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 Betreff des Beitrags: Die Feuer der Abanazzi
BeitragVerfasst: Mo 22. Okt 2007, 17:30 
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Sie saß im Schein der frühen Sonne oben auf dem Hügel der sich über das Lager erhob.
Es war kein Zufall, dass sich das Lager um genau jenen kleinen Hügel gebaut hatte. Lagrimmar hatte schnell erkannt, dass diese Erdformation eine positive Energie ausstrahlte. Das Legen der Karten, der Blick in die Silberschale, es ging leichter mit Hilfe der Aura des Berges.
Aber all das hatten die Stadtväter nicht wissen können, als sie ihnen damals einen Lagerplatz zuwiesen. Dass die Abanazzi ihr Lager schließlich etwas höher anlegten, als es geplant war wurde stillschweigend geduldet. Vermutlich waren die meisten sogar froh darüber, denn so fiel den Bürgern das Lager nicht direkt ins Auge.

Langsam erwachte die Welt um das Lager aus dem Traum einer kalten Herbstnacht. Lathander tauchte die Wiesen und Felder, die Bäume und Sträucher in das sattgoldene Licht des Herbstes. Die Wiesen um den schlängelnden Fluss waren in sanften Nebel getaucht, der langsam aufstieg um sich im Himmel mit den Wolken zu vereinen.
Kalt und klar war die Morgenluft, die fast betörend nach Pilzen, Kräutern und dem Moder des Herbstes roch.
Die Vögel sagen ihre Lieder, noch hatte sie niemand aus dem Unterholz aufschrecken können und sogar Nardo kaute ruhig auf einem Knochen herum, den Iwanka ihm mit dem Frühstück gebracht hatte. Sie wusste die Ruhe war nur von kurzer Dauer, denn schnell würde Nardo sein Mahl verschlungen haben und versuchen von Lucies Frühstück noch einen Happen abzubekommen. Nur vor den Katzen hatte das große Tier gehörigen Respekt, was gewiss mit dem Schabernack zusammen hing den Nesu zu gern mit ihm getrieben hatte…

Iwanka hatte eine Wolldecke um die Schultern geschlungen, denn trotz der Sonne war der Morgen kalt und feucht. Sie kniete sich vor den flachen Stein, der vermutlich schon immer auf dem Hügel gelegen hatte. Nur die Spuren von Asche und Feuer deuteten darauf hin, dass die Abanazzi auf diesem Stein schon oft geräuchert hatten. Doch an diesem Morgen verzichtete die junge Zigeunerin auf Räucherwerk. Sie nahm eine kleine Holzschachtel um sie vorsichtig zu öffnen. Zuerst nahm sie einen Stapel Karten heraus, die sie auf den Stein legte.
Dann nahm sie vier Halbedelsteine aus der Schachtel. Alle vier hatten etwa die Größe eines Taubenei und waren blank poliert worden. Sie richtete die Steine nach den Himmelsrichtungen aus, so legte sie einen orangeroten Feueropal in südlicher Richtung des Felssteins als Zeichen des Feuers. Als Zeichen für den Westen und des Wassers legte sie einen Aquamarin, der hellblau im Sonnenlicht schimmerte. Für den Osten hatte sie einen klaren Bergkristall, in dessen Innerem haardünne Streifen, wie Wurzeln eingeschlossen waren. Er war das Zeichen der Luft. Zuletzt legte sie den nördlichen Stein, eben Jade die in sattem dunkelgrün von Fruchtbarkeit und Erneuerung sprach und als Zeichen der Erde stand.

Dann nahm sie aus der Holzschachtel ein Tuch aus edelster Seide, die im satten Rot eingefärbt worden war. Aus feinstem Zwirn und dünnen Goldfäden waren darauf verschiedene Zeichen gestickt worden. Zweifellos war die Stickerei aus den geschickten Fingern einer Abanazzifrau entsprungen für die das Drachenvolk so berühmt war.
Ein großer Drache war darauf gestickt, der durch das Schimmern der Stickfäden im Sonnenlicht fast lebendig wirkte. Um den Drachen herum wanden sich Ornamente und mystische Zeichen, vor allem aber die Zeichen Shaundakuls und der Silbermaid. Rund um den Saum, an drei Seiten des Tuches waren Namen gestickt, zum Teil in fremdartigen Schriftzeichen. Zuletzt stand da der Name Iwanka, jene die davor zu lesen waren, waren die Namen ihrer Ahninnen, ihrer Mütter. Einmal würde sie selbst für ihre Tochter ein solches Tuch zu sticken haben und der Reihe einen Namen hinzufügen.
Sie legte das Tuch so, das seine vier Ecken an die Edelsteine anstießen und der Drache sie anschaute.
Während sie sich sammelte rieb sie sich die Hände mit einem Duftöl ein, wodurch sich der Duft von Lavendel, Vanille und Zitronengras auf dem kleinen Hügel verbreitete.

Während zwischen den Zelten knurren und kläffen verriet, das Nardo sich seinen Nachschlag holen wollte, nahm Iwanka die Karten in die Hände um sie zu mischen. Halblaut sang sie dabei ein Gebet zur Drachenmutter, die sie bat durch die Karten zu sprechen.
Dann legte sie die erste Karte auf das Drachentuch und sprach dabei: „Das ist“
Auf der Karte war ein Krieger auf einem Pferd zu sehen, der ein Schwert gen Himmel hielt, darunter standen die Worte: „Ritter der Schwerter“.
Dann legte sie links neben die Karte eine andere und sprach dazu: „Das war“.
Auf der Karte war ein Mann mit einem Kelch abgebildet in dem ein Fisch hervor schaute. Hinter dem Mann begann ein Wasser, dass Meer. Unter der Karte stand: „Page der Kelche“.
Rechts neben die erste Karte legte sie die letzte Karte, auf der ein Harlekin mit zwei Münzscheiben zu sehen war. Um die beiden Scheiben war eine Acht gemalt, das Zeichen der Unendlichkeit. Unter dieser Karte war nichts geschrieben. Sie legte sie mit den Worten: „Das wird sein“.

Sie nahm aus ihrer Schürzentasche einen kleinen, fein geschnitzten Talisman, der das Zeichen der Abanazzi, einen Drachen der sich in den Schwanz beißt, darstellte. Der Talisman war aus grünem Speckstein gearbeitet und mit einem Lederband versehen. So legte sie ihn auf die Karte die sie zuerst gelegt hatte.

…Der Ritter der Schwerter…Der schnelle Geist, das Schwert als Zeichen der Luftelemente, des freien Verstandes und schneller, gescheiter Entscheidungen…Gib dich gänzlich hin, so wirst du viel erleben und erreichen was du willst…Das ist…

Dann legte sie den kleinen Drachen auf die linke Karte, die die Vergangenheit anzeigte.

…Der Page der Kelche, der Fisch im Kelch zeigt uns den Inhalt der Seelenwelt zu begreifen, wie er die Wasserwelt begreift…Einfühlung, Verständnis und Meditation zeigen uns neues, sie dies als Quelle deiner Lebensenergie, so nur kannst du anderen eine Hilfe sein ihr Selbst zu erkennen…Erfülle dir eigene Wünsche und finde so dein Seelenheil…

Einen Moment verharrte sie, als sie über die Karte nachdachte. Schließlich aber legte sie den Talisman auf die letzte Karte, die für das Zukünftige stehen sollte.

…die Zwei der Münzen…Tanze den Tanz des Wandelns…Wertvolles und Wertloses wird sich wandeln, du musst deine Welt neu ordnen und dich selbst darin sicher wissen….Achte auf die Zeichen und wäge ab was sie dir bedeuten…du bist kein Diener, doch auch kein Beherrscher der Ereignisse….siehe Alternativen, denn was du tust nimmt Einfluss auf das Geschehen….erfahre Neuerung und finde dich darin zurecht…

Ihr Blick wanderte über das mittlerweile erwachte Lager, Lagrimmar kam gerade mit einem Eimer frischer Milch vom Bauern zurück und begann damit eine Milchsuppe daraus zu Kochen. Dafür hatte sie Chris geschickt Holzspäne zu schlagen, damit er anfeuern konnte.
Nardo hatte diesmal wohl kein Glück gehabt, bei seinem dreisten Diebstahl von Lucies Knochen, denn er hing an Lagrimmars Fersen falls diese etwas Essbares verlieren sollte.
Das zärtliche Wiehern von Lilly, ihrer Haflingerstute, verriet das Janus sich näherte um sie zu füttern.

…Tanze den Tanz des Wandels, erfahre Neuerung und finde dich darin zurecht…Seltsame Zeichen vor dem Winter, doch sehen wir was Fortuna den Abanazzi bringen wird…

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Beten ist die letzte Hoffnung des Schurken...
[Lisa Simpson]


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Feuer der Abanazzi
BeitragVerfasst: Mo 22. Okt 2007, 19:58 
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Es regnete Bindfäden an diesem Nachmittag und Iwanka trat zornig und enttäuscht aus der Hintertür der Schneiderei. Der Tag hatte schon übel begonnen, ein Ast war in der Nacht auf die Plane ihrer Jurte geschlagen und hatte einen breiten Riss verursacht. So hatte es reingeregnet und viele Kleider, die sie zum ausbessern vom Schneider bekommen hatte, waren nass geworden. Dass der alte Schneider davon nicht begeistert sein würde, war ihr klar gewesen. Doch dass er dafür ihren Preis so drücken würde, hatte sie nicht erwartet.

Während sie ihren Weg zum Lager suchte wollte sie sich abzulenken, indem sie versuchte nur auf die Pflastersteine zu treten und nicht auf die Fugen zwischen ihnen.
Erst als die Wache nahe des Tores seltsame Blicke auf sie warf, gab sie diese Idee auf. Es hob ihre Stimmung, als sie sich überlegte was die Gardisten jetzt wohl von ihrem Geisteszustand denken würden und sie unterdrückte die Versuchung, selbes Spiel mit den Planken der hölzernen Brücke zu veranstalten.
Nahe der Brücke traf sie Janus zufällig, der mit einer kahlköpfigen Frau Schutz vor dem Regen unter einem Baum suchte.
Es stellte sich heraus dass sie um Hilfe der Abanazzi bat, da einen Unterschlupf für die Nacht suchte. Gleich war Iwankas Argwohn geweckt, hatte sie ja zuvor berichtet sie fände in den Wäldern genügend Schutz.
Doch Misstrauen und Argwohn mochten die legendäre Gastfreundschaft der Abanazzi nicht in Frage stellen können und so fand die Fremde wenigstens für ein paar Stunden einen Platz am Feuer des fahrenden Volkes.
Das wiederum mochte die junge Zigeunerin gern, denn die kahle Frau freute sich offenbar über guten Eintopf und eine Schale Met.
Dann sprach die Fremde endlich, was sie tatsächlich wollte. Sie suchte Hilfe beim Drachenvolk, erhoffte sich Unterstützung bei der Suche nach einem Mädchen. Das arme Ding wollte sie vor einem Jäger schützen, der wohl nur Qual und Leid für sie hatte.
Da sie Iwanka bat, das Mädchen zu suchen und zu warnen, glaubte sie an den Guten Vorsatz der seltsamen Frau und beschloss ihr zu helfen. Denn auch das war es, was sie von Kindesbeinen an erfahren hatte…Hilfesuchenden nach Möglichkeit zu helfen…

Mit Janus beschloss sie nicht viel darum zu reden, je weniger betroffen waren umso besser. Schließlich schien besagter Jäger stark und kompromisslos, ganz ungefährlich würde dies kaum werden.

So kam es, das Janus und Iwanka die folgenden Tage in der Stadt verbrachten. Ohnehin hatten sie noch allerlei Seile und Jurtenplane zu organisieren um das Lager Winterfest zu machen. Leider gab es nur wenig, dass die kahlköpfige Frau von dem Mädchen zu beschreiben wusste. Erschwerend kam das Wetter hinzu, denn der Dauerregen lies die Bürger Mäntel und Kapuzen tragen, wenn sie nicht ganz zu Hause blieben.
Die Suche nach der Frau, schien aber wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen nur mit viel Glück zu schaffen sein…

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Feuer der Abanazzi
BeitragVerfasst: Sa 27. Okt 2007, 12:17 
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Zehnttag für Zehnttag verging. Jungen Frauen, auf die die dürftige Beschreibung passte begegneten den beiden nur zu oft, aber wie herausfinden wer nun die Gesuchte war. Erschwerend kam hinzu, dass auch der Jäger von ihrer Suche erfahren könnte. Wer wusste schon wie dieser reagieren würde.

Janus hatte die Hoffnung schon aufgegeben, nicht einmal Frank konnte ihm wirklich weiter helfen, als eines Abends Neftarie gehetzt in das Lager eilte. In Sorge ein ungemütlicher Geselle sei ihr gefolgt bat sie Janus einmal vor dem Lager Ausschau zu halten. Als Neftarie davon erzählte war schnell klar, dass sie unerwartet den Jäger aufgetan hatte.
Zufällig hatte der unfreundliche und bedrängende Mann Neftarie angesprochen ihr zu helfen eine ihm entlaufende Frau zu suchen. Auch wenn Janus an diesem Abend den Mann nicht mehr vor dem Lager fand, nun hatten sie eine genaue Beschreibung und schnell war eine List geboren. Warum das Mädchen mühsam suchen, wenn man auch den Jäger einfach von ihr wegführen könnte. Ihn zu finden sollte ein leichtes sein…

Janus, auf dem Rückweg von Franks Taverne, wo er bei einem festlichen Abendbrot über die neuerdings hier umherstreifenden Orks debattiert hatte und beobachten durfte wie einer tollpatschigen Maga ihr ganzes Hab und Gut entwendet wurde, schlenderte gemütlich über die lange hölzerne Brücke als er schon in der Ferne am Flussufer Neftarie und Shana sah, wie diese mit einem Fremden sprachen. Bester Laune also kam er näher, bis er der Unterhaltung folgen konnte. Eine gewisse Anspannung war den beiden Damen gleich anzumerken, daher blieb er einfach einmal schweigend im Rücken des Mannes stehen.
"Na. Hast du's dir anders überlegt?", rief der ungepflegte braunhaarige Mann ihr hinterher.
Angeekelt drehte sich Neftarie zu ihm um. "Verschwindet einfach. Ich mag euch nicht".
"Kein Interesse an Reichtum oder Macht? Ich warte noch auf eine Antwort", blieb der Kerl hartnäckig, als Janus nun auch von der Seite aus den wild wachsenden Vollbart und eine Narbe in seinem Gesicht entdeckte, wo dieser sich kurz zur Seite drehte um sich seines Speichels unhöflich zu entledigen

Der Jäger.

"Ich bin auf euer Drecksgold nicht angewiesen" fuhr ihn Neftarie genervt an. Janus sah seine Chance.
"Da hört ihr's, aber vielleicht kann ich euch weiter helfen", bot er sich ihm an.
"Schade, Schade, Schade. Vielleicht aber bin ich auf euer…". Der unangenehme Kerl fuhr herum zu Janus. "Was?".
"Ich glaube die Dame zu kennen die ihr sucht, aber Neftarie konnte sie mir nicht genau beschreiben."
"Meine entlaufene 'Ware'? Sie ist kleiner etwas helhäutiger, rehbraune Augen, dunkelrotes Haar", beschrieb der Kerl, der sich derweil mit Samir Trollschläger vorgestellt hatte die Gesuchte und versprach viel zu eilig ganze hundert Goldstücke.
Eine strategische Pause einlegend, als ob er darüber nachdenken müsste, wartete Janus noch einen Augenblick und gab ihm grübelnd zu verstehen, dass er genau jene kannte. Aber es wäre ja zu einfach, wenn das ganze nicht einen Haken hätte. Neftarie wusste nichts von der List, so beschloss Janus Samir erst einmal wegzubringen um nicht versehentlich aufzufliegen.
"Es wird nicht ganz so einfach wie ihr es sicher erwünscht. Ich selbst sah sie nicht, aber einer Bekannten begegnete sie. Nun, aber das sollten wir besser woanders besprechen", bot er dem Jäger an.
"Vielleicht, wenn ihr wirklich das Gold verdienen wollt".
"Der Winter wird hart".
"Dann lasst uns keine Zeit verlieren ich will so schnell wie möglich mit meiner Ware hier weg."

Schon hatte Janus in aus der Reichweite von den beiden Frauen gebracht. Der Mann war nicht gerade sehr geschickt, sprach stetig abfällig von seiner "Ware" und schien auch sonst nicht viel von Unauffälligkeit zu halten. Dass ihn die Wacht nicht längst aufgegriffen hatte war wohl nur dem Zufall zu verdanken. Unter einem Baum, etwas abseits, fanden die beiden Geschäftspartner Schutz vor dem Regen.
Es sollte nur noch Formsache sein ihn nun in die Falle zu locken. Siegessicher erzählte Janus ihm, dass das Mädchen sich einer Freundin im Hafen anvertraut hatte, weil sie Hilfe zur Flucht suche, doch als er noch so sprach wurde Samir plötzlich misstrauisch.
Nervös suchte der Kerl nach dem Griff seines Schwertes. "Ich glaube ihr habt sie gar nicht gesehen! Sie spricht auch nicht, oder? Eh? Spielt nicht mit mir."

"Sie spricht nicht?", fuhr es Janus wie ein Blitz durch den Kopf. Sein Herz schlug sogleich schneller, Panik kroch an ihm hinauf. Warum hatte er nie von diesem wichtigen Detail gehört. Wenn sie Stumm war, wie sollte er da nun erklären wie es zu all dem kam. Was würde Iwanka sagen, wenn er sich jetzt so schändlich verraten würde. In Panik tastete er ebenfalls nach seinem Hirschfänger.

Angespannt und alles andere als routiniert musste er retten was es noch zu retten gab.
"Ich sagte doch ich sah sie nicht, aber woher der Argwohn, werter Herr?"
"Ich glaube nicht was ich da von euch höre!"
"Warum sollte ich euch zum Narren halten wollen", fragte Janus unschuldig.
"Um mich aufzuhalten! Auszurauben? Ihr könnt es gerne versuchen. Ich weiß nicht was oder wer ihr seid. Ich weiß nur, dass ihr mir nichts sagen wollt, das mir hilft meine "Ware" zu finden. Ihr haltet mich zum Narren und ich weiß nicht wie lang ich dieses Spiel noch mitmache."
Samir wurde mit jedem Satz nur noch nervöser und Janus ging es nicht besser. So kam er nicht weiter, brachte sich nur in unnötige Gefahr.

"Was ist nur los. Wo ist all das was die Sippe mir beigebracht hat. Was hätte Jarek nur gemacht. Wäre er bloß hier, er hätte die richtigen Worte gefunden…"

Nur wenige Augenblicke hatte er Zeit eine Lösung zu finden. Ob seiner wachsenden Verzweiflung, die ihm sicher schon anzusehen war, schaffte Janus sich erst einmal aus dem Blickfeld des Jägers. Drehte sich halb weg, als hätte er beschlossen aufzugeben. Er wollte nicht zu aufdringlich sein, dass würde ihn nur noch verdächtiger erscheinen lassen.
"Wenn ihr die Zeit habt meine Hilfe abzulehnen…" sprach er schulterzuckend zu Samir und da kam ihm auch der Köder in den Sinn. Janus hatte sich schon zum Gehen umgewendet, als er die Angel noch ein letztes Mal auswarf. "Ich würde mir wenigstens anhören, was meine Freundin über eine Wölfin zu erzählen hat"
Der hungrige Fisch schnappte gleich nach dem Wurm. Dass Janus von Trauerweide und Oenna wusste schien ihn wieder anzulocken. Janus Selbstsicherheit war sogleich zurück. Ein zwei Schritte ging er noch weiter, während Samir seine Neugier kundtat.
"Eine Wölfin sagt ihr?"
Mit gespielter Gleichgültigkeit ließ er ihn etwas zappeln. "Nicht so wichtig, wir kommen ja nicht ins Geschäft".
"Wartet!"
Bevor sich Janus wieder umdrehte hätte man ein siegessicheres Grinsen über sein Gesicht huschen sehen. Jetzt brauchte er nur noch die Angel einholen und schon hatten sie nicht nur Gold für den Winter, sondern auch einem Mädchen geholfen.
"Zehn Goldstücke wenn ihr es mir erklären könnt!", bot Samir ihm nun an, worüber Janus nur schmunzeln konnte. Was wollte er nun mit zehn Münzen?
Samir sah das Zögern. "Oder sagt mir was ihr verlangt?".
"Ich schlage euch vor, dass ich euch zu meiner Bekannten führe, die wird euch erzählen können wo eure Freundin ist. Doch ihr habt vorhin noch eifrig hundert Münzen geboten. Für zehn Goldstücke wird Mirka euch nur auslachen."
Das sah auch Samir ein und beschloss den Preis mit Mirka persönlich auszuhandeln. Man einigte sich darauf, sich später vor Franks Gasthaus zu treffen um Mirka aufzusuchen und während der Jäger schon einmal gen Taverne schlenderte, eilte Janus ins Lager um Iwanka zu einem freizügigen Hafenmädchen zu machen…

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"Liebe ist das Wohlgefallen am Guten. Das Gute ist der einzige Grund der Liebe, denn lieben heißt: Jemandem Gutes tun wollen."
(Thomas Aquinas - Dominikaner)

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Nicholas Westenra (Krieger der Aster)
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 Betreff des Beitrags: Re: Die Feuer der Abanazzi
BeitragVerfasst: Mo 29. Okt 2007, 18:19 
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„..dreh dich um, Janus“
Janus fuhr in seinem Bericht fort, während er sein Gesicht zur Jurtenplane drehte. Indes schlüpfte Iwanka in eine Bluse, die sie zum Ausbessern von einem Mädchen aus dem Hafen bekommen hatte.
Mit Seturies alter Hose und hohen Stiefeln kombiniert hätte man sie tatsächlich für eine Hafendirne halten können. Unwohl fühlte sie sich in der Gewandung schon, wusste sie doch, dass Hafendirnen im Allgemeinen noch respektloser behandelt wurden als irgendwer sonst. Während sie ihre langen Haare zuerst mit Öl dunkel, glatt und strähnig machte um sie dann zu einem Zopf zu flechten, beendete Janus seine Erzählung und drehte sich wieder zu ihr.

Soweit lief alles nach Plan und während Janus noch einige Bedenken äußerte, fand die verkleidete Zigeunerin keinerlei Zögern in ihrem Plan.
Sie hatte glücklicherweise schon vor Tagen im Hafen mit verschiedenen Matrosen gesprochen. Mit Unterstützung einiger Rumflaschen, mädchenhaftem Liebreiz und 10 klimpernden Münzen hatte sie einen heimlichen Platz an Bord eines der letzten Schiffe in den Norden bekommen.
Um ihn zu beruhigen, erzählte sie Janus die Geschichte wie sie sich mit Jarek in Amn einmal als Graf und Gräfin ausgegeben hatte, um an einen Ratsmann heran zu kommen. Diesen hatten sie dann auch mit einer Finte überzeugen können, einen gekerkerten Abanazzi aus dem Strafturm zu lassen. Sie meinte, man müsse bloß gut beobachtet haben, was man spielt, denn die Irregeführten würden ja meist nichts ahnen.

Sie gingen noch einmal genau den Plan durch, allein der Treffpunkt war schwer zu wählen. Da der Fremde jetzt so plötzlich erschienen war konnten sie nicht mehr- wie vorgesehen, einige Hafendirnen einweihen. Für Janus war das der Punkt, der ihn schwer beunruhigte.
Davon wollte aber Iwanka nichts wissen, sie meinte damit sei nur der Schwierigkeitsgrad erhöht. Und das könne zuletzt nur Ansporn sein, schließlich würden sie Rivin ein Theaterstück bringen wollen und dies sei eine gute Übung.
Sie malte sich ihre Lippen feuerrot an und fügte dem Kohlenstift deutlich mehr Farbe zu. Dann nahm sie zuviel Wangenrot und zog einige Haarsträhnen aus dem Zopf.
Janus musste unweigerlich lachen, als er ihre „Kriegsbemalung“ sah. Doch er war wirklich besorgt, nannte den Mann „eiskalt“ und „skrupellos“ um vor ihm zu warnen. Also beschlossen sie sich mit ihm nahe der Stadtwache zu treffen. Ein Angriff seinerseits blieb dadurch nicht ungesehen und zuletzt waren sie beide ja auch nicht wehrlos.

Gemeinsam übten sie Sätze mit „Ay“ beginnen zu lassen, während sie den Weg zur Stadt suchten. Kurz davor trennten sie sich, damit Janus den Jäger locken konnte.
Zum Schutz vor dem Regen stellte sich Iwanka unter einen Baum vor den Mauern, um ihr Hautbild mit einem Handschuh zu verdecken. Es dauerte keinen Moment, als sie auch schon von einem Kerl angesprochen wurde. Er wollte wissen, was sie da tat, warf ihr vor die Frauen die in der Nähe standen zu belauschen. Seine Art rief Wut in ihr hervor, doch hatte sie die Rolle der Dirne zu geben, es sollte eine erste Übung sein.
Schließlich aber pöbelte er sie weiter an, sein Verhalten verhieß zweifellos, er würde auch nicht zögern sie anzugreifen.
Um durch den groben Kerl nicht ihre Verabredung zu verpassen, machte sie sich früher zum Stadttor auf. Doch der Kerl folgte ihr auf dem Schritt, zweifellos wollte er an ihr sein Mütchen kühlen. Auffällig zupfte sie an sich herum, tat als wolle sie etwas verbergen als sie in das Blickfeld der Gardisten vor dem Tor kam. Wie erhofft wurde sie von den Wachen aufgehalten, deren Argwohn sie mit ihrem auffälligen Verhalten geweckt hatte.
Offenbar merkte auch die Wache nichts von ihrer Verkleidung oder fand daran wenigstens nichts arges, so wurde sie nur kurz aufgehalten. Zudem ließen sich die beiden Wachen zu gern von ihrem freizügigen Verhalten bezirzen.
Indes hatte der Unruhestifter längst schon ein neues Opfer gefunden und schien genau an den richtigen geraten zu sein, denn Iwanka kam unbehelligt an den beiden Streitenden vorbei.

Hastig suchte Iwanka den Weg zum Treffpunkt und eilte die Straße entlang. Bald fand sie Janus und den Jäger. Schnell trat sie hinzu und Janus stellte sie als „Mirka“ vor.
Wie erhofft, hatte der Fremde gleich die Augen auf dem unverschämt tiefen Ausschnitt ihrer Bluse. Fast schon triumphierend warf sie Janus einen Blick zu, während Samir sich um den sprichwörtlichen kleinen Finger wickeln lies.
„Mirka“ berichtete das gesuchte Mädchen sei nicht mehr in Rivin zu finden. Es sei aus der Stadt geflohen, weit weg wäre sie jetzt schon.
Dann verhandelten sie zunächst über den Preis, den „Mirkas“ Information haben sollte. Im Zuge dessen, als Samir ihr Wissen in Frage stellte und all das posieren vor ihm nichts mehr half, erzählte sie, sie wisse all das so genau weil sie dem Mädchen geholfen hatte zu fliehen.
Darauf aber verlor der Fremde die Fassung und wollte drohen, schnell zog er blank und zog damit auch die eingeplante Aufmerksamkeit der Stadtwache auf sich.
Janus warnte eindringlich vor dem Kerker, in den er sie alle bringen würde und diese Aussicht lies Samir etwas ruhiger werden.
„Mirka“ erinnerte den aufgebrachten Mann daran, dass nur sie allein ihm sagen konnte wohin die gesuchte Geflohen war. Sicherheitshalber nahm sie aber Abstand zu ihm und seiner Klinge, doch aber darauf Bedacht die Aufmerksamkeit der Wache nicht weiter auf sie zu ziehen. Iwanka schlug das Herz bis zum Hals, sie durfte nur selbst nicht die Fassung verlieren sagte sie sich immer wieder in Gedanken vor.

Ihre Worte aber zeigten doch Wirkung, langsam wurde Samir auch wieder besonnener und zuletzt konnte sie ihm doch erzählen was angeblich geschehen war. Doch zuerst aber forderte sie ihren Preis, schließlich wollte sie das Abanazzilager damit Winterfest machen.
„Mirka“ prüfte die Münzen die er zu zahlen hatte, wie sie es im Riviner Hafen beobachtet hatte, mit einem Biss in die Münze und befand sie für echt.
Sie berichtete dem Jäger, das gesuchte Mädchen sei auf einem Schiff nach Niewinter. Der kommende Herbst würde eine Verfolgung erschweren, denn die Herbststürme im Norden und der kommende Winter würden den Schiffverkehr massiv einschränken.
Samir brauste wieder auf, nach diesen Informationen. Doch „Mirka“ gelang es schnell ihn zu beschwichtigen, denn sie bot ihm eine Lösung dafür an.
Natürlich galt es zunächst noch einmal über einen Preis zu verhandeln, denn die verkleidete Abanazzi witterte ein gutes Geschäft.
Indes bemerkte Iwanka auch Naftarie, die entlang der Straße Richtung Hafen ging und auch Janus wurde nach dieser Entdeckung sichtlich nervöser. In stillen Stoßgebeten hoffte sie auf Gutwill der Götter, das Neftarie sie nicht erkennen möge oder sie gar ansprechen würde und damit alles aufdecken könnte. Samir aber schien von der aufkommenden Nervosität nichts zu merken.
Nachdem abermals ein Beutel Münzen den Besitzer gewechselt hatte, nannte „Mirka“ die Namen dreier Seemänner die Samir als blinden Passagier an Bord der „Seegans“ bringen sollten. Ihnen hatte er nur genügend Rum zu geben und während der Fahrt durfte er sich nicht entdecken lassen. Natürlich verschwieg sie die Verfahrensweise der Kapitäne, wenn sie einen blinden Passagier entdeckten. Heimlich wünschte sie dem Widerling sogar, er möge doch entdeckt und ausgesetzt werden.
Währenddessen ging Neftarie vorbei an den Dreien ohne sie zu bemerken und erstickte damit die aufkommende Unruhe im Keim.

Verschiedene Worte wurden noch gewechselt, dann aber verschwand Samir Richtung Hafen offenbar vom Jagdfieber beseelt, im Morgengrauen sollte die „Seegans“ auslaufen.

Soweit war ihr Plan vollendet, der Jäger auf eine falsche Fährte gelockt und die Abanazzi um einige Münzen reicher. Als Janus und Iwanka den Weg Richtung Lager suchten waren sie erleichtert, wussten sie aber beide zur Ruhe würden sie erst dann kommen, wenn die „Seegans“ mit Samir ausgelaufen wäre.

Doch jetzt galt es das Mädchen zu finden und schleunigst in den Süden zu schicken…

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