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 Betreff des Beitrags: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Mo 24. Mär 2008, 13:27 
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…begleiten wir eine junge Novizin des Kreis der Eiche bei ihrer Rückkehr in die heimatlichen Gefilde. Kommend aus dem Hochwald war sie von ihrer Mentorin Rithleen von dort geschickt worden die heiligen Wälder bei Rivin aufzusuchen.
Niemand wusste damals dass der Druidenzirkel die heiligen Wälder verlassen würde. Niemand wusste das Rithleen lange vor ihrer Schülerin ankommen würde.
Niemand ahnte dass alles anders sein würde, sollte die angehende Druidin ihren Weg beschritten haben…

Schon war Mascha in Mitten der Borken gewandert, achtsam den Trollen dort aus dem Weg zu gehen. Doch ein Weibchen hatte sie trozdem bemerkt und sie gejagt. Dabei war Mascha über eine Klippe hinaus in den Abgrund gestürzt…


Vor einigen Monden:

Als sie zu sich kam, fand sie sich auf dem feuchten Waldboden wieder, dessen Nässe längst in die dicke Wolle ihrer Robe gezogen war.
Steif geworden waren ihre Glieder, sie spürte wohl jeden Knochen im Leib. Der eisige Atem Aurils wusste niemand zu verschonen, doch war sie bereits so ausgekühlt, dass sie nicht einmal mehr zitterte. Im Unterholz verrieten knackende Äste das sich von mehreren Seiten etwas näherte.
Als sie vorsichtig den Kopf hob, verschwamm ihr Blick und auch die Borken verschwanden hinter einem wässrigen Vorhang.
Sie wusste, die dunklen Schemen vor sich nicht als Baumstämme zu deuten, wo sie sich doch langsam bewegten. Schon musste sie den schweren Kopf wieder in das nasse Laub legen, allein ruhen wollte sie…

…in der Ferne hörte sie grunzende Orklaute, sie hörte ihren Namen wieder und immer wieder, fast schien es als würde man sie aufheben und forttragen…

Es war Nacht als sie erneut die Augen aufschlug und sie fand sich wieder auf einem Strohpolster, in gegerbte Felle gewickelt. Eine Jurtenplane war ihr zum Wetterschutz überspannt worden, in der Nähe brannte ein Feuer an dem sich vier Horks befanden.
Noch immer konnte sie sich kaum bewegen, diesmal jedoch hauptsächlich weil man sie so fest in die Felle gewickelt hatte dass sie darin gefangen blieb. Einige Seile stabilisierten ihren Kokon zusätzlich, nur ihr Kopf blieb beweglich.
Sie wand sich so gut es ging, bis sie die Gestalten am Feuer beobachten konnte.
Zwei drehten ihr den Rücken zu, ein anderer konnte zu ihr blicken. Das tat er aber nicht, denn er war offenbar damit beschäftigt einen Grillspieß zu drehen.
Der vierte stützte sich auf eine Hellebarde und starrte schweigend in die Nacht.
Mehr konnte sie von dem Lager in der Dunkelheit nicht erspähen, abgesehen von weiteren Feuern die in der Dunkelheit brannten. Sie wusste in vielen Sippen brannten die Orkkrieger gern viele kleine Feuer, so hofften sie ihr Lager würde größer wirken.
Nahe ihrem Lager verriet ein Geruch den Pferch einiger Ziegen, die aber offenbar ruhig zur Nacht lagen, denn kein Mucks kam aus dieser Richtung.
Während sie so da lag, fragte sie sich was nun mit ihr geschehen würde. Sollte sie erneut bei einer Orksippe gefangen sein? Bei den Trollwürgern war sie heran gewachsen, was aber hatte sie von einer fremden Sippe zu erwarten…
Ihr Kopf schmerzte noch immer, doch zwang sie sich darüber nachzudenken, wie sie wohl in diese Lage hatte geraten können. Doch die Erinnerungen blieben versteckt, sie wusste nicht was geschehen war.

Noch während sie versuchte ihre Gedanken zu sammeln, wurde sie abgelenkt von einer Unruhe, die sie wie eine Welle umschloss und drohte weg zu reißen.
Lauschend lag sie in der Dunkelheit, so nahm sie grunzenden Orklaute wahr, die in der Nacht offenbar jemand begrüßen wollten.
Die Unruhe übermannte sie, der Kokon war plötzlich zu eng und drohte sie zu ersticken. Unbedingt, drängte es in ihr zu erfahren, wem die freundlichen Grunzereien gelten sollten. Sie ahnte bald würde etwas geschehen, etwas in das sie Involviert sein würde. Ihr Atem wurde hektischer, während sie in ihrem Fellkokon begann zu schwitzen und jede Bewegung in ihrem Kopf einen Schmerz verursachte, der ihr bis in die Därme zog.
Ihr wurde schlecht und abermals verschwamm die Welt hinter einem Vorhang.
So konnte sie nur hören, dass auch die Horks in ihrer Nähe jemanden freundlich und respektvoll begrüßten.
„Ug! Khorkash!“ hörte sie eine vertraute Stimme in der Nacht, die kurz darauf von irgendeinem Jagderfolg berichtete und hervorragenden Fellen.

Agaork…Schnell schloss sie die Augen als sie die Stimme als die Seine erkannte. Sie war offenbar bei den Trollwürgern gefangen…
Heiß und Kalt waren die Schauer, die über ihren Rücken krochen. Sie war zurück, bei ihrer Sippe.
Wie lange Zeit hatte sie sich das gewünscht, nachdem Agarok sie damals verstieß. Doch dann hatte sie das Rudel gefunden. Rithleen…

Sie spürte wie Agaork heran trat und sie fühlte auch seinen Blick auf sich ruhen. Er trat ihr in die Seite und grunzte in vertrautem orkisch, sie solle erwachen.
Also schlug sie schnell die Augen auf, als er sie auch schon an einem der Seile vom Boden hoch riss um ihr grunzend zu drohen. Sein fauliger Atem schlug ihr ins Gesicht und nahm ihr fast die Luft als er sie am langen Arm lachend und höhnend von sich streckte, ehe er plötzlich in ein ungesundes Husten verfiel.
Damit lies er sie auch wieder auf den Boden fallen, während er würgte und auf den Boden spuckte.
Abermals trat er nach ihr und gab ihr dann drei Nächte Zeit gesund zu werden, ehe sie dann mit den anderen arbeiten sollte.

Mascha lag am Boden und vermochte kaum sich zu regen, nach dem heftigen Aufprall fand sie weiße Flächen in ihrem Blick, die ihre Sicht arg beschränkten. Ihr Magen schien sich zu drehen, so musste sie würgen und husten zu gleich.
Agaork schien das wenig zu berühren, doch verhöhnte und verspottete er sie im übelsten Orkisch. Die junge Druidin aber hörte die kaum, nachdem sie sich hatte besinnen und zusammenreißen können fiel ihr Blick auf ein kleines Mädchen, das sich nahe dem grunzenden Horks fand.
In dicke Wolle gepackt, hielt sich die Kleine am Stiel der Streitaxt fest, die Agaork in seinem Gürtel stecken hatte.
Aus der Kapuze fielen, kleine hellbraune Haarsträhnen auf ihre Schultern. Das Mädchen mochte höchstens sieben Sommer erlebt haben, das rundliche, weiche Gesicht erinnerte an einen Pfirsich, doch schien es in seiner Erschütterung versteinert worden zu sein.
Die großen, bersteinfarbenen Augen, flackerten im Feuerschein, als lodere in ihnen selbst eine Flamme. Die flammenden Augen des Mädchens ruhten auf der jungen Druidin, die am Boden den Kopf sinken lies…

„…Er hat mich schon ersetzt“ schoss es ihr durch den Kopf. Lange Zeit hatte sie sich nichts sehnlicher gewünscht, als zurück zur Sippe, zurück zu Agaork und Moggosch kehren zu können. Sie hatte sich erträumt ihren Platz wieder zu bekommen und nun war dieses kleine Mädchen dort, wo eigentlich sie sein sollte…
Neid und Eifersucht wuchsen in ihr, als sie angestrengt die Kleine anstarrte, voller schlechter Gefühle zu ihr. Dort wo ihr Arm sein sollte, gab es einen weißen Fleck in Maschas Blick und auch ihre Beine verschwanden hinter einem solchen.
Während Agaork sich selbst lobte und seine Kampfeskraft in tiefem Grunzen zum Besten gab, kreuzten sich die Blicke der jungen Druidin und des Mädchens.

…und so erkaltet die eine schien, so brannte die andere und der Blick aller zwei begann zu lodern….

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Fr 11. Apr 2008, 15:45 
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Der Trollwürgerclan hatte eine Niederlage eingesteckt und sein Lager nahe der Handelsstraße bei einem Angriff des Steinhauerclans verloren.
Die Trollwürger hatten fliehen müssen und arge Verluste gemacht. Fast alle Menschen die der Clan bei sich hatte waren gestorben, Agaork und Moggosch waren neben einigen anderen schwer verwundet worden.
Olga hatte den Clan zu einem verlassenen Lager mit einer kleinen Höhle geführt, wo sie sich schnell häuslich nieder ließen. Es lag weit ab von der Handelsstraße in einem Gebiet, das scheinbar sogar die Grünhäute längst vergessen hatten. So war es dort relativ sicher für einen Clan Halborks, der nun noch aus etwa 15 Männern, 10 Frauen und 3 Kindern bestand.
Der Clan hatte nun noch 5 Menschen bei sich, davon 4 Sklaven. Ein Mann namens Robin war offenbar ein Verbündeter Agaorks geworden, er hatte kürzlich dafür gesorgt das Mascha nun doch wieder in der Nähe des Häuptlings bleiben musste.

Es zerfraß sie förmlich das kleine Mädchen immer an Agaorks Seite sehen zu müssen. Er nannte sie auch Mascha und jedes Mal wenn er sie rief wollte Mascha aufspringen um für ihn zu tun, was immer er wollte.
Im Gegensatz dazu lies sich die kleine Mascha lange bitten und zog fast immer den Groll des Halborks auf sich. Das kleine Mädchen sprach kein Wort und gab keinen Mucks von sich, zu keiner Zeit. Selbst wenn Agaork sie hart dafür züchtigte, weil sie ungehorsam gewesen war. Doch in ihren Bersteinaugen sah Mascha ein Feuer lodern, wie es beeindruckender kaum sein konnte. Oftmals fühlte die junge Druidin den Blick des Kindes auf sich ruhen, wenn sie am Feuer saßen. Dieser Blick war Mascha unheimlich, schien die Kleine doch auf irgendetwas zu lauern. Sie schien Mascha mit ihren Bersteinaugen zu durchbohren und Mascha gelang es nicht ihren Blick für sich zu deuten.
Mehr noch lies ihre neue Situation Rithleen, den Zirkel und auch die Erdmutter verblassen zu lassen, ihr einziges Ziel wurde es Agaork zu beweisen, das ihr der Platz an seiner Seite gehörte. Wenngleich Agaork sie kaum beachtete.
Robin hingegen fand Gefallen daran Mascha zu gängeln und zu schikanieren, er zwang ihr seinen Willen auf, zuletzt musste sie bei ihm liegen. Wann immer sie sich ihm widersetzte, fand er neue Gemeinheiten die er ihr tun konnte, so ging sie schließlich den Weg des geringsten Widerstands und tat, was immer er wollte.
Anfangs hatte Moggosch versucht sie vor Robin zu schützen, doch Agaork hatte dem Einhalt geboten. Aus Gründen, die Mascha unbekannt waren hörte der Häuptling auf die Worte des Menschen und gestand ihm weit mehr zu, als er irgendjemandem sonst in dem Clan jemals zugestanden hatte. Fast schien es, das Robin für den Clan entschied und nicht mehr Agarok.

Nun aber, wo der Clan so zerschlagen war, waren die Trollwürger unruhig und laut geworden. Die Brutalität, die eine aufgeregte Halborksippe an den Tag legen konnte, war selbst für den skrupellosen Robin zuviel. Er zog es vor den Trollwürgern nicht in Reichweite zu gelangen und hatte sich in eine Ecke der Höhle zurückgezogen.
Während der Stammesschamane und sein Zögling für die Genesung des Häuptlings beteten und opferten, blieb ihnen für Moggosch kaum Zeit.
Auch sein Leben war zu umsorgen, hatte er doch tiefe Wunden am Leib von den Äxten seiner Gegner. Olga hatte ihm die Wunden notdürftig bedeckt und einige Gebete gesprochen. Die Blutungen waren zwar gestoppt, doch Moggosch wanderte bereits in die andere Welt, das innere Feuer wollte ihn verbrennen.
Der Angriff war eine Nacht her, als Mascha sich in der allgemeinen Aufregung ihren Rucksack packte. Gerade griff sie nach ihm, als sie einen Blick auf sich ruhen spürte. Als sie sich umdrehte schaute sie in das weiche Gesicht des kleinen Mädchens. Sie stand da, schweigend, mit ihrer Schlafrolle und einem kleinen Beutel. Vollkommen unbeeindruckt von den Horks die um sie herum Rangeleien und Kämpfe ausfochten.
Mascha schaute zu ihr herab und für einen Moment loderte in den Smaragtblauen Augen der jungen Frau die Eifersucht auf, fast schien es das tiefe Blau sei einem giftigen Grün gewichen.
Während sie standen und sich anstarten, war es als rückten die Ereignisse um sie herum fort. Es war als gäbe es in dieser Sekunde nur Mascha und das neue Kind an ihrem Platz, Mascha. Beiden hatten alle Zeit vergessen und in Mascha keimte mit einem Mal der Gedanke auf, das die Kleine ihr den Platz an der Seite des Halborks nicht genommen hatte…Er hatte ihn ihr gegeben.

Mascha riss sich damit plötzlich aus ihrer Position und nahm ihren Rucksack an sich.
Das Kind stand ihr im Weg bei ihrem Plan und jeden guten Gedanken an das Kind verdrängte sie eilig. Zuletzt fürchtete sie Mitleid für das kleine Mädchen zu empfinden und Mascha war sich sicher dann ihren Kampf nicht mehr führen zu können. So ging sie zielstrebig an dem Kind vorbei. Sie suchte Moggosch und begann die Wunden mit Wein auszuwaschen. Niemand schenkte ihr Beachtung, bei dem was sie tat und so konnte sie ruhig und besonnen arbeiten, wie es ihr Rithleen gezeigt hatte.
„…Rithleen…“ schoss es ihr in den Kopf und sie hielt einen Moment inne.
Plötzlich fühlte sie ihn wieder. Den Blick des Mädchens, das nun nahe dem Höhleneingang stand. Die Schlafrolle war nun fort, dafür hielt sie einen Eimer, den sie offenbar hinter sich her zog.
„MASCHA!!!“ Die junge Druidin zuckte zusammen, als sie Olgas tiefe Stimme brüllen hörte. Automatisiert sprang sie auf und hielt dann doch inne. Das Kind war gemeint, denn die Kleine machte sich daran den Eimer weiter zu ziehen.
Aus ihren Gedanken gerissen, versorgte Mascha dann weiter die Wunden des bewusstlosen Halborks.
Über einer kleinen Feuerstelle erhitzte sie Bier aus dem Fass der Horks, da sie keinen Wein mehr fand. Darin kochte sie getrocknete Schafgarbe und Lavendel.
Während sie das Bier erhitzte rieb sie eine Knochennadel mit Thymianöl ein und begann die tiefen Schnitte zu nähen. Die dicke Orkhaut machte ihr arge Schwierigkeiten, die Nadel drohte zu bersten. Schön würden die Narben nicht werden, musste sie zugeben, doch Moggosch würde das wohl kaum stören. Je übeler seine Verletzung und Narben umso stärker fühlte er sich…
Während sie ihn verband, entsann sich wie sie früher mit Moggosch „Jagen“ gespielt hatte. Meist hatte er sich an sie heran geschlichen, wenn sie nicht an ihn dachte. Da er sie immer aus dem Nichts heraus ansprang, hatte sie damals regelmäßig Verletzungen davon getragen. Seine erste Trophäe hatte er zu allererst ihr gezeigt, als er damals den ersten Trollschädel heim brachte….
Wenige Nächte vor dem Kampf hatte er ihr zugegrunzt, das er sie damals hatte behalten wollen als Agarok sie aussetzte…Die junge Frau fand für sich in Moggosch mehr einen Bruder und Schützer zu sehen, so strengte sie sich an ihn zu heilen.


Als sie ihn verbunden hatte, begann sie Kompressen aus ihrem Biersud auf die Verbände zu legen. Schließlich flösste sie ihm von ihrem Sud auch etwas ein, nachdem sie es mit Steinstaub aus einem kleinen Lederbeutel versetzt hatte.
Stündlich wechselte sie die Kompressen und gab ihm auch von dem Sud, bis sie merkte dass der schlaffe Körper des jungen Horks nicht mehr im Fieber glühte. Sie wusste nicht wieviele Tage und Nächte sie so bei ihm wachte...

Während Moggosch unter Maschas Pflege nach einigen Tagen wieder zu Bewusstsein kam und seine Wunden heilten, stand es um Agaork immer schlechter. Der Horkclan wurde immer aufgeregter, wie es immer war, wenn die feinen Nasen der Halbblüter den Tod rochen.
Nak Kaa Luk, der Stammesschamane betete nun Tag und Nacht um das Leben des Häuptlings….

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Mo 2. Jun 2008, 17:34 
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Fast zwei Monde nach der Wintersonnwende waren vergangen, ehe auch Agaork wieder genesen war. Während Moggosch dank Maschas Pflege binnen kurzer Zeit schon wieder aufstehen konnte, hatte der Häuptling in Fieberkrämpfen phantasiert und viele Nächte vor der Todespforte gelegen.

Das Lager wurde damals von Tag zu Tag unruhiger und die Anspannung der Halborks entlud sich in heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen untereinander.
Knochenbrüche und Bisswunden innerhalb der unruhigen Horksippe waren ständig zu behandeln und die einfachen Horks hatten schnell Maschas Fähigkeiten erkannt.
Soviel Vorräte an Kräutern hatte Mascha nicht bei sich getragen, doch in der Beute der Horks fand sie alles was sie brauchte. Moggosch besorgte ihr so die notwendigen Kräuter und Mascha gewann zusehends Ansehen in ihrer Sippe.
Immer wieder hatte Mascha darum gebeten auch den Häuptling behandeln zu dürften, doch
der Stammesschamane wollte das nicht zulassen. Er schimpfte sie Frevel, dass sie nicht in seine Gebete vertraute und verbot ihr schließlich in Agaorks Nähe zu kommen.
Die Tatsache, dass der Stammesschamane sie kaum bestrafte für ihr Verhalten, verhieß wie schlecht es wirklich um den Häuptling gestanden hatte.
Abgesehen von ihrer Sorge um Agaork fühlte sich Mascha aber wohl und hatte in der Sippe einen Status erreicht, dass die Sippe sie bald anerkennen würde. Das fühlte Mascha tief in sich und entsann sich ihrer Kindheitsträume, als Monogrin noch Häuptling war und Agaork sich erst noch hatte beweisen müssen. Sie hatte damals geträumt einmal eine von „Ihnen“ zu sein, ein Mitglied der Sippe…
Doch hatte sie stets gedacht, das könnte nur ein Traum bleiben.

Für sich hatte sie die Zeit beim Druidenzirkel vergessen und weit hinter sich gelassen.
Gewiss betete sie noch immer, wie Rithleen und Daria es sie gelehrt hatten. Sie wusste Dankbar zu sein, für die Güte der Erdmutter. Dennoch sah sie darin, dass sie zurück zu ihrer Sippe fand, ein Zeichen der Göttin. Mascha war überzeugt, ihr Wirkungskreis sollte bei den Trollwürgern sein.
Es gab nur wenige Momente in denen sie an ihrer Überzeugung zweifelte. Und der aufkeimenden Stimmung des Haderns entgegen setzte Mascha schlichtweg den Gedanken an ihrer Situation ohnehin nichts ändern zu können, denn gehen lassen wollten die Trollwürger sie jetzt erst recht nicht mehr.

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Do 12. Jun 2008, 23:15 
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Vor zwei Monden:

Die Trollwürger hatten sich langsam von ihrem Schrecken erholt, die der überraschende Überfall im Winter mit sich gebracht hatte. Der Alltag war in das Lagerleben eingekehrt und der Stammesschamane tätigte Vorbereitungen für das baldige Paarungsritual der Trollwürger.

Mascha beobachtete das kleine Mädchen, das Agaork an ihrer Stelle nun hatte. Im Sonnenlicht des Frühlings, wirkten die flackernden Augen des Mädchens gleich wie warmer Sonnenschein und Mascha verstand die Faszination, die Agaork für das kleine Mädchen empfand.
Die Kleine jedoch war bockig und folgte nicht dem was der Halbork ihr sagte. Sollte sie stehen bleiben, ging sie weiter, sollte sie weiter gehen, blieb sie stehen.
Der kräftige Halbork schnaufte vor Wut, drohte an der Kleinen zu verzweifeln. Und die kleine Mascha hinterließ immer irgendwie den Eindruck, als sei ihr Verhalten berechnender als es den Anschein haben mochte.
Seit Tagen ging das Spiel zwischen den beiden so und mit einem Mal bemerkte Mascha, wie sehr das Mädchen doch Einfluss nehmen konnte auf die Trollwürger.

Die Frühlingssonne füllt langsam das kleine Tal um die Höhle mit Wärme, als Agaork notgedrungen der kleinen Mascha südlich in die Wälder folgte, statt nördlich zu gehen wie die anderen.
Der Blick der jungen Frau wanderte über das Lager.
Am Feuer stand Olga, Agaorks Schwester und erste Frau. Sie hatte ihr Baby, die kleine Olkaijak, vor ihren Bauch gebunden.
Wo Mascha vor wenigen Stunden noch eine liebende Mutter mit ihrem Kind, beim Kochen der Mahlzeit gesehen hatte, sah sie plötzlich ein anderes Bild.
Die Mutter war vom Schlachten des Schafes, das sie da kochte, noch immer mit Blut und Knochenstücken beschmiert. Olkaijak war lieblos vor dem Bauch verschnürt, die Mutter schützte das kleine Wesen kaum vor Stößen und Schlägen.
Immer wieder fischte Olga aus dem siedenenden Kessel verschiedene Fleischstücke, Innereien wie Mascha wusste. Mit ihren gelbschwarzen Zähnen kaute sie ein wenig darauf herum, ehe sie dem Baby von der grauen Masse zu essen gab.
Sabber und Fleischbrocken sammelten sich auf Kleidung und Kind, während Mascha darüber plötzlich Eckel empfand.
Mascha wusste ihre Gefühle, ihren Eckel nicht zu deuten, sie fühlte sich schlecht deswegen.
Wo sie auch hin sah, alles fand sie von Horks verseucht, die Büsche und Gräser zertreten, die ersten Frühlingsblumen zerstampft. Überall lagen Reste von Kadavern, die die Horks unachtsam liegen ließen. Die Luft war schwer vom Geruch der verwesenden Kadaver und den Exkrementen der Horks, die sich rund ums Lager finden ließen.

Ehe Mascha auch nur richtig darüber nachdenken konnte, hatte sie ihren Korb gepackt und ging südlich in die Wälder.
Da sie mittlerweile alleine in die Wälder durfte, damit sie Kräuter sammeln konnte, stellte sich niemand der jungen Frau entgegen.
Immer schneller entfernte sich Mascha von dem Lager der Trollwürger bis sie schließlich ein ganzes Stück rannte.
Irgendwann blieb sie stehen, keuchend und außer Atem hechelte sie eine Zeit, während in den düsteren Wäldern um sie herum ein später Wolf heulte. Mittlerweile war der Wald erwacht und Mascha traf die erschütternde Erkenntnis jener, die erst etwas taten und dann erst begriffen was es bedeuten würde.
Niedergeschlagen und erschüttert hockte sich Mascha in den Schatten eines umgefallenen Baumes. Stundenlang starrte sie vor sich ins Leere, grübelnd und verwundert über sich selbst. Voller Selbstzweifel und dem brennenden Gefühl der Einsamkeit lies Mascha den Tag vergehen.
Die Schatten wurden bereits länger, die Luft wurde Kälter und langsam begann die Dunkelheit, sich die Wälder zurück zu erobern.
Plötzlich aber wurde sie auf Geräusche im Unterholz aufmerksam, die sich näherten und mit einem Mal brach ein Wolf aus dem Unterholz.
Sekundenlang starrte er Mascha an, ehe er verspielt aufhüpfte um vor Mascha wieder auf dem Boden zu liegen, als wolle er sie begrüßen.
Wie erstarrt schaute Mascha auf das Tier, sie war sich sicher es war die Wölfin die sie zu Beginn ihrer Reise begleitet hatte.
Während Mascha noch ungläubig und starr gebannt war, brach abermals etwas durchs Unterholz. Hinter ihrem Baumstamm konnte Mascha beobachten wie zuerst etwas Kleines, Braunes durchs Unterholz flitzte und unter einer Felsspalte, die im Boden klaffte, verschwand.
Kurz darauf sah sie die große Gestalt eine Horks aus der gleichen Richtung kommen. Mascha erkannte Fador, einen Krieger Agaorks. Fador stand suchend auf einer kleinen Anhöhe und schaute sich schnaufend und keuchend um.

Irgendwann begann der Halbork grunzend zu rufen: „Mascha, kleines Mascha….Kommens…Kleines Maaaascha….“
Unter der Felsspalte aber tat sich nichts und während Mascha überlegte was zu tun war, bemerkte sie einen Blick auf sich ruhen.
Als sie sich umsah, schaute sie in die Augen der Wölfin, deren bersteinfarbener, flackernder Blick auf ihr ruhte.

Sekundenlang kreuzte sich der Blick der Druidin und der Wölfin, ehe Mascha schließlich aus ihrem Versteck aufstand und Fador auf sich aufmerksam machte.
In bestem Trollwürgerorkisch grunzte Mascha den suchenden Hork an, fragte ihn wen er denn suchen würde.
Verzweifelt berichtete Fador, das er einen Augenblick hatte auf die bockige, kleine Mascha aufpassen müssen, als Agaork und die anderen ein Händler überfallen wollten. Die kleine Mascha hatte ihn gebissen und war davon gelaufen. Zum Beweis zeigte er ihm tatsächlich eine leit blutende Wunde, in der ledernen Horkhaut.
Fador malte sich in übelsten Farben aus, was der Häuptling mit ihm anstellen würde, wenn die kleine Mascha nun fort sei. Dabei hatte er, Fador sich schon so auf das Paarungsritual gefreut.
Die junge Frau hörte dem klagenden Hork zu und wieder stieg Eckel in ihr auf.
Sie sagte Fador sie habe etwas vorbei huschen sehen und wies ihm einen Weg, tief ins Unterholz, dringend bemüht ihre plötzliche Abneigung gegen ihn zu überspielen.
Fador nahm die Hilfe dankend an und bemerkte natürlich nichts von Maschas plötzlicher Abneigung gegen ihn. So folgte er dem Weg, den sie ihm gewiesen hatte dankbar und voller Hoffnung.

Die Wölfin setzte dem Hork nach, während Mascha langsam zu der Felsspalte ging. Dort fand sie das kleine Mädchen, dass sie mit großen Augen ansah.

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Mo 30. Jun 2008, 14:41 
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Seit Stunden regnete es schon. Mascha hatte mit der Kleinen Schutz unter dem Felsvorsprung gesucht, aber es dämmerte bereits und so war kein fortkommen mehr in Sicht.
Glücklicherweise reichte der Spalt tief in den Fels, die beiden Mädchen wussten sich also außer Reichweite grabschender Trollklauen.
Doch waren sie durchnässt und ausgekühlt. An ein Feuer war nicht zu denken, waren nicht nur die Wälder nass und ohne trockenes Holz.
Mascha wusste dass sie in Gefahr waren. Sicher würde Agarok nach ihnen suchen. Er konnte nicht ertragen, wenn ihm etwas weggenommen wurde. Er würde Mascha die Schuld dafür geben, da war sie sich sicher.
Die Kleine Mascha hatte ihr inzwischen einiges erzählt, so war ihr wirklicher Name Monja. Sie stammte aus einer kleinen Siedlung nahe der Trollborken, doch Mascha wusste mit der Beschreibung nichts anzufangen.
Die Trollwürger waren über die Siedlung hergefallen, wo Monja mit ihren Brüdern Kaja und Jasse von ihrer Großmutter aufgezogen worden waren.
Das kleine Dorf hatte nicht viele Einwohner, sie konnten sich nicht gegen den Clan verteidigen. Ihre Brüder versteckten sich damals im Wald, doch Monja verbarg sich unter der Küchenbank. Was mit der Großmutter geschehen war, wusste sie nicht.
Dort fand Agaork sie schließlich und als er sie ansah, fand er ihre Augen schön, wie Edelsteine aus dem Meer. Darum hatte er sie mitgenommen.
Viele in dem Dorf waren gestorben, das hatte Monja gesehen, ehe Agaork ihr schließlich einen Sack überstülpte und sie verschleppte.

Während sie der traurigen Geschichte eines kleinen Mädchens lauschte erinnerte sich auch Mascha...
…das Bild ihrer schreienden und klagenden Mutter, dass sie immer wieder in ihren Träumen sah…vielleicht klagte sie gar nicht über Mascha wie sie immer dachte, vielleicht schrie sie weil man ihr das Kind nahm…Vielleicht hatte Agaork ihr viele Lügen erzählt…

Nun kauerte sie am Boden, in ihren Armen die kleine Monja und starrte in die Nacht. Obwohl es schon Sommer war und Chauntea ihre Zeit hatte, waren die Nächte in den Borken kalt und durch das Geäst der alten Bäume kam kaum ein Sonnenstrahl an den Boden. So war es kühl im Fels, als sei es Winter.
Nur Monja hatte eine Decke mit sich, Mascha war nur mit wenigen Dingen bepackt. Jedoch waren sie beide schmal und klein, so konnten sie sich schon den Lodenfetzen Teilen, den Monja als Decke hatte.

…all ihre Gedanken und Gefühle schienen sie in einen Strudel zu ziehen, der sie unweigerlich in die Tiefe ziehen würde…in ihr wuchs eine Traurigkeit, wie sie sie nicht kannte, hilflos schaute sie auf das schlafende Kind…wohlmöglich wusste sie nichts Wahres von ihrer Vergangenheit…Leere und Einsamkeit wuchs in ihr, drohte sie zu ersticken….

Draußen vor der Felsspalte lebten die Borken zur Nacht auf und hier und da zerschnitt der gequälte Schrei eines Opfers die Nacht. Wölfe heulten in der Ferne und ein kleiner Igel suchte ebenfalls Zuflucht in der Felsspalte.
Er störte sich keineswegs an den beiden Menschen, die da seinen Unterschlupf teilten Erst als sich plötzlich aus dem Nichts, die junge Wölfin in die Felsspalte schob wurde der stachelige Zeitgenosse doch etwas unruhig. Er formte sich zur Kugel und verbarg sich tief im Schatten, wenngleich die Wölfin flach auf dem Boden zu den beiden Menschen robbte und keinerlei Notiz von dem Igel nahm.
Zu Maschas Überraschung schob sich die Wölfin nahe an Monja heran, also wollte sie sie wärmen.
So nah war sie der Wölfin noch nie gewesen, zuerst wagte sie es kaum zu atmen. Das dunkle Tier aber lag ruhig bei dem Kind und eine Aura von Ruhe und Gelassenheit legte sich um die Wölfin, dass auch Mascha schließlich zur Ruhe fand.

Ehe der Schlaf sie übermannte, beschloss sie Monja mit zum Rudel zu nehmen. Die Druiden würden wissen, wie Monja ihre Familie wieder finden könnte...

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Di 8. Jul 2008, 15:01 
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Seit Wochen waren die junge Druidin und die kleine Monja schon in den Trollborken unterwegs.
Zuerst wollte es Mascha nichts bedeuten, doch mittlerweile fand sie es doch seltsam dass sie nur wenigen Trollen und überhaupt keinen Orks begegneten.
Gewiss, sie waren auf der Hut und zuerst verschaffte es Mascha auch Erleichterung derart unbehelligt durch die Borken zu wandern. Jetzt, nach einigen Tagen, verursachte diese „Leere“ in den Borken in der Dienerin Chaunteas ein eher ungutes Gefühl. Wenn die Trollborken nicht voller Gefahren war, was konnte das für sie bedeuten?
Und warum folgte der Trollwürgerclan nicht seiner Beute?

Mascha hatte lange genug bei den Trollwürgern gelebt um zu wissen, dass diese ihre Beute niemals aufgeben wollten. Einmal hatte sie hinter sich Geräusche gehört, die sie glauben ließen die Trollwürger waren nicht mehr weit. Doch danach war nichts weiter geschehen, dass sie hätten fliehen müssen.

Die Wölfin lies sich tags nicht mehr sehen, doch in jeder Nacht kam sie und hielt sich bei den beiden Mädchen auf.
Mascha begriff, dass die Wölfin sie bewachte und nahm deren Hilfe gerne an.
In all ihrer Zeit hatte Mascha immer jemanden um sich gehabt, der wusste was zu tun war. Sie hatte selten allein entscheiden müssen. Sie begriff dass Rithleen sie darum damals im Herbst fortschickte, sie verstand dass sie lernen sollte für sich zu sorgen.
Doch hatte Rithleen auch gewusst, dass Mascha nicht nur für sich sorgen musste, sondern auch für ein acht Winter altes Mädchen?

Die unerfahrene Druidin versuchte ihr Bestes Monja und sich zu ernähren. Der frühe Sommer gab noch nicht viel an Früchten her, noch waren sie nicht reif.
Monja hatte zu ihrer Flucht einen Leib Brot gepackt und etwas Speck, doch beides war längst aufgebraucht.
Zu ihrem Glück war der Waldmeister gerade in der Blüte, so dass es den beiden nicht schwer fiel, das weit duftende, nahrhafte Kraut zu finden. Allerdings fanden sich wenige Lichtungen, so tief in den Borken auf denen sich der Waldmeister hielt.
Hin und wieder fanden sich auch kleine Walderdbeeren, die sich die beiden aber mit einigen Igeln teilen mussten.
Auch die Wurzeln die sie ausgraben konnten standen zwar in vollem Saft, doch wusste Mascha sie durften den treibenden Pflanzen nicht zuviel nehmen, dass sie sie nicht kaputt machten.
So war ihr Speiseplan karg und wenig abwechslungsreich.

Mascha kannte das karge Leben schon, doch Monja setzte es arg zu. Tapfer versuchte die Kleine sich nichts anmerken zu lassen, doch sie wurde von Tag zu Tag schwächer, das hübsche Gesicht fahler und ihre bernsteinfarbenen Augen, die sonst wie kleine Feuer flackerten, wurden dunkler und trüber.
Die Sorge um das Kind wuchs in Mascha, so verlor sie die Gedanken um die „leeren“ Borken aus dem Sinn und suchte einen Weg, Monja zu helfen.

In einem kleinen Bach an dem sie vorbei kamen tummelten sich Forellen und in ihrer Not übte Mascha sich darin, einige von ihnen zu jagen.
Am Anfang wollte es ihr nicht so Recht gelingen und so dienten Maschas Versuche mehr dazu Monja zum Lachen zu bringen, als Forellen zu fangen.
Schließlich aber gelang es ihr immer besser die Forellen zu fangen. Zuerst hüpften sie ihr noch aus den Händen, dann aber hatte sie zwei gefangen die sie mit einem Schlag auf einen Stein aus dem Leben zwang.
Sogleich machte sie sich daran die Fische auszunehmen, mit Hilfe eines gebrochenen Flussspats konnte sie die Tiere aufschlitzen.
Sie hatte schon öfter Tiere ausgenommen, doch diesmal wollte sie das Blut der Fische kaum sehn. Ihr drehte sich der Magen als der rote Lebenssaft ihre Hände färbte, ihr Blick verschwamm und der Ekel den sie plötzlich im Horklager verspürt hatte, stieg abermals in ihr auf. Für einen Moment wollte sie die Fische, den behauenen Flussspat und all das in den Bach werfen, dass er sie davon tragen und all ihre Schuld am Leben der Fisch fort waschen würde.
Doch ehe sie dies tat, besann sie sich eines besseren und wusste ja längst die Gebote der Jagd zu befolgen. Monjas große, dunkle Augen ruhten auf ihr, als die junge Druidin sich sammelte um zu beenden, was sie begonnen hatte.
Augen und Herz der Fische gab sie dann als Opfer der Jagd an die Wälder zurück, sie dankte den Tieren für ihr Opfer und sprach ein Dankgebet an die Wälder.

Dann erst brachte sie die Fische zu Monja und bemerkte dass auch die Wölfin schon zur Lichtung gekommen war. Sie gab Monja die Fische und ein Beutelchen mit getrocknetem Rosmarin, den das Mädchen in die Fischleiber streute. Sie bat Monja mit dem Flussspat die Fische für sie drei zu teilen, dass jeder seinen Teil bekommen konnte.
Während dessen wusch sich Mascha vom Blut der Tiere rein und wie sie so im Bach stand und die Forellen betrachtete, das sanfte Glucksen des Baches in den Ohren, den Gesang der Abendvögel um sich, verlor sie sich in ihren Gedanken…

…sie fand sich wieder bei Rithleen, die besorgt an dem Ufer eines Baches saß. Die Druidin schaute ins Wasser und sprach ein Gebet. Neben ihr stieg violetter Rauch aus kleinen Steinschalen auf und irgendwie war Rithleen in grauen Nebel gehüllt.
Die helle Haut der Druidin aus dem Osten, wirkte fast weiß und durch das pechschwarze Haar wirkte sie ein wenig geisterhaft.
Sorge und Unruhe fanden in der Erscheinung Rithleens ihren Ausdruck und als die Druidin den Kopf hob, dachte Mascha einen Augenblick sie könnten einander anschauen…


Irgendwo weit weg, hörte sie ihren gerufenen Namen und sogleich wurde auch das Bild Rithleens nebeliger, ehe es vor ihr verschwand.
Noch einmal rief Monja Mascha zum Essen und als diese sich umdrehte klang ihr irgendwie der vertraute Ton ihrer Mentorin im Ohr…

…“ du musst heimkommen, Mascha“…

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Fr 11. Jul 2008, 17:39 
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Eine trügerische Ruhe lag über dem Lager am Rastplatz. In die Wagen war Ruhe eingekehrt, aus den Zelten drag das Schnarchen der dort Schlafenden.
Rund um den Karawanenzug erhellten Lagerfeuer die Nacht, sieben Wachen gingen das Lager ab.

Mascha schaute zu Monja, die geschwächt neben ihr lag und über den Felsen auf das Lager schaute. Dunkle Ringe lagen unter ihren Augen, ihr bleiches Gesicht wirkte darum umso kranker…



…sie fühlte sich von Rithleen gerufen und ahnte ihre Mentorin würde sie nicht ohne Grund drängen. Doch konnte sie Monja in den Wäldern nicht sich selbst überlassen. Der Körper des Kindes konnte der Belastung kaum noch standhalten, die ein Gang durch die Borken erforderte. Dem Kind fehlte stärkende Nahrung und ein paar Tage Ruhe, dass es sich erholen konnte.
Hier und da begegneten ihnen nun doch Trolle und Monja konnte Maschas Strategie der blinden Flucht kaum genügen. Sie durften sich von ihnen nicht bemerken lassen, so blieb die junge Wölfin auch schon jeden Tag bei ihnen. Sie warnte die beiden Mädchen, sobald sie eine Grünhaut witterte und bot ihnen ein Ablenkungsmanöver, damit sie unbemerkt blieben.
Die junge Druidin fand in der Wölfin eine Hilfe, ohne die sie kaum vorankommen konnte. Sie war sich sicher, ohne sie wären sie verloren. Alleine würde sie schon zu Recht kommen, doch schon die Ernährung des Kindes nahm viel Zeit in Anspruch.
Viele Stunden am Tag trug Mascha die Kleine auf dem Rücken, wenngleich sie selbst dadurch mehr Kraft verbrauchte als sie hatte.
Im Morgengrauen fand Mascha kaum Kraft für ihre Gebete und so hatte sie widerwillig beschlossen Hilfe zu suchen.

Mit Monja war sie zum östlichen Handelsweg gezogen, der entlang der Borken nach Rivin führte. Dort hatten sie sich auf einen Felsen zurückgezogen, von dem sie aus auf einen Karawanenrastplatz blicken konnten.
Bereits nach zwei Tagen war eine Karawane dort angekommen und lagerte zur Nacht dort. Sie ging in südliche Richtung, dass sie gewiss nach Rivin kam…



…sie schaute zu der Wölfin, die hinter den beiden saß und sie beobachtete. Langsam drehte sich die junge Druidin zu der Wölfin und setzte sich vor sie.
Das Tier blieb ruhig vor ihr sitzen, erwartungsvoll schauten die bernsteinfarbenen Augen der Wölfin sie an.
Mascha erwiderte den Blick des Tieres schweigend, ehe sie langsam die Hand hob und vor ihre Stirn brachte.
Leise Stimme rief sie die Erdmutter an:
„Mach weit Maschas Geist, Mutter aller Leben,
dass uns die gleiche Sprache gegeben.“

Darauf wischte sie mit ihrer Hand über ihr Gesicht, das die gerufene Magie sie umgeben konnte.

Wieder schaute sie die Wölfin an und mit einem Mal war ihr das sie die Gedanken des Tieres empfand.
„Was jetzt, was jetzt“ schien sie zu sagen und allein in ihren Gedanken antwortete Mascha ihr: „Wolfes Mascha und Monja jagens, zu Lager“.
„Jagen, jagen, jagen“
war die Antwort, während dass Tier hechelte.
„Du müssens sein vorsichtig, Mascha will seins armes Kind, dass Menschenzug mitgehens kann, wegens armes Leid“
„jagen, jagen, jagen“ hechelte die Wölfin ehe sie aufsprang und in die Nacht hinaus heulte.
„Mascha seins froh, kennen zu lernen gutes Wölfin. Seins Danke fürs Leben“.

Und während der Zauber langsam verschwand, hallten in Maschas Gedanken die letzten der Wölfin wieder: „Schnell, jagen, schnell“

Während Mascha zu Monja ging, heulte die Wölfin abermals in die Nacht, doch diesmal bekam sie Antwort aus der Ferne.
Gleich mehrere verschiedene Wölfe riefen zurück und ein Blick ins Lager zeigte das die Wachen aufmerksam wurden.
Mascha half der schwachen Monja auf ihren Rücken und Monja schlang Arme und Beine um die Druidin. Vorsichtig kletterte sie mit dem Kind herab von dem Fels.
Indes kam das Heulen der fremden Wölfe näher, die dunkle Wölfin blieb am Fels zurück.

Nach einem beschwerlichen Abstieg durch das Gebüsch, kam Mascha dann mit dem Kind auf einer Wiese an. Sie wusste hinter der nächsten Biegung das Karawanenlager und ehe sie hinter sich die Wölfe durchs Unterholz brechen hörte, rannte sie schon auf den Fels zu.
So hatte sie zunächst einen guten Vorsprung vor den Tieren. Doch die Unebenheit des Bodens und das Kind auf dem Rücken hinderten sie in der Bewegung, so kam sie oft ins Straucheln und drohte zu fallen.
Während sie den Fels nun fast erreichte, wurde ihr erst klar, was sie von der Wölfin erbeten hatte. Sie war sich nicht sicher, ob die Wölfin wirklich verstanden hatte was sie ihr hatte sagen wollen. Vielmehr rannte sie in dem Bewusstsein, das fliehende Beute die Wölfe nur noch eifriger machen wollte. Sie wusste der Jagdeifer wird auch „ihre“ Wölfin packen.
Ein wenig zweifelte sie schon an ihrem Plan, als die Wölfe doch recht schnell zu ihr aufschlossen. Der erste Wolf war bereits daran sie zu überholen als sie um die Biegung kam und Monja endlich um Hilfe schrie.
Obwohl sie so kraftlos gewesen war, zerriss ihre hohe und kraftvolle Stimme die Stille im Lager und vertrieb die Ruhe, die darüber gelegen hatte.
Mascha schaffte noch einige Meter um die Biegung als der erste Wolf nach Monja schnappte und ihr die Decke weg riss, die sie um sich trug.
Nur sekundenlang hielt das die Tiere auf, so schaffte es Mascha noch die Wiese zum Lager bis knapp auf die Hälfte zu überqueren. Gehetzt von Monjas Rufen kreisten die Wölfe sie dann ein.
So fanden sich die beiden inmitten der Wölfe, die sie umkreisten und langsam immer näher kamen. Monja suchte das dunkle Tier eine Weile, ehe sie ihre Helferin fand.
Schließlich suchte sie deren Blick, konnte ihn jedoch nicht halten.

Plötzlich flogen Feuerpfeile zwischen die Wölfe und ihre Beute, laute Rufe von Männern folgten ihnen aus der Dunkelheit.
Scheu gaben die Tiere ihre Beute auf, noch ehe die Männer nahe genug heran waren sie zu schlagen. Als sie die Männer in der Nacht erkannte, lies sich Mascha erleichtert niedersinken.
Einige folgten den fliehenden Wölfen ein Stück, andere kamen und hoben die beiden Mädchen auf.

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: So 20. Jul 2008, 18:48 
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Zerlumpt und zerrissen wie sie waren, hatte der Karawanenführer Mitleid mit den Mädchen und als eine gutmütige Händlerin versprach sie für die beiden zu sorgen und sie durften mit der Karawane nach Rivin reisen.

Die Händlerin war eine freundliche und gutmütige Frau, die gewiss schon 50 Winter erlebt hatte. Sie war etwas dicklich und in gutes Tuch gehüllt. Mit ihrem Mann, ihrem Sohn und zwei Knechten war sie auf dem Weg Handelsgut von Dolchfurt nach Rivin zu bringen. Auf ihrem Wagen fanden sich auch allerlei Stoffballen und die durften Monja und Mascha als Schlafplatz nutzen.
Das Essen was man ihnen brachte, waren die Reste dessen, was die Händlerleute übrig hatten, so war es mal mehr, mal weniger was sie bekamen. Die schlichte Nahrung war aber stärkend und so war Monja schon bald wieder erholt und kräftiger.
Zudem steckte die gute Lina, so nannte sich die Händlerin, Monja immer wieder allerlei Leckerein zu.

Mascha sprach kein Wort in all der Zeit, wusste sie nur zu gut, dass sie in ihrer Sprache ihre Herkunft nicht verbergen konnte. Diese Unzulänglichkeit verschaffte ihr Unsicherheit und Unruhe, wenn sie mit Fremden sprach. Sie ahnte nur zu gut, was all jene von ihr denken würden, mit denen sie sprach.
Der Ekel und die Abneigung die sie selbst zuletzt zu jenen Empfand, die sie als eine Art Familie betrachtet hatte, glaubte sie in den Gesichtern zu erkennen, wenn sie sprach und in ihrer Wortführung das orkische Grunzen nicht zu verbergen war.
So schwieg sie. Monja sagte den Händlern sie habe ein Schweigegelübde abgelegt um der Erdmutter zu huldigen, dass sie die beiden sicher geleiten würde.

Darauf hatte Mascha dann heimlich beim Morgengebet tatsächlich ein solches Versprechen gegeben, war sie doch sicher eine solche Lüge würde gestraft werden.
Da die Händler und deren Knechte mit ihr nichts anzufangen wussten, nickten sie ihr lediglich zu wenn sie Mascha überhaupt wahrnahmen.
So blieb sie auch zurückgezogen und in schlechten Gedanken versunken, während Monja fröhlich neben der Karawane herum sprang und mit den mitziehenden Kindern spielte.
Nur abends wenn sie schlief, holten die dunklen Erlebnisse der vergangenen Monate das Kind ein und der Alb peinigte sie.
Mascha musste sie dann halten, bis sie wieder schlief und manchmal ein wenig länger, denn auch die junge Druidin fand Trost und irgendwie Zuspruch in der Nähe des Kindes.

Jetzt waren es nur noch wenige Stunden, ehe sie Rivin erreichen würden. Mascha entsann sich kaum, wie sie aus der Stadt kommen würde. Doch der Weg in den Hain war ihr bekannt als sei sie ihn erst gestern gegangen. Längst war die Sorge in ihr, warum Rithleen sie rufen wollte, der Vorfreude gewichen endlich zurück zu kehren.
Sie sehnte sich nach dem Schutz der Druiden, der Sicherheit des Hains und vor allem nach Zuspruch und Fürsorge die ihr die Druiden entgegen brachten.
Wieder einmal regnete es und die dicken Regentropfen klopften dumpf auf die Plane des Wagens.
Der ausgefahrene Handelsweg war zwar matschig aber auch frei von Hindernissen, so dass die Karawane zwar langsam, doch stetig vorankam. Auch Monja hatte sich zurück in den Transportwagen begeben, nachdem sie von einem der Wächter zwei Birnen für sich und Mascha ergattert hatte.
Während draußen der Karawanenführer seine Wächter antrieb, damit sie am Abend noch die sicheren Tore Rivins erreichen würden, holte Monja einen Kamm hervor, den sie von der netten Händlerin erhalten hatte. Damit lies sie sich zunächst von Mascha einen schönen Zopf flechten, ehe sie selbst versuchte Maschas Haar zu bändigen.
Es würde seine Zeit dauern, denn dass nussbraune Haar der jungen Druidin zeigte sich so unbändig wie eine Horde wilder Katzen…

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Di 12. Mai 2009, 00:54 
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Die Nacht war stürmisch und kalt, der starke Regen zwang eine bedrückende Ruhe in die Wälder, so hörte man nur den Regen selbst sein fast gleichmäßiges Lied trommeln. Weit in der Ferne heulte ein einsamer Wolf, als Mascha endlich die Wolfsschlucht erreichte. Der dicke Lodenumhang hatte sich inzwischen voll Wasser gesogen und lag schwer auf den Schultern der jungen Druidin. Dort wo der Saum den Boden berührte saugte er neben Wasser auch Erde und Dreck in sich auf und auch die braune Robe darunter war kniehoch mit dunklem, nassem Dreck überzogen.
Sicheren Schrittes überquerte die junge Frau das lichte Gelände nahe der Wolfsschlucht, ehe sie irgendwo im Unterholz den Weg zum Bärenfels fand.
Auch der Bärenfels lag still und ruhig in die zerklüfteten Küstenfelsen geschmiegt. Trotz des Regens und der Kälte blieb die junge Druidin einen Moment vor dem Gebetsstein nahe dem Wasserfall stehen und verharrte einen Moment in stiller Andacht ihrer Göttin.

Ungeachtet aller Andacht strich ihr Tieger unbeirrt um die Beine, hier und da von einem fordernden „Miau!“ begleitet wollte er Beachtung finden. Das lockte auch Pfote aus der Höhle, die allerdings im Eingang sitzen blieb, wissend die beiden dort im Regen würden ohnehin bald zu ihr kommen. So gab Pfote allein ihrem „Miau!!“ die nötige Kraft endlich auch Beachtung vor dem dreisten Kater zu finden.
Kaum bewegte Mascha auch nur einen Fuß in Richtung Höhle, strob der stattliche Kater fort, das sie bald über ihn stolperte. Während Tieger sich eilte Erster an der Höhle zu sein, ging Mascha erstmal zu Elone. Die alternde Kuh stand kauend in ihrem Unterstand und begrüßte die Druidin herzlich mit einem Nasenstubser in die Magengegend.
Mascha kraulte der Kuh einen Moment den Kopf, ehe Tieger auch schon wieder bei ihr war und abermals, diesmal laut schnurrend, um ihre nasse Robe streifte. Zum Unterstand kam jetzt auch Pfote, scheu huschte sie aus dem Schatten und setzte sich lautlos neben Elones Wassertrog. Still beobachtete sie die anderen, jedoch aufmerksam und neugierig…

…beobachten, abwägen, handeln…

Mascha schaute die schwarze Katze eine Zeit an, ehe sie ein Bündel Kräuterblumen unter ihrem Umhang hervor zog. Dann gab sie der alternden Kuh ihr Mitbringsel in den Futtertrog, tätschelte sie kurz am Hals und wandte sich Richtung Höhleneingang. Diesmal blieb sie stehen, wissend das Tieger ohnehin vor ihre Füße laufen würde.

Als sie die Höhle schließlich betrat, verriet das heruntergebrannte Feuer, das niemand hier gewesen war, seit Mascha am Mittag den Bärenfels verlassen hatte. Schnell schürrte sie das Feuer, wohl eher auch um mit dem flackernden Flammen Leben in die Schatten zu bringen.
Dann entledigte sie sich ihrer nassen Kleider und Taschen und schlüpfte in eine alte Robe die ihr Rithleen einmal geschenkt hatte.

Sie fühlte sich einsam und wollte nur noch schlafen, so huschte sie eilends zu ihrem Strohlager, begleitet von zwei katzenhaften Schatten die jedoch weit schneller waren als sie selbst. Im Stroh, auf den alten Fällen hatte Mascha ihre Schlafkuhle die jetzt natürlich besetzt war von zwei Katzen, deren Blicke von der Herausforderung sprachen dort jetzt noch Platz zu finden.
Irgendwie schaffte sie es, sich so zu verbiegen das sie zwischen den beiden murrenden Katzen liegen konnte und kurz drauf stand Tieger auch schon auf um sich auf Maschas Bein zu platzieren. Das war gewiss kein einfaches Unterfangen, doch Tieger nahm einfach seine Krallen zu Hilfe wenn er drohte von dem vergleichsweise schmalen Bein zu rutschen.
Pfote stand nur einem Moment später auf, doch nur um es sich auf Maschas Bauch bequem zu machen, thronend wie eine Königin schaut sie von dort aus auf Mascha herab.
Während Mascha versuchte unter diesen Bedingungen irgendwie zu Schlaf zu kommen, streichelte sie beide Katzen und besann sie sich ihrer Situation…

…wie Ben war Rithleen eines Tages einfach nicht mehr aus den Wäldern zurück gekehrt. Während Bran das eher unbedenklich fand, war Mascha zumindest über Rithleens Verschwinden beunruhigt. Hätte ihre Mentorin ihr nicht etwas gesagt, wenn sie hätte gehen wollen? Als sie verschwand waren die Wälder belagert und vom Krieg geschunden, so malte sich Mascha schrecklichste Bilder aus, was mit ihrer Mentorin dort geschehen sein könnte. Zudem hätte Rithleen doch nicht die Wälder im Stich gelassen, in dieser schlimmen Zeit?

Jach blieb selbst die meiste Zeit irgendwo in den Wäldern und war als Rithleens zweiter Schüler genauso unwissend wie sie selbst.
Ethlenn war ohnehin selten am Bärenfels und meist bemerkte man sie nicht einmal. Zudem sprach sie von Rithleen kein Wort mehr, doch Mascha wusste um die quälende Ungewissheit die die Waldläuferin da in sich trug. Sie wusste Ethlenn verschwand so tief und lange in den Wäldern, weil sie hoffte etwas über Rithleen heraus zu finden. Und dies beunruhigte Mascha umso mehr, hatte man von Ethlenn doch sonst eher wenig offensichtliche Gefühlsregung zu erwarten.
So teilte sich Mascha mit Bran die Wohnstatt und versuchte zu tun, was Rithleen sie gelehrt hatte. Inzwischen hatten sich die meisten Bauern auch an sie gewöhnt und baten sie gern um Hilfe. Gewiss konnte sie Rithleen nicht ersetzen und verfügte nicht annähernd über deren Fähigkeiten. Doch sie übte was sie bereits gelernt hatte und verlies sich in unklaren Fragen auf ihr Gefühl, hoffend es sei von der Erdmutter beseelt. So hatte sie in den letzten Wochen unzähligen Kälbchen und Lämmern ins Leben geholfen, Felder gesegnet und für eine reiche Ernte nach all dem Krieg gebetet.
In Bran fand sie einen Berater, einen Freund und Unterstützer. Doch jetzt war Bran auch für einige Tage fort, er wollte in den Borken einen Gebetsort aufsuchen um dort eine Zeit zu verbringen.
Einige Nächte war er nun weg und mit jeder Nacht fühlte Mascha sich einsamer. Sie hatte ihr Leben bei den Trollwürgern verbracht, ihr fehlte die Nähe des Clans. Sie war es gewohnt Nächtens von Knurren und Brummen, von Schnarchen und anderen Körpergeräuschen begleitet zu sein. Allein zu sein war sie einfach nicht gewohnt und es hatte lange gedauert bis sie es wirklich ertragen konnte. Das leise Schnarchen von Pfote und das knurren wenn Tieger träumte waren ihr nur unzureichender, wenn auch gern angenommener Ersatz bei ihrem Streben nach Nähe, Geborgenheit und Gesellschaft.
Gewiss wollte sie nicht zurück zu den Orks, und doch träumte sie sich etwas später in dieser Nacht zurück zum Trollwürger- Clan.
Doch bevor das geschah, fasste die junge Druidin in jener stürmischen, kalten Frühlingsnacht den Entschluss am nächsten Morgen die Götter um Beistand, um Gemeinschaft und Weggefährten zu bitten…

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Di 12. Mai 2009, 12:37 
((Vorab: Sollte es nicht gewünscht sein, dass ich hier Poste dann lösch ich diesen Beitrag natürlich sofort wieder.))

Ethlenn hat geschrieben:
Doch bevor das geschah, fasste die junge Druidin in jener stürmischen, kalten Frühlingsnacht den Entschluss am nächsten Morgen die Götter um Beistand, um Gemeinschaft und Weggefährten zu bitten…


Das kurze, strohblonde Haar des kleinen Mannes war zerzaust durch den kalten Windhauch des frühen Morgengrauens. Die Nacht hatte weitere sichtbare Spuren an ihm hinterlassen – die Kleidung teilweise durchnässt, die einfache Lederrüstung an manchen Stellen aufgescheuert und ein paar Augenringe zierten das blasse Gesicht. Normalerweise würde sich die schmale Gestalt nicht beklagen, war er es doch gewohnt bei unruhigem Wetter die Nacht draußen zu verbringen – heute jedoch war alles anders: Sein Magen brummte!

Fast die ganzen gestrigen Abendstunden hatte er damit verbracht mit seinem Bogen über nahe Felder zu schreiten, in hohe Baumkronen zu kraxeln und sich am Waldrand auf die Lauer zulegen – alles ohne Erfolg. Zwar konnte er einige Spuren im hohen Gras ausmachen, war sich jedoch darüber hinaus bewusst, dass der Ursprung dieser Fährten nicht als seine Beute enden durfte. Es bestand nicht in seiner Absicht eine Zibbe(Häsin), die scheinbar erst vor einigen Tagen zwei bis drei Junge geworfen hatte, zu erlegen. So hungerte er lieber. Bald darauf begann das Knurren des Magens und immer wieder gab er sich einen sachten Stoß in den Bauch um das Brummen zu ertragen, zu vergessen oder zum aufhören zu zwingen. Ein leerer Bauch konnte schon eine Qual sein – zumindest für ihn. Die letzten trocken Brotkrumen waren bereits aufgebraucht und von seiner Kohlsuppe im Trinkschlauch war bereits seit einigen Tagen nichts mehr übrig. Bilder von den leckersten Speisen die er kannte wanderten durch seine Gehirnwindungen. Erst als er sich, aufgrund seiner Vorstellungen, fast selbst dabei erwischte wie er auf seine Lederrüstung zu sabbern drohte, wurde ihm wieder bewusst - hungern ist etwas schreckliches.

Seine Stimmung am frühen Morgen war zwar dahin, dennoch verfluchte er nicht den kommenden Tag. Die erste Nacht in fremden Gefilden war – bis auf dem leeren Magen – ertragbar. Heute war es an der Zeit, die unbekannten Wälder besser kennenzulernen und allein gestärkt durch den Gedanken etwas genießbares aufzufinden, machte er sich frohen Mutes auf den Weg.
Auf essbare Knollen, Wurzeln und junge Sprossen hatte er es nun abgesehen und vielleicht würde ihm sein immer wieder neuaufkeimendes Glück heute neue Bekanntschaften den Weg kreuzen lassen und... ...und vor allem bei der Suche nach etwas essbaren helfen, dachte er sich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Fr 15. Mai 2009, 16:02 
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Als der Morgen ergraute war Mascha schon wieder auf den Beinen. Pfote hatte sich im Lauf der Nacht an ihre Seite gekuschelt und maulte leise als sie sich aus dem Strohlager erhob.
Tieger war längst auf und davon, die Nacht war sein Freund und die Schatten seine Gefährten.
Mascha griff sich vorsorglich eine der schweren Wolldecken, ehe sie Barfuß aus der Höhle trat.

Nasskalte Luft schlug ihr entgegen, doch ein orange- rosa Schimmer auf dem hellen Bärenfels versprachen Lathanders Auferstehung.
Längst zwitscherten die ersten Vögel, langsam wich der graue Nachtschleier und versprach die Kälte mitzunehmen.
Mascha trat hinab an den kleinen See der sich aus dem Wasserfall ergab, die Frösche waren nicht müde ihre Lockrufe zu tun und so wusch sich Mascha begleitet von einem Froschkonzert eilig, denn noch war es kalt.
Wie Rithleen es ihr gezeigt hatte, band sie sich ihren Zopf am morgen neu, das Kämmen hatte sie längst aufgegeben und Rithleen war nicht da, sie zur Ordnung zu rufen.
Als Lathanders Licht auch endlich den Gebetsstein trafen, stand die junge Druidin schon dort, besonnen und bereit nun ihr Morgengebet zu sprechen:
Auf der Höhe ihrer Blüte,
immer froh mit sehr viel Güte,
wurde sie geschenkt dem Rest der Welt,
ihr Dasein unser Leben erst erhellt.
Ihre Art im Leben zu stehen,
an ihrer Seite durch die Zeit zu gehen,
dieses Glückes bin ich mir wohl bewußt,
verflogen ist schnell all mein Frust.
Nur wer Dich wirklich kennt
und Dir seine Freundschaft schenkt,
der wird am Ende reich belohnt,
er bleibt von Deiner Güte nie verschont.
Kein Tag ist seither mehr vergangen,
das ich nicht an Dich gedacht,
Ich bin in Deinem Bann gefangen,
mein Herz nur in Deiner Nähe lacht.
So lebe lange, lebe gut,
und fasse täglich neuen Mut.
Vergesse nie das ich dienen mag,
von heute bis zum letzten Tag.
In Freundschaft für ein ganzes Leben,
so bin ich Dir nun mal ergeben.
So süß wie Trauben an den Reben,
es ist halt schön in Deiner Nähe zu leben.
Du hast mir schon so viel gegeben,
ich möchte gern noch mehr erleben.
Und danach werd ich immer streben.


Schweigend kniete sie dann vor dem Stein, konzentriert und voller Hoffnung die Göttin möge ihre Wünsche fühlen können, gedachte sie der Zeit als noch die anderen am Bärenfels lebten, gedachte der Zeit als der Kreis der Eiche noch hier verweilte und wünschte sich aus tiefster Seele Gemeinschaft und Freunde…

Die Nachtschatten hatten sich in die Wälder zurück gezogen und ein wolkenloser Himmer versprach einen warmen Frühlingstag als Mascha sich endlich wieder erhob um die warme Decke gegen ihren Gürtel und die Sichel zu tauschen.
Ehe sie sich aufmachte um in der Früh den jungen Waldmeister zu sammeln, melkte sie Elone und brachte ihre Milch in die Höhle zurück. Sie teilte sich die Milch mit Pfote, alsbald kam auch Tieger schon gelaufen um einen Teil der morgentlichen Milch abzubekommen.

Dann folgte die junge Druidin dem Pfad, der um den Bärenfels herum führt um in der Wolfsschlucht zu enden. Hier in den lichten Wäldern würde sie den Waldmeister finden, den sie sammeln wollte...

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Sa 16. Mai 2009, 10:45 
Ethlenn hat geschrieben:
In den Wäldern, nahe vor dem Aufgang zum Rastplatz wird jeder Wanderer eines Leichnams gewahr, der dort an seinen Füßen aufgehängt wurde.
Die Person ist recht großer Statur, sein Außeres spricht von Vorfahren aus dem Norden. Der rotbraune Bart des Mannes gibt ihm ein "wildes" Äußeres.
Der Mann ist in Leder und Fell gehüllt, besonders auffallend ist ein Bärenkopf, der über dem Kopf des Mannes ruht. Das Fell des toten Bären hüllt fast gänzlich auch Rücken und Schultern des Mannes ein.

In seiner Schulter und seinem Bauch stecken zwei Pfeile, wie auch in jedem seiner Knie. Alle Pfeile sind tief in den Leib eingedrungen, die beiden Pfeile im Leib sind am Schaft abgebrochen worden.
Obwohl die Pfeilverletzungen mit Sicherheit schon für sich tödlich waren, findet sich außerdem ein tiefer, glatter Kehlschnitt an dem Leichnam.

Auf der Stirn und den beiden Oberschenkeln finden sich Waldläuferrunen, so das die drei Zeichen ein Dreieck ergeben.

((Bei Fragen zu Runen oder Pfeilen- PM an mich))



Tage waren vergangen, der Hunger schon längst gestillt und so schweifte „Schnitter“ durch die Wälder umher. Das Dickicht unter seinen Beinen gab immer wieder knackende und raschelnde Geräusche von sich. „Jeder Ork hätte sich harmonischer in den Wäldern fortbewegt“, ging es ihm durch den Kopf. Doch hatte Schnitter keinen Grund dazu, sich zu verborgen. Er hatte keine Spuren von wilden, gefährlichen Kreaturen in seiner Nähe ausfindig gemacht und er bewegte sich auch nicht wegen der Jagd durch die Wälder.
Noch leicht müde, streckte sich der kleine Mann, fasste sich an den Nacken mit beiden Händen und legte seinen Kopf kurz zur linken, dann zur rechten Seite. Die Astgabel, die ihm vergangene Nacht als Schlafsplatz gedient hat, war nicht die bequemste Schlafstätte die er kannte – doch er war zufrieden damit. Nichtsdestotrotz wollte er für kommende Nacht ein anderes Plätzchen aufsuchen und so bewegte er sich in Richtung Rastplatz um dort die Verhältnisse des „Kommens und Gehens“ von Wanderern, Waldbewohnern und anderen herumstreunenden Gestalten zu beobachten. Noch bevor er den Aufgang zum Rastplatz erreichte blieb er wie angewurzelt stehen. Der Anblick des toten Mannes schockierte ihn nicht wirklich, doch hatte er ihn nicht an diesem Ort erwartet. Der Barbar, wie „Schnitter“ vermutete, war wohl am falschen Ort zur falschen Zeit gewesen. „Vielleicht war er Räuberbande zum Opfer gefallen?“
Erst als er dem „Toten“ näher kam, seine Wunden genauer betrachtete und die Runen auf dem Körper ausfindig machte, wusste er das mehr hinter diesem ganzen steckte als nur ein „einfacher“ Raubüberfall. Eine Räuberbande würde sich nicht die Mühe machen, ein „Opfer“ derart aufzubahren. Es hatte den Anschein, als sollte der tote Wilde eine Mahnung darstellen, einer Abschreckung gleichkommend für seine Taten – doch für was?
Ohne groß zu zögern, ging er auf den Leichnam zu, legte seine Hand um den Pfeil im linken Knie und zog ihn mit einem anstrengenden Blick heraus. Den Schaft genau musternd, steckte er den Pfeil ein, deutete die Runen nochmals genauer und suchte dann nach Spuren in der Nähe…


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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Mi 20. Jan 2010, 20:46 
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Registriert: Do 11. Okt 2007, 18:26
Beiträge: 601
Vor einigen Nächten:

Als sie aus der alten Hütte trat, schneite es noch immer. Gerade war die Nacht herein gebrochen und doch lies der weiße Schnee die Wälder irgendwie hell erscheinen. Die dicken Schneeflocken hinterließen einen feinen Nebel in der Luft, die Sicht lies die winterkahlen Bäume und Sträucher nur erahnen. So erschienen in dieser Nacht selbst die Wälder geisterhaft und verwunschen…

Die junge Druidin hatte fast den ganzen Nachmittag in der Hütte bei dem Kranken verbracht.
Sie hatte ihm zwar den Trank eingeflößt den sie in der Nacht zuvor mit Taran und Ben gebraut hatte, doch konnte die Macht der Druiden nicht jede Wunde heilen…
Mascha sorgte sich um den alten Moosbauer, zwar war er stets etwas mürrisch und knurrte, doch trug er sein Herz am rechten Fleck. Es war nicht nur seine Lunge die vom eisigen Wind krank war, es war sein Herz das voller Trübsinn ihm die Lust nahm, gesund zu werden.
Inzwischen vermutete sie, es hinge mit diesem seltsamen Geistwesen in den Wäldern zusammen. Zwar ging Herbert nicht selbst zum alten Friedhof, doch schien er die Frau gekannt zu haben, deren Seele dort keine Ruhe finden sollte.
Offenbar hatte er Jahre nicht an sie gedacht, hatte gehofft sie sei dem Ruf der Wildnis gefolgt und lebe noch irgendwo in Faerun um die Wälder zu schützen.
Als er erfuhr, das sie lange Zeit schon gestorben war, dass sie diese Wälder nie verlassen hatte, da kam all seine Trauer und Wehmut über ihn. Immer wieder versicherte der greise Mann Elid habe niemals den Wäldern schaden wollen, in dunkelsten Farben malte er sich aus, welches Leid sie fühlen müsste so zu wandeln. Nichts wünschte er sich mehr, als dass der Geist endlich vor den Richter geführt würde, damit sie Heim zu den Göttern kehren könnte.


Während sie so darüber nachdachte, folgte die junge Druidin einem unsichtbaren Pfad durch die Wälder. Blind hätte sie dem Weg folgen können, so oft war sie ihn schon gegangen...

Die Diener des Totenpriesters waren zwar längst mit der Geschichte um den Waldgeist betraut, doch wie an jedem Abend der letzten Tage zog es Mascha zum alten Friedhof um zu dem Geist zu gehen.
Auch an diesem Abend war sie allein dort. Zwar hatte sie mit Bran und Ethlenn herausgefunden, dass der Einfluss des Geistes irgendwie weniger wurde, wenn einer der beiden dabei war- doch Bran hatte ihr verboten weiter am alten Friedhof um die Seele der Geisterfrau zu beten.
Er war in Sorge, denn sie vergas dort die Zeit und musste schon ein paar Mal dort von ihm geholt werden.
Ethlenn um Begleitung zu bitten, traute sie sich nicht so recht. Sie hatte bemerkt dass diese dunklen Gefühle und deren unvermeidbarer Ausdruck Ethlenn verunsicherten. Die Waldläuferin hatte ihr verkündet es sei Aufgabe des Rudels sich um den Geist zu kümmern. Zudem hatte Ethlenn und Bran genügend damit zu tun die Wälder wegen der Worgs zu durchstreifen und sie vor den Bestien zu schützen.
Alles Gründe genug für die junge Druidin um wieder allein zum alten Friedhof zu gehen, ohnehin ahnte sie, die anderen würden sie von ihrem Vorhaben abhalten, es sogar verhindern wollen, wenn sie davon wüssten.
Rithleen hatte sie gelehrt, dass es manchmal seltsam ist, über welche Pfade ein Druide wandelt und manchmal erscheint es zuerst unsinnig. Nicht immer muss der Sinn darin offenkundig sein, doch soll der Druide sich durch seinen Gott leiten lassen, so bleibt er auf dem richtigen Pfad.


Mascha hatte sich vorbereitet und war willens ihr Opfer zu bringen um dem Geist der Druidin eine Last zu nehmen und damit vielleicht auch dem alten Herbert zu helfen.
Als sie am alten Friedhof war, suchte sie gleich den flachen Stein unter den Bäumen, den ihr Elid zuvor gezeigt hatte. Sie fühlte auch den Geist bereits um sich, doch hatte Mascha die Erdmutter um ihren Beistand gebeten und so blieb sie eine lange Zeit standhaft unter all den schrecklichen Gefühlen, die die Geisterfrau umgaben.
Unter dem Schnee fand Mascha den Stein nicht gleich, doch nachdem sie sich auf Elid eingelassen hatte konnte sie sich von ihr führen lassen. Als sie ihn dann gefunden hatte, kehrte sie ihn von all dem Schnee frei und kniete sich auf ihren Umhang davor.
Schließlich nahm sie aus ihrem Beutel eine Kräutermischung, die sie am Morgen, nach ihrem Gebet aus Weihrauch, Koriander, Fenchelwurzel und Bilsenkraut hergestellt hatte. Die zermahlenen Kräuter legte sie auf ein Bett aus Zunder, den sie auch mitgebracht hatte.
Schließlich nahm sie zwei Feuersteine zur Hand und entzündete den Zunder unter den Kräutern.
Während die Kräuter verbrannten und die Luft mit ihrem schweren Duft schwängerte, begann Mascha mit der Meditation. Sie zog sich in ihr Innerstes zurück und bemerkte nicht den eisigen Wind der immer wieder die brennenden Kräuter anblies, dass sie schnell herunter gebrannt waren.
Sie bemerkte auch nicht wie ein kräftiger Windstoß die Asche in die Luft blies, so das nichts weiter auf dem Stein zurück blieb als eine dunkle Stelle auf einem einfachen Stein.
Schnell suchten die dicken Schneeflocken den blanken Stein und verbargen ihn eilends wieder unter sich. Auch vor Mascha machten sie keinen Halt, so sah die zierliche Druidin bald aus als sei ihr eine weiße Decke übergeworfen worden.
Plötzlich aber um wirbelte der Wind die kniende Druidin und ehe er mit einem Mal verschwand riss er Mascha einfach um und lies sie in den weißen Schnee stürzen.
Doch auch das merkte sie nicht mehr...

…sie trat ein in eine Welt der scheinbaren Unendlichkeit und konnte nichts sehen außer Dunkelheit, nicht einmal die Hand vor ihren Augen. Auch wusste sie nicht ob ihre Augen geschlossen waren oder nicht, sie war sich nicht einmal mehr sich das sie Augen hatte.
Bewegen konnte sie sich nicht mehr, ein innerer Schmerz aus Trauer, Leid und Hilflosigkeit lähmten sie. Ohnehin hätte sie nicht gewusst wohin sie gehen könnte, schließlich konnte sie nicht sehen wo sie war.
Sie lauschte angestrengt in die Dunkelheit, doch konnte sie nichts hören. Es war um sie so still, das es schon in den Ohren weh tat. Wenn sie Ohren hatte.
Gleich wollte sie danach tasten, sich ob der lauten Stille die Ohren zu halten, damit sie sie nicht mehr hören könnte…die quälende Stille.
Doch da war nichts, das sich tasten lies. Mascha war sich nicht sicher ob sie keine Hände hatte oder ob sie einfach nichts betasten, nichts mehr fühlen konnte. Auch um sich herum griff sie ins nichts…
Sie wollte sprechen um die Stille zu durchbrechen, vielleicht konnte sie so erfahren wie groß der Ort war, an dem sie war.
Doch kein Wort war zu hören. Vielleicht lag es daran, dass sie keine Ohren hatte, vielleicht hatte sie aber auch gar keinen Mund. Wohlmöglich hatte sie niemals sprechen gelernt.
Sie konnte sich daran nicht erinnern…Ohnehin fragte sie sich plötzlich, wer sie eigentlich war? Sie konnte sich nicht erinnern, ihre Heimat war doch immer schon das Nichts gewesen? Sie erinnerte sich einfach nicht mehr. Es gab irgendetwas wichtiges, das wusste sie, doch konnte sie sich nicht erinnern… Sie wusste nicht, was da war, dass sie nicht vergessen konnte, doch es blieb. Und es gab ihr etwas Geborgenheit, in der Unendlichkeit.
Dunkelste Gefühle lasteten auf ihr, Trauer und Leid wie sie es nie zuvor erfahren hatte drohten sie ersticken zu lassen. Vielleicht hatte sie gar keine Nase, keine Lunge um zu atmen.
Doch Schwermut umfing ihr Herz und sie wollte nur noch weinen und auch dies ging nicht, denn sie hatte längst vergessen dass sie einmal Augen gehabt hatte…

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Mi 3. Feb 2010, 23:08 
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Die Druiden hatten sich in der Bärenfelshöhle um Mascha versammelt. Die junge Novizin lag noch immer wie schlafend auf ihrem Lager, bleich und kalt war ihr Leib. Obwohl man sie in Wolldecken und Felle eingehüllt hatte gelang es nicht Maschas Körper zu wärmen. Neima legte ihr gerade wieder Steine an die Beine, die sie im Feuer erwärmt hatte.
Besorgte Blicke wechselten zwischen den Druiden, während Bran nur schweigend auf den Boden der Höhle starrte.
Als Neima Mascha bewegte, rutschte der Amethyst den die Novizin um den Hals trug von ihrer Brust. Fast schon mechanisch ordnete Bran die Kette wieder so, das der Stein auf Maschas Brust liegen konnte.
Die Bärenfelshöhle war an diesem Abend mehr noch geheizt als sonst und während die Druiden einen alten, monotonen Gesang anklingen ließen, begann Neima Mascha zu entkleiden.
Dann salbte sie Mascha mit warmen Kräuteröl und sogleich breitete sich in der Bärenfelshöhle der schwere Duft von Rosmarin, Sandelholz und Wachholder aus.
Noch immer sangen die Druiden ihr monotones Lied, während sie nun langsam ihre Hände nach vorn ausstreckten um sie auf Kopfhöhe nach oben zu recken.
Neima bedeckte Mascha nun mit Thymianzweigen und Eichenlaub, bis nur noch ihr Kopf aus diesem Kokon schaute.
Dann stellte sich auch die Priesterin der heiligen Wälder in den Kreis der Druiden um in den alten Gesang mit einzustimmen und die Götter um Kraft für die Novizin des Bärenfels zu bitten.

…da war nur noch ein Gedanke, ein Gedanke des Seins. Nichts weiter gab es mehr das sich erinnerte ein Mensch zu sein, nichts entsinnte sich mehr daran je einen Körper besessen zu haben, nichts war da was hätte denken können. Es war alles verschwommen mit der Unendlichkeit…

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Mi 8. Jun 2011, 19:30 
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Es war still um den Bärenfels geworden, dem Ort an dem die Kinder der Wälder zur Ruhe fanden. Verschiedene Ereignisse hatten die meisten Druiden und Waldläufer in alle Winde zerstreut und den noch so jungen Zirkel zerschlagen.
Und auch der Wald des Erwachens schien um seine Weite und seine Schönheit beraubt, dunkle Zeiten waren angebrochen für die Wälder nahe der stetig wachsenden Hafenstadt Rivin.

Allein Bran, der Wächter des Bärenfels, hielt tapfer seinen Posten wenn auch kaum mehr jemand da war den er hätte schützen können.
Mascha, die letzte Novizin, fand sich nun ohne einen Mentor und nachdem sie viele Monde sich ihrer Einsamkeit ergeben hatte, erhoffte sie in der Leere des Bärenfels eine Prüfung der Götter. Immerhin konnte sie eine Stärke darin finden, allein zu lernen und den Ruf der Götter zu begreifen. Ihr Wissen um die Kräuter konnte Bran nicht mehr bereichern, doch fand sie in dem wortkargen Barbaren einen erfahrenen Wächter und geduldigen Zuhörer.
Viel Zeit hatte Mascha tiefer in den Wäldern verbrachte, doch blieb sie nie lange dem Bärenfels fern. In ihrem Herzen ruhte immer noch die Hoffnung, eines Tages würde ihre Mentorin aus den Wäldern zurück kehren um Maschas Ausbildung zu vollenden und sie zu einer vollwertigen Druidin zu machen.
An manchen Tagen besuchte sie die Bauern vor der Stadt, die gerne ihre Hilfe annahmen. So hatte sie schon manchem Kalb ins Leben geholfen, wilde Bullen beruhigt und sogar ein Trüffelschwein aus dem Schwarzblutmoor gerettet. Ihr Wissen um die Pflanzen und ihre Nähe zur Erdmutter machte sie zu einem gern gesehenen Gast an den Höfen.
Nach wie vor striegelte sie Elone, Rithleens Schwarzbunte Kuh, damit ihr Fell stets glänzend und sauber war. Sie wusste das Elone immer in der Früh zu melken war, sonst würde ihr Euter immer schwerer und das Tier Schmerzen leiden. Von den Bauern hatte sie gelernt Quark und Jogurt aus der Milch zu machen und wenn sie genug Sahne schöpfen konnte, stellte sie sogar Butter her.
Nun begann die Zeit der Erdmutter und Mascha begann Kräuter und Wurzeln zu sammeln. Überall in der Bärenfelshöhle hingen kleine Sträußchen um zu trocknen und die Luft in der Höhle war schwer vom Duft der verschiedenen Kräuter.
Über den Winter waren viele Tinkturen und Öle leer geworden, diese galt es neu anzusetzen und die Bestände für den Zyklus wieder aufzufüllen.

Im Grunde hatte Mascha genügend zu erledigen und doch fühlte sie sich missmutig und trübsinnig.
Nachdem sie kürzlich Palo mit seinem Hund in den Wiesen beim Jagdspiel beobachtet hatte, wollte sie probieren ob sie mit ihrer Gefährtin auch so spielen konnte.
Den Sinn in Palos Spiel konnte sie so recht nicht greifen, scheinbar „jagte“ Palo an den Marktständen das Essen für seinen Gefährten und ging dann vor die Stadt um ihm das jagen beizubringen.
Doch hatte die junge Druidin mit den beiden spielen können und fand darin eine schöne Abwechslung.
Und so stand Mascha nun vor der jungen Wölfin um mit ihr das Jagdspiel zu spielen. Sie hatte einen schönen Stock gefunden, nachdem die Wölfin die ersten Stöcke zerbissen hatte.
Palo hatte seinem Bastel zuerst immer gesagt das er sich setzen sollte. Nachdem Mascha einen ganzen Vormittag versucht hatte die Wölfin dazu zu bringen, dass sie sich setzte hatte sie aufgegeben und beschlossen dass das „Sitz“ nicht so wichtig war.
Jetzt sollte die Wölfin den Stock, vielmehr die Beute holen. Weit warf Mascha den Stock über die Wiese nahe der Wolfsschlucht. Die bernsteinfarbenen Augen der Wölfin schauten dem Stock zwar nach, doch dann sahen sie Mascha erwartungsvoll an. Maschas Kommando: „Hols!“ blieb wirkungslos.
Mascha rannte dann los um den Stock zu holen, was auch die Wölfin veranlasste los zu stürmen um als erste an dem Stock zu sein. Dann packte die Wölfin den Stock und trug ihre Trophäe stolz im Maul herum, sobald Mascha ihn dann packen wollte, rannte sie weg.
So ging das schon den ganzen Mittag. Auf der Wiese lagen inzwischen etliche, zerbissene Stöcke denn sie wurden uninteressant für die Wölfin, sobald Mascha nicht mehr hinter dem Stock herjagte.
Bran hatte die beiden beobachtet und sich köstlich amüsiert, ehe er kopfschüttelnd weggegangen war.
Mascha schmiss sich ins Gras um sich auszuruhen und ihre Gefährtin legte sich zu ihr, hechelnd denn auch sie hatte das Jagdspiel der jungen Druidin zugesetzt…

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Mo 13. Jun 2011, 13:45 
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Sanfter Nebel zog an diesem Abend auf, als Mascha mit einem großen Bund Pfefferminz am Bärenfels eintraf.

Bran wartete bereits am Feuer auf sie, sein wettergegerbtes Gesicht war gezeichnet von Sorge, die Lachfältchen um seinen Mund und seine Augen ließen ihn im Feuerschein noch älter aussehen als er eigentlich war. Wenngleich auch niemand, nicht mal er selbst, sagen konnte wie viele Winter der Nordmann überhaupt erlebt hatte.

Er zeigte Mascha eine Nachricht, die den Bärenfels am Tag erreicht hatte. So standen sie da, in dieser frischen Sommernacht unfähig die Nachricht zu lesen. Da weder der Babar aus dem Norden, noch das Mädchen aus der Orksippe jemals lesen und schreiben gelernt hatten, konnten sie allein den Unterzeichner deuten.
Mascha kannte die Unterschrift und wusste wem sie zuzuordnen war. Viel Zeit hatte sie mit Taran zugebracht, dass er ihr das Lesen und Schreiben beibringen sollte. Doch irgendwie gelang es der jungen Druidin nicht, sich all die Buchstaben zu merken, aneinandergereiht zu einem Wort, sah Mascha in den Zeichen nur Striche und Bögen. Irgendwann hatte auch der geduldige Taran seine Mühe aufgegeben. Man braucht keine Schrift um in den Wäldern zu leben, hatten sie schließlich beschlossen.
Gerade in diesem Moment bereute Mascha diese Entscheidung...

Schon oft hatte sie diese Unterschrift gesehen, umso besorgter wurde sie, denn in dieser Nachricht würden sicherlich wichtige Informationen stecken.

Bran verlies den Bärenfels sogleich um Ethlenn und Ben zu suchen, denn auch ihn besorgte die ungelesene Nachricht die der Bärenfels erhalten hatte.
So fand sich Mascha allein zurück gelassen, als sie beschloss nach dem Morgengebet los zu ziehen um entweder den Schreiber der Nachricht, oder aber einen Vertrauten zu finden, der ihr die Nachricht vorlesen könnte.
In dieser Nacht schlief sie bei Elone, denn sie fühlte sich verlassen und suchte einen gleichmäßigen Atemzug neben sich um zu schlummern.

Das Bärenfelsrudel um Scharfzahn war, wie in der Nacht zuvor sehr unruhig und so schallte warnendes Wolfsgeheul durch die Wälder des Erwachens bis der Morgen graute.
Und es war nicht nur das Bärenfelsrudel dessen Geheul in dieser Nacht durch die Wälder hallte…

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Di 14. Jun 2011, 16:02 
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Die Nacht war längst herein gebrochen, als Mascha der Erdmutter ein Opfer für die vielen Kräuter brachte, die sie gesammelt hatte.
Bran war noch immer fort auf seiner Suche und der Bärenfels einsam und verlassen. Nach ihrem Gebet suchte Mascha den Gleichklang um zu entscheiden, wen sie um Hilfe bitten wollte die Nachricht zu lesen.

Während sie ein altes Mantra sang, das Neima ihr beigebracht hatte um zu meditieren, fühlte sie sich unwohl und beobachtet. Wenn sie allein am Bärenfels war, war es ihr immer unwohl, doch einen Moment lang glaubte sie einen Blick zu spüren.
So plötzlich wie ihr dieser Gedanke gekommen war, so schnell war er auch wieder fort. Doch als sie das Feuer schürte fühlte sie es wieder.
Langsam glitt ihr Blick durch die Nacht in stiller Erwartung ein glitzerndes Augenpaar zu entdecken, das da in der Dunkelheit auf sie lauerte. Doch war da nichts am Bärenfels, nichts was sie dort nicht erwartet hätte.

Seit dem Morgen fühlte sie sich ohnehin unwohl, das Rudel wirkte aufgewühlt und auch die Wälder schienen irgendwie unruhig zu sein, wenngleich nichts sichtlich Ungewöhnliches geschehen war soweit es die junge Druidin erkennen konnte. So wurde sie langsam doch nervös und überlegte sich in den Schutz der Bärenfelshöhle zurück zu ziehen.

Und während sie sich umschaute hörte sie plötzlich eine Stimme hinter sich, die sie ansprach:
„Der Wälder Gruß, Mascha Menschenkind…“

Mascha fuhr herum, zuerst entsetzt, im nächsten Moment dann schon wieder erleichtert, es gab nur einen Menschen der sie so ansprach.
Erfreut begrüßte sie die gesuchte Waldläuferin überschwänglich, in ihrer Freude wollte sie ihr fast um den Hals fallen, konnte sich jedoch im letzten Moment zurück halten. Wie hätte diese wohl auch reagiert, fragte sie sich später. Mascha kannte niemanden der distanzierter und einsamer lebte, als die stille Wächterin Ethlenn.

Schnell berichtete Mascha von der Nachricht, wohl wissend dass auch Ethlenn die Nachricht nicht lesen könnte. Doch fühlte sie sich nun wieder sicherer, immerhin war Ethlenn wohl eine der mächtigsten Waldläuferin in den Wäldern des Erwachens. Auch wenn sie Ethlenn kaum kannte, reichte ihr doch das Wissen, dass Rithleen der Waldläuferin stets uneingeschränkt vertraut hatte, um ihr Schicksal in die Hände dieser unscheinbaren Frau zu legen.

Tatsächlich erfuhr sie von Ethlenn den Inhalt der Nachricht, der doch mehr als bedenklich zu sein schien.
Das Ethlenn viele Nächte fort gewesen war und dennoch berichten konnte welchen Inhalt die geschriebene Nachricht hatte, überraschte Mascha nicht im geringsten. Die Waldläuferin wusste viel um die Ereignisse in den Wäldern, wenn auch oft niemand bemerkt hatte, dass sie da gewesen war. Die Elfen hatten sie darum "Geist der Wälder" genannt, denn sogar ihnen war es schwer gefallen die Waldläuferin in den Wäldern zu entdecken.

Schon wieder waren es Worge, die es zu bekämpfen galt, erfuhr Mascha. Erneut der Kampf gegen den Bestienfürst und zuletzt gegen einen unbekannten Gegner.
Eindringlich berichtete Ethlenn ein Kind des Waldes sei bedroht von diesem Wesen aus den Trollhügeln. So galt es zuerst Malar entgegen zu treten um den Gleichklang zu wahren. Sobald dies gelang musste die Bedrohung für den Druiden bekämpft werden.
Mascha erhielt den Auftrag sich umgehend bei dem Druiden zu melden, wollte er sich doch zum „Höchsten Druiden“ wählen lassen.
Immerhin wäre bei dieser Wahl vermutlich auch Mascha gefragt, obwohl sie sich kein Bild von seinem Wesen machen konnte. Zumal er ihr gewiss verschiedenes beibringen könnte, wo ihr ein Mentor fehlte.
Die Waldläuferin mahnte Mascha an, sich von seltsamen Worten von ihm nicht verwirren zu lassen und lieber an seinen Taten zu messen, ob er dem Status entsprechen könnte, als sich von Worten beeindrucken zu lassen. Sie sprach davon dass er nahe bei den Steinern stünde, Mascha sollte sich vor ihnen in Acht nehmen und seine Handlungen genau prüfen.

Als Mascha dies alles erfahren hatte, verstand sie endlich die Unruhe die sich zuletzt in den Wäldern breit gemacht hatte. Es stand ihnen eine ungute Zeit bevor, niemand würde wissen wohin dies alles führte…

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: So 27. Nov 2011, 20:58 
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Vom Ufer des Schlängelnden Fluss zog langsam dichter Abendnebel auf, umso schneller glitt der späte Nachmittag in den frühen Abend hinein. Bald würden die hohen Stadtmauern hinter diesem weißen Schleier verborgen sein und erst der neue Tag würde sie wieder erkennbar machen.
Um diese Jahreszeit wurde es immer schnell dunkel, das wusste der junge Phil als er Rivins Stadttore durchschritt um eilig an die südlichen Höfe zu gelangen. Doch war er nicht schnell genug um das Grunzen eines Schweins zu überhören, das scheinbar an der Baumgrenze herum wuselte.
Schweine sind kostbar, wenn man nichts weiter hat, auch das wusste der kleine Phil. Wenn er nicht den Besitzer der Sau fand, der ihn gewiss gütlich entlohnen würde, dann könnte er das Schwein seinen Eltern geben. Vielleicht war es bereits fett, dann hätte seine Familie den ganzen Winter über genügend zu essen. Zudem würde er gewiss keine Schläge bekommen, wenn er wegen des Schweines so spät aus der Stadt kam.
Dann würde er seinem jähzornigen Vater auch nicht erklären müssen, dass ein Taschendieb das ganze Kupfer geklaut hatte, was er am Markt für die Ernte erhalten hatte.

Also folgte Phil dem Grunzen im Nebel bis er an das große Gebüsch kam in dem er mit seinen Freunden im Sommer immer spielte. Das Schwein nutze scheinbar die kleinen Pfade die von Füchsen und Hasen getrampelt worden waren. Auch Phil kannte diese Pfade und folgte dem Schwein bis zu einer kleinen Wiese auf der ein Birnbaum stand. Köstliche Birnen fanden sich im Herbst daran, doch jetzt hingen dort nur die wenigen Früchte noch, die man für die Tiere am Baum lies.
Als er die Schemen des Schweins endlich im Nebel wahrnehmen konnte, erschrak er schrecklich.
Es war kein junges Ferkel dem er gefolgt war, sondern ein ausgewachsener Keiler. Ein Wildschwein!

Gerade wollte er auf den Birnbaum flüchten, als der Keiler schon wieder verschwunden war.
Etwa drei Fuß trennten ihn von dem Birnbaum, als er ein leises Flüstern vernahm, dass ihn ansprach:
„Junge hör mich an! Fürchten musst du dich nur, wenn du nicht bleibest um zu hören was ich dir sage…Willst du hören?“Die Stimme schien direkt aus dem Stamm zu kommen, niemand war zu sehen, doch erahnte Phil in der borkigen Rinde des alten Birnbaumes ein Gesicht.

Eher wimmernd versprach er diesem seltsamen Baumgeist zuzuhören, was blieb ihm auch anders übrig war er doch wie gelähmt vor Angst in dieser sonderbaren Begegnung.
„Ein Menschenkind ist gesucht, das doch spricht wie einer der Orken. Nahe bei deiner Heimstatt wird es zu finden sein, seit vielen Nächten bleibt es dort und will Deinesgleichen helfen. Es spricht im Namen der Erdmutter. Kennst du es?“
„Ich …Ich.. Ich weis nicht“ konnte der kleine Phil nur sagen, verstand er doch kaum was das Wesen aus dem Birnbaum ihm sagte.

„Seine Augen sind die einer Katze, sein Wesen das eines Hasen, doch sein Herz ist das einer Bärenmutter. Du wirst sie kennen, das Mädchen aus den Wäldern, das ein „Ich“ nicht kennt…Denk mal!“Barsch und zischend war die Stimme ohne Gesicht, dem kleinen Phil ging das nachdenken so nicht leichter. Nach einiger Zeit aber verstand er, mit dünner Stimme fragte er stotternd: „Mmm…Ma…Mascha?“
„Ja“ war die erleichternde Antwort. „Weist du wo sie wohnt? Bring sie her. Jetzt!“
Steif blieb Phil, still wie ein Hase vor dem Jäger stehen. „Sie hilft bei meinem Oheim, seine Frau starb bei der Geburt ihres Kindes. Sie soll seine neue Frau sein. Ich muss auch zu meinen Eltern gehen jetzt, sie werden sich Sorgen wo ich bleibe…Sie werden mich auch suchen!“

„Geh und schick sie zu mir, noch ehe die Nacht die längste Zeit hat. Geh, schnell! Wenn du sie bringst bekommst du von mir ein Geschenk aus den Wäldern, das kannst due deinen Eltern geben. Sag Mascha, die Wälder rufen sie hier her und sie wird kommen. Renn und komm erst wieder wenn du sie gerufen hast. Du musst dich nicht fürchten, wenn du tust was ich dir sage…Schnell jetzt, dann bist du bald wieder bei deinen Ahnen“

Vor seinen Füßen, zwischen dem sprechenden Baum und ihm, stand plötzlich ein mittelgroßer Sack.
„Maronen und Pilze sind das. Das kannst du haben wenn du Mascha her bringst! Eil dich jetzt, sonst werden sie dich vielleicht gar nicht finden, wenn sie dich suchen...“

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 Betreff des Beitrags: Re: Quo vadis- Vom werden einer Druidin (Part 2)
BeitragVerfasst: Mi 14. Dez 2011, 17:30 
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Die Nebel zogen vom Schlängelnden Fluss hinauf in die Wälder, der warme Atem der Druidin bildete vor ihrem Mund kleine Wolken. Sie hatte sich nicht mehr umgesehen seit sie das kleine Bauernhaus verlassen hatte. Die Kinder hatten geweint, als sie ihnen sagte dass sie gehen musste. Der Bauer war wieder irgendwo bei einem Bier und wusste nicht, das sie, die er gern zur Mutter seiner Kinder gemacht hätte nun gegangen war. Sie war froh, dass sie ihm nicht mehr begegnen musste denn er konnte sehr jähzornig sein. Vielleicht hätte er sie nicht einmal mehr gehen lassen.
Sie hatte sich vorgenommen hin und wieder nach den Kindern zu sehen, wusste sie sie doch versorgt durch die junge Nachbarin. Die letzten Tränen um diese Kinder hatte sie auf der Brücke am Vorposten vergossen, doch als sie die dunklen Wälder vor sich sah war jede Trauer vergessen. Sie kehrte heim…
Die Wälder hatten sie gerufen, mehr noch das verborgene Reh hatte nach ihr gesucht. Das Reh so nahe bei der Stadt zu sehen, hatte durchaus eine große Bedeutung. Etwas Schreckliches musste passiert sein, schlimmer als die Orkangriffe, gefährlicher als die Worge…

Die Wälder hielten ihre Winterruhe, wie auch die Bären und Dachse es tun würden. Sie schienen wie tot, doch mit Lathanders Sieg über die Frostmaid würde das Leben in sie zurück kehren. Bald fand Aurils Macht ihren Höhepunkt und dann würde ihre Dunkelheit und Kälte langsam weichen, so war es immer schon gewesen.
Das die Wälder ruhig schlafend um sie waren, manches Tier seinen Weg neben ihr suchte und alles so friedlich schien, konnte die junge Novizin nicht beruhigen. Sie fühlte zwar, dass die Wälder ihre Lebensgeister weckten je länger sie darin lief, doch fürchtete sie sich vor dem, warum sie gerufen worden war. Vor dem was sie erwarten würde…

Sie passierte die Wolfsschlucht und immer eiliger ging ihr Schritt, teils war es die Vorfreude zurück an den Bärenfels zu kehren, zum Teil war es die Angst vor dem was sie erwartete. Die schlimmsten Dinge wollte sie sich ausmalen, als sie endlich Rithleens Bienenkorb in der Nacht vor sich stehend fand. Die fleißigen Tiere hielten auch ihre Winterruh, allein das Bächlein Eldaths gluckerte fröhlich und sang vom Sommer.
Einen Moment hielt sie inne, atmete tief die kühle Nachtluft ein. Wie immer brannte vor der Bärenfelshöhle ein Feuer, der Geruch von verbranntem Holz umspielte ihre Nase als sie über die Steine des Bächleins hüpfte.
Als sie sich der Feuerstelle näherte fand sie einen fremden Mann daran sitzen, im Zwielicht des flackernden Feuers konnte sie ihn kaum einschätzen.
Doch noch ehe sie ihn ansprechen konnte hörte sie hinter sich jemanden den Hang hinauf kommen.
Als sie sich umdrehte wollte sie ihren Augen kaum glauben…

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