|
„… Rithleen schlenderte gemütlich durch das trockene Laub im Hain. Es war angenehm warm, die Sonne suchte sich hier und da ihren Weg durch das grüne Blätterdach. Immer wieder blitzte sie in ihren dunklen Augen auf, wenn Rithleen einen ihrer Strahlen durchschritt. Pfote spielte vergnügt vor Torvus Baum, dessen Tür weit offen stand und von drinnen war das Werkeln des Erzdruiden zu hören. Ein panisches Fiepen verriet ihr, dass da eine Maus sein musste. Ganz unwillkürlich trat sie hinzu, vielleicht aus Mitleid, vielleicht nur Zufall, aber das beendete Pfotes Spiel. Die Maus flüchtete sich geradewegs unter Rithleens Kutte. Pfote ließ sich natürlich nicht irritieren und schoss auf die Kutte zu, doch die Maus hatte sich dahinter gut versteckt. „Lass sie doch“ ging die Druidin in die Hocke um nach der Maus unter sich zu schauen. Pfote ließ aber nicht locker und als Rithleen die Hand nach der Maus ausstreckte war auch die Katzenpfote schnell am rechten Ort. „He… hör auf“, kam es vorwurfsvoll heraus und schützend nahm Rithleen die Maus in die Hand, während sie mit der anderen ihre Katze weg schob. Sie zitterte am ganzen Leib. Rithleen betrachtete sie eine Weile, musste aber dann erkennen, dass die Katze nicht aufzugeben gedachte und schon einen neuen Versuch wagen wollte. Schnell stand sie auf um die Maus aus ihrer Reichweite zu bringen. Nun schlingerte die Katze aufgeregt um Rithleen herum, wohl nach einem Weg suchend hinauf zu kommen zu ihrer Beute. „Ach…. Jetzt hör mal auf zu nerven, Pfote“. Die Katze setzte bereits zum Sprung an, da drehte sich Rithleen schnell weg und flüchtete hinfort. „Torvus… hol die Katze mal weg“ rief sie auf dem Weg in die offene Tür des Baumes herein, aber nichts regte sich. Nur die Maus bekam nach der ganzen Aufregung Panik, fühlte sich scheinbar nicht so wirklich sicher und ganz plötzlich kletterte sie fiepend an Rithleens Arm hinauf. Dann ging alles recht schnell. Eigentlich hätte es das, auch wenn es Rithleen ewig lang vorkam. „Torvus…“ rief sie noch einmal und als sie sich halb umdrehte - die Maus auf der Schulter - sprang die Katze auch schon wieder an, auf ihren Rücken, sich dort hineinkrallend. Da sah sie die Maus schon tot und rief selbst in Panik geraten um Hilfe „Hilfe Torvus, die Katze“. Eine Wurzel war es, die dies dann letztlich beendete. Rithleen mit Maus und Katze stolperte darüber, war schon nahe am Wasser und platschte ins kühle Nass. Ihre Kleidung sog sich schnell voll. Das Wasser sollte eigentlich nicht tief sein, hier am Wasserfall, an dem die Druiden immer badeten, aber es zog sie schnell hinab. Kühles Nass drang in ihre Lunge, als sie um Hilfe schreien wollte…“
Die Druidin riss die Augen auf und schoss hoch. In Schweiß gebadet und noch voller Panik war erst einmal alles dunkel um sie und die Druidin musste sich schnell dem stechenden Kopfschmerzen beugen und sank unsanft wieder zurück auf ihr Lager. Es war nur ein Traum. Aber sie bekam immer noch keine Luft, hatte noch das Gefühl zu ertrinken War es wirklich ein Traum, war sie wach. Den Kopfschmerzen nach schon, wer empfand so etwas schlafend.
Langsam erst kamen die Erkenntnis, dass ein Knebel ihr das Atmen erschwerte und damit auch die Erinnerung an das, was geschehen war. Nur mühsam beruhigte sich ihr Atem um mit der wenigen Luft aus der Nase zu Recht zu kommen. Der Nebel wich aus Kopf und Blick. Sie lag auf Stroh gebettet in eine alte muffelige Decke gewickelt in einem Zelt. Geknebelt und in seltsamen Handschellen gefesselt hatte man sie hier wohl abgelegt. Die Hände konnte sie kaum bewegen. Die schweren Eisenschellen hielten sie an einer kurzen Kette zusammen und waren zusätzlich mit einem Holz verbunden, in dem alle ihre Zehn Finger steckten, so dass sie völlig der Bewegungsfreiheit geraubt war. Sie war also ein Mensch, hatte sich doch noch zurück gewandelt und war so von den Hunden verschont geblieben. Nur da, wo der Pfeil gesteckt hatte pochte es schmerzhaft unter einem provisorischen Verband, falls man dieses Werk überhaupt so benennen durfte. Erschöpft sank ihr Kopf zurück ins Stroh
Verflucht, sie war doch tatsächlich gefangen worden und ihre Häscher waren gar vorsichtig genug gewesen, sie ihrer Magie zu berauben. So lag sie nun im Stroh auf dem Waldboden, die winterliche Kälte kroch in sie hinein, wie auch die Sorgen um Mila und die Frage, was solche grausamen Krieger wohl mit einer Druidin vorhaben mochten…
_________________ 
|