www.Rivin.de
https://www.rivin.de/forumRO/

Von Einsamkeit und Mauern
https://www.rivin.de/forumRO/viewtopic.php?f=25&t=8650
Seite 1 von 1

Autor:  Harmony Rhapsody [ Di 25. Feb 2014, 07:52 ]
Betreff des Beitrags:  Von Einsamkeit und Mauern

Bis jetzt hatte sie die Stadt gemieden. Das gewaltiger Konstrukt voller Lügen und Verrat. Sie wusste das sie sich nicht ewig davor verbergen konnte. Irgendwann musste sie wieder darin eintauchen um zu überleben. Ausserdem, wollte sie nicht ewig von Mäusen und anderen Nagetieren leben. Sie brauchte auch neue Dinge wie Garn und Stoff.

Der Regen war wieder da. Wie ein Schleier lag er dick und feucht über dem Land und bahnte sich seinen Weg in Richtung Erde. Selbst die Bäume die ihr Laub abgeworfen hatten konnten ihn nicht aufhalten. Das Versteck das sie gefunden hatte war gut. Es war ein Glücksfall gewesen es zu finden. Der gewaltige alte Baum mit den riesigen Wurzeln lag plötzlich vor ihr, hatte sein Wurzelkleid im den Jahrzehnten und Jahrhunderten die er lebte einladend geöffnet , als würde er nur auf sie warten. Es war geräumig - sie konnte bequem darin liegen. Trotzdem rollte sie sich zusammen und lag auf der Seite, die Knie eng an den Leib gezogen und einen Arm unter den Kopf gelegt.

Es waren Nächte wie diese, die sie zweifeln ließen. Zweifel an allem. Ihrer Existenz, ihrem Sinn und ihrer Zukunft. Was wollte sie? Wo wollte sie hin? Und warum war sie wie sie war? Und wieso...wieso war die Welt so wie sie war? Und warum passte dieses Rivin nicht in das Bild das sie kannte. Letzendlich war es egal - das hier, die Nächte voller Einsamkeit waren ihr Schicksal. Der Schmerz in der Brust, den sie niemals zugeben würde.

Sie kauerte sich mehr zusammen, bis sie fast nur noch eine kleine Kugel war. Kugel. Genau Kugel. Sie angelte nach ihrem Rucksack und holte die polierte, glatte Holzkugel hervor. Fast hatte sie sie verloren. Sie war der Druidin so dankbar, dass sie sie gefunden hatte. Aber das würde sie ihr nicht sagen können. Sie stellte die Kugel in Augenhöhe vor sich auf und legte die Hand oben auf. Es war nur ein leichter Druck notwendig um den Mechanismus zu betätigen.
Die drei Füße schnappten heraus und sorgten für einen festen Stand der Kugel. Dazu öffnete sich mit einem leisen Schnappen das Loch an der Oberseite. Fast schon hastig, nein gierig, angelte sie in ihrer Gürteltasche nach dem unscheinbaren, stählernen Schlüssel. Sie schob ihn in die Öffnung und drehte ihn im Uhrzeigersinn. Das leise Schnarren, das metallische Klicken tönte davon das sie das sie die Feder darin aufzog.

Kurz nachdem sie den Schlüssel wieder losließ und die Hände wieder unter die Seite des Kopfes zog begann er sich von selbst zu drehen. Langsam und gleichmäßig wie ein marschierender Soldat. Und das matte Glimmen ihrer Dunkelsicht erlosch, als sie die Augen schloss. Dann rann es ihre Wangen feucht herab. Aber es war nicht der Regen der sich einen Weg in ihr Versteck gesucht hatte. Es waren Tränen. Sie wurden begleiten einem leisen, unterdrückten Schlurzen das übertönt wurde von der Melodie der Spieluhr die leise durch den Wald und den Regen hallte...

...diese Melodie spielt die Spieluhr...
http://www.youtube.com/watch?v=aP54vENCP4U

Seite 1 von 1 Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
http://www.phpbb.com/