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Der Schnee glitzerte auf den kahlen Ästen der Bäume und dämpfte den Hufschlag des einsamen Schimmels, der den ausgefahrenen Hohlweg nach Norden in gemütlichem Schritt entlangkam, zu einem leisen Knirschen. Die Luft schien klar wie Kristall und wenig erinnerte noch an die Brände und den rußigen Staub der Katastrophe, die diese Gegend vor wenigen Monden noch heimgesucht hatte. Auf dem Sattel des Pferdes thronte aufgerichtet eine einsame Gestalt. Sie regte sich nicht und schien es fast völlig ihrem Reittier zu überlassen, dem Weg zu folgen. Zu dieser Jahreszeit und in dieser Gegend gab es nicht viele andere Reisende, diesen hier musste etwas Bestimmtes hinaus in die Winterluft getrieben haben. Das Pferd schnaubte kurz und der Reiter zog leicht an den Zügeln, scheinbar aufgeschreckt richtete er sich auf und sah sich um. Nun konnte man erkennen, dass es sich um eine junge, blonde Frau handelte, mit scharfen Gesichtszügen und wachen Augen. Sie verhielt kurz und drehte sich im Sattel nach hinten um, wo einige blasse graue Rauchsäulen den Ort verkündeten, an dem die Überlebenden der Katastrophe mit einer neuen Siedlung begonnen hatten. Wehmut zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, aber schlussendlich trieb sie das Pferd doch mit einem kurzen Schenkeldruck wieder zu gemächlichem Trab an. Die Reiterin ließ die Schultern sinken, wickelte sich die dicke Pelzjacke enger um die Schultern und verfiel wieder in ein grüblerisches Starren.
Vielleicht eine halbe Meile entfernt, wo die sanften Wellen der Graslandschaft allmählich in bewaldete Hügel übergingen, stellte die Reiterin fest, dass sie doch nicht die Einzige war, die diesen Tag zum Reisen nutzte. Eine weitere einsame Gestalt wanderte den Weg entlang. Als die Reiterin sie überholte, warf sie einen Blick hinab und was sie ob der kleinen Statur für einen Halbwüchsigen gehalten hatte, entpuppte sich als eine schmale Halbelfe mit dunkler Haut und braunen Haaren. Sie warf einen Blick hinauf zu der Reiterin und setzte ihren Weg wortlos fort. Die Reiterin schien kurz unschlüssig, dann fasste sie einen Entschluss: „He du!“, rief sie aus. „Wenn du magst, nehme ich dich ein Stück mit. Ist doch besser als sich langsam durch den Schnee zu quälen, oder nicht?“. Die Halbelfe hob den Blick und schwieg einen Moment, dann nickte sie und schwang sich flink auf den Pferderücken. Eine Weile ritten sie schweigend, nur das Schnauben des Tieres war zu hören. Dann schien es der Blonden zu viel zu werden. „Wohin führt dich dein Weg?“ „Ins Grab. Wie jeden von uns“, kam nach einem Moment die gedämpfte, bittere Antwort von hinter ihrem Rücken. „Ich bin mir sicher, dass wir noch eine weite Reise vor uns haben“, lachte die Blonde. Dann verfielen sie wieder in Schweigen.
Die Nacht zog herauf und in den Tälern zwischen den kleinen, aber recht steilen Hügeln pfiff der Wind. Nirgendwo war ein Zeichen von Besiedelung zu sehen. Die beiden ungleichen Reiterinnen waren abgesessen, das Pferd zupfte an etwas getrocknetem Stroh an einer Stelle, die vom Schnee durch einen Felsen gedeckt unberührt geblieben war. Die Halbelfe kniete vor einem aufgeschichteten Kegel aus dünnen Hölzchen und versuchte fluchend mit Eisen und Feuerstein ein Feuer in Gang zu bringen. „Wie heißt du denn?“, ließ sich die Blonde vernehmen, die gerade dabei war, mit einer Decke und einigen Ästen eine Art Unterschlupf zu errichten. „Do… Liliah“, erwiderte die andere nach kurzem Stocken. „Miriamel. Ich bin froh, diese Reise zunächst nicht alleine unternehmen zu müssen. Es wäre doch arg einsam gewesen.“ Sie holte ein Stück Brot und Käse aus ihren Satteltaschen und reichte etwas davon der HalbelfeLiliah. Gemeinsam aßen sie, die eine zufrieden lächelnd, die andere ein reserviert. Als die Nacht vollends hereinbrach, fielen stille Schneeflocken vom Himmel.
„Miriamel?“
„Ja?“
„Ich bin auch froh darüber.“
Stille.
„…hör auf so dämlich zu grinsen!“
„Liliah, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“
Von den Bergen hörte man das Grollen einer abgehenden Schneelawine. Das darauffolgende Lachen war zweistimmig.
Ende?
_________________ Hohepriester: "...and I think the worse part is the jealousy."
Vaarsuvius: "As if it is OUR fault that they chose a class not capable of doing everything."
OOTS #764
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