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Falkenwinter
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Seite 1 von 1

Autor:  Laefilar [ Mi 27. Jun 2012, 16:03 ]
Betreff des Beitrags:  Falkenwinter

>>Missbrauche niemals das Vertrauen, dass andere in dich setzen. Halte deine Stellung, sei stets wachsam und beobachte sorgfältig. Beschütze die Schwachen, Armen und Verletzten und sorge für ihre Sicherheit. Opfere niemals ein unschuldiges Wesen zu deinen eigenen oder eines anderen Wohl. Pflege deine Waffen, so dass sie dir im Kampfe gut dienen mögen. Plane deine Aktionen weise und handle niemals überstürzt. Eine gute Planung führt schlussendlich immer zu einer besseren Lösung, als unüberlegtes und überstürztes Handeln. Befolge deine Anweisungen immer, wenn sie in Einklang mit Helm’s Gesetzen stehen. Zeige allen deine Loyalität und Reinheit, während du als Wächter und Beschützer tätig bist.<<
~Dogma des ewigen Wächters~



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Dunkle Nacht umgab ihn, als er die Mähre langsam antrieb und gemächlich dahin ritt. Der Wald hinter ihm war in undurchdringbares Dunkel getaucht und nur dir Wipfel der Bäume hoben sich am Sternen besetzten Himmel, fast unscheinbar, ab. "So schön die Tage, umso kälter die Nächte...", dachte er, als er seinen Umhang etwas fester um sich zog.
In einiger Ferne sah er winzige Lichter und die Luft roch salzig, nach dem Meer, welches sich weit in den Westen erstreckte. Bald mochte seine Reise ihr bisheriges Ende erreicht haben.
In Gedanken versunken lehnte er sich auf den Knauf seines Sattels und starrte den Lichtern und den sich langsam erhebenden Mauern entgegen. Mit jedem weiteren, sich nähernden Schritt des Pferdes klapperte die Rüstung des Reiters...

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Abschied aus Tiefwasser

"Such dir endlich eine Frau, gründe eine Familie und bei den Göttern, mein Sohn, höre endlich auf Ritter zu spielen! Dein Vater hat nicht umsonst sein ganzes Leben lang geschuftet!" schrie seine Mutter ihn an, doch er lächelte nur stumm. "Und hör endlich auf zu Grinsen, wie ein debiler Trinker!". Schweigend ging er auf seine Mutter zu und schloss sie in seine Arme, ihr leise ins Ohr flüsternd: "Ich ziehe nicht in den Krieg, Mutter. Wir sehen uns wieder, also sorge dich nicht. In den Augen des Wächters stehe ich im Schutz. Mein Herz sagt mir, dass es mein Weg ist.". Nur langsam löste er sich von ihr und spürte ihren Griff, hörte das leise, unterdrückte Schluchzen. Als er sie dann ansah lächelte er erneut.

Sich abwendend ging er zu seinem Vater herüber, welcher ihm eine Hand auf die Schulter legte und gemessen zu ihm nickte. Bei derartigen Situationen waren beide nicht die grossen Redner. Seine kleine Schwester, nicht älter als 10 Sommer schlang ihre Arme um ihn. Er liess sich auf ein Knie nieder, um ihr besser in die Augen schauen zu können und lächelte sie offen an: "Du wirst brav sein und Mutter helfen, wenn sie etwas möchte, versprochen Sali?". Sie nickte und doch merkte er, wie schwer es ihr fiel, ihn loszulassen, waren doch ihre kleinen Hände noch immer fest um seinen Arm geschlossen. Sein Vater beugte sich herab und hob Sali hoch.

Mit festem Schritt trat er zu einem Sessel, um seinen Umhang, den schweren Schild und auch seinen Helm zu nehmen. Komplett ausstaffiert sah er über seine Schulter: "Ich schicke Euch einen Boten, wenn ich mein Ziel erreicht habe. Helm wacht über uns, also verzagt nicht.". Mit diesen Worten wandte er sich der grossen Flügeltür am Ende der Eingangshalle des Anwesens zu. Der dichte, nachtblaue Teppich dämpfte seine Schritte. Zwei Diener schoben die Türen auf und nickten ihm respektvoll zum Abschied, was er gleicher Massen erwiderte.

Es gab einen lauten Knall, ein Scheppern, als die Klinge auf seinen Schild auftraf und er nach vorn geworfen wurde. Leise keuchend drehte er sich herum und sah nur die Spitze des Zweihänders auf ihn gerichtet. Dahinter Relios, seinen jüngeren Bruder, der ihn anschnaubte und keuchte. Mit seiner Rechten schlug er plötzlich die Klinge zur Seite, welche zu Boden fiel und er erhob sich gemächlich, die Augen zu engen Schlitzen verzogen. Schweigend standen sie sich gegenüber, während nur das geschäftige Treiben der Stadt weit entfernt entrückt war. Die Sonne stand schon hoch, es war brütend warm an diesem Tag und er spürte es bereits jetzt in der schweren Rüstung. Sehr langsam drückte er seinen rechten Fuss in den Boden, während er den linken etwas zur Seite gleiten liess, um einen festeren Stand zu haben.

Er kannte seinen Bruder einfach zu gut, dachte er sich, als dieser auch schon mit lautem Gebrüll auf ihn zusprang. Eine kurze Drehung nach rechts. Der harte Aufprall auf seiner Schulter. Automatisierte Bewegungen. Sein rechter Arm, der sich durch streckte und nach dem Gegner griff. Der linke Arm einknickend, nach oben gerissen. Das linke Bein vor, um es hinter die Beine des Gegners zu stellen. Leichter Druck nach vorn. Krachend landeten beide auf dem Boden, sein linker Arm an der Kehle seines Bruders. Beide schnaubten und sein Bruder krächzte: "Ich hab dich erwischt, Geliad! Ich hab es dir geschworen!".

Er musste unweigerlich lachen, als er aufstand und seinem Bruder half auf die Beine zu kommen. "Ja, du hast es geschworen und es gehalten, kleiner Bruder. Nur eins hast du nicht bedacht. Ohne deine Waffe bist du ein leichteres Ziel. Also wähl sie das nächste Mal mit Bedacht.". Grinsend zwinkerte er ihm zu und hob den Zweihänder auf, um ihn am Sattel festzumachen. Relios klopfte sich derweil den Staub ab und bemerkte trocken: "Dein Umhang ist kaputt. Das solltest du richten lassen.". "Ja. So ein Milchgesicht hat mich von hinten angegriffen, musst du wissen.", erwiderte er im gleichen Tonfall. "Du wirst auf das Haus aufpassen, gehe ich davon aus?", und Relios nickte. "Ich habe dich gerade, trotz der Mittagsstunde und der Sonne nicht gesehen. Irgendetwas sagt mir, dass du nicht bei Meister Radrick gewesen warst, um Fechtstunden zu nehmen.", plauderte er. Sein Bruder sagte nichts und lehnte sich nur lässig an einen der Pfeiler im Stall. "Das dachte ich mir.", sprach er zu Relios und drehte sich im gleichen Atemzug zu ihm herum. "Denk dran wen du vor dir hast, kleiner Bruder. Verhalte dich deinem Stand angemessen und sei ein guter Sohn und ein noch besserer Bruder für Sali.", meinte er ernst und direkt zu ihm. Relios winkte ab: "Es ist ja gut. Wir stehen auf der gleichen Seite, auch wenn ich nicht so bin, wie du, Geliad.".

Er nickte ihm mit prüfendem Blick zu und streckte ihm den Arm hin, worauf hin sein kleiner Bruder einschlug, im Kriegergruss. Beherzt sass er auf und lenkte die Mähre langsam zum Tor der Stallungen und hinaus auf die staubige Strasse, welche auf direktem Weg vor die Stadtmauern und nach einigen Biegungen in Richtung Westen führte. Mit einem letzten, prüfenden Blick sah er die Mauern der Stadt verschwinden und er gab dem Pferd die Sporen.

Autor:  Laefilar [ Do 28. Jun 2012, 16:34 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Falkenwinter

Das eintönige Klappern der Hufe war in der Nacht bis hinauf auf die Mauern der Hafenstadt zu hören. Einige der Wachen schauten, nahe am über dem Tor stehen, hinunter und tuschelten. Eine weibliche Stimme war zu hören, bevor er den Torbogen hinter sich lassen konnte: "Hey da, halt! Wer seid ihr Reisender?". Er zügelte die Mähre langsam und sah hinunter zu der Gardistin, die ihn prüfend und gar misstrauisch beäugte. "Mein Name ist Geliad Falkenwinter, werte Dame. Ich komme aus Tiefwasser.", erwiderte er mit ruhiger Stimme und einem leichten Lächeln auf den Lippen. Die Soldatin nickte leicht: "Der Hüter Ebenezer Helmer sprach von einem Reisenden aus Tiefwasser. Ihr solltet Euch im Panzer der Gerechten einfinden, wenn ihr Euer Pferd versorgt habt. Und gleich, wer Euch schickt oder woher ihr kommt: Macht ihr Ärger, dann stecke ich Euch persönlich ins Loch!".
Daraufhin gab sie den Weg frei und trat zurück zu der kleinen Einbuchtung nahe des Tordurchgangs. Mit einem Schmunzeln bedankte er sich und setzte seinen Weg fort.

"Der hohe Wächter Dumal Erard liess Euch ankündigen, junger Herr. Nicht mehr und nicht weniger. Aber ich habe bereits eine Idee, wie ihr uns nützlicher sein könnt, als hier allein im Tempel zu stehen und die Tür zu bewachen oder derartige Nichtigkeiten. Auf dem Torplatz draussen steht eine Frau in dunkelblauer, grauer Rüstung. Sie gehört der Garde an und ihr Name ist Dark. Ihr werdet Euch bei ihr melden und der hiesigen Garde beitreten.", sprach Hüter Ebenezer Helmer in bestimmendem Ton zu dem jungen Mann. Den Brief, welchen er vorher erhielt, steckte er unter seinen Wamms. "Ihr könnt jetzt gehen. Helms Schutz auf Eurem Weg, Ser Falkenwinter.", waren seine letzten Worte in bekannter Befehlsmanier, bevor er sich abwandte und in den hinteren Räumen verschwand.

Zirka einen Zehntag später...

Gähnend schaut er aus dem Fenster seines Zimmers auf den kleinen Markt im Abenteuerviertel hinab und rieb sich übers Gesicht. Es war früh am Morgen und es war kühl. Hier und dort sah man gar noch einige Nebelschwaden durch die Strassen wabern und lediglich vom Hafen her war bereits geschäftiges Treiben vernehmbar. Sämtliche andere Viertel schienen zumindest noch im tiefsten Schlummer zu liegen. Die letzten Tage seit seiner Ankunft waren sehr ruhig verlaufen, fast nichts sagend, wären da nicht jene Gegebenheiten, mit denen er gar nichts anfangen konnte. Religionsfreiheit, Abtretung von Gebieten an irgendeine Miliz. Ständige Angriffe übernatürlicher Wesenheiten oder gar von Drachen. Wahrscheinlich hatte Soldatin Dark recht und diese Stadt stand unter einem andauernden Fluch?

Müde und auch rastlos warf er sich ein wenig Wasser ins Gesicht, als er donnernd klopfte: "Aufmachen Rekrut! Raus aus dem Bett und Sachen packen. In genau 20 Minuten findet ihr Euch auf dem Kasernenplatz ein! Bewegung!". Das Gebrüll und Geklopfe war wahrscheinlich laut genug gewesen das gesamte Haus zu wecken. Mit einigen sicheren Handgriffen nahm er sein Hab und Gut, raffte alles zusammen und stapfte auf das Wachgebäude zu. Kylan Torwin, einer der Gardisten am Tor, grinste ihn lediglich an und deutete mit einem knappen Fingerzeig über seine Schulter.
Nach einigen Frage-Antwort-Spielchen mit dem Korporal wurde er in die hinteren Zeugkammern geschickt. Dort überreichte man ihm seine Ausrüstung, Rüstzeug, Schild und Schwert, wie auch einige andere nützlicher Gegenstände. Komplett gerüstet konnte sein Dienst also beginnen. In einer neuen Stadt, einem neuen Land, aber doch in alter Manier.

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Der Schwur des Paladin
16. Flammleite 1378, das Jahr des Kessels - Helms Halt nahe Niewinter

Das alte Kloster war in heller Aufregung gewesen und das schon seit mehreren Tagen. Die Weihen standen an und sowohl neue, als auch alte Streiter des Helms sollten in ihren Rängen aufsteigen. Und bei aller Achtung vor den Göttern, sie hatten es sich verdient. Die Wälder und Wildnisse um Niewinter herum waren ihrem Namen gerecht. Kreaturen aus dem Wald fielen ständig Reisende an, Goblin- und Gnollstämme, Banditen und sogar einige Orks machten die Wege unsicher und waren kaum dauerhaft zurück zu drängen. Immer wieder patroulierten die Anhänger des ewigen Wächters die Wege entlang. Ebenso endlos erschien der Ausbau des Klosters zu einer statthaften Festung. Die Mauern wurden in mehreren Wochen neu hoch gezogen und Wachtürme eingelassen. Auch am inneren Mauerwerk wurden neue Stützbalken angebracht und rund um das Kloster schichteten sich verdichtete Erdwälle auf. Doch die letzten Arbeiten wurden abgeschlossen und selbst das innere des Klosters glich mittlerweile eher einem Bollwerk gegen das Böse, als einem religiösen Ort. Keinerlei Tant war ersichtlich, keine goldenen Statuen oder irgendwelche samtenen Vorhänge. Nur hier und dort ein Säulengang oder ein langes Freskengemälde an den Wänden. Die Haupthalle war hell erleuchtet und golden flackerten die Laternen und Öllampen, die überall aufgehängt wurden. Der gesamte Saal schien hell zu leuchten, als seien Wände, Böden und Decken mit blankem Gold beschlagen.

Jene, die sich um den Aufstieg verdient gemacht hatten standen weit vor einer Masse von Glaubensbrüdern, Kriegern des Lichts und einfachen Bediensteten. Auch er stand dort, in der einfache Kleidung eines Knappen und dennoch gepflegt, seitlich hinter einigen Säulen und neben seinem Meister und Lehrer. Der hoch gewachsene, alte Mann sah ihn mit einem knappen Schmunzeln an und deutet nach vorn: "Bald ist es soweit und die Weihe beginnt. Pass gut auf und merke dir alles, Geliad.".

Die Zeit verging, wie im Fluge und nachdem auch der letzte Kleriker in seinen neuen Stand erhoben wurde begannen die Feierlichkeiten. Gejubel, Gerede und ausgelassenes Gelächter war zu hören, während alle Platz nahmen und Speisen aufgetragen wurden. Geliad ging etwas zur Seite und stellte sich hinter seinen Meister, um abzuwarten, wie er es bei jeder Feierlichkeit tat. Ein etwas älterer Mann stellte sich plötzlich neben ihn und starrte ihn an. Als er ihn wahr nahm nickt er dem Herren bemessen zu, welcher ihm andeutete zu folgen. Aufgrund der Rüstung, die der Mann trug erkennte er ihn als einen der Gotteskrieger des hohen Wächters und tat, wie ihm geheissen.

Der kleine Raum war stickig. Der Geruch von alten Büchern und frischen Holz hing in der Luft. Vor ihm stand sein Meister hinter einem kleinen Podest, worauf ein, in Eisen geschlagenes, Buch lag. "Knie nieder, Knappe Geliad und wiederhole die Worte, die ich dir aufgab zu lernen.". Es war düster in dem kleinen Zimmer und es herrschte für eine kurze Zeit lang eine Totenstille. Dann begann er langsam und bestimmt die Worte zu wiederholen, welche er über so viele Jahre jeden Morgen für sich aufsagte:

"Gerechtigkeit - Ehrlichkeit - Treue - Tapferkeit - Ehre. Dies sind die fünf Grundpfeiler deines Seins, deines Wesens, deiner Stärke und deines Lebens. Dies sind deine Stärken, aufgrund derer du deine Kraft schöpfst. Wahre sie, gleich was oder wer sich dir in den Weg stellen wird.

Du wirst jene, die Schuld auf sich luden, bestrafen, im Namen der Gerechtigkeit des ewigen Wächters Helm. Ihre Taten müssen gesühnt und gleichsam wieder gut gemacht werden. Dazu stehen dir jegliche Mittel zur Verfügung, welche du dein eigen nennst. Doch sei bewahrt vor blinder Wut oder rasendem Hass und lasse sie niemals deinen gerechten Blick trüben. Wache somit über all jene, die deinen Schutz benötigen.

Du wirst niemals lügen, betrügen oder die Wahrheit verleugnen. Für jene Wahrheit wirst du stets einstehen, sie verteidigen und somit anerkennen. Doch hüte dich davor mit blindem Gehorsam voran zustürmen. Sei bescheiden in deinen Taten und Aussagen, denn Hochmut steht dir nicht zu.

Du wirst jenen, die dir anvertraut wurden, jene, die dich begleiten und die dich umgeben Treue leisten. Es ist dir untersagt sie zu hintergehen. Befehle wirst du gewissenhaft ausführen, aber niemals blind handeln, wenn sie gegen deinen Schwur sprechen. Deinen Kameraden wirst du zur Seite stehen, im Kampfe nie jemanden zurück lassen. Ihr Schutz ist eines deiner höchsten Prinzipien. Du wirst alles geben, selbst dein Leben, um deine Freunde zu schützen.

Du wirst deinen Feinden ins Antlitz schauen, selbst in Zeiten der grössten Not. Sei der Schild und das Schwert Helms. Führe seine Worte offen in das Feld der Schlacht. Und gleich, wie gross die Übermacht sein mag, du wirst kämpfen! Bis zum bitteren Ende, wenn nötig. Nutze die Vorteile, die du siehst, aus und sei niemals von Mutlosigkeit geplagt, denn deine Kameraden und Freunde werden es spüren und ebenso zweifeln. Sei standhaft und fliehe niemals vor deinem Feind.

Du wirst einen jeden ehren, der in dein Blickfeld tritt. Selbst der Feind ist mit Ehre zu behandeln. Töte niemals ein wehrloses Wesen. Weder aus Wut, noch aus Furcht oder gar aus Hass. Auch nicht den entwaffneten Feind. Schlage schnell zu und lasse deine Gegner nicht leiden. Sei wahrhaftig in Wort und Tat. Leere Worte ziemen sich nicht für dich.

Das Wort Helms ist das einzige Wort für dich. Er ist dein oberster Fürst, dein höchster König, dein Lehrer und Lehnsherr, denn er gewährt dir die Ehre sein Schild und Schwert auf dieser Welt zu sein. Enttäusche weder ihn, noch dich selbst."


Mit diesen Worten endete er seine kleine Litanei und blickte auf, direkt in die Augen seines Meisters, welcher ihm mit einem Lächeln auf den Lippen zunickte. "Nun erhebe dich Geliad, im Namen Helms. Ab diesem Zeitpunkt wirst du in den Orden um Helms Halt aufgenommen und nicht länger mein Knappe sein. Ab diesem Moment seid Ihr ein Streiter Helms, Ser Falkenwinter.", und mit seinen Worten senkte sich die Schwertspitze einmal links und einmal rechts auf die Schultern des jungen Mannes. So sollte es also beginnen. Prunklos und ehrlich...

Autor:  Laefilar [ Di 24. Jul 2012, 17:25 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Falkenwinter

Krachend landete das schwere, silbrig geputzte Schild auf der hölzernen Übungspuppe. Ein weiteres Mal folgte, wie auch schon diverse Male zuvor. Keuchend ein- und ausatmend stand der voll gerüstete Mann vor dem Trainingsgerät aus Holz, welches mittlerweile auch schon bessere Tage erlebt haben durfte. "Stillgestanden Soldat! Es reicht jetzt oder wir ziehen die Puppe von deinem Sold ab! Ausserdem ist es mitten in der Nacht... lass es gut sein, Junge, denn es ändert nichts.", waren die einerseits angesäuerten, als auch wiederrum gutmütigen Worte des Korporals. Geliad hatte es nicht einmal mitbekommen, wie er den Trainingsplatz betreten hatte. Durchschnaubend nickte er nur und liess sich nahe einem kleinen Schuppen ins Stroh nieder.

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Gerade erst war er mit dem Lesen der Anklageschrift fertig, als es auch bereits die ersten Tumulte im Gerichtssaal gab. Ein Bürger der Stadt stand sogar auf, um die Verhandlung zu verlassen, unter grossem, lautstarken Gezehter versteht es sich natürlich. Und trotz der Wachsamkeit aller anwesenden Gardisten merkte niemand, dass dies alles nur zur Ablenkung diente. Ein Knall, ein greller Blitz und Feuer... dann brach die Panik los. Auf dem Boden lag ein Lederbeutel und darin ein grausam zugerichtetes Nagetier. Die Zuschauer der Verhandlung kreischten, stoben auseinander, wie auch viele der gestandenen Soldaten und Gerichtsdiener. Die Verwirrung war komplett und dennoch sah er lediglich zu der Zelle, die auf der anderen Seite des Saales war.

Vier Gardisten rannten auf ihn zu, die Gesichter sowohl angeekelt, als auch völlig verängstigt verzogen. Sein Schild krachte gegen einen der Soldaten, während er den zweiten in einer Drehung an sich vorbei schob. Der Weg war frei.
Der junge Mann hörte seinen eigenen schweren Atem im Ohr, es übertönte selbst das Gebrüll und Wehklagen, welches sich über den Raum ergoss. Nur noch wenige Schritte... nur noch wenige Schritte... die Rüstung drückte ihn schon jetzt herunter, engte ihn ein, wurde mit jedem Schritt schwerer. Dann war es vorbei. So schnell es auch zuvor begann, waren es nur einige wenige Augenblicke, als sowohl die angeklagte Halbdrow, wie auch ihre Befreier fort waren. Er war zu spät. Wäre er nur nicht am Tisch der Anklage stehen geblieben. Wäre er wachsamer gewesen. Wäre er schneller gewesen. Was wäre wenn?

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Gähnend erhob er sich aus dem zu kleinen Bett im Fuchsbau. Dieses "Gasthaus", wie es sich nannte schien voller Verrückter zu sein. Hätte er es nicht besser gewusst würde er denken, dass im Nebenraum ein Gnoll einen Todeskampf führte, doch es war lediglich ein betrunkener, schnarchender Zwerg. Durch den Vortag auch nicht sonderlich aufgeheitert wandt er sich zum Waschzuber, um sich frisch zu machen und danach anzukleiden. Was wohl diesen Tag geschehen mochte war ihm nicht wirklich klar gewesen. Nur eines wusste er: "Es musste besser laufen...", und mit diesen Gedanken verliess er sein Zimmer, um sich in der Kaserne sofort wieder zwei Rekruten zu greifen und zum Rundgang mit zu nehmen.

Autor:  Laefilar [ Fr 19. Okt 2012, 15:37 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Falkenwinter

Die Nacht war bereits fortgeschritten und der Mond hatte bei weitem schon seinen Zenit überschritten. Es war eine klare Nacht und die Sterne, glänzend und weiss, wie Edelsteine der reinsten Art, standen über dem Vorposten. Die Luft war kühl, doch kein einziger Windhauch war spürbar. Langsam trabte das grosse Schlachtross neben den drei Ochsenkarren einher, die Stadtmauern hinter sich lassend und auf direktem Weg zum Vorposten gerichtet. Selbst auf der staubigen Strasse war zu dieser Uhrzeit noch eine Menge Betrieb. Man sah einige Mantler hin und her eilen, wie auch Gardisten und Soldaten der Stadt Rivin.
Im langsamen Tempo näherte sich die kleine Karavane dem Posten vor der Hafenstadt. Er zeichnete sich vor ihnen gegen den Nachthimmel ab, wie eine riesige Bergkuppel, erfüllt mit Lichtern auf den nächtlichen Mauerzinnen.

"Losungswort Fremder!", rief eine weibliche Stimme von der Mauer herab, als sich die Karren dem verstärkten Tor näherten. "Lasst das Soldatin Kerns! Ich bin nicht zu Scherzen aufgelegt, im Moment!", rief er seinerseits hinauf und erntete lediglich ein leises Kichern, gefolgt von Gemurmel. Im gemächlichen, fast vorsichtigen Tempo durchquerten sie die verstärkten Tore. Im Vorposten selbst schien es keine Nacht zu geben. Überall, wohin man sah, waren Menschen, Zwerge, Gnome und Halbe, sogar einige Elfen, in geschäftiges Handeln vertieft. Arbeiter mit Fackeln und Spaten rannten hin und her, brüllten sich teils gegenseitig an, warum jener oder dieser mitten auf der Strasse ein Loch buddeln wolle. An allen Ecken standen Magier in kleinen Grüppchen und schienen irgendetwas zu besprechen. Lautes Gerumpel ging von der Zugbrücke westlich des Postens aus. Was auch immer es war, er hatte derzeit nicht die Zeit es sich anzuschauen. Wahrscheinlich würde sowieso gleich ein brüllender Arbeiter vorbei gerannt kommen und es seinen Kollegen erzählen. Alles in allem war die Stimmung angespannt. Doch, wenn man genau hinsah, konnte man in all dem Chaos eine geordnete Struktur erkennen, die von einigen Anwesenden aufrecht gehalten wurde.

In gemächlichem Tempo, vorsichtiger als zuvor, setzten sich die Karren wieder in Bewegung, als der Gardist voran sie mit sich winkte. Ihr Weg führte sie durch die Masse von aufgeregtem Volk hindurch, hin und wieder einen der Arbeiter vorsichtig zur Seite schiebend, hinauf zur Ordensburg der weissen Löwen. Dort angelangt sprangen die Soldaten auch gleich von den Wagen und verbrachten sämtliches Gut in die Räume der Burg. In der Zwischenzeit erstatte er Bericht beim Hauptmann: "Transportable Ballisten und Arbalesten, wie angordnet, sind in den Vorposten verbracht. Der Aufbau wird schnell erfolgen, Sir. Desweiten sind einige Fässer mit Alchemistenfeuer, Donnersteinen und anderem heran gebracht worden. Somit können Sprengfallen aufgestellt und verteilt werden.". Mit einem knappen Salut wandte er sich dann ab und verliess den Stabsraum.

In der gleichen Nacht noch fand er sich in einer kleinen Kammer wieder, die zum Gasthaus des Vorpostens gehörte. Es brannte lediglich eine kleine Öllampe neben dem provisorisch erstellen Schrein des ewigen Wächters, ein einfaches Amulett, über eine Schwerstatue gehängt. Sein Blick war aus dem Fenster gerichtet, welches direkt zur östlichen Mauer zeigt. Leise waren seine Worte, nur gegen die Nacht geflüstert, die seine Lippen verliessen:

"Vor dir stehe ich, mein König, mein Lehnsherr, mein höchster Hauptmann, der einzig ewige Wächter, Helm.

Dunkel sind die Tage geworden und noch bedrohlicher die Nächte. Die Wasser versiegen und die Bäume welken viel früher, als normal. Die Tiere flüchten aus diesem Landstrich, Schatten erheben sich aus dem Nichts und eine scheinbar unbesiegbare Armee steht jenen Menschen hier gegenüber. Angst ist in den Gesichtern zu lesen.

So bitte ich dich, mein Hauptmann, schenke jenen deinen Blick, welche auf den Mauern und Türmen ihre Wacht halten. Gib jenen Mut, Stärke und Weitsicht, die diese Menschen versuchen zu schützen. Deine Kraft wird sich in meiner Klinge wiederfinden. Deine Hoffnung wird mein Schild sein und sich vor jeden stellen, der die seine verlor. So will ich in deine Hallen einkehren, wenn jene Schlacht vorbei und stolz hinab schauen, so es dein Wunsch. Doch schütze jene, die es in deinen Augen wert sind.

Von jetzt bis in die Ewigkeit, mein Herr, dein Schwert, dein Schild, dein Wort."


Mit jenen Worten endete die leise Litanei für jene Nacht, um in der kommenden erneut wiederholt zu werden...

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