Zitat:
Oh Calamitas, Nefandum, ihr Götter! Alter Konradynn gib mir Rath! Alle Behältnüß seint weg! Unnd der Pobien, oh Treuwloser! Ich vermags kaum zuo schreyben! Ich Armseeliger, Unglueckseeliger, Ohnmächtiger!
Gieng des morgens zum Schiff hinunnter unnd dort vermoucht ich weder den Pobien noch das werthvoll Familienkleinod zuo finnden. Soffort hab ich scharff befragt die Mannschafft, ob sie verantworttlich, main Behältnüß umgeladen, oder gesehn wers gewesen unnd wohin der Pobien! Unseelige! Wolleten kainer etwas wissen, noch gethan oder gehört haben, selbst der Capitanio nicht, unnd sagten, es wer wild zuegegangen die gantze Nacht mit Frauwn auff dem Schiff unnd Zuetrinckhen unnd keiner hett Acht geben weillen alle gantz trunckhen gewesen. Nur main guets friedlich Gemuet hatt mich zurückhalten können, denen hundertmal verfluochten unnd nichtsnutziglichen Piratten unnd Korsarios wie ain Wampÿhr an die Gurgel zu springen und darzuo auff die Nasen zuegeben! Haben sÿ sich doch ohn ieden Zweyffel böswilliglich gegen mich verschwohren!
Allso hab ich soffort an die Hafenguardia mich gewandt unnd zuo erkennen geben muessen, wer ich wer, damit die Schergen fleißiglich das Schiff durchsuochen mochten unnd nicht denckhen, ich wer irgendain niederer Hanndler oder Kauffmann. Den halben Tag haben sÿ gesuocht, aber sÿ haben dero Erbb-Degen && nirgentwo zuo finnden vermuocht auff dem gantzen unglueckseelig hinnich Schiff nit. Der Capitanio hat wild geschimpfft ich wer ain -- , weillen er nit das Schiff durchsuochen lassen, sondern vil mer auslauffen wollt, unnd dessentwegen wurd es fasst hanndtgreifflich, hat mir aber geholffen die Guardia (denen ich gegeben ain ieden Büttel 2fl.). Ich wollt noch mehr durchsuochen lassen das Schiff, aber die nichtsnutzigen Guardia Trabanten wollten ihrem Muessiggang fröhnen unnd vermeineten, es wer genug gesuocht unnd sie muessten den Capitano darvonsegeln lassen. Oh weh! Was nur, wenn die Behältnüß doch versteckht auff dem Schiff, das nun dahinn schwimmt auff Tieffwasser und auff immer verschwindt? Ich mag nicht darvon denckhen noch schon gar nicht schreyben! Ohn Vermögen fur die Hochzeytt fur main liebs Karolynnen unnd Zukunfft der Veith unnd ohn Diener sitz ich nunmehro hier fesst! Warumb haben die Götter mich, Kynrad vonn Veith, unnd die gantze familia so sehr verfluocht!
Da erinnerete ich mich an die Phiolen vom gottlichen Gifftwasser, welche der Pobion gekaufft, unnd ob es daraus nicht etwann ain Zusammenhang wer, dass namentlichen der Sierick mir ubel mitspiellt unnd mich mit ain Illusio oder gar Fluoch belegt oder den Pobien die Behältnüß zuo stehlen angestifftet unnd gar ander böswillig Thaten machen heißt, oder ihme gar das Leben genomben. Massen dießer Conclusio will ich morgen in der Stadt nach einem Mann des Sierick suochen den Fluoch auffzuheben. Wenn aber nicht, so will ich, Kynrad von Veith, als Famillienhauppt derer von Veith, höhrt höhrt, ihr Götter, mich unnd die gantze familia mit Hautt, Haar unnd Bluot künfftig seynen bittersten Feinden verschreyben.
Ich seh auß main Cammer, es kommt die Dunckhelheyt, allso muoß ich hinauß auff die gefährlich Straßen, die Herberg der Statdt, unnd seyn sie noch so dunckhel, abgehn unnd suochen ob wer den Pobien gesehn oder was weyß, ohn main ungluecklich Geschickh preißzugeben. Ohnedieß hat zuvil Gesindt durch den tausendtmahln verfluochten Capitano unnd seyn Geschrey im Hafen gemerckhet, was mir wiederfahren. Aber was bleybt mir Armen anders uber wo ich doch muoß retten die gantze familia? Morgen will ich ouch bey denen Magistrati unnd Guardiaobersten vorstellig werden damit zu befordern ihre ernstliche Hilff, obwohlen ich nichts als main Reyßgewandt hab unnd dahero main Rang schwerlich unnter Beweyß zuo stellen vermöcht, ouch gantz ohnmächtig Freündt in der Statdt bin.
In caso die Kleinod noch in Rywinn befindlich seint, werd ich sie retten, sonsten will ich nicht der Kynrad von Veith seyn! Mögen die Götter mir helffen!
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Charaktere:
Flammo (inaktiv) - galanter, geschleckter Lackaffe, Cavalier und Stadtratskandidat
Lothlann (inaktiv) - anerkennungssüchtiger, sembischer Wirt und barocker Antiheld
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