|
Ein dumpfes Dröhnen überlagerte plötzlich alle anderen Geräusche. Es war schon vorher da, unterhalb der Ebene ihres Bewusstseins. Aber nun bemerkte sie es. Es begann in ihren Beinen, setzte sich fort über den Unterleib und war am Ende im ganzen Körper zu spüren.
Es war ein rhythmisches Dröhnen, wie der Schlag eines großen Herzens, dessen Widerhall durch die alten Tunnel tief unter den Strassen der Stadt hallte.
Die Backsteine der Tunnelwände machten immer mehr dem natürlichen Fels der Klippen Platz, mit jedem Schritt den Lagri sich dem Dröhnen näherte. Die Luft wurde noch feuchter, das Atmen fiel bei jedem Atemzug schwerer so als läge eine feuchtes Tuch über ihren Mund.
So auf das Luft holen konzentriert merkte sie im ersten Moment nicht, dass der Boden unter ihrem Fuß fehlte. Schnell krallten sich ihre Krallenfinger in den Stein und verhinderten so den Sturz in die dunkle Tiefe. Das Dröhnen war nun so laut, dass es in den Ohren schmerzte.
Lagri lehnte sich an die Tunnelwand und hielt den Leuchtkristall vor sich in die weite des riesigen unterirdischen Raumes. Sie musste die Worte der Macht schreien damit das Licht des Kristall aufglomm und sich sofort in Tausenden von Wassertropfen widerspiegelte.
Lagri stand am offenen Ende des Tunnel und blickte auf etwas, das bisher nur wenige gesehen hatten. Aus natürlichen Spalten und Klüften an der Wand rechts von ihr und ein gutes Duztend Schritte über ihrem Tunnel quoll mit Urgewalt das Wasser hervor und stürzte in Form dreier Wasserfälle hinab in die Tiefe der riesigen Höhle.
Dabei zerstob es wütend an Felsspitzen, stürzte in dünneren Fällen weiter hinab, verband sch wieder mit seinen Brüdern und Schwestern in Becken, die überliefen und das Wasser weiter hinab stürzen ließen. Gischt sprühte auf und fiel im Licht funkelnd in die Tiefe.
„Drei Arme hatte der Fluss einst, drei Wasserfälle. Einer fiel frei in die Tiefe der See, einer ward gebannt durch Menschenhand. Doch der dritte und der älteste der drei wilden Brüder liegt in der Dunkelheit verborgen. Er weint und brüllt dort in Erinnerung an das was einst war .... doch niemand vermag seine Stimme zu deuten und so weiß niemand, weswegen er weint und in die Tiefe stürzt.“ So erzählten es sich die Alten in Rivin, so erzählten es ihnen deren Väter und Vorväter.
Lagri stand dort am Ende des Tunnels und blickte gebannt auf die Urgewalt des Stroms.
|