeier für einen Nekromanten abhalten. Innerlich musste er kurz schmunzeln. Das kam nicht oft vor. Zumeist wurden sie von einem seiner Brüder und Schwestern in ihren kalten, feuchten Verstecken zur Strecke gebracht und mitsamt ihren erschaffenen Abscheulichkeiten und angehäuften unheiligen Experimenten ausgelöscht. Und dennoch würde es heute keine Trauergemeinde geben, das war nicht üblich bei zum Tode verurteilten Verbrechern. Nicht dass Gorda nicht sein übriges getan hätte um sich in den letzten Zehntagen seines Lebens ausreichend Feindschaften zuzuziehen.
So reduzierten sich die Anwesenden auf einen Totengräber, einen Priester und den Toten. Keiner würde eine Träne vergießen, aber ebenso würde auch niemand auf das Grab spucken. Meraloth war das nur recht.
Die wütende Meute hatte bei der Verbrennung der Leiche Luft machen können.
Obwohl Luft es nicht ganz zutreffend beschreibt, dachte er bitter. Der Gestank des Scheiterhaufens hing noch für Stunden über dem Richtplatz. Wäre er früher dort erschienen hätte er der Garde noch davon abgeraten die sterblichen Überreste auf einem öffentlichen Platz zu verbrennen, nur damit der Pöbel durch etwas Sichtbares mit der Sache abschließen konnte. Aber schließlich half die Kälte des Winters dabei, sodass sich mit der letzten erlöschenden Glut auch bald Rauch und Gestank legten.
Dennoch musste der Priester letzten Endes doch noch das Krematorium aufsuchen, nachdem die Garde ihm die Überreste des Nekromanten ausgehändigt hatte. Es gab eben Unterschiede zwischen einem auf die Schnelle errichteten Scheiterhaufen und einer ordnungsgemäßen Verbrennung. Ebenso konnte Terulin erst nach einigen ermahnenden
Worten bezüglich seiner Pflichten gegenüber Kelemvor davon überzeugt werden, Gordas sterblichen Überresten die vorschriftsgemäße Behandlung zukommen lassen, als er von Meraloth erfuhr wessen Leichnam er nochmals einäschern sollte.

Der Totenwächter betrat die Gruft und ging zielstrebig auf die Urne zu, die nun bald in die Erde gelassen werden würde. Sie bestand aus schlichtem, gebrannten Ton. Keine Farbe, keine Verzierungen. Sie war kein Meisterstück der Töpferkunst, dafür aber funktional und ebenmäßig. Er nahm sie fest in beide Hände und trug sie ohne übertriebene Ehrfurcht, jedoch mit dem erforderlichen Respekt, der jedem Toten zustand, zu ihrem letzten Ruheort.
Tags zuvor hatte er noch dafür gesorgt, dass niemand die Überreste für schändliche Zwecke missbrauchen könnte. Zwar hatte er noch nie davon gehört, dass ein Totenbeschwörer es geschafft hätte aus etwas Asche einen körperlichen Untoten zu erschaffen, jedoch würde diese Maßnahme verhindern, dass Gordas Seele auf die meisten üblichen Arten gebunden werden könnte. Und in Anbetracht des Angreifers am Mantelplatz war in diesem Fall Vorsicht geboten. Dass er sich allein gegen
eine waffenstarrende Abteilung der Garde und die anwesenden Mantler gestellt hatte zeugte entweder von seiner Macht oder seinem Wahnsinn. Im schlimmsten Fall von beidem.
Der Priester musste unweigerlich den Kopf schütteln, als er mit der Urne in der Hand die letzten Schritte zurücklegte.
Wären dieser Torwache nicht Angst und Dummheit in die Knochen gefahren, als der Angriff begann und hätte er ihm somit nicht das Tor vor der Nase zugeschlagen, hätte Meraloth vielleicht die Flucht des Angreifers und damit auch die vorgezogene und blutige Exekution Gordas verhindern können. Er hatte zwar im Rahmen seiner Möglichkeiten nach einer Spur dieses Angreifers gesucht, doch konnte er weder dessen im Wasser treibende Leiche, noch einen Stoffrest oder sonstetwas das auf ihn hinweisen würde, finden. So behielt die ganze Angelegenheit einen ziemlich
faden Beigeschmack in seinem Mund. Sicher, Gorda war tot. Das Urteil vollstreckt. Doch nicht wie durch den richterlichen Beschluss vorgesehen.
Und auch nicht durch meine eigene Klinge, als er versuchte zu fliehen fügte er, in Gedanken missmutig brummend, hinzu.
Was blieb, war die letzte Aufgabe zu erfüllen die ihm dieser Fall auferlegt hatte.

Vor Meraloth tauchte die Gestalt Igors auf. Der Totengräber stand stumm vor dem von ihm ausgehobenen Grab, mit leerem Blick in die Ferne starrend, während er darauf wartete, dass das Ritual beendet war und er das kleine Loch wieder zuschütten konnte. Die beiden grüßten einander nicht, das wäre bei einer Totenmesse nicht angebracht. Sie würden hier stehen und ihre jeweiligen Pflichten erfüllen, so wie es ihr Gott von ihnen erwartete.
Das Grab lag in einer abgeschiedenen Ecke des Friedhofes, umgeben von Verstorbenen, die zumeist keine Hinterbliebenen hatten, die regelmäßig zum Trauern an die Gräber kamen. Der Priester hoffte so etwaiigen Unannehmlichkeiten vorbeugen zu können. Gorda war zwar ein verurteilter Nekromant, aber nichts desto trotz würde die Kirche Kelemvors niemals auch nur die geringste Grabschändung am letzten Ruheort eines Toten tolerieren.
So stellte er sich vor das Grab und legte die Urne auf dem von Igor bereitgestellten Dreifuß ab. Er faltete die Hände und in Ermangelung einer versammelten Gemeinde sah er zu dem Behälter, der Gordas sterbliche Überreste enthielt, um so mit seiner Grabrede den verblichenen Nekromanten anzureden. Sein Blick blieb weiterhin kühl und er sprach die Worte langsam und ohne jegliche Emotion.

"Da es nicht von großem Geist zeugt schlecht über die Toten zu sprechen, schon garnicht bei ihrer Bestattung, werde ich mich kurz fassen.
Ohne anfänglich von der Wahl Eures Forschungsgebietes zu wissen, konnte ich Euch als fähigen und zuverlässigen Magus kennen lernen. Euer Wissen, Engagement und kombinatorisches Geschick haben mich und andere bei mehr als einer Gelegenheit unterstützt, diese Stadt und ihre Bewohner vor drohenden Gefahren zu schützen. Dies will ich nicht
abstreiten und rechne es Euch hoch an.
Und obwohl uns beiden bewusst war dass wir aufgrund unserer Überzeugungen Todfeinde waren und nur darauf warteten, dass der andere als erster einen Fehler begeht, hatte ich bis zu Eurer schändlichen Tat nur selten das Gefühl, dass Ihr derjenige sein würdet, der diesen Schritt wagen würde. Die meiste Zeit über verhieltet Ihr Euch mehr wie
ein Verbündeter, denn wie ein Gegenspieler. Ob dies jedoch geplantes Kalkül oder tatsächlicher Respekt vor dem Willen Kelemvors war, überlasse ich dem Urteil des Fürsten der Toten."


Er atmete einmal ein, schloss die Augen und hob eine Hand ausgestreckt über die Urne, die andere umschloss das Amulett über seiner Brust, um den abschließenden Segen zu sprechen, auf den jeder Verstorbene nach Ansicht der Kirche hoffen durfte.

"Kelemvor! Erhöre deinen Diener, denn heute erbitten wir deinen Schutz für eine Seele, die heute ihren letzten Weg antritt. Geleite sie sicher über alle Hindernisse hinweg aufdass sie sicher bis hinter die Tore deiner Stadt gelangt. Führe sie vor deinen Richtstuhl, aufdass ihr ein gerechtes Urteil zu teil werde und weise ihr den Platz zu, der ihr gemäß ihrer Taten zusteht. Denn dein Urteil hat Bestand in Ewigkeit."

Nach einer kurzen Pause verbeugte sich der Kelemvorit tief und öffnete wieder die Augen. Nachdem er die Urne behutsam in das Grab hinabgelassen hat, gab er Igor mit einem Nicken zu verstehen, dass er es mit Erde auffüllen konnte. Stumm verfolgte er daraufhin die Arbeit des Totengräbers und wartete bis dieser die schlichte Grabplatte aus einfachem Stein, auf der lediglich Name und Todesdatum eingraviert warten, darüberlegte und sich nach getaner Arbeit und einem kurzen Nicken wieder davonmachte. Für einen kurzen Moment sah Meraloth noch auf das Grab.

"Aufdass Ihr im Tode die Weisheit in Kelemvors Wirken erkennen mögt, für die Ihr zu Lebzeiten leider blind wart."

Und mit diesen Worten wendete er sich ab und steuerte auf den Tempel zu.


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