Ein grauenhafter Abend, eine grauenhafte Nacht und ein noch schlimmerer Morgen, der sie erwarten würde...ihr Rudel gequält, die Hände zertrümmert, den Willen gebrochen...den Willen gebrochen? Nein, vielmehr gestärkt, wütend, gierig auf das gemacht, wo sie so kurz davor standen.
Und dabei hatte sie noch immer das schlechte Gefühl bei dieser Gruft, dieses unbarmherzige Enge in ihrem Brustkorb, die sie wie ein eisiger Käfig festhielt und ihr kaum Luft zum Atmen ließ.
Vielleicht war sie den Zeichen nicht richtig gefolgt, vielleicht waren die Laute zu undeutlich, die Weisungen ungenau, vielleicht hatte sie sich vertan und war den falschen gefolgt.
Sie dachte an ihren persönlichen Schutzpatron, an den, der sie immer in die richtige Richtung lenkte, aber jetzt, wo der Riese das hatte, was ihr neben dem Anführer fehlte, blieb von ihr nicht all zu viel übrig.
Sie zog es vor, sich in ihren Kreis zu bequemen, sich einzurollen wie eine Katze und den toten, gesammelten Federn, dem winzigen Frettchenschädel und den gesammelten Andenken zu lauschen, sodass alsbald die Stille durch ihr schweres Herzklopfen und die unruhige Atmung ersetzt wurde.
Das alles nutzte schlichtweg nichts, sie musste sich abreagieren und hoffen, dass die Folter der eigenen Truppe nicht schlimmer war, als der Anblick, der sich in der Gruft darbot.
So durchsuchte sie ihre vielen, kleinen Taschen und wühlte den groben Graphitstift heraus, um damit wild auf dem Pergament herum zu kritzeln - sich von ihrer Unruhe, der Nervosität und dem Hunger führen lassend und dem Rauschen in ihren Ohren, sodass sie alsbald ihren geistigen Führer zeichnete, dass Wesen, dass ihr mitunter am meisten bedeutete.
Der vieräugige befiederte Begleiter, mit den ausgefransten Federn, an dessen Enden sich Spinnenfäden sammelten und jeden einzelnen frühen Morgentau auffingen, der goldgelben in der Sonne aufglitzerte, wie tausend Sterne in der tiefdunklen Nacht, dessen Namen sie niemals aufzuschreiben wagte, aber stets in ihrem Herzen trug.
