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Ihre Magie hatte beinahe alle von ihnen erreicht, sie würden erscheinen. Sie hatte immer gehofft, diesen Tag nie erleben zu müssen an dem sie alle zusammentreten müssten um in den Kampf zu ziehen. Es war notwendig, die Drachenreiter Kaeris würden zusammentreten. Das Juwel des Nordens hatte einen Riss bekommen, der seinen makellosen Glanz jäh ermatten ließ. Nicht nur, dass Alustriel verstorben war, nach allem was sie über die Umstände erfahren hatte würde ihre Seele nicht einmal in das Reich ihrer Mutter einkehren können. Sie war fort, einfach fort. Zwei Dinge hatte sie von ihr gelernt. Alustriel war ihre Lehrerin gewesen. Gedanken an ihre Jugendzeit kehrten vor ihr geistiges Auge zurück. Eine junge Sonnenelfe stand vor Alustriel, insistierend nur von der besten Magierin unterwiesen zu werden. Lachend hatte Alustriel entgegnet, dass die beste Magierin nicht auch die beste Lehrerin sein muss. Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte waren durchs Land gezogen und sie hatte ihr gezeigt, dass sie die beste Lehrerin für sie war. Alles hatte diese Frau begleitet, begonnen bei ihren ersten Gehversuchen mit einem Lichtzauber bis jetzt. Zwar war die Zeit von Lehrstunden lange vorrüber, doch noch immer hatte Lyanalye sie um Rat aufgesucht, wenn sie dessen bedurfte. Sie wurde eine vertraute Freundin. Einmal sagte sie, dass sie jeden überzeugen könne, wenn sie eine Sonnenelfe zu überzeugen vermochte, denen man größte Sturheit nachsagte. Alustriel hätte jeden überzeugen können, wenn man ihr genügend Zeit gab. Und sie hatte von ihr gelernt, dass ein Mensch auch in Jahrhunderten nicht die Jugend verlieren würde, die er aus Ansicht einer Elfe hatte und irgendwann empfand Lyanalye sie sogar als erfrischend und begrüßte sie manches Mal gar. Sie hatten sie zerstört, doch sie würde nicht zulassen, dass sie auch ihren Traum zerstören. Diese Stadt würde nicht fallen, niemals. Sie würde später trauern, doch nun musste sie wachsam sein, gleich wie sehr der Schmerz in ihrem Herzen brannte. Dies war keine Zeit der Schwäche, der Feind hatte zum Kampf gerufen und den würde er bekommen, auf dass er sich in die letzte Ecke verkriechen möge, wo Sonne und Mond nicht mehr ihr Licht auf diese unwürdigen Kreaturen werfen würde. Die Umbral mögen zurück in die Schatten getrieben werden, aus denen sie kamen.
Mit einem letzten Blick sah sie sich noch einmal um, als hätte sie etwas vergessen, doch da war nichts, alles war vorbereitet. Sie blickte weit nach oben hinauf zu ihrem alten Freund. Das Licht der Sonne brach sich auf den silbernen Schuppen des riesigen Drachen, der es dennoch vermochte mit grenzenloser Sanftmut auf die kleine Elfe hinabzusehen. Wie eine sanfte Brise war die Stimme, mit der der Drache die elfische Sprache intonierte, makellos. „Brechen wir auf, Lya? In der Ferne bricht ein Sturm los.“ „Ja, lass uns bitte aufbrechen Namhides, ein zusammenbrauender Sturm reicht beileibe.“ Es lag schon Jahrhunderte zurück, dass es genügte, wenn er sich flach auf den Boden legte. Nunmehr erklomm die Elfe den Rücken des Drachen entlang seines langen Schweifes, den Rückenkam wie eine Treppe gebrauchend. Namhides betrachtete den Weg der Elfe mit einem Gesichtszug, den man als Lächeln deuten könnte. Als er sich vergewissert hatte, dass sie sicher auf seinem Rücken Platz genommen hatte, erhob er seinen massiven Leib und setzte sich in Bewegung, zunächst einige Schritte gehend, dann schneller werdend um sich aus dem Sprint heraus mit einem mächtigen Satz in die Luft zu erheben, die meterlangen Schwingen ausbreitend. Einige Menschen in einem nahegelegenen Gehöft starrten entsetzt hinauf, als ein dunkler Schatten die Sonne verdeckte und flohen in ihre Häuser, bis Namhides hoch genug aufgestiegen war um für das bloße Auge nicht mehr sichtbar zu sein, dem Grat der Welt entgegenfliegend.
_________________ You know why I never loose at chess? I have a secret move - I knock over the board! - The Doctor Portraits für Fira, Faeanshalee, Talyth und Sonata
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