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Trockene, staubige Luft fand ihren Weg durch seine Nase. Mit vorsichtigen Schritten glitt Zsaraffein über den felsigen, aber ebenen Untergrund der Mine. Die Zwerge hatten den Boden abgeschliffen, um einen problemlosen Transport von Erzen und anderen Waren zu ermöglichen.
In diesen Tagen fanden aber keine zwergischen Güter ihren Weg durch die künstlich erschaffenen Gänge, sondern unzählige Orkscharen, die grunzend und schnarchend durch die Mine streiften, welche nun völlig in ihrem Besitz lag.
Vorsichtig spähte Zsaraffein in den nächsten Raum. Ein kleines Feuer flackerte in der Mitte; fünf Orks saßen um das Feuer herum und waren gerade dabei ein Wildschwein zu verspeisen, welches an einem Eisenspieß über dem Feuer rotierte. Es hatte etwas Irritierendes an sich, schweinsähnliche Fratzen ein Schwein essen zu sehen. Als ob sie einen Verwandten aßen.
Sein Blick führte ihn zum gegenüberliegenden Gang, der nur über den Raum mit den speisenden Orks zu erreichen war, so man nicht einen riesen Umweg machen wollte.
Zsaraffein schätzte mit geschultem Auge die Entfernung ab und die Schritte die er benötigte, um im vollen Lauf rüberzukommen. Es waren ungefähr drei weite Schritte.
Er ging ein kurzes Stück nach hinten, um den nötigen Anlauf zu bekommen. Entfernte, aufgebrachte Geräusche kündigten das Kommen der Orkbande an, welche bereits von seiner Anwesenheit wusste, aber noch im Eingangsbereich der Mine sein musste. Schmatzgeräusche aus dem Raum vor ihm, zeigten, dass die Fünf nichts von den entfernten Geräuschen wahrnahmen.
Sein Körper spannte sich wie eine Bogensehne und auf ein unbestimmtes Zeichen hin, schoss er mit weiten Sprüngen los. Sein leichtes Gewicht und das Geschick, das er an den Tag legte, ließen den Dunkelelf fast geräuschlos über den Boden gleiten.
Ein beiläufiger Blick würde reichen und die Fünf würden ihm hinterjagen, doch als er im gegenüberliegenden Gang angelangt war, hörte er die gewohnten Schmatzgeräusche. Sie hatten ihn nicht bemerkt.
Er hatte keine Ahnung wo ein Weg ins Unterreich war, er hatte nicht einmal eine Ahnung ob es überhaupt einen gab, er hatte nicht einmal wirklich eine Ahnung wo er sich genau befand, doch zumindest wusste er, dass er sich nach unten bewegte und so folgte er auch stets den Gängen, die ihn tiefer ins Erdreich führten.
Sein Wade war mittlerweile taub, was er gar nicht so schlecht fand, da man dadurch keinen Schmerz mehr verspürte, doch stellte er sorgenvoll fest, dass er einen abgehakten Gang hatte. Es würde vermutlich nicht mehr lange dauern bis er nur noch humpelnd vorankam.
Je weiter er kam, desto stiller wurde es. Der Boden wurde unebener und die fachmännisch angebrachten Stützbalken wichen allmählich sporadisch angebrachtem Gebälk. Ja, der gesamte vor ihm liegende Tunnel wirkte im Vergleich zur restlichen Mine stümperhaft gebaut, was man an den asymmetrischen Verformungen erkennen konnte. Einmal war der Tunnel sehr breit und hoch, nur um plötzlich wieder eng zu werden.
Es passte nicht zu der akuraten Arbeit der Zwerge, solche Tunnel zu bauen. Doch bevor Zsaraffein seine Gedanken weiterfführen konnte, hörte er ein pochendes Geräusch. Je näher er dem Geräusch kam, desto klarer wurde ihm, dass es sich um das Hacken eines Pickels handeln musste.
Plötzlich gesellte sich ein weiterer Pickel zum ersten hinzu und dann noch ein dritter zum zweiten, bis schließlich eine ganze Schar von Pickel zu hören war. Es mischten sich auch andere Geräusche darunter, die bekannten Grunzgeräusche der Orks, aber auch Stimmen die nicht von Orks stammten. Wenn er sich nicht völlig verhörte, waren das die bärbeißigen Stimmen von Zwergen die etwas brüllten.
Vorsichtig schlich er sich an der Wand entlang, während der Tunnel zu einer Abzweigung hinführte. Noch vor der Abzweigung ließ sich ein Raum auf der rechten Seite an. Ein schwaches Dämmerlicht, kündigte den Raum bereits aus einiger Entfernung an.
Als Zsaraffein nah genug dran war, konnte er einen Ork ausmachen, der auf einem Hocker saß und irgendetwas in den Händen hielt. Er hörte ein bekanntes Klatschten. Es war das Klatschen einer Spielkarte, die schwungvoll auf eine andere Spielkarte geschmissen wird. Für einen Moment veraharrte der Dunkelelf verdutzt. Konnte das möglich sein? Diese verdammten Orks spielten Karten!
Dann hörte er wie ein Ork zum anderen sagte: "Ich rot! Rot gewinnt! Farbe von Blut und Schwarz verliert!" Der andere protestierte, mit dem Argument, Schwarz sei stärker als Rot. Es beruhigte zu wissen, dass es sich immer noch um absolut verblödete Geschöpfe handelte. Sie spielten nach den Farben der Karten, nicht nach Zahlen- und Figurenkombinationen.
Doch auf einmal uferte der Streit in einer Keilerei aus, in der sich die ganzen Orks, die wohl als Wachposten abgestellt waren, anfingen gegenseitig zu prügeln.
Die Gelegenheit beim Schopfe packend, eilte der Dunkelelf an den beschäftitgen Wachen vorbei und auf die Abzweigung zu. Vom linken Tunnel aus kamen die lauten Arbeitsgeräusche und schwaches Licht. Der rechte Tunnel war in Dunkelheit gelegt und still.
Instinktiv wollte er den rechten Tunnel nehmen, doch als er wieder die Zwergestimme hörte, hielt er inne. Es war nicht die Zwergenstimme, die ihn inne halten ließ, es war 'was' die Zwergenstimme gerufen hatte und vor allem, in welcher Sprache es war. Zwergisch war es nicht, sondern eine andere Sprache, eine ihm all zu bekannte. Es war Duergar.
Er beherrschte die Sprache der Grauzwerge nicht, aber fast jeder Drow hatte schon einmal die Sprache der Duergar gehört, Drow führten schließlich regen Handel mit den dunklen Vettern der Zwerge, wenn sie diese nicht gerade bekriegten.
Nun wurde ihm klar, weshalb die tiefer gelegenen Gänge sich so von der sauberen Arbeit der vorderen Tunnel unterschieden. Die Duergar waren scheinbar die Herren der Mine und die Orks ihre Sklaven. Vermutlich legten die Grauzwerge selbst nicht Hand an und ließen die physische Arbeit von ihren grünen Arbeitern erledigen, was die schlampig angelegten Tunnel erklärte.
Vermutlich waren die Duergar hier, um die Eisenerzvorkommen abzubauen. Doch das war eigentlich unwichtig, wichtiger hingegen war die Tatsache wo Duergar sind, muss es auch einen Weg ins Unterreich geben.
Zsaraffein machte kehrt und nahm den Tunnel, der ihn zu den Duergar führen würde. Ein Gemisch aus den verschiedensten Lauten und Sprachen niederer Wesen war immer deutlicher zu hören, bis sich schließlich ein vielsagendes Bild bot, welches alle Geräusche und Sprachen erklärte. Horden von Orks schlugen in einem schweißtreibenden Rhythmus dicke Erzbrocken aus den Wänden, welche von emsigen Goblins, die hinter den Reihen der Orkarbeiter das herabfallende Gestein in holprige Transportwägen luden, welche am anderen Ende der riesigen Kaverne verschwanden.
Inmitten des ganzen Treibens, waren drei peitschenschwingende Duergar die unerbittlich ihre Arbeitsklaven antrieben. Glatzköpfige, untersetzte, weissbärtige Gestalten in dunklen Rüstungen.
Von seiner Position aus hatte der Dunkelelf eine gute Aussicht über die nach unten hinabfallende Kaverne. Zu seinem Glück, war der Tunneleingang in welchem er sich befand, sehr verlassen und die Erklärung dafür sah er schon bald, als er seinen Blick schweifen ließ und eine Vielzahl von groß angelegten Tunneln überblickte, in denen reger Verkehr herrschte.
Vermutlich hatten die Duergar von unten Verbindungen zur Mine gegraben. Der obere Teil der Mine, der fast nur von Orks bevölkert war, diente demnach als eine Pufferzone, um einen ungestörten Abbau der Erze zu sichern.
Nach einigem Abwägen, wurde es ihm immer klarer, dass kaum eine Möglichkeit bestand unbemerkt durch die Gänge zu kommen. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Es waren einfach über all zu viele Orks, Goblins und auch die vereinzelten Duergar würden vermutlich immer mehrere werden, je tiefer er hinabkam. Und wenn er unten wäre, würde er sich vermutlich in einem gut gesicherten Duergeraußenposten befinden.
Auf einer Erhebung, unweit von ihm, sah er eine Gruppe von schwer gerüsteten Duergar, die einen vollbärtigen Duergar umkreisten, welcher lediglich ein dünnes Gewand anhatte und einen hölzernen Stecken in der Hand hielt. Es musste sich um einen Magier handeln, wahrscheinlich in einer leitenden Position.
Zsaraffein kam der Gedanke, sich vielleicht den Duergar einfach zu zeigen und ihnen offen sein Anliegen zu erklären. Kaum hatte er den Gedanken zuende geführt, zog er ein bitteres Lächeln. Er war nicht in der Position mit den Duergar zu verhandeln. Er wäre ihnen schlichtweg ausgeliefert und warum sollten sie mit einem einzelnen, hilflosen Drow verhandeln, wenn sie ihn einfach töten, versklaven oder sonst was mit ihm machen konnten.
Plötzlich geschah alles sehr schnell. Ein Bolzen schlug über seinem Kopf im Fels ein. Ein Duergar schlug Alarm und deutete in die Richtung des Dunkelelfen, woraufhin sich zwei Wächter aus der Gruppe lösten und gefolgt von mehreren Orks auf ihn zuliefen.
Zsaraffein war absolut überrascht worden. Wertvolle Zeit verstrich bis seine Gedanken anfingen zu arbeiten und im humpelnden Lauf kehrte er zur Abzweigung zurück, nur um entsetzt festzustellen, dass die Orkposten, die sich zuvor noch geprügelt hatten direkt auf ihn zumarschierten. Sie waren von seiner Anwesenheit zunächst so überrascht, dass sie lediglich verdutzt starrten, während dem er mit einem Satz umkehrte und auf den rechten Tunnel zurannte, welchen er ursprünglich hatte begehen wollte.
Aus dem linken Gang stürmten mittlerweile die zwei Duergar und ihre Okrsklaven. Von beiden Seiten abgeschnitten, konnte er nur noch in den rechten Gang flüchten. Die Verwundung an seinem Bein, machte ihm mehr und mehr zu schaffen. Es war kein Schmerz zu spüren, doch das Bein wurde immer steifer und kraftloser, weshalb er nur den Abstand zu seinen behäbigern Verfolgern halten konnte, anstatt diesen zu vergrößern.
Der Untergrund wurde immer unebener und vor ihm zeichnete sich schon der nächste Kaverneneingang ab. Von vorne waren keinerlei Geräusche zu hören, weder Licht zu sehen. Mit zusammengebissenen Zähnen schaffte es Zsaraffein seinen Lauf zu beschleunigen und so schoss er durch den Durchgang.
Mit aufgerissenen Augen registrierte er wie der Boden unter seinen Füßen verschwand. Seine Arme und Beine wedelten rotierend in der Luft, während dem er im hohen Bogen in die Kaverne flog.
Im nächsten Moment spürte er wieder den Fels unter seinen Füßen, doch ging die Steinrampe so steil hinab, dass er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte und den letzten Teil hinabrollte.
Alles schien zu schmerzen als er endlich aufhörte weiter herabzurollen. Mit einem Stöhnen rappelte er sich wieder auf allen Vieren auf und warf einen Blick nach oben. Jetzt verstand er warum er plötzlich den Boden unter den Füßen verloren hatte, eine steile Steinrampe führte vom Tunneleingang hinab in die Kaverne und er war einfach zu schnell gewesen um das noch rechtzeitig erkennen zu können. Zumindest hatte er sich nichts gebrochen.
Keine Minute später waren die zwei Duergar oben auf der Rampe zu sehen. Einer wollte hinablaufen, doch der andere hielt ihn zurück mit einigen Worten die Zsaraffein nicht ganz verstanden hatte. Etwas mit "instabil".
Kurz darauf strömten bereits die Orks die Rampe hinab, während die Duergar lediglich von oben alles still beobachteten.
Er musste hochkommen, er musste weiterlaufen, sonst würde er sterben. Der Überlebensinstinkt überwog ein weiteres Mal die Schmerzen und Zsaraffein lief weiter in die Kaverne hinein, die Orks dicht hinter sich.
Doch die Kaverne verengte sich zusehens, bis er schließlich panisch feststellen musste, dass es eine Sackgasse war. Man hatte nur ein kleines Stück gegraben und dann aufgehört und nun stand Zsaraffein da und blickte von der Wand zu seinen Verfolgern. Ihm wurde klar, dass es kein Entkommen mehr gab.
Das Gefühl des sicheren Todes und die Gewissheit nichts mehr verlieren zu können, entfesselte unglaubliche Energien. Mit einem Kampfschrei zog er die erste Klinge aus dem Gurt und versetzte sie einem Ork, der seine Axt hoch erhoben hielt, zu hoch um sie noch rechtzeitig auf den Drow hinunterfahren zu lassen, direkt in die Kehle.
Mit einer Drehbewegung zog er die Klinge wieder aus der Kehle und mit der anderen Hand griff er nach seinem zweiten Kurzschwert, während dem er aus der Deckung des Körpers seines ersten Angreifers, dem nächsten Ork einen Stich direkt in die Brust versetzte. Das Fleisch war zäh und schwer zu durchstechen, doch er nutzte allen Schwung den er aus seinen Bewegungen holte und man konnte förmlich das letzte Pulsieren des Herzschlages an der Klinge entlang spüren, bevor er diese hinauszog um den Knüppel eines dritten Angreifers zu parieren.
Alle Schmerzen, alle Angst, alle Sorgen waren vergessen. In diesem Moment zählte nur der Kampf und kämpfen würde er bis zu seinem letzten Atemzug.
Ein Axthieb ging auf Zsaraffein nieder. Mit einer schnellen Ausweichbewegung zur Seite hin, konnte er dem Hieb ausweichen, der nun das Gestein unter seinen Füßen spaltete. Der Ork brüllte wütend auf als er den Dunkelelf verfehlte und brüllte noch wütender als er die Klinge nicht mehr aus dem Boden bekam. Zu dumm die Axt loszulassen, war er dem nächsten Schwertstreich des Drow schutzlos ausgeliefert. Ungläubig sackte er in die Knie, während dem der kostbare Lebenssaft aus seiner Kehle spritzte.
Die Göttin selbst schien seine Schwerter zu führen, denn kein Stich verfehlte und sein Blutrausch wuchs mit jedem weiteren Treffer den er seinen Feinden beibrachte.
Es wurde immer enger, und der Dunkelelf wurde trotz seiner Efolge immer weiter an die Wand zurückgedrängt. Die schiere Masse der Orks erdrückte ihn. Zsaraffeins Kräfte verließen ihn zusehens. Die letzten Kraftreserven die er noch aufbringen konnte, verwandte er um weiter zurückzuweichen und den Hieben der Orks zu entgehen.
Während dem er sich unter einem Axthieb hinwegduckte, schlug ein Knüppel hart gegen seine Schulter. Der Schmerz war so heftig, dass er seine Klinge fallen ließ. Seine andere konnte er gerade noch rechtzeitig hochheben um einen weiteren Axthieb abzuleiten, doch der Hieb war so stark, dass es seine Klinge wegriss. Kraftlos taumelte Zsaraffein nach hinten gegen die Wand.
Das Metall der Axt fuhr geräuschvoll in die Richtung seines Kopfes. Der Dunkelelf wäre wohl enthauptet worden, hätte ihn die Schwäche seines verwundeten Beines nicht nach unten fallen lassen.
Ein riesiger Ork stand nun über ihm, seine Waffe wieder aus der Wand ziehend. Die Schweinefratze des Biestes verzog sich zu etwas, dass wie ein Lächeln aussehen sollte, als er mit beiden Händen die Axt über seinen Kopf hob und den Dunkelelfen, der kraftlos an der Wand lehnte, anvisierte.
Langsam hob Zsaraffein seine Faust, blickte zum Orken und spreizte den Mittelfinger ab, während dem er einen Batzen Blut in seine Richtung spuckte.
Mit einem triumphierenden Schrei setzte das Ungetüm vor ihm die Axt für den letzten Schlag an. Die anderen Orks hielten sich zurück, stimmten aber in den Schrei mit ein. Als die Axt im Begriff war hinabzusausen und mit Zsaraffein ein Ende zu machen, brachte eine Erschütterung alle ins Wanken. Die Orks blickten sich verdutzt um.
Just in dem Moment als eine erneute Erschütterung durch das Gestein ging, dämmerte Zsaraffein auf, was der Duergar gesagt hatte. "Der Boden ist instabil." Das war es gewesen. Das war vermutlich auch der Grund weshalb hier die Grabarbeiten eingestellt wurden und nun hatte das Gewicht der Orks den Rest bewirkt.
Bevor er seine Gedanken weiter ausführen konnte, ging ein ohrenbetäubendes Krachen durch die Kaverne und Furchen schlugen durch den Boden. Im nächsten Moment wich alles einer merkwürdigen Stille, während dem die Decke sich zu entfernen schien. Zsaraffeins Körper wirkte wie schwerelos und es dauerte einige Zeit, bis auch die Orks begriffen hatten, dass sie sich alle im freien Fall befanden.
Alles war als habe er es schon einmal erlebt und als er das kühle Nass um sich herum spürte und die absolute Stille die es begleitete, erinnerte er sich an seine Flucht über die Mauer Rivins.
Eine seltsame Geborgenheit umgab Zsaraffein, doch er wusste, wenn er sie zu lange genießen würde, würde er ersticken.
Die Welt wurde wieder laut, schmerzend, unbarmherzig als er auftauchte und bemerkte, dass er sich in einem reißenden unterirdischen Strom befand. Um ihn herum waren panisch paddelnde Orks, die grunzend versuchten aus dem Fluss zu kommen.
Der Strom war heftig und der beste Schwimmer hätte nicht dagegen ankämpfen können, also ließ sich Zsaraffein treiben. Im nächsten Moment sah er aber einen Orken der gegen etwas aufschlug und dadurch aprupt verstummte. Der Fluss war gespickt mit spitzen Felsen die aus dem Grund aufragten und durch die Geschwindigkeit des Stroms zu tödlichen Hindernissen wurden.
Und wieder schaltete sich sein Überlebensinstinkt ein, als er sich nach etwas umschah, was er als Schutz verwenden konnte. Nichts außer Orks waren zu sehen. Also musste eben ein Ork herhalten.
Er machte schnell einen aus, der keine drei Armlängen neben ihm grunzend und brüllend durch das Wasser trieb. Es war der große Ork, der ihn kurz zuvor fast mit der Axt erschlagen hatte.
Während dem er versuchte näher an ihn heranzukommen, bemerkte der Dunkelelf beim Schwimmen, dass er sein linkes Bein kaum bewegen konnte und seinen rechten Arm gar nicht, ausgenommen seine Hand. Der Knüppelschlag musste ihm die Schulter gebrochen haben.
Gleichgültig, er musste eben mit den Gliedmaßen auskommen, die noch bewegungsfähig waren und so schwomm er einarmig immer näher an den Ork heran.
Dem Ork war es nicht verborgen geblieben und so schlug er nach dem Dunkelelf, vergeblich. Ein plötzlicher Wasserwirbel ließ Zsaraffein näher an den Ork kommen, doch leider nicht von hinten, wie er es geplant hatte, sondern von vorne und der Ork griff nach Kopf und Nacken des Drow und drückte ihn unter Wasser, ihn seinerseits als Schwimmhilfe nutzend.
Zsaraffein strampelte wild unter dem Griff des Orks, doch kam er nicht gegen seine Kraft an. Der Drang nach Luft zu schnappen wurde beinahe unerträglich groß und mit jeder verstreichenden Sekunde in Panik nur noch gesteigert. Er kratzte den Ork, versuchte nach der Hand zu beißen, nichts half und das Verlangen den Mund zu öffnen wurde immer größer. Zsaraffein griff in seinen Gurt. Es war noch da! Mit gehetzten Bewegungen unter Wasser zog er den Dolch heraus und stach nach der Kehle des Orks, doch war es ein Stich in den Schatten, denn er konnte überhaupt nichts sehen.
Der Dolch steckte fest, zu fest um in der Kehle zu sein. Wenn er in der Schulter des Orks war, dann würde es ihm nichts helfen, er würde in der Umklammerung ersticken. Er musste ihn nocheinmal hinausziehen und wieder zustechen; der Ork musste sterben, damit er freikam.
Panik durchfloss seinen Körper, während dem er erfolglos an dem Dolch zog. Er steckte absolut fest und der Griff des Orks war immer noch fest und hielt den Drow unter Wasser.
Die letzten Kräfte verließen ihn. Die Panik, die ihm zuvor noch Kraft gegeben hatte, war nun einem Gefühl der Erschöpfung und Resignation gewichen, das Zsaraffeins Körper erschlaffen ließ. Er lebte noch, noch.
Ihm wurde schwindelig und seine Augen fielen zu, während dem seine Lunge immer mehr danach drängte einzuatmen, was auch immer da war.
Und dann löste sich auf einmal der Griff des Orks. Mit einem Ruck beförderte er seinen Kopf über die Wasserobefläche und sog die Luft ein, als gäbe es kein kostbareres Gut auf Toril.
Die Welt um ihn herum war noch verschwommen, er hielt sich noch am Körper des Orken fest, welcher merkwürdig schlaff wirkte. Ein weiterer Blick zum Kopf des Orken zeigte auch warum, der Dolch war nicht in die Kehle eingedrungen, aber auch nicht in die Schulter, sondern direkt in ein Auge und von dort hatte es sich in den Schädel eingegraben.
Zsaraffein zog sich an die Brust des Orken, der trotz des Wassers, bestialisch stank. Der Dunkelelf hatte aber nicht die Kraft sich zu ekeln, viel mehr war es so, dass der Geruch ihm Sicherheit vermittelte, während dem er den Ork vor sich positioniert hatte und nun mit dessen Körper schützend vor sich durch den Strom trieb.
Es dauerte nicht lange und schon spürte er einen Aufprall, der dank des leblosen Körpers vor sich kaum mehr als ein Ruckeln war. Immer wieder prallte er gegen Gestein, das aus dem Wasser aufragte und immer wieder kostete es ihn Kraft, den Ork wieder so hinzudrehen, dass er schützend vor ihm durch das Wasser trieb.
Nach einiger Zeit wurden auch die gefährlichen Gesteine rar. Um ihn herum hörte er nur noch vereinzelt gequälte Laute. Die meisten Orks waren durch die Hindernisse umgekommen oder zumindst schwer verletzt.
Letztlich tauchten gar keine Hindernisse mehr auf und es wurde etwas sicherer, auch wenn der Strom immer noch reißend schnell war. Zsaraffein überkam eine überwältigende Müdigkeit, welcher er sich widerstandslos hingab, seine Hände in die Kleidung des Orken grabend.
Erst im Einschlafen bemerkte er, dass das Wasser warm war, doch verhinderte der Schlaf jeden weiteren Gedanken dazu.
Er wusste nicht wie lange er geschlafen hatte, als er einmal kurz erwachte und sich umblickte. Es war immer noch kein Ufer in Sicht und er trieb immer noch an seinem Orken durch eine unendlich lang erscheinende Höhle. Es schien immer weiter nach unten zu gehen. Wieder überkam ihn Müdigkeit und er schlief ein weiteres Mal ein.
Als er wieder aufwachte, war das reißende Plätschern um ihn verstummt. Er trieb nur noch sehr langsam durch das Wasser und ein Ufer war zu sehen.
Alles schmerzte als er die Leiche losließ und auf das Ufer zuschwomm. Die steifen Hände, der Schädel, alle möglichen Stellen an seinem Körper aber vor allem seine rechte Schulter und die linke Wade schmerzten.
Mit wackligen Schritten stieg er aus dem Wasser und blickte sich um. Er vernahm eine pilzbewachsene Kaverne in einladende Dunkelheit gehüllt.
Die schwüle Luft, der Geruch nach Pilzen, die Geräusche und vor allem die wohl bekannte Dunkelheit. Alles deutete auf eines hin: Er war im Unterreich angekommen.
_________________ Charaktere:
Aktiv Zsaraffein - Auf der Suche nach dem Elamshin
Inaktiv Salokinn - Einsamer Söldner Nachthang - Arroganter Ministerialer und Magier Velgaust - Sympathischer Berufsverbrecher Jewdokim von Stojanow - Zu Ehren Tyrannos'!
Tot/Verschollen Schwarzbart - Nur noch eine finstere Legende des Untergrunds Looy - Milizionär der ersten Stunde
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