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 Betreff des Beitrags: Maltus - Hass, meine größte Liebe
BeitragVerfasst: Mo 19. Jul 2010, 10:22 
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(( ACHTUNG, incoming Zärtlichkeiten und Gewaltdarstellungen ))

Zhentilfeste, 2. Kytorn, 1374 TZ'

Sehen

Die kleine Flamme saß anmutig auf der Spitze des Kerzendochtes und spendete dem Tavernenzimmer ihr sanftes, orangefarbenes Licht. Marla und Hares saßen beisammen und umschlangen einander.

-

Dicke, finstere Regenwolken kreisten unheilvoll am nachtschwarzen Himmel, der seinen erstickenden Schleier der Finsternis über die Gassen der Stadt gelegt hatte. Maltus lag auf dem schmutzigen Erdbogen und wand sich in seinen eigenem Blut. Hinter ihm stand sein Angreifer, dessen Lippen ein triumphierendes Grinsen zierte.


Hören

Das Holz im Kamin des Tavernenzimmers knisterte leise, winzige Funken purzelten darin umher, während die darunter begrabene Glut ihre wohlige Wärme im Raum verteile. "Ich will dich, Marla" hörte sie ihn Wispern.

-

Unbarmherzig laut prasselten die dicken, kalten Regentropfen auf die Gassen nieder, eine Unzahl kleiner Rinnsale, die sich unaufhaltsam ihren Weg in jede Ritze oder Spalte bahnten. "Verreck' endlich, Maltus" hörte er ihn fordern.


Riechen

Wie benebelt sog Marla den Duft seiner Haut ein, naste an seinem kurzen, lockigen Haar und genoss den Geruch seines Körperss. Es war wie eine Droge, wie ein Rausch, der sie mit Leidenschaf und Lust erfüllte. Er tat es ihr gleich und schnupperte an inrem Körper, der Luftzug auf ihrer Haut brachte sie zum Seufzen.

-

Der Gestank von Dreck und Blut stieg Maltus in die Nase, fraß sich dort fest und brachte eine grauenhafte Übelkeit mit sich. Neben ihm lagen verschimmelte Essenreste, an denen sich die Ratten und Maden bereits gütlich taten. Er erinnerte sich an die dampfenden Gedärme, in die man seinen Schädel einst getaucht hatte. Der Gedanken daran brachte ihn beinahe dazu, sich zu übergeben.


Fühlen

Sie konnte seine straffe Haut spüren, die Hitze seines Körpers, während sie sich fordernd an ihm rieb und mit ihren langen, schlanken Fingern forschend über seine kräftigen Oberarme tastete.

-

Er konnte die schmutzige, nasse Erde unter ihm spüren, die unzähligen kleinen Kieselsteine und Steinsplitter, die über seine Haut scheuerten und kratzten, während er träge vorwärts kroch.


Schmecken

Ihre Lippen fanden endlich den Weg zum jeweils anderen und schnappten nacheinander wie zwei Durstige, die nach langer Zeit endlich eine Quelle mit frischen Wasser erreicht hatten. Wie betäubt umschlangen die beiden einander und gaben sich schlaftrunken der zärtlichen Berührung des anderen hin. Marla öffnete nach kurzer Zeit ihre Lippen und streichelte mit der Zungenspitze über die seinen. Er tat es ihr gleich, und schließlich fanden ihre Zungen zueinander, nahmen das Spiel der Leidenschaft auf und forderten sich gegenseitig heraus. Ihr nacktrn Körper bebte vor Erregung, als sie seinen Geschmack in ihrem Mund auszukosten vermochte, süßer als jeder Wein.

-

Blut bahnte sich seinen Weg die Kehle hinauf bis in seinen Mund und füllte diesen mit einem widerlichen, metallischen Geschmack. Maltus würgte und spuckte den roten Lebenssaft auf den Boden, wo er sogleich vom kalten Regen hinfortgespült wurde. Er schmeckte das zum Teil verdaute Essen, welches ihm beinahe wieder hochgestiegen wäre, und spuckte erneut aus. Wie besessen wischte er sich über die Lippen, doch der ekelhafte Geschmack ging nicht fort.


Der sechste Sinn, das Herz

Liebe. Marla empfand in jenem Augenblick, wo er vorsichtig, aber fordernd in ihren Körper eindrang, ein unbeschreibliches Glücksgefühl, welches alles um sie herum verblassen ließ. Das Herz schlug aufgeregt in ihrer Brust, sie war wie betäubt, benebelt von der Intensität dieses Gefühls, und verlor die Kontrolle über ihre anderen Sinne. Ein leises, lustvolles Stöhnen entweichte ihren Lippen, während sie sich an ihn presste und seine Berührung genoss. Es war einer der seltenen Momente, in welchem die angehende Priesterin Ilmaters nicht an andere Menschen dachte, an das Leid anderer, dass in diesen Momenten, wo sie sich gehen ließ, vor sich ging. In diesen Augenblicken dachte sie nur an sich, an ihren Liebsten und das unglaubliche Gefühl der Lust, dass ihr Herz durchflutete, während er in ihr war. Am nächsten morgen rügte sie sich selbst für ihren Egoismus, doch tief in ihrem Herzen wusste Marla, dass nichts schlechtes daran war.

-

Hass. Maltus verspürte in jenem Augenblick, wo das Schwert von hinten seine Schulter durchbohrte, nichts als Abscheu, Verzweiflung und Wut. Er wollte aufstehen, wollte die Kraft dazu haben, dem Bastard hinter ihm die Zunge aus dem Maul zu reißen, ihm die Haut bei lebendigem Leibe vom Körper zu ziehen und seine Knochen zu zerschmettern, bis nichts mehr von ihm übrig war. Er wollte sein Schwert in den Bauch dieses Hurensohnes treiben und in seinen Gedärmen wühlen, damit die Schreie seiner Qual über die ganze Stadt verteilt werden würden.
Nichts davon geschah. Maltus lag blutend auf der Erde, kroch verzweifelt vorwärts wie ein Häufchen Elend und war dem Spott des Mannes ausgeliefert, der ihn hinterrücks attackiert hatte. Sein Herz pochte wie wild in seiner Brust, tobte und raste, angetrieben von der Angst, sein Leben zu lassen, ebenso wie vom Zorn, dass er nicht stärker war. Er hasste seine eigene schwäche. Er hasste den Mann, der ihm das angetan hatte, und er hasste Marla, weil sie glücklich war und diese Augenblick sicher angenehmer verbrachte, als Maltus.

Sein Kopf sank kraftlos auf den schlammigen Boden der Gasse. Er wollte nicht mehr kämpfen, aber aufgeben ebenso wenig. Womit hatte er das verdient? Was hatte er verbrochen, dass die Götter ihn so straften? Wie oft hatte er als Junge in Zhentilfeste heimlich zu ihnen gebetet, damit sie ihn endlich von seiner Qual erlösen würden? Nichts davon war je geschehen. Keiner war gekommen, um ihm zu helfen. Er war ganz allein. Die Lehren des Lügenprinzen erwiesen sich als wahr, und dafür hasste Maltus ihn ebenso.

Der Mann über ihn verlor das Interesse an Maltus, der elendig vor ihm auf der Erde lag, sich in seinem eigenen Blut windend. Der Regen ergoss sich noch immer unbarmherzig über die Stadt. "Das war's dann wohl", erklärte er herablassend, und hob das Schwert zum finalen Streich, doch im Schatten der Gasse hinter ihm blitzten plötzlich zwei grinsende Zahnreihen auf.

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 Betreff des Beitrags: Re: Maltus - Hass, meine größte Liebe
BeitragVerfasst: Mo 19. Jul 2010, 15:41 
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Rivin, 18. Flammleite, 1379 TZ

Mein Reich

Unsichtbar saß Maltus auf dem prachtvollen Thron der Arena im Abenteuerviertel Rivins. In dieser Nacht war es sein Thron. Hier fühlte er sich wie wie ein König, kostete das Gefühl von Macht und labte sich daran wie ein Durstiger an einem Krug voll Wasser.

In Gedanken stellte er sich vor, wie zwei Männer unten im Ring um ihr kümmerliches Leben kämpften, weil sie es gewagt hatten, sich mit Maltus anzulegen. Der Kleriker malte sich nur allzu gern aus, wie die beiden verzweifelt aufeinander losgingen. Er hätte ihnen Morgensterne in die Hände drücken lassen, damit der Kampf grausam und schmerzhaft sein würde. Wenn das Spiel vorüber war, hätte Maltus schließlich mit einer einzigen Handbewegung eine Horde voll Goblins auf den verwundeten Gewinner hetzen lassen, die wie Ameisen über ein verwundetes Tier hergefallen wären und den Mann langsam auseinander genommen hätten.
Vielleicht wäre Maltus aber auch selbst in den Ring hinabgestiegen, um den Gewinner des Kampfes eigenhändig zu richten. Es wäre gleichzeitig ein Blutopfer für den Prinz der Lügen gewesen, ein Mord zu Ehren der einzigen Macht auf dieser Welt, die das Recht besaß, den Titel "Gott" zu tragen.

In seinem Kopf setzten sich die verzückenden Bilder zusammen wie ein wirres Puzzle. Maltus saß triumphierend auf seinem rechtmäßigen Thron und regierte über Rivin als rechte Hand Cyrics. Er stellte sich vor, wie es wäre, wenn er die Oberhand über die Stadt gewinnen würde.
Zuerst einmal müsste Rivin gravierende Änderungen über sich ergehen lassen, ehe es einer Hochburg der Schwarzen Sonnen würdig war. Anschließend mussten die Tempel der niederen Götter abgerissen und ihre falschen Propheten verbrannt werden. Alessa, Tamara, Seraphina, diese hochnäsige Kary Arnder, und wie sie alle hießen, durften die Stadt nicht länger mit ihrem blinden Fanatismus vergiften. Vielleicht würde sich Maltus aber auch gnädig zeigen und ihnen (in all seiner Barmherzigkeit) die Möglichkeit offerieren, ihre wertlosen Seelen zu retten, indem sie sich Cyric und ihm unterwarfen. Ein paar Opfer wären allerdings schon nötig, denn ein ordentlicher Schwur musste mit Blut besiegelt werden. Sofort dachte Maltus wieder an einen Kampf in der Arena unter ihm, dieses mal mit den Priesterinnen in der Rolle der Gladiatoren. Nur die stärkste von ihnen war es wert, dem Einen zu dienen, der Rest wurde aussortiert. Maltus musste schmunzeln. Was für ein herrlicher Gedanke!

So verstrich die Nacht. Der Thron vor der Arena schien leer zu sein, doch wer hinter den Schleier der Illusionen zu blicken vermochte, der konnte Maltus dort sitzen sehen wie einen einsamen König, der über nichts als seinen eigenen Wahnsinn regierte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Maltus - Hass, meine größte Liebe
BeitragVerfasst: Mi 21. Jul 2010, 11:39 
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Rivin, 20. Flammleite, 1379 TZ

Mal wieder im Dreck gelandet

Oh, wie er die Frauen hasste.

Als Maltus erwachte, musste er sich am Stadttor orientieren, um zu erfahren, wo er sich gerade befand. Sein Schädel brummte fürchterlich und er wusste zuerst nicht, wie er hierher gelangt war. Das letzte, woran er sich erinnern konnte, war der plötzliche Angriff von Dorn, der ihn rasch und gnadenlos in die Bewusstlosigkeit geschickt hatte. Verfluchtes Drecksweib, fauchte Maltus in Gedanken und rieb sich dabei seinen pochenden Kopf. Ein Gardist stand neben ihm und warf dem Cyrickleriker einen verächtlichen Blick zu. Maltus erwiderte die Geste und funkelte den Wachmann finster an. Am liebsten hätte er einfach sein Langschwert gezogen und diesen unbekannten Bastard abgestochen, aber er würde seinen Feinden nicht die Genugtuung gönnen, ihn wegen eines solchen Ausrutschers am öffentlichen Galgen baumeln zu sehen.

Während er sich angeschlagen zurück in die Altstadt schleppte, malte Maltus sich in Gedanken unzählige Arten von Folter aus, die er Dorn antun wollte. Die Tatsache, dass keine davon jemals stattfinden würde, ignorierte er natürlich. Ihm ging es nur darum, sich irgendwie abzureagieren, denn sonst würden ihn die Gedanken an ihren hinterhältigen Angriff zur Weißglut treiben. Wie konnte dieses überempfindliche Miststück es wagen, sich an Maltus zu vergehen, nur weil er den Tod ihres Meisters angesprochen hatte? Verfluchte Hure. Eiskalt hatte sie ihn niedergeschlagen. Verdammt, war sie schnell. Er hatte keinerlei Chance gegen ihre gnadenlose Attacke gehabt, verlor augenblicklich das Bewusstsein und landete mal wieder im Dreck. Wunderbar.

Es gab Momente, da hätte Maltus Dorn am liebsten in ein Bett gezerrt und es mit ihr die ganze Nacht lang wild getrieben. Dann widerum spukten in seinem Schädel ausgeschmückte Vorstellungen umher, in denen er dieser halbelfischen Bastardschlampe sein Schwert zwischen die Rippen trieb und dabei zusah, wie sie vor seinen Füßen ihre blutigen Innereien auskotzte. Maltus malte sich sowohl das lüsterne Stöhnen als auch das qualvolle Röcheln von Dorn aus und fand beides äußerst erregend, aber wie so oft gönnte ihm das Leben nichts davon. Stattdessen schlurfte er nun mühsam mit schmerzenden Gliedern und gebrochenen Rippen in Richtung Altstadt, damit er etwas Ruhe finden konnte. Ruhe vor dem unerwarteten Temperament einer Frau, welcher er so etwas nie zugetraut hätte.

Oh, wie er die Frauen hasste.

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 Betreff des Beitrags: Re: Maltus - Hass, meine größte Liebe
BeitragVerfasst: Do 22. Jul 2010, 11:42 
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Rivin, 22. Flammleite, 1379 TZ

Seitenwechsel

Die Nacht war klar und kühl, dennoch liefen einzelne Schweißtropfen über Maltus' Stirn. Hauptsächlich lag das an seinem neuen Kettenhemd, welches ihn als Söldner der Gelben Hand auszeichnete. Damit verdiente er sich nun also erstmal seinen Lebensunterhalt. Geldeintreiben und Leute zusammenschlagen. Dorn hatte Recht, Maltus hielt sich stets für etwas besseres als der übrige Abschaum in den Straßen des Armenviertels. Leider änderte diese Einstellung nichts an der Tatsache, dass er Geld beschaffen musste, um über die Runden zu kommen. Natürlich gab es auch andere Methoden, um zu Wohlstand zu gelangen, aber irgendwann würde jemand unangenehme Fragen stellen. Wie konnte sich Maltus ohne jegliche Arbeit seine Wohnung (Drecksloch) leisten? Womit bezahlt er sein Essen? Hier in der Altstadt kümmerte es womöglich kein Schwein, woher ein Cyrickleriker die Mittel für sein Hab und Gut nahm, aber es war trotzdem ratsam, auf Nummer sicher zu gehen. Das ersparte einem unangenehme Überraschungen, denn davon hatte Maltus in letzter Zeit mehr als genug.

Nun also stand er auf der anderen Seite des Spiegels. Vor einigen Zehntagen hatte er noch den Rang eines Gardisten der Stadt bekleidet, jetzt vertrat er das Gesetz der Unterwelt. Ein gravierender Wechsel, mochte man meinen, aber Maltus wusste es besser. Im Prinzip musste er noch immer dieselbe Scheiße erledigen, nämlich den Befehlen irgendwelcher Vorgesetzten gehorchen. Maltus scherte sich nicht um Regeln oder Gesetze, und er hasste nichts mehr, als sich von inkompetenten Schwächlingen herumkommandieren zu lassen, aber in diesem Fall blieb ihm keine andere Wahl. Er wusste, wie das Leben auf der Straße ablief, schließlich hatte er in Zhentilfeste lange genug auf selbiger gelebt. Wenn man hier seine Ruhe haben wollte, dann musste man sich einen Ruf verschaffen. "Gemeingefährlich", "brutal" und "skrupellos", so lauteten die Schlagwörter, die man eng mit dem eigenen Namen verknüpfen musste, damit das Gaunergesindel nicht einmal im Traum daran denken würde, sich mit einem anzulegen. Die Gelbe Hand war für Maltus dafür der ideale Weg gewesen. Beinahe jeder in der Altstadt kannte die berüchtigte Söldnergruppe, die ihr Geld hauptsächlich mit dem Eintreiben von Schulden und anderen zwielichtigen Geschäften verdiente. Wer sich mit einem ihrer Mitglieder anlegte, der hatte bald unzählige Schläger am Hals. Maltus bezahlte den Preis für seinen Schutz damit, dass er sich von niederwertigen Idioten Befehle aufbinden ließ. Eine harte Probe, aber der Kleriker hatte schon schlimmeres durchgestanden.

"Mein Prinz, lass' mich ungehindert wandern im finsteren Tal, damit ich am Ende meines blutgesäumten Pfades deinen Willen auszuführen vermag."

Langsam schlenderte Maltus durch die in Dunkelheit getauchten Gassen des Armenviertels. Seine Gedanken kreisten frei umher, malten sich die lebhaftesten Dinge aus, nur um kurz darauf wieder zu verwerfen.

Hoffentlich würde sein Aufstieg nicht ebenso kurzlebig sein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Maltus - Hass, meine größte Liebe
BeitragVerfasst: Fr 23. Jul 2010, 10:18 
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Rivin, 23. Flammleite, 1379 TZ

Die Todesfee Mystra

Verwirrung. Das war das einzige, was Maltus in diesem Augenblick empfand. Er befand sich urplötzlich auf dem kleinen Platz vor dem Turm des Mantels der Sterne, ohne zu wissen, wie er dorthin gelangt war. Als er sich hektisch umsah, bemerkte er, dass er von unzähligen Menschen umgeben war, die allesamt dichtgedrängt aneinander standen und den Kopf nach oben gerichtet hatten. Maltus folgte ihren Blicken und sah die unheilvollen Mauern des Magierturms empor. Wie ein giftiger Stachel ragte das Gebäude aus dem Erdboden hervor. Ein Schreck durchzuckte seine Glieder, als der Kleriker auf einem winzigen Balkon unterhalb des Daches eine Gestalt ausfindig machen konnte. Es handelte sich um eine schlanke Frau mittleren Alters mit langem, schwarzen Haar. Sie trug eine prachtvolle Robe, bestehend aus tiefblauen Leinen, die mit zahlreichen goldenen Sternen geschmückt war.

Maltus brauchte nicht lange, um zu erkennen, dass dort oben die Göttin Mystra höchstpersönlich stand, und plötzlich wurde ihm bewusst, dass die Menschenmenge um ihn herum allesamt Anhänger der Herrin der Mysterien waren. Das war ganz und gar nicht gut. Hektisch versuchte Maltus, sich einen Weg durch die Masse zu bahnen, doch die Menschen rührten sich nicht vom Fleck, egal wie fest er sich gegen sie stemmte. Er wollte sein Langschwert vom Gurt lösen, doch dann hörte er plötzlich einen grauenhaften Schrei, der von oben durch die Dunkelheit der Nacht schnitt. Mit aufgerissen Augen starrte Maltus nach oben und sah, wie der Avatar Mystras hoch oben auf dem Balkon demonstrativ die Arme ausstreckte.

"Meine Kinder", erhob die Herrin der Mysterien ihre dämonische Stimme, und die Worte schnitten sich in Maltus' Ohren wie tausend kleine Nadelstiche. "Ein schwarzes Schaf befindet sich unter uns." Ihre Lippen verzogen sich zu einem fratzenhaften Grinsen der Vorfreude und Maltus bekam es mit der Angst zu tun. "Ein Getreuer des Lügenprinzen, ein niederträchtiger Fehlgeleiteter, der es wagt, sich uns in den Weg zustellen...sich MIR in den Weg zu stellen. " Ein empörtes Raunen ging durch die Menge, und die Leute sahen einander misstrauisch an. Es wurde lautstark getuschelt, doch ein weiterer grässlicher Schrei von oben ließ die Mystraanhänger verstummen. Maltus glaubte, seine Ohren würden gleich platzen. Der Avatar zog die Lippen erneut nach oben, dieses mal noch unheilvoller grinsend als zuvor. "Ich sehe dich, Diener Cyrics." Wie gelähmt stand Maltus da und starrte nach oben, direkt in das bösartige Antlitz der Herrin der Mysterien. In diesem Augenblick geschah es, dass Maltus hinter ihren Schleier zu sehen vermochte. Sie streckte die Hand nach ihm aus, um ihre Anhänger auf Maltus aufmerksam zu machen, doch ihre schönen, schlanken Finger verwandelten sich in krumme, knochige Klauen. Ihr hübsches, junges Gesicht riss wie altes Papier, ihre Wangen fielen ein, die blauen Augen verflüssigten sich und liefen als schwarzer Morast aus ihren dunklen Höhlen. Ihr Haar verwandelte sich in glitschige Schlangen, die sich selbstständig umherwanden und mit zischelnden Mäulern nacheinander schnappten.

Entsetzt stand Maltus da, gelähmt von der grauenvollen Verwandlung, welche Mystra hoch oben auf dem Balkon durchlebt hatte. Sie war nicht mehr die anmutige Herrin der Mysterien, eine schlanke Frau mittleren Alters mit unergründlichen Augen und nachtschwarzem Haar, sondern eine kreischende, untote Medusa, eine Todesfee des Grauens, die gekommen war, um die unschuldige Seele des Cyricklerikers zu fressen. "Tötet ihn!" fauchte die Furie auf dem Balkon, und kurz darauf musste Maltus hilflos mitansehen, wie die Menschen auf dem Platz sich auf ihn stürzten. Dutzende kleine Dolche blitzen im fahlen Mondlicht der Nacht auf. Die Klingen der Mystraanhänger schnitten gierig durch die Luft, um lechzend von seinem Blut zu kosten. Maltus stand da und sah in die mordlustigen Augen der Menschen, deren Dolche wie Guillotinen auf ihn zurasten. Er war unfähig, sich zu rühren und sah sein schmerzvolles Ende unweigerlich auf ihn zukommmen. Das letzte, was der Kleriker vor seinem Tod tun konnte, war ein stummes Gebet an den Einen und Einzigen zu sprechen...

...und dann wachte er plötzlich auf.
Maltus saß aufrecht in seinem Bett, keuchte wie wild und sah sich panisch um. Dampfender Schweiß stand auf seiner Stirn, kullerte nach unten bis zur Spitze seines scharfkantigen Kinns und fiel auf seinen Schoß. Der Cyrickleriker schluckte und fuhr sich mit den Händen über den Kopf. Sein Herz pochte wie wild in seiner Brust. Es brauchte einige Augenblicke, ehe er zur Ruhe kam. Mit riesiger Erleichterung ließ er sich in sein Bett zurückfallen und schlug sich dabei den Schädel an der Kante an. Der Schmerz war grauenvoll, doch Maltus war unendlich froh darüber, denn es bedeutete, dass er noch am Leben war. Er lag in seinem Bett, hielt sich den schmerzenden Kopf und begann, wie ein Irrer loszulachen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Maltus - Hass, meine größte Liebe
BeitragVerfasst: Di 27. Jul 2010, 10:46 
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Rivin, 26. Flammleite, 1379 TZ

Allein, aber stark

Einsamkeit, das zweischneidige Schwert. Sie war Maltus größte Schwäche, doch zugleich die Quelle, aus der er seine finstere Kraft schöpfte. Sie schürte die schwarzen Flammen tief in seinem Herzen, die lodernden Feuer, die ihn vorantrieben. Zuneigung, Freundschaft, Liebe. Er verabscheute diese Gefühle, doch noch mehr verabscheute er es, sich selbst danach zu sehen. Maltus hasste seine eigene geistige Schwäche und nährte mit seiner Abscheu selbstständig die lodernden Flammen tief im Innerren seines verdorbenen Herzens. Ein ewiger Teufelskreis. Es gab Momente, in denen er am liebsten ein Meer aus Tränen entfesselt hätte, weil er wieder einmal allein in seinem einfachen Bett lag und ziellos gegen die schmutzige Zimmerdecke starrte. Derweil empfand er abgrundtiefen Neid gegenüber denen, die ein Leben in trauter Zweisamkeit genossen. Notus und Alessa, Rowen und Tikali, Maron und ihr sogenannter "Seelenverwandter". Womit hatten diese erbärmlichen Existenzen es verdient, glücklich zu sein? Diese niederträchtigen Ketzer, die dem Irrsinn ihrer falschen Götter folgten. Wie konnte ihnen Liebe zuteil werden, während sie Maltus, der soviel besser war als sie alle, verwehrt blieb?

Er hatte schon desöfteren sein Bett mit einer Frau geteilt, nicht zuletzt hier in Rivin, aber natürlich wusste Maltus, dass alle Frauen hinterhältige Schlangen waren. Sie trachteten lediglich nach den Reichtümern ihrer Liebhaber und suhlten sich zugleich im Licht des Mannes an ihrer Seite. Maltus wusste es besser, er war kein blinder Narr, der leichtsinnig auf die Lockungen einer Frau hereinfiel. Für ihnen waren sie alle nur Spielzeug, mit dem man sich hin und wieder die Nächte versüßen konnte, ehe man es am nächsten morgen schleunigst loswerden sollte. Maltus liebte es zwar, mit seinen Fingern zärtlich über die weiche, warme Haut einer Frau zu gleiten, den Geruch ihres Duftes in sich aufzunehmen und den Geschmack ihrer Lippen zu kosten, aber er war trotzdem überaus vorsichtig und schickte sie stets zeitig hinfort. Wenn man sich zulange mit Frauen abgab, saugten sie sich wie Blutegel an einem fest und tranken einen leer wie gierige Vampire. Sie waren alle gleich, Maltus hatte sich davon oft genug überzeugen können. Er würde ewig warten können, bis eine Königin kam, die seiner würdig war.

Zumindest hatte er sich selbst. Maltus brauchte keine verweichlichten Gefühle wie Liebe, die eine verzerhten und lähmende Schwäche bedeuteten. Schwäche war verabscheuungswürdig. Er war stark, und er würde stärker werden, jawohl. Seine Existenz würde bald allen bewusst werden, sein Name würde durch die Welt wandern und eine Spur der Furcht hinter sich herziehen. Ganz Faerûn würde eines Tages wissen, wer er ist. Maltus, der Wachsame Schädel, Diener des Einen und Einzigen, Inquisitor der Schwarzen Sonne, Herold des Chaos, Zwietrachtbringer, Zerschmetterer der falschen Propheten und Herbeiführer der ewigen Erlösung. Sie alle würden vor ihm knien und mit angsterfülltem Blick zu ihm aufsehen. Er war es, der auf dem höchsten Thron zur Rechten Lord Cyrics Platz nehmen würde.

Einsam, aber mächtig.

Allein, aber stark.

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 Betreff des Beitrags: Re: Maltus - Hass, meine größte Liebe
BeitragVerfasst: Fr 30. Jul 2010, 09:51 
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Rivin, 29. Flammleite 1379 TZ

Nachtwanderung

Es war Mitternacht. Zeit für ein Gebet. Maltus öffnete die Augen und richtete sich auf. Neben ihm lag eine schlafende Frau. Er beobachtete eine Zeit lang, wie sich ihre Brust im langsamen Rhytmus anhob und wieder senkte. Ihr leiser Atem beruhigte ihn, aber gleichzeitig dachte Maltus auch darüber nach, ob er sie wecken und fortjagen sollte. Es wäre besser gewesen, für ihn. Und für sie? Nun, hätte Maltus sich mit den Sorgen und Problemen anderer aufladen wollen, so wäre er ein Priester Ilmaters geworden. Trotz dieser mahnenden Gedanken beschloss er, die Frau in dieser Nacht nicht fortzujagen. Im schwarzen Morast seines Verstandes begann sich ein Gespinst aus Lügen zusammen zu bauen, wie ein feines Konstrukt, dessen Bauteile sich Stück für Stück ergänzen. Maltus würde die Frau heute in all seiner Großzügigkeit in seinem Bett schlafen lassen. Ja, so war es. In Wahrheit jedoch hatte er bloß Angst vor der Einsamkeit und wollte deshalb nicht, dass sie ging. Aber wen interessierte schon die grausame Wahrheit, wenn man in einem viel erträglicheren Märchen leben konnte?

Vorsichtig (für seine Verhältnisse jedenfalls) erhob er sich aus seinem Bett und tapste barfuß zum Tisch. Mit Entsetzen stellte Maltus fest, dass dieser umgeworfen wurde und nun auf dem Kopf lag. Nicht nur das, sein ganzes Zimmer sah im Allgemeinen ziemlich verwüstet aus. Welcher Narr war für diese Schweinerei verantwortlich?

(das warst du selbst, Idiot)

Maltus schüttelte den Kopf. Unwichtig. Rasch schlüpfte der Kleriker in eine nachtschwarze Robe und schmückte seine Handgelenke wie so oft mit silbernen Armenreifen, die seine Unterwürfigkeit gegenüber dem Lügenprinzen repräsentierten. Er klaubte den Schlüssel vom Boden und verließ leise das Zimmer, ohne der Frau in seinem Bett einen letzten Blick zuzuwerfen. Er wäre gerne bei ihr geblieben, hätte sich neben sie gelegt und ihre beruhigende Nähe ausgekostet, aber er konnte sich eine solche Schwäche nicht leisten. Es gab wichtigeres im Leben als eine Frau. Maltus hatte zu dienen.

Die Gegend um das Schwerttor herum war gespentisch ruhig, beinahe wie ausgestorben. Die Landwirte lagen im Bett, die Wachhunde schliefen grunzend auf den Gehöften und die Gardisten schoben tapfer ihre Nachtschicht am Tor. Maltus folgte dem Feldweg, bis er sich nahe des Friedhofes in Sicherheit wähnte. In furchtsamer Demut fiel er auf die Knie und faltete die Hände. Über ihm leuchtete Selûnes Antlitz, doch in dieser Nacht war es für Maltus ein anderes Zeichen, das hoch oben am dunklen Himmel stand. Die Schwarze Sonne. Still und leise begann er seine Gebete.

"Mein Herr und Prinz, ich verneige mein unwürdiges Haupt in stiller Demut vor deiner allmächtigen Herrlichkeit und wage es dennoch, dich um Bruchteil deiner Kraft für den heutigen Tag zu bitten. Stärke meinen Geist mit deinen reinigenden Wahrheiten und lockere meine Zunge, damit sie die feinsten Lügen zu spinnen vermag. Verleih' mir die nötige Gerissenheit, damit ich die Ungläubigen zum giftigen Trog führen kann. Führe meine grausame Klinge, damit sie dir das Blut deiner Feinde als rechtmäßiges Opfer darbieten kann..."

Der Mond thronte am Himmel wie ein unbewegliches Bollwerk. Maltus kniete einsam in der Dunkelheit und murmelte leise seine Gebete. Der Wind wehte angenehm kühl durch sein kurzes Haar und streichelte über seine Haut. Alles um ihn herum schien ausgeblendet zu sein, doch irgendwo in den dichten Wipfeln eines Baumes starrte ein schwarzes Augenpaar auf den Kleriker herab.

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