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 Betreff des Beitrags: Der ewige Kampf
BeitragVerfasst: Mo 29. Okt 2007, 15:39 
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Vor etwa 45 Tagen...

Selunes Antlitz war noch hell und leuchtend am Nachthimmel über Rivin zu erkennen, als auf Helmers Hof in einem einzelnen Zimmer das Licht einer Kerze angezündet wurde. Die Umgebung wirkte ruhig, im Schlafe noch gefangen und nicht willens, aus diesem Schlaf gerissen zu werden.

Ähnlich ging es einem jungen Burschen, in dem Zimmer, in welchem die Kerze entzündet wurde.
Als Worte ihn nicht wecken konnten, musste er missmutig feststellen, dass ein geworfener Stiefel durchaus dazu in der Lage war. Maulend richtete sich der junge Bursche, kaum 14 Sommer alt, auf und schmetterte den großen Stiefel zur Seite.

"Bist du wahnsinnig?! Lass mich schlafen!"

Verschlafen richtete sich nicht weit von ihm enfernt ein junges Mädchen, 11 Sommer mochte sie zählen, auf. Sie rieb sich gähnend den Schlaf aus den Augen und setzte sich auf ihrem Bett auf.

"Hör' auf zu jammern und zieht euch an!" War die Antwort darauf.

Gegenüber der zwei schmalen Betten der Kinder, die eher provisorisch aufgebaut waren, stand ein großes, schweres Bett, auf dessen Rand ein junger Mann von etwa 23 Wintern saß. Er hatte die Augen nur halb geöffnet und zwängte einen seiner Füße in einen Stiefel, ohne zu bemerken, dass dieser noch zu geschnürt war. Hemd und Hose hatte er bereits an, das schwarze Haar stand in verschiedenste Richtungen ab, auch er schien es nicht gewohnt zu sein so früh aufzustehen.

Trotzig hatte der Bursche die Arme vor der Brust verschränkt und funkelte den Mann an, der ihn grausam aus seinem Schlaf gerissen hatte. Das Mädchen dagegen schien im sitzen wieder einzuschlafen und drohte zur Seite aus ihrem Bett zu fallen.

"Jetzt kommt' schon..." Sagte der Mann müde, während er nach einigen vergeblichen Momenten in seinen Stiefel zu kommen, diesen aufschnürte.

"... wir haben keine Zeit, es gibt noch viel vorzubereiten, das Schiff legt bald ab."

Der Junge hob irritiert eine Augenbraue.

"Das Schiff, Kaylon?"

"Ja, das Schiff." Gab dieser gähnend als Antwort.

Als der Junge schon wieder beginnen wollte sich maulend über den "Unsinn" zu beschweren, der ihm zu einer solch unmenschlichen Zeit erzählt wurde, unterbrach Kaylon ihn bereits.

"Jerem, heute brechen wir auf zu einem Abenteuer. Packt eure Sachen, zieht euch an und bevor du fragst..."

Endlich war der Fuß im Stiefel und Kaylon sah sich suchend nach dem Gegenstück um.

"... ich habe euch vorher nichts erzählt, weil ihr sonst nicht eingeschlafen wärd' und mich mit Fragen genervt hättet, was mir wiederum den Schlaf geraubt hätte."

Nur langsam hellte sich das Gesicht von Jerem auf, er sah schnell zur Seite und ergriff die Schulter seiner Schwester, bevor sie zur Seite fiel. Schnell schüttelte er sie wach und erzählte ihr von der Neuigkeit. Natürlich begegneten sie dem angekündigten Abenteuer mit Misstrauen und begannen bereits einen Schwall Fragen auf Kaylon abzufeuern, den er nur halb herzig beantwortete und hauptsächlich ignorierte. Wie ein langsam entzündetes Feuer machte sich auch die Nervosität bei den Kindern breit, aufgeregt packten sie schließlich ihre Sachen beisammen.

Es verging noch einige Zeit, bis sie alles hatten und auch jeder einen voll gepackten Rucksack auf dem Rücken geschnallt hatte. Schließlich verließen sie Helmers Hof, es war noch sehr dunkel und selbst der dortige Hahn hatte noch nicht begonnen seine Arbeit zu verrichten um die Umgebung aufzuwecken.

Die drei wanderten zur Stadt, dort durch das Abenteuer- und Torviertel bis zum Hafen. Nach einiger Zeit des Wartens konnten sie schließlich auf das Schiff. Steif traten die Kinder über die Planke und sahen nervös zum Wasser, das Mädchen, Elena, musste Kaylon sogar über die Planke tragen, da sie Angst hatte ins Wasser zu fallen und nun bekannte, nicht schwimmen zu können.

Auf dem Schiff selbst betraten sie die karge Koje, die ihnen zugeteilt wurde, mit großen Augen. Die Habseligkeiten waren schnell zur Seite geworfen und Kaylon achtete lediglich darauf, dass die wertvolleren Sache in seiner Nähe oder seinem Blickfeld waren. Als sie alle gemeinsam an der Reling standen und der Anker gelöst wurde blickten die Kinder strahlend auf den Hafen, der immer kleiner zu werden schien.

Nachdenklich betrachtete Kaylon Rivin, er wusste wohin die Reise gehen würde und weshalb. Da Miriamel aus dem Kerker wieder entlassen wurde, drohte ihr nun vorerst keine Gefahr und auch sonst konnte er dieses "Abenteuer" nicht länger auf sich warten lassen. Obwohl die Kinder zu Anfang aufgrund ihrer Erfahrung mit der See wenig Begeisterung gezeigt hatten, schien diese Angst bereits verflogen.

Das Schiff begann mit vom Wind gefüllten Segeln in Richtung Norden zu fahren.


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 Betreff des Beitrags: ... die Reise geht weiter ...
BeitragVerfasst: Mo 29. Okt 2007, 16:20 
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Auf der Schifffahrt selbst geschah nichts Aussergewöhnliches, sie mussten in Tiefwasser auf ein anderes Schiff und von dort aus fuhren sie bis nach Niewinter. Auch dort wechselten sie abermals das Schiff, bis sie schlussendlich Luskan erreichten. Die anwachsende Kälte zwang sie, ihre Kleidung anzupassen und obwohl sie schon lange auf dieser Reise waren, hinderte dies nichts daran, dass die Kinder noch immer vor Aufregung zu explodieren schienen. Noch nie waren sie so weit im Norden, auch die großen Städte die sie sehen konnten, hatten sie schlicht und ergreifend, überwältigt. Nun jedoch, nach dieser langen Schiffsreise ging es an Land weiter.

Die Umstellung nun auf dem Rücken eines Pferdes zu reiten, war für die Kinder zwar wahrhaft ein riskantes Abenteuer, aber sie kamen nicht drum herum. So folgten sie erst der Handelsstraße in Richtung Mirabar, bogen dann jedoch auf einem schmaleren Pfad ab und überquerten bei einer weiten Brücke den Fluß. Nach langem Ritt und jammernden Worten erblickten sie bei Morgengrauen in der ferne eine Siedlung. Kaylon trieb sein Pferd an und die Kinder folgten ihm vorsichtig. Gemeinsam kamen sie schließlich bei einem relativ großem Haus an mit weitem Garten. Es wirkte nicht besonders edel, aber dafür umso robuster.

Sie waren zuvor an verwunderten und überraschten Gesichtern vorbei geritten, nun erst langsam meinten die Kinder zu verstehen und starrten das Haus befremdet an. Kaylon stieg von seinem Pferd ab und auch das vierte Pferd, was den Hauptteil ihrer Ausrüstung trug und an seinem fest gebunden war, nahm er nun bei den Zügeln.

"Kommt, steigt ab. Jerem, du kümmerst dich um Elenas' Pferd."

Der junge Bursche stieg relativ geschickt aus dem Sattel und ging zu seiner Schwester, er half dem Mädchen aus dem Sattel und zog die beiden Pferde anschließend nervös an den Zügeln zu Kaylon, der die seinen bereits an einem Balken angebunden hatte.

"Hier ist es?" Fragte Jerem nun, natürlich wurden sie während der Reise aufgeklärt wo sie hinreisten, aber wieso war ihnen noch immer nicht wirklich bewusst. Elena trat an eines der Fenster und spähte hindurch, als die Haustüre des Hauses aufgeschlagen wurde.

Hindurch trat eine Frau von etwa 38 Sommern, sie hatte langes rotes Haar welches zu einem Zopf geflochten war. Ihre Kleidung bestand aus einem langen blass braunem Rock und einer weißen Bluse, darüber war eine braune Schürze gebunden. Ihre Stimme war warm, doch misstrauisch.

"Wer seid ihr, wie können wir euch helfen?"

Kaylon wendete sich um und betrachtete die Frau, lächelnd trat er auf sie zu und beinahe erschrocken hob sie ihre Hände vor ihren Mund. Hastig trat sie zu ihm und umarmte ihn herzlich, Elena war sich sicher eine Träne in ihren Augenwinkeln zu erkennen und stieß Jerem mit dem Ellebogen in die Seite.

"Du ... du hattest nicht gesagt, dass du ..." Brachte die Frau stockend hervor, Kaylon blickte ihr nur schief grinsend entgegen.

"Macht doch nichts. Wo ist denn der alte Mann? Oder ist er schon zur Arbeit?" Kaylon sah an ihr vorbei ins Haus, als er niemanden anderen sehen konnte, winkte er die Kinder zu sich.

Die Frau wischte sich ergriffen über ihre Augen und nahm nun erst wieder die Kinder wahr. Überrascht betrachtete sie diese.

"Das sind Jerem und Elena." Die Kinder stellten sich nur zögernd vor Kaylon auf, es gefiel ihnen garnicht so vorgeführt zu werden.

Lächelnd beugte sich die rothaarige Frau nun zu den beiden und legte ihnen jeweils die Hand auf die Schulter.

"Ihr wirkt sehr erschöpft, kommt rein, ich mache euch sofort etwas zu essen! Oh und ich lasse wen nach-" Sie sah zu Kaylon, der sie an der Schulter berührte.

"Ich gehe schon, Jerem, Elena, seid höflich zu ihr, ich bin in Kürze wieder da."

Ehe die Kinder Einspruch einlegen konnten, hatte Kaylon sich bereits umgewendet und bewegte sich mit großen Schritten vom Haus weg, einen eingelaufenen Weg entlang, tiefer in die Siedlung hinein.

...

Vor etwa 10 Tagen...

Mit ernstem Blick ging Kaylon von Bord des Schiffes, welches ihn zurück gebracht hatte. Missmutig betrachtete er eine Verletzung an seiner Schulter, sie war zwar nicht besonders tief, störte allerdings im Kampf. Die Rückreise war weniger friedlich von statten gegangen. Doch dies spielte nun keine Rolle mehr.

Er lenkte seine Schritte durch den allzu bekannten Hafen, durch das Torviertel bis zum Abenteuerviertel und schließlich aus dem dortigen Tor. Murrend setzte er den Weg bis Helmers Hof fort, die Kinder waren nun in Sicherheit, es war ein nötiger Schritt gewesen um sie nicht in größere Gefahr zu bringen. So konnten sie aufwachsen, ohne dass er befürchten musste, einer seiner Feinde könnte seine Krallen um sie legen und ihnen die bestürzende Wahrheit erzählen, auf dass er ihren Hass gegen Kaylon selbst wecken könnte und so einen grausamen Kampf weitaus früher als erwartet vor sich hatte. Doch dies würde nun nicht geschehen. Seufzend begann er eines der kleineren Zimmer in der Herberge zu beziehen, nachdenklich starrte er aus dem Fenster, das Wetter wirkte trübe und noch kälter als zuvor.

Er war wieder zurück in Rivin.


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 Betreff des Beitrags: Zu weit.
BeitragVerfasst: Di 6. Nov 2007, 21:41 
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Klack.

Die Kette um sein Fußgelenk wurde geschlossen. Ratternd wurde die schwere Eisentür zu gezogen, ein dumpfer Knall ertönte und sie war geschlossen.

Er atmetete konzentriert und durfte nicht an das warum denken, es würde ihn nur abermals in Zorn ersticken lassen. Er durfte nicht daran denken, wieso er seine Klinge gegen Amelie geschwungen hatte, nicht daran denken, wieso er nun wie ein Besessener ein neues Ziel gefunden hatte - sie zu töten.

Aber er hatte es dennoch getan.

Knurrend ballte er die rechte Hand zur Faust und schlug mit ihr gegen die Kerkerwand.

Der Schmerz betäubte nichts.

Umso mehr er nachdachte, was sie getan hatte und vor allem wieso, desto zorniger wurde er, seine Wut schien ihn aufzufressen und so begann er die Wand vor sich zu malträtieren, unzählige Schläge, Tritte, sogar ein Kopfstoß war nötig, bis er sich wieder beruhigt hatte. Dazu kam der Eimer kaltes Wasser den die wütenden und gestressten Gardisten über ihn geschüttet hatten.

Nur langsam lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Wand, ließ den Schmerz auf sich einwirken und sank an der Wand entlang herab. Er schloss die Augen um sich nur auf den beruhigenden Schmerz in seinen Händen, Beinen und seiner Stirn zu konzentrieren.

Es dauerte eine Weile bis er wieder klar denken konnte und sich matten Blickes umsah.

Er war wieder im Kerker.

Trautes Heim, Glück allein.


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 Betreff des Beitrags: Scherben bringen Glück
BeitragVerfasst: Di 6. Nov 2007, 22:10 
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Unsanft wurde er aus dem Schlaf gerissen.

Er erinnerte sich nicht mehr daran wann er eingeschlafen war.

"Wie spät ist es...?" Fragte er müde.

Die Antwort die er bekam, hatte er nicht erwartet. Ächzend wurde er hochgehievt, nach dem ersten Haken den er kassierte dachte er erst die Zentarim wären eingedrungen, doch er irrte sich. Er irrte sich gewaltig, denn vor ein paar Jahren hätte er ihm gegenüber gestanden. Knurrend versuchte er sich gegen die Gestalten um ihn zu stemmen.

Keine Chance.

Die "Zurechtweisung", war im Grunde vollkommen gerechtfertigt. Nicht, dass es ihn beruhigte oder er zugeben würde, dass er es verstand.

Unter zahlreichen Schlägen, Haken und Tritten sank er schließlich in der Ecke der Zelle zusammen. Dieses mal hämmerte nicht der wenige Schmerz den er sich zuvor zugefügt hatte auf ihn ein, dieses mal war der Schmerz stärker.

Scherben bringen Glück.


Zuletzt geändert von Kay am Fr 13. Jun 2008, 14:26, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Antonius Starken erscheint..
BeitragVerfasst: Mi 14. Nov 2007, 15:04 
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Das Geräusch von nahenden Schritten drang Dumpf an Kaylons Ohren und ließ ihn aus seinem Dämmerzustand aufwachen. Müde lenkte er den Blick zur Eisentüre, als sie geöffnet wurde. Das Metall schabte auf dem steinernen Boden und verursachte ein unangenehmes Geräusch.

Es traten drei Gardisten in die Zelle, zwei begannen die Kette an seinem Fuß zu überprüfen, der Dritte hingegen musterte Kaylon nur vorsichtig. Im Gegensatz zu den letzten Besuchen von Gardisten und Freunden schien sich dieser dritte Gardist zu fürchten.

Kaylon erhob sich und fragte bereits, was sie wollten, als eine vierte Gestalt die Zelle betrat und die Gardisten sich zu Kaylons’ Seiten aufstellten. Diese vierte Gestalt war ein kahlköpfiger Mann mit klaren und entschlossenen Augen. Sein Gesichtsausdruck war streng und ernst, die Kombination aus Stoff und Kettenhemd, die er trug, wirkte edel und teuer. An der Seite des Mannes war ein Schwert in verzierter Scheide geschnallt und auf seiner Brust prangte, an einer Kette befestigt, ein Symbol Helms.

In den ersten Momenten konnte er nicht verstehen, weshalb er von den Gardisten umstellt wurde und jemand in einer solchen Aufmachung zu ihm kam, bis es ihm zu dämmern schien. Noch ehe der Helmit zu sprechen begann überkam Kaylon ein kaltes Gefühl, die erschlagende Erkenntnis, dass dies nun sein Richtkommando sein sollte.

Doch was der Helmit ihm sagte, ließ Kaylon die ganze Situation noch unverständlicher Erscheinen.

Sie waren gekommen um herauszufinden, ob Kaylon einen Teufel in seinem Körper beherbergte. Allein, dass jemand dies glauben konnte, war ihm vollkommen zuwider. Er würde jeden Teufel eher mit seinen nackten Händen zerreißen, als dass er zulassen würde, dass so etwas sich in ihm einnisten konnte. Ein Frevel so etwas nur anzunehmen!

Schließlich packten die Gardisten ihn, die kurze Gegenwehr endete, als der Helmit ihn ermahnte und sicher stellte, dass es nur ein ungefährlicher Test für jemanden sei, der nicht besessen war.

Welchem Gott dient ihr?

Helm.“ Die Antwort auf diese Frage kam schnell, nach langer Zeit begann sie für Kaylon wieder eine Selbstverständlichkeit zu werden.

Der Helmit hob das Symbol Helms an, hielt es vor Kaylon und blickte ihn mit durchbohrendem Blick an.

Nennt mir die Glaubenslehre Helms, anschließend wiederholt ihr sie…

Das war nicht gut. Kaylon glaubte an Helm, er richtete seine Gebete an Helm, er kannte die Glaubenslehre, er wusste was sie bedeutete… aber den genauen Wortlaut kannte er nicht. Er erinnerte sich daran, wie oft diese ihm schon aufgesagt wurde, er hatte ein Buch gehabt wo es sogar drin stand! Doch trotz alle dem…

Der Glauben Helms besagt, dass ein Wächter die Schwachen schützen muss. Er tut seine Pflicht gewissenhaft und kämpft für Gerechtigkeit. Er schützt jene die Schutz benötigen und kämpft gegen jene die Böses wollen.

Es war allerdings nicht ganz das, was der Helmit hören wollte. Dennoch nickte er und verlangte die Glaubenslehre genannt zu bekommen. Ein Gardist, der Kaylon fest hielt, schien ebenfalls betroffen, wäre er in Kaylons’ Lage gewesen, wäre es ihm wohl nicht besser ergangen.

Doch dann hob der Helmit das Symbol Helms bis kurz vor Kaylons Gesicht, betrachtete jenen mit einem durchbohrenden Blick und wenige Worte später breitete sich ein angenehmes, helles Licht im Raum aus. Dann erhob er ehrfürchtig die Stimme, Kaylon sah auf das Symbol, bereit ohne zu zögern die kommenden Worte nachzusprechen.

Missbrauche nie das in dich gesetzte Vertrauen. Sei wachsam. Halte Wache, warte und beobachte genau. Sei gerecht und eifrig, wenn du deine Anweisungen ausführst.

Die Stimme des Helmiten vor ihm war trotz ihrer Lautstärke nicht unangenehm oder einschüchternd, vielmehr unterstrich sie durch ihre Betonung die gesprochenen Worte.

Beschütze die Schwachen, die Armen, die Verletzten und die Jungen. Opfere sie niemals zu deinem oder zu eines anderen Wohl.

Kaylon sprach ohne zu zögern, doch registrierte er innerlich, dass er gegen dieses Gesetz einst verstoßen hatte. Er bedauerte dies sehr und hatte bereits Dinge für seine Buße getan, doch die Zeit der Selbstvorwürfe war vorbei.

Erkenne Angriffe im Voraus und sei vorbereitet. Kenne deine Feinde.

Ein bitterer Teil der Glaubenslehre, den er nur schwer einhalten konnte. Bisweilen enttarnten sich oftmals viele Personen als Feinde, die man nie dazu gezählt hatte, aber auch andere zu Verbündeten, die man ebenso wenig erwartet hatte.

Pflege deine Waffen, so daß sie ihre Pflichten erfüllen können, wenn sie gebraucht werden.

Dann betonte der Helmit sorgfältig und bestimmt seine nächsten Worte.

Sorgfältige Planung ist am Ende immer besser als übereiltes Handeln.

Die Worte durchschnitten Kaylons Gedanken wie Butter und brannten sich in sein Gedächtnis wie ein mahnendes Brandmal ein. Es war etwas, dem er so wenig Beachtung geschenkt hatte und was doch so wichtig war. Sein übereiltes Handeln hatte ihn hierher gebracht, das fehlende Nachdenken und Planen der nächsten Schritte, so etwas durfte ihm nie wieder passieren, er würde Helm nicht noch einmal in dieser Weise enttäuschen.

Befolge immer deine Anweisungen, vorausgesetzt, die Anweisungen stehen im Einklang mit den Gesetzen Helms. Beweise die Vorzüglichkeit und die Reinheit deiner Loyalität, wenn du deine Rolle als Wächter und Beschützer wahrnimmst.

Der Helmit endete, wenig später verschwand das helle Licht, was von dem Symbol ausging. Er nickte.

Ihr seid nicht besessen.

Nein, das war er nicht. Aber nun war er sich sicher zu verstehen. Die folgenden Worte die er mit dem Helmiten wechselte vermochten ihm Hoffnung und Mut zu geben, sie zeigten ihm dass er nicht unbedingt falsch, jedoch dumm gehandelt hatte. Ebenso erkannte er ein weiteres mal, dass er im Angesicht einer solchen Person nicht lügen konnte.

Doch sein Handeln würde ihn durch eine harte Lehre schicken, die schwere Konsequenzen für ihn bereit hielt.

Als der Helmit und die Gardisten die Zelle verließen, blieb Kaylon nachdenklich zurück. Die gewonnene Erkenntnis nagte langsam an seinem Verständnis und seiner Weltsicht, etwas musste sich ändern.

Es verging einige Zeit, vermutlich mehrere Stunden, da erklangen abermals dumpfe Schritte in dem Gang vor Kaylons’ Zelle. Dieses mal waren es aber nur Schritte von einer Person und das leise rascheln eines gepolsterten Kettenhemdes.

Seine Zellentür ging auf und gedämpftes Licht strahlte in seine Zelle, als eine kleine verhüllte Gestalt hinein trat.


Zuletzt geändert von Kay am Fr 13. Jun 2008, 14:26, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Ungewollter Besuch
BeitragVerfasst: Di 27. Nov 2007, 19:29 
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Er würde es nicht offen zugeben, doch Kaylon war froh über den Brief, den die verhüllte, kleine Frau ihm gebracht hatte. Es war nicht nur Abwechslung von dem Kerkeraufenthalt sondern noch Informationen zu den Geschehnissen außerhalb seiner dunklen Zelle. Nachdenklich las er die Zeilen, deren Inhalt eine überraschende Wirkung hatte, denn obgleich er es nicht mochte, so musste er ihnen teilweise Recht geben. Er musste mehr nachdenken bevor er handelte und vorsichtiger sein als bisher. Ihm verblieb nur eine Stundenkerze, die in der scheinbar zeitlosen Gefangenschaft nicht mehr wie ein paar kurze Momente wirkten.

Die verhüllte Frau war wieder da, doch Kaylon würde sie nicht so einfach gehen lassen. Gesellschaft mit der man sich unterhalten konnte war in seiner Zelle rar, vorallem jemand der ihm anscheinend nicht feindlich gesinnt war. So verwickelte er sie in eine kurze, allerdings aufschlussreiche Unterhaltung.

Es gab Personen, die für ihn waren. Seinen Angriff zwar anscheinend nicht gut hießen, aber dennoch wollten sie ihm helfen. Keine alten Freunde die er über Jahre hinweg kannte und mit ihnen Abenteuer erlebt hatte, nein es waren Menschen die er kaum kannte und doch versuchten ihm aus dieser Lage heraus zu helfen.

Als die Türe ins Schloss fiel, das dämmrige Licht in der Entfernung von Dunkelheit verschluckt wurde, war er bereits in tiefe Gedanken versunken. Gedanken über eine mögliche Zukunft oder ein vorschnelles Ende seines Daseins durch den Galgen.

Doch dann, ohne irgendein Geräusch, schwang seine schwere Zellentür in gemächlicher Geschwindigkeit auf. Es stimmte ihn misstrauisch und beunruhigte ihn zutiefst, denn sie war zuvor verschlossen gewesen. Eine ungeahnte Kälte erfüllte nun die Zelle, sie berührte Kaylon erst zaghaft, doch dann drängte sie sich um ihn herum, bis in seine Knochen und zwang ihn dazu, sich zusammen zu krümmen um nicht jedwede Wärme seines Körpers kampflos an diese unnatürliche Kälte abzugeben.

Schließlich waren leise Schritte zu vernehmen und eine seltsam unförmige Frau, ihre Rüstung schien zweifelsfrei Teile ihres Körpers stark zu verstecken, betrat die Zelle. Ihre Haut war blass wie Schnee und ihr Gesicht von einer unantastbaren Schönheit erfüllt, während ihr blondes Haar in Strähnen über ihre Wangen strich.

Sein Körper bewegte sich nicht, er erlaubte ihm kein Zittern, doch das schmale Gefühl der Angst berührte ihn nun ebenfalls, es hatte sich mit der Kälte ihn die Fasern seiner Muskeln geschlichen.

Die Stimme der Frau, deren faszinierende Erscheinung vor ihm zum stehen kam, weckte ihn jedoch aus der halb benommenen Starre, sie war verzerrt und unwirklich, fremd und doch schmerzhaft bekannt.


Zuletzt geändert von Kay am Fr 13. Jun 2008, 14:27, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Der fremde Gardist
BeitragVerfasst: Di 4. Dez 2007, 16:15 
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Es waren bereits einige Tage vergangen, seid die blasse Gardistin, deren wahre Identität Kaylon kannte, ihn in seiner Kerkerzelle besucht hatte. Der zweite Besuch, dagegen nur wenige Tage her, zeigte Kaylon nur, wie sehr die Qualität der Wächter dieser Stadt gelitten hatte.

Ein Gardist, der vermutlich eine Chance zum Aufstieg erhaschen konnte und sich freiwillig gemeldet hatte um Nachforschungen anzustellen, wurde auf eine neue, für Kaylon sinnfreie, Theorie angesetzt. Im Zuge dessen hatte er ihn in Begleitung einer Gardistin besucht um Fragen zu stellen, ein mühseliges Unterfangen, denn die Fragen waren lediglich Wiederholungen derer, die er schon zu Anfang bei zahlreichen Verhören beantwortet hatte.

Es hatte geradezu den Anschein als ob der Gardist es nicht für nötig gehalten hatte die Wachtagebücher zu lesen, bevor er sich zu einem Verhör in den Kerker bringen ließ. Dazu war er noch fanatisch von dieser, in Kaylons Augen lächerlichen, Theorie überzeugt, es würde eine geheime Gruppe hinter Kaylon stehen die Anschläge auf hohe Persönlichkeiten vollziehen wollte. Die Befragung zog sich dahin, bis Kaylon die Vermutung bekam dieser Mann würde für jemanden arbeiten, jemanden der Grund zur Annahme einer solchen Theorie hatte und ihm fiel nur ein Name dazu ein.

Zornig schmetterte er dem Gardisten seine Vorwürfe entgegen, nicht für die Garde in dieser Sache zu arbeiten, sondern für eine gewisse Frau, die ihm wohl mehr Gold als den gewöhnlichen Gardelohn versprochen hatte.

Der Gardist ging jedoch nicht darauf ein und hielt an seiner Befragung fest, doch inzwischen war auch die Gardistin ins Stocken gekommen, denn die Offensichtlichkeit dass der Gardist nicht einmal im geringsten auf diese Befragung vorbereitet war, gar informiert, schien sie aus dem Konzept zu bringen.

Als der Gardist in der Zelle herumging, als würde er hier einen versteckten Hinweis finden, ergriff Kaylon die Gelegenheit und wendete sich zur Gardistin, denn dank ihrer bekannten Stimme hatte er nun die Hoffnung eine Möglichkeit zu haben auf den unheimlichen Besuch aufmerksam zu machen. So erzählte er von der blassen Schönheit und ihrem Reiseziel, ebenso davon dass man sie aufhalten müsse und sie Antworten kannte, die vieles – wenn nicht alles – aufklären würden.

Während dessen redete der Gardist weiter, aber Kaylon schenkte seinen Worten keine Beachtung mehr – er musste genug Informationen an die Gardistin geben.

Schließlich nickte sie leicht und entschied daraufhin mit dem Gardisten die Zelle nun zu verlassen. Ihr Gesichtsausdruck ließ vermuten, dass die Informationen bei ihr gut verwahrt waren, doch ebenfalls dass sie zornig ob der unvorbereiteten Art ihres Kameraden war.

So verließen beide Gardisten die Zelle und abermals, als die schwere Zellentür zufiel, wurde sie in tiefe Dunkelheit gehüllt.


Zuletzt geändert von Kay am Fr 13. Jun 2008, 14:27, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: In der Zwischenzeit
BeitragVerfasst: Do 13. Dez 2007, 10:30 
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Auf Helmers Hof...

Ein unwohliges Gefühl berührte Bethsabet Helmer, als eine junge Gardistin vor ihr stand und nach der Habe eines ehemaligen Gastes bat. Vor einigen Tagen hatten Freunde des Mannes, der nun nach allem Anschein dem Wahnsinn verfallen war, selbst darum gebeten. Sie hätte ihnen auch die Sachen gegeben, doch Ebenezer empfand es als falsch die Habe eines Gastes weiter zu geben, solange dieser nicht eingewilligt hatte.

Schweren Schrittes führte Beth die Gardistin in den Keller des Hofes, sie konnte noch immer nicht verstehen wie der Mann, welcher sich zuvor noch aufmerksam und warmherzig um zwei Waisen gekümmert hatte, Ebenezer oftmals über den Glauben Helms ausgefragt hatte und auch mit Neftarie und Shana befreundet schien, die für Beth ebenso als freundliche und herzensgute Frauen in Erinnerung waren, zu so etwas kaltblütigem fähig war. Natürlich war er manches mal sarkastisch gewesen und ebenso neigte er in kurzen Momenten am Hof zu einem heißblütigen Temperament was sie kaum kannte, aber dennoch. Er hatte die Hohepriester Mystras versucht zu töten und noch schlimmer, die Mutter seiner eigenen Tochter! Seufzend schloss Beth die Augen, als sie die Türe zu dem geräumigen Lagerraum im Keller öffnete.

Linya, der liebenswerte, rothaarige Wirbelwind, hatte es schon schwer genug, seit ihre Eltern sich so offensichtlich gegeneinander gerichtet hatten. Im Stillen hoffte Beth die Kleine würde nichts von dem Angriff ihres Vaters auf ihre Mutter erfahren und von all’ dem verschont bleiben, doch es war eine magere Hoffnung.

Bethsabet deutete für die Gardistin auf die zwei größeren, aus dunklem Holz gearbeiteten, Kisten und den großen geflochtenen Korb, welche an der Seite des Lagerraumes standen. Sie rang sich ein flüchtiges Lächeln ab, konnte aber nicht das schwermütige Gefühl in sich verbergen. Die vermeintliche Entführung Inos, die grünen Augen der schwarzhaarigen Frau als sie ihr davon berichtet hatte und all diese Geschehnisse welche in den letzten Tagen an ihr Ohr drangen, hatten ihr nicht gut getan.

Die junge Gardistin wirkte allerdings aufrichtig und ihr freundlicher Blick vermochte es dieses Unterfangen geringfügig zu erleichtern. Schließlich wurden die Kisten und der Korb hinaus getragen, die Gardistin unterschrieb ein Schriftstück und verabschiedete sich höflich.

Beth schloss die Türe hinter sich und nahm auf einen der bequemen Sessel Platz. Was auch immer Kaylon Rydrien dazu getrieben hatte eine solch furchtbare Tat zu begehen, es könne nichts entschuldigen. Selbst wenn er dem Galgen entkommen konnte, hier war er nicht mehr willkommen. Mit bitterer Entschlossenheit erhob Beth sich wieder und betrat die Küche, es war Zeit das Mittagessen vorzubereiten.


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 Betreff des Beitrags: Die letzten Tage vor der Verhandlung
BeitragVerfasst: Mi 9. Jan 2008, 11:03 
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Die stetigen Schritte von Gurundel über den steinernen Boden vor seiner Zelle hatten, während er sich in seiner neuen Zelle umsah, eine einschläfernde Wirkung auf Kaylon. Wenige Tagen waren es jetzt nur noch, die zwischen ihm und seinem Urteil standen und dafür kam er in die obere Zelle, welche offen zu einer Seite war und nur durch Gitterstäbe vom Rest des Raumes getrennt blieb.

Der letzte Besuch hatte bewirkt, dass er sich noch immer so fühlte, als läge ein schwerer Stein in seinem Magen, der nur allzu gern seine inneren Organe durcheinander wirbelte. Gleichzeitig verspürte er den Funken des Zweifelns, eine Unsicherheit für die er sich fast schämte, schließlich lag auf der Hand wem er trauen musste.

Amelie hatte ihn besucht und ihre Worte hatten es letztlich bewirkt, dass er nicht wusste, was er noch hätte sagen sollen. Obgleich sie ihn unsicher machte, er traute ihr nicht eine solch kalte Abgebrühtheit zu ihn derart zu belügen, wusste er es doch besser. Vermutlich war sie selbst nur ein Opfer einer Intrige, naiv und überheblich genug um etwas zutun von dem sie sich sicher war es kontrollieren zu können und gleichsam ohne zu wissen, welche Ausmaße es haben könnte. Vielleicht wusste sie nicht einmal was sie getan hatte und schob es seiner angeblichen geistigen Umnachtung und Besessenheit zu, dass derartiges Wissen verbreitet worden war.

Aber dass sie den Teufel zurück geholt hatte stammte nicht von Kaylon.

Es war ihm mit solcher Selbstverständlichkeit und Vorsicht dargebracht worden, dass er an den Worten nicht zweifeln konnte. Abgesehen davon, vertraute er zumindest einem der Überbringer dieses Wissens und da er sich angewöhnt hatte ein ständiges Misstrauen den meisten seiner Mitmenschen entgegen zu bringen, wusste er nicht wieso er einem der wenigen die sein Vertrauen genossen nicht glauben sollte.

Trotz allem fühlte er sich schuldig sich derart seinem Hass und dem Geist der Vergeltung hingegeben zu haben. Er musste weitsichtiger werden, nur wie sollte er das anstellen? Kopfschüttelnd ließ er sich auf das Stroh, was einen Teil der Zelle bedeckte um als Schlafstätte zu dienen, sinken.

Er sollte sich besser Gedanken machen, wie er sich vor einer Hinrichtung retten konnte oder aber, wie er Devon selbst wenn man ihn hinrichten lassen würde, entgegen treten könne und dann war da noch das zweifelhafte Schicksal dass ihn erwarten würde, so er der Axt des Scharfrichters entgehen würde. Sie würden ihn kaum einfach freilassen, doch er gestand sich grimmig ein, dass er trotz allem die naive Hoffnung hatte es würde sich noch alles zum Guten wenden.


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BeitragVerfasst: Sa 2. Feb 2008, 18:32 
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"Der Angeklagte wird daher seines gesamten Besitzes enteignet, wovon 200 Goldmünzen als Entschädigung an die Kirche Mystras zu zahlen sind."

Der Blick der Richterin ruhte ungerührt auf Kaylon, welcher in Ketten vor ihr Stand.

"Desweiteren wird der Angeklagte zur lebenslangen Zwangsarbeit in den Minen verurteilt."

Der Atem verließ nur schwer seine Kehle, er schloss die Augen, während er die folgenden Worte nur nebenher wahrnahm.

"Als Ergänzung ist eine öffentliche Demütigung durch Aushänge in der Stadt zu erfolgen, in denen die Schuld des Angeklagten dargstellt wird... auf dass nicht weiter ein Verbrecher als Held und Vorbild für Kinder und Erwachsene angesehen wird. Dieses Urteil ist gesprochen im Namen Tyrs und wird umgehend vollstreckt."

Doch ihm gebührte das letzte Wort, er wollte soeben den Mund öffnen und beginnen zu sprechen als ein dröhnender, lauter und penetranter Klang alles vor ihm verschwimmen ließ. Er versuchte abermals den Mund zu öffnen, um etwas zu erwidern, doch da erklang das Geräusch abermals und das Bild vor ihm löste sich vollkommen auf.


Kaylon öffnete die Augen und erblickte müde die Decke der Baracke in welcher er nun schon seid mindestens einem Mond lebte. Ächzend erhob er sich auf dem harten "Bett" welches er errungen hatte, doch konnte man es nicht wirklich ein Bett nennen. Das Holz war mehr als nur dürftig aneinander genagelt, Holzkästen wurden darunter gelegt damit es das Gewicht eines Mannes tragen konnten. Auf den Holzkästen lag Stroh und dieses wurde mit einem grob gewebten Leinentuch überdeckt.

Er setzte sich auf und hob die rechte Hand an seinen Kopf, während die anderen im Raum, ebenfalls Zwangsarbeiter, wie Kaylon erwachten.

Blinzelnd sah er zu dem Stein, welcher an einer ledernen Schnur an seinem Hals befestigt war und nun durch sein offenes Hemd hervor baumelte. Er steckte ihn zurück und knöpfte es zu, sein kurzer Blick über die Mitbewohner verriet ihm, dass sie selbst noch zu müde und mit sich selbst beschäftigt waren, als dass sie etwas bemerkt haben konnten. Natürlich wusste er, oder nahm es zumindest an, dass die Wachen von diesem Besitz in Kenntnis gesetzt wurden, denn es war bereits vorgekommen, dass sie eher wegsahen als ihn darauf anzusprechen.

Nachdem er seine Stiefel zugeschnürt hatte und noch etwas übergezogen hatte, ob der derzeitigen Kälte verließ er die Baracke. Eine Wache stand neben der Türe und fing ihn ab, auf ein Zeichen hin folgte er ihr wenige Meter und betrachtete den Mann vor sich abschätzend.

Es war eine gewöhnliche Wache auf dieser Insel, im Grunde sahen sie alle irgendwie gleich aus mit wenigen Ausnahmen, wie Kaylon inzwischen dachte. Vermutlich ein gewöhnlicher Effekt der bei Gefangenen eintrat, für die Wachen musste es ähnlich sein.

"Rydrien, wie du weißt kommt heute Besuch für dich. Sei pünktlich wieder in der Baracke und lass sie nicht warten, es sind Janald Dalendon und Conan Amraphendt."

Kaylon nickte. Für die Wache schien dieser Besuch etwas besonderes zu sein, dass man ihn extra daran erinnerte. Als er etwas entgegnen wollte, wurde er bereits wieder zurück zu den anderen Arbeitern gerufen.

Er sah noch einmal in das Gesicht der Wache, die ihm nun doch etwas jünger vorkam, dann wendete er sich um und begab sich in eine der Reihen und nahm seine Ausrüstung entgegen, um sich in die Mine aufzumachen.


Zuletzt geändert von Kay am Fr 13. Jun 2008, 14:27, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Auf das was da kommen möge...
BeitragVerfasst: Di 8. Apr 2008, 16:15 
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Seid dem gestrigen Tage hatte die Sonne zurück nach Rivin gefunden und seit langer Zeit war der Regen wieder verebbt. Obwohl die Riviner Bevölkerung sich an das schlechte Wetter gewöhnt hatte und deshalb den Ausgang im Regen nicht scheute, war es nun weitaus belebter auf den Straßen. Schließlich musste man das seltene und angenehme Wetter ausnutzen!

So auch auf den Höfen, wo die Arbeiter schon seit den frühen Morgenstunden ihrem Tagewerk nachgingen. Etwas Abseits von einem der Höfe, ein Hof der jedem Bauern bekannt ist, denn ihn schützt ein hölzerner Wall und die Kraft eines Priesters des Helms, stand ein sorgfältig gepflegter Schrein des Wachenden.

Er stand im freien, vier Statuen standen jeweils an einer Ecke der rechteckigen Platte, in dessen Mitte ein steinerner, massiver Altar zu finden war. Jede der Statuen hatte an jeder Seite das Bildnis eines gepanzerten Kriegers, der jeweils gerade aus blickte. Dadurch, dass jedoch an jeder der vier Seiten einer Statue der Krieger eingemeißelt war konnte jede Statue die gesamte Umgebung betrachten. Helm entging nichts und so auch nicht den Bildnissen, die zu seinen Ehren gebaut wurden.

Vor dem Altar jedoch kniete ein Krieger in silberner, glänzender Rüstung. Der weiße Umhang den er trug, auf dessen Stoff das Symbol Helms prangte, wies ihn noch offensichtlicher als Streiter des wachenden Gottes aus. Lange Zeit war vergangen, dass dieser Krieger seinen Weg hierher gefunden hatte, doch letztlich war er hierhin zurück gekehrt.

Sein Kopf war gesenkt und er hielt sein Schwert mit der rechten Hand, welches gerade und aufrecht, mit der Spitze auf dem Boden, verweilte. Leise Worte waren nur zu vernehmen, denn dieser Wächter befand sich im Gebet, ein Gebet was bereits eine Morgenstunde angehalten hatte.

…und ich weiß, dass die Prüfungen die du mir auferlegst schwer sind, doch nur so werde ich an Stärke gewinnen um jene die gegen das Gesetz und das Gute agieren mit deiner Kraft zu zerschmettern. Nur du weißt, welche Last auf mir liegt und welche mir bereits genommen wurde. Ich danke dir, dass du meinen Weg zu Lord Starken führtest, denn er ist ein weiser Lehrmeister, dessen Erfahrung mir ein großer Gewinn ist. Auch sehe ich den Grund für die Überschneidung unserer Schicksale und beginne zu verstehen.

Kurz verharrte Kaylon, doch dann atmete er tief ein und ein Lächeln fand sich auf seinen Lippen.

Der Teufel wird vernichtet werden und nun da Natalie wieder an meiner Seite ist, weiß ich, dass wir auch diesen Kampf bestehen werden. Wir werden uns dem Chaos und Bösem entgegen stellen, denn nichts anderes ist unser Schicksal. Auch wissen wir um unsere Kameraden, Freunde und Mitstreiter. Gemeinsam werden wir den dunklen Schleier über dieser Stadt lüften.

Das Lächeln verschwand wieder aus dem Gesicht und ein ernster, verhärteter Ausdruck nahm seinen Platz ein.

Du kennst den Zwiespalt in meinem Herzen, ob des heutigen Duells. Eine Wächterin deren Körper dem Bösen anheim gefallen ist, besetzt von der widerwärtigen Gestalt des Teufels. Wir müssen sie befreien, entweder durch unsere Worte … oder durch unsere Klingen. Denn diese Lästerung des Teufels an dir, eine deiner Wächterinnen einzunehmen und zu missbrauchen, können wir nicht länger bestehen lassen. Doch mögest du uns Kraft geben, auf dass wir ihre Seele mit unseren Beschwörungen an sie wecken können und sie so nicht den frühzeitigen Tod erfahren muss, auf dass sie in dieser Welt noch viele Leben retten mag und mit uns deine Lehren und Dogmen verkörpern wird. Und ebenso bitte ich dich um Stärke, diesen Kampf zu überstehen um weiter kämpfen zu können und den Teufel ein für alle mal zu vernichten. So wie wir auch die anderen Feinde der Bürger, der Stadt, des Guten vernichten werden.

Noch lange würde er dort beten, bis zum späten Nachmittag an welchem er sich letztlich aufmachen würde um seine Muskeln aufzuwärmen, denn nun kam die Zeit zu handeln.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der ewige Kampf
BeitragVerfasst: Do 10. Apr 2008, 03:53 
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>> Vor sehr, sehr langer Zeit <<

Seine Hände umfassten den rostigen Griff der alten Türe, der Atem ging schwer und das Herz raste. Er war den Wachen diesmal gerade noch gekommen. Es hätte nicht so laufen dürfen. Normal waren seine Aktionen durchdacht und gut geplant, doch dieses Mal war ihm der Zufall in die Quere gekommen und beinahe hätten sie ihn geschnappt. Was wäre dann aus ihr geworden? Wie hätte er den Schwur, den er seiner Mutter kurz vor ihrem Tod geleistet hatte, dann noch einhalten können? Beim nächsten Mal musste er es besser planen... sich einen zweiten Fluchtplan für den Notfall ausdenken. Und am Besten auch gleich noch einen Dritten.
"Ich werde dich immer beschützen... und wenn ich dafür in die Hölle komme."
Er öffnete die Türe nur einen Spalt, dann fuhr er mit der Hand durch diesen hindurch und löste die Drähte die dort befestigt waren. In einer Umgebung wie dieser musste man Vorkehrungen treffen. Und das wusste der Junge nur zu gut, der heutige Tag hatte es ihn wieder gelehrt. Nur ganz knapp entkommen... es durfte nie wieder so eng werden. Erst jetzt, nachdem er alle Drähte entfernt hatte, öffnete er die Türe vollständig und schlüpfte hindurch um sie gleich darauf wieder zu schließen. Die Drähte erneut zu befestigen. Ihr durfte nichts geschehen, er hatte es Mutter geschworen. Doch der Junge wusste auch, dass seine Möglichkeiten Grenzen hatten.
"Wichtig ist, dass wir überleben.. einfach nur überleben."

Vorsichtig griff er in die Tasche seiner schmutzigen, abgetragenen Kleidung und holte den Beutel heraus. Dann öffnete er ihn um seine Beute zu betrachten. Es hatte sich trotz des enormen Risikos gelohnt. Der Junge erklomm die Stufen der kaputten Treppe des verfallenen Gebäudes und ging nach oben, betrat sein Zimmer. Dort lag sie, eingehüllt in schmutzige Laken in dem Bett. Er verstaute die Beute wieder in seiner Tasche und schlüpfte aus den Stiefeln um mit leisen Schritten zu ihr zu gehen. Er wollte sie nicht versehentlich wecken, seine Schwester. Wenn sie schlief, dann sah sie aus wie ein Engel. Zumindest war das früher so. Heute war ihr Schlaf wieder unruhig und von Alpträumen geplagt wie schon seit Monden. Und dies erinnerte den Jungen wieder an die Grenzen seiner Möglichkeiten.
"Eines Tages werde ich mächtig genug sein... und dann werde ich alle vernichten die uns weh tun wollen, alle! Selbst die Geister deiner Alpträume."
Die Stimme des Jungen war nur ein Flüstern als mit seiner linken Hand die Hand seiner schlafenden Schwester umfasste in der Hoffnung, sie beruhigen zu können. Mit der Rechten strich er ihr sanft über das Haar. Ihre Stirn glühte, das Fieber war wieder da.
"Eines Tages... und wenn ich dafür in die Hölle muss..."
Mit einem Aufschrei erwachte das Mädchen aus ihren Fieberträumen. Ihre von der Krankheit gezeichneten Augen, die nicht mehr sehen konnten, geweitet. Der Körper schweißbedeckt und zitternd. Doch der Junge war bei ihr und hielt sie fest, bis sie sich beruhigt hatte. Sie erkannte ihn schon am Geruch seiner Kleidung und seiner Haare. Ihr Bruder war immer bei ihr, war immer für sie da. Er würde sie immer beschützen. Doch es war noch etwas anderes da.
"Ich höre ein Scharren.." flüsterte sie leise.
Der Junge horchte auf. Vielleicht bildete sie es sich nur ein, doch er wusste auch, dass ihre Ohren besser waren als die seinen. Seit sie ihr Augenlicht verloren hatte, verließ sie sich auf ihr Gehör und ihre übrigen Sinne. Sie war so stark, viel stärker als er. Seine Hände griffen nach den Zundhölzern und ließen sie Kerze entflammen, dann huschten seine Augen durch das Zimmer. Das Mädchen hatte sich in sitzende Position aufgerichtet und deutete an eine Ecke an der Wand. Erneut konnte der Junge ihr Gehör nur bewundern, als er mit seinen Augen ihrem Deut folgte.

Dann erkannte er den Übeltäter. Ein fetter, hässlicher Käfer der an der Wand entlang nach oben krabbelte um durch einen Riss zu entkommen. Doch der Junge war schneller. Mit wenigen Schritten war er bei der Wand angelangt und schlug mit der flachen Hand auf das widerliche Insekt, so dass es zu Boden fiel. Danach trat er zweimal mit dem Fuß drauf und wandte sich wieder zu seiner Schwester um, ging zu ihrem Bett.
"Es war nur ein Käfer..."
Das Mädchen nickte, ihre blinden Augen starrten ins Leere, dann erwiderte sie etwas.
"Er lebt noch..."
"Was?!"
Rasch fuhr der Junge herum. Er staunte nicht schlecht als das gepanzerte Insekt sich trotz des Schlags und der zwei Fußtritte nun erstaunlich schnell auf dem Boden fortbewegte um durch einen schmalen Spalt in der Wand zu entkommen.
"Lass ihn..." murmelte das Mädchen leise, um dann fortzufahren,
"...ich hatte nur Angst es wäre was anderes."
Der Junge verstand und trat wieder zu ihrem Bett zurück um sich an den Rand zu setzen und ihre Hand zu ergreifen. Er sagte nichts mehr, denn er wollte sie nicht unterbrechen als sie weitersprach. Obgleich von der Krankheit gezeichnet klang ihre Stimme dennoch wie die eines Engels.
"Käfer sind nicht böse, weißt du..?"
Wie die eines sterbenden Engels. Er würde sie schützen. Er würde sie ewig schützen. Sie war das einzig Gute in seinem Leben. Und doch wurde sie von der Krankheit zerfressen, gegen die es keine Heilung gab.
"...und sie sind wie wir... sie wollen nur leben... wollen nur überleben... und das können sie besser als wir, ja.. weißt du.. Käfer sind geborene Überlebenskünstler. Ihr Panzer schützt sie, sie brauchen keine Rüstung... sie werden auch dann noch da sein wenn wir alle schon wieder weg sind, wir Menschen... wir müssten mehr wie sie sein..."

Er lauschte ergriffen und schweigsam ihrer Stimme. Sie erzählte dies alles mit einem sanften Lächeln und es war so schön sie lächeln zu sehen, trotz der Schmerzen, die sie haben musste. Doch er wusste, sie lächelte nur für ihn. Damit er sich keine Sorgen macht. Würde dieses Lächeln je versiegen, dann hätte sein Leben keinen Sinn mehr. Dann hätte alles Leben keinen Sinn mehr. Würde sie sterben, wäre es ihm egal ob die ganze Welt um ihn herum mit verreckt. Er würde es der Welt sogar wünschen, denn sie war Dreck, die ganze Welt war widerlicher Dreck. Nur sie machte es erträglich, sie und ihre Stimme. Und ihr Lächeln. Aber die Krankheit fraß sie auf... und es gab nichts was er dagegen tun konnte. Sie fraß sie von innen auf, zerfetzte ihre Organe und fraß sich durch bis zum Gehirn. Und das obwohl sie das einzig wertvolle, das einzige Licht in dieser Welt war. Warum muss sie so leiden und nicht jene die es verdienen? Jemand sollte kommen und er sollte die ganze Welt so zerfressen, wie ein Krebsgeschwür sein. Alle leiden lassen die es verdient haben und verdient hatte es jeder, nur sie nicht. Aber sie würde sterben, würde unaufhaltsam zerfressen werden von etwas, das nicht aufzuhalten ist.
"Warum weinst du?"
Ihre Stimme klang wie ein Engel. Seine Stimme war hart, auch wenn er sich bemühte sanft zu sprechen. Nur für sie wollte er sanft sein, so sanft wie er konnte. Doch das gelang ihm nicht, obgleich er sich bemühte als er antwortete.
"Ich weine nicht!"
"Doch du weinst... wegen mir... ich möchte nicht, dass du meinetwegen weinst. Bitte weine nicht, Devon."

_________________
"Bist du ein selbst ernannter Superheld? Exzellent. Dann landest du jetzt im Konzentrationslager, wo du sterilisiert, sediert, programmiert und pasteurisiert wirst! So spricht Präsident Kobold.

...Das klingt mehr Richtung Doktor Doom, was?"

Dark Reign - die dunkle Herrschaft beginnt!


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 Betreff des Beitrags: Zwei verschiedene Wege
BeitragVerfasst: Di 20. Mai 2008, 14:19 
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Nachdenklich strich Kaylon über sein bärtiges Kinn, während er über der selbst gezeichneten Karte brütete. Es war eine sehr schlichte Karte die eine Stelle im Sumpf markierte. Er wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie alle dort hin gehen mussten. Deshalb versuchte er sich so genau wie möglich an das Umfeld von einst zu erinnern und hoffte, dass sich nicht allzu viel verändert hatte.

Ein zaghaftes Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken. Er legte die Karte umgedreht auf ein paar der anderen Papiere, die den Holztisch bedeckten. Dann erhob er sich und trat zur Türe um sie im nächsten Augenblick zu öffnen.

Seine Schwester stand vor der Türe.

Elona hatte ihre Haare zu einem zweckmäßigen Zopf zurück gebunden und trug ein langes, grün-bläuliches Kleid. Eine einzelne, lange Strähne ihres roten Haares fiel ihr über die Stirn, als sie ihm vorsichtig entgegen lächelte.

Mit einem erfreuten Lächeln nahm Kaylon sie in seine Arme und bat sie im Anschluss hinein. Das Zimmer im Frankys war nicht sonderlich groß, doch hatte es alles was man brauchte. Dazu noch einen großen Tisch mit vier Stühlen.

„Es ist schön dich zu sehen Elona, es ist schon länger her, nicht wahr?“

Bemerkte Kaylon als er die Türe hinter ihr schloss.

Sie nickte stumm und nahm an dem großen Tisch Platz. Ihre Wortkargheit ihm gegenüber zeigte Kaylon nur erneut, dass sie sich verändert hatte. Doch er wollte es nicht erwähnen, denn wieso dies geschehen war, wurde ihm längst erklärt.

„Möchtest du etwas trinken?“

Fragte er sie freundlich. Als sie den Kopf schüttelte setzte er sich ihr gegenüber an den Tisch.

„Wie geht es dir?“

Sie schmunzelte flüchtig.

Gut.

Als er erneut ansetzte etwas zu sagen, war sie jedoch schneller. Sie empfand sein Verhalten als höflich, nicht aber vertraut. Es war wie eine durchsichtige Wand, die sie beide nun voneinander trennte. Dabei spielte nicht nur ihre Veränderung eine Rolle, sondern auch seine.

Kaylon ich bin hier um … dich um etwas zu bitten.

Er lächelte ihr zögernd entgegen.

„Um was handelt es sich?“

Sie musterte ihn aufmerksam, denn sie hatte bereits eine Ahnung wie er gleich reagieren würde – dennoch wollte sie es versuchen.

Ich möchte dich bitten den Teufel nicht zu vernichten.

Kaylons’ Lächeln verschwand und er sah sie aus ernsten Augen an. Prüfend betrachtete er ihre ausdruckslose Miene.

„Elona, ich kann verstehen, wenn du ihn selbst zurück in die Hölle schicken willst, aber-“

Nein, darum geht es nicht!“ Fiel sie ihm ins Wort.

Hör’ mir nun gut zu.“ Sprach sie ebenso ernst, wie sein Blick war.

Es hat keinen Sinn ihn zu vernichten. Du meinst vielleicht, dass du, wenn du ihn vernichtest das Böse vernichtest – aber das ist falsch.

Seine Gesichtszüge verhärteten sich.

Es ist nicht der Teufel gewesen, der mir das antat Kaylon. Es waren die Menschen! Eine Frau aus Eifersucht und ein Mann aus Machtgier. Der Teufel verführt sie nur um uns zu zeigen wie falsch wir Menschen sind, die ausführende Gewalt sind wir! Die Menschen fügen sich gegenseitig Leid zu, er gibt nur die Anregungen, doch wir gehen darauf ein. Es ist unsere eigene Schuld.

Sie atmete tief ein, er lehnte sich nun auf seinen Stuhl zurück. Sein Blick war inzwischen misstrauisch geworden.

„Wie heißen unsere Eltern?“

Sie blinzelte ihm überrascht entgegen.

Karson und Elena Rydrien…

„Wie hieß mein bester Freund Zuhause?“

Selparus!“ Sie legte ihre Stirn in Falten. „Was sollen diese Fragen? Ich bin deine Schwester!

Er seufzte schwerfällig.

„Du wirkst aber nicht wie meine Schwester.“ Er beugte sich nun vor und blickte ihr mit allem Verständnis entgegen, dass er aufbringen konnte.

„Ich weiß, dieser Teufel hat dir furchtbare Dinge angetan. Ich verstehe, wenn du nun versuchst dir das ganze zu erklären, einen Schuldigen zu finden, den du besiegen kannst… und selbst wenn es stimmt was du sagst…“ Er hob einhaltend seine linke Hand, denn sie schien bereits wieder etwas sagen zu wollen.

„…selbst wenn Menschen Schuld daran sind. Meinst du der Teufel wurde zu dem was er ist durch Zufall? Er ist ein Mörder und Sadist. Er hat schlimmeres als all diese Menschen getan um ein Baatezu zu werden! Es ist nicht so leicht wie du dir glauben machen willst. Er wurde zu dem Bösen und nun versucht er andere ebenfalls dazu zu machen. Ich weiß, die Menschen sind schwach, aber deshalb müssen wir sie vor sich selbst beschützen. Außerdem gehört der Teufel nicht hierhin, er ist ein Eindringling. Ich will nicht, dass meine Tochter in einer Welt aufwächst, in der jederzeit ein Teufel lauert der seine Diener auf sie hetzen könnte und deshalb werden wir den Teufel vernichten!“

Sie legte enttäuscht ihre Hände übereinander auf ihren Schoß. Ihre Augen bekamen einen traurig melancholischen Ausdruck und senkten sich auf die Tischplatte. Doch keine einzige Träne kam über ihre Wange. Verletztes Schweigen legte sich über sie wie ein dunkler Schleider.

Dieses ungewohnte Verhalten Elonas’ brachte Kaylons’ Argumentation mit zerschmetterndem Erfolg zum stoppen. Er war gewöhnt, dass sie nun aufsprang und ihren Standpunkt mit einer lauten Rechtfertigung unterstrich und ihrem Unmut freien Lauf ließ. Er spürte wie nie zuvor die tiefe Veränderung in ihr, den Schmerz der sie umgab und es erinnerte ihn an all’ die erschreckenden Veränderungen die er in der letzten Zeit erleben musste. Kaylon schloss seine Augen. Er sah wieder den Abend am Tag zuvor. An diesem Abend war ihm bewusst geworden, dass sein Leben sich ausschlaggebend verändert hatte.

Als die Taverne eröffnet wurde hatte er entschlossen, trotz seiner Verachtung gegenüber Lucian Grave, dorthin zu gehen. Es war eine willkommene Abwechslung und er hatte schon lange nicht mehr mit seinen Freunden feiern können. Er hatte vor Spaß zu haben, dem Armdrücken zuzuschauen und, wenn er genug getrunken hatte, selbst daran Teil zunehmen. Später wenn die tiefe Nacht eingebrochen war und der Alkohol seine bekannte Wirkung entfaltete, wäre der Abend mit einer gelungenen Schlägerei ausgeklungen – genügend Personen die er nicht mochte waren schließlich vorhanden gewesen. Danach wäre er zurück ins Frankys getaumelt und hätte versucht sich leise ins Zimmer zu schleichen um Natalie nicht zu wecken und sich seine Trunkenheit, sowie Angeschlagenheit durch die Prügelei, nicht anmerken zu lassen. Natürlich hätte sie ihn bemerkt. Doch erst wenn er neben ihr gelegen hätte, wäre ihr ein spitzer, doch liebevoller, Kommentar über die Lippen gehuscht. Er wäre mit ihr im Arm eingeschlafen, der Abend wäre beinahe perfekt gewesen.

Die Wirklichkeit jedoch sah anders aus. Als Korporal Janus mit den anderen Gardisten die Taverne betreten hatte um Leomar zur Zeugenaussage abzuholen, war Kaylon schlagartig bewusst geworden, dass er sich nicht betrinken konnte. Es hatte ihn an seine Aufgaben erinnert und daran, dass er sich nun vorbildlich und ernster benehmen musste. Sein Verhalten könnte sonst auf Lord Starken zurück fallen oder ihm Verantwortungslosigkeit unterstellen können. Ganz zu Schweige davon, dass es noch viel zutun gab und er sich einen solchen Abend der vollkommenen Ruhe nicht gönnen durfte. Die Getränke schmeckten nur noch schal und unbefriedigend, die Lust zu feiern war verklungen.

Seufzend öffnete er wieder die Augen und betrachtete Elona, die noch immer nichts gesagt hatte. Ihre Traurigkeit versetzte ihm einen Stich, denn schließlich war es auch seine Schuld, dass sie für den Teufel von Interesse geworden war.

Weißt du Kaylon, ich habe Mitleid mit ihm.“ Elona hatte die Stille durchbrochen und das Wort zaghaft ergriffen.

All’ jene die zu so etwas werden oder die böse Taten vollbringen, tun dies doch nur, weil sie nicht wissen, was sie sonst tun sollen. Ihnen fehlt die Möglichkeit auf anderem Weg zu Ansehen, Ruhm oder Bewunderung zu gelangen. Sie wollen Aufmerksamkeit, aber auch Freundschaft, Liebe. Verwehrt man ihnen dies werden sie zu etwas Furchtbarem um sich diese Anerkennung gewaltsam zu holen oder sich zu rächen.

Sie hob ihren Blick zu ihm an.

Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit. Ich habe noch nie darüber weiter nachgedacht, aber vielleicht kann man ihn heilen – ihn von seinem Teufelsdasein befreien.

Kaylon schüttelte mit erhobenen Brauen den Kopf.

„Das ist unmöglich Elona. Mach’ dir nichts vor. Jedoch ist es möglich ihn zu vernichten und das werden wir tun, nichts anderes.“

Nun verzog sie ihre Lippen zu einem spöttelnden Lächeln. Diese Wandlung war so schnell und unerwartet, dass Kaylon für einen kurzen Augenblick dachte jemand anderes würde vor ihm sitzen.

Und wie lange? Bis der nächste ihn beschwört oder 100 Jahre vergangen sind? Kümmern sich dann die nächsten ‚Helden’ um ihn? Das kann doch keine Lösung sein.

Ihr Ton machte ihn zornig, wie konnte sie sich nur lustig über ihn machen? Sie alle taten ihr Möglichstes, war es etwa ihre Schuld, dass eine Reise nach Baator gleich zu setzen mit Selbstmord war?

„Du verstehst davon nichts, überlasse es einfach mir. Du hast schon genug durch ihn leiden müssen und deshalb akzeptiere ich deine Verwirrtheit. Aber nun ist genug davon, halte dich einfach fern von dem Ganzen und warte bis wir es erledigt haben.“

Mit einem sarkastischen Lächeln erhob sie sich.

Bis ihr es erledigt habt? Ich verstehe weitaus mehr als du und viele andere meinen! Dann gehst du nun eben deinen Weg und ich den meinen – es ist in Ordnung Kaylon.

Sie trat zur Türe, während er sich ebenfalls erhob und ihr mit gemischten Gefühlen nachsah.

„Elona ich wollte dich nicht kränken, aber es gibt gegen den Teufel nur einen Weg.“

Dann machte er schnell zwei Schritte vor um sie an ihrem linken Oberarm fest zu halten.

„Doch bevor du gehst, nenne mir noch die Namen jener, wegen denen du in der … Hölle warst.“

Sie schaute über ihre Schulter, dann jedoch löste sie sich von seinem Griff und öffnete die Türe.

Ich kenne ihre Namen nicht.“ War alles was sie ihm erwiderte, ehe sie durch die Türe gegangen war. Sie hatte sich nicht nochmals umgedreht.

Es war das erste mal, dass sie ihn verlassen hatte.


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 Betreff des Beitrags: Der Anfang vom Ende
BeitragVerfasst: Di 10. Jun 2008, 14:33 
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Leben um zu vernichten,
sterben um zu schützen,
lieben um zu hassen
und weinen um zu lachen.

Ist es das was wir suchen? Die Extreme? Die Gegensätze welche sich unabdingbar anziehen?

Ja.


Die Nacht war bereits hereingebrochen und er schritt den Weg entlang Richtung Stadt. Der blonde Mann neben ihm begann zu sprechen, hin und wieder wand der Gehende etwas ein, doch schien er das Wort im Allgemeinen mehr dem Blonden zu überlassen.

Es war nicht gelogen, dass Kaylon ernsthaft über die Aufnahme von Leomar nachdachte. Der Wunsch des ehemaligen Paladins hatte ihn jedoch wahrhaft überrascht. Er wusste nicht was er davon halten sollte, Leomar war alles andere als das, was er sich für den Orden vorstellte.

Das Schmunzeln welches sich auf seine Lippen legte konnte er nicht verbergen, er war sich sicher, dass Janald, Conan und er verraten werden würden. Doch sollte nicht gerade er einem jeden eine neue Chance geben? Grimmig musste er daran denken, wie er versucht hatte Leomar davor zu bewahren in die unheilvolle Zelle gebracht zu werden, doch er hatte es nicht verstanden. Er wog sich in Sicherheit und schien ein Geständnis deshalb nicht als nötig zu empfinden. Und dennoch war da vielleicht noch ein Funken Hoffnung, dass sie aus ihm einen wahren Streiter des Guten machen konnten. Auch wenn dies viel Kraft und Blut kosten würde gab es die Möglichkeit. Eine wahre Herausforderung.

Doch hatten sie die Zeit und Muße dazu, diese Herausforderung zum jetzigen Zeitpunkt anzugehen?

Umbral, Devon, Orks… und dies waren nur die aktuellen Probleme. Zu vieles musste noch angegangen werden.

Er entschied darüber nochmals mit Janald und Conan zu sprechen, es war schwierig und würde zusätzlich den Orden Glaubwürdigkeit einbüßen lassen, aufgrund der jüngsten Taten Leomars, aber sie würden darüber beraten.

Der blonde Mann verabschiedete sich und ging den Weg zurück zur Taverne, während aus dieser Richtung eine bekannte Kriegerin näher kam. Aneinander rasselnde Ketten offenbarten, dass sie gerüstet war, wenn auch nicht zu einem Kampf, sondern lediglich zum Schutz gegen das Unverhoffte.

Das folgende Gespräch war ungewohnt distanziert, eine kühle Feindseligkeit die den drohenden Tod durch die Hand des anderen im Nachtwind zu wispern schien.

Kaylon spürte die nahende Entscheidung, sein Lord hatte es ihm prophezeit. All’ die Jahre in denen er davor zu fliehen versuchte, es abzuwenden oder sich auch nur ablenken wollte, hatten das Unausweichliche nicht verhindern können. Sie würden einander gegenüber stehen und aus diesem Kampf konnte nur ein Gewinner lebend hervorgehen.

Sie musste es selbst gewusst haben, denn sie willigte ein. Welch unerhoffte Wendung, hatte er nicht immer angenommen sie würden sich in Mitten einer Schlacht treffen und dort die Klingen kreuzen? Doch dort hätten sich närrische Dritte einmischen können, den Kampf zu verhindern oder gar einem der beiden zu helfen – Wie konnte er das Schicksal nur so unterschätzen, dass es nicht an alles gedacht hatte?

Es war entschieden, der Ort ausgesucht und alles weitere selbstverständlich. Sie waren stolze Krieger, die wohl gerade aufgrund der vergangenen Geschehnisse ein besonders starkes Ehrgefühl sich gegenüber besaßen.

Sie mussten sich vorbereiten. Dieser Kampf war einmalig, nur einer würde überleben und nur einer in dieser Nacht seinem Gott gegenüber stehen.

Dies war ihr Schicksal, es gab kein entkommen.


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 Betreff des Beitrags: Geschwister des selben Sterns
BeitragVerfasst: Fr 13. Jun 2008, 11:16 
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Die dunklen Wolken am kobaltblauen Nachthimmel stoben auseinander, schenkten Selune eine klare Sicht und gewährten dem silbernen Licht jene Geschehnisse zu beleuchten, die der restlichen Welt verborgen blieben und die Mondmaid nun als Zeuge aufriefen.

Der Weg in den Wald gelang ihm ungewöhnlich leicht, es war als würden sich seine Beine ohne jedwede Anleitung bewegen. Er zog an bekannten Stellen, Sträuchern und Bäumen vorbei, auch an jener Eiche von der ihm Ben erzählt hatte. Er hatte gesagt Kaylon solle mit ihr sprechen, wenn er die Waldhüter im dringenden sprechen musste. Amüsiert hatte er dies zur Kenntnis genommen, ebenso wie die Geschichten über wandelnde und sprechende Bäume. Es kam ihm vor wie ein Kinderstreich, welche kichernd einen Recken beobachten wollten, wie er mit einem Baum das Wort zu wechseln versuchte. Schmunzelnd schüttelte er den Kopf, die Finger seiner rechten, behandschuhten Hand berührten für einen stillen Augenblick die Rinde der alten Eiche. Es gab kein Wort an ihn zu entrichten, doch für diesen Moment fragte sich Kaylon, ob der Baum ihn wirklich verstehen würde, wenn er denn bereit wäre das Wort an ihn zu richten.

Würde ihm noch die Zeit bleiben dies jemals herauszufinden?

Mit einem Male spürte er eine kalte Furcht, die sich an seinen Körper schmiegte. Was würde aus seinen Freunden, aus Natalie und aus seiner Tochter werden, wenn er in diesem Kampf unterlag? Würden sie es verstehen und ihn ehren oder mit verständnisloser Zunge sprechen?

Er schüttelte erneut sein Haupt.

Es war nicht an der Zeit zu zweifeln. Die Gedanken an seine Freunde und Familie sollten ihn nicht mit Furcht um den möglichen Tod ummanteln, sondern mit Willensstärke stählen. Nicht die Rücksicht würde sein Schwert führen, sondern der Wille zu siegen und er zweifelte nicht daran, dass Shara ihm dieselbe Ehre zuteil werden lassen würde.

Nun löste er sich von der Eiche und trat an ihr vorbei. Seine Schritte führten ihn an dem Weg in Umbardts’ Lager vorbei, gerade aus wo man die Handelsstraße verlassen muss um zum Rastplatz vor den Trollborken zu gelangen.

Erhobenen Hauptes trat er aus dem Dickicht des Waldes an das Ufer des Sees auf dessen glänzender Oberfläche Wellen die Sterne tanzen ließen. Die andächtige Stille hielt jedoch nicht lange an, sein Blick hob sich zur Klippe und dort zwischen den Bäumen, wie eine steinerne Statue als Mahnmal des Kommenden, stand sie.

Sie trug ihre schwarz anmutende Rüstung, wie einst als sie vor vielen Jahren gegeneinander den Kampf suchten. Ein roter Umhang wurde durch eine Brosche um ihre Schultern gehalten und erlaubte dem Wind sein unauffälliges Spiel indem er den Stoff mit seinen Böen zu heben und senken pflegte.

Ihre Blicke trafen sich und er wusste, sie waren bereit ihrem Schicksal zu begegnen.

Die Lippen Sharas öffneten sich und ein erst leises, doch dann immer kräftiger werdendes, Lied verband sich mit dem Rascheln der Blätter, es fügte sich nahtlos an die vergangene Stille an.

Kaylons’ Schritte führten ihn die Anhöhe hinauf, das düstere Lied der dunklen Streiterin war der dunkle Schatten der nach Herzen Unschuldiger griff, es verband sie beide auf geheimnisvolle Weise und obwohl es nicht seinem Wunsch entsprach, so konnte er es nicht unterbinden. Es gehörte zu diesem Kampf, zu ihrer Bestimmung.

Nur kurz verharrte er vor dem Rastplatz, ihre schweren Schritte fügten sich wie ein dunkler Rhythmus in ihr Lied, während sie ihm nun weiter hinauf folgte.

Vor der schmalen Grenze zum Trollborkenwald sollte es geschehen.

Die Lichtung verbarg nichts. Sie beide standen sich gegenüber, entschlossen und willensstark, keine Zweifel fanden ihren Weg in die Herzen der Streiter.

Das Lied endete.

Sanft küsste Selune der unterschiedlichen Rüstung Metall, als würde sie ihnen Vertrauen und Glück für den kommenden Kampf schenken wollen. In diesen letzten Augenblicken sahen sie aus wie einst: Sie gewappnet mit dem schwarzen Harnisch, welchen so viele ihrer Opfer als letztes erblicken konnten, und dem blutroten Umhang der Zentarim. Einst hatten sie, die Verbannten, Shara in ihrem machthungrigen Wahn verschmäht und zur Verräterin gemacht, eine Handlung die essentiell zu ihrer Vernichtung beigetragen hatte. Sie hatten ein kostbares Werkzeug weggeworfen ohne sich über die Konsequenzen dessen bewusst zu sein, die einstigen Pläne verworfen und waren damit kontinuierlich den Weg der Niederlage gegangen. Kaylon war von dieser Ansicht überzeugt, obgleich die Zentarim durch diesen Verlust noch immer eine anhaltende Gefahr gewesen waren.

Sein Harnisch spiegelte das silberne Licht im gleichen wieder, feine Gravuren zierten die großen Schulterplatten. Der weiße Umhang, ebenfalls mit einer Brosche gehalten, trug das Symbol des Wachenden. Das Bildnis des Gegensatzes wurde durch die unterschiedliche Erscheinung der zwei Streiter nur verstärkt und doch waren sie tief miteinander verbunden, Geschwister desselben Sterns, der selben Zeit, der selben Kämpfe.

War es nicht so, dass lediglich die Wahl der Seite, auf welcher sie ihre Kämpfe ausfochten, sie auseinander getrieben hatte? Aber hatten sie denn je eine Wahl gehabt? Sie beide hatten versucht sich von ihrem Weg abzuwenden, waren jedoch vernichtend gescheitert.

Shara wollte die Dunkelheit ihres Daseins verlassen und hatte sich einst dem Guten geöffnet, gar der Dame der Wälder ein Opfer ihres selbst erbracht und dennoch …
Der Kampf auf der Seite des Lichts hatte sie tiefer in die Dunkelheit getrieben als es womöglich ein Streiter der Nacht hätte tun können. Es war als würde sich das Licht gegen sie sträuben, wolle sie nicht an seiner Seite und führte sie auf blutigen Straßen zurück in den Schatten aus dem sie zu fliehen versucht hatte. Zurück in jene Finsternis in der sie herrschen konnte. Wie bei einem rebellischen Kind hatten sie ihr gezeigt wo ihr Platz war und den aufopferungsvollen Widerstand brutal niedergeschlagen.

Und nun war sie wieder dort wo sie die Königin war, wo sich niemand gegen sie aufzulehnen wagte.

Nicht unähnlich war es Kaylon ergangen, als er sich der Dunkelheit zugewendet hatte. Mit offenen Armen hatte die Finsternis ihn empfangen, nur um ihn danach mit ausgesuchter List vernichtend zu schlagen. Er hatte in Leid und Schmerz gebadet, das Blut Unschuldiger gekostet und wurde letztlich ausgespuckt, wie ein verbrauchter Leib, von dem es nichts mehr zu holen gab.

Doch man hatte ihm vergebend die Hände gereicht, ihn zurück geholt an jenem Ort des Lichts, wo sein Platz schon seit an beginn der Zeit feststand.

Natürlich durfte man nicht vergessen, dass sie beide an der vernichtenden Niederlage des anderen, eine tragende Rolle gespielt hatten. Niemand hatte dem anderen den Sieg dort gegönnt, wo eigentlich sein Platz war – keiner mochte den anderen dort triumphieren sehen. Sie wollten nicht teilen, was einst ihres war.

Doch trotz allem waren sie nun wieder dort wo sie hin gehörten, stärker und entschlossener als je zuvor.

Ihre behandschuhten Händen legten sich fester um den Griff ihrer gezogenen Schwerter, zwei Bastardschwerte im Licht des Mondes glänzend, wie Symbole des ewigen Kampfes zwischen den Seiten des Lichts und der Dunkelheit. Die letzten Worte waren gesprochen, ihre Schilder fest jeweils am linken Unterarm befestigt, nichts stand mehr im Weg.

In diesen letzten Momenten gab es keinen Platz für das empfinden von Reue für Vergangenes, die Schlacht würde den Überlebenden befreien, so war es entschieden. Es war nicht mehr die Zeit um sich zu fragen, ob sie sich unter anderen Umständen befreundet hätten, gar auf ewig Seite an Seite gekämpft hätten.

Es war so weit.

Shara stimmte das Lied des Kampfes an, Kaylon erhob das Wort zu seinem Schutzherrn, ihr beider Blick traf sich und sie rannten mit erhobenen Schwertern aufeinander zu. Klirrender Stahl kündigte das aufeinandertreffen der Klingen an.

Der Kampf hatte begonnen.


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 Betreff des Beitrags: Der Kampf
BeitragVerfasst: Di 17. Jun 2008, 11:45 
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Der Kampf hatte begonnen.

Funken, vom Aufprall der Klingen auf den Harnisch, verwebten sich mit der kühlen Nachtluft und vergingen als bald in der Dunkelheit. Selunes’ Licht war auf die Lichtung gerichtet und gewährte den heimlichen Beobachtern des Waldes einen ungetrübten Blick auf das einzigartige Schauspiel, zu dem die Klingen beider Streiter die Musik spielten.

Sie wichen den gegenseitigen Klingen aus, wehrten sie mit ihren Schildern ab und suchten ihrerseits eine Lücke in der Verteidigung des Feindes.

Shara machte einen geschickten Schritt zur Seite, wehrte Kaylons’ Klinge mit ihrem Schild ab und stieß dann zu. Ihr Schwert traf ihn an der Seite und verursachte ein lautes, kratzendes Geräusch als sie ihr Schwert über das Metall des Panzers zog. Sie hatte nicht durch die Rüstung dringen können, doch war ihre Waffe gefährlich nahe einer der Schwachstellen des Harnischs gewesen. Außerdem war sicher, dass unter dem Schlag dessen Wucht zwar abgefangen, aber nicht vollends abgehalten worden war, eine geschlossene Wunde entstanden war.

Nun jedoch lag es an ihm zu kontern. Er drehte sich halb zur Seite und hob den linken Arm um ihren nächsten wuchtigen Hieb mit dem Schild abzuhalten, daraufhin stieß er sein Bastardschwert schräg nach oben in Richtung ihrer Schulterteile, oder vielmehr: Darunter. Auch er konnte zwar treffen, schaffte es jedoch nicht, die Rüstung zu durchdringen.

Sie beide kannten die Schwächen und Stärken ihrer Harnische, sie beide führten dieselbe Waffe und wussten wie kaum ein anderer in Rivin umzugehen. Der Kampf war schwer und ungewiss sein Ausgang.

Immer wieder wichen sie einander aus, fingen die Schläge ab, stachen und schlugen nach dem Feind.

Ihre Rüstungen waren bereits von leichten Rissen, unzähligen Kratzern und Beulen geprägt. Die Schilde schienen ebenfalls unter dem Kampf zu leiden und doch würden sie Standhalten.

Es war ein langer, ehrenhafter Kampf. Ein jeder von ihnen kämpfte um sein Überleben und wartete darauf, dass sich sein Gegenüber eine Blöße gab um dann unbarmherzig zuzuschlagen.

Schließlich machte Kaylon einen Schritt zurück, als Sharas Klinge haarscharf seitlich an seiner linken Schulterplatte vorbei schrammte. Er nahm nicht wahr, dass dieser Stoß gar nicht auf seine Schulter gezielt war und wichtige Ledergurte zerschnitt, die das Metall an Ort und Stelle halten sollten. Schnell setzte sie nach und drang mit ihrem Schwert präzise unter seine Schulterplatte, welche durch den Schritt nach hinten nachgerückt war und sich verschoben hatte.

Tief drang das von Blut benetzte Metall und zerteilte Muskelstränge des Kriegers. Keuchend riss sich Kaylon zur Seite um die Klinge aus seiner Schulter zu lösen, er ging ein Stück in die Knie und ließ sein Schild zur Seite schmettern um das Schwert was nun aus seiner Schulter glitt, gefolgt von seinem Blut, seitlich fort zu schlagen. In einer folgenden Bewegung stieß er mit seinem Schwert zu.

Es drang durch einen der Risse durch die Rüstung und ließ das silbern anmutende Schwert, dessen Klinge ebenfalls das Blut seines Feindes zuvor gekostet hatte, tief in ihr Fleisch gleiten.

Ein Schwall warmen Blutes ergoss sich nun über seinen Schwertarm und ließ ihn verharren.

Ein kurzer Augenblick indem es den Schein hatte, dass die Welt zum Stillstand gekommen war, verging. Kein Tier des Waldes hatte es gewagt die Stille dieses Momentes zu durchbrechen, selbst die Bäume schienen ihre Blätter unbewegt zu lassen, bis Kaylon seine Klinge wieder aus ihrem Leib zog und zurück trat.

Taumelnd trat Shara zurück, der Schwertgriff löste sich aus ihrer Hand und die Klinge fiel zu Boden. Ungläubig starrte sie auf ihre Wunde, die Hände darauf gepresst fiel der gepeinigte Leib selbst.

Selune schien nur für sie zu scheinen, der Wald stimmte abermals ein Konzert der Blätter an und die kühle Nachtluft wiegte sie dabei zu sanften Tönen.

Hart kam Shara auf dem Waldboden auf, das blutige Gras presste sich an ihren Panzer, während das der rote Lebenssaft bereits seinen Weg bis in ihren Mund gefunden hatte und ihre Lippen benetzte.

Kaylon senkte seinen Blick auf Shara.

Er hatte gesiegt.

Doch war es nicht das erlösende, befreiende Gefühl welches er erhofft hatte. Seine Kehle schnürte sich zu und Tränen trieben ihm in die Augen, ließen seine Sicht nur noch zu einer verschwommenen Abfolge von Ereignissen werden. Sein Schild glitt von seinem Arm.

Der Schmerz seiner Wunden schien für einen kurzen Moment vergangen, er schleppte sich an ihre Seite und ging in die Knie. Blut rann aus ihren beiden Wunden, sie hob den Blick zu ihm an. Es war ihr Ende.

Er stemmte sein Schwert aufrecht in den Waldboden hinein, über welchem sich längst ein dünner roter Teppich gebildet hatte. Wieder senkte er die Augen auf Shara und entließ die Tränen aus seinen Augen.

Es war vorbei.


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 Betreff des Beitrags: Der wahre Sieg
BeitragVerfasst: Mi 18. Jun 2008, 16:52 
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Die tiefblauen Augen des jungen Mannes starrten hasserfüllt auf den niedergeschlagenen Frauenleib. Sein Herz raste, es schien als wolle es aus seinem Brustkorb springen, das noch warme Blut klebte an seinen Händen und benetzte die Klinge des wunderbar geschmiedeten Bastardschwertes. Es war ihr Blut.

Keuchend sah er sich in dem kleinen Raum um, eine der Kerzen, die in einem gemalten Kreis standen, war umgefallen. Doch sie waren nicht angezündet worden und somit brauchte er sich darüber keine Gedanken machen.

Nervös legte er sein Schwert fort, ergriff einen Dolch, der an seinem Gürtel in einer Scheide ruhte, und beugte sich über den leblosen Körpers seiner Feindin. Stück für Stück löste er nun ihre Rüstung, er wusste was er zutun hatte – bei den Zentarim hatte er es oft getan. Doch dann stockte er, seine Hand, die mit dem Dolch auf das Herz der Toten zielte begann zu zittern. Es war ein Schlag wuchtvoll wie von einem Hügelriesen geführt, der ihn in seiner Seele traf. Teilnahmslos schmeckte er salzige Flüssigkeit auf seinen Lippen, er starrte den Leiche an und fühlte mit einem Male, dass die Schuld an diesem Mord noch weitaus schwerer wog, als er es sich hätte vorstellen können.

Er wusste nicht was es gewesen war, dass ihn aus seiner Starre löste, doch plötzlich senkte er den Dolch und stieß zu. Tief schnitt die unheilverkündende Klinge, öffnete die Brust und ließ die andere Hand gewaltvoll eindringen. Zahlreiche Schnitte folgten, bis er das gesuchte in der linken Hand hielt. Die Rache war vollzogen … für Matthew … für Jerriand. Der Mörder seines Vorbilds würde es bereuen jemals existiert zu haben… sie würden alle sterben.

Wieso spürte er plötzlich diesen Schauer? Weshalb die Kälte, die seine Glieder zu lähmen schien und eine noch nie dagewesene Angst, die sich wie Gift durch seine Adern frass?

Er hob den Kopf an.

Was, wenn jemand es erfahren würde?

Sein Gesicht verlor an Farbe, er ließ den blutigen Klumpen los, seine Hände ergriffen zittrig den gepeinigten Leib und legten ihn auf die Mitte des quadratischen Teppichs. Dann rollte er sie darin ein. Über das restliche Blut auf dem Boden warf er die Erde einer halb verwelkten Topfpflanze. Anschließend kippte den Topf um, der Ton zerbrach … die Pflanze lag inmitten der Scherben, er trat auf jene um sie besser zu verteilen und zerbrach dabei die feinen Zweige der Pflanze.

Nervös ergriff er den eingerollten Körper, warf sich den Teppich über die Schulter und ertastete eine Phiole an seinem Gürtel.

Bald würde es vorbei sein. Niemand würde davon erfahren und selbst wenn … er hatte etwas Gutes getan! Sie war Böse! Sie hatte Matthew getötet! Sie hatte bei Jerriands’ Ermordung teilgehabt! SIE hatte es verdient!

Sie konnte ihn nicht blenden mit ihrem verweinten Worten der Reue und der vergebenen Suche nach Hilfe. Mochte sie doch die Herrin der Wälder anbeten – Kaylon glaubte nicht, dass diese überhaupt zuhören mochte.

Er löste die Phiole aus ihrer Halterung und schnippte den Korken fort. Das kühle Glas berührte seine Lippen, der Trank rann seine Kehle hinunter und entfaltete seine magische Wirkung. Kaylon bewegte sich bereits vor, als seine Konturen verblassten. Er wurde zu einem durchscheinenden Geist, bis er schließlich vollkommen verschwunden war. Nur noch das ertönende Geräusch schwerer Schritte bewies seine Anwesenheit.

Ungewöhnlich schnell lief er die Treppen aus dem Keller hinaus, rannte durch das schöne Wohnzimmer… es war einladend warm, stets gastfreundlich, kaum einer war hier nicht willkommen.

Er ließ das Anwesen hinter sich.

An der Mauer entlang schlich er sich über den Torplatz, lief schließlich aus dem Tor bis hin zur Brücke. Abermals sah er sich nervös um.

Keine Zeit!

Er beugte sich vor, warf den Teppich und den darin umwickelten Körper die Brücke hinab. Das aufplatschende Geräusch unterbrach die Stille, ein Bogenschütze auf der Stadtmauer blickte in Richtung der Brücke – doch er sah niemanden.

Kaylon lief die Brücke entlang und sah dem inzwischen sichtbaren Bündel nach. Eine einzelne Hand fiel aus einer der Öffnungen des Teppichs und zog eine lange, dünne Schliere des Blutes hinter sich her.

Das Kinn reckend sah er ihr nach, Hass blitzte in seinen Augen auf und sein Herz lag umschlossen in der starken Hand des Zorns.

„Du bist tot, Morgen wird ein schöner Tag werden, das Böse ist besiegt - Ich habe gewonnen!"




Die Wahrheit war, er hatte damals verloren.



Shara wand schwer atmend ihren Blick zu Kaylon, welcher neben ihr kniete.

Bring es zu Ende… na los…

Seine Augen ruhten auf ihr, er spürte den nahenden Verlust. Die Krallen des Todes hatten sich nicht nur um sie gelegt, nein. Sie griffen auch nach einem Stück seiner Seele.

Antonius hatte Recht gehabt. Es würde ihn zu etwas machen, was er nicht sein wollte, nicht sein konnte. Es würde ihn zu einen der Ihren machen. Er würde ihren Platz einnehmen, es war keinen Deut besser.

Wispernde Worte fanden ihren Weg in sein Ohr, doch er schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit mehr.

Längst hatte er begriffen.

Er beugte sich über ihren Körper, hob seine Hände und drückte sie schwer auf die große Wunde auf der zuvor Sharas’ Hände gelegen hatten. Endlich wusste er, was er tun musste. Es gab keinen Zweifel mehr, kein Zögern, es war so deutlich wie nie zuvor.

Niemals werde ich zu einem der deinen. Ich habe gesiegt Shara.

Verzweifelt presste er nun seine Hände auf ihre Wunde, nein, dieses mal hatte er gesiegt, er würde nicht verlieren!

Du … Darkk … ihr habt keinen Einfluss mehr auf mich! Es ist vorbei!!

Schließlich kam das sehnsüchtige Gebet über seine Lippen, er sprach es voller Aufrichtigkeit und Leidenschaft. Die Wärme die seine Arme einhüllte ließ die Krallen des Todes zurück schrecken, ein Glimmen war unter den blutigen Händen auf ihrer Wunde zu erkennen… dann hob er sie wieder an.

Ihre tiefste Wunde war verschlossen.

Der Tod war zurück geschlagen worden, schützend hatte Helm sein Schild vor die zu Schützende gestellt. Sie war ein Teil seiner Welt, sie gehörte zu ihm, er würde sie nicht gehen lassen und damit seine Seele entzwei reißen.

Dumpfer Schmerz erfüllte nun seinen Kopf, er wusste auch seine Kräfte waren nun zur Neige gegangen.

Es war nicht unser Schicksal durch die Hand des anderen zu sterben… dieser Kampf war unser Schicksal… diese Erfahrung… nicht der Tod.

Vorsichtig berührte er die schlanke Form der Phiole an seinem Gürtel, die er am Morgen zuvor noch bei einem der Händler gekauft hatte. Er legte sie in ihre Hände und erhob sich schleppend.

Nun kehrte der Schmerz in all seinen Facetten zurück. Es schien als würde er jeden Schlag von dem Kampf erneut und um ein vielfaches schlimmer wahrnehmen. Ihm war kaum bewusst, wie er die Hand um den Griff seines Schwertes schlang und sein Schild wieder aufnahm. Wie seine Schritte den Abhang hinunter traten… wie er den Waldweg entlang taumelte und schließlich sanft zur Seite gezogen wurde um an einen Baum gelehnt zusammen zu sinken.

Obwohl der Schmerz an ihm zerrte und ihn zu erschlagen drohte fühlte er noch etwas anderes.

Seine Seele fühlte den süßen Nektar der Befreiung.

Die tiefe Wunde an seiner Schulter wurde mager geschlossen, er sah in das schöne Gesicht einer einstigen Liebe.

Doch dann verschwand sie wieder, Zorn und Furcht waren in ihren Augen erkennbar gewesen. Und gewiss auch Enttäuschung, denn sie konnte nicht verstehen.

Müde lehnte er an dem alten Baum, wollte sich der Müdigkeit ergeben, doch etwas in ihm widerstand diesem natürlichen Drang. Mit letzter Kraft schob er sich den Stamm entlang, taumelte verletzt und erschöpft von dannen in Richtung Helmers’ Hof.

Er würde nicht bis dahin kommen.

Bereits bei einem der Felder gaben seine Beine nach und er fiel vorwärts in die weiche Erde. Vergebens versuchte er seine Arme anzuheben um sich aufzustemmen, doch es hatte keinen Sinn. Erholsame Dunkelheit legte sich über ihn, hüllte ihn ein wie eine warme Decke.

Er bekam die aufgeschreckten Rufe des Knechts am Morgen nicht mit. Ebenso wenig wie man ihn auf den Hof schleppte und schließlich in dem Schrein auf ein karg errichtetes Lager legte und man seine Wunden versorgte.

Ihm war als habe er niemals zuvor einen solch erholsamen und ruhigen Schlaf genossen.

Dieses Mal hatte er wahrhaftig gesiegt.


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 Betreff des Beitrags: Ein Wächter im Mondlicht
BeitragVerfasst: Mo 2. Feb 2009, 11:46 
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Sorgfältig strichen ihre schlanken Finger über die blütenweiße Robe der Priesterinnen Selûnes’. Noch einmal hob sie die grobe Bürste an und strich ihr glänzendes, haselnussbraunes Haar glatt. Alina legte viel wert auf ein gepflegtes Äußeres, die Personen die zu ihr kamen oder auf die sie zu ging sollten es gerne tun.

Es war früh am Morgen und der Mond war noch immer zu erkennen, wie er seinen Platz fest und wunderschön am Firmament in Anspruch nahm. In der frühen Morgendämmerung zwar auf den ersten Blick nicht mehr als eine ausgeblichene, halbrunde, silberne Scheibe, doch für Alina war es ein Symbol für die Hoffnung aller Menschen die allgegenwärtig war und dann, wenn die Menschen es am meisten benötigten – in der Nacht – immer für sie bestehen würde. Die Nacht ging zur Neige, der Tag brach an und doch war der Mond noch da um sicher zu gehen, dass all seine Kinder sicher ins Sonnenlicht fanden.

Ein warmes Lächeln legte sich auf Alinas rosige Lippen als sie ihre Kammer verließ. Zwar wusste sie, dass in kürze sich der angesammelte Schlafmangel wie ein erdrückender Schleier über ihre Glieder legen würde, doch zugleich war es auch ein Zeichen dafür, dass sie in dieser Nacht wie stets ihr Bestes für Selûne gegeben hatte. Für gewöhnlich wäre sie in Kürze auch schlafen gegangen, doch sie wollte das Gespräche, was erbeten wurde, nicht unnötig aufschieben. Der Dienst als Priesterin durfte nicht aufgeschoben werden.

Noch einmal atmete sie tief ein und trat schließlich durch den schmalen, weiß gefliesten Gang an dessen Seiten die Türen der wenigen Kammern des Tempels waren und öffnete die schwere, gebleichte Holztür in den öffentlichen Tempelraum.

Es genügten wenige Blicke um ihn zu sehen, er stand aufrecht, angespannt und steif vor der Statue Selûnes. Seine Augen blickten dem unbeweglichen, schönen Abbild der Göttin in die ihren. Das sanfte rötliche Morgenlicht umspielte sanft ihre Gestalt und ließ den weißen Mamor rosa schimmern. Lächelnd trat Alina hinter ihn.

Wunderschön nicht wahr?“ Ihre Stimme war leise und andächtig.

Schweigsam drehte sich der Krieger um. Sie musterte ihn kurz. Er trug seinen silbrig schimmernden Harnisch, dessen Panzerhandschuhe auf dem Handrücken das Symbol Helms eingraviert hatten. Ungewöhnlich tief waren jene Gravuren, matt und rau. Der strahlend weiße Umhang wurde von einer Fibel, geformt wie ein Schwert dass in einer dreizackigen, dunklen Krone steckte, gehalten. Die breiten Schulterplatten ragten unter dem Umhang hervor und ließen ihn über sie hinweg fallen. Sein Blick senkte sich auf ihre Gestalt. Sie sah ihm ins Gesicht und seufzte kaum hörbar. Die sonst so sympathisch anmutenden Gesichtszüge waren verhärtet, das schwarze Haar fiel ihm ungezähmt ins Gesicht und seine Augen wirkten verschlossen.

Helm zum Gruße, Priesterin.

Wie kann ich euch helfen, Sir Rydrien?“ Sie hatte bereits eine Ahnung was ihn hier her getrieben hatte. Seit seiner Ankunft aus Tiefwasser war er nur einmal hier gewesen und der Besuch war vergleichsmäßig kurz gewesen. Schwermütig nahm sie zur Kenntnis wie er sich kurz umsah. „Begleitet mich doch in den Nebenraum.“ Sie wendete sich wie gewohnt zur Seite und trat zu einer der vier Türen die aus dem Tempel führten. Inzwischen hatte sie sich an die paranoide Art des Kriegers gewöhnt, er führte Gespräche meist nur unter vier Augen, in geschlossenen Räumen oder an Orten wo er über die Umgebung genau in Kenntnis war. So wusste er stets was er sagen konnte und was er lieber für sich behielt, weil die Situation es nicht erforderte oder die Möglichkeit bestand, dass man belauscht wurde.

Wortlos folgte er ihr, die metallenen Stiefel erzeugten einen dumpfen Ton auf dem steinernen Boden des Tempels. Alina öffnete die Türe und zog den schweren Geruch alten Weihrauchs ein. Anscheinend hatte eine der anderen Priesterinnen das Angebot an Weihrauch des gestrigen Händlers getestet. Doch der Geruch der verbrannten Kräuter schwebte noch immer dominant in der Luft des Raumes.

Der Raum war klein, an zwei der drei freien Wänden standen hohe Regale gefüllt mit Büchern und Pergamentrollen. An der freien, dritten Wand befand sich ein längliches auf Pergament gemaltes Bild der Mondmaid, wie sie klares Quellwasser aus einem kristallenen Krug in eine Waldlichtung fließen ließ. Auf jener Waldlichtung befanden sich fünf schöne Frauen in weißen, halb durchsichtigen Gewändern die um eine kunstvolle Porzellanschale in ihrer Mitte tanzten. Das Quellwasser wurde zu einer milchigen, glitzernden Flüssigkeit als es die Schale berührte.

In der Mitte des Raumes stand ein einfacher Holztisch, zwei Stühle jeweils auf der gegenüberliegenden Seite. Alina nahm auf der entfernten Seite zur Tür platz, er ihr gegenüber. Mit einem unguten Gefühl im Magen sah sie dem zu, sie war nicht überzeugt ob der Stuhl dafür gebaut war die Last einer solchen Rüstung zu tragen.

Wie geht es ihr?“ Er kam direkt zur Sache. Alina nahm zur Kenntnis, dass er zu dieser Zeit wenig Wert auf einen höflichen Übergang auf das Thema legte und faltete ihre Hände vor sich auf den Tisch.

Gut.“ War ihre karge Antwort als ihr Blick ihm entgegen gewand war. „Gut?“ Er hob die linke Augenbraue und sah sie verständnislos an. „Wieso war sie draußen? Ich dachte ich hätte ihre Situation zur Genüge erklärt.“ Er schmunzelte gelassen und Alina überlegte ob er dieses Gespräch vorher geprobt hatte. Denn obgleich seine Körpersprache Ruhe und Selbstbeherrschung vermittelte, schienen ihr seine Augen das Nachbeben des Zorns in seiner Seele zu verraten.

Ich denke, es hat ihr nicht geschadet und außerdem war es ihr dringender Wunsch einmal hinaus zu gehen.“ Ihre Lippen formten sich zu einem schmalen Strich. Sie sah in seinen Zügen die unausgesprochenen Worte, welche er aufgrund ihres Standes und der schlichten Höflichkeit zurück hielt.

Wir sollen nicht denken, sondern den Befehl befolgen. Seinen Befehl.

Bevor er doch noch die Gelegenheit hatte jene Worte auszusprechen fügte Alina mit angespannter Beherrschung hinzu. „Dies ist nicht die Garde, noch ihr Kerker.“ Kurz überdachte sie den Gedanken noch die Gefängnisinsel zu erwähnen, doch sie wollte ihn durch diese Andeutung nicht unnötig provozieren. „Wir können sie nicht ewig gefangen halten. Sie ist ein freier Mensch und so sie Besserung zeigt muss es ihr gestattet sein auch den Tempel zu verlassen. Sonst werden sich auf lange Sicht keine Fortschritte ergeben.

Sie ist noch nicht so weit.“ Seine Worte waren bestimmend.

Woher wollt ihr das wissen, Sir Rydrien? Wenn sie hier gefangen ist, wird sie nur verbittert und eine Abneigung gegen uns entwickeln.Wie sie sie schon gegen euch hat. Fügte sie gedanklich hinzu.

Alina, versteht doch…“ Seine Stimme und sein Blick waren nun verständnisvoll, er beugte sich vor. Sie registrierte diese Veränderung von seiner Körpersprache und schmunzelte kaum wahrnehmbar. Er versuchte sie auf andere Weise zu überzeugen. „… wenn sie draußen ist, wird es für sie ein leichtes sein durch Freunde oder ihren Stand an magische Utensilien heran zu kommen. An Zauber, sie wird fliehen und könnte jemandem schaden.

Ich glaube nicht, dass sie jemandem schaden will. Sie will nur ihren eigenen Frieden finden.

Vielleicht ‚will’ sie niemandem schaden, aber sie würde es tun um ihre Ziele zu erreichen.“ Erwiderte er weniger verständnisvoll, dafür eindringlicher.

So wie ihr?“ Die Worte kamen schneller und unkontrollierter aus ihrem Mund, als sie erwartet hatte. Er stutzte, eine solche Antwort hatte er nicht erwartet und lehnte sich wieder zurück. „Verzeiht, Sir Rydrien, ich weiß ihr würdet so etwas nur zum Schutz anderer machen.“ Fügte Alina vorsichtig hinzu um ihren Worten die Schärfe zu nehmen.

Es geht hier nicht um mich, sondern um meine Schwester.“ Erwiderte er ruhig und mit einem matten Schmunzeln. „Sorgt dafür, dass ihr nichts passiert und lasst sie nur unter Beobachtung hinaus.

Brüskiert verzog sie ihre Lippen. „Bitte lasst uns selbst entscheiden, wie wir uns um sie kümmern, Sir Rydrien.“ Sie war eine Priesterin Selûnes und man sollte sie nicht bevormunden!

Entschuldigt, dann seht dies als Bitte eines besorgten Bruders.“ Sie nickte. „Ich denke ich weiß auch, wen man darum bitten kann. Kennt ihr den Herren Flinn Winterkalt? Sie sind befreundet und..“ Sie unterbrach sich als Kaylon seine Augenbrauen verengte. „Flinn Winterkalt?“ Seine Stimme klang ungehalten.

Ja…“ Sagte sie verunsichert. „… stimmt etwas nicht, Sir Rydrien?

Er machte Anstalten eine Flutwelle an Worten, die ihm plötzlich auf der Seele brannten auf sie los zu lassen. Überdachte jedoch im nächsten Moment seine geplante Rede und schien abzuwägen. „Ich vertraue Winterkalt nicht.“ Eine eher karge Antwort dachte Alina, während sie ihn ansah. Gewiss war dort mehr gewesen. Wieso hatte er es zurück gehalten?

Ich vertraue ihm.“ Sprach sie ruhig und sein Blick der auf diese Worte folgte war einer Ohrfeige gleich. Er sah sie an als wäre sie ein naives, dummes Mädchen. „Und eure Schwester tut dies ebenfalls.“ Auch diese Worte schienen nichts an seinem Blick zu verändern, aber er hielt sich mit seinen Worten zurück.

Es liegt in eurer Verantwortung, Alina.“ Sagte er schließlich mit ernstem Blick. Sie verstand die unterschwellige Botschaft, würde Elona etwas passieren würde er also auch sie persönlich dafür verantwortlich machen. „Ich weiß.“ Sie ging darauf ein und nahm die Verantwortung an.

Er lehnte sich zurück und nickte knapp. „Gut. Ich werde in Kürze nach Silbrigmond aufbrechen, wenn ich zurück kehre werde ich Elona mit nach Tiefwasser nehmen.“ Alina hob nun ihrerseits die Augenbrauen, er sprach ungerührt weiter. „Dann seid ihr von dieser Pflicht befreit.“ Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen, während er sich ihre Überraschung zu nutze machte. „Entschuldigt mich nun, ich muss noch ein paar Angelegenheiten regeln.“ Er stand auf.

Wartet einen Augenblick.“ Sprach sie betrübt. „Wieso Tiefwasser?

Dort lebt meine Familie.“ Ein kurzes Lächeln schlich sich auf seine Züge.

Sie erhob sich steif, sie wusste nicht was sie erwidern sollte. Es gab gute Gründe Elona hier zu behalten, aber ebenso gute Gründe sie ziehen zu lassen. Am meisten störte es sie, dass man Elona nicht selbst diese Entscheidung fällen lassen würde. „Wenn ihr wiederkehrt besprechen wir das genau?“ Er nickte.

Die Mondmaid möge euch ihr Licht schenken, auf dass ihr euren Weg finden werdet, Sir Rydrien.

Er schmunzelte. „Helm wache über euch.


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 Betreff des Beitrags: Es ist doch nur ein Troll..
BeitragVerfasst: Mi 17. Nov 2010, 20:55 
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"Es ist doch nur ein Troll, Maverick!"

Kaylon sah zum Priester Helms, der ihm gegenüber stand. Er verstand seine Aufregung nicht. Die Kirche Helms hatte wichtigere Probleme. Begann nun sogar die Kirche Helms, aus Langeweile sich auf jeden Funken Beschäftigung zu stürzen, der sich anbot?

"Ein Troll der mitten in der Stadt Unschuldige anfallen und fressen kann, Kaylon."

Maverick betrachtete den Streiter Helms vor sich. Er war im Gegensatz zu Maverick aufgebracht, dies bestätigte Maverick in seiner Vermutung die er bereits beim Anfang des Gesprächs gehegt hatte.

"Trolle sollten niemals unterschätzt werden. Sie gehören nicht in die Stadt. Meinetwegen sollen sie unzählige von ihnen in den Borken töten, Sie können die Trolle aufschneiden und nehmen was sie brauchen - aber nicht in unserer Stadt."

Maverick schüttelte seinen Kopf zu seinen Worten. Es war für ihn unverständlich, dass Kaylon die Gefahr nicht sehen konnte.

"Verdammt, es ist EIN Troll, hinter Gittern, geschwächt, was weiß ich und du machst solch ein Theater?! Was ist denn mit den Drow in UNSERER Stadt? Sind die in Ordnung?" Kaylon begann in eine Richtung, in der er die Altstadt vermutete, zu gestikulieren.
"Dort gab es keinen 'Kirchenzusammenschluss'. Da wird nichts unternommen, wie wäre es, wenn wir noch Orks in die Stadt eingliedern. Aber wir stellen ein Schild auf 'Keine Trolle', weil die sind ja absolut gefährlich, selbst eingesperrt und angekettet, sind sie tausend mal gefährlicher als rum laufende Drow, Orks und sonstiges Geschmeiß."

Maverick blickte ernst zum Krieger vor ihm.

"Kaylon, du vergisst dich. Du weißt genauso wie ich, dass wir auch diese Gefahren bekämpfen müssen. Doch wir dürfen keine zusätzlichen Gefahren in die Stadt bringen. Lass dich nicht von deinen Gefühlen leiten wie ein normaler Mensch, auch wenn die Deine dort Mitglied ist, können wir ihnen nicht vertrauen. Wir sind keine normalen Menschen. Wir sind Helmiten. Von uns wird mehr verlangt, als von allen anderen. Denn wir müssen sie alle beschützen. Du lässt dich von deinen Gefühlen täuschen und bist blind. Es muss keine Gefahr nach Rivin gebracht werden und wenn du nachdenkst, weißt du dass es stimmt."

Kaylon erwiderte den ernsten Blick Mavericks. Er begann mit seinen Zähnen zu knirschen.

"Und wenn es sicher ist? Wenn der Troll dort nicht raus kommt und du es überprüft hast?" Fragte er Maverick schließlich.

"Können wir darüber erneut reden. Aber bis dahin, bleibt meine Entscheidung und du solltest der selben sein. Vergiss nicht wer dir deine Kraft gibt und wem du dienst. Vergiss nicht, wer wir sind."

Ein mattes Schmunzeln schlich sich auf die Züge Kaylons. "Als könnte ich das vergessen."

Maverick nickte. "Dann möge Helm dich schützen, ich habe nun noch Anderes zu erledigen."

Kaylon nickte ebenfalls. Er sprach ein kurzes "Helm mit dir" und verließ den Helmtempel.

Wieso musste es alles nur kompliziert gemacht werden? In gewisser Weise hatte Maverick recht und das wusste er. Aber er hatte ebenfalls Recht. Der springende Punkt würde letztlich wohl darin legen, ob deren Sicherheitsvorkehrungen wirklich hielten was sie versprachen. Er würde es schon herausfinden.


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 Betreff des Beitrags: Schöne neue Welt
BeitragVerfasst: Mo 18. Apr 2011, 02:00 
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"Sie hatte niemals Konsequenzen zu spüren! Immer hat irgendwer dafür gesorgt, dass es keine Beweise gab. JETZT haben wir Beweise, endlich kann sie vor Gericht und dort für das bestraft werden, was sie getan hat!"

"Sie muss endlich lernen, dass Rivin nicht ihr Spielplatz ist! Sie muss spüren, dass ein Brechen des Gesetzes auch für sie eine Strafe bedeutet."

"Wir müssen es tun!"

Seine Worte hallten in der Dunkelheit umher wie ein weit entferntes Echo. Er vernahm sie und benickte sie. Das war richtig, so musste es endlich geschehen. Doch dann...?

"Der Richter... er hat sie verurteilt. Sie hat eine Strafe erhalten. Shara Paine wurde vom Gericht Rivins bestraft. Sie kommt weg von der Straße und Natalie wird auch nicht enttäuscht sein, man wird ihr dort helfen. Es gibt zwar keine Hoffnung für Shara, aber es ist kein Kerker. Sie wurde wirklich verurteilt..."

Er hörte seine Gedanken und nickte erneut. Ja, das war geschehen und es war richtig. Das Gesetz hatte entschieden und endlich würde sie ihre Strafe erhalten. Sie alle konnten hören was sie getan hatte, es war kein Geheimnis mehr. Aber was geschah dann...?

"Wie konntest du das Shara antun?!"
"Du hast Mebrithiel genötigt!"
"Shara hat das alles gar nicht getan, wieso tust du ihr das an? Was soll das ändern?"
"Lady Paine ist nicht wahnsinnig! Ihr betreibt eine Hexenjagd!"
"Das hilft niemandem!"
"Irrsinn!"
"Du solltest hier ebenfalls gefangen sein!"

Musste er sich das anhören...? Konnte er sich nicht einfach weiter treiben lassen? Diese Leute waren doch alle verblendet. Sie ließen sich von Shara einwickeln... lauschten ihren süßen Worten und verrieten ihn dagegen bereitwillig. Aber es waren so viele... und konnte es denn sein, dass soviele Unrecht hatten?

Ja. Er nickte erneut. Er konnte keine Rücksicht darauf nehmen, dass sie sich nicht von ihr gelöst hatten. Shara war eine Gefahr und das würde sie immer sein. Und alles wiederholte sich. Er war erneut der Böse und sie das Opfer. Doch schleichend rückte ein anderer Gedanke in seine Träume und drängte sich ihm gewaltsam auf.

Was wäre wenn... er sich irrte. Vielleicht war 'er' dem Wahnsinn anheim gefallen. Vielleicht hatte Shara sich gewandelt, doch 'er' konnte das nicht erkennen. Er wollte das nicht erkennen. War er wirklich abhängig von ihr? Doch würde er dann soweit gehen? War sein Blick wirklich derart getrübt, dass er falsch lag?

Was wäre wenn... er bereits in der Hölle war? Wenn er darin stets Shara nachlaufen, nachjagen musste und es würde sich immer gleich entwickeln. Sie käme wieder frei, würde ihm alles wegnehmen. Er würde leer da stehen und dann beginnt wieder alles von vorn. War es das, was sie Schicksal nannten? War das seine Bestimmung?

Er spürte plötzlich festen Boden unter seinen Füßen. Seine Augen öffneten sich und er sah einen roten Vorhang. Neben dem Vorhang auf der rechten Seite stand Amrun, er trug einen Lendenschurz und in seiner Hand war ein Speer. Neben dem Vorhang stand ein Baum, der auf einem Schild aus Holz gemalt wurde. Er sah Kaylon wütend an und begann zu schreien.


"WO IST MEIN WALD?!"

Kaylon hob seine Schultern, dann stand Flinn neben Amrun und klopfte auf das Schild.

"Da ist er doch. Schrei' doch nicht so rum."
"Aber es ist nur noch EIN Baum!"
"Ja und? Allerdings... könnten wir den Baum auch noch brauchen. Ich denke, das ist nun 'unser' Baum."
"WAG ES NICHT FLINN! Dieser Baum ist alles, was noch übrig ist, du elender.."

Kaylon schaute zur Seite, während die Beiden sich weiter zu streiten schienen. Er ließ seinen Blick schweifen und erkannte links vom Vorhang Miriamel. Sie trug ein buntes Kleid, und kniete am Boden. Sie riss eine Blume vom Boden ab und zeigte sie Alessa, die neben ihr stand. Alessa klopfte auf ihren Kopf.

"Braves Mädchen!"
"Darf ich die Shara schenken?"
"Wenn wir zurück sind."

Plötzlich lief Amrun, das Holzschild auf welchem ein Baum gemalt war unter dem Arm, zu Miriamel. Er stellte das Holzschild auf und schaute sie wütend an.

"Das darfst du nicht!"

Miriamel fing an zu weinen und klammerte sich an ihrer Blume. Alessa begann mit Amrun zu streiten, Flinn trat zu dem Schild und zog eine Säge hervor. Er begann die aufgemalte Baumkrone abzusägen.

Benebelt ging Kaylon näher zum Vorhang. Plötzlich tauchte Tianara vor ihm auf. Sie hielt mit ihrem Schweif einen AES-Schläger.


"Hast du einen Passierschein?"

Kaylon versuchte seine Augen weiter zu öffnen, es kam ihm alles so.. verschwommen vor.

"Passierschein!"

Er schüttelte seinen Kopf. "Nein.. verdammt, geh' mir aus dem Weg."

"Nein, ohne Passierschein kannst du nicht hierhin. Du kannst diesen Weg nicht nutzen, dafür brauchst du einen PASSIERSCHEIN!"

Kaylon schaute auf den Boden und tatsächlich führte ein dünner, weißer Weg bis zum roten Vorhang. Daneben war grauer Steinboden. Aber er verspürte das Verlangen, auf dem weißen Weg zu bleiben und versuchte weiter zu gehen. Er spürte Tianaras Hände in seinem Gesicht und war sich sicher, dass der AES nach ihm schlug, als er sie zur Seite drückte und voran rannte.

Sie folgte ihm! Er lief weiter, sein Atem rann ihm schneller aus der Kehle und endlich erreichte er den roten Vorhang. Rasch riss er diesen zur Seite und erstarrte.

Er sah seinen Hauptmann, wie er eng verschlungen mit Shara Paine vor einem Kamin stand. Es war nicht irgendein Kamin, es war der Kamin in Shara Paines Anwesen. Ein Raum, der ihren Reichtum nicht geheim hielt und auf geschmackvolle Art eingerichtet war. Kaylon trat näher und wollte sprechen, doch seine Kehle war trocken und kein Ton entrann dieser.


"Siehst du, Zaid..? So ist es doch viel besser. Es wäre doch eine Verschwendung, wenn ich woanders gefangen wäre, als in deinen Armen."

Kaylon sah ein Schmunzeln auf Zaids' Lippen, er sah, wie sich ihre Köpfe näherten und er spürte, wie sich sein Magen und seine Kehle zuschnürten. Dann hustete er.


Noch immer benommen öffnete er seine Augen. Er schaute auf einen Leinensack, der vor ihm lag. Sein Kopf ruhte auf seinem Arm und dieser auf einem hölzernen Tisch. Mattes Kerzenlicht erfüllte den Raum in seinen letzten, dem Ende nahenden Atemzügen. Er hob seinen Kopf und schaute auf den großen Tisch im Archiv der Garde. Sechs Leinensäcke lagen aufeinander gestapelt auf einer Seite des Tischs. Auf der anderen Seite lagen die 'Funde' welche er und seine Truppe ausfindig machen konnten. Die Bücher waren aufeinander gestapelt, die Tränke nebeneinander und daneben, ihm am nächsten, drei Kästchen. Er betrachtete das Erste und seufzte. Kuuna. Dann schaute er zum zweiten Kästchen, er versuchte die Beneblung des Schlafs mit dem raschen Bewegen seines Kopfs von sich zu schütteln. Tekkil.

Dann sah er zum dritten Kästchen. Die Wirklichkeit musste nicht so sein, sie konnte anders sein. Das wusste er und er spürte die Erinnerungen an eine bessere Welt in sich aufsteigen. Eine Welt, ohne grausame Träume und voller Gerechtigkeit. Eine Welt der man, wenn man sie einmal genossen und durchlebt hatte, nur schwer entrinnen konnte. Mordayn.


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