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Das Dunkel zwischen den Bäumen war beinahe vollkommen. Der silbrige Schein des Mondes konnte nur an wenigen Stellen das dichte Blätterdach durchdringen und den laubbedeckten Boden in eine fahle bleiche Helligkeit tauchen. Die Gestalt, die bewegungslos zwischen den uralten riesen verharrte wäre kaum zu erkennen gewesen, wäre da nicht das geisterhafte Licht gewesen, dass die Spitze des langen Stabes umspielte, auf den sie sich stützte. Unter der weiten Kapuze war ein bläuliches Schimmern zu erkennen, die Augen des Wesens.
Mit einem tiefen Atemzug durchbrach der Elf seine Bewegungslosigkeit. Die Kapuze schob sich etwas hoch, so dass man die kantigen Gesichtszüge im Lichte des Stabes hätte erkennen können, wenn denn jemand zugegen gewesen wäre, ausser einer einsamen Eule, die die Gestalt schon seit einer Weile beobachtete. Der Elf hob den Blick zur Eule und musterte sie nun seinerseits eine Weile. Fast schien es, als ob zwischen den Beiden eine Art stummen Gespräches stattfinden würde.
„Ich gehöre nicht hier her mein Freund“, die leise Stimme des Elfen war kaum mehr als ein Flüstern im Wind, „nicht mehr.“ „Schuhuuu…“, es war als wollte die Eule auf ihre Art antworten. „Einst, vor langer Zeit, da war dies meine Heimat, doch auch an mir geht der Fluss der Jahre nicht ohne Spuren vorbei“, ein schmunzeln huschte über die asketischen Züge, „Nun jedenfalls dreht sich das Rad auch ohne mich weiter, selbst wenn ich mich seinem Lauf nicht mehr anschließe.“ Der Elf stellte seine Stab vor sich auf dem Boden ab, lehnte sich den oberen Teil gegen die Halsbeuge und stützte sich mit beiden Händen auf der Mitte ab. Auch ohne den Schatten der Kapuze war ein leichtes glimmen um seine Augen zu sehen. „Weißt du mein Freund, die Schatten sind zu meinen Freunden geworden und diese Welt ist nicht mehr das, was sie einst für mich war“, er löste eine Hand und zog sich die Kapuze wieder tiefer ins Gesicht. Sein Blick löste sich von der Eule und wanderte langsam durch den Wald, bis er schließlich an den schimmernden Lichtern der Stadt hängen blieb.
„Ich erinnere mich“, seine Stimme wirkte abwesend, distanziert und leise, „dies dort war nicht mein Leben, aber dennoch freut es mich zu sehen, dass die Stadt noch steht.“
Mit einem Lächeln auf den verborgenen Zügen wandte er sich wieder ab und schritt langsam in den dunklen Wald.
„Einst habe ich auch über euch gewacht, doch meine Zeit als Wächter liegt in den Schatten verborgen.“
Eine kleine Lichtung tat sich vor ihm auf, durchflutet von silbernem Mondlicht. Der Elf trat aus den Schatten, doch die kalten Strahlen schienen keinen Halt an ihm zu finden. Es schien, als würden sie von dem dunklen Mantel abgleiten, als würde der Mantel über einen eigenen Willen verfügen und versuchen seinen Träger weiter in die schützenden Schatten des Waldes zu hüllen.
In der Mitte der Lichtung blieb der Elf stehen und richtete seinen Blick nach oben, zum Mond. Seine Kapuze fiel dabei zurück und enthüllte lange silberne Haare.
„Ich habe nicht viel Zeit in dieser Welt, und selbst diese ist nur geliehen“, sein Blick senkte sich wieder und seine Augen suchten den Rand der Lichtung ab bis sie an einem besonders alten Baum haften blieben.
„Die Bilder erscheinen mir so unwirklich und fern“, er stützte sich wieder auf seinem Stab ab, „manchmal glaube ich dieses Leben war nur ein Traum, doch wer kann schon sagen was Traum und was die Realität ist?“
„Ich erinnere Mich an einen alten Turm, an eine Stadt in den Bäumen. An einen verzauberten Wald … und doch verblassen all diese Bilder in den Schatten.“
Seine Augen schienen eine Weile den Fokus zu verlieren, als würden sie in eine andere Welt blicken.
„Die andere Seite ruft mich … viel Zeit bleibt mir nicht … und doch … wundere ich mich ob die Gestalten meiner Träume noch existieren und doch wundere ich mich, ob das Werk, dass ich auf dieser Seite getan habe zu etwas gut war.“
So stand die Gestalt auf der Lichtung, auf den Stecken gestützt und im silbernen Licht des Mondes, das sein Haar wie flüssiges Silber erscheinen ließ.
Wer genau hinsah, würde vielleicht bemerken, dass sein Körper auf eine schwer zu fassende Art unwirklich erschien. Fast als wären die Schatten, die die Falten seines Umhanges bildeten das Reale und das, was das Auge im Licht erkennen konnte das Trugbild.
Dennoch, wer ihn einst kannte würde die Gestalt wiedererkennen, er würde sie erkennen als Sirion Arrilar, so wie ihn seine Freunde kannten, bevor er zu einem der mächtigsten Magier wurde und bevor er zu dem wurde was er jetzt war … ein Schatten seiner selbst.
„Ob noch jemand von den alten Gefährten hier ist?“ der Blick seiner schimmernden Augen verlor sich in der Ferne.
[Bitte seht die Geschichte als ein wenig Off-RP an *g* es freut mich, dass Rivin immer noch existiert – es ist ja wirklich schon eine ganze Weile her … vielleicht erinnert sich ja noch jemand an Sirion. Ich hoffe die kleine Geschichte stört niemanden *schmunzelt*]
_________________ Aa maen'lle naien chas I'nauva calen ent arlina
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