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 Betreff des Beitrags: Niewinter: Wintereinbruch
BeitragVerfasst: Fr 13. Jun 2008, 14:57 
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((Dieser Thread dient zur Schilderung der Ereignisse auf der Quest "Niewinter-Wintereinbruch". Wer von den Protagonisten möchte, kann hier seine Beiträge schreiben))


Teil I Schiffsreise - Alpträume

die erste Nacht - Kahri

Die Elfenbarke glitt den tosenden Wellen trotzend durch die stürmische Nacht. Die weißen Segel, die in der untergehenden Sonne, wie die Flügel eines Vogels gewirkt hatten, waren eingezogen. Immer wieder reckte sich der Bug des Schiffes in die Höhe und klatschte nur Momente später wieder kraftvoll in die See zurück.

In der Kajüte flackerten nur noch wenige kleine Kerzen in schützenden Gläsern. Es roch nach Schnaps, den die Männer in einem der Regale gefunden hatten und den sie beim Kartenspiel und der Unterhaltung miteinander getrunken hatten. Irgendwo rollte ein kleiner Becher durch die Bewegungen der Wellen hin und her.

Kahri hatte sich wieder in den Schneidersitz auf ihr Bett gesetzt, die zwei Kurzschwerter, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, in ihren Schoß gelegt und betrachtete im Halbdunkeln des Raumes die schlafenden Gesichter ihrer Gefährten. Junge Züge, Augen, die viel gesehen hatten, viel erlebt hatten. Manche hatten aus ihrer Erfahrung gelernt und stellten sich ihrem Schicksal mit der nötigen Demut entgegen, andere nutzen das Überleben, mit dem sie aus ihren Geschichten gekommen waren, als Beweis ihrer Überlegenheit... nur das ihre Hybris keine charakterliche Stärke war.

Demian war den Abend über eine ungünstige Liaison mit einem Eimer eingegangen und selbst im Schlaf stand ihr die Übelkeit der Seekrankheit ins Gesicht geschrieben.
Der Druide neben ihr schlief den Schlaf der Gerechten und für einen Moment war Kahri sogar dankbar, das es tatsächlich Zeiträume gab, in denen er einfach mal den Mund hielt. Leomar schmatze leicht im Schlaf und drehte sich hin und wieder unruhig herum aber Kahri kannte seine Schlafgewohnheiten und wäre ihr danach gewesen, hätte sie wegen seiner Geräuschkulisse wohl geschmunzelt.

Nur Kahri war nicht zum Lachen. Nicht im Geringsten. In ihren gesenkten Augen spiegelte sich der violette Edelstein wieder, das einzige Schmuckstück der Waffe auf ihrem Schoß.

...
...
...

„Endlich begegnen wir uns einmal... meine Herrin.“

Der Raum in schweres Eichenholz gekleidet, ist geschwängert vom Geruch verbranntem Menschenfleischs und Schwefel. Ein Kamin und ein einladendes Bett aus roter Seide bilden die einzigen Möbelstücke. Sie spürt den glatten kühlen Stoff auf ihrer Haut, doch kann sich nicht daran erfreuen.
Das Gesicht eines Elfen spiegelt sich in ihren Augen wieder. Auf seine merkwürdige, unnatürliche Art ist er fast schön.
Die zwei widderartigen Hörner scheinen in seltsamer Harmonie ein Teil von ihm zu sein, passen sich in das ebenmäßige Bild seines Äußeren. Langes rotes Haar umspielt die spitzen Ohren und bieten einen Kontrast zu den grünen schlangenartigen Augen, die sie fordernd ansehen. Sein Atem hinterlässt eine Gänsehaut auf ihrem Nacken.

„Wir werden... so viel töten und morgen... liebste Herrin, freue ich mich auf das Blutbad, dass ich in deinen Diensten anrichten darf.“

Sie spürt seine Hände und die spitzen, fast klauenartigen Nägel in ihren Haaren. Der Geruch von verbranntem Fleisch brennt in ihrer Nase und sie weiß nicht, ob sie ihrem Gegenüber mit Abscheu und Ekel entgegenblicken soll oder mit der unverwandten Neugierde, vor der sie ihre Meisterin bereits warnte.

Morgen, Karaski’lith, was ist morgen?

Jeder Augenblick, jede Berührung, jedes zischelnde Wort von seinen vollkommenen Lippen, seine ganze Abartigkeit, die eisige Kälte und der durchdringende Geruch von Schwefel, der in diesem Raum liegt, lassen sie erkennen, was über ihr ist aber reicht das auch? Zu wissen?

„Nur du darfst mich berühren... und du weißt auch, was ich mache, wenn es jemand anderes tut... du hast es gesehen, was geschah, als die Unreine Hand an mich legte...“

„Deine Seele ist wunderschön... ich habe alle ihre Bereiche erforscht, während wir zusammen waren... ich will mehr von dir sehen... ich will ganz mit dir vereint sein... ich will in dir sein...“


Ihre Augen verengen sich, die unsichtbare Kraft, die sie auf dem Bett hält, lässt Wut in ihr keimen, Gegenwehr, denn Kahri ist vieles, doch keine Gefangene. Sein Lachen durchdringt den Raum und hallt in ihrem Innern wieder. Ihre Seele wischt die Faszination seiner Art von sich... und lässt die Essenz zurück, ein Tier, ein Dämon... das ungewollte aber notwendige Bündnis.

„...zu einem gegebenen Zeitpunkt...“
„...zu einem gegebenen Zeitpunkt...“

_________________
"...All das ist noch nicht einmal eine Generation her, wieso wiederholt sich alles?"

"Weil das Vergessen einfacher ist, als das Ertragen des Erfahrenen, weil falsche Sicherheit wichtiger ist, als stetige Vorsicht, denn siehe Wölfe sind unter die Lämmer gekommen aber sie jagen nicht, deshalb hält man sie für Hunde."


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 Betreff des Beitrags: Re: Niewinter: Wintereinbruch
BeitragVerfasst: Sa 20. Sep 2008, 18:27 
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Die letzte Nacht? - Leomar

Nur langsam erhob sich der junge Mann aus dem Bett und richtete seinen Blick auf das Fenster in dem dunklen Raum. Der Himmel war finster, wie sollte es auch anders sein. Er weiß nicht, wie lange er die Sonne nicht mehr gesehen hat und das Einzige, das ihn noch ein wenig erheitern konnte war die Tatsache, dass es ausnahmsweise nicht schneite. Er lenkte seinen Blick auf die Flasche Schnaps die neben seinem Bett stand und wischte sich über die Augen ehe ihm ein tiefer Seufzer entkam.

Eine gerettete Frau war die magere Ausbeute die sie bisher für sich zu verbuchen hatten, doch zu welchem Preis? Wie viele Menschen mögen sie bereits getötet haben in dieser ewig anhaltenden Dunkelheit? Fünfzig? Achtzig? Einhundert....? Schnell schüttelte er den Gedanken wieder ab, während ihm ein kalter Schauder über den Rücken lief. Er lebte noch und das ist es was zählt, sprach er sich selbst in Gedanken vor.

Er blickte auf seine zittrigen Hände, auf den silbernen Ring an seinem Finger und ein kurzes Lächeln entkam ihm während in ihm wieder der Gedanke aufkam einfach zu gehen, dies alles hinter sich zu lassen.

Die Gruppe hatte sich schon vor Stunden getrennt und die Vorstellung nur noch zu zweit zu sein war gewissermaßen erschreckend. Bisher kamen sie ganz gut klar, vielleicht sogar besser als mit den Anderen, doch was, sollten sie ihm plötzlich gegenüberstehen? Mag es überhaupt noch jemanden geben der dieses Unheil abzuwenden vermag?

Wie es wohl den anderen gehen mag? Ob sie überhaupt noch leben?

Es ist so kalt...

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~ Sei dir selber treu. Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen. ~ William Shakespeare

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Factor V

Leomar Corthan


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 Betreff des Beitrags: Re: Niewinter: Wintereinbruch
BeitragVerfasst: Di 23. Sep 2008, 14:18 
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((Gemeinsam von Kay und Icy verfasst.))

Die Hölle...

Sie müssen verrückt sein, wer sonst würde eine solch irrsinnige Idee verfolgen?

Erschöpft führten ihre Füße sie weiter, vorbei an Mauern die sie bereits gesehen hatten, Kisten die bereits erforscht wurden und ein steinernes Tor was zu oft durchschritten ward. Die Schrecken der letzten Stunden hatten sich zu tief in ihren Geist gefressen, ein einziger Wunsch brannte nun noch in ihrer Seele: der Wunsch nach Rückkehr. Rückkehr an einen sicheren Ort, der Wärme und Sicherheit versprach, denn beides würden sie hier nicht finden. Jede Wärme verwandelte sich hier in ein alles verschlingendes Feuer und jede Sicherheit zu einer tödlichen Falle.

Dumpf erklangen ihre Schritte auf dem blanken Fels, verrieten ihnen lediglich, dass sie zurück waren, zurück am Anfang dieser zermaternden Reise.

Jaren folgte Leomar in den Raum der Bücher, grausame Schicksale waren hier verzeichnet und suchten in der kreativen Beschreibung und Ausmalung der Ereignisse ihres Gleichen. Der qualvolle Tod Leomar Corthans direkt neben der Vierteilung Jaren Gyumaos, dem Bilderbuch, standen hier neben tausenden anderen Zukünften die sie an diesem Ort ereilen konnten.

Erst das hochschnellen der steinernen Geheimtür hinter Jaren konnte sie aus ihrer Lethargie befreien. Knirschende Knochen, das Spritzen von Blut und die Erkenntnis, dass ihr dritter Gefährte, dem dieses Schicksal prophezeit ward, hinter ihnen gelaufen war, ließ wieder Leben in ihre Glieder kommen.

"Das Seil Leomar, das Seil! Zieh an dem verdammten Seil!

Leomar riss die Augen auf und spurtete zu dem Seil, von dem sie sich sicher waren, es würde dieses Tor wieder öffnen, um daran zu ziehen, doch stand schon lange fest, dass es dafür zu spät war. Dies war die Hölle, Platz für Freude des Wiedersehens gab es hier nicht.

Schockiert blickten beide Recken zurück zu der Wand die soeben ihren Verbündeten zerquetscht hatte. Verzweiflung spiegelte sich in ihren Augen, Augen inmitten von Rußgeschwärzten und müden Gesichtern.

"Sarez ... nein… SAREZ!

Matte Töne von Fäusten die gegen Stein schlugen ließen das Herz des Herren dieser Welt nicht erweichen, ebenso wenig wie die von Leid durchsetzten Schreie. Hier gab es keine Hoffnung – für niemanden.

Sarez… er ist ... Warum hast du nicht am Seil gezogen? WARUM Leomar?!"

Jarens’ Stimme überschlug sich, all die Qual die ihnen hier widerfahren war hatte längst tiefe Narben auf seine Seele gebrannt. Der Verlust des Freundes würde nun einen Platz neben all den anderen finden.

"Ich habe daran gezogen! Warum bist du nicht gemeinsam mit ihm durchgegangen?!"

Schrecken und Hilflosigkeit ließen Leomar aufbegehren, auch er hatte mehr sehen müssen als er wollte, längst hatte man seinen Lebensfaden aufgesponnen und beständig versucht ihn zu durchtrennen, die Angst es würde ihnen bald gelingen war allgegenwärtig.

"Du hättest am Seil ziehen sollen! Du hast ihn sterben lassen!

Ein Vorwurf folgte dem nächsten, allein die von Wut und Verlust geprägten Stimmen erfüllten nun das jahrhundertealte Gemäuer.

Du bist für seinen Tod verantwortlich! … Wie konntest du das nur tun, nach all dem was er für uns tat! Er war unser Freund!"

"Ich ... ich kann nichts dafür. Lies in dem Buch nach! Ich hatte ihn doch gewarnt!"

Jaren trat an Leomar vorbei, längst vernahm er erneut die Einflüsterungen jener Stimme die ihn Stunden zuvor in den Abgrund stürzen wollte. Doch er war nicht stark genug sich ihr zu widersetzen, gefangen in ihrem Bann gehörte er ihr. Energisch schlug er die Seiten des Buches auf, welches auf magische Weise zahlreiche Tagebucheinträge der Gefährten sein Eigentum nannte. Einträge die tiefste Geheimnisse offenbaren mochten und ebenso grausames Geschehen zu ergründen versuchten.

In frischer Tinte fand sich etwas, unverwechselbar las sich die Handschrift in der geschrieben stand, was der Stimme in Jarens Geist Kraft gab und jeden Widerstand verblassen ließ.

'Mein heimtückischer Plan Jarens Tochter zu ermorden ist aufgegangen... und den einzigen Zeugen neben Jaren selbst bin ich auch losgeworden, nun bleibt nur noch eines zu tun... L. C.'

Sie hatte Recht! Jaren sah an Leomar vorbei, dort stand sie. Samara. Ängstlich schlang sie ihre Arme um sich und blickte flehend in die Augen ihres Vaters. Von Furcht und Zwietracht geprägte Worte fanden ihren Weg in des Verzweifelten Ohr. Er gab ihr Recht und betrachtete wieder jenen, dem er die Schuld an all der Qual zu geben mochte, Leomar.

"Du ... elender Mörder ..."

"Sag Leomar ... lässt du dir das gefallen?", erklang eine andere Stimme. Hinter Jaren stand sie, gerade und mit einem überlegenen Lächeln – Rabea.

"Du hast ihn ermordet ... und deinen Plan niedergeschrieben! Wie dreist… kann man sein?! Dachtest du ich sehe es nicht? Du… du versuchst meine Familie zu vernichten! Und alle die mir etwas bedeuten! Erst versuchst du Shara hinrichten zu lassen, dann verhinderst du dass ich meine Tochter rette und nun Sarez!"

Offener Hass und Feindseligkeit schlugen nun Leomar entgegen, tiefe Schatten schmiegten sich unter Jarens Auge, die seine Erscheinung noch finsterer erscheinen ließen als es der trübe Schein des Lichtes nicht ohnehin schon tat.

Wieder erklang die Stimme jener Frau, die Leomars Vertrauen besaß.

"Er hat euch an Devon verraten. Er hat es doch zugegeben!"

"Vater! Bitte, der böse Mann will mir weh tun!“ Gleichzeitig erklangen die unterschiedlichen Frauenstimmen, doch jeder der Männer war nur für eine der süßen Verlockungen des Teufels anfällig.

"Er ist ein Verräter ... töte ihn, dann lebe ich wieder Vater."

"Er ist ein Verräter ... töte ihn und wir kehren gemeinsam nach Rivin zurück."

'Verräter', wisperten die beiden Männer im selben Moment. Die Blicke beider trafen sich, sie verrieten den todbringenden Wunsch den sie in sich trugen. Eingepflanzt von listigen Worten und giftigen Bildern, die sie in den Wahnsinn getrieben hatten.

"Töte ihn!"

"Töte ihn!"

Ihre Hände griffen nach ihren Waffen, Jaren trat zurück um sich in die Schatten der Bibliothek zu schmiegen, er hatte nicht vor einen Ehrentod zu finden. Zornig sah ihm Leomar nach, er vernahm das Klicken des Bolzens der eingespannt wurde und versuchte noch in die Dunkelheit zu spähen, als ein zweites Klicken erklang. Ein Bolzen schnellte aus der Finsternis und streifte ihn an seiner Schulter. Kettenglieder gaben unter dem plötzlichen Druck nach und eine schmale Wunde entstand. Doch ebenso schnell sprang Leomar nun zur Seite, ein anderes Bücherregal würde ihm als Deckung dienen.

"Zieh deine Klinge und komm her! Kämpfe wie ein Mann du Feigling!" Rief er Jaren entgegen, doch nichts erwiderte jener, der längst eine gefährlichere Waffe in seinen Händen hielt.

"Schände ihn!"

"Verstümmle ihn!"

Die Stimmen der Geister ihrer Pein gossen beständig Öl in das Feuer des Hasses, es war nur noch eine Frage der Zeit bis jene Streiter ihre Klingen kreuzen würden um ihrem Gegenüber ein Versprechen des Todes und Schmerzes wahr zu machen.

"Töte ihn!"

"Töte ihn!"

Schließlich durchschnitt ein funkelnder Pfeil das dämmrige Licht und schlug in jenes Regal ein, hinter welchem Leomar Schutz vor dem Fernkampf gesucht hatte. Doch ein dröhnen folgte dem Einschlag und reißende Flammen stoben aus der Spitze des Pfeils, rissen nach ihm und seinem Leben.

Ein Schmerzensschrei durchdrang den Ort der lauernden Finsternis… Doch nun geschah etwas, was die Zwietracht und Hasse säenden Geister nicht beachtet hatten. Besinnung riss beide Feinde aus ihren vernebelten Gedanken. Plötzlich wurden sie sich ihrer Taten bewusst.

Mit Schrecken erkannten sie nun, dass sie ihrem einzigen Freund an diesem Ort dem Tod entgegen treiben gewollt hatten. Jaren ließ seinen Kurzbogen fallen und zog seine Klinge, mit von Furcht erfüllter Stimme rief er nach jenem, der in all den Tagen zuvor zu einem Kameraden und Vertrauten geworden war.

"Leomar! Sprich mit mir! Leomar! Lebst du noch?!"

Ein Ächzen war zu vernehmen, bevor sich Leomar wieder aufrichtete.

Du hättest mich beinahe umgebracht Jaren!“ Erklang grimmig Leomars Stimme, eine Erleichterung regte sich trotz der Wut die in Leomars Stimme mit schwang in Jarens Seele.

Doch nun sahen sie sie beide, jene, die sie für ihre Liebsten gehalten hatten, welche nun aus ihrer Deckung hervortraten. Da standen sie nun, sichtbar für alle. Samara und Rabea. Geformte Porzellanpuppen mit der Gestalt jener geliebten Menschen, die das Vertrauen beider Recken besaßen. Nachbildungen deren Makel sie in ihrem Wahn nicht zu erkennen vermochten, eine Demütigung ihres Verstandes.

Ihnen gegenüber standen Jaren und Leomar, Wut entflammte auch dieses Mal in beider Herzen, doch entbrannt durch jene die sie aufeinander gehetzt hatten.

Unvermeidlich hoben beide ihre Klingen, es gab nun kein Spiel mehr. Sie würden das Böse an diesem Ort vernichten und mit diesen Geistern die sie plagten würden sie beginnen! Laute, prophezeiende Worte entrissen sich der Kehle der beiden Männer.

Für Sarez!
Für Samara!
Für Rabea!

Sie rannten vor, die Leiber der Puppen zersprangen und entblößten perfekte weibliche Körper deren lüsterne Blicke trotz der spürbaren Gefahr die von ihnen ausging beide trafen. Doch zu sehr hatten sie an ihren Seelen genagt, die Recken wichen nicht zurück und so begann ein blutiger Kampf zwischen Klingen und den Krallen des Bösen.

Doch mochte das Licht beider auch noch so hell scheinen, hier war eine Stätte des Bösen. Ein Ort an dem die Finsternis gewann, nicht die Hoffnung. Die Verderbnis nannte dies ihre Heimat und würde keine von Verzweiflung geführte Klinge, die für das Gute und herzzerreißende Gefühle erhoben ward, gewinnen lassen.

Auf blutbeflecktem, kaltem Boden fielen die Leiber von Leomar und Jaren. Kaum mehr als ein Funke Leben war noch geblieben, als die tödlichen Botinnen der Hölle sich über sie beugten und ihnen ein verführerisches Angebot machten.

Doch beide schüttelten ihren Kopf, so schwach, wie es ihnen noch möglich war, als sie vor die Wahl gestellt wurden ihre Seelen zu geben um weiterzuleben.

"Zu schade."

"Zu schade."

Die Erinnyen hoben ihre Schwerter über die beiden Streiter ... zeitgleich und simultan fuhren sie hernieder ... ein kurzer Augenblick ... zwei Tote ... vorbei ... Dunkelheit.

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Leomar Corthan


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 Betreff des Beitrags: Re: Niewinter: Wintereinbruch
BeitragVerfasst: Mo 6. Okt 2008, 09:50 
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Sie hatten den Teufel besiegt.

Matt spiegelten sich die Ereignisse in der Hölle Devons in seinen Gedanken wieder, keines dieser Ereignisse durfte sich wiederholen. Noch immer spürte er die Schmerzen die ihm zugefügt wurden, an seinem Körper, als auch in seiner Seele. Sein Magen zog sich zusammen und er schmeckte einen üblen Geschmack auf der Zunge, er hätte nie hierher kommen dürfen.

Sie hatten Varamon besiegt.

Der Anblick der Toten würde niemals aus seinem Gedächtnis verschwinden. So viele waren gestorben… Menschen die er kennen gelernt hatte, Menschen die er gemocht hatte. Zuviel Leid und zuviel unnötiges Sterben. Er hatte die Toten nicht gezählt, aber jene die dem Ton, der die Menschen wahnsinnig gemacht hatte, zum Opfer gefallen waren hatten ein ganzes Stadtviertel gefüllt. Und jene, die durch ihn und seine Freunde starben mochte er auch nicht zählen, es waren zu viele gewesen. Wie viele würden sich nun das Leben nehmen, nachdem sie vom Wahnsinn befreit ihre Taten erkannten? Wer würde das Leben ertragen können, mit dem Wissen am Ableben seiner vertrauten Freunde oder seiner Familie Schuld zu tragen? Ganz zu Schweigen von der Art, wie jene den Tod fanden.

Er seufzte und hob den Blick zur Decke. Heute würden noch weitere sterben, es war noch nicht vorbei. Ein weiteres mal würden sie ausziehen und den Göttern Seelen bringen, wurden sie dafür zurück geschickt?

Wenige Momente harrte er so noch aus, dann sah er die Bewegungen seiner Freunde und auch er erhob sich. Sie hatten einen Auftrag und dieser musste erfüllt werden: Sie mussten Viktoria retten. Es mochte sein, dass Conan und Kahri in ihr eine Cyrikerin gesehen hatten, die es nicht anders verdient hatte ein solch furchtbares Schicksal zu erhalten. Doch er teilte ihre Auffassung nicht. Er war ein Held! Er durfte sich nicht solchen Sachen verschließen! Viktoria war jung gewesen, man hatte ihren Geist solange bearbeitet bis sie die listigen Lehren geglaubt hatte. Im Grunde trug sie keine Schuld und er würde ihren Richtern niemals verzeihen.

Wortlos ging er mit Amrun, Leomar und Sarez zu den Ruinen des alten Lagerhauses. Die Bilder auf ihrem Weg dorthin berührten ihn nicht mehr. Zerfetzte Leichen und tote Körper in den verschiedensten Posen im vom Blut scharlachroten Schnee. Sie waren tot, gehörten nicht mehr zu ihnen. Leblose Objekte ihres Umfelds, unrettbar und verstoßen aus ihrer Welt der Lebenden.

Am Lagerhaus angekommen kletterten sie durch die kläglichen Überreste dieser einst so großen Halle. Sie suchten den Ort ab, manch ein Toter, bereits steif durch die Kälte, lag darunter, doch sie hatten keine Zeit sich mit solcherlei abzugeben. Zügig kamen sie schließlich voran und befanden sich im Armenviertel Niewinters. Ein übel riechendes Tuch der Verwesung und von Fäkalien und Blut lag über diesen Ort, ein allzu bekannter Geruch. Doch keinen der Gefährten schien dies noch zu stören, ihre Sinne waren stumpf, ihre Empfindungen auf das wichtigste beschränkt und ihnen fehlte die Zeit.

Es hatte schon lange aufgehört zu Schneien und Amrun beugte sich hinab in den Schnee vor ihnen, Jaren war sich sicher er würde eine Spur finden – und wenn nicht er dann sein Wolf. Nur wenige Momente vergingen und der Druide erhob sich, schnell bewegte er sich vor und seine Gefährten folgten ihm stets bedacht nicht vor ihn zu kommen, sie wollten keine Spur durch ihre eigene verwischen.

Schließlich sahen sie eine tiefe Blutspur vor ihnen – ein Kampfplatz. Der Schnee war zu einer roten Pfütze geworden und diese zog sich längs ihrem Weg entlang. Ohne auch nur einen Gedanken an mögliche Gefahren zu verschwenden, die dies verursacht haben mochten, gingen sie weiter. Von weitem bereits vernahmen sie die Stimmen dreier sich unterhaltenden Männer und als die Gefährten um die Ecke bogen erblickten sie jene drei. Zwei von ihnen trugen abgewetzte Lederrüstungen, der Dritte geflickte Kleidung und sie alle hielten leichte Armbrüste in den Händen. Sie standen vor einer schmalen Gasse… bewachten etwas.

Amrun stellte sie sofort zur Rede, Leomars aufkeimender Zorn war spürbar und Jaren mochte nicht mehr warten. Er ging um die drei ängstlichen Slumbewohner herum, zweifellos würde sie ihre Angst vor Amrun und seinem Wolf in Schach halten, und blickte in jene Gasse.

Er weitete die Augen und kalte Wut packte ihn, als er erkannte was vor ihm lag. Wenige Augenblicke später hielt er seinen Rapier in der Hand und streckte ihn den dreien entgegen, dass Amrun die gefährliche Hellebarde die er seit neuestem mit sich trug, ebenfalls in die Hände genommen hatte bekam er nicht einmal mehr mit. Seine Stimmte wurde bestimmt von einem kalten Unterton, als er nach der Ursache für jenes Bild fragte, was sich ihm geboten hatte und die drei Wächter der Gasse ängstlich einen Weg des Wortes suchten, ihr Leben zu retten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Niewinter: Wintereinbruch
BeitragVerfasst: Mo 6. Okt 2008, 12:22 
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Drei Tote.

Drei weitere Tote!

Eine Frau und ein Mann in den Rüstungen der Hauswachen Bassa Selims und ein Mann unbekleidet.

Jaren wusste was das bedeutete, aber er wollte es jetzt nicht wissen. Er fragte dennoch nach, was geschehen war. Nein, er forderte die Wahrheit. Amrun sprach ebenfalls in diesem befehlenden Ton, das Leid hatte jegliche Geduld fort gebrannt.

Die drei Armbrustschützen waren Wachen von Gagnar, dem Halbork und sollten hier warten. Furchtsam und stockend erzählten sie den Gefährten wo diese sich aufhielten. Ein Kampf durch den Halbork und seine beiden Kameraden, die ein junges Mädchen bei sich getragen hatten, mit den inzwischen Toten war geschehen. Schließlich zwang Jaren jenen Schurken vor sich seine Lederrüstung abzunehmen und dem unbekleideten Toten anzulegen. Eine verzweifelte Tat um all das Schreckliche abzuschwächen, aber es half nicht.

Den Wachen wurde aufgetragen zu warten und auf die Leichen zu achten. In ihren Augen konnte man ablesen, dass sie nicht flüchten würden – die Drohungen der Vier Streiter waren sehr überzeugend gewesen.

Gagnar sollte in einem Haus an einem See leben. Ein Haus am See… im Armenviertel. Diese Aussage war ein Widerspruch, da es solcherlei in einer Stadt und schon gar nicht im Armenviertel geben würde. Dennoch fragten die Vier nicht weiter, was die Slumbewohner als einen See empfanden konnte auch einfach eine große Pfütze darstellen.

Tatsächlich folgten sie dem Weg gerade aus und kamen an einen großen Teich inmitten der Häuser der Niewinter Slums. An ihm lag ein einzelnes Haus, es war klar, dass dies Gagnars Haus sein musste. Doch etwas zu ihrer Seite weckte ihre Aufmerksamkeit, ein Mann stand vor einer Meute Männer und pries wild gestikulierend und mit unflätigen Gesten unterstreichend etwas an. Sie steckten ihre Waffen weg um keinen Kampf zu provozieren und näherten sich, sie stellten sich neben die Männer und lauschten dem sprechenden Mann.

Parl war sein Name und schnell wurde allen bewusst was, oder viel mehr wen er anpries. Er erzählte davon, dass die Mondsteinmaske durch die Ereignisse geschlossen war und sie eine Lösung gefunden hatten. Sie hatten ein junges Mädchen, dass ihnen gehörte und für ein wenig Gold…

Amrun lief auf den Mann zu und zog seinen Krummsäbel, dicht gefolgt von seinem knurrenden Wolfsgefährten. Leomar stellte sich neben die Meute und legte seine Hand auf den Griff seines Langschwertes, würde es zum Kampf kommen wäre er jener, der die Männer nacheinander zu ihren Göttern schickte.

Aber es durften keine Unschuldigen sterben. In den Augen des normalen Bürgers waren diese Slumbewohner gewiss schuldig, in jeder Hinsicht. Aber Jaren hatte unter solchen inzwischen Jahrelang gelebt, außerdem trugen sie an der momentanen Situation keine Schuld. Es durften nicht mehr als nötig sterben, nicht mehr als jene drei die ihr Schicksal bereits besiegelt hatten. Er stellte sich vor die Menge und räusperte sich.

Nur noch ein mal, die Gedanken ordnen, die Sorgen und das Leid abstreifen, begraben unter einer Maske des Charmes, verstohlene Heiterkeit und blanke Lügen mochten das Leben der Männer retten. Jaren lächelte ihnen knapp entgegen. Die Schreie um Hilfe von Parl drangen bis zu ihnen durch und sein Angebot für den Retter, die kostbare Ware umsonst für einen längeren Moment zu besitzen, schien Regung unter ihnen zu verursachen und sie zogen ihre Schwerter.

Ungerührt führte Amrun seinen Krummsäbel gegen Parl, vielmehr bedacht ihm Schmerzen zu verursachen als ihn zu töten.

Jaren erhob das Wort. Er fragte nach dem Wohnort Gagnars und erzählte von dem neuen Standort der Mondsteinmaske, dem Bordell Niewinters. Fünf Goldmünzen bot er für jenen, der ihm die Wohnstätte des Halborks verraten würde. Zögerlich scheideten die Männer wieder ihre Waffen und berichteten von dem Haus am See. Nur wenige Momente vergingen ehe Jaren dem Sprecher die Münzen gegeben hatte und kaum länger verging, da berichtete er wo das gesuchte Freudenhaus aufgemacht hatte: Hinter der Flaschenpost am Hafen. Einen kleinen Scherz erlaubte er sich um sich sicherer in der gespielten Rolle zu fühlen: Sie sollten einen Mann namens Hasmael suchen, er würde ihnen den genauen Standort erläutern.

Froher Sinne zog die Meute nun los, sie verschwendeten keinerlei Gedanken mehr an den wimmernden Parl. Amrun hatte inzwischen von ihm abgelassen und sich erhoben, langsam drehte er sich um und bewegte sich in Richtung des gesuchten Hauses. Gelassener folgte ihm Leomar, Sarez blieb noch einen Moment zurück und beobachtete wie Jaren sich neben dem jammernden Rest von Parl kniete. Knapp durchsuchte er ihn, die Zeit mit Leomar hatte ihm gezeigt, dass man stets seine Feinde im Anschluss durchsuchen musste. Stolz war hierbei Fehl am Platz, denn was auch immer man fand, es könnte nützlich sein. Schweigsam nahm er zwei Goldmünzen an sich und zog seinen Dolch.

N..Nein, w-was…t..tust..“ Er hob seine freie Hand und drückte diese auf Parls Mund. Leomar sah über seine Schulter, ausdruckslos beobachtete Sarez die Szenerie, als Jaren dem am Boden liegenden die Kehle durchschnitt. Dieses Subjekt, diese Kreatur hatte es nicht mehr verdient am Leben zu bleiben. Jaren war sich sicher, dass auch Amrun wusste, was mit Parl geschah, dennoch hatte er ihn nicht aufgehalten – noch ihn selbst umgebracht. Manchmal waren jene Fanatiker der guten Seite inkonsequent, er wusste er würde sterben und doch konnte er es nicht selbst tun, wieso? Änderte wegsehen denn wirklich etwas?

Warmes Blut rann aus der frischen Wunde und bildete einen roten Schneeteppich unter den Leib der nur noch letzte Zuckungen von sich gab, ehe er vollends erschlaffte. Jaren wischte den Dolch an dessen Kleidung ab und erhob sich, hastig lief er seinen Freunden nach. Sie durften keine weitere Zeit verlieren.

Zügig näherten sie sich dem Haus, mit jedem Schritt wuchs die Anspannung der Gefährten und jene, die ihre Waffen noch nicht gezogen hatten, taten dies nun.

Bereits neben dem Gebäude angekommen vernahmen sie das leise Wimmern Viktorias. Kaum mehr als ein verstörtes Schluchzen, leise und doch kroch es bis in das Mark der Vier Recken. Dazu vermischte sich das höhnische tiefe Lachen zweier Männer, die Geräusche kamen von vor dem Haus. Wie ein alles verschlingendes Feuer breitete sich nun der Zorn und der Hass in den Seelen der Gefährten aus, sie bogen um die Ecke und sahen, was sie befürchtet hatten und doch hatte das Wissen, was geschehen war, nicht vermocht ihre Herzen vor diesem Anblick zu schützen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Niewinter: Wintereinbruch
BeitragVerfasst: Mo 6. Okt 2008, 18:50 
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Lebt wohl



„Ich bin gekommen, um mir etwas von dir zu wünschen mein Bruder und um dir Lebewohl zu sagen...“

„Welchen...Wunsch?“

„Hör auf in Shazids Fusstapfen zu treten...du hinterlässt so keine eigenen Spuren...Rekrutiere keine Kindersoldaten mehr. Keine Kinder mehr...wir hatten nicht viel Za'yl...auf den Straßen dieser Stadt, aber wir hatten uns.“

„Gerade deshalb.. ohne mich haben diese Kinder keine Zukunft. Ich lehre sie, zu überleben, so wie man es uns lehrte.“

Sie löst sich vom Gitter und tritt zurück. Der letzte Rest an verbliebener Nähe verliert sich in der Dunkelheit des Zellentraktes.

„Aber wir haben nicht überlebt Za’yl... wir sind damals gestorben, irgendwo in einer der unzähligen Trainingseinheiten, die uns Mut und Machtgier lehrten. Da sind kleine Seelen zu verlängerten Armen der Gilde geworden, Opfer geworden eines machtgierigen Mannes, der uns sammelte und uns Gesichter gab, solange, bis wir unsere eigenen im Spiegel nicht mehr erkennen konnten.“

Ihre Schritte knirschen im Schnee, der durch den Schattenmantel der Umbra fast dunkelgrau erscheint. Die weitläufige Kapuze hat sie tief ins Gesicht gezogen und die Schatten sind in ihre Züge zurückgekehrt. Das dunkle Erbe war von Anfang an da, es wurde durch sie selbst geweckt und viel zu schnell zu mächtig, als das es jemand außer sie selbst unter Kontrolle hätte bringen können. Karaski’lith lastet schwer auf ihrem Rücken, sein schöner einfacher Schwertgriff lässt nicht zu, dass sich Schnee auf ihm ablegt.

Das ist der Lauf der Dinge, wir werden zu Kopien großer Ideale, die gar keine sind, weil sie von Menschen erschaffen werden, die ebenso fehlerhaft sind, wie wir auch. Wir werden zu Schwätzern, zu Handlangern, zu Marionetten, zu erdachten Möglichkeiten und vergessen, mit der Zeit, die uns noch bleibt, dass einst ein eigenes Feuer in uns loderte, eines das einen Namen hatte, einen nur...nicht viele.

Irgendwo zwischen Bodennebel und den Schatten verlöschenden Feuers verliert sich ihre Spur. Hier hatte alles angefangen, hier war der Ort ihrer Geburten. Hier hatte sie überlebt. Hier hatte sie schließlich die Wahrheit gefunden. Sie war allein. Auch wenn vieles unerträglich war, das war es nicht.

Nun trage ich die Bürde weiter, Sarez Bürde. Das Wort ist nicht gesprochen, die Macht der Klinge nicht gebrochen. Ich gehöre nicht in die eine Welt, noch will ich Teil der anderen sein. Ich nehme mit, was ich kann, füge es hinzu, als kleine Laternen auf dem Weg zurück zu dem sechsjährigen Kind, das ich einst gewesen bin. Belächle und beweine nicht mehr, das Geschwätz, jener die weniger sahen, als sie denken, weniger sind, als sie meinen zu sein. Halte in Ehren jene, die schweigend zu Helden worden, nur um ihrer Selbst und nicht durch die Worte anderer oder sich selbst.

„Lebt wohl!“

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"...All das ist noch nicht einmal eine Generation her, wieso wiederholt sich alles?"

"Weil das Vergessen einfacher ist, als das Ertragen des Erfahrenen, weil falsche Sicherheit wichtiger ist, als stetige Vorsicht, denn siehe Wölfe sind unter die Lämmer gekommen aber sie jagen nicht, deshalb hält man sie für Hunde."


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 Betreff des Beitrags: Niewinter: Wintereinbruch - der letzte Auftrag
BeitragVerfasst: Fr 17. Okt 2008, 08:54 
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Was sie sahen stachelte ihren Zorn nur noch mehr an, nein es beschwor blanken Hass aus den Seelen der vier Männer. Der grobschlächtige Halbork Gagnar stand neben seinem Kameraden, ein Mensch der dieses unheilige Viertel offensichtlich sein Zuhause nannte. Sie beide lachten in froher Erwartung der Kunden die Parl anwerben sollte, während daneben, kaum mehr als der kümmerliche Rest Viktorias, ein junges Mädchen im Schnee kniete. Ihre Kleidung war zerfetzt, nur noch blutige Fetzen von dem einstig kargen Bekleidungsstück verbargen ihren Leib. Mit tränenden Augen und apathischen Bewegungen schien sie sich kaum zu rühren, nur ihr beständiges Schluchzen und Wimmern wurde vom Wind in die Ferne getragen.

Nicht einmal einen Augenblick des Zögerns gab es.

Leomar zog seine Klinge und geleitet vom reinen Zorn führte er einen gewagten Streich in Richtung des Kameraden Gagnars aus, der diesem Angriff mehr aus Glück als aufgrund seiner kümmerlichen Fertigkeiten entging. Amruns’ Augen blitzten auf und legten sich auf Gagnar, für einen Augenblick schienen seine Gedanken mit denen seines Wolfes eins zu sein und der große Wolf sprang ab. Der Halbork hatte nicht einmal den Hauch einer Chance, die langen Reißzähne Stilles gruben sich tief in seine Kehle und das Gewicht des Tieres ließen Gagnar nach hinten fallen. Schreie die in ein gurgeln aus letzter Kraft untergingen, erstickt durch sein eigenes Blut waren das letzte was man von dem Schänder Gagnar hörte. Sarez richtete seinen Blick voller kaltem Hass auf den Kameraden Gagnars, dass Weiß seiner Augen füllte sich mit unendlicher Schwärze. Er griff in einen Beutel an seiner Seite und zog eine Zwiebel heraus, dunkle Worte kamen über seine Lippen und schließlich erhob sich Gagnars Kamerad in die Luft, sein Leib wurde starr und die Augen weiteten sich vor entsetzen. Jetzt erst begann Sarez das Gewächs in seiner Hand Schicht um Schicht zu schälen, für jede Schicht die er der Zwiebel nahm entriss die dunkle Magie dem unseligen Geschöpf, seinem Opfer, einen der Schänder Viktorias, einen Streifen seiner Haut.

Gleichzeitig, durch eine kaum wahrnehmbare Bewegung hatte Jaren einen Beutel fallen lassen. Dunkler Rauch quoll daraus hervor und mit wenigen Bewegungen war er für die Augen anderer verborgen. Er fühlte nichts mehr, nicht einmal Hass. Es war eine kalte, alles verzehrende Dunkelheit die in ihm aufgebrochen war als er diese Szene erkannt hatte. Doch als er erkennen musste, dass seine Gefährten ihm bereits zuvor gekommen waren um ihre Rache zu vollziehen sprang er zwischen dem Kameraden Gagnars, der noch immer gefangen von Sarez eine unerträgliche Folter ertragen musste, und dem Wolf der sein schauriges Mal abhielt.

In wenigen Augenblicken verließ er das sichere Zwielicht, was ihm zuvor als Deckmantel diente und kniete neben Viktoria. Einen Moment später hatte er bereits seinen Umhang von den Schultern gelöst und ihr umgelegt. Amrun stand bereits hinter ihm und auch er löste seinen Umhang, Jaren nahm sie auf seine Arme und mit dem Schutz des zweiten Umhangs, der ihr noch mehr Wärme geben sollte, erhob er sich. Vorsichtig und leise sprach er auf sie ein, doch nichts als leere Phrasen war er im Stande zu sagen, er wusste nicht was sie aus dem Alptraum, der sie auch jetzt noch gefangen hielt, befreien könnte.

Endlich löste Sarez seinen Zauber, die Überreste des Kameraden waren nur noch ein grauenhafter Leib aus blankem Fleisch und dennoch schien noch Leben darin zu stecken. Er hatte kein Mitleid zu erwarten, dennoch trat Leomar auf ihn zu und durchschnitt den schmalen Lebensfaden der übrig gebliebenen Kreatur. Sie waren tot, alle drei.

Auf ein Wort Amruns hin löste sich Stille von seiner Beute, der Halbelf hatte noch die Wohnung der Toten durchsucht und edle Kleidung gefunden, die offensichtlich dem dritten der Wächter Bassa Selims gehörte. Sie wussten was das bedeutete, dennoch sprach es niemand aus. Wirre Worte verließen Viktorias Mund, während sie davon getragen wurde, weit entfernt von diesem Ort, in den Schutze Tyrs.


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 Betreff des Beitrags: Re: Niewinter: Wintereinbruch
BeitragVerfasst: Fr 17. Okt 2008, 15:31 
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Registriert: Mi 10. Okt 2007, 20:31
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Amrûn stand auf einem Hügel vor der Stadt und blickte auf jene hinab. Neben Ihm stand die Magierin und der Wolf...seine Familie...

Der Krieg schien vorbei zu sein. Sie hatten es geschafft. Doch tief in seinem inneren wusste er das dies nicht der Wahrheit entsprach. Er wusste das er Demian niemals wirklich geben konnte was sie wollte. Er war ein Krieger. Und es würde immer etwas geben gegen das er in die Schlacht ziehen würde. Würde er je das Ende des Krieges sehen? Doch wollte er das? Er erinnerte sich an die Worte eines seiner 'Vorgesetzte' im Krieg gegen Finsterpfeil...Und schmerzlich wurde Ihm bewusst wie wahr sie waren und wie wahr sie für Ihn waren.

Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. Ein nie enden wollender Albtraum, Leid, Tod und Zerstörung.

Es war nun Zeit heim zu kehren...Nur um dort dem nächsten Kampf entgegen zu blicken. Nur um sich abermals Leid, Tod und Zerstörung zu stellen...Doch dies war sein Leben...Ein Alptraum geführt um einen ewigen Traum zu erfüllen...Eine bessere Welt. Und solange auch nur ein Kind auf dieser Welt vor Schmerzen und Verlust Tränen vergießen würde. Solange würde Amrûn Morgentau in die Schlacht ziehen. Bis ans Ende der Zeit...Bis zu jenem Tag da alle eins sein werden.

Die Sonne erhob sich und schien auf das Gesicht des Halbelfen...Lächelnd sah er Ihr entgegen um das Licht zu genießen. Bis zur nächsten Nacht...Bis zum nächsten Kampf

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Beziehungsstatus: ❒ vergeben ❒ single ❒ verliebt ✔ ich mag Kekse

There is only One God, and all we can say is: Not today.


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