|
Kahri blieb während des Rituals stumm an ihrem Platz. Sie bewegte sich nicht viel, obgleich in ihr vieles tobte. Zu nah waren die eigenen Erinnerungen an den Tod, zu nah die Wut über den Verlust eines anderen, der ihr nahestand. Näher als sie zugeben wollte.
Die müden Augen, umrahmt von dunklen Ringen, wanderten auf und ab. Über die Priester, über den leblosen Körper des Gardisten. Wie lange noch, mit wieviel Aussicht auf Erfolg?
Wir sind Wächter Khemed, ich weiß, du kannst meine Gedanken nicht lesen aber wir sind hier, mit der Aufgabe über jene zu wachen, die sich nicht selbst helfen können, ich akzeptiere deinen Tod nicht, lass mich so egoistisch sein, nimm es dir zu Herzen, wo immer dein Herz nun ist.
Als er endlich, nach den immer und immer wieder kehrenden Litaneien der Priester seine Augen öffnete, hielt sie nichts mehr auf ihrem Platz im Schatten des Tempels. Kahri sprang auf. Sie wollte sich versichern, nicht nur an seinen wieder ins Leben gekehrten Augen, sondern an etwas, das deutlich mehr Aussage hatte, etwas das das Leben mehr wiederspiegelte, als alles andere - ein schlagendes Herz - und so lief sie durch die Reihen der Priester, bis sie an seinem noch liegenden Körper angekommen war und liess sich auf die Knie fallen.
Lebst du? Lass mich wissen, dass es so ist!
Und so sie niemand aufhielt, umschlangen ihre kleinen zierlichen Arme, den Oberkörper des Gardisten und hoben ihn so gut es ging in die Höhe und an sich. Ihr Kopf legte sich auf seine Brust und sie lauschte dem schwachen aber stetig stärker werdendem Herzschlag.
"Wag es nie wieder, dich noch einmal so feige davon zu stehlen..."
_________________ "...All das ist noch nicht einmal eine Generation her, wieso wiederholt sich alles?"
"Weil das Vergessen einfacher ist, als das Ertragen des Erfahrenen, weil falsche Sicherheit wichtiger ist, als stetige Vorsicht, denn siehe Wölfe sind unter die Lämmer gekommen aber sie jagen nicht, deshalb hält man sie für Hunde."
|