... schwirrt man mit einer bösen Grippe am Samstagvormittag durchs Internet und die sozialen Medien.
... wird man daraufhin sprachlos, was die Menschen, in Deutschland und anderswo, so von sich geben. Man stellt daraufhin gedanklich Verbindungen her aufgrund von seinen bisherigen, ganz persönlichen Erfahrungen im Leben und erinnert sich plötzlich wieder an ganz viele Gesichter und Aussagen.
... findet man schließlich doch noch Worte und formuliert es
so ...
... bezweifelt man das gängig angenommene Prinzip von Schwarmintelligenz.
Je mehr Idioten zusammenkommen, umso größerer Blödsinn entsteht mitunter - und nicht das Gegenteil. Die Kehrseite des Internets, sein Fluch:
Mangelnde Bildung - man hat nie wirklich etwas studiert, ist nur auf wenigen Themengebieten versiert und hat trotzdem zu allem und jedem eine (meist bauchgefühlte) Meinung -, das kollektive Unwissen und die Verschwörungstheoretiker meiner und der beiden darauffolgenden Generationen, die Tag für Tag einen relativen Überfluß genießen dürfen und mit ihrer gefährlich infantilen, asozialen und im Grunde sehr Ich-bezogenen, konsumorientierten und intoleranten Anti-Haltung gegen alles und jeden sind, was nicht ihre begrenzte Weltsicht teilt.
Selten setzen sie sich wirklich für etwas ein - sehen Steine werfen mitunter als Teil politischer Willensbildung unserer freiheitlichen Demokratie, sie erklären das Einstechen mit einem Messer auf einen Polizisten zum Willen Gottes und das abfackeln von Flüchtlingsunterkünften als Bürgerpflicht und Ausdruck deutschen Volkswillens -, außer ihr eigenes Wohlbefinden, in Verbindung mit der mangelnden Bereitschaft dafür wirklich etwas neben ihrer täglichen Arbeit zu leisten. Sie erwarten aber von Politikern und anderen Personen des öffentlichen Lebens, dass diese es tun und geben sich dann wunderbar empört und gekränkt, wenn sie wieder mal enttäuscht oder verarscht wurden.
Diese Menschen, die nicht im Stande sind über sich zu lachen und denen im Grunde auch nichts mehr heilig ist, als ihre eigenen Bedürfnisse ... wie auch immer diese aussehen mögen. Diese absoluten Meister der Ignoranz, was diese sozial isolierten Individuen oft sind und nur im Mob und durch das Faustrecht des Stärkeren sowas wie Selbstbewusstsein beweisen, sehen jeden kleinen Fehler in jedem anderen. Und das ist dann auch der perfekte Grund für sie, solche Menschen unreflektiert zu Heuchlern und Menschenfeinden zu erklären - sie selbst sind aber Perfektionisten darin, die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, oder, viel schlimmer noch, ihre eigenen, unethischen und mitunter menschenverachtenden Idiologien ganz und gar herrlich und herrschaftlich in alle Welt hinauszubrüllen und über alles und jeden zu stellen.
... denkt man sich, dass etliche Politiker, die dieses Land regieren, eigentlich noch viel zu gut für Deutschland und Europa sind. Hätte man sich aber auch selbst, statt eines allumfassenden und bedingungslosen "Wir schaffen das" in diversen Talk-Shows, eine klare Ansprache an die Nation mit einem "Wir können nicht genau sagen, was auf uns zukommt" gewünscht.
... wundert man sich, warum die ganzen Besserwisser, die alles in unserer repräsentativen Demokratie so furchtbar schlimm, korrupt und verlogen finden sich an ihr nicht konstruktiv beteiligen und nur dadurch ihrer Partizipation Ausdruck verleihen können, indem sie Verbrecher wählen und alles und jeden, der ihre ganz eigene Attitüde nicht teilt, als Teil einer organisierten
Lügenpresse betrachten. Dann aber selbst, wenn es hart auf hart kommt und sie von kriminellen Flüchtlingen auf offener Straße bedrängt werden, nicht realisieren, das sowas vor allem dadurch möglich geworden ist, weil es in diesem Land, einige ländliche Regionen ausgenommen, kein couragiertes Zivil- und aktives Gemeindeleben existiert und dass die Bildung eines solchen nicht von nationalistischen und rechtsextremen Positionen abhängig ist. Aber die Bildung einer solchen aktiven Zivilgesellschaft erfordert Einsatz. Von jedem. Bitte nicht falsch verstehen! Ich bin mir bewusst, dass das nicht die Lösung für alle vorhandenen Probleme ist, aber es würde die allgemeine Situation entscheidend verbessern. Und ja, das kann mitunter echte und anstrengende Arbeit sein ... Puh!
Und so begnügt man sich vielleicht lieber mit seinen hohen Götzen der Zerstreuung und des Wohlstandes in den eigenen vier Wänden und rechtfertigt zugleich vieles mit der Ausrede:
"Man kann ja eh nichts verändern. ... Die
da oben lassen das eh nicht zu. (Deswegen wähle ich lieber Volksvertreter, die den hohen Grundsätzen nicht nur im Geheimen und in einem geringeren Maße zuwider handeln, sondern sich öffentlich den Schießbefehl auf Unbewaffnete wünschen.) ... Als Deutscher darf man eh nichts mehr in seinem Land kritisieren."
Doch darf man, meiner Meinung nach. Ich kritisiere regelmäßig vieles in meinem privaten Umfeld, meinen Peergroups, und in der Öffentlichkeit. In meiner Partei stehe deswegen auch ziemlich schlecht dar, aber das nehme ich gerne in Kauf und begnüge mich dann eben mit der undankbaren Rolle der innerparteilichen Opposition.
Es ist nun einmal naiv, wenn man nicht realisieren will, dass man dafür auch Opfer aufbringen muss und Nachteile erleiden wird, leider! Und leider wird es viel zu oft als naiv erachtet, wenn man es eben tut. Und es erfordert auch den Umstand, dass man sich aktiv mit bisweilen völlig fremden und trockenen Dingen auseinadersetzen muss. Man also eine echte Ahnung von dem haben muss, was man erzählt - ein ausgebildetes Selbstbewusstsein und Rechthaberei genügen da nicht.
Und auch, ganz wichtig, mit welcher Intention ich Kritik übe und dass es gilt Respektlosigkeit und Beleidigungen nicht mit Kritik zu verwechseln. Selbst dann nicht, wenn die Gegenseite standardmäßig sich dieser Methode bedient.
Oder um es mit den Worten von Drugsters Signatur aus dem Römerbrief des Saulus von Tarsus zu formulieren: "Nicht lass dich besiegen vom Bösen, sondern besiege durch das Gute das Böse."
... hört man dann Menschen sagen, die man mit solchen Worten konfrontiert: "Ich zahle doch Steuern. Reicht das nicht aus als mein persönlicher Beitrag zur Gesellschaft?"
... weiß man dann selbst nicht, ob man darüber innerlich lachen oder weinen soll.
... würde man die Mitmenschen gerne öfters daran erinnern, dass zwischen fehlender Bildung und Angst nur ein schmaler Grad liegt und es deswegen schon immer im Interesse gewisser Personen und Institutionen, schon über die vielen Jahrhunderte hinweg, lag, den Menschen den Zugang zu den Naturwissenschaften, philanthropischen Philosophien und ethisch fundierten Theologien vorzuenthalten ... menschenverachtende Staatsidiologien - egal welche Färbung sie sich selbst verleihen mögen - stumpfe Moral- und Rassenlehren - "Man muss sich gar nichts verdienen, denn man wird ja so toll geboren!" - sind ja soviel bequemer.
... möchte man die Menschen in diesem schönen Land darauf hinweisen, dass die
polis, eine der größten kulturellen Schätze des westlichen Abendlandes, im Begriff ist, von eben jenen Menschen die dort leben, aufgegeben zu werden bzw. auf eine verkümmerte, digitale Ebene und Wutproteste reduzieren zu lassen.
... verinnerlicht man sich gleichzeitig, dass man in einem wunderschönen Land leben darf. Voll von materiellen und immaterieller Schätzen. Mit einer bewegten Geschichte, die wir nicht als Belastung, vor allem die jüngere Vergangenheit, verstehen sollte, sondern als die Gabe, besser und bewusster Verantwortung für uns und andere zu übernehmen.
Und das man verliebt ist in seine Sprache und die Natur dieses Landes und man nirgendswo lieber leben möchte als in unserem schönen Deutschland - das sage ich, als ein Kind von sozial schwach situierten und bildungsfernen Eltern, die vor langer Zeit als Flüchtlinge in die Bundesrepublik Deutschland kamen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben für sich und ihre Kinder. Und ich hoffe auf innigste, dass ich meine Heimat aus politischen Gründen nie werde verlassen müssen.
... wünscht man
allen ein schönes Wochenende!
