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 Betreff des Beitrags: Schmerz
BeitragVerfasst: Do 10. Apr 2008, 05:34 
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Schmerz... Schmerz war es, was er fühlte. Schmerz wenn er wach war, Schmerz wenn er schlief, Schmerz wenn er irgendwo zwischen beidem war. Auch seine Träume brachten Schmerz. Erinnerungen an weitere Schmerzen und Vermischung der alten und neuen Schmerzen zu neuen Varianten an allen nur vorstellbaren Qualen, wie man sie sich in seinen schlimmsten Träumen ausmalt. Und selbst die wenigen schönen Erinnerungen und Vorstellungen, die Einlaß in seine Träume fanden, wurden zu bitterer Ironie, sobald sich wieder in sein Bewußtsein schlich, wie längst vergangen diese Dinge waren, wie fernab von der Realität, und wie sehr sich alles ins Gegenteil gekehrt hatte.

Doch trotz aller Schmerzen, die er fühlte, gab er nicht auf. Wann immer der Schmerz ihn zu übermannen drohte, hatte er ihren Namen auf seinen Lippen. Ihr Name gab ihm Kraft. Ihr Name gab ihm Halt. Der Gedanke an sie war alles, was er noch hatte, und niemals würde er erneut zulassen, daß sich irgendetwas oder irgendjemand zwischen sie und ihn stellt. Er würde ihr die Treue halten, selbst wenn es seinen Tod bringt, egal wie viele Schmerzen er noch würde erdulden müssen. Er war ihr ergeben, und die Welt sollte das wissen. Sie war ihm schon einmal genommen worden für lange Zeit, und er würde nicht zulassen daß dies nochmals geschieht. Er hatte schon zu viel verloren. Er brauchte ihren Beistand, er brauchte ihre Kraft. Ohne sie wäre er nahezu gänzlich allein auf der Welt. Eine Welt die ihm eine Vielzahl an Schmerz und Enttäuschungen gebracht hat. Dabei hatte er seit frühster Kindheit immer nur eines gewollt...... Liebe.

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Marek (als Antonius Starken): Wir sind in Rivin. Wo soll man hier vertrauenswürdige Leute finden?


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 Betreff des Beitrags: Re: Schmerz
BeitragVerfasst: Do 10. Apr 2008, 15:03 
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Stahl traf auf Stahl, ließ Funken springen. Wieder und Wieder. Die Klinge musste gehärtet sein, scharf sein und bereit für den Kampf. Schmerz durchdrang ihre Muskeln, ihren Körper. Ihren Geist, ihre Seele, ihr Herz. Und dies war gut so. Während Feuer und Schmiedehammer ihre Klinge bearbeiteten, begann die aus Zorn geborene Rache ihren Verstand zu schärfen. Der durch Verrat entstandene Hass ihr Herz zu härten. Seit ihrer Befreiung aus einer der tiefsten Höllenebenen hatte sie trotz all ihrer Möglichkeiten nicht mehr gemordet. Und seit der unsanften Konfrontation mit der Harfe kein nennenswertes Verbrechen mehr begangen - wenn man vom Konsum illegaler Rauschmittel und dem Ankauf gestohlener Güter absah. Ihre Geschäfte als halbwegs ehrliche Händlerin hatten inzwischen ohnehin wesentlich mehr Gold eingebracht. Auf eine wesentlich weniger riskante Weise als ihre früheren Tätigkeiten. Doch nun hatten sich ihre Feinde zusammen getan um ihr Leben zu zerstören. Jetzt jedoch werden sie es sein, die zerstört werden. Starken, Treben und noch ein paar Unbekannte im Hintergrund, welche die Fäden bei dieser Intrige gegen sie zogen. Sie zwangen sie dazu ein altes Leben wieder aufzunehmen, das sie längst aufgegeben hatte. Dafür werden sie bitter bezahlen. Denn Niemand weckt ungestraft einen Drachen im Winterschlaf. Ihre Feinde wollen erreichen, dass sie untergeht - doch das wird sie nicht kampflos tun. Sollen sie ruhig weiter versuchen sie zu vernichten. Sie wird dafür Sorge tragen so viele wie möglich von ihnen mitzunehmen.

Schmerz hatte sie geschaffen, aus Schmerz war sie geboren... nein, geschmiedet worden. Lange genug hatte sie sich im Selbstmitleid gesuhlt, doch nun hatte dies ein Ende. Ihre Feinde waren der Ansicht sie hatte mit all den Qualen die sie in der Höllenebene erleiden musste noch nicht genug für ihre Taten bezahlt. Vielleicht hatten sie Recht damit. Aber wer ein Tier in die Ecke zu drängen versucht muss auch damit rechnen, dass es beißen wird. Ihre Feinde dachten sie wäre gezähmt, ein Wolf ohne Zähne. Ein Hund der nur bellt aber nicht beißt. Damit hatten sie bisher recht behalten. Morbide Sprüche um sich selbst stark fühlen zu können und leere Drohungen. Zwischendurch ein Winseln und das Flehen um Gnade wie es ein verwundetes Tier tut. Mehr war von ihrem früheren Selbst nicht mehr da. Doch der Schmerz nahm überhand und überstieg die Grenze des Erträglichen. Sie hätten es schneller und einfacher machen sollen. Verwunde nicht, was du nicht töten kannst. Jetzt waren sie an der Reihe zu bezahlen und die gerechte Strafe für ihre Taten aus Sharas Händen zu empfangen. Ab nun würden sie leiden, leiden, leiden. Sie streckte das fertige Schwert in die Höhe, die Klinge funkelte im Licht der aufgehenden, blutroten Sonne. Bevor sie wieder untergeht wird das erste Blut bereits vergoßen sein. Heute werden Menschen die Hölle auf Erden erleben. Sie werden sehen wie die Hölle wirklich ist, kurz bevor sie sterben. Und egal was für ihre Seelen danach kommen mag, es wird wie Erlösung sein.

Keine Rache, sondern Bestrafung.

Die Sonne ließ den Morgen beginnen.

Gerechtigkeit.

Ein neuer Tag war angebrochen.

Zahltag.

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 Betreff des Beitrags: Re: Schmerz
BeitragVerfasst: So 13. Apr 2008, 02:07 
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Allein...
Allein in der Finsternis, allein auf der Welt. Allein und verlassen... Flüssiges Salz rinnt über das Gesicht, läßt den Schmerz noch stärker brennen, läßt ihn aufflammen wo immer es die Haut benetzt. Allein mit der Qual, die Schmerzensschreie ungehört, finden nicht ihren Weg nach außen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Schmerz
BeitragVerfasst: Do 17. Apr 2008, 07:46 
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Der Raum stank nach Schweiß und Ratten, nach Blut und Stahl, nach verbranntem Fleisch und nach Fäkalien. Schlaff hing sie in den Ketten durch die ihre Hände an der Decke befestigt waren. Das Blut suchte sich den Weg über ihren Körper, tropfte an ihm hinab zu Boden. Erneut hatte sie ihre Nachsichtigkeit bestraft. Wieder hatte sie trotz ihrer Entschlossenheit einen Feind am Leben gelassen anstatt ihn zu töten, auf die Macht der Worte und auf seine Vernunft gebaut. Doch inzwischen war es gleichgültig. Egal welche Schmerzen und welche Demütigung man ihr noch zufügen würde, es würde den Menschen in ihr nicht mehr erreichen. Nur den Zorn der Bestie noch mehr steigern. Man hatte auf sie eingeschlagen, zunächst mit Fäusen und dann mit Knüppeln. Ihr gedroht und ihr mitgeteilt, was man ihr noch antun könnte. Hatte sie erniedrigt und geschändet. Doch der entscheidende Punkt war... sie lebte noch. Für den Menschen wären andere Dinge wichtig gewesen doch für die Bestie zählt nur das. Vor langer Zeit in einem dunklen Keller entstanden als ein Kind an Grenzen getrieben wurde, die der Verstand nicht überleben konnte.

Damals hatte die Bestie zum ersten Mal übernommen... wie eine fremde Macht die den Körper steuert sobald der Verstand sich ausklinken muss. Ohne Gewissen und ohne Moral. Gesteuert nur von Instinkten und Begierden. Getrieben vom reinen Überlebenswillen. Tief im Innern hatte der Mensch geschlafen während die Bestie gemordet und gewütet hatte. Durch Verständnis und Freundschaft, Zuneigung und Liebe jedoch war es gelungen die Bestie in den Schlaf zu wiegen. Und so konnte der todgeglaubte Mensch hinter ihren Augen langsam und mit grösste Vorsicht wieder erwachen. Um sich misstrauisch voran zu tasten. Doch nun war es egal. Was auch immer sie ihr nun noch antaten, sie würden sie nicht mehr erreichen.

Verborgen unter einer Schicht von Blut schlug das kürzlich erwachte Tier erneut seine Augen auf und freute sich bereits auf den heutigen Tag. Ein düsteres Lächeln zog sich über Sharas trockene, aufgesprungene Lippen. Und dann wurde dieser weitere Tag im Leben der Bestie von leisem Gekicher begrüsst welches sich seinen Weg durch die Kerkerhallen bahnte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Schmerz
BeitragVerfasst: Do 12. Jun 2008, 12:22 
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Jahre waren vergangen seit jenem Tag, an dem er sein Schicksal in die Hände von Menschen gelegt hatte, die ihn einsperrten. Vieles war seitdem geschehen. Und nun war er wieder ein Gefangener, wie er es in gewisser Weise fast sein ganzes Leben lang war. Doch nie hatte er über einen so langen Zeitraum eine so extreme Form der Isolation erfahren.

Die Gründe wieso alles so kam, die Gründe wieso er tat was er tat, die Gründe wieso er Shara und Amelie verriet und all diese Dinge, waren vielfältig. Und je öfter er darüber nachdachte desto mehr Einzelheiten führte er sich vor Bewußtsein. Es war eine lange Entwicklung. Es hatte zu tun mit manchen Dingen die schon vor Jahren geschahen oder sich über einen längeren Zeitraum erstreckten und mit manchen Dingen die sich erst in jüngerer Zeit zufällig ergaben. Eine ungünstige Kombination aus Ursachen, Gründen, parallelen Entwicklungen, Anlässen und sich zufällig ergebenen Konstellationen hatte so weit geführt. Zahlreiche Szenen blitzten vor seinem geistigen Auge wieder auf, als würde er die Szenen, die zu dieser schicksalhaften Entwicklung führten, im Schnelldurchlauf erneut erleben. Es waren Szenen von Dingen die ihn enttäuschten oder sein Mißtrauen weckten, die ihn sich einsam, ausgeschlossen, außen vor oder verraten fühlen ließen und manch andere Dinge die seine Meinung über manche Menschen beeinflußte. Szenen, die sein Leben und seine weitere Entwicklung, seine Wünsche und Ziele formten, und andere Dinge und Handlungen von Menschen, die diese wieder durchkreuzten oder sich ihn schlecht fühlen ließen.

Es war die Geschichte eines Jungen, der nach Geborgenheit und Selbstverwirklichung suchte, diese teilweise auch erlangte, doch dann mehr und mehr wieder in der Entfremdung und Isolation versank. Doch er wußte es würde ihm nie gelingen jemanden vollständig verstehen zu lassen, wieso die Dinge kamen wie sie kamen, auch wenn manche es zumindest ungefähr erfassen konnten.

Doch wie man es auch drehte und wendete, Tatsache war und blieb, daß Treben in dieser Geschichte ein Verlierer war. Er hatte alles verloren, was für ihn von Bedeutung war. Er war gefangen und spürte in sich eine unendliche Leere, Verwirrung und Niedergeschlagenheit. Zudem war er dreckig und zerschunden durch die Gefangenschaft und hatte keine Aussicht auf ein angenehmeres Körpergefühl.

Stunden vergingen, Tage, Zehntage... Treben verlor jedes Zeitgefühl und konnte es nicht mehr ermessen. Doch je mehr Zeit verging, desto seltener wurde sein nachgrübeln. Er war alles schon so oft im Kopf durchgegangen, die Dinge die ihn hierhin führten und was hier geschehen war, daß es keinen Sinn mehr machte. Er suchte Zuflucht im Schlaf und im geistigen Abschalten auch im Wachzustand. Mal konzentrierte er sich im Kopf auf das geistige Wiederholen irgendwelcher Dinge, die er im Zuge seiner Ausbildung auswendig gelernt hatte, damit sein Magiergeist eine Beschäftigung findet. Oftmals war er dazu jedoch gar nicht mehr in der Lage und brachte bestenfalls irgendwelche monotonen, sich immer wiederholenden Bewegungen zustande, auf die er sich konzentrieren und dabei in geistigen Stumpfsinn absinken konnte, auch wenn er dadurch mehr wie ein Schwachsinniger anmuten mochte. Manchmal lauschte er auch noch auf die Gardisten vor seiner Zelle, wenn diese miteinander sprachen.

Doch er war froh wann immer er nicht bei vollem Bewußtsein war und mehr in einen geistigen Dämmerzustand abglitt durch die Monotonie und Erschöpfung, denn so verging die Zeit schneller. Und wann immer er nicht voll bei Bewußtsein war, spürte er auch nicht diesen großen Schmerz in seinem Herzen. Und wann immer er nicht bei vollem Bewußtsein war, mußte er sich nicht fragen, ob es da draußen noch Leute gibt, die aktiv für seine Freiheit kämpfen, oder ob man ihn schon längst vergessen hat.

Gerechtigkeit, daran konnte er nicht mehr glauben. Er hatte nichts verbrochen was diese Behandlung rechtfertigte. Doch er konnte nichts tun, außer sich zusammenkauern und darauf zu hoffen daß dieser Zustand irgendwann auf die ein oder andere Art ein Ende finden würde. Es war eine bittere Ironie, daß gerade jetzt, wo er sich entschlossen hatte dieser Stadt endlich den Rücken zu kehren, er gezwungen wurde länger hier zu verweilen als Gefangener. Und auch wenn man ihm in moralischer Hinsicht Vorwürfe machte, die er teils nicht völlig von der Hand weisen konnte, so sah er sich aus rechtlicher Hinsicht nicht als Verbrecher, denn er hatte nur versucht die Ermittlungen der Garde zu unterstützen durch vertrauliche Informationen. Es war ein Fehler gewesen. Er hatte zuvor gewußt, daß er Starken nicht trauen konnte. Er hätte auf sein Gefühl hören müssen und den Rat seiner Freunde.

Aber dafür war es nun zu spät... Und nahezu alles, was ihm in den letzten Jahren Kraft gegeben hatte schwere Zeiten zu durchstehen, war verschwunden. Alles, bis auf die ihm eigene Durchhaltefähigkeit, die er schon in jungen Jahren gezwungenermaßen erwerben mußte. Doch wer oder was er sein würde und wie viel von ihm noch geblieben sein würde, falls er tatsächlich eines Tages wieder frei kommen sollte, das stand in den Sternen. In den Sternen, die er schon so lange nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte, daß sie selbst in seinen Erinnerungen verblaßten. Seine stummen Gebete blieben unerhört und wohlmöglich auch ungehört.

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 Betreff des Beitrags: Re: Schmerz
BeitragVerfasst: Do 19. Jun 2008, 10:34 
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länger seine Gefangenschaft und damit verbundene Isolation andauerte, desto mehr litten sein Geist und Verstand darunter. Ob es sich dabei um dauerhafte Schädigung oder nur eine vorübergehende Beeinträchtigung handelt, hätte zu diesem Zeitpunkt noch niemand beantworten können.

Auffällig war, daß es nun immer öfter vorkam, daß er seine tägliche Mahlzeit unberührt stehenließ. Unklar war hierbei jedoch, ob er die Nahrung vorsätzlich verweigerte oder ob er aufgrund seines emotionalen Zustandes kaum noch einen Bissen herunter bekam oder ob der Grund jener war, daß er nun schon so oft und so langanhaltend in seine inneren Welten und Dämmerzustände versank, daß er von dem Vorhandensein von Essen oftmals gar nichts mehr mitbekam oder erst sehr verspätet.

Tatsache war nur, daß das Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme bei ihm immer mehr abzunehmen schien. Und da er ohnehin immer sehr schlank gewesen war, sah er durch die zusätzliche Gewichtsabnahme schon bald recht dürr und knochig aus. Selbst seine Wangen waren eingefallen.

In seinem Inneren zerbrach die Welt immer mehr in Scherben. Während er während der Anfangszeit die Ereignisse der Vergangenheit noch systematisch analysiert hatte, Klärung und Ordnung hineinbrachte, so stellte sich nun der gegenteilige Prozeß ein. Aus Verweiflung über seine Situation, mangelnder Ablenkung durch Außenreize und durch das immer wieder verstandesmäßige Durchleben von Dingen, entwickelte sich wie bei einem leichten Aufkeimen von Irrsinn oder einem Schlafzustand immer mehr eine Verquirrlung von Wahrheit und Fiktion. Die Ereignisse wurden durcheinandergewirbelt, im Kopf umgeschrieben.

Immer abstrakter wurden die geistigen Vorstellungen und inneren Welten in die er sich flüchtete. In der inneren und äußeren Welt gab es keine Präsenz mehr, die ihm geholfen hätte zu Ruhe, Ordnung und geistiger Klarheit zurückzufinden. Und so kam es daß seine guten, schlimmen und naiv in schillernden Farben wallenden Traumwelten mehr und mehr Zustand seines geistigen Erlebens wurden. Und so waren sie es, die in ihm Freude, Angst, Wut, Verzweiflung oder Faszination auslösten, je nachdem in welche Richtung sie sich gerade entwickelten. Denn sie waren ohne jegliche Struktur oder logische Ordnung. Sie waren eine Zusammenstellung aus Wahrnehmungen, wie sie selbst auf einen komplett debilen Geist noch Wirkung hätten haben können.

Und so bewegte Treben sich in Welten, in denen Intelligenz, Logik und ein klarer Verstand nicht mehr von Nöten waren und nichts mehr zählten. Es gab nun keinen Unterschied mehr zwischen Wahrheit oder Lüge, zwischen richtig oder falsch, zwischen real und imaginär. Es gab nurnoch die wirren Welten, die sein eigener Geist erschuff, um überhaupt noch eine Form der Beschäftigung und Stimmulation zu haben und um der Bitterkeit der bei klarem Verstand erlebten Realität zu entfliehen.

Und doch spürte er im Inneren unterschwellig nach wie vor diese Leere und den damit verbundenen Schmerz, spürte, daß ihm etwas Elementares fehlte, was früher sein Leben ausgemacht hatte und dessen Triebkraft war, auch wenn es immer seltener vorkam, daß er gezielt über dieses Etwas nachdachte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Schmerz
BeitragVerfasst: Sa 28. Jun 2008, 01:18 
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Der körperliche und psychische Zustand von Treben verschlechterte sich weiter. Immer länger und intensiver wurden seine Phasen der Apathie und der monotonen Verhaltensweisen. Klare Momente waren kaum noch festzustellen, bestenfalls welche die weniger verklärt waren als andere. Auch seine Nahrungsaufnahme wurde immer seltener und sein Gebahren immer tierhafter.

Und doch geschah es eines Nachts, daß für einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum über eine alte Verbindung, derer er sich nurnoch sehr unterschwellig bewußt war, ein Strom von etwas... Positivem zu ihm überfloß. Wie eine Art Echo von positiven Gefühlen. Das Gefühl von Zärtlichkeit, von liebevoller Zuwendung und Geborgenheit. Das Gefühl von "sich wohl fühlen" und mit wohligem Gefühl entspannen.

Doch waren dies nicht Trebens eigene Gefühle. Auch wenn er sie fast wie die eigenen in seinem Inneren spüren konnte, so erreichte ihn nur eine deutlich abgeflaute Version davon. Fast fühlte es sich echt an, doch schmolz diese Wärme in Trebens erkaltetem, überschatteten und verwirrtem Geist wie Eis, noch ehe er Gelegenheit hatte sie mit vollem Bewußtsein wahrzunehmen. Schnell war sie geschluckt im imaginären Gewirr aus Schatten, düsteren Erinnerungen und düsteren Vorstellungen, bis selbst die blasse Erinnerung an diesen scheinbar lichten Moment schon bald im Sumpf des Vergessens versank und die bösen Träume wieder Hemmungslos die Oberhand gewannen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Schmerz
BeitragVerfasst: Mo 30. Jun 2008, 15:39 
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Sein Leiden war vorüber. Langsam klärten sich seine Gedanken und er kam zu neuen Erkenntnissen. Jene waren einerseits schmerzhaft aber andererseits auch... Hoffnung gebend.

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