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Xargorat
„Kommandant?“ Die heisere Stimme des Adjutanten schreckte Xargorat aus seinen Gedanken, während er sein neues Schwert reinigte. „Wir sind marschbereit.“ Mit ernster Miene machten sich die beiden Männer in den Portalhof auf. Das Bild, das sich ihnen darbot, war beeindruckend. Die sechs Hundertschaften des Flügels von Wheloon hatten sich jeweils in Quadraten aufgestellt, vorne die Schildträger, dazwischen Pikeniere und Flankenschnitter, die für besondere Kampfstrategien gebraucht wurden, dahinter die Langbogenschützen. Alle trugen sie ihre Kriegsrüstungen, blank poliert und in den Farben des Bundes: blau, gold und rot. Vor dem Flügel hatte sich Urias Sonnenschild postiert, flankiert von seinen sechs Unteroffizieren. Im hinteren Teil des Hofes sah Xargorat nun seine eigenen Männer aufmaschieren, die zwei Hundertschaften der Weißen Brigarden mit ihren milchigen Metallrüstungen auf den Rücken ihrer ebenso gerüsteten weißen Schlachtrösser. Sein Knappe wartete bereits mit Donner auf ihn, ein feuriger Wallach, den Xargorat selbst ausgebildet hatte. Mit einem kurzen, schiefen Lächeln tätschelte er den Hals des unruhigen Tieres und schwang sich auf seinen Rücken, bevor er seine Position vor seinen Soldaten einnahm. Von seiner erhobenen Position aus hatte er einen guten Blick auf die Anführer des Heeres, die als letzte durch das Tor schritten. Trajan Ronthar und eine Halb-Elfe, die er noch nicht kannte, waren die ersten auf ihren leichten, cormyrianischen Schlachtrössern, dann folgten Altiara Serailla und Hontajo Shing und ein Raunen ging durch die disziplinierten Truppen. Xargorat konnte ein Erschauern nicht unterdrücken, als er die beiden sah, denn sie hatten nicht auf Pferde zurückgegriffen. Das Gefühl der Unruhe meldete sich wieder in seinem Magen, sie wurden von zwei leibhaftigen Einhörnern in den Hof getragen und wendeten sich zum abmarschbereiten Heer. „Soldaten des Tarkanischen Bundes“, schallte die magisch verstärkte Stimme des Shing zu ihm herüber. „Die Zeit des Abmarsches ist gekommen. Ich weiß, dass euch nicht viel Zeit blieb, um euch von euren Freunden und Familien zu verabschieden und ich weiß auch, wie unruhig ihr sein müsst angesichts dieses raschen Aufbruchs.“ Langsam ließ der Veteran seinen Blick durch die Reihen wandern. „In den Silbermarken ist Krieg ausgebrochen und nicht irgendein Krieg. Die Stadt der Schatten, die Thultanthar, die vor wenigen Jahren bereits einmal unsere Faust traf, strebt danach, ihre Macht über ganz Faerûn auszudehnen und wie schon damals, als sie unsere Ernten verdorren ließen in ihrem rücksichtslosen Streben, werden wir sie aufhalten.“ Zustimmendes Gemurmel erhob sich und Xargorat nickte für sich, bemüht, eine entschlossene Miene aufzusetzen. Schließlich war er bei dieser Schlacht dabeigewesen und diejenigen, die mittlerweile stark genug waren, die Gefallenen zu ersetzen, beobachteten ihn sehr genau. „Die Schatten haben wieder einmal furchtbare Verbrechen begangen. Sie haben Truppen ausgehoben, die nun plündernd und mordend durch die Lande ziehen und die Bastionen der Zivilisation bedrohen. Orks und andere Bestien sind ihrem Ruf gefolgt mit dem einzigen Ansinnen, alles zu vernichten, für das auch wir stehen: Für Zivilisation, für Frieden und für Freiheit.“ Wieder erhob sich zustimmendes Gemurmel. „Und sie haben noch ein weiteres Verbrechen begangen.“, fuhr der Krieger fort. „Sie haben in ihrem sinnlosen Streben, den Willen der Silbermarken im Kampf gegen sie zu brechen, einen Anschlag auf Alustriel Silberhand verübt in dem Glauben, dass diese Abscheulichkeit ihnen den Sieg bringen würde.“ Einen Raunen ging durch die Menge. „Aber ich sage euch: Wir werden sie eines besseren belehren. Wir werden sie lehren, dass ihre Untaten nichts weiter bewirkt haben, als den Zorn der Götter zu wecken, wir werden sie lehren, dass der Lohn für diese Tat nun ist, dass unsere Faust sie ein weiteres Mal treffen wird, und diesmal werden wir nicht zurücktreten, wenn sie taumeln. Wir haben die Macht, zu Ende zu bringen, was bereits vor über tausend Jahren hätte geschehen sollen, wir haben die Macht, sie bei ihrer Torheit und ihrer Arroganz zu packen, bei ihrer Ehrlosigkeit zu fassen zu bekommen und in den Staub zu schleudern, in den sie schon vor so langer Zeit hätten fallen müssen. Die Schatten haben den Wind gerufen und wir sind der Orkan, der ihnen antwortet!“ Zustimmendes Gebrüll aus vielen Kehlen erhob sich und die Soldaten begannen ihre Waffen zu ziehen und sie nach oben zu recken. Auch Xargorat griff zu dem prächtigen Zweihänder, der an seinem Sattel hing und hob ihn mit der rechten Hand über den Kopf. „Dann lasst uns nun das Licht dieses gerechten Zorns nach Silbrigmond bringen und den Schatten zeigen: Die Zeit dieses Zornes hat gerade erst begonnen.“ Xargorat sah den legendären Schwertmeister noch weitersprechen, aber auch die magische Verstärkung seiner Stimme konnte es nicht mit dem Gebrüll aufnehmen, das durch den Hof brandete, als die Einhörner sich schließlich zum Tor wandten und die beiden lebenden Legenden in das wabernde Licht trugen, dass sich im Zentrum der acht riesigen, gekrümmten Steinsäulen gebildet hatte, das Meisterstück das verstorbenen Portalmagiers Trajan Ronthar der Ältere darstellten. Dann setzte sich der gesamte Zug in Bewegung und Xargorats schlechtes Gefühl im Magen erhielt neue Nahrung. Er verspürte beim Anblick des Portals eine aufrichtige Hassliebe. Seine Existenz hatte sein Leben schon mehrere Male gerettet, aber an die Reisen und ihre Nachwirkungen konnte und wollte er sich einfach nicht gewöhnen. Viele Erinnerungen kamen in ihm hoch, als die Säulen vor ihm immer mehr an Größe gewannen, Erinnerungen an vergangene Schlachten und Einsätze, die er an der Seite des Mannes geschlagen hatte, der wieder einmal als erster aufgebrochen war. Doch diesmal ging es nicht darum, in die Heimat des Gegners einzufallen, zu tun, was nötig war, und wieder zu verschwinden, diesmal zog er in einen ausgewachsenen Krieg, und im Gegensatz zu den Soldaten, die vor ihm marschierten, wusste er, wie mächtig der Gegner war, dem sie sich nun stellen mussten. Und dennoch hatte er keine andere Wahl, als Zuversicht auszustrahlen und mit vorgestreckter Brust durch das vermaledeite Portal zu marschieren und zu tun, was er geschworen hatte: Seine Klinge in den Dienst des Shing zu stellen, gleich wie groß der Gegner und wie aussichtslos der Kampf. Dann verschlang ihn das Licht und trug ihn weit fort.
_________________ Charaktere:
Settingscharakter - Lando Lyonseph Hauptcharakter - Gilavain Throasar Dlaerathem Nebencharakter - Doran Sirilyer
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