Status: Online
Direktverbindung: rivin.de:5121
(Spielerliste:) 0 /42

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 7 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: [HGK-Prolog] Seelentöter - Wenn Engel bluten
BeitragVerfasst: Sa 31. Mai 2008, 16:39 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: So 9. Sep 2007, 10:39
Beiträge: 1449
"Ich bin der Geist, der stets verneint und das mit Recht,
denn alles was entsteht ist wert, dass es zugrunde geht.
Drum besser wär's, wenn nichts entstünde,
so ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung,
kurz das Böse nennt - mein eigentliches Element."

~Mephistopheles aus Goethes Faust~

_________________
"Bist du ein selbst ernannter Superheld? Exzellent. Dann landest du jetzt im Konzentrationslager, wo du sterilisiert, sediert, programmiert und pasteurisiert wirst! So spricht Präsident Kobold.

...Das klingt mehr Richtung Doktor Doom, was?"

Dark Reign - die dunkle Herrschaft beginnt!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: [HGK-Prolog] Seelentöter - Wenn Engel bluten
BeitragVerfasst: Sa 31. Mai 2008, 16:43 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: So 9. Sep 2007, 10:39
Beiträge: 1449
Seelentöter - Wenn Engel bluten...

Die Lider schlossen sich über dunkelblaue Augen. Ihre Hände streckte sie in beiden Richtungen von sich, während ihre beiden Knappen die Riemen der Rüstung festzurrten. Goldener Stahl bedeckte beinahe ihren gesamten Körper, das verletzliche, menschliche Fleisch darunter schützend. Das Anlegen des schweren Harnisch war für sie wie eine einstudierte Zeremonie. Darum überließ sie diese Arbeit ihren Dienern und nutze diese letzten Augenblicke des Friedens um in sich zu gehen. Ihre beiden Knappen wussten um diesen Umstand und schwiegen, darum bemüht es so leise wie möglich geschehen zu lassen. Es war die Rüstung für den Kampf. Nicht die für öffentliche Auftritte oder für das Training. Ein Kampf stand bevor und Leben würden enden. Ihr war bewusst auch ihr Leben konnte vergehen. Sie hing nicht dem Irrglauben nach, eines Tages als weises Großmütterchen in ihrem Bett zu sterben. Sie war für den Kampf geboren. Und sie würde im Kampf sterben, durch die Klinge eines finsteren Streiter oder den flammenden Feuerball eines irren Magiers. Dieser Gedanke erfüllte sie schon lange nicht mehr mit Furcht. Es ist unnötig sich für etwas zu fürchten, das mit Gewissheit eintreffen wird. Der Tod ist unausweichlich. Daher empfand sie Respekt vor dem Tod, doch keine Furcht. Sie ging nicht in sich um sich darüber Gedanken zu machen. Statt dessen ließ ihr Geist noch einmal die Szene ablaufen, die den Grund für den heutigen Kampf darstellt.

Es waren die dunklen, tiefen Kerker im Gefängnis von Niewinter. Hier unten roch es nach Schweiß und Blut. Das Wehklagen der Gefangenen erfüllte die Zellentrakte wie ein Chor der Verdammten. Ausgestoßene am Rande der Gesellschaft. Menschliche Monstren die man hier unten eingepfercht hatte um die Welt da draußen vor ihnen zu schützen. Keine Schmuggler oder Taschendiebe. Mörder und Vergewaltiger, Raubtiere die auf ihre Hinrichtung warteten. Sie hatte es noch nie geschafft, ungerührt durch solche Gänge zu gehen. Was brachte menschliche Wesen dazu, ihr eigenes Leben und das anderer zu zerstören? Wieso machen sich Menschen gegenseitig kaputt? Ist dies die Natur der menschlichen Rasse? Kann es überhaupt irgendwann eine Zukunft geben, in der das aufhört? Eine Welt in der es solche Menschen nicht gibt und in der man Menschen wie sie selbst einer war nicht mehr brauchen würde? Seit ihrem vierzehnten Lebensjahr hatte sie einen heiligen Eid geleistet. Das Böse zu bekämpfen ohne sich selbst davon verschlingen zu lassen. Tod und Schmerzen fürchtete sie nicht. Was sie fürchtete war, eines Tages die Hoffnung zu verlieren und selbst zu dem zu werden das sie bekämpfen wollte. In Situationen wie jetzt wurde ihr jedoch immer vor Augen geführt, das man nicht alle Menschen retten konnte. Diese Gewissheit verletzte sie mehr als jeder Schwertstoß, der in durch die Rüstung ihren Körper eindringen konnte.

Sie schluckte einen Kloß in ihrem Hals hinunter und zwang sich weiter zu gehen, den Blick geradeaus gerichtet. Es war ihr nicht erlaubt, Schwäche oder Zweifel zu zeigen. Sie musste ein Vorbild sein. Ein strahlendes Licht, ohne Trübung. Damit die Menschen hoffen konnten. Eine hölzerne Kerkertüre wurde vor ihr aufgestoßen. Der widerliche, zwergische Kerkermeister zuckte mit dem Lid seines gesunden Auges und begrüßte sie mit einem scheußlichen Lächeln. Dabei rieb er sich die Hände, die von blutbesudelten Handschuhen bedeckt waren. Er versuchte sich an einer buckligen Verneigung. Ohne ihn länger als zwei Herzschläge lang anzusehen oder die Begrüßung zu erwidern machte sie eine befehlende Handbewegung. Ihr missfiel was in diesem Kerkertrakt täglich geschah. Daher bemühte sie sich nicht, ihre Verachtung zu verbergen. Innerlich standen ihr unsichtbare Tränen in den Augen. Sie liebte alle, alle Menschen. Auch die Tiere unter ihnen. Ihre Hand wanderte an den Griff der Klinge, die an ihrem Gürtel befestigt war. Sie registrierte das in dem zwergischen Kerkermeister Furcht erwachte. Es erfüllte sie nicht mit Befriedung. Aber es war ihr Wunsch, dass auch der Zwerg erkannte das er nicht unsterblich war und sich eines Tages für alles rechtfertigen werden müsse. Nicht vor einem menschlichen Gericht, doch vor einem höheren. Niemand entgeht der Gerechtigkeit. Sie ist unausweichlich wie der Tod. Der Zwerg hatte verstanden. Er deutete mit seiner nun zitternden Hand zu dem Tisch in der Mitte des Raumes. Auf dem Stuhl davor sass ein gepeinigter Mann, angekettet und in Kerkerlumpen gekleidet. Sie verbargen seinen Körper und die Spuren der Folter kaum. Schmutziges, schwarzes Haar hing ihm ins Gesicht. Sein Blick war gesenkt, in seinen Augen standen Tränen. Die Hände waren gebrochen und er bemühte sich vergeblich sie zum Gebet zu falten. Mit erstickter, heiserer Stimme wiederholte er voller Verzweiflung immer wieder diesselben Worte in denen er die Götter um Vergebung bat.

Als er hörte wie sich ihre Schritte näherten sprang er vom Stuhl auf, durch die Ketten und seine Verwundungen stürzte er zu Boden. Doch er bemühte sich nicht darum, wieder aufzustehen. Statt dessen kniete er nieder zu tief er nur konnte, sein Kopf berührte den schmutzigen Kerkerboden. Er wagte es nicht aufzusehen. Dieser Mann hatte sich mit seinem Tod bereits abgefunden. Doch er hatte eine Schuld auf sich geladen für die ihn danach noch etwas wesentlich Schlimmeres drohen würde. Er wollte jedoch Niemandem sagen was für eine Schuld dies neben seinen anderen Taten war. Sie kannte diesen Mann. Vor zwanzig Jahren hatte sie ihn wegen eines grausamen Verbrechens gestellt. Damals hatte sie ihm Gnade gewährt und ihn laufen lassen. Auf das er Reue zeige und umkehre von seinem Pfad. Aber offenbar hat er den Versuchungen nicht widerstehen können. Normalerweise würde sie trotzdem nicht persönlich kommen, es war ein sehr weiter Weg bis hierher gewesen. Da morgen jedoch seine Hinrichtung bevor stand hatte er einen letzten Wunsch äußern dürfen. Und jener Wunsch bestand darin, dass er diese eine schreckliche Schuld die er auf sich geladen hatte gestehen wollte. Doch nur ihr gegenüber, sie sei der einzige Mensch dem er vertraue. Die Verzweiflung in seiner schluchzenden, gebrochenen Stimme überraschte und berührte sie. Für einen Augenblick lang vergaß sie sogar ihre emotionskalte Maske aufrecht zu erhalten und ging vor ihm in die Hocke, in ihrem Blick stand Mitgefühl. Dann spürte sie einen kalten Stich in ihrem Herzen und Übelkeit stieg in ihr auf, ihre Augen huschten alamiert umher. Die Dunkelheit der Schatten in dem Raum war nicht normal. Etwas Böses war hier, etwas absolut Böses. Vor ihrer Gegenwart jedoch floh es und zog sich in die dunklen Ecken des Raumes zurück. Die tränenerstickte Stimme des Mannes vor ihr am Boden zog ihre Aufmerksamkeit wieder zu jenem.

"Ihr seid gekommen.. Ihr seid wirklich gekommen.. ich habe nächtelang dafür gebetet.. Alle Götter und alle Teufel und Dämonen darum angefleht, dass ihr kommen möget.. Und nun seid ihr hier.. Mögen die Götter gepriesen sein, ihr seid hier.."

Er hob den Blick und was sie darin sah war Wahnsinn und Verzweiflung. Eine Verzweiflung, wie sie ihr noch nie begegnet war in all den Jahren. Seine Stimme war inzwischen kaum mehr als ein schmerzerfülltes Flüstern.

"Es tut mir so leid.. es tut mir so leid.. Ich schwöre bei allen Göttern.. bei allen Göttern die es gibt.. ich wusste nicht, was sie vorhaben.. Ich wusste es nicht! Ihr müsst mir glauben! Bitte sagt Torm, dass ich es nicht wusste.. ihr müsst es ihm sagen.. bitte s..sagt.. ihm... er soll.. mir.. helfen.."

Seine Stimme brach ab und er weinte nur noch wie ein Kind, das hilflos seine Eltern um Hilfe vor etwas bittet gegen das es machtlos ist. Sie schluckte einen neuerlichen Kloß in ihrem Hals herunter und zog ihren Handschuh aus. Küsste sanft ihre Finger und strich damit über seinen bebenden Körper, ein ehrfürchtiges Gebet intonierend. Der Zwerg im Hintergrund riss überrascht die Augen auf als der gepeinigte Körper des Mannes von einer heiligen Kraft erfüllt wurde. All seine Wunden schlossen sich und verheilten innerhalb weniger Augenblicke. Licht und Wärme breitete sich aus, die Schatten in den Ecken zuckten und schrieen tonlos auf. Kraftvoll und tröstend legte sie ihre Hände auf seine Schultern und befahl ihm den Kopf zu heben. Er kam dem Befehl nach. Zum ersten Mal sprach sie und ihre Stimme klang zwar hart, doch auch Ehrfurcht gebietend.

"Sieh mir in die Augen. Wo ich bin, da ist auch mein Herr. Und wo mein Herr ist, kann nichts Böses bestehen bleiben. Er ist in der Finsternis das Licht, das nie erlischen wird. Folge diesem Licht und es wird dir an nichts mangeln. Ich bete für dich, Sünder.. Jetzt und in der Stunde deines Todes. Höre auf zu weinen, deine Tränen werde ich abwischen. Und dann setze dich wieder auf jenen Stuhl dort - denn du wolltest beichten."



~Storyteil I, verfasst von Lady of Pain~

_________________
"Bist du ein selbst ernannter Superheld? Exzellent. Dann landest du jetzt im Konzentrationslager, wo du sterilisiert, sediert, programmiert und pasteurisiert wirst! So spricht Präsident Kobold.

...Das klingt mehr Richtung Doktor Doom, was?"

Dark Reign - die dunkle Herrschaft beginnt!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: [HGK-Prolog] Seelentöter - Wenn Engel bluten
BeitragVerfasst: So 1. Jun 2008, 00:18 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: So 9. Sep 2007, 10:39
Beiträge: 1449
In Schädelhafen spielte die Tageszeit keine Rolle, denn der dunkle Zwilling Tiefwassers würde nie das Sonnenlicht sehen. Die unterirdische Stadt stellte eine Heimat da für alle die das Licht scheuen. Wörtlich und symbolisch. Sie spürte das Verlangen sich zu übergeben. Acht Männer flankierten sie, als geordnete Einheit marschierte die Gruppe durch die finsteren Gassen der Stadt des Bösen. Wie sie selbst waren auch die Männer in lange, graue Mäntel gehüllt an deren Schultern ein kieferloser, weißer Schädel prangte. Sie hatten die Mäntel eng um sich geschlungen, die Rüstungen darunter für das Auge verbergend. Nicht für das Ohr, denn das metallische Scheppern war bei jedem Schritt gut hörbar. Eine Kapuze verbarg die Köpfe und ihr Schatten verhüllte die oberen Partien der Gesichter. Die übrigen Bewohner und Gäste der unterirdischen Stadt gingen den Graumänteln aus dem Weg. Zielstrebig betrat die neunköpfige Gruppe eine heruntergekommene Taverne. Die Gespräche verstummten allesamt sofort. Auch die Gesellen hier unten fürchteten die Grauen Schädelmäntel, die als militante und äußerst grausame Zelle der Kirche Cyrics galt. Der Wirt trat einen Schritt von seinem Tresen zurück. Eine verhüllte Gestalt in einer Ecke der Taverne erhob sich und eilte durch eine unscheinbare Türe in ein Hinterzimmer. Die Frau welche diese Gruppe anzuführen schien ging mit langsamen, weit ausholenden Schritten fast majestätisch auf den Wirt zu. Ihre Hände waren unter dem Mantel verborgen, der fast ihren ganzen Körper verbarg. Die Stimme der Frau war kalt, hart und befehlend - keinen Widerspruch duldend.
"Wir wollen zu Golgath."
Auf der Stirn des Wirtes bildeten sich Schweißperlen. Er hatte viel von dieser Gruppe gehört und gebetet, ihnen niemals begegnen zu müssen. Kaltblütige und grausame Mörder, die stets nur darauf warteten, dass ihnen einer einen Grund gab ihm etwas furchtbares anzutun. Und allein sein Zögern konnten sie schon als solch einen Grund auslegen. Schnell deutete er nach dem Überwinken der panikartigen Lähmung zu einer unscheinbaren Türe an der Seite. Die Frau blickte ihn noch einige, viel zu lange Atemzüge lang an. Dann folgte sie seinem Deut und trat ohne ein weiteres Wort oder eine Geste auf die Türe zu. Es war jene Türe durch die zuvor der verhüllte Mann aus dem Raum geflohen war. Die Männer schlossen sich ihr in militärisch geordneter und disziplinierter Weise an. Als eingespielte Einheit behielt jeder von ihnen einen anderen Teil des Raumes und der Gäste im Auge. Die Frau blieb vor der Türe stehen. Ohne das ein Wort nötig war löste sich einer der Männer aus der Einheit und öffnete diese für seine Anführerin. Sie war nicht verschlossen gewesen. Die Gäste und auch der Wirt atmeten erleichtert auf nachdem die Gruppe durch die Türe in den hinteren Bereich der Taverne verschwunden war. Dort war Golgaths Reich und den Wirt ging nicht weiter an was hinter dieser Türe geschah. Er wollte es auch gar nicht wissen, wenn er ehrlich war.

Der Gang hinter der Türe führte die neunköpfige Gruppe nach ein paar Biegungen in eine große Lagerhalle. Nur ein paar Dutzend Fackeln sorgten hier für ein mattes Licht. Zahlreiche Kisten standen an den grauen Wänden, mehrere Türen führten von hier aus weiter. Ein aus drei Leuten bestehendes Empfangskomitee stand etwas zögerlich und verunsichert bereit. Bewaffnete Söldner, die den neun Graumänteln entgegen blickten. Dann endlich kam Golgath aus einer der Türen heraus, etwas abgehetzt wirkend. Ein schmächtiger, glatzköpfiger Mann mit sandfarbener Haut, gekleidet in eine kostbar aussehende Robe. Sie war in schwarzen und violetten Farben gehalten. Er begrüßte die Graumäntel mit ein paar falschfreundlichen Worten und einem aufgesetzten Lächeln, doch seine Augen verrieten Verärgerung.
"Ah.. unsere geschätzten und wertvollen Verbündeten.. lasset mich euch in meinem bescheidenen Heim willkommen heißen."
Golgath deutete eine leichte Neigung seines Hauptes an. Die Frau wendete sich ihm zu und erwiderte seine Worte lediglich durch ein stummes Nicken. Dann sprach Golgath weiter, doch seine Stimme begann ein wenig kühler zu werden. Auch bemühte er sich nicht mehr, seinen Ärger zu verbergen.
"Ihr.. müsst aber verstehen, dass ich ein wenig.. überrascht bin. Wir hatten ausgemacht uns niemals persönlich zu treffen, ihr wisst doch wie riskant das ist. Die Harfner und die Fürsten Tiefwassers haben ihre Agenten in Schädelhafen.. und durch euer Auftauchen wurde nun mit Sicherheit ihre Aufmerksamkeit auf mein Versteck gerichtet. Ich erwarte also eine Erklärung. Denkt nicht, dass ich euch nicht respektieren würde. Aber ich verlange auch, dass meine Geschäftspartner sich an Abmachungen halten."
Auch dieses Mal war die Antwort der Frau lediglich ein tonloses Nicken. Golgath begann langsam sichtlich zornig zu werden. Dann jedoch schien ihm etwas aufzufallen.
"Augenblick.. wo ist mein guter Freund Hassan, der sonst eure Delegation anführt? Warum seid ihr hier? Und.."
Nun runzelte er irritiert die Stirn.
"..woher wusstet ihr überhaupt wo mein Versteck ist? Ich kann mich nicht entsinnen, es eurer Gruppe gegenüber je erwähnt zu haben?"

Die Mundwinkel der Frau zogen sich geringfügig nach oben. Ein Lächeln? Das scheppernde Geräusch der unter ihrem Mantel verborgenen Rüstung begleitete ihre Schritte als sie auf den glatzköpfigen Magier zuging um kurz vor ihm zum Stehen zu kommen. Das Scheppern weiterer Rüstungen kündete davon das ihre acht Männer sich ebenfalls bewegten, in ihre Positionen begaben. Die harte und fanatisch klingende Stimme der Frau erweckte in Golgath eine leichte Verunsicherung.
"Mein Gott verbietet mir zu lügen, also will ich offen sein, Golgath."
Des Magiers Augen verengten sich. Die Frau streifte ihre Kapuze zurück, doch die Hände blieben dabei unter den langen Mantelärmeln verborgen. Dunkelbraunes Haar kam dabei zum Vorschein. Darunter ein hellhäutiges Gesicht mit ansehlichen, doch harten und unnachgiebigen Zügen. Zwei dunkelblaue Augen sahen Golgath voller Verachtung entgegen.
"Die eigentlichen Besitzer dieser unwürdigen Mäntel haben wir umgebracht. Obgleich es mir missfällt muss ich zugeben, dass sie nützlich waren. Wir kamen unbehelligt durch diese verseuchte Stadt bis in dein Versteck."
Sie schlüpfte aus den Ärmeln, der Mantel glitt zu Boden. Das Symbol Torms war an den Panzerhandschuhen der Frau zu erkennen als ihre Hand sich zum Griff ihres Langschwerts bewegte. Der Anblick dieses Zeichens ließ Golgath einen kalten Schauer über den Rücken laufen.
"Wir kannten es, da einer der Euren sich mir am Abend vor seiner Hinrichtung anvertraute. Er ließ mich auch wissen, was ihr vorhabt. Und um die noch offene Frage zu beantworten..."
Acht weitere Mäntel fielen zu Boden, neun Schwerter fuhren zeitgleich wie in einer einstudierten Symphonie aus ihren Scheiden.
"...ich bin hier um Euch zu töten."

Der Magier sprang zurück, hob beide Hände und bewegte die Lippen um zu einem Zauber anzusetzen. Die Klinge der Frau war schneller. Noch bevor Golgath die Möglichkeit hatte zu begreifen, dass er verloren war sank er zu Boden. Eine Fontäne roten Blutes sprudelte aus seinem Körper der mit einem Hieb in zwei Hälften zerteilt worden war. Beide Söldner zogen ihre Waffen. Im Hintergrund hörte man einen Schrei der um Verstärkung bat und einen Ruf nach Alarm. Vom Schwert eines anderen Tormiten durchbohrt starb der erste der beiden Söldner. Der zweite wich zurück. Angesichts der Übermacht kam mit bittender Stimme eine Frage über seine Lippen.
"Lasst ihr mich am Leben, wenn ich mich ergebe?"
Die Frau trat an der Leiche des Magiers vorbei. Sie wusste was diese Leute getan hatten und was sie ihr Vorhaben gewesen war. Ihr Gott verbot ihr zu lügen. So war ihre Antwort offen und ehrlich.
"Nein."
Wieder stieg Übelkeit in ihr auf. Diese Menschen hier waren nicht mehr zu retten gewesen. Sie hatten sich auf etwas eingelassen, das sich durch Nichts entschuldigen oder rechtfertigen lässt. Ihr Vorhaben war ein Affront gegen die Götter selbst. Eine Stufe der Bösartigkeit bei der die einzige Gnade die sie noch zu erwarten haben ein schneller Tod ist. Sollen sie im Jenseits bei ihren Göttern um Vergebung hoffen. Sie, die beinahe alles verzeihen konnte würde ihnen keine Gnade und kein Mitleid entgegen bringen. Sie haben die moralische Grenze überschritten die Menschen von Monstern trennt. So sah sie keine Veranlassung mehr in diesen Leuten noch etwas anderes zu sehen. Bestien, die vernichtet werden müssen. Dennoch fiel es ihr schwer. Heute Abend würde sie sich selbst geißeln und ihren Herrn um Vergebung bitten. Wenn sie überlebt. Jetzt jedoch war keine Zeit für Zweifel. Im Krieg bedeutet ein Zögern den Tod. Und das hier war ein Krieg im Verborgenen. Gegen die finsteren Pläne einer Macht, die alles Leben zerstören will. Der Söldner ging sterbend zu Boden. Schritte weiterer Männer hallten durch den Raum. Klingen wurden gezogen, Bolzen wurden eingelegt. Der Feind machte sich daran die neunköpfige Tormitengruppe zu vernichten, die in sein Heiligtum eingedrungen waren. Aber diese Schlacht war für ihn verloren. Sie hatte den Angriff gut geplant und alle möglichen Züge des Gegners in Betracht gezogen. Ein Feind nach dem anderen fiel unter den Klingen der Tormiten. Dies hier war keine Herausforderung. Nur Marionetten eines Feindes, der sich noch nicht zeigen wird. Die Tormiten kämpften sich durch das Versteck. Zwei ihrer Männer fielen, doch hinter ihnen lagen mehr als zwei Dutzend erschlagener Gegner. Dann erreichten sie den Schwarzen Raum. So der Feind noch einen Trumpf hatte, würde er ihn nun ausspielen müssen.

Schwer atmend ließ sie ihr Schwert sinken. Ein bitterer Geschmack lag auf ihrer Zunge. Seit der Beichte des Mannes im Kerker von Niewinter bekam sie ihn nicht mehr los. Der Schwarze Raum war in tiefe Dunkelheit gehüllt. Ein kurzes Gebet ließ magisches Licht erscheinen, dass die Finsternis in die Ecken zurück drängte. Die Wände und die Decke des Schwarzen Raumes waren, wie der Name bereits vermuten ließ, aus schwarzem Stein. Aus normalem Holz der Boden. Unzählige Bücher und Schriftrollen befanden sich in Regalen aus dunklem Eichenholz. In anderen waren Gefäße und Reagenzgläser mit unbestimmbaren Inhalten. Auf mehreren Tischen köchelten alchemistische Substanzen unter schwarzen und violetten Flammen vor sich hin. Von den merkwürdigen Flammen selbst ging jedoch kein Licht aus, vielmehr schienen sie es zu verschlingen. Dazwischen überall verstreut Pergamente mit Aufzeichnungen und verständnislosen Formeln in allen möglichen Sprachen. Eine große Kiste mit Verziehrungen stand an der Wand nahe der Stahltür die in den nächsten Raum führte. Das hier also war das Herzstück des Verstecks, der Schwarze Raum. Ein Labor in dem Abtrünnige der Roten Magier wie Golgath gemeinsam mit anderen Wahnsinnigen und mit Hilfe des Feindes ihre Waffe entwickelten. Sie nahm eine Bewegung in den Schatten war. Es war ähnlich wie das damals im Kerker von Niewinter. Ein flüchtiges Lächeln huschte über ihr Gesicht. Der Feind war hier, nun galt es schnell zu handeln. Sie führte die Klinge in die Scheide zurück und schloss die Augen, sich konzentrierend. Ihre Männer verteilten sich im Raum, die Waffen bereithaltend. Sie breitete ihre Arme aus während die heilige Kraft ihren Körper durchflutete und in helles Licht tauchten.
"Torm ist mein Hirte, es wird mir an Nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser. Er erquicket meine Seele und führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, ich fürchte kein Unglück, denn er ist bei mir. Sein Schwert und sein Schild schützen mich. Er bereitet mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Er salbet mein Haupt mit Öl und schenkt mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen und ich will sein im Haus der Triade für immer."
Sie öffnete ein Auge als ihre Ohren das Geräusch einer Bewegung wahrnahmen und fügte grimmig hinzu:
"Und DU kommst hier nicht mehr raus."
Eine Energiewelle aus Licht jagte mit ihr als Mittelpunkt durch den Raum und breitete sich explosionsartig aus. Goldene Schriftzeichen und das Zeichen Torms leuchteten an den Wänden und der Decke auf. Der Raum wurde in Licht getaucht und die Schatten regelrecht fortgefegt. Eine schwarzgekleidete Gestalt sprang aus einem der sich auflösenden Schatten heraus und gab ein fremdartiges Geräusch von sich, das sich wie ein Kreischen anhörte. Mit dem Arm versuchte die Gestalt ihr Gesicht zu bedecken und begann sich schmerzhaft zitternd zu konzentrieren. Es wurde aus seiner Konzentration gerissen als die Tormiten ihr Schwert wieder aus der Scheide gleiten ließ.
"Deine Kräfte wirken hier nicht mehr. Dafür sorgt die Macht meines Herrn. Du hättest vorher fliehen sollen, doch dann hättest du natürlich das Labor zur Fertigung eurer Waffe aufgeben müssen. Es war ungeschickt, das in Schädelhafen zu tun."

Die Tormitin wurde in ihrem Triumph jäh unterbrochen und stöhnte schmerzhaft auf, dann ging sie zu Boden. Die übrigen Tormiten gerieten in Bewegung doch zwei von ihnen starben in der nächsten Sekunde durch die Klinge des Wesens. Mit zusammengebissenen Zähnen griff sie an ihre linke Seite, aus der das Blut herauslief. Der Schnitt war sehr tief und der Schmerz überwältigend, vermutlich war die Niere erwischt worden. Einen Augenblick lang wurde es ihr schwarz vor Augen. Nur mit Mühe konnte sie dagegen ankämpfen. Diese Gestalt war schneller als gedacht, seine Klinge war durch ihre Rüstung gedrungen noch bevor sie überhaupt die Bewegung wahrgenommen hatte. Leise sprach sie mit bebenden Lippen ein Gebet, durch das die Wunde sich wieder schloss. Noch bevor sie vollständig verheilt war zwang die Tormitin sich dazu, wieder aufzustehen. Sie durften nicht verlieren. Ein Dritter starb mit durchgeschnittener Kehle. Die Gestalt hatte sich Platz verschafft und war nun zum stehen gekommen, setzte zu einem Zauber an. Das war ein Fehler. Doch das Wesen hatte nicht damit gerechnet, dass die Tormitin sich so schnell erholen würde. Jeder normale Mensch hätte durch den Schmerz das Bewusstsein verloren und wäre dann verblutet. Das Wesen erkannte den Fehler zu spät. Die Klinge der Tormitin bohrte sich durch den Bereich seines Körpers an dem bei einem Menschen der rechte Lungenflügel wäre. Als das Wesen seinen Versuch eines Zaubers abbrach um statt dessen röchelnd in die Knie zu sinken war bewiesen, dass seine Anatomie ähnlich wie die eines Menschen sein musste. Ein Hieb mit dem Schwertknauf gegen seine Schläfe raubte ihm schließlich das Bewusstsein. Die Tormitin verlor keine Zeit. Sie legte ihre Hand auf die tödliche Wunde der Gestalt und intonierte ein weiteres Gebet die Verwundung heilen zu lassen. Erst jetzt bemerkte sie, dass die Gestalt offenbar weiblich war. Dann machte sie sich daran sich diesen Gegner genauer anzusehen. Der weibliche Körper wurde durch eine Rüstung aus schwarzem Leder geschützt. Wurfdolche und zwei Schwerter waren am Gürtel befestigt, eine schwarze, schlichte Maske verbarg das Gesicht. Die Tormitin fuhr mit der Hand über die nun verschlossene Wunde am Oberkörper der bewusstlosen Feindin. Dann zog sie ihr die Maske vom Gesicht. Tatsächlich wie ein Mensch. Nur mit dunkelgrauer Haut, wie erwartet. Eine Umbrantin. Die Tormitin erhob sich wieder.
"Fesselt und knebelt sie, wir brauchen sie lebend."
Einer ihrer Männer war derweil mit einem Streitkolben zu der großen, verzierten Kiste getreten und betrachte diese interessiert. Darin also befand sich der Grund des Ärgers. Die Kiste war mit einem Vorhängeschloss abgesperrt. Ruhig nahm er seinen Streitkolben vom Gürtel und holte damit aus.
"Wollen wir doch mal sehen, was für sich darin verbirgt."
Die Tormitin weitete die Augen und machte einen schnellen Schritt voran, mit ausgestreckter Hand laut ausrufend:
"Nein!"
Doch zu spät. Der Streitkolben des Mannes zerschlug das Vorhängeschloss und im nächsten Moment zuckten violette Blitze über seinen Körper. Eine magische Sicherung. Er hatte keine Kehle mehr um zu Schreien als er zu Boden stürzte. Das heißt, als die Rüstung zu Boden stürzte um dort auseinander zu fallen. Der Körper des Mannes darin war innerhalb weniger Sekunden zu Asche verbrannt. Kraftlos ließ die Tormitin ihren ausgestreckten Arm sinken und schluckte schwer. Mit der Hand fuhr sie sich über die Augen. Ein teurer Sieg. Sechs ihrer Männer waren tot und sie waren noch nicht wieder draußen. Die zwei noch lebenden ihrer Untergebenen machten sich schnell daran die Umbrantin wie befohlen zu fesseln und zu knebeln als diese langsam wieder zu Bewusstsein zu kommen schien. Vorsichtig schob die Tormitin die verkohlten Rüstungsteile zur Seite. Dann sprach sie ein kurzes Gebet für die Gefallenen und segnete die drei nicht vollständig zerstörten Leichen ihrer Brüder. Die Umbrantin windete sich in ihren Fesseln und knurrte zornig und erstickt durch den Knebel.

Einer der Tormiten bewachte die gefesselte Umbrantin. Seine Anführerin war mit dem anderen vor die Kiste getreten. Die dunkelblauen Augen der Tormitin betrachteten das zerschlagene Schloss ruhig. Der magische Schutzmechanismus war einmal ausgelöst worden und nun fort. Mit einem stummen Nicken bedeutete sie dem Mann neben ihr, die Kiste zu öffnen. Sofort kam er ihrem Befehl nach und schlug den Deckel zurück. Zögernd zwang sie sich hinein zu sehen. Was darin war wusste sie im Grunde bereits. Doch innerlich hielt sie sich immer noch an der Hoffnung fest, dass es nicht gab wovon ihr der Mann im Kerker von Niewinter erzählt hatte. Eine Hoffnung, die nicht erfüllt wurde. Der bittere Geschmack hatte sich auf ihrer Zunge ausgebreitet und wanderte den Gaumen und den Hals entlang. Dort bildete er einen neuen Kloß, den sie schwerlich hinunter schluckte. Sie mahnte sich innerlich zur Härte. Ihr Blick glitt über die Geschosse, die in der Truhe in speziellen Verhalterungen aufgereiht waren. Kleine Bolzen aus einem pulsierenden, schwarzen Stahl. Überzogen mit glühend roten Schriftzeichen einer fremden Sprache. Schwarzer Stahl, pulsierend. Lebend.
"Bei Torm, was ist das?" kam über die Lippen des Tormiten neben ihr.
Ihre rechte Hand, geschützt durch den geweihten, stählernen Handschuh fuhr in die Truhe hinein um mit drei Fingern respektvoll einen der Bolzen heraus zu holen und ihn genauer zu betrachten. Ihre Augen verengten sich. Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, als sie ihm antwortete.
"Seelentöter."



Bericht zum Einsatz in Schädelhafen

Brüder und Schwestern des Heiligen Ordens der Triade,

Unsere schwerste Stunde rückt nun heran. In dem von mir persönlich angeführten Sondereinsatz in Schädelhafen drangen wir in das Versteck Golgaths ein um uns zu vergewissern. All unsere Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Die furchtbare Waffe des Feindes, genannt Seelentöter, existiert tatsächlich. Nicht nur die Aufzeichnungen die wir aus Golgaths Versteck bergen konnten beweisen, dass sie funktioniert. Wir fanden in einem Hinterraum etwa zwei Dutzend Tote.. An denen der Feind die Waffe getestet hat. Die Auswirkungen sind verheerend. Wenn die Seelentöterbolzen in den Körper eindringen beginnen sie die Seele des Opfers zu zerfressen. Den Aufzeichnungen nach wird die Seele direkt in eine Art Schattenessenz umgewandelt um dann zu einem Teil der Schattenebene zu werden. Als Nebeneffekt nimmt das Blut eine schwarze Färbung an. Die Opfer dieser Waffen sind daher daran zu erkennen, dass die Adern sich verdunkeln und deutlich sichtbar hervortreten. Es scheint keine Möglichkeit zu existieren um den Prozess aufzuhalten. Wir werden in den nächsten Tagen alle Fürsten des Grafenbündnisses so wie die Harfe und die Kirchen in Kenntnis setzen. Die Umbranten dürfen diese Waffe nicht einsetzen. Doch wir hegen die Befürchtung, dass sie bereits an Attentätergilden verteilt wurden. Es ist notwendig, dass wir mit aller Gewalt gegen diese Bedrohung vorgehen. Die Existenz der Waffe muss geheim bleiben bis wir mehr darüber wissen. Wenn bekannt wird, dass der Feind bereits mit einem Schuss eine Seele vollständig vernichten kann, würde eine Panik ausbrechen. Die Menschen würden den Glauben an die Götter und die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod verlieren.

Mögen die Götter der Triade uns beistehen.

Levaya
Hohe Paladina Torms



~Storyteil II, verfasst von Lady of Pain~

_________________
"Bist du ein selbst ernannter Superheld? Exzellent. Dann landest du jetzt im Konzentrationslager, wo du sterilisiert, sediert, programmiert und pasteurisiert wirst! So spricht Präsident Kobold.

...Das klingt mehr Richtung Doktor Doom, was?"

Dark Reign - die dunkle Herrschaft beginnt!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: [HGK-Prolog] Seelentöter - Wenn Engel bluten
BeitragVerfasst: So 1. Jun 2008, 15:47 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: So 9. Sep 2007, 10:39
Beiträge: 1449
Pure Macht aus reiner Energie, gewoben zu feinen, dünnen und - so man dazu in der Lage ist, sie zu sehen - leuchtenden Fäden. Wie ein unvorstellbar kompliziertes Spinnennetz überziehen die Fäden in chaotischer Ordnung die gesamte Welt Toril. Erst dieses komplizierte und unsichtbare Netz aus Energie ermöglicht es, das Sterbliche durch die Kraft ihres Geistes jene Effekte erzeugen können, die man als Magie bezeichnet. Das Netz selbst bezeichnet man meistens schlicht als das Gewebe. Und in der Mitte dieses Netzes, so diese Bezeichnung angebracht sein mag, befindet sich seine Göttin Mystra. Mit dem Gewebe verbunden und von ihm durchdrungen könnte man sie sich als die Spinne dieses Netzes vorstellen. Eine Spinne in derem Netz sich die ganze Welt befindet. Wie eine Spinne nimmt auch Mystra jede noch so kleine Vibration ihres Netzes war und lässt die Ströme der Macht in die entsprechenden Richtungen fließen. Jeder noch so kleine Zauber, jede winzige magische Geste war so, als ob jemand an einem Faden des Netzes zog. Daher war das Netz hier bei seinem Zentrum, bei Mystra selbst ständig in Bewegung, die unaufhörlichen Vibrationen der Energiefäden wirkten wie ein göttliches Saitenspiel, das eine unvorstellbar schöne Melodie erklingen ließ.

Manches Mal mischt sich auch ein harter Ton darunter... etwa wenn ein besonder mächtiger epischer oder ein sehr zerstörerischer Zauber gewirkt wurde. Seine Schwingungen verteilten sich gleichmässig auf das gesamte Gewebe und erklangen in der Melodie des Zentrums wie ein harter Bass. Wie eine Spinne oder vielleicht auch wie die ultimative Dirigentin verfolgte die Göttin der Magie und Herrin der Mysterien jede noch so winzige Nuance in den Bewegungen, dem Saitenspiel ihres Netzes und genoß dessen Melodie. Ihr Leben ist die Magie und sie ist das Leben der Magie, ist die Magie. Die Verkörperung einer Macht von unvorstellbarem und grenzenlosen Potential zur Schöpfung und zur Zerstörung - zumindest wiegt sich Mystra in diesem Glauben. Als eine recht junge und unerfahrene Gottheit war sie noch nicht in der Lage dazu, zu verstehen, dass der Zweck einzig und allein die Zerstörung ist. Die Wahrheit über die Schöpfung, alles dumme und alles angeblich intelligente Leben, über Planeten und Sonnen, Welten und Monde, Ozeane und Kontinente - es existiert nur für die Zerstörung. Alle schönen Dinge in dieser Welt gibt es nur zum dem Zweck, damit ihr Verlust umso schmerzhafter ist. Die guten Dinge sind nur da um vernichtet zu werden und die bösen Dinge sind da um zu vernichten. Daher existiert alles einzig und allein für die Zerstörung, die Annihilation, die Rückkehr zur absoluten Negation. Wenn erst alles negiert ist, dann wird es gleich sein ob jemand irgendwas in seinem Leben erreicht hat oder nicht. Dann wird es unbedeutend sein jemand gut oder böse war. Es wird so sein als hätte alles niemals existiert - wozu sich also noch Gedanken machen um Sinn oder Verstand? Der Sinn des Lebens ist zu zerstören und zerstört zu werden. Und so ist es auch mit der Magie - selbst wenn sie erschafft, dient es der Zerstörung... auf die eine oder andere Weise. Mystra war nicht dazu in der Lage dies zu verstehen.. zu jung, zu unerfahren. Aber wie sollte es auch anders sein.. sie war nicht dabei am Anbeginn der Zeit - nicht wie jene, die es verstand, die Göttin welche die Negation verkörperte.

Diese Gedanken waren es, die dem dunklen Magier durch den Kopf gingen, als Nägel der Verdammnis sich in sein Gehirn bohrten. Er richtete seine zu einer stählernen Klaue verfomte Hand auf den unsichtbaren Mythal, der über die elfische Stadt wachte. Dieses mächtige, magische Artefakt war ihm zum Geschenk gemacht worden für seine treuen Dienste. Er wusste noch nicht, dass der Preis der Verstand war als das Artefakt sich mit seinem Körper verband und die magischen Nägel aus reiner Energie sich in seinen Kopf und seine Wirbelsäule bohrten, damit seine Gedanken und sein Geist mit der Macht des Artefaktes eins werden konnte. Aber das war ihm auch egal. Es war ihm gesagt worden, er darf das Artefakt behalten, wenn er den Auftrag ausführt und mit Hilfe der Macht des Artefaktes den Mythal dieser elfischen Stadt dort zerstört. Er wusste nicht, dass er nur eine Handpuppe war, ein bedeutungsloses Werkzeug, dass nur noch einen einzigen Zweck zu erfüllen hat. Und er hat keine Vorstellung davon, auf welche Weise dieses Artefakt überhaupt arbeitet. Zumindest jedoch könnte er wissen, dass die Zerstörung eines Mythals schwere Schäden am Gewebe verursachen und eine Zone toter Magie zur Folge hätte. Aber auch das wäre ihm wohl auch gleich gewesen. Er streckte die Klaue aus, fokussierte seine magische Kraft und konzentriert sich. Und erst jetzt als die Klaue tiefer und tiefer in seinen Geist eindringt, diesen Stück für Stück schändet und vergewaltigt und zugleich zulässt, dass er mehr davon mitbekommt, was sie überhaupt tut.. begann er zu begreifen. Doch da war es leider schon zu spät.. die Klaue ließ das verflochtene Netz des magischen Gewebes in der Umgebung für den Magier sichtbar werden. Dann glühten die Krallenfinger auf und.. fuhren durch die Fäden des Gewebes wie ein glühendes Schwert durch ein Spinnennetz.. griff in das Gewebe selbst hinein und riß die Fäden wuchtvoll hinaus. Wie zerteilte Würmer verendeten abgetrennte Gewebefäden sich windend auf dem Boden. Ihre Energie wurde aufgesogen und ging direkt auf die Klaue über, dann zuckten die Blitze der Entladungen auf den Mythal zu.

Mystra horchte auf. Für einen endlos langen, göttlichen Moment stand alles still, während vor ihr in der Leere des Raumes sich ein Bild des Planeten Toril aufbaute. Ihre göttlichen Augen wanderten über das kugelförmige, sich wie der Planet selbst drehende Bild. Sie spürte wie an ihrem Gewebe gezogen und gezerrt wurde, den Schmerz als es verwundet wurde und zu bluten begann. Jemand dort unten griff das Gewebe selbst an, nicht um einen Zauber zu wirken oder ihm gewaltsam Magie aufzuzwängen die Mystra verboten hat.. jemand dort unten versuchte das Gewebe gezielt und bewusst zu beschädigen. Sie ließ das sich drehende Bild des Planeten anhalten, ihre Augen fixierten eine Stelle. Dann schlug sie die Lider nieder und als sie sie wieder öffnete befand sie sich manifestiert als Avatar ein paar Schritte hinter dem Magier mit der Klauenhand. Noch im selben Moment wusste sie auch bereits seinen Namen, mit welchem sie ihn schließlich ansprach. Mystra war der Name jedes Magiers bekannt, der mit ihrem Gewebe verbunden war.
"Willst du mir mit diesem Angriff auf mein Gewebe irgendeine Botschaft zukommen lassen, Agamus?"
Während sie sprach machte sich ein Teil ihres Geistes bereits daran den angesprochenen Magier von ihrem Gewebe zu trennen, ein anderer daran die Schäden aufzuhalten und der dritte Teil versuchte die Klaue zu analysieren. Dieser dritte Teil wurde jedoch abgelenkt als ein plötzlicher Energiestoß von der Klaue aus in den Himmel hinauf fuhr und dem Gewebe eine gewaltige Wunde zufügte. Mystras Finger fuhren kurz über ihre Schläfen, diese Schäden am Gewebe waren auch für sie schmerzhaft.

Langsam reagierte der Magier auf die Göttin, drehte sich zu ihr um. Während sich ein Teil von ihr noch darauf konzentrierte den Schaden des Energiestoßes gering zu halten wurde Mystra durch das Bild, dass sich ihrem Avatar nun bot durchaus überrascht. Der Magier hatte keine Augäpfel mehr, diese schienen sich verflüssigt zu haben und waren aus den Höhlen heraus gelaufen. Seine Haut begann sich abzulösen und der Stahl der Klaue bedeckte nicht nur seine Hand, scheinbar lebende Ausläufer des Metalls begannen sich durch den ganzen Körper zu bohren. Mystra hielt inne und betrachte das merkwürdige Bild. Dann begann der Magier das Gesichts zu einem scheußlichen Grinsen zu verziehen, ein geisteskrankes Gekicher hallte durch Mystras Gedanken.
"Was soll das hier und was.. bist du?"
Dieses Artefakt musste recht alt sein.. wäre es erst vor kurzer Zeit hergestellt worden, so wäre seine Fertigung Mystra unmöglich entgangen. Sie musste es und den Magier außer Gefecht setzen um weitere Schäden zu vermeiden und es dann zu anaylsieren. Während sie sich noch auf den Magier und sein Artefakt konzentrierte, spürte sie plötzlich einen schmerzhaften Stich im Herzen. Sofort fuhr ihr Avatar - so wie alle anderen auf Toril verteilten Avatare herum und richteten ihren Blick in Richtung Silbrigmond.
"Nein.." kam über die Lippen der noch recht menschlichen Göttin Mystra.
In diesem Augenblick wurde ihre Aufmerksamkeit wieder zu dem Magier gerissen als ein lautes, krankes Gelächter aus dessen Kehle über das Plateau jagte. Da begann Mystra zu verstehen.. doch sie konnte es für die ersten Momente lang noch nicht fassen. Dieser Angriff auf das Gewebe.. die Tatsache, dass jemand diesem machthungrigen Magier dieses mysteriöse Artefakt gegeben hatte.. all dies hatte nur einen Zweck gehabt. Da kam Bewegung in die Klaue, langsam verzog sich das Grinsen im Gesicht weiter bis die Lippen einrissen. Die Klaue ballte sich langsam zu einer Faust, deren Handrücken in Mystras Richtung zeigten. Dann streckte sich der krallenartige Mittelfinger in einer schier absurden Geste nach oben.. kurz bevor sich das Artefakt selbst mitsamt dem Magier, dem Avatar Mystras und dem gesamten Plateau selbst vernichtete. Der Avatar jedoch manifestierte sich wieder und sah noch einige Augenblicke lang auf das zerstörte Plateau hinab. Dann löste er sich auf, während andere ihrer Avatare bereits auf dem Weg nach Silbrigmond waren.

Der Magier war geopfert worden, ebenso wie das Artefakt. Man hatte ihn als ein Werkzeug benutzt und ihn dann weggeworfen. Ein Werkzeug, dass auf so bedeutungslose Weise wie Abfall fortgeschmissen wurde.. starb nur zu einem einzigen Zweck. Vollführte den Angriff auf den Mythal und das Gewebe nur zu einem einzigen Zweck. Hatte das Artefakt ausgehändet bekommen nur für einen einzigen Zweck. Wurde mit dem Artefakt zerstört nur zu einem einzigen Zweck.

Der Feind musste Mystra für seinen eigentlichen Zug fünf Minuten lang ablenken.

Das war der ganze Zweck dieses Angriffes auf das Gewebe.


~Storyteil III, verfasst von Marek~

_________________
"Bist du ein selbst ernannter Superheld? Exzellent. Dann landest du jetzt im Konzentrationslager, wo du sterilisiert, sediert, programmiert und pasteurisiert wirst! So spricht Präsident Kobold.

...Das klingt mehr Richtung Doktor Doom, was?"

Dark Reign - die dunkle Herrschaft beginnt!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: [HGK-Prolog] Seelentöter - Wenn Engel bluten
BeitragVerfasst: Mo 2. Jun 2008, 06:54 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: So 9. Sep 2007, 10:39
Beiträge: 1449
Mondlicht. Sein sanfter Schein offenbart in stiller Harmonie so mancherlei Schatz, den die Sonne durch ihr grelles Wirken in die Bedeutungslosigkeit abrutschen lässt. Um wieviel schöner, um wieviel erhabener wirkt die Stadt im Licht des kühleren, kleineren Gefährten der Sonne...

Silbrigmond, die Götter wissen, warum die Stadt diesen Namen trägt. Ihre hohen Türme in ihrer filigranen Schönheit, der sanft glitzernde Tau auf den Straßen. Scheinbar endlose Parks, deren Vielfalt an Blüten und Vögeln, an keinem anderen Ort der Welt einen Vergleich findet. Gibt es einen harmonischeren Ort in der Nacht, einen, der das Wort Frieden mehr verdient, als diese uralte den Zeiten trotzende Stätte?

Die Frage stellt sich nicht. Über sie zu philosophieren ist müßig. Es ist viel wichtiger, wie schnell man durch die unüberwindbar scheinenden Sicherheitsanlagen aus Magie kommt. Wie viele Lebewesen man in möglichst kurzer Zeit ausschaltet, um seinem Ziel näher zu kommen.
Die Frage ist, wie weißt man dem Hochmut der Bewohner dieses in sich verschachtelten, überzogen verspielten Ameisenhügels, seinen wirklichen Platz zu? Macht aus der letzten verzweifelten Frage, nach der Möglichkeit, tödliche Gewissheit, dass all diese unverständliche Schönheit, all das Aufgebot an Leben und Magie, völlig nutzlos ist. Das es so etwas wie Sicherheit, im Angesicht eines kalkulierendem, überlegenden Verstandes, gar nicht existent ist?

Der lange schwarze Mantel wiegt sich nicht im sanften kühlen Wind der Nacht. Er könnte aber er tut es nicht. Sein Träger steht wie eine Statue, ein Abbild aus Leben auf der hohen Stadtmauer und blickt schweigend und mit ruhigem Atem über die schlafende Stadt.

Es mag die Herausforderung, es hat lange geruht und dieser Spielplatz erscheint passend. Die schwarzen Augen schweifen in die Ferne, über die geschwungenen Dächer der aneinander gereihten Häuser, die filigranen Türme und Parkanlagen. Weit entfernt, nicht mehr als ein winziger Punkt auf einem der sieben Hügel steht es. Ein prunkvolles, gewaltiges Herrenhaus mit den ausladenden Türmen der Macht, die höchsten, die sich hier in Silbrigmond finden lassen, neben der Akademie natürlich.
Seine Augen erfassen selbst von hier komplexen in sich verschlungenen Strömungen der magischen Alarmsicherungen. Ein schützender Mantel, der jeden Feind davon abhalten soll, sich dem Gebäude und seinen Bewohnern zu nähern. Zahlreiche Wachen kommen emsig ihren Pflichten nach. Patrouillieren durch die Stadt und ihre Gassen, auf den Wehrtürmen der Mauern, in den Gärten derjenigen, die sich Wächter leisten können. Allesamt jedoch tönerne Soldaten, Herausforderungen, die sich in falscher Sicherheit wiegen, der Unantastbarkeit eine Definition verleihen zu können.

Der Mond tritt hinter einer kleinen Wolke hervor, doch sein Schein fällt nicht auf die schwarze Maske, welche das Gesicht verdeckt. Es kann sich an der Gestalt nicht spiegeln, sie nicht offenbaren. Wie auch...

Ein metallenes Geräusch durchbricht die Stille, als der überdimensionale schwarze Dorn aus dem Körper eines Mannes fährt und in die Unsichtbarkeit über seinem zerstörten, nicht mehr lebensfähigen Körper verschwindet.

Ob es sich den Hochmut gönnen sollte, zu zählen?


Ein letzter Tropfen Blut löst sich von der Spitze des Stachels und berührt den kalten Stein der Stadtmauer. Dann ist die Waffe nur noch eine Erinnerung aus sich verflüchtigenden schattenhaften Schlieren.

Es muss weiter. Hier gibt es kein Leben mehr, dass es halten würde, um zu spielen. Unsichtbar breitet es die Arme aus und stößt sich von der Mauer ab. Es gibt sich fünf Sprünge, fünf Mal wird es die Sphären wechseln und Seelen sammeln.

Zehn Meter unter dem letzten Toten und seiner fünf anderen Wächter, die ihm nun in irgendeiner Ewigkeit, irgendeines Gottes Gesellschaft leisteten, verborgen vor Bruder Mond, tanzen schwarze Schlieren aus einem einzigen Punkt in der Luft umher, verdichten sich und schaffen einen eigenen Raum, ein Tor, durch das sich die fallende Gestalt teleportiert.

Sprung eins. Anzahl der Seelen sechs.


Stummes Innehalten. Auf den dunklen Augen hinter der Maske aus schwarzem Obsidian erscheint eine Spur von Mißfallen. Zum ersten Mal erscheint es gänzlich in der sterblichen Welt und betrachtet die vor ihm liegende Mauer aus arkanen Strömen. Ein Vielgeflecht unterschiedlicher sich ständig windender Farben, Schutzmagie in Perfektion.

Der zierliche Kopf neigt sich abschätzend zur Seite. Nur wenige Fingerbreit kommt der drahtige dunkle Körper vor der sanft leuchtenden Mauer zum Stehen. Eine einzige Berührung des arkanen Geflechts aus ineinander verwobenen Alarmzaubern würde diese Stadt in ein Lichtermeer tauchen und mit ihr würden die Ameisen kommen, um den Störenfried, der in ihren Bau eindringt, zu ergreifen.

Irgendwo hinter diesem Schleier liegt das Zielobjekt. Einzig ihm sollte seine volle Aufmerksamkeit gelten. Die Bruthöhle der Königin, wenn man so will. Das Herz. Niemand kann es erreichen, solange die Sicherungen aktiv sind.

Niemand...

Die fast zierliche Hand hebt sich und verharrt nur wenige Millimeter vor den ersten sich windenden Strömungen. Ohne sie zu berühren, was töricht wäre, fahren die Fingerspitzen das Geflecht entlang. Eine undurchdringbare Mauer, die keine Materie und keinen Zauber hindurch lassen wird. Machtvolle Magie, eine wahrhaftige Herausforderung für einen Magier, der letztlich natürlich auch scheitern würde.

Es geht einen winzigen Schritt zurück, fast so, als würde es Anlauf nehmen und verharrt dann doch reglos. Der schwarze Blick verrät Konzentration, seine Atmung beschleunigt sich und prallt dumpf unter der Maske zurück. Dann schließen sich die Augen.

Als erstes löst sich der lange Mantel, den das Wesen trägt von seiner physikalischen Ordnung. Vorsichtig zerfasert der seltsame Stoff. Ihm folgen Arme und Beine, die zu grauen Nebelfetzen werden. Die Finger der zierlichen Hand, die noch immer auf die arkane Wand gerichtet sind. Alles zersetzt sich in ölige schwarze Schmiere und löst sich weiter auf, bis nur noch feiner grauer Nebel, lauernd vor der Herausforderung zu warten scheint. Dann setzt es sich ohne Vorwarnung in Bewegung.

Kein Alarm geht los, als es die kleinsten Engpässe der arkanen Strömungen anvisiert und sich wie vom Wind tragen lässt, kein Funkenregen an tödlichen Farben geht auf den Eindringling nieder. Ein schwarzer Nebel, nur noch entfernt mit menschlichen Umrissen versehen, bahnt sich im spielerischen Tanz einen Weg durch das machtvolle Geflecht. Es wäre gerne gesprungen, das wäre einfacher gewesen, doch der Alarm hätte die Dimensionsverzerrung wahrgenommen und entsprechend reagiert.
Am Ende offenbart die Perfektion seine Lücken. Die Schöpfer der Mauer hatten nicht bedacht, das es weit mehr gibt, als Magie und Materie und die Manipulation des Ersten, durch das Zweite.
Die Mauer aus Magie verschluckt den Nebel, gänzlich, bis nichts mehr von ihm zu sehen ist. Erst als es die arkanen Strömungen hinter sich gelassen hat und die mentalen Tentakel abschüttelt, die sich auf der Suche nach seinen Gefühlen, nach seiner Gesinnung und seinem Handeln in seine Gedanken graben wollten und dort nur auf den selben Schatten stießen, öffnet es das nächste Tor und verschwindet. Es hatte mehr erwartet.

Niemand hat diesen Ort verlassen. Niemand war nur kurz hier.

Zweiter Sprung, Anzahl der Seelen sechs.


Die leblosen Lippen der Maske küssen, die in schwarzes Leder gehüllten, Fingerspitzen. Es weiß um diese unangemessene Romantik der Gestik aber es stört sich nicht weiter daran. Als sich seine Finger von einander lösen, gebären sie dunkle Verwirbelungen. Wie schwarze Tinte, die jemand in einer Schüssel voller Wasser ausgegossen hat. Sie stoßen zwischen seinen Handflächen die Luft zur Seite und schaffen sich dort ihren eigenen Raum, ihre eigene Ordnung, erhaben über die Physik.

Ranken, mit Dornen gespickt, entfalten sich zu zarten schattenhaften Bändern, die unaufhaltsam wachsen und sich vereint in einem stummen Reigen, an der Häuserfassade hinunter tanzen, vier Schritt über dem Erdboden.

Noch wabert der dünne Schleier, der die Welt von Toril von seiner eigenen trennt, wie ein Sendbote des Unheils vor seinen sonst ungetrübten schwarzen Augen. Seine Welt wirkt wie ein einziger ruheloser Wind, doch hier gibt es nichts, was es nicht kontrollieren könnte, nichts, was es nicht zu seiner Waffe machen kann, zu seinem eigenen freudlosen Vergnügen.

Die erste schwarze Ranke hält an ihrem Ziel, anderthalb Schritt über dem Boden der Straße und gebärt aus seiner Spitze einen weiteren mit Widerhaken und Zacken verzierten Dorn. Aufgerichtet wie das Schwanzende eines Skorpions verharrt sie, bis andere Ranken, vereint zur gleichen erhabenen Position, neben ihr angekommen sind.

Die Gestalt auf dem Giebel des Daches wartet, wartet, bis die Schritte nahe genug gekommen sind. Sie werde keine Zeit mehr für Fragen haben, nur ein winziger Augenblick Ungläubigkeit wird das Wesen ihnen gestatten.
Es lässt sie kommen, warum einen Schritt tun, den andere auch tun können. Als die vier um die Ecke biegen, schließt es seine mit Ranken und Dornen besetzte Hand zu einer Faust und lässt das Schauspiel beginnen.

Als der erste fällt, aufgespießt von schwarzem Stacheldraht, dem kein Metall innewohnt, weiß der zweite noch immer nicht, was ihm durch das Nichts der Nacht den Schädel spaltet. Es ist der türkisfarbene Blick durch das lange schwarze Haar eines Mondelfs, wie es so viele in dieser Stadt gibt, der überhaupt eine Ahnung davon erhält, was ihn tötet. Sein vor Entsetzen geweiteter Blick richtet sich die Dornen entlang nach oben und küsst die Fußspitzen, des aus der Dunkelheit tretenden Wesens.

Doch als sich der Mund zu einem Schrei öffnet, wird die Stimme augenblicklich von Hunderten Haken und Dornen erstickt. Die Ranken haben Hunger und so lässt sie das Wesen, das den stummen Totentanz viele Schritte weit über dem Boden betrachtet, essen.
Als sie sich auflösen und im Nichts verschwinden, ist außer dem Blut, dass nun einmal zwangsläufig spritzt, wenn man humanoide Körper auf diese Art und Weise in seine Bestandteile zerlegt, an den Wänden der Häuser, nahe der Straße, nichts mehr übrig.

Dritter Sprung, Anzahl der Seelen zehn.


Eine Allee aus uralten Bäumen heißt Besucher willkommen. Sie mündet an einem eisernen dunklen Tor. Dahinter erhebt sich das Herrschaftsgebäude, die wahre Festung. Seine Türme erstrecken sich weit in den nächtlichen Himmel. Feiner weißer Sand offenbart jeden noch so vorsichtigen Schritt und ein jeder der Sechsundzwanzig, sich gegenüberstehenden Wächter, hat seinen unbeweglichen Blick auf ihn gerichtet. Sie atmen nicht, keiner dieser Wächter wurde je aus dem Schoß einer Mutter in diese Welt geboren. Stein ist ihre Rüstung, die darin eingeschlossene Magie ihre Waffe. Wie stumme Warnungen stehen sie zwischen den Bäumen und harren der Dinge, die da kommen.

Das Wesen manifestiert sich sichtbar, wie ein wartender Besucher am Wegesanfang. Der lange Mantel, auf seinem Rücken schlägt auf dem feinen Sand auf und umrahmt die Gestalt, die nicht größer als sechs Fuß, wie eine schwarze Marmorstatue verharrt.

Nur ein einziger Sprung über das erste Tor, das sich in seiner Größe und Vollkommenheit mit dem am anderen Ende der Allee messen kann. Der erste Schritt auf das Grundstück. Das Knirschen von Sand mischt sich in die hölzern wirkende Bewegung des ersten Wächters. Der starre Hals wendet sich gemeinsam mit seinem Gegenstück dem Eindringling zu. Das Wesen kommt aus Hocke wieder auf die Beine. Die ersten beiden Wächterstatuen erwachen zum Leben, ihre Augen beginnen zu glimmen und tauchen die sandige Allee in einen blutigen Schimmer.

Der erste Strahl aus ihren Augen würde jeden nachfolgenden Wächter aktivieren, ein endloser Weg aus Fallen, die unermüdlich ihre Bestimmung ausführen würden. Tötet den Eindringling! Rote Blitze zucken aus ihren Augenhöhlen.

Es stößt sich ab, doch die zwei kleinen Füße berühren nur kurz den Boden. Der Satz, der folgt, spottet der Physik, denn ihm obliegt die Kraft eines Riesen. Der lange Mantel schwingt nur einmal im Flugwind und gehorcht ihm dann nicht mehr. Er schlägt keine Falten, flattert nicht in der Luft. Sich aufblähend, beginnt er zu zerfasern, noch während sich das Wesen im Flug befindet. Er verschwindet in der Nacht, ganz so als wäre er nie dagewesen.

Summend löst sich die Magie aus dem ersten Wächter und zerschneidet mit zischenden Geräuschen die Nacht. Der Blitz rast unaufhaltsam auf das Wesen zu. Es kommt auf, und springt erneut. Der Blitz fährt in den Sand ein und verwandelt ihn in ein Funkenmeer. Glas entsteht und bricht, als der Blitz vergeht. Glitzernder Staub bäumt sich auf.

Plötzlich splittert massiver Stein. Eine schwarze Flüssigkeit taucht aus dem Nichts auf und legt sich über den ersten Wächter. Ölig glänzend zieht sie sich zusammen, weiter und weiter, der eingeschlossenen Materie die Stirn bietend. Es dauert nur wenige Augenblicke, dann gibt der Stein nach und zerfällt zu Staub.

Die nächsten beiden Wächter zerstören sich gegenseitig. In einer schnellen Abfolge von gewaltigen Sprüngen, die mit der Anmut eines jagenden Panthers ausgeführt werden, wählt das Wesen seinen Weg im Zickzack über die Allee und setzt damit eine Kettenreaktion in Gang. Sprung für Sprung lässt es die blinden, von überheblichen Magiern programmierten Statuen, gegeneinander antreten.

Den Rest erledigt die Flüssigkeit, die den Sprüngen des Wesens wie ein treuer Hund folgt.

Als die Gestalt das letzte Mal aus dem Sprung aufsetzt, steht das weite gußeiserne Tor wie ein stummer Willkommensgruß vor ihr. Hinter ihr, weniger klar in ihren Konturen, tanzen Staub und Glassplitter durch die Luft. Der letzte Wächter bricht zusammen.

Die schwarze ölige Masse hebt sich von dem letzten Haufen nutzlosen Gesteins ab und flimmert durch die Luft. Hinter dem Wesen angelangt, das sich zu seiner vollen Größe aufrichtet, senkt es sich wie die sanfte Berührung eines Freundes auf seinen Rücken und verwandelt sich in den Mantel zurück.

Bald würde es hier von Wachen wimmeln.

Der schwarze Blick des Wesens richtet sich zum höchsten der vielen Türme des Gebäudes auf. Er zeugt von der Macht dieses Gebäudes aber mehr noch von der ihrer Bewohner. Macht. Ein vergängliches Gut, solange sie nicht in den Händen jener liegt, die ewig sind. Und ewig war wenig.

Es lässt das Tor hinter sich. Wie das erste stellt es für das Wesen kein Hindernis dar. Der schwarze Blick ist noch immer auf den Turm fixiert. Nur noch wenige Sprünge. Bald ist es vollbracht.

Vierter Sprung, zehn Seelen.


~Storyteil IV, verfasst von Tearasel~

_________________
"Bist du ein selbst ernannter Superheld? Exzellent. Dann landest du jetzt im Konzentrationslager, wo du sterilisiert, sediert, programmiert und pasteurisiert wirst! So spricht Präsident Kobold.

...Das klingt mehr Richtung Doktor Doom, was?"

Dark Reign - die dunkle Herrschaft beginnt!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: [HGK-Prolog] Seelentöter - Wenn Engel bluten
BeitragVerfasst: Mo 2. Jun 2008, 19:26 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: So 9. Sep 2007, 10:39
Beiträge: 1449
Der lange Gang ist nur von wenigen Fackeln erhellt. Mosaike zieren den steinernen Boden und an den Wänden hängen Gobeline und Malereien zahlreicher Epochen. Jemand hatte Statuen und Vasen auf winzige filigrane Tische drapiert. Zwischen den ausgestellten Stücken säumen in Dunkelheit getauchte Erker den Weg. Irgendwo bildet eine elfenbeinfarbene Flügeltüre den Abschluss des Flures.

Niemand hatte es bis hier hin aufgehalten. Niemand hatte seine Anwesenheit in den heiligen Hallen des Gebäudes bemerkt. Zwei weitere Sprünge brachten es durch die vielen Etagen und endlosen Flure. Letztlich hatte es sich sogar den Luxus gegönnt und war die Stufen zum Turmgemach zu Fuß hinauf gegangen.

Seine Hände liegen links und rechts an seinen Hüften und die Fingerkuppen tanzen über das hautenge Leder der schwarzen Hose. Abwarten steht es vor dem Bogenfenster, doch der Mond kann keinen Schatten von ihm malen. Verborgen in seiner Welt betrachtet es den letzten Weg.

Ein zarter Geruch nach Rosen liegt in der Luft. Später würde es ihm die gebührende Aufmerksamkeit schenken doch jetzt galt sein feiner Geruchsinn einem zweiten wesentlich prägnanteren Geruch, der sich durch den langen dunklen Gang zog.

Schweiß.

Es zählt acht. Acht Wächter, einzig und allein ausgebildet für einen Zweck wie diesen, angefüllt mit dem absoluten Willen zu schützen und sich jeder Gefahr entgegen zu stellen. Eine Bastion elitärer Männer und Frauen, die letzte Grenze zwischen seinem Auftrag und seiner Erfüllung.

Die Erker, in denen sie verborgen standen, wachsam und bereit zuzuschlagen, wenn ein ungebetener Besucher den Flur entlang kam, verheißen Deckung und jeder Eindringling würde nicht einmal wissen, welche Waffe sie benutzen würden, um ihn daran zu hindern, bis zur Flügeltüre vorzudringen.

Sie verstecken sich in den Schatten und wissen doch nicht, dass ihr schützender Schild am Ende ihr Untergang sein wird. Das Wesen streckt seine Finger aus und führt sie zu seiner Brust, wo sich die Hände, wie zu einem Gebet schließen. Es würde schnell gehen. Sehr schnell.

An den Mauern links und rechts verdichten sich die Schatten. Wie von einem Gedanken herbeigerufen, bilden Linien und Spiralen, die sich langsam und ungesehen den Flur entlang tasten. Sie gebären aus sich selbst neue Ranken und wieder entsteht ein Geflecht filigraner Verwirbelungen, das sich seinen Weg nach vorne bahnt. Noch wartet das Wesen und lässt die Arbeit seine treuen Gefährten tun.

Die ersten zwei Wächter fallen. Wie Kartenhäuser sacken sie in den Erkern zusammen und vergehen unter den nachfolgenden Ranken, die unaufhaltsam weiter eilen, Nische um Nische, Leben um Leben. Einer nach dem anderen fällt und weiß nicht um den lautlosen Verursacher. Blut spritzt auf das langgezogene Mosaik und säumt den Weg nach vorne. Gurgelnde Laute brechen die Stille, das Schaben der Rüstungen, die am Stein entlang zusammensacken, mischt sich darunter.

Das Wesen wartet nicht, bis sie alle gefallen sind. Es weiß, um die Perfektion seiner Waffen, die Unnachgiebigkeit, mit der sie seine Gedanken erfüllen und so setzt es einen Fuß vor den anderen und wandert über die neuen Farben, die seinen Weg malen. Der Mantel leckt über den Stein, bäumt sich zu den Seiten auf und küsst die eine oder andere Ranke. Fast scheint es, als verbinde er sich mit ihnen, um neue Kraft zu schenken, damit sie auch den letzten der verborgenen Wächter erreichen.

Vor der Flügeltür hält das Wesen schließlich inne. Es sorgt sich nicht um dem letzten Körper, der hinter ihm aus der Nische nach vorne kippt und von den Ranken begraben wird. Als sie ihr Mahl beendet haben, lösen sie sich von den Wänden und zerfasern im Nichts. Außer dem Blut haben sie auch hier nichts übrig gelassen.

Engelhafte Gesichter mythischer Uralter des schönen Volkes blicken ruhend zu dem unerwünschten Besucher hinunter. Das Wesen nimmt die Schönheit der Schnitzereien zwar war, doch ergötzt sich nicht daran. Seine Aufmerksamkeit gilt nur seiner rechten Hand. Wieder strecken sich die Fingerspitzen und auf einen einzigen Gedanken hin, erscheint aus der wabernden Dunkelheit eine neue Waffe. Als die Transformation abgeschlossen ist, wirkt die kleine Armbrust, entgegen seiner sonstigen Spielzeuge, fast kunstvoll.

Die freie Hand wandert zum Stiefel. Verborgen im Wildleder, offenbart der trübe Schimmer des Mondes einen glänzenden schwarzen Bolzen, um den sich spiralförmig, blutrote Insignien ranken. Im Fackelschein pulsieren sie wie lebende Adern auf, erfüllt von einem eigenen unheiligen Leben. Lautlos schiebt sich der Bolzen in die Halterung und leuchtet dort noch einmal auf. Dann senkt sich die Armbrust wieder an die Hüfte und das Wesen setzt sich in Bewegung. Es überwindet die Materie der Flügeltüre, in dem es sich seine eigene Türe schafft, Schlieren verflüchtigen sich in die Dunkelheit, dann liegt der Gang ruhend und unbeteiligt am Geschehenen da.

Ein leises Keuchen unterbricht die Stille. Ein Herz hat es sich anders überlegt, es entscheidet sich für das Leben. Aufgerissene Augen irren haltlos in der Dunkelheit umher. Es wäre besser, wenn der Wächter Hilfe rufen könnte aber daran denkt er nicht. Das Blut, das unaufhörlich seine Brust hinunterläuft lenkt ihn ab.

Fünfter Sprung, siebzehn Seelen.


Noch während es sich manifestiert und seine Sphäre wieder verlässt, schreckt die Frau nach oben und so stehen sie einander gegenüber, wie zwei Saiten ein und der selben Medaille. Ihr langes Haar ist vom Schlaf noch ganz zerzaust. Die gerade erwachten Augen irren gezeichnet von Verwirrung und Überraschung umher. In einem Bett aus weißer Seide sitzt sie aufrecht, die weichen Brüste senken und heben sich unter dem fast durchsichtig erscheinenden Nachtgewand.

Beide Augenpaare treffen sich erst, als das Wesen einen Satz zur Seite macht und die Dunkelheit hinter sich lässt. Der Mond erreicht die Türe nicht, er taucht nur die Frau und nun ihren dunklen Spiegel in sein sanftes Licht. Die Armbrust hebt sich, die Spitze des Bolzens zielt auf das Herz. Anders als so viele, die ihm schon vorher begegnet sind, spürt das Wesen bei ihr keine Angst. Sie ist verwirrt und überrascht aber sie wird ohne Furcht sterben. Sie wird nicht winseln und betteln, sondern den Sieg ihres dunklen Gegenübers akzeptieren und ihn stolz hinnehmen.

"Grüße von Telamont."

Die alte Sprache, Espuar verlässt verzerrt die Lippen des Wesens. Sie wirkt tief und kratzig, vereinbart männliche und weibliche Stimmlagen und verstummt so schnell, wie sie gekommen ist. Surrend verlässt der Bolzen die Armbrust und zerschneidet die Luft des Zimmers. All das dauert nur wenige Augenblicke, ein paar Atemzüge nicht mehr.

Es achtet nicht auf den erstickenden Laut, dieses typische Geräusch, das ein Körper macht, wenn er seine letzten Atemzüge tut. Es hat auch den stolzen letzten Blick der Frau vor sich schon wieder vergessen. Seine Aufmerksamkeit wendet sich dem Fenster zu. Sein Blick gleitet zum Mond hinauf. Hinter ihm öffnet sich langsam die Türe. Es weiß, dass es nun nicht mehr viel Zeit hat.

Jemand schleppt sich hinein, den Geruch frisch vergossenen Blutes mit sich bringend. Er achtet nicht auf das Wesen, sondern schleift sich zum Bett hin, wo der zusammengesunkene Körper und sich röchelnd der letzten Grenze nähert.

Das Geräusch von sich nähernden Wachen dringt an seine empfindliche Ohren, doch auch das lässt ihn noch nicht handeln. Es ist ein wenig abgelenkt von etwas weiterem, entfernteren, das sich mit den Wachen nähert, zielstrebig der Fährte aus Blut folgt. Nackenhaare richten sich auf, seine Augen, noch eben zum Mond gerichtet, wandern zur Türe hinüber, die von einer blutigen Hand verunreinigt ist. Ein Schluchzen ertönt. Es spürt es näher kommen, noch näher. Die Geräusche der Wachen werden lauter. Was immer kommt, bedeutet eine Gefahr, die es nicht, noch nicht einschätzen kann.

Mit einem katzenhaften Satz und der Schulter zuerst durchbricht es die Scheibe des großen Bogenfensters. Vor sich eröffnet sich erneut die Stadt. Prunkvolle Lichter, beruhigende Stille. Irgendwo ertönt die Melodie einer Nachtigall. Es geht hundert Schritt nach unten. Tausende Scherben glitzern auf ihrem Weg nach unten vom Mondlicht beschienen auf.

Der Sturz währt nicht lange. Kontrolliert dreht es sich im freien Fall und sieht nach oben. Die schwarzen Augen erfassen einen Schatten am Fenster weiter oben. Der Mantel weitet sich und wird zu einem dunklen Flügelpaar. Es mindert die Geschwindigkeit des Falles. Der Wind küsst die langen schwarzen Wimpern unter der Maske, dann schließen sie sich über die katzenhaften Pupillen.

Kurz vor dem Aufprall öffnet sich das Portal. Ein zarter violetter Schein, umrahmt von schwarzen Schlieren heißt das Wesen willkommen, wieder einmal.


Auftrag ausgeführt!
Achtzehn Seelen.

Achtzehn Gründe für Liebe, Achtzehn Beweise für Treue.


~Storyteil V, verfasst von Tearasel~

_________________
"Bist du ein selbst ernannter Superheld? Exzellent. Dann landest du jetzt im Konzentrationslager, wo du sterilisiert, sediert, programmiert und pasteurisiert wirst! So spricht Präsident Kobold.

...Das klingt mehr Richtung Doktor Doom, was?"

Dark Reign - die dunkle Herrschaft beginnt!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: [HGK-Prolog] Seelentöter - Wenn Engel bluten
BeitragVerfasst: Di 3. Jun 2008, 00:47 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: So 9. Sep 2007, 10:39
Beiträge: 1449
Blut …überall Blut…

Sein Körper war erfüllt vom Schmerz zahlreicher Wunden, seine Hände benetzt vom roten Lebenssaft der Menschen. Ein leichtes Zucken seiner Hände ließ ihn fühlen, dass noch immer sein Bastardschwert Glorius, dem Gerechten zur Ehre gesegnet, in seiner Rechten ruhte. Was war nur geschehen…?

Langsam öffnete er seine einst unerschütterlichen blauen Augen für welche ihm so oft bewundernde Blicke entgegen gebracht wurden. Zuerst sah er nur verschwommen, doch dann wurden die Bilder vor ihm klarer und er konnte feststellen, dass er sich noch immer im Gang vor Ihrem Gemach befand. Am Boden nicht weit entfernt von ihm lag Sarkos, sein Kamerad und Freund, in einer Blutlache die einen glauben machen wollte, dass in dem bewegungslosen Körper kein einziger Tropfenblut mehr vorhanden sein konnte.

Vor Schmerz keuchend reckte er seine linke Hand zu seinem Freund, wollte ihn wecken, ihn spüren lassen, dass er da war, wollte feststellen, dass Sarkos noch lebt… doch er kam nicht an ihn heran. Zu schwer waren die Verletzungen, sie lähmten seinen Körper. Doch nun überkam ihn auch ein innerlicher Schmerz, seine Lippen bebten als er an Sarkos vorbei sah und dort den nächsten seiner Kameraden an der Wand lehnend sah. Zunächst dachte er, dieser würde leben und könne ihm helfen, doch dann erkannte er plötzlich die erschreckende Wahrheit. Auch dieser Kamerad war tot. Sein Gesicht war zu einer Grimasse des Schreckens verzogen und zur Decke gewand, sein Körper voller tödlicher Verletzungen, seine Kleidung durchtränkt vom eigenen Blut.

Verzweifelt versuchte der junge Kämpfer sich zu erinnern, was war nur geschehen…?

Dann jedoch brach die Erinnerung über ihn herein, er umklammerte sein Schwert fester und sah Ihn wieder vor sich. Ein Wesen, dass er nie zuvor gesehen hatte, eine Art Schatten, hatte sie angegriffen. Er hatte noch die Schreie seiner anderen Freunde vernommen, als er, Sarkos und Moreth sich bereit gemacht hatten den Gegner aufzuhalten. Es war ihre heilige Pflicht gewesen, jeden Feind der versuchte zu Ihr zu gelangen daran zu hindern. Doch etwas war gekommen, dass sie nicht erwartet hatten, etwas von solcher Schnelligkeit und brutaler Präzision, was sie in kurzer Zeit besiegt hatte. Sie, die Elite Silbrigmonds, Diener des Wachenden, jene, die niemals versagt hatten…

Es war ein schöner, licht erfüllter Tag gewesen als sie den Auftrag die edle Dame zu beschützen bekommen hatten. Alle waren sie mit vor Stolz geschwellter Brust durch die Gassen geschritten, ihre polierten Rüstungen glänzten wie Gold durch die Sonnenstrahlen erhellt und die fein gravierten Linien des Plattenhandschuhs’ in dessen Mitte ein Auge eingeprägt war am Torso jeder Rüstung der Acht Krieger, verliehen ihnen ein noch beeindruckenderes Auftreten als jede kriegerische Einheit zuvor. Zusammen war die Elite eine Truppe aus kühnen Streitern Helms gewesen, ehrenvolle und pflichtbewusste Krieger, deren Können niemals in Frage gestellt werden musste. Das Vertrauen welches ihnen entgegen gebracht wurde, dass sie Sie schützen durften, füllte ihre Herzen mit Freude und Stolz. Sie alle hatten einen Eid auf Helm geschworen, Sie mit ihrem Leben zu beschützen und es lag kein Zweifel daran, dass sie dies auch tun würden. Nun da sie zu ihrem wunderschönen, kunstvoll gestalteten Haus in den oberen Vierteln der Stadt marschierten hätten sie niemals auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass dieser Auftrag ihr letzter sein würde.

Die dunklen Wolken der Nacht, welche den Mond verdeckten, erlaubten dem Wind sie weiter zu treiben und lösten so ihre Fesseln um Selune. Ihr Licht fiel hell und Trost spendend durch ein schmales Fenster des Ganges und verriet Malthir, dass die Dunkelheit die ihn umgab kein unnatürlicher Zustand war sondern bereits seit langem die Nacht eingetreten war.

Er spürte wie sein eigenes Blut den Körper wärmte, sehnte sich nach Ruhe, nach erholendem Schlaf…Niemals verletze das in dich gesetzte Vertrauen… seine Augen öffneten sich wieder schlagartig. Wie konnte er nur! Er durfte diesem Drang nicht nachgeben, so schwer auch die Verletzungen waren, er musste Sie beschützen! Er richtete seinen Blick auf das in der Dunkelheit verborgene Ende des Ganges, er hatte keine Zeit, er musste sich beeilen.

Mit einem Ruck lag er auf dem Boden, die plötzliche Bewegung verursachte neue, unbekannte Schmerzen, doch er hielt nicht Inne …Niemals ermüde, niemals ermatte… krampfhaft zog er sich vor, vorbei an seinen toten Freunden, Glorius in seiner rechten Hand, er durfte nicht zu spät kommen. Beschütze alle, die sich nicht selbst schützen können…Das Adrenalin in seinen Adern versuchte den Schmerz zu betäuben, ihm die Chance zu geben weiter zu kommen. Jeder Zug mit seinen Armen kostete ihn mehr und mehr Kraft, eine schwere Last legte sich auf ihn als der Gedanke des Versagens aufglimmte. Was, wenn er zu spät kam?

Einen kurzen Moment verharrte er. Konnte dies sein? Konnten sie alle versagt haben?

Nein!

Seine Augen richteten sich wieder auf das Ende des Ganges, nun konnte er die geschlossene Türe zu ihrem Gemach erkennen.

Helm hatte ihn geschützt, er lebte! Er musste zu Ihr, es war nicht nur seine Pflicht, es war auch sein Schicksal. Weiter und weiter kämpfte er sich vor, verbissen und entschlossen nicht aufzugeben. Er durfte diese dunklen Gedanken nicht in sein Herz lassen, er existierte um zu schützen, er lebte noch also war es noch nicht vorbei.

Nur noch wenige Zentimeter trennten Malthir von der Türe, vor der Gewissheit um jene die er zu schützen geschworen hatte. Dann, wie ein plötzlicher Blitz in der Nacht der einem das Herz bis zum Hals schlagen lässt, ertönte eine unnatürliche, fremdartige Stimme aus dem Schlafzimmer. Es war der Schatten, der seine Freunde und ihn niedergestreckt hatte. Das Monster jeder Alpträume und es war bei ihr. Ein einzelner Satz glitt über dessen verfluchte Lippen in der wunderschönen Sprache der Elfen. Ein Satz. Ein Name. Ein Schuss. Gefolgt von dem dumpfen Geräusch eines Bolzens, der durch menschliches Fleisch dringt und dem schmerzerfüllten Keuchen seiner Herrin.

Panik gepaart mit dem unbändigen Zorn eines Wächter betäubte den Schmerz nun vollkommen, wie der Phoenix aus der Ascher erhob sich Malthir, jeder seiner Gedanken galt Ihr und so stemmte er sich auf seine Beine, die Türe schwungvoll öffnend trat er anschließend rasch ein.

Doch sein Alptraum war Wirklichkeit geworden.

Nichts außer Ihr konnte er mehr wahrnehmen.

Nicht das Wesen, welches sich bereits abgewandt hatte und dem Schlafzimmerfenster näherte. Nicht die Schritte der Wachposten aus dem unterem Stockwerk, welche nun den Gang entlang rannten und jeden Moment den Ort des Schreckens betreten würden.

Alles was für ihn noch zählte, war seine Herrin.

Aufrecht saß sie in ihrem Bett, ihr weißes, seidenes Nachthemd schimmerte im Mondlicht wie Sternenstaub der um ihren schlanken Körper wirbelte. Ihre stolzen, wunderschönen Augen waren längst in die Ferne gerückt, ihr Haar bewegte sich wie der Wind… sie sah aus wie ein Engel.

Nur trübte die Dunkelheit zu schnell dies selige Bild. Dunkles Blut quellte nun aus einer tiefen Wunde wo ihr Herz lag. Ein schwarzer Bolzen steckte dort und die Hand der bezaubernden Frau umklammerte den Schafft starr vor Entsetzen. Wie in einem düsteren Gemälde rann das Blut an ihrer Hand entlang, ließ sie niedersinken.

Klirren von Glas kündigte das Verschwinden des finsteren Mörders an, doch all dies zählte nicht mehr.

Malthir sank auf seine Knie, spürte die Leere, den Verlust, die Trauer und die warmen Tränen die aus seinen Augen traten. Er kroch auf allen Vieren zu seiner Herrin, doch die Erkenntnis des Versagens, die nahende Verzweiflung übermannte ihn. Er hatte alles verloren. Voller Scham hob er den Blick zu Ihr, als sie selbst ihren Blick und ihre vom Blut entweihte Hand zur Decke des Schlafzimmers hob. Ihre Augen wurden leer und schwarze Adern traten auf ihrem einst so schönen Gesicht hervor. Der Körper lag wie totes Fleisch, bewegungslos und starr, auf dem seidenen Totenbett, während ihre zierliche Hand nur noch schlaff um das todbringende Holz des Bolzens ruhte. Es gab keine Hoffnung mehr, Malthir hatte den Bericht der hohen Paladina gelesen – er wusste was dies bedeuten würde.

Von der Ernüchterung dieser erneuten Erkenntnis erweckt zwang er sich seine tote Herrin weiter zu betrachten. Niemals hatte er solch grausames Bild zuvor gesehen, niemals diesen Schmerz gespürt beim Tod eines Lebewesens. Er blickte zu ihr und verstand, kein Mensch, nein, ein unschuldiger Engel war gestorben.

Mit dem lauten Geräusch von zersplitterndem Holz brachen die zwei Wachen die Schlafzimmertür auf, sie hatten sich nicht die Mühe gemacht um herauszufinden ob sie offen gewesen wäre – dafür fehlte die Zeit. Doch hier erstarrten sie zunächst, betrachteten zuerst bestürzt den blonden Helmiten, der inzwischen weinend über den leblosen, blutverschmierten Körper der Frau gebeugt war. Schließlich löste einer seine Augen von der erschütternden Szene und wand den Blick zum zerstörten Fenster. Er trat dorthin und blickte hinaus – doch er sah nichts.

Erschüttert trat der andere Wächter zu dem Helmiten und beugte sich zu diesem.

"Wir müssen einen Heiler rufen!"

Mit der gebrochenen Stimme eines Mannes der alles verloren hatte krächzte der Helmit durch seine Tränen hindurch die traurige Antwort.

"Nein … es ist … zu spät…"

Der Wächter weitete seine Augen, auch der andere wand sich abrupt und schockiert um.

"Euch … ist klar was das bedeuten würde…?"

Tonlos und ohne es zu registrieren antwortete Malthir ihm.

"Ja… Alustriel ist tot."

An diesem Abend würde es keine freudigen Gesichter mehr geben, die Wolken verdunkelten Selunes’ Antlitz und ließen die kalte, lieblose Düsternis zurück. Ein Engel war gestorben und sein Blut war erst der Anfang gewesen.


~Storyteil VI, verfasst von Kay~

_________________
"Bist du ein selbst ernannter Superheld? Exzellent. Dann landest du jetzt im Konzentrationslager, wo du sterilisiert, sediert, programmiert und pasteurisiert wirst! So spricht Präsident Kobold.

...Das klingt mehr Richtung Doktor Doom, was?"

Dark Reign - die dunkle Herrschaft beginnt!


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 7 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Impressum

Deutsche Übersetzung durch phpBB.de