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Nachtrag: 2. Flammleite
Tikalis Opfer Gestern Abend war ich mit Alessa, Elona, Notus, Flinn und Varek in den Kanälen. Wieder einmal musste ich hinab in die Ausscheidungen und den Dreck der Stadt hinunter. Aber wir waren es Tikali schuldig. Den Hinweisen der Zauber und einem für uns unsichtbaren Band folgend, nur Alessa konnte es durch ihre Zauberei sehen, stiegen wir in den dunklen Untergrund. Wieder einmal musste ich überrascht feststellen, dass sie ein riesiges Labyrinth sind. Wer das mal alles gebaut hat? Aber viel zu sehen gab es nicht, vielleicht auch besser so. Das sommerliche Wetter hatte es irgendwie geschafft die dunklen, stickigen Gänge zu vernebeln, so dass wir die meiste Zeit dicht an dicht oder an ein Seil gebunden nur langsam voran kamen. Ziemlich unübersichtlich, aber zum Glück hatten wir die Erfahrung von Flinn und später Alessas Zauber. Ich glaube wir brauchten eine halbe Ewigkeit bis wir den Ort von Tikalis damaligen verschwinden fanden. Ich war ja schon einmal mit Neftarie dort, aber damals fanden wir keine Spuren. Jetzt erklärte sich warum. Das Zauberband führte uns nämlich direkt in die Flut gen Meer. Aber nicht hinaus in das Reich der Furienkönigin, sondern in eine riesige Halle. Wie mir erklärt wurde, ein Sammelbecken, dass sich bei Fluten mit Wasser füllt, damit die restlichen Kanäle nicht überschwemmen. Zum Glück war keine Überschwemmung zu erwarten, sonst wären wir sicher ertrunken. Wir fanden eine Tür, deren seltsam fremde Worte uns vor einem weiterziehen warnte, aber wie so oft ignorierten wir die Warnung.
Erstaunlicher Weise führte diese in ein Höhlensystem. Es gibt also sogar andere alte und vermutlich natürlich erschaffene Höhlen, die eine Verbindung zu den Kanälen haben. Zeichen von Zivilisation gab es auch dort. Eine Palisade, die ein längst verlassenes Lager schützte und gar eine alte Holzbrücke, die wir zu allem Übel auch noch überqueren mussten. Abgesehen von dem Band, begegneten wir noch vor der Brücke dem ersten Anzeichen auf Tikali. Ein Treppenaufgang begrüßte uns mit eisiger unnatürlicher Kälte, die alles gefrieren lies. Das erinnerte mich sogleich an den Geist, dem wir damals in den Kanälen begegnet waren, als wir die Karte mit Neftarie zeichneten. Damals wusste ich natürlich nicht, dass das irgendwas mit Tikali zu tun haben könnte; wusste nicht einmal, dass Tikali ein Schwert besaß um Geister zu jagen, aber an jenem Abend erinnerte ich mich sofort daran. Wäre Elona nicht so freundlich gewesen und mir eine Zauberflasche zu geben, hätte ich mir da unten sicher einen tödlichen Husten geholt. Ich war noch vollkommen durchnässt vom Weg durchs Wasser und dann diese Kälte. Ich war sofort am Bibbern, aber der seltsame Trank ließ sie mich augenblicklich nicht mehr spüren.
Eine innerliche Kälte soll bis heute anhalten, denn hinter dieser Brücke fanden wir Tikali endlich. Es war kein schöner Anblick, noch sollten wir als glückliche Helden heimkehren. Es war einfach nur grausam. Da schwebte sie, scheinbar ohne Bewusstsein hinter einer magischen Barriere und über ihr, ihr Schwert, dass sich langsam aber deutlich auf ihren ruhenden Körper zubewegte, als wolle es bald einfach durch sie hindurch stoßen und sie von uns nehmen. Wie sich herausstellte war diese Barriere auch noch ihre eigene, ein Schutz für uns und Rivin, denn mit ihr da drinnen war ein Böser Geist eingeschlossen. Tikalis Opfer war also noch nicht zu ende und jetzt sah es auch noch so aus, als ob wir über ihr Schicksal entscheiden mussten. Aber wie soll man so etwas entscheiden? Egal wie das enden würde, so viel war klar, Zweifel und Selbstvorwürfe würden nicht ausbleiben. Letztendlich war Varek es, der die entscheidenden Worte sprach. Tikali war immerhin in diese Situation geraten, weil sie ihr Opfer für uns brachte, so würde sie sicher nicht wollen, dass wir ihretwegen den Geist wieder frei lassen. Also ließen wir sie schweren Herzens gehen...
Eine Seele zersplitterte, ein leerer Körper ruht unter der Obhut Alessas. Zweifel bleiben zurück...
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