"Die bange Nacht ist nun herum.
Wir reiten still, wir reiten stumm,
Wir reiten ins Verderben.
Wie weht so scharf der Morgenwind!
Frau Wirtin, noch ein Glas geschwind
Vor'm Sterben, vor'm Sterben.
Du junges Gras, was stehst so grün?
Mußt bald wie lauter Röslein blühn,
Mein Blut ja soll dich färben.
Den ersten Schluck, ans Schwert die Hand,
Den trink ich, für das Vaterland
Zu sterben, zu sterben!
Und schnell den zweiten hinterdrein,
Und der soll für die Freiheit sein,
Der zweite Schluck vom Herben!
Dies Restchen, nun, wem bring ich's gleich?
Dies Restchen Dir, o Cormyr Reich,
Zum Sterben, zum Sterben!
Dem Liebchen — doch das Glas ist leer,
Der Bolzen saust, es blitzt der Speer;
Bringt meinem Kind die Scherben!
Auf, in den Feind wie Wetterschlag!
O Reiterlust, am frühen Tag
Zu sterben, zu sterben!"(Original: Georg Herwegh 1841)
Nachdem sie ihr Lied beendet hatten stiessen die acht Maenner lautstark mit ihren Holzhumpen an und nahmen einen kraeftigen Schluck vom Hellen.
Daven Richmont schaute sich in der Runde um. Es war ein Abend wie viele andere in der Kaserne. Einer der Abende, die er hasste. Kein Gelaechter war zu hoeren und die Stimmung war mehr als gedrueckt. Einige der Maenner starrten stumm auf ihre Humpen vor sich, andere unterhielten sich gedaempft. Viele waren gar nicht erst gekommen, sondern hatten sich sofort nach ihrer Heimkehr in die Nachtlager begeben. Elf Tage Patrouillendienst hatten ihre Spuren hinterlassen und seine Maenner waren rechtschaffen erschoepft. Auch wenn die heutige Patrouille in den Stonelands erfolgreich verlaufen war, gab es keinen Anlass zur Freude.
Zwar hatten Sie das Lager eines versprengten Ork-Trupps erfolgreich niedergeritten, doch hatten sie einen Mann in dem Gefecht verloren und zwei weitere wuerden den Morgen nicht erleben. Einer der Neulinge hatte nach dem Gefecht nicht mehr aufhoeren koennen zu zittern, so dass Daven gezwungen war ihn in der Obhut von Bruder Adargand zu belassen. Daven wusste, dass nicht jeder fuer den Krieg geschaffen war, und so hoffte er um das Seelenheil des Jungen.
"Daven!... Daven!"Daven schreckte aus seinen Gedanken hoch. Glennir, sein engster Freund und Kamerad, sah ihn an.
"Daven, alles in Ordnung?"Daven nickte.
"Ich brauche nur ein wenig frische Luft."Glennir stand auf und versuchte unbekuemmert auszusehen.
"Dann lass uns ein wenig vor die Tuer gehen."Sie verliessen die Messe und gingen in den Innenhof der Kaserne. Es war ein angenehmer Fruehjahrsabend, und so setzten sie sich auf die steinernen Stufen, die auf die Wehranlagen fuehrten.
Sie zuendeten ihre Pfeifen an und sassen einige Minuten schweigend nebeneinander, wahrend der graue Dunst ihrer Pfeifen langsam in den Nachthimmel stieg und sich dort verlor.
Obwohl er die Stille genoss, brach Daven schliesslich das Schweigen.
"Glennir,... ich werde gehen!"Glennir grinste breit.
"Davon sprichst Du schon mehr als ein Jahr, mein Freund."Daven sah ihn entschlossen an.
"Ich weiss... und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen."Glennir erschrack, als er die Ernsthaftigkeit in der Aussage und im Gesicht seines Freundes erkannte.
"Dieses Mal meinst Du es ernst, oder?"Daven nickte und zog an seiner Pfeife.
Glennir wurde lauter.
"Daven, Du musst verrueckt sein! Du weisst doch..."Glennir hielt inne, schaute sich um und sprach dann leise weiter.
"Du weisst doch... Desertion wird mit dem Tode bestraft! Du musst wahnsinnig sein, oder es ist die Erschoepfung. Du solltest etwas ruhen und dann..."Daven unterbrach ihn.
"Glennir, mein lieber Freund, Du hast recht. Es IST Erschoepfung. Aber es ist eine Erschoepfung, die selbst die beste Nachtruhe nicht aus der Welt schaffen kann. Jeden Tag neue Gesichter. Maenner fuer die ich die Verantwortung trage. Junge Soehne, deren Muettern ich versprechen muss sie wohlbehalten zurueckzubringen. Versprechen, die ich nicht halten kann. Das weisst Du." Er nahm Glennirs Arm.
"Ich bin muede, verstehst Du? Ich ertrage es nicht mehr! Ausserdem... ich denke kaum, dass sie sich die Muehe machen werden nach mir zu suchen. Ich werde weit weg gehen... vielleicht an die Westkueste. Ich wollte schon immer die Wunder Tiefwassers sehen... und das Meer... das unendliche Meer. Und dann... vielleicht weiter nach Norden. Keiner wird mich finden, sei unbesorgt."Glennir schaute auf den Boden und nickte.
"Ich verstehe Dich nur zu gut."Sie schwiegen wieder eine Weile und rauchten stumm ihre Pfeifen.
"Und wann?" Glennir sah Daven direkt in die Augen.
"Noch heute nacht! Ich habe schon alles vorbereitet, leichtes Gepaeck, mein Pferd. Komm!"Sie rafften sich auf und gingen zu den Staellen. Als sie eintraten kam ihnen der Stallbursche mit einer alten Oelfunzel entgegen. Es roch streng, doch als Reiter nahmen Sie diese Gerueche kaum noch wahr.
"Herr Daven. Es ist alles vorbereitet, so wie Ihr es wuenschtet." Der Junge, kaum 10 Sommer alt, sah Daven freudig an.
"Guter Junge.... Danke. Und vergiss nicht... kein Wort!" Er drueckte ihm einige Muenzen in die Hand. Der Junge strahlte, verbeugte sich knapp, ueberreichte Daven die Lampe und trollte sich in Richtung des Heuhaufens um sich hinzulegen.
Jalinka, sein graues Cormyrer Streitross mit beachtlichem Stockmass, war voll gesattelt und Davens Gepaeck war bereits in den Taschen verstaut worden. Eine volle Hafertasche hing ebenfalls am Sattel. Ihre Hufe waren mit wattiertem Stoff umwickelt um den Laerm so gering wie moeglich zu halten. Davens Anderthalbhaender und ein Kurzschwert waren in den seitlichen Schwertscheiden untergebracht. Er hatte auf seinen Speer und seinen Reiterkuerass verzichtet. Schliesslich gehoerten sie nicht ihm und er wollte ja nichts stehlen.
Sie fuehrten das Pferd vor die Staelle und blieben kurz stehen.
Daven wandte sich zu Glennir.
"Mein Freund, es ist so weit." Er umarmte ihn und drueckte ihn an sich.
"Pass auf Dich und die Jungs auf, hoerst Du? Bleib wohlbehalten!"Sie waren beide den Traenen nahe.
"Pass auf Dich selber auf, Daven. Ich hoffe Du hast es Dir wohl ueberlegt."Sie blieben einige Zeit so stehen und liessen dann voneinander ab.
"Lebe lang und wohl, Glennir!"
"Du auch! Moege Tempus immer ueber Dich wachen."Daven nahm Jalinka an den Zuegeln und schritt langsam mit Ihr die Strasse hinab. Glennir blieb stehen bis Daven in der Dunkelheit verschwunden war und schritt dann mit gesenktem Kopf und vielen Sorgen wieder in Richtung Messe.
Hehe, nach knapp 8 bis 9 Jahren Rivin-Abstinenz melde ich mich mal zurueck. War seinerzeit auf Rivin (NWN 1) einer der Stamm-Player (Char: Alec die Hand). Keine Ahnung ob von damals ueberhaupt noch Leute hier sind, die mich noch kennen koennten.
Werde erst einmal eher unregelmaessig mit meinem Char Daven Richmont auf Rivin vorbeischauen (aus beruflichen Gruenden nicht immer Zeit vorhanden).
Freu mich mal wieder auf etwas RP
