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Risais Geschichte - Prolog, der zugleich ein Epilog ist
… Risais Rechte umfasste den Speer, der noch immer neben ihr in den Boden gerammt aufrecht stand und bisher alles überstanden hatte. Unter endlosen Schmerzen im ganzen Körper zog sie sich langsam an ihm noch einmal empor. Der Staub der Explosion hatte alles um sie herum bedeckt und sie schmeckte ihn vermengt mit ihrem Blut im Mund. Wankend richtete sie sich mit Hilfe des Speer vollends auf.
Ihr linkes Auge blieb weiterhin blind und aus ihrem linken Arm blickte ein Teil des Unterarmknochens hervor. Aber der Schmerz schien ihr wie aus weiter Ferne zu kommen, er war da, übermannte sie jedoch nicht mehr.
So also fühlt man sich in der Stunde, da die Geistseele sich vom Körper löst, wenn die Lebensseele schwächer wird und die Empfindung für den Schmerz mit ihr.
Risai spuckte einen Ballen Speicher, Blut, Staub und zwei weitere ihrer Zähne aus, dann versuchte zu erkennen, was vor ihr am Passende geschah. Alles war undeutlich, wie von einem roten Schleier überzogen. Da merkte sie endlich, das ihr Blut über ihr Gesicht rann und blinzelte es zumindest aus dem ihr verbleibenden rechten Auge.
Der fauchende Wind hatte den Staub nun soweit verteilt, dass Risai sehen konnte, was auf die zukam. Umdrehen hätte sie nicht mehr geschafft, sie wusste auch so das die Sprengung erfolgreich gewesen war.
Dort kamen sie, rannten in den schmalen Pass. Brüllende Orks und noch grässlichere ihrer Art, riesigen Trolle und die großen Tierbestien, die sie gezüchtet haben mussten für diesen Krieg. Und mitten darin der Kriegshetzer, den sie Lord Kassar gerufen hatten und der es war, der den Drachen auf sie alle losgelassen hatte. Die Hufe seines Pferdes und seiner berittenen Söldner an seiner Seite ließen Funken aus dem Fels sprühen und um seine erhobene Klinge tanzten dunkel-lila Streifen astraler Macht.
Risai stand -kaum noch fähig dazu- im Pass vor der Blockade. Ihre Mitstreiter lagen gefallen oder sterbend zu ihren Füßen: die Elfenkrieger, der Halbork und der Zwerg.
Und als sie die anstürmenden Feinde sah ….. lachte sie.
Sie hatten eine Armee an Orks, Trollen und grässlicheren Kreaturen gegen sie gesandt.
Sie hatten sie mit feurigen Geschossen sturmreif geschossen.
Sie hatten am Ende sogar einen verdammten Drachen gegen sie in die Schlacht geworfen.
Und doch stand sie hier und lebte noch …. noch …
Ihre Rechte packte den Schaft des Speer so fest, dass ihre Knöchel weißlich hervortraten. Die zerfetzte Flagge Rivins daran war kaum als solche noch zu erkennen, aber sie war noch da … und Risai, einst General der Drachenarmee des Kaisers, würde diese Flagge in ihrem Leben nicht mehr loslassen.
Das Brüllen der Feinde, das Donnern der Hufe erreichte sie.
„…. mehr habt ihr nicht? ...
…. IST DAS ALLES!!!!! …..“
…
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